Herz und Seele muss zu spüren sein: Heiko Plank war bei der „Global Guitar Gita“ in Indien

Selbst für einen Globetrotter wie Heiko Plank war Indien eine neue Erfahrung. Der in Kortelshütte wohnende Musiker war erstmals zur „Global Guitar Gita“ (GGG) eingeladen, die im Goethe-Institut Bangalore stattfand. Neben Juroren und Dozenten aus Großbritannien, Ungarn und Tschechien sowie dem Gastgeberland war Plank als deutscher Vertreter dabei. Er zeigte sich sehr beindruckt von der dortigen Offenheit gegenüber allen Musikstilen. „Wichtig ist den Indern, Herz und Seele im Song zu spüren“, betonte er. „Das zählt.“

Neben der Musik ist dem 54-Jährigen allerdings etwas anderes mindestens ebenso präsent: der Verkehr. „Es gibt keine Regeln, keine Verkehrszeichen, keine Ampeln“, stellte er fest. Und trotzdem funktioniert alles. Das Geheimnis: Verständnis untereinander. Für einen deutschen Autofahrer aber trotzdem zu viel des Guten. „Ich habe extra vorher den internationalen Führerschein gemacht“, erzählte Plank. Nach zehn Sekunden in Indien wusste er: „Ne, da sterbe ich.“

Bei der GGG handelt es sich um einen weltweiten Gitarrenwettbewerb, erläuterte Plank. „Jeder kann sich bewerben.“ Veranstaltet wurde er zum sechsten Mal von der Organisation „Infinite Souls“ auf rein privater Basis. Es gibt keine Alters- oder Stileinschränkungen. Wichtig ist nur, dass eine Gitarre oder ein gitarrenähnliches Instrument gespielt wird. Wie es auch der Kortelshütter tut. Angeschlossen sind Konzerte und Workshops.

Gekoppelt daran ist die „World Guitar Night“, bei der die Juroren ihr eigenes Können zeigen. Konarak Reddy, Sándor Szabó (Ungarn), Adam Tvrdý, ein versierter Prager Jazz-Gitarrist und John Ainsworth aus Manchester mit Fingerstyle gaben je zwei Konzerte. Eben jenen Konarak Reddy lernte Heiko Plank auf einer Tour kennen, bei der beide auch in Hirschhorn und Hemsbach spielten. Der Inder wiederum empfahl den deutschen Ausnahme-Saitenkünstler.

Heiko Plank hatte ein Bach-Stück für sein Konzert mitgebracht. Er stellte es unter das Thema: „den Kontrapunkt zelebrieren“. Es geht um die Selbstständigkeit der Stimmen in der europäischen Musik, „die man im arabischen und indischen Raum so nicht kennt“. Diese Mehrstimmigkeit war für die Zuhörer komplett neu. Somit gab es „vier komplett verschiedene Stile zu hören“. Ein anderes Stück lehnte er an den indischen Verkehr an: „Improvisation without rules.“ Die Zuhörer reagierten sehr positiv auf seine ungewöhnliche, selbst gebaute „Plank“ mit ihren acht Saiten, stellte er fest. Der unbekannte Klang faszinierte. „Ich wurde nach dem Konzert mehrfach angesprochen.“

Plank schätzt Reddy als einen „Erneuerer indischer Gitarrenmusik“, der einen westlichen Stil mit seinen eigenen Wurzeln kombiniert. „Es gibt in der Welt nur wenige, die Experimente machen und sich was trauen“, meinte er. Von den beiden Preisträgern Divtej Singh (Chandigarh) und Vishnu R (Bangalore) war er sehr beeindruckt. Divtej, aus einer niederen Kaste stammend, „hätte sich die Gitarre im Wert von 5000 Dollar nie leisten können“, freute sich Plank. Vishnu wiederum kommt aus einer traditionellen Musiker-Familie und spielt „sehr progressive, neue indische Musik“.

