Das erste Mal in 42 Jahren Finki-Festival: ausverkauft

In all den 42 Jahren „Guru-Feschd“, wie die Einheimischen das Finki-Festival liebevoll nennen, hat es das noch nicht gegeben: „Ausverkauft“ heißt es bereits am frühen Freitagabend. Guru-Guru-Booker Karl-Heinz Osche freut sich am Eingang wie ein Schneekönig, auch Armin Löffler vom mitveranstaltenden FC Finkenbachtal hat ein breites Lächeln im Gesicht. Ein Lohn der harten Arbeit im Vorfeld, meint er. Mani Neumeier, der Kopf von Guru Guru, ist im Jahr des 50. Bandjubiläums einfach nur glücklich darüber, dass „seine“ Musik so viele Anhänger hat.

Dass die Band ein halbes Jahrhundert bestehen würde und das Guru-Feschd seit 42 Jahren, „hätte ich damals nie gedacht“, meint er im Gespräch. „Es ist ein Wunder, dass so etwas passieren kann“, sagt der 77-Jährige angesichts der heutigen Gesellschaft, in der nur das „Schneller, Höher, Weiter“ zähle. Ihm tut es leid, dass manche Interessierte nicht mehr aufs Gelände dürfen. Für die wurde aber dann am Samstag als Jubiläumsgeschenk der blickdichte Zaun entfernt, sodass sie als „Zaungäste“ trotzdem noch einen guten Blick auf die Gurus zu deren „50.“ hatten.

Wenn Mani Neumeier 50 Jahre zurückblickt, wird er etwas wehmütig. „Viele Kollegen von damals sind schon gestorben.“ Deshalb ist es für ihn ein großes Glück, „dass ich immer noch mitspielen darf“. Das diesjährige Festival ist „wie Geburtstag und Weihnachten zugleich“. Der Musiker empfindet es als faszinierend, „so lange diese Kultur machen zu können, die man sonst auf dem Land nicht findet“. Denn „wir haben einen hohen Qualitätsanspruch“. Die Besucher kommen von weit her, um auf dem Finki Bands geballt live zu sehen, die anderswo kaum noch zu erleben sind.

Auch wenn es dieses Mal besonders voll ist, beim Auftritt des Gurus sich die Leute dicht an dicht drängen, „bleibt es immer noch gemütlich“, weiß er. „Kein Tohuwabohu wie Wacken.“ Jeder kennt jeden. Laufend muss der 77-Jährige eine Hand schütteln, wird umarmt, bekommt von Amon Düül ein T-Shirt in die Hand gedrückt, signiert Plakate. Geduldig macht Neumeier alles mit. Alte Weggefährten, mit denen er vor mehr als vier Jahrzehnten auf der Bühne stand, kommen vorbei und freuen sich wie Bolle, endlich mal wieder den Mani zu treffen.

Der Auftritt von Guru Guru ist dann auch so etwas wie eine Zeitreise. Es gibt Stücke der neuen CD „Rotate“ zu hören, aber auch einen Ausflug in frühere Jahrzehnte. Ex-Gitarrist Ax Genrich kommt zum „LSD-March“ von 1970 auf die Bühne, Luigi Archetti greift bei „Moshi Moshi“ aus 1997 in die Saiten. Für den Samstagabend bedeutet dies, dass beim Auftritt der Krautrock-Legenden der Festivalplatz aus allen Nähten platzt.

Die Jungs von „Epitaph“, dieses Jahr der Opener des Festivals, „habe ich das erste Mal in den 70er Jahren in Darmstadt getroffen“, erzählt Neumeier. Auch die Musiker von „Amon Düül“ kennt er „bereits seit Urzeiten“. Mit „Kraan“ hat er vor ein paar Jahrzehnten CDs aufgenommen. Alle freuen sich, „dass wir noch leben“, grinst der Guru-Chef. Wenn die Knochen halten, „spiele ich noch jahrelang“, kündigt der 77-Jährige an. Wann Schluss sein wird, weiß auch er nicht. „Das macht das Ganze prickelnder“, gewinnt Mani Neumeier dem Altern eine gewisse Spannung ab.

„Das waren die besten heute Abend“, war mehrfach über den Opener Epitaph zu hören. Die Hannoveraner Krautrock-Legenden, denen sich die langen Musik-Jahre als Falten ins Gesicht gemeißelt haben, spielen straighten Hardrock ohne viele Schnörkel.

Die Dissidenten im Anschluss sind eindeutig sperriger, auch wenn ihre Weltmusik mit Querflöte, Drehleier und Mandoline samt arabischen Klängen viel differenzierter rüberkommt. Mit viel Verspätung geht’s dann mit Amon Düül II weiter. Und die Ohren machen Augen. Komplex, verspielt, vertrackt, rockig, mächtig schallt der Sound über den sich langsam wegen der herankriechenden Kälte leerenden Platz.

Marblewood beschloss am frühen Morgen den Tag. „Jane“ am Samstagabend bildete nach dem umjubelten Guru-Auftritt einen hochkarätigen Abschluss. Die Band mit ihrem puren Hardrock begeisterte noch einmal die Massen, während sich bei „Vibravoid“ langsam aber sicher die Reihen leerten. Kein Wunder, denn inzwischen zeigte das Thermometer nur noch zehn Grad.

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Posted by Thomas Wilken on Sunday, August 12, 2018

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Ein ganzer Ort stemmt jedes Jahr das „Finki“

Um 1 Uhr in der Nacht auf Sonntag ist die Spannung weg. Tagelang hatten die Organisatoren zittern müssen, ob das Finki wegen Hitze und Waldbrandgefahr überhaupt stattfinden würde. Und dann dieser Erfolg, mit dem keiner rechnete. „Total zufrieden“, lautet sein Fazit. Besser geht eigentlich nicht. Die Fortsetzung 2019? „Na klar“, meint Armin Löffler von FC Finkenbachtal. Wenn alles aufgeräumt und Ruhe eingekehrt ist, werden die Planungen fürs nächste Jahr starten.

