1000 Sterne für die Pflegebedürftigen

Große Freude für die Senioren im Haus Henneböhl Beerfelden: Sie wurden im Rahmen der rotarischen Weihnachtsaktion „1000 Sterne“ von lokalen Mitgliedern des Rotary-Clubs Erbach-Michelstadt besucht. „Advent im Odenwald – einmal ganz anders“ hieß die Devise. Lieb gewonnene Gewohnheiten und Traditionen können derzeit in vielen Bereichen nicht mehr durchgeführt werden, so etwa das traditionelle Benefizkonzert „Advent im Odenwald“ in der evangelischen Stadtkirche in Erbach.

„Durch den Erlös konnten wir 30 Jahre lang viele gute Zwecke unterstützen und fördern“, erläutert der amtierende Präsident, Beerfeldens Pfarrer Roger Frohmuth. Er bedauert es sehr, „dass diese schöne Veranstaltung leider nicht stattfinden kann“. Kurzerhand wurde stattdessen die „Aktion der 1000 Sterne“ ins Leben gerufen.

Alle Clubfreunde schwirrten aus und besuchten die 29 Pflegeeinrichtungen im Odenwaldkreis. Im Gepäck hatten die Rotarier für die jeweiligen Bewohner einen Weihnachtsstern und -gruß. Clubmitglied Prof. Peter Beckenhaub gestaltete die Grußbotschaft. „Wir sind trotz aller Kontaktbeschränkungen in dieser besonders schwierigen Zeit in Gedanken bei den Heimbewohnern“, betonte Frohmuth.

Umrahmt wurde die Übergabe mit Gesang und Musik. Anthony Rosin (Schlagzeug), Nils Haushammer (Gitarre) und Silas Daum (Trompete) aus der fünften Klasse der Oberzent-Schule sorgten mit Musiklehrer Andreas Weinmann sowie Deutsch- und Ethiklehrer Erdogan Suna dafür. Anthony Rosin überbrachte die Grüße der Schule und trug ein Gedicht passend zur Weihnachtszeit vor.

Die Ehrenamtlichen dachten aber auch an all diejenigen, die in den Einrichtungen eine unverzichtbarere Arbeit leisten. Für die 1500 Pflege-Beschäftigten im Odenwaldkreis hatten die Rotarier einen Präsentkorb als Anerkennung im Gepäck. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass niemand vergessen wird. Die Geschenk-Taschen wurden gespendet von der Firma Bernhard Koziol.

Solidarität und Respekt gebühren den Beschäftigten, hob der Pfarrer hervor. „Was sie über die letzten Monate hinweg geleistet haben und weiterhin leisten werden, verdient unsere allergrößte Hochachtung und Wertschätzung.“ Enthalten ist im Präsentkorb eine Packung eines speziellen Kaffees, dessen Kauf das rotarische Projekt „End Polio now“ zur Ausrottung der Kinderlähmung unterstützt.

Von Erbach schwärmten die knapp 30 Rotarier in einer Sternfahrt in alle Himmelsrichtungen aus. Oberzent, Erbach-Michelstadt, Gersprenztal sowie Höchst und Bad König hießen die angesteuerten Regionen. „Viele Gaben – ein Geist“ lautet das Motto, unter das der Präsident das neue rotarische Jahr gestellt hat. Das passt zum evangelischen Pfarrer, denn es ist ein biblisches. Der Apostel Paulus bezieht das auf seine Gemeinde in Korinth – Roger Frohmuth bezieht es auf den Rotarischen Club.

Weiter besonderer Schwerpunkt der Wohltätigkeitsarbeit des Rotary-Clubs ist die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen. Ebenso wird in der Vorweihnachtszeit in Zusammenarbeit der Sparkasse Odenwaldkreis die Aktion Wunschbaum durchgeführt. Die Geschenke gehen an Kinder des Frauenhauses in Erbach, an besondere Schüler der Oberzentschule und die Pflegekinder des Odenwaldkreises. Im Sommer 2022 wird der Rotary-Club seinen schon 50 Jahre währenden Dienst zum Wohle am Nächsten feierlich begehen.

Hausärztliche Gemeinschaftspraxis am Haus Henneböhl als Leuchtturmprojekt

Der Grundstein ist gelegt. In spätestens zwei Jahren soll die hausärztliche Gemeinschaftspraxis an der Seniorenresidenz Haus Henneböhl fertiggestellt sein, sagte Geschäftsführer Michael Vetter. „Unser Ziel ist aber deutlich früher.“ Damit will man die medizinische Versorgung der Bewohner und der Patienten der häuslichen Alten- und Krankenpflege in der Mobilen Pflege Oberzent sicherstellen. Gleichzeitig ist die Praxis auf einer Fläche von 550 Quadratmetern auch für die Bevölkerung frei zugänglich.