Von der „Guitar Clinic“, quasi einem Musik-Workshop, zeigte sich der 54-Jährige mehr als angetan. „Da saßen 15 Teilnehmer zwischen zehn und 40 Jahren drin und jeder hat mich mit ‚Maestro‘ angesprochen“, war ihm die Verehrung fast ein bisschen peinlich. Die Interessierten waren „total versiert und super vorbereitet.“

Heiko Plank fand es am beeindruckendsten, dass musikalisch alles möglich ist. In Indien wird nicht ein bestimmtes Genre, etwa Klassik, Jazz oder Rock, favorisiert. Während sich in Europa die verschiedenen Stilrichtungen seiner Beobachtung nach miteinander schwertun, „hat dort alles den gleichen Wert“. Egal ob jetzt jemand Paganini oder Jimmy Page spielt. Nach einem kurzen Zwischenstopp im Odenwald geht’s für Heiko Plank weiter nach Südspanien: Er spielt wie schon vergangenes Jahr wieder in Granada.

Heiko Plank, geboren 1964, aus Kaiserslautern, studierte Gitarre bei Wolfgang Lendle. Der bereits Verstorbene war „eine große Figur in meinem Leben“, so der Musiker. Von 1981 bis 1998 war Plank Dozent für Gitarre an der VHS Kaiserslautern, seit 1985 unterrichtet er Konzertgitarre an der dortigen Musikschule und Akademie. Studium und staatliche Anerkennung in Gitarre und Orchesterleitung an der Bundesakademie Trossingen schlossen sich an. 1994 brachte er seine erste CD auf den Markt: „Handgemacht“, mit spanischer, südamerikanischer und eigener Gitarrenmusik. Zahlreiche weitere Aufnahmen, Kompositionen und Produktionen folgten. Aktuell ist Heiko Plank regelmäßig auf Festivals im In- und Ausland unterwegs und dort mit seiner „Plank“ ein gefragter Gast.

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Ein Abend mit Literatur und Musik am 23. Juni beim Atelierkonzert in Langenthal

„Alles bleibt anders“ ist der Titel des 17. Atelierkonzerts der Kunstpflege Hirschhorn im Langenthaler Atelier von Enno Folkerts (Waldmichelbacher Straße 2). Diesmal wartet auf die Zuschauer am Freitag, 23. Juni, ab 19 Uhr ein „Double Feature“. Zuerst tritt die australische Singer-Songwriterin Kirbanu mit dem Gitarristen Markus Born auf. Ab 21 Uhr gibt es dann eine spanisch-musikalisch-literarische Nacht mit Jesus Ortega, Jesús Hernández und Heiko Plank.

Kirbanu ist das Pseudonym von Nicole Klein aus Taperoo bei Adelaide, South Australia. Das Wort stammt aus der mittelpersischen Sprache und bedeutet „eine Dame von Kraft, Stärke und Glück“. Die Musikerin hat ihren Lebensmittelpunkt in Heidelberg. Kirbanu sammelt Geschichten und verarbeitet diese in ergreifenden Liedern voller Herz und Seele: Musik, die die Seele berührt und den Zuhörer auf eine wundervolle Reise entführen kann.

Ihre Lieder erinnern an die großen amerikanischen Songwriter der 1960er, mitunter schimmern dezente Pop- oder Folk-Elemente durch. Kirbanu berührt mit tiefen Emotionen und zu Herzen gehenden Themen und verführt die Zuhörer mit einer starken Stimme. Ihre Live-Auftritte sind außergewöhnlich intim, die Künstlerin baut einen direkten Kontakt zu dem Publikum auf.

Im Rahmen des Literaturfestivals Heidelberg, das vom 21. bis 25. Juni stattfindet, werden international namhafte Autoren zu Gast sein, die ihre Sicht der Dinge mit ergreifenden, intimen Geschichten, mal heiter, mal traurig, lebendig werden lassen. Der Kortelshütter Musiker Heiko Plank hat während seiner Konzertreisen durch Spanien viele interessante Künstlerkollegen kennen und lieben gelernt, die teilweise aktuell Teil der eingangs erwähnten Literaturtage sind.

So wurde es ermöglich, den Autor Jesús Ortega und den Pianisten Jesús Hernandez nach Langenthal einzuladen. Was an diesem Abend passieren wird, ist nicht vorhersehbar, da diese einmalige Konstellation durch das Improvisationsvermögen aller Beteiligter zu einer neuen Form findet. Die drei werden nach dem Motto „Alles bleibt anders“ musikalisch und literarisch etwas bewegen.