Die Organisation des Finki-Festivals ist ein Kraftakt für das 550-Seelen-Dorf. Die gesamte Bevölkerung zieht mit, damit diese einmalige Veranstaltung jedes Jahr in der Ortsmitte über die Bühne gehen kann. Für die Anwohner bedeutet es eine knappe Woche ohne Schlaf. Dieses Jahr waren es ein oder zwei Tage mehr Ruhe, weil die Camper wegen der erhöhten Brandschutzmaßnahmen erst am Donnerstag aufbauen durften.

Gerd Brechenser, der Vorsitzende des mit veranstaltenden FC Finkenbachtal, wird deshalb nicht müde, am Freitagabend nach dem „Dissidenten“-Auftritt seinen Dank an die Ortsbevölkerung zu betonen. Denn die hört nicht nur die Musik, ob sie will oder nicht, sondern bringt sich auch noch in den verschiedenen Servicediensten ein oder steuert Kaffee und Kuchen bei. 150 mit Liebe gebackene Nachmittagsleckereien kommen so in der Regel zusammen. Vom Kartoffel-Schnippeln mal ganz abgesehen. Zentnerweise werden so die begehrten Bratkartoffeln vorbereitet.

Alle Helferegal welcher Couleur schließt Brechsener in seinen abendlichen Dank mit ein. Ganz besonders aber richtet sich der an einen, ohne den es das Finki nicht gäbe: Mani Neumeier. Zum 50. Bandjubiläum, dem 36. Finki in 42 Jahren und „dem 30. mit dem FC“ gibt’s eine gedrechselte Holzplakette mit Flyer drauf. Die treuen, friedlichen Fans werden in den Worten von Brechenser und Löffler natürlich nicht vergessen. Verbunden mit der Bitte, auf dem Heimweg einen sauberen Ort zu hinterlassen.

Da wegen der Hitze und Trockenheit in diesem Jahr die Brandsicherheitsvorschriften verschärft worden waren, kümmerten sich die Feuerwehren aus Rothenberg, Finkenbach, Ober-Hainbrunn und Kortelshütte statt der Parkplatzeinweisung vorrangig um deren Einhaltung. 88 Brandschützer teilten sich die 70 Dienste von Donnerstag, 9 Uhr, bis Sonntag, 13 Uhr. „Vor allem Zigarettenkippen und Gaskocher“ wurden auf dem Campinggelände beanstandet, sagt Timo Fink aus Kortelshütte. „Die meisten sind aber sehr einsichtig“, lobt er die Mitwirkung der Gäste.

Das DRK Rothenberg mit Bereitschaftsleiterin Anja Braner hat seine Zelte gegenüber des Eingangs aufgeschlagen. „Das ist praktischer als auf dem Gelände“, erläutert sie. Es geht so im Notfall schneller, einen Verletzten mit dem Krankenwagen abzutransportieren. 14 Ehrenamtliche, die von Beerfelden unterstützt werden, samt einer Finkenbacher Voraushelferin, kümmern sich um die Besucher.

Am späteren Abend sind es vor allem der Alkohol und andere Rauschmittel, die manchen zu schaffen machen. Aber es ist für die Helfer zum Glück nicht allzu viel los, es bleibt meist friedlich. „Wenn die alle Schuhe anziehen würden, hätten wir weniger zu tun“, deutet Braner auf nackte Füße der Besucher, die sich so öfters Glasscherben einfangen. Auch Löffler sieht alles im Rahmen des Normalen. „Wie immer halt.“

„So einen guten Besuch habe ich noch nie erlebt“, sagt Booker Karl-Heinz Osche. 2500 Armbänder wurden hergestellt „und die sind alle verkauft“. Dazu kommen noch etliche Tagesgäste und Einwohner. Das optimale Festivalwetter – immer leicht bewölkt, nicht wärmer als 25 Grad – tut sein Übriges. Freitagabends ist es bereits so voll wie sonst samstags – inklusive gemütlicher Feierstimmung. Samstags bei den Gurus ist kein Durchkommen mehr. Es ist eben das Finki, das etwas andere Festival ohne großen Trubel. Fortsetzung folgt.

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Posted by Thomas Wilken on Sunday, August 12, 2018

 

Am 10. und 11. August findet das Finki-Festival zum 36. Mal statt – Jubiläum 50 Jahre Guru Guru

Es ist zwar noch einen Monat hin bis zum „Finki“, dem legendären Krautrock-Festival im Odenwald Mitte August. Doch alle Fans der Traditionsveranstaltung können sich den Termin schon einmal dick im Kalender anstreichen. Denn das Line-up der 36. Auflage 42 Jahre nach dem ersten Festival steht fest. Zwei Unterbrechungen erklären die Zahlendifferenz. Noch eine Zahl, diesmal eine runde: Die Gründer von „Guru Guru“ um Mani Neumeier feiern dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Wenn das kein Grund für eine große Party ist.

Neun weitere Bands haben die Organisatoren für das Wochenende des 10. und 11. August zusammengetrommelt, die auf dem Festivalgelände beim Sportplatz des 450-Seelen-Dorfs zwei Tage lang für ausgelassene Stimmung und einen Hauch von Odenwald-Woodstock sorgen werden. Kraan, Jane, Birth Control, Amon Düül 2 und Epitaph sind alte Bekannte. Zusammen mit Faust und Embryo vervollständigen sie den Musik-Event. Mit Vibravoid und Marblewood ist das Line-Up für die beiden Tage komplett.

Kraan ist eine der dienstältesten heute noch aktiven Krautrockbands. Es wird interessanter Jazzrock mit arabischen und progressiven Einflüssen gespielt. Die 1969 gegründete Formation Epitaph hat insbesondere in den Siebzigern Musikgeschichte geschrieben. Als erste deutsche Band tourten sie in den USA. Massenhafte eigene Headlinertouren und gemeinsame Touren mit Joe Cocker, den Scorpions, ZZ- Top oder auch Saga sowie unzählige Festivalauftritte machten sie zu einer der kultigsten deutschen Rockbands.

