Schnaps ist der Dreh- und Angelpunkt beim „Hannes und dem Ourewäller Landrat“ in Finkenbach

Eigentlich sind die beiden Männer ziemlich verschieden, doch die Liebe für den Schnaps schweißt sie untrennbar zusammen. Der etwas tumbe Hannes mit seinen Wortfindungsstörungen kann sich jedoch einiges mit dem Ourewäller Landrat erlauben, weil der sich in schöner Regelmäßigkeit leicht bis stärker angesäuselt ein paar Eskapaden leistet, die der Hannes für ihn ausbügelt. So auch im neuen Programm des Odenwälder-Originalen-Duos Hans Dörsam und Bernd Ginader.

„Nix wie Fort & Viel Wind um Nix“ hieß es auf Einladung der Feuerwehr in der Hermann-Wilhelm-Halle Finkenbach. Dass die beiden einen Monat vor der eigentlichen Premiere in Gras-Ellenbach quasi eine „Preview“ gaben, haben die Gäste dem stellvertretenden Kommandanten Wolfgang Buchert zu verdanken. Denn der ist Ginaders Schwager und hatte somit etwas Überzeugungskraft in der Überredung.

Der Hannes, stotternd, immer die Worte verdrehend, umständlich, kompliziert und einfältig, der Landrat aufbrausend, manchmal begriffsstutzig, lospolternd, im zweiten Set stark vom Betriebsausflug malträtiert, der naturgemäß geistreich ausartete: Dörsam und Ginader spielten sich routiniert die Bälle zu. Kein Wunder, denn die beiden Originale fanden sich bereits vor mehr als sechs Jahren bei einer „Schnapsidee“ zusammen, aus dann jedes Jahr ein neues Programm entstand.

Diesem Getränk als „Spiritus rector“ der Comedy-Aufführungen huldigen die beiden in einer Ausführlichkeit, dass man im Zuschauerraum aus Sorge um die Leber nur hoffen kann, dass sich in dem vielfältigen Flaschensortiment eben kein Schnaps befindet. Ein schlauer Sinnspruch und schon ist wieder ein Grund gefunden, noch einen Klaren zu sich zu nehmen. Bis zum bitteren Ende. Der Landrat, der eigentlich seinen Rausch vom Vortag auskurieren wollte, sieht sich schnell wieder mittendrin statt nur dabei.

Der Ourewäller Landrat versucht (meistens) einem verantwortungsvollen Amt mit Würde und Disziplin nachzukommen. Gestört wird er dabei allzu oft von seinem Amtsdiener „Hannes“, einem leicht vertrottelten Mann, der sich durch seine Bauernschläue und Spitzbübigkeit dennoch an allen Klippen des „Amtslebens“ vorbeizuschiffen versteht. „Ist die Sache auch noch so verfahren, mit einem Schnaps und Trinkspruch auf den Lippen wird sie doch wieder gut geraten“, lautet der Leitspruch des Erfolgsduos.

Im Programm „Nix wie Fort & Viel Wind um Nix“ hatten sich „Hannes und der Ourewäller Landrat“, den Figuren aus dem SWR-Fernsehen Hannes und der Bürgermeister mit Albin Braig und Karlheinz Hartmann nachempfunden,  zwei Themen angenommen, die vor allem die Menschen in Überwald und Weschnitztal beschäftigen: Solardraisinenbahn und Windkraft. Während die Rotoren in der Oberzent ebenfalls ein immer drängenderes Probleme werden, dürfte die Draisine im Finkenbachtal nicht diesen Bekanntheitsgrad wie in Wald-Michelbach haben.

Natürlich hatte Hannes so seine ganz eigenen Ideen, wie mit Körperwinden die Rotoren angetrieben werden könnten. Vielleicht dürfte aber auch das eine oder andere davon nicht so wirklich praktikabel gewesen sein. Köstlich der angeschlagene Landrat nach dem Betriebsausflug mit der Draisine. Die schien danach, so verdeutlichten es die beiden, ein Sanierungsfall gewesen sein.

Schnaps und immer wieder Schnaps: Wortreich musste sich Hannes erklären, warum die Pulle nach dem Einkauf nicht mehr da ist. Weil er sie austrank, damit sie nicht kaputt geht, falls er vom Mofa fallen sollte. Was danach natürlich prompt drei Mal passierte. Oder diverse Missgeschicke des Landrats bei der Fahrt mit der Draisine. Erst fiel er beim Einsteigen in Mörlenbach raus, dann in Stausee bei Weiher rein, veranstaltete eine Modenschau am Altkleidercontainer, weil er nach trockenen Klamotten suchte, oder bekam auf dem Viadukt einen Anfall von Höhenangst: Genug Stoff also, um zwei Mal eine Dreiviertelstunde die Besucher bestens zu unterhalten.

 

Advertisements