Jesus Ortega wird auch folgende Kurzgeschichten lesen: „El paseante“, „Otros espejos“ und „Una hora y media“. Der Verein Kunstpflege wird versuchen für eine entsprechende Übersetzung zu sorgen. Ortega (geboren 1968) lebt in Granada und hält einen Abschluss in der hispanischen Philologie an der Universität.

Jesús Hernandez, 1967 in Granada geboren, begann zunächst klassische Musik zu studieren, widmete sich dann aber schnell anderen Musikstilen: Rock, Jazz, brasilianische Musik und Flamenco. Derzeit arbeitet er in an dem Projekt „Bojaira“, das bereits erfolgreich in Spanien, New York, Paris und Toulouse gestartet ist.

Die Plank, klein und handlich und atemberaubend klangvoll, ist den Gästen des Ateliers bereits seit der 1. Hirschhorner Gitarrennacht bekannt. Die Erschaffung und sein Spiel auf diesem gitarrenähnlichen Instrument führte Heiko Plank, Schüler von Wolfgang Lendle, mittlerweile nach Italien und Spanien sowie auf eine Konzertreise durch Rumänien und Ungarn.

„Ich habe keine Berührungsängste. Es gibt nur Musik“: Heiko Plank aus Kortelshütte wurde zum „außergewöhnlichsten Gitarristen der Welt“ gewählt

Einer der „außergewöhnlichsten Gitarristen der Welt“ kommt aus dem Odenwald. Heiko Plank trägt dieses Jahr die Auszeichnung eines ungarischen Festivals zusammen mit Kevin Casting. Ab dem 1. April starten die Konzerte des Kortelshütters in Ungarn und Rumänien. Dass man dort überhaupt in den Genuss seiner Musik kam, hat der 51-Jährige dem Internet zu verdanken. Denn er hatte eine Aufnahme seiner CD „Drifting Waves“ ins Netz gestellt, die der künstlerische Leiter des dortigen Festivals zu Ohr bekam.

Dass Heiko Plank mit dieser seltenen Ehrung bedacht wurde, führt er auf seine „Multifunktionalität“ zurück. „Ich bin in Personalunion Instrumentenerfinder, Hersteller, Erbauer, Komponist und Spieler“, macht er sein „Alleinstellungsmerkmal“ deutlich. Denn Plank spielt nicht eine „gewöhnliche“ Gitarre, sondern seine selbst entworfene, konzipierte und gebaute „plank“.

Die Saiteninstrumente reizten den gebürtigen Pfälzer wegen ihrer Vielseitigkeit schon immer. „Es gibt eine Unmenge Spielarten“, hebt er hervor, „man kann Gitarre quasi überall lernen – auf der Straße oder beim Virtuosen“. Plank reizen daneben die Unmengen an Instrumenten-Variationen. Und die Erschwinglichkeit. „Ein Klavier kann sich nicht jeder leisten“, erklärt er die Verbreitung des „populärsten Instruments überhaupt“.

Aber mit der Zeit waren ihm die sechs Saiten und der „monotone“ Gitarrenklang zu wenig, erzählt Heiko Plank. „Ich war nie zufrieden mit den Instrumenten auf dem Markt“, überlegte er sich eigene Ideen. „Mich hat immer mehr der extreme Klang und die intime Nähe interessiert“, sagt er. Denn für ihn stellt sein Instrument „ein Werkzeug dar, um meine Gedanken zu realisieren“.

Die Initialzündung für seine „plank“ kam mit einem Wettbewerb der Musikhochschule Trossingen. Da kam der Gitarrist mit einem Eigenbau in die Endausscheidung. Verlor zwar, aber das Interesse war geweckt. „Ich ging danach direkt in den Baumarkt“, erzählt Plank, kaufte sich einzelne Bestandteile. In der Nacht danach musste der massive Küchentisch aus Holz dran glaube. „Den habe ich zersägt, um einen Korpus zu konstruieren“, schmunzelt der Musiker. „Meine Frau hasste mich dafür“.