Amon Düül II ist eine deutsche Rockband, die sich im Zuge der Studentenbewegung Ende der 1960er Jahre bildete und in verschiedenen Formationen bis in die Gegenwart besteht. Sie gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Krautrock. Marblewood ist ein Zürich beheimatetes Trio. Die Musiker verbinden in ihrer Klangkunst ausgedehnte Jams und freie Improvisationen mit vergleichsweise kurz zum Vorschein kommenden durchkomponierten Passagen.

Birth Control steht für exzellente progressive Rockmusik, die über Jahrzehnte die Fans im In- und Ausland vor allem bei den Live-Konzerten begeisterten. Die Band wird diesen Spirit im Sinne des verstorbenen Bernd Noske weiter leben lassen – und zwar mit Musikern, die schon in den vergangenen fünf Jahrzehnten den Sound mitgeprägt haben. Vibravoid spielen einen von den frühen Pink Floyd beeinflussten Psychedelic Rock. Embryo gelten als eine der bedeutendsten deutschen Krautrockbands der 1970er Jahre. Sie entwickelten sich vom jazzigen Krautrock zu einer Weltmusik-Band, die es versteht, verschiedenste Stile und Richtungen miteinander zu vereinen.

Faust entstand 1970 in Hamburg, als sich die Mitglieder zweier früherer Bands, Nukleus und Campylognatus Citelli, zusammenschlossen. Jane ist eine deutsche Rockband aus Hannover, ebenfalls 1970 gegründet. Bis heute konnte sie in ganz Europa, Neuseeland und Amerika an die zwei Millionen Schallplatten verkaufen. Seit einigen Monaten steht das aktuelle Werk „Traces“ in den Geschäften.

„Die Einmaligkeit dieser Veranstaltung“ und absolut positive Resonanz der Besucher ist laut Armin Löffler vom mitveranstaltenden FC Finkenbachtal die Motivation für alle Beteiligten, jedes Jahr das Festival wieder auf die Beine zu stellen. Nach dem Finki ist dabei schon vor dem Festival: Die Planungen für dieses Jahr starteten bereits rasch nach dem letztjährigen Event. Dazu setzten sich Löffler, der Vorstand des FC, Karl-Heinz Osche, der Booker von Guru Guru, und Mani Neumaier, Chef der Band, zusammen.

Wen verpflichtet Mani Neumaier fürs Finki? „Die Bands müssen mir gefallen“, erläutert er, musikalisch hochwertig sein, authentisch. „Keine Coverbands und keine Popsülze“ ist ein weiteres Kriterium. „Oft kenne ich sie persönlich, ich sehe mir Live-Auftritte oder Filme an“, erzählt er. Der besondere Reiz des Finki ist für ihn: „Ich kann echte Kultur machen, jenseits von kommerziellen Absichten.“ Zum 50. Guru-Jubiläum liegt der Schwerpunkt auf alten Bekannten.

Weitere Infos

Zeitplan: Freitag, 10. August, 17 Uhr Einlass, 19 Uhr Epitaph, 21 Uhr Faust, 23 Uhr Amon Düül II, 1 Uhr Marblewood.  Samstag, 11. August, 13 Uhr Einlass, 15 Uhr Embryo, 17 Uhr Birth Control, 19 Uhr Kraan, 21 Uhr Guru Guru, 23 Uhr Jane, 1 Uhr Vibravoid.

Vorverkauf: Online bei www.reservix.de (Stichwort „Finki“ in der Suche eingeben), per E-Mail unter ticket@finki-festival.de, telefonisch unter 06235/491997. Hard-Tickets gibt es in: Mannheim (Come Back), Finkenbach (Mareikes Backshop), Würzburg (H2O Plattenladen), Aschaffenburg (Echobeat), Darmstadt (Come Back), Weitere Infos unter www.finki-festival.de

Hintergrund Finki-Festival

„Es war 1976, als ein Fest der Finkenbacher Feuerwehr zu scheitern drohte, weil die Kapelle kurzfristig absagte“, erzählt Armin Löffler vom FC Finkenbachtal die Entstehung. „Spontan boten vier Wahl-Finkenbacher ihre Hilfe an: Mani Neumeier und seine Band Guru Guru.“ Die für ein Feuerwehrfest recht ungewöhnlichen Klänge seien so gut angekommen, dass Mani und Wilhelm Hotz, der inzwischen verstorbene, damalige Feuerwehrchef, fürs nächste Jahr eine Fortsetzung planten. „Das Finkenbach-Festival war geboren.“ Und erhielt im Ort den Namen „Guru-Fescht“.

Als die Besucherzahlen die Grenze von 10.000 überschritten, „drohte das kleine Dorf zu kollabieren“, weiß Löffler. Deshalb sei 1984 das Festival eingestellt worden, um 1988 neu aufzuleben. Seit dieser Zeit ist auch der FCF mit im Boot und kümmert sich um die Verpflegung. Nach der zweiten Einstellung 2005 „aufgrund von massiven Polizeikontrollen und dementsprechendem Rückgang der Besucherzahlen“ erfolgte das Revival 2008. Seitdem läuft das Festival bis heute.

Die Finki-Fans kennen kein schlechtes Wetter: Das Krautrock-Festival lief wieder super

Für die echten Finki-Fans gibt es kein schlechtes Wetter. Da werden wie am absolut verregneten Wochenende beim Krautrock-Festival im Odenwald Regenponchos in den wildesten Farben ausgepackt. Den Besucherzahlen tut der Dauerregen sowieso praktisch keinen Abbruch. Im Gegenteil: Ohne den Herbsteinbruch im Hochsommer wären die Organisatoren wahrscheinlich auf einen neuen Rekord zugesteuert. „Trotz des miesen Wetters lief es super“, freute sich auf Seiten des mitveranstaltenden FC Finkenbachtal Armin Löffler.

Denn im Vorverkauf gingen ein paar hundert Karten mehr als im vergangenen Jahr über die Bühne. Angler-Gummistiefel ersetzen die normalen Schuhe, eine Filzkappe kollidiert modisch mit einer hellbraun-getönten Dieter-Thomas-Kuhn-Sonnenbrille – oder es geht gleich barfuß aufs Gelände, um den zehn Bands zu lauschen, die Mani Neumeier von „Guru Guru“ wieder zusammengetrommelt hat.