Die geplanten Praxisräume sind für fünf Hausärzte in Voll- oder Teilzeitbeschäftigung geeignet. Die Pflegestiftung Odenwald als Träger will sie Ärzten in den ersten beiden Jahren mietfrei und anschließend zu einem attraktiven Preis zur Verfügung stellen. Die Veranstaltung wurde umrahmt von der Blaskapelle Gammelsbach. Gleich zwei Fässer Freibier wurden angestochen, dazu bot das Küchenteam der Seniorenresidenz Verpflegung für die bei ungemütlichem Wetter ausharrenden Besucher.

Annegret Hoffmann vom Vorstand der Pflegestiftung wünschte sich, dass der Bau gelingen möge, in den dann Menschen ein- und ausgehen. Ziel der 2009 gegründeten Stiftung sei es, die ambulante und stationäre Pflege zum Wohl der Bevölkerung zu unterstützen. Es geht darum, „die Versorgung der Patienten und die Qualität der Pflege nachhaltig zu sichern“, sagte sie. Die bauliche Weiterentwicklung geschehe wie auch die Errichtung der Seniorenresidenz „ohne öffentliche Mittel“.

Diese, 2013 errichtet, war mit ihren 106 Plätzen schon drei Jahre später belegt, freute sich Vetter. „Diese Entwicklung ist nicht selbstverständlich.“ Er dankte seinen Mitstreitern bei diesem und beim aktuellen Projekt. Ein freundliches und kompetentes Team sei Basis „für alles, was wir tun“, sagte er. Wie auch Hoffmann hob er hervor, dass man von Anfang an eine generationenübergreifende Begegnungsstätte schaffen wollte. „Das ist hervorragend gelungen.“

Man habe lange auf ein Ärztehaus gewartet, erläuterte Vetter. Denn die hausärztliche Versorgung sei für die Zukunft der Seniorenresidenz sehr wichtig. Nachdem sich in der Stadt nichts tat, schritt man selbst zur Tat. Aktuell hat sich seinen Worten zufolge die ärztliche Versorgung in Oberzent stabilisiert. Vetter zeigte sich überzeugt, „dass unser Standort mit der vorhandenen Infrastruktur der beste in Oberzent ist“. Die vier Behandlungsräume bieten die Möglichkeit, bis zu 3000 Patienten zu betreuen. Damit könne die Praxis „zu einem Leuchtturm in der Region werden“.

Vetter betonte: „Wir wollen kein medizinisches Versorgungszentrum errichten.“ Sollten konkrete Anfragen zur Ansiedlung von Fachärzten kommen, werde man diese prüfen, aber nicht von selbst tätig werden. Die Pflegestiftung habe bisher zehn Millionen Euro ins Haus Henneböhl investiert, so der Geschäftsführer. „Jedes Jahr sind es mindestens weitere 500.000 Euro.“ Bisher gebe es 100 Arbeitsplätze. Mit der geplanten Erweiterung „werden zusätzliche qualifizierte Jobs entstehen“, stellte er in Aussicht.

Denn aktuell läuft ein vorhabenbezogener Bebauungsplan, damit es eine Erweiterung Richtung Krähberger Weg geben kann. Dafür wurden im Vorfeld Grundstücke gekauft, auch um die notwendigen Ausgleichsflächen bereitzuhalten. Insgesamt besitzt die Stiftung in diesem Gebiet nun sechs Hektar Fläche. Im kommenden Frühjahr rechnet der Geschäftsführer mit dem Start.

Bevor es mit Volldampf an die Arztpraxis geht, werden im Untergeschoss des benachbarten Gebäudes acht Büroräume ausgebaut und erhält das Restaurant weitere 15 Sitzplätze. Parallel läuft aber bereits der Erdaushub für das neue Projekt. „Wir kaufen viel Material in den Betrieben vor Ort ein“, kündigte Vetter an. Außerdem werden neben den eigenen Kräften lokale Handwerker mit eingebunden.

Pflegedienstleiterin Angela Scheil hob die Bedeutung der neuen Praxis für die Pflege hervor. „Die Menschen sind oft mehrfach erkrankt“, sagte sie. Die Bedeutung einer Ärzteansiedlung sei früher bei weitem nicht so hoch gewesen.