Aber auch sonst ein ähnliches Bild wie bei vorigen Festivals: Freitagabend füllte sich das Gelände zusehends, trudelten gegen 20 Uhr immer mehr Besucher ein. Allerdings ist dann immer noch ein Durchkommen zur Bühne, das am Samstag gegen Abend zunehmend schwieriger wird. Denn wenn traditionsgemäß gegen 21 Uhr Neumeier mit seinen Guru Guru auftritt, schließen sich die Reihen.

Die alten Herren rocken die Bühne wie eh und je. Kein Anzeichen von Müdigkeit bei den über 70-Jährigen, die im kommenden Jahr ihr 50-jähriges Bandbestehen mit einer rauschenden Party beim Finki 2018 feiern wollen. Vielleicht dann ohne die vielen Holzhackschnitzel auf der Wiese, um die schlimmsten Schlammlöcher zuzudecken. Und ohne ein Meer von Regenschirmen gegen das immer wiederkehrende Nass von oben.

Für Mastermind Mani Neumeier ist die Durchführung des „Guru-Feschts“, wie das Finki seit Beginn bei den Einheimischen heißt, immer wieder „eine große Ehre“. Denn als erstes Musikfestival im Odenwald vor 41 Jahren ins Leben gerufen, wird es jedes Jahr aufs Neue durchgeführt. Auch wenn die Sonne nicht vom Himmel knallt, merkt der Musiker immer, „dass das Feeling stimmt“. Aus den Rückmeldungen von Besuchern hat er erfahren, wie wichtig denen die große Fete in ihrem Kalender ist.

Neumeier spielt viele Konzerte auswärts, aber das Heimspiel ist für ihn etwas Besonderes. „Den Platz, die Musik, die Schwingungen“ empfindet er im Finkenbachtal anders. Das Gelände und die Atmosphäre sind für ihn außergewöhnlich. „Das ist echte und unverfälschte Kultur“, schwärmt er über die auftretenden Bands. Ohne viel „Hitparaden-Brimborium“ spielen auf „seinem“ Finki Gruppen außerhalb des Üblichen. „Das wird von den Leuten geschätzt“, weiß er.

Um immer wieder neue Acts zu finden, nutzt Mani Neumeier auch YouTube. Wie etwa bei „Jack Dupon“, dem Auftakt-Act vom Freitag. Die Franzosen mit außergewöhnlicher Musik und exaltiertem Aussehen „habe ich mir angehört und gebucht“. „Samsara Blues Experiment“ ist eine weitere Gruppe, die es auf diese Weise aufs Finki schaffte. Aber natürlich gehören Veteranen wie die britische Rocklegende Arthur Brown dazu wie das Salz in der Suppe. „So lange es diese Bands noch gibt, kommen sie auch immer wieder“, schmunzelt Neumeier.

Auf diese Weise will er den Fans etwas bieten, das es anderswo kaum gibt. Denn viele Festivals sind für ihn „ohne Gesicht und Griff für die Musik“. Schon vor 50 Jahren, meint Neumeier, „haben wir mit Guru Guru freche Musik gemacht“. Um sich dieses Mal total auszuleben, hat er sich mit Harald Grosskopf (Ashra Tempel) und Eberhard Kranemann (Ex-Kraftwerk) zwei altgediente Recken geholt, „um moderne Sachen zu spielen“.

Die Bandbreite beim Finki ist sowieso phänomenal. „Jobarteh Kunda“ etwa sind eine international besetzte Truppe mit Musikern aus Afrika, der Karibik, den USA, Italien und Deutschland. „DeWolff“ ist eine niederländische Band aus dem Bereich Psychedelic- und Bluesrock. Die „Kunens Män“ aus Stockholm stehen für Improvisationen aus Krautrock, Shoegaze, Noiserock und Free Jazz. Ob er das Finki in einem kurzen Satz charakterisieren kann? Da kommt Mani Neumeier angesichts der vielen Jahre und Eindrücke doch etwas ins Überlegen. „Legendäres Festival mit Herz“, meint er dann nach einer halben Minute sinnierend.

„Das Finki ist einmalig“, betonte der zweite Vorsitzende des FCF, Armin Löffler. „Wohin kommen so viele Besucher, wenn es zwei Tage in Strömen gießt“, meinte er. Die Zuschauerzahl sei angesichts dieser Wetterbedingungen „optimal“ gewesen. Der Samstag war wie immer „sehr gut besucht“. Löffler notierte „nur positive Rückmeldungen“ der Fans aus Deutschland, Schweiz, Österreich oder den Benelux-Staaten, die teilweise seit Jahrzehnten das Finki besuchen.

Die „absolut friedliche, große Feier“ dauerte bis nach 6 Uhr am Sonntagmorgen. „Als ich um 6.30 Uhr nach Hause ging, standen immer noch ein paar am Bierstand“, lachte Löffler. „Dass so etwas mitten im Ort stattfindet“, sorgt bei den Gästen immer wieder für Begeisterung, beobachtete er. Dazu kommt die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. „Das ganze Dorf macht mit“, bedankte er sich bei den Anwohnern.

Heute ist weitere Arbeit angesagt: Durch den nassen Untergrund sind viele Camper mit ihren Fahrzeugen am Finkenbach buchstäblich abgesoffen. Mit Traktoren oder anderem schweren Gerät der Bauern geht es nun daran, die Autos aus dem Sumpf zu ziehen und wieder auf die Straße zu schleppen. Aber das schockt die wenigsten. „Das war vor zwei Jahren auch schon so“, hieß die lakonische Antwort einer Betroffenen.

 

 

Beim Finki-Festival ist der gesamte FC gefordert

Wenn es auf das „Finki“-Festival, das „Woodstock im Odenwald“, zugeht, ist beim mitveranstaltenden FC Finkenbachtal immer viel Arbeit angesagt. Bereits einen Monat vor dem Event am zweiten Augustwochenende starten die Arbeiten auf dem Festplatz neben Sportgelände und Freibad. Dann beginnt eine eingeschworene Truppe von zehn bis 15 Vereinsmitgliedern, die drei in Zuständigkeit des FC fallenden Zelte aufzubauen. Neben Gastro- und Bierzelt ist das auch der Backstagebereich.

„Die Rentner sind dann tagsüber fast jeden Tag anzutreffen“, schmunzelt der zweite Vorsitzende Armin Löffler. Abends kommen dann die Berufstätigen mit dazu und packen an. Etliche Strom- und Wasserleitungen gilt es außerdem zu verlegen. Übers Wochenende vom 11. bis 13. August, wenn dann die Musik spielt, hat der FC 120 Helfer in verschiedenen Schichten im Einsatz. Dazu kommen noch Feuerwehr und Rotes Kreuz.

In der letzten Woche vor dem Happening, das die Kultband „Guru Guru“ mit ihrem Mastermind Main Neumeier musikalisch ausrichtet, herrscht auf Vereinsseite Hochbetrieb. Allerdings ohne viel Hektik, denn der FC ist organisatorisch ja schon seit 30 Jahren mit im Boot. „Uns kann nichts mehr schocken“, blickt Löffler gelassen auf mögliche unvorhergesehene Ereignisse.

Aktuell steht der Zaunaufbau rund um das Gelände an. 110 Elemente à drei Meter sind zu stellen, die danach mit einer undurchsichtigen grünen Plane verkleidet werden. Damit es eben nicht zu viele „Zaungäste“ gibt, die sich den Eintritt ersparen wollen. Der Klassiker beim Finki sind immer die FC-Bratkartoffeln. Damit diese in rauen Mengen bereit stehen, sind im Vorfeld die Hausfrauen des Orts gefordert. 50 von ihnen sind es, die sich ums Abkochen der Kartoffeln kümmern, die auch noch geschnippelt werden müssen.

Noch einmal die gleiche Zahl an Hausfrauen macht sich kurz vor dem Fest ans Backen der diversen Kuchen, die dann die Theke zusammen mit dem Kaffee füllen und die Leckermäuler begeistern. Bei den Fleischwaren setzt der Verein ganz auf die Regionalität, denn sie werden von der Metzgerei Beisel und Jehle und Rothenberg bezogen. Das Bier kommt in Form der Marke Radeberger von etwas weiter her. Erstmals gibt’s in diesem Jahr Pepsi statt Coca Cola. „Wir zapfen die aus 25-Liter-Behältern“, so Löffler. Damit fällt das umständliche Hantieren mit den Flaschen weg.

Die Verpflegung ist das eine, die Instandsetzung des Platzes das andere. Jürgen Bartmann kümmert sich um das Mähen des Rasens. Danach kommt die Feuerwehr angerückt und zieht „Schneisen“ mit Flatterband, um Rettungswege freizuhalten. Die Brandschützer sind auch bei der Statik der Bühne gefordert. An jeder Ecke wird ein Tank mit 20 Kubikmeter Wasser platziert, damit sie bei Wind nicht ins Schwanken gerät.

Ein „Renner“ waren im vergangenen Jahr die Öko-Toiletten, weshalb es sie diesmal wieder gibt. „Die kamen beim Publikum sehr gut an“, lacht Löffler. Denn sie arbeiten ohne Chemie. Wer aufs stille Örtchen geht, schmeißt vorher erst einmal eine Ladung Sägemehl hinein…

Nachdem auch immer mehr Festivalgäste den Luxus eines Bettes zu schätzen wissen, sind die meisten Übernachtungsmöglichkeiten jetzt schon ausgebucht. Das macht es für Löffler gar nicht einfach, für die Bands noch ein zusätzliches Zimmer aufzutun, wenn sich bei diesen die Anzahl der Mannschaft ändert. Die Musiker sind in der Raubach, in Gammelsbach und in Beerfelden sehr Finkenbach-nah untergebracht.

Traditionsgemäß stehen natürlich im kompletten Finkenbachtal etliche Zeltplätze zur Verfügung – für all diejenigen, die authentische Festivalluft schnuppern wollen. Vom Gelände bis an den Ortsausgang Richtung Ober-Hainbrunn zieht sich in der Regel ein buntes Zeltmeer den Bach entlang. Frühstücken können die Camper im Schwimmbad, das auch eine kleine Auswahl an Lebensmitteln bereithält, nachdem der kleine örtliche Laden im Mai zumachte. Über den Mittag ist jeweils der „rollende Bauernladen“ an der ehemaligen Metzgerei vor Ort, damit es an nichts mangelt. Samstag und Sonntag kommt die Rentnerbrigade schon frühmorgens vorbei, um das Gelände wieder ordentlich herzurichten.

Für Mani Neumeier ist das Finki immer „das Highlight des Jahres“. Er freut sich, in Finkenbach vor vielen alten Bekannten zu spielen und ebenso viele wiederzutreffen. 2018, das ist jetzt schon klar, wird es ein großes Hallo geben. Denn dann wird Guru Guru 50 Jahre alt. Neumeier macht sich schon jetzt Gedanken, wie dies gebührend gefeiert werden kann.

Programm Finki-Festival 2017

Freitag, 11. August, Einlass 17 Uhr, 19 Uhr Jack Dupon, 21 Uhr Neumeier (Guru Guru) & Grosskopf (Ashra Tempel) & Kranemann (ex-Kraftwerk), 23 Uhr Pretty Things, 1 Uhr Samsara Blues Experiment. Samstag, 12. August, Einlass 13 Uhr, 15 Uhr Jobarteh Kunda, 17 Uhr Ease Up Ltd, 19 Uhr DeWolff, 21 Uhr Guru Guru, 23 Uhr Arthur Brown, 1 Uhr Kungens Män. Vorverkauf online bei Reservix, per E-Mail unter ticket@finki-festival.de , telefonische Kartenbestellung unter 06235/491997, Hard-Tickets gibt es in Heidelberg – Crazy Diamond, Mannheim – Come Back, Finkenbach – Bäckerei Hering, Würzburg – H 2 O Plattenladen, Aschaffenburg – Echobeat, Darmstadt – Come Back. Weitere Infos unter http://www.finki-festival.de

 

Das Line-up fürs 35. Finki-Festival am 11. und 12. August in Finkenbach steht fest – natürlich wieder mit Guru Guru

Es sind zwar noch fast fünf Monate bis zum „Finki“, dem Krautrock-Festival im Odenwald Mitte August, doch alle Fans der Traditionsveranstaltung können sich den Termin schon einmal dick im Kalender anstreichen. Denn das Line-up der 35. Auflage ist jetzt bestätigt – und das 41 Jahre nach dem ersten Festival. Zwei Unterbrechungen erklären die Zahlendifferenz.

Natürlich wieder mit dabei: die Gründer von „Guru Guru“ um Mani Neumeier. Neun weitere Bands und Solisten haben die Organisatoren für das Wochenende des 11. und 12. August zusammengetrommelt, die auf dem Festivalgelände beim Sportplatz des 450-Seelen-Dorfs zwei Tage lang für ausgelassene Stimmung und einen Hauch von Odenwald-Woodstock sorgen werden.

Neben „Guru Guru“ im 49. Jahr ihres Bandbestehens sind im Rothenberger Ortsteil am Start: am Freitag, 11. August, ab 19 Uhr (Einlass 17 Uhr) Jack Dupon, Neumeier (Guru Guru) & Grosskopf (Ashra Tempel) & Kranemann (ex-Kraftwerk) (21), Pretty Things (23) und Samsara Blues Experiment (1 Uhr). Der Samstag, 12. August, beginnt um 15 Uhr (Einlass 13 Uhr) mit Jobarteh Kunda, gefolgt von Ease Up Ltd (17), DeWolff (19), Guru Guru (21), Arthur Brown (23) und Kunens Män (1 Uhr).

Jack Dupon ist eine französische AvantProg-Band, die im Jahr 2004 gegründet wurde. Die Band sieht ihren experimentellen Stil in der Tradition der Rock-in-Opposition-Bewegung und bewegt sich zwischen Progressive Rock, Zeuhl, Punk und Noise. The Pretty Things ist eine der ältesten noch aktiven englischen Rockbands. In den 1960er Jahren galt sie als eine der wildesten Gruppen. Samsara Blues Experiment ist eine deutsche Hardrock-/Stonerrock-Band, die 2007 von Christian Peters nach dessen Ausstieg als Gitarrist bei Terraplane gegründet wurde.

Jobarteh Kunda sind eine international besetzte Truppe mit Musikern aus Afrika, der Karibik, den USA, Italien und Deutschland. Die Band kommt aus München und besteht seit 1999. Ease Up Ltd. spielen authentischen Reggae und würzen diesen mit einer Prise Ska und etwas Dancehall. Die Einflüsse der Darmstädter Band liegen jedoch unüberhörbar vor allem im Rootsreggae der 80er und 90er Jahre. Über die Urgesteine Guru Guru mit Mastermind Main Neumeier muss man natürlich keine Worte verlieren.

DeWolff ist eine niederländische Gruppe aus dem Bereich Psychedelic- und Bluesrock. Sie wurde 2007 in Geleen gegründet und besteht aus den Brüdern Luka und Pablo van de Poel sowie Robin Piso. Die Kunens Män aus Stockholm stehen für Improvisationen aus Krautrock, Shoegaze, Noiserock und Free Jazz. Arthur Brown ist eine britische Rocklegende, die schon mehrfach beim Finki zu Gast war. Er verfügt über eine mehrere Oktaven umfassende Stimme.

„Die Einmaligkeit dieser Veranstaltung“ und absolut positive Resonanz der Besucher ist laut Armin Löffler vom mitveranstaltenden FC Finkenbachtal die Motivation für alle Beteiligten, jedes Jahr das Festival wieder auf die Beine zu stellen. Der FC ist seit 1988 mit im Boot und kümmert sich um die Verpflegung. Nach dem Finki ist dabei schon vor dem Festival: Die Planungen für dieses Jahr starteten bereits rasch nach dem letztjährigen Event. Dazu setzten sich Löffler, der Vorstand des FC, Karl-Heinz Osche, der Booker von Guru Guru, und Mani Neumaier, Chef der Band, zusammen.

Wen verpflichtet Mani Neumaier fürs Finki? „Die Bands müssen mir gefallen“, erläutert er, musikalisch hochwertig sein, authentisch. „Keine Coverbands und keine Popsülze“ ist ein weiteres Kriterium. „Oft kenne ich sie persönlich, ich sehe mir Live-Auftritte oder Filme an“, erzählt er. Der besondere Reiz des Finki ist für ihn: „Ich kann echte Kultur machen, jenseits von kommerziellen Absichten.“ Auf dem Festival könne er „Bands featuren, die nicht nach der Hitparade schielen“.

„Es war 1976, als ein Fest der Finkenbacher Feuerwehr zu scheitern drohte, weil die Kapelle kurzfristig absagte“, erzählt Armin Löffler die Entstehung. „Spontan boten vier Wahl-Finkenbacher ihre Hilfe an: Mani Neumeier und seine Band Guru Guru.“ Die für ein Feuerwehrfest recht ungewöhnlichen Klänge seien so gut angekommen, dass Mani und Wilhelm Hotz, der inzwischen verstorbene, damalige Feuerwehrhauptmann, fürs nächste Jahr eine Fortsetzung planten. „Das Finkenbach-Festival war geboren.“ Und erhielt im Ort den Namen „Guru-Fescht“.

Als die Besucherzahlen die Grenze von 10.000 überschritten, „drohte das kleine Dorf zu kollabieren“, weiß Löffler. Deshalb sei 1984 das Festival eingestellt worden, um 1988 neu aufzuleben. Seit dieser Zeit ist auch der FC Finkenbachtal mit im Boot und kümmert sich um die Verpflegung. Nach der zweiten Einstellung 2005 „aufgrund von massiven Polizeikontrollen und dementsprechendem Rückgang der Besucherzahlen“ erfolgte das Revival 2008. Seitdem läuft das Festival bis heute.

Info: www.finki-festival.de, Kartenvorverkauf online bei www.reservix.de, per E-Mail unter ticket@finki-festival.de, telefonisch unter 06235/491997. Hard-Tickets gibt es: in Heidelberg bei Crazy Diamond, in Mannheim bei Come Back, in Finkenbach bei der Bäckerei Hering, in Würzburg beim H2O Plattenladen, in Aschaffenburg bei Echobeat und in Darmstadt bei Come Back.

 

Das Finki 2016 verlief „absolut bombastisch“

Vom Ortseingang zieht sich eine bunte Zeltlandschaft bis in die Dorfmitte zum Sportplatz. Genauso lang ist in alle Richtungen die Schlange der parkenden Autos. Zum morgendlichen Nebel über den Zelten mischen sich auch andere Gerüche. Menschenmassen sind auf den sonst wenig befahrenen Ortsstraßen unterwegs. Es ist wieder „Finki-Time“. 40 Jahre nach der Premiere des damaligen „Guru-Feschds“ pilgern in diesem Jahr besonders viele Zuschauer zum Woodstock des Odenwalds. Das Schöne dabei: Alles läuft absolut friedlich und harmonisch ab.

Weil deutlich mehr los ist als im vergangenen Jahr, strahlen die Veranstalter übers ganze Gesicht. Schon am Freitagabend stehen die Gäste auf der Wiesenfläche neben dem Sportplatz dicht gedrängt, ist zur Bühne hin kaum noch ein Durchkommen. Das hat sicher auch mit den Line-up zu tun, das Mani Neumeier mit seinen Mitstreitern Armin Löffler vom FCF und Guru-Guru-Booker Karl-Heinz Osche wieder auf die Beine gestellt hat.

Alte Krautrock-Helden wie Amon Düül II, Kraan oder eben Guru Guru geben sich dabei auf der Bühne die Klinke in die Hand mit den jungen Wilden von „Mothers Cake“ oder „Sienna Root“. Dazu kommen noch die in Ehren ergrauten Hardrocker von Epigraph, die den Freitag eröffnen. Dass die deutsche Band einen Namen in der Szene hat, zeigt sich am für die „frühe Stunde“ sehr guten Besuch. My Sleeping Karma, Electric Orange, Marblewood und Coogans Bluff hießen die weiteren Bands.

Das 75-jährige Guru-Guru-Mastermind zeigt sich im Gespräch absolut begeistert vom Festivalverlauf. „Alles läuft optimal und es herrscht eine Bombenstimmung“, sagt der Schlagzeuger. Ein „auserwähltes Publikum“, das in die Jahre gekommen sei, feiere zusammen mit jüngeren, die genauso auf die alte, handgemachte Musik stehen. „Die neuen Bands haben einen tollen Eindruck hinterlassen“, fügt Neumeier hinzu. Nach wie vor ist er auch 40 Jahre nach dem Festival-Start „begeistert von der tollen Atmosphäre“.

Die wird ebenso von den Zuschauern geschätzt, die mal schon Jahrzehnte, mal etliche Jahre zum Finki kommen. Vera aus Hirschhorn ist etwa mit ihren zwei Kindern schon zwei Tage vorher die paar Kilometer den Finkenbach aufwärts gefahren, um vor Ort zu campen und das besondere Flair zu genießen. „Das 70er-Jahre-Revival lebt vom Zusammenhalt aller“, lobt sie das große Gemeinschaftswerk des ganzen Ortes. Sie schätzt daneben die „Musik von früher von jungen Bands“.

Stammgäste seit den ersten Konzerten sind Horst Kowarsch und seine Frau Elisabeth aus Beerfelden. Es sei etwas Sensationelles, „dass in einem so kleinen Ort ein solch großes Event stattfindet“, meint er. Was hier musikalisch geboten werde, schätzt Kowarsch als „außergewöhnlich für den ganzen Odenwaldkreis“ ein. Seine Schwester komme an dem Finki-Wochenende extra aus Hamburg, sein Bruder aus Bonn.

Vor 60 Jahren zog Rainer Maurer als Frankfurter nach Finkenbach. „Das Finki hat mich mein Leben lang begleitet“, sagt er. Ihn beeindruckt immer wieder, „wie friedlich alles über die Bühne geht“. Er ist im Hintergrund im Küchenteam aktiv („Ich habe gerade zwei Tage lang Pommes geschnippelt“), hört sich aber ebenso gerne die Musik an. „Wacken würde mich auch mal interessieren“, gesteht Maurer.

Linda Cetin aus Grasellenbach campt mit Freund und Kindern ebenfalls schon vorher in der Nähe des Festplatzes. „Das ist wie Urlaub“, meint sie, auch wenn ihr Wohnort gerade mal ein paar Kilometer entfernt ist. Musik, Feeling, Atmosphäre sind für sie besonders an diesem Event, das sie nun das dritte Mal besucht. Und das, schmunzelt sie, „obwohl ich gar nicht so auf die Musik von Guru Guru stehe“.

Die aufs Gelände strömenden Fans machen die große Bandbreite derer deutlich, die vom Finki angezogen werden. Altgediente Fans aus den 70ern Jahren mit freiem, tätowiertem Oberkörper, Rauschebart und weiter Schlabberhose sind ebenso dabei wie Jugendliche, die Gefallen an der Musik ihrer Eltern gefunden haben. Der ganz normale Party-Freizeitlook findet sich genauso wie Hippies mit Rastalocken oder Flower-Power-Mädchen.

Dass die Fans auch aus Frankreich, Österreich und der Schweiz kommen, ist für Löffler schon Normalität. Weite Strecken sind gang und gäbe, berichtet er von einer Anfrage, bei der aus dem 700 Kilometer entfernten Schwerin eine Mitfahrgelegenheit zum Finki gesucht wurde. Die Fans wissen warum: „Amon Düül II“ etwa treten nur noch sehr wenig auf, und das Konzert in Finkenbach ist es eines der wenigen in diesem Jahr überhaupt.

Aber auch „Mother’s Cake“ wussten mit ihrem ekstatischen, an Led Zeppelin angelehnten Spiel zu begeistern. Die drei Mannen von „Kraan“ bestachen durch die ausufernden Soli, das blinde Zusammenspiel und die irren Bass- und Gitarrenläufe. Über „Guru Guru“ als Headliner mit Mani Neumeier am Schlagzeug muss man keine Worte mehr verlieren.

„Alles ist super gelaufen, wir sind top zufrieden“, meinte Löffler in einem schnellen Fazit gestern Mittag. Beschwerden seien ihm auch noch keine zu Ohren gekommen, so der FCF-Mann. Einfach „absolut bombastisch“. Beste Voraussetzungen also für eine Fortsetzung des Woodstocks im Odenwald, das 2017 in sein 41. Jahr gehen würde.

Ein ganzes Dorf steht seinen Mann. Gemeinschaft wird groß geschrieben, wenn die Finkenbacher jedes Jahr rund um das zweite August-Wochenende in die Hände spucken, um wieder das „Guru-Feschd“, wie das Finki-Festival liebevoll im Ort genannt wird, durchzuführen. Nicht nur die Fußballer vom FC sind mit 200 Mann und Frau an der Organisation und Durchführung beteiligt, auch viele Einwohner helfen mit – indem sie etwa Massen an Kartoffeln abkochen oder unzählige Kuchen spenden. Von über 150 ist die Rede.

Dazu kommen über die beiden Tage noch um die 50 Feuerwehr-Angehörige aus allen Rothenberger Ortsteilwehren mit Schwerpunkt auf Finkenbach, die sich um die Parkplatz-Einweisung kümmern. Die Brandschützer aus dem Ort selbst fahren dann oftmals „Doppelschichten“, schmunzelt Wehrführer Rüdiger Seip. „Wenn sie bei uns aufhören, machen sie beim FC direkt weiter“, beschreibt er die Verzahnung der beiden Vereine.

Das besondere Ambiente und die einzigartige Atmosphäre macht Seip auch an einer anderen Geschichte fest. Vor genau 40 Jahren fand das Finki zum ersten Mal statt – damals als Feuerwehrfest. Als am Sonntag die Musik spielen sollte, stand gleichzeitig das Endspiel der Fußball-EM 1976 an. Das Zelt war brechend leer. Kurzerhand wurde beschlossen, das Konzert auf einen Tag später zu verlegen. Ergebnis: volles Haus. Mani Neumeier, erinnert sich Seip, meinte aber zu den Besuchern: „Wir haben etwas vergessen: Eintritt zu kassieren. Geht doch alle nochmal raus, bezahlt und kommt wieder rein.“ Und keiner murrte….

Die Parkplatz-Einweisung „läuft ganz entspannt“, meint der stellvertretende Kortelshütter Kommandant Timo Fink. In den acht Jahren seit er dabei sei, „hat mich noch keiner blöd angemacht“. Bei der älteren, mit dem Finki groß gewordenen Generation sei sowieso alles kein Problem, ergänzt Seip. „Die sind die Ruhe selbst.“ Nur die Jüngeren seien manchmal etwas ungeduldiger. Und schließlich, so der Finkenbacher, diene alles einem guten Zweck, wenn der FC den Erlös für seine Jugendarbeit verwende. „Die kann man gar nicht hoch genug einschätzen“, so Seip.

Aus den Reihen des FC kommen auch die Sanitäter mit der entsprechenden Ausbildung, die das Festival an beiden Tagen von Beginn an bis spät in die Nacht begleiten und dafür ihre Freizeit opfern. Im Gegensatz zu anderen Events sei das Finki „ein ganz, ganz friedliches Festival“, betont Christian Niesen. Da gebe es vielleicht mal einen Bienenstich, einen verknacksten Fuß oder einen Schnitt von einer Glasscherbe. „Nicht zu vergleichen mit den großen Volksfesten“, hebt er hervor. Für Niesen ist es toll, „dass ein ganzer Ort sich so einbringt“.

Die Hauptlast der Arbeit lastet auf den Schultern des FC Finkenbachtal. Der kann auf seinen treuen Helferstamm bauen, der schon 14 Tage vorher mit den Arbeiten beginnt. „Jeden Tag von 5 bis 22 Uhr wird geschafft“, betont der zweite Vorsitzende Armin Löffler. Dazu zählen der Aufbau von Bier-, Kaffee- und Essenszelt, letzteres in einer Dimension von 15 Mal sieben Metern. Außerdem werden noch 100 drei Meter lange Gitterelemente montiert, kommt Sichtschutz an diese und stellen die FC-Helfer die nötigen Verkehrsschilder auf.

Wenn dann das Festival direkt vor der Tür steht, geht’s erst richtig mit der Arbeit los. Mittwochs werden die unzähligen Kartoffelsäcke angeliefert. 26 von diesen gehen gleich weiter in die Nachbarschaft, wo Helfer aus der Einwohnerschaft sie vorkochen, damit sie dann geschnippelt und zu Bratkartoffeln verarbeitet werden können. Am Tag selbst glühen in der Küche des Vereinsheims die Kochstellen. In vier Töpfen werden ab 14 Uhr nonstop die restlichen Erdäpfel abgekocht.

Und selbst abends um 22 Uhr ist noch eine ganze Kartoffelschälbrigade am Werkeln, damit es auch am nächsten Tag noch genügend Vorräte gibt. Derweil werden die Zwiebeln durch den Mixer gejagt, damit sie auf die frisch aufgeschnittenen Brötchen zusammen mit dem Matjesfilet gelegt werden können. „Wir bereiten das ganze Essen vor Ort zu“, sagt Löffler.

Armin Löffler gehört auch zu den Vereinsmitgliedern der ersten Stunde, die beim Neustart 1987 mit im Boot waren. „Ich habe damals Mani gefragt, ob er wieder anfangen will“, erzählt er. Denn er wollte kein 08/15-Fest für den FC haben. Neumeier sagte ja und es konnte wieder losgehen. Die Musik sei in den all den Jahren fast immer gleich geblieben, nur zwischendurch „haben wir mal experimentiert“, lächelt Löffler.

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