Aber das Ergebnis zählte: „Das daraus entstandene Urinstrument klang schon gut“, weiß Plank. Nicht so gut genug, dass man nicht noch daran hätte feilen können. „Ich habe mich von Modell zu Modell weiterentwickelt“, beschreibt der Ausnahme-Gitarrist das Erlernen seiner Fähigkeiten „von der Pike auf“. Drei bis vier Jahre dauerte das. Zwischenzeitliches Scheitern inklusive.

„In dieser Zeit bin ich nur noch wenig live aufgetreten“, konzentrierte sich Heiko Plank ganz auf die Entwicklung seines Instruments. Erst danach, nach Fertigstellung, als es funktionierte, „bin ich wieder eingestiegen“. Selbst geschriebene und darauf performte Stücke als Grundvoraussetzung. Die „plank“ ist dabei nicht nur seinem Namen nachempfunden, sondern ist auch als Analogie für die englische Bedeutung des Wortes „Brett“ zu sehen.

Denn viel mehr als ein Brett mit kleinem Korpus blieb nach der umfassenden Umarbeitung nicht übrig. „Ich habe nur das Nötigste drangelassen“, meint der Gitarrist. „Minimale Dimensionen erzeugen aber maximalen Klang“, weiß er um die Besonderheit des elektro-akustischen Instruments mit seinen acht Saiten. Der Ton entsteht akustisch im Griffbrett, dessen Schwingungen werden elektronisch abgenommen, wodurch ein „orchestermäßiger Sound“ entsteht.

„Ich spiele nichts anderes mehr“, macht der Musiker deutlich, dass sein eigenes Instrument inzwischen das Nonplusultra für ihn darstellt. „Ich bin jedes Mal noch fasziniert, dass es immer wieder Neues zu entdecken gibt“, sagte er. „Alles bleibt anders.“ Auch wenn es nur noch kleine, marginale Veränderungen seien wie die Farbe der Bünde oder solche im elektronischen Bereich.

Mit seiner Eigenkreation sorgte Heiko Plank weltweit für Aufsehen. „Es hat sich herumgesprochen, dass es in Deutschland einen Verrückten gibt, der was Besonderes gebaut hat“, lächelt er. Inzwischen hat für die „plank“ auch einen Schüler und einige Aufträge zum Instrumentenbau. Der geht in der Garage in Kortelshütte vor sich, die der Musiker zu einer Werkstatt umgebaut hat. Auf der Werkbank ist derzeit wieder ein Stück Holz eingespannt, das durch die Bearbeitung mit der Fräse schon Züge einer neuen „plank“ erkennen lässt.

„Musik entsteht im inneren Raum eines Schöpfers“, sagt Plank über seine Herangehensweise. „Ich werkle, feile daran.“ Ob das dann entstandene Stück Erfolg hat, ist für ihn erst einmal nebensächlich. „Wenn du Glück hast, kommst du damit auch auf eine Bühne“, meint er. Die Intention, „andere am eigenen Inneren teilhaben zu lassen, unterscheidet die Unterhaltungs- von der ernsthaften Musik“. Wenn er anders denken würde, wäre so etwas wie die „plank“ nie entstanden, ist er sicher.

„Ich würde gerne meine Neugierde behalten und immer auf dem Weg sein“, meint der Gitarrist mit Blick nach vorn. Er beschreibt sich selbst als „sehr experimentierfreudig und für alles offen“. So habe er auch schon Popsongs geschrieben, die im italienischen Radio liefen. „Ich habe keine Berührungsängste. Es gibt nur Musik“, sagt Heiko Plank.

Heiko Plank, geboren 1964, aus Kaiserslautern, studierte Gitarre bei Wolfgang Lendle. Der kürzlich verstorbene war „eine große Figur in meinem Leben“, so der Musiker. Von 1981 bis 1998 war Plank Dozent für Gitarre an der VHS Kaiserslautern, seit 1985 unterrichtet er Konzertgitarre an der dortigen Musikschule und Akademie. Studium und staatliche Anerkennung in Gitarre und Orchesterleitung an der Bundesakademie Trossingen schlossen sich an. 1994 brachte er seine erste CD auf den Markt: „Handgemacht“, mit spanischer, südamerikanischer und eigener Gitarrenmusik. Zahlreiche weitere Aufnahmen, Kompositionen und Produktionen folgten. Aktuell ist Heiko Plank regelmäßig auf Festivals im In- und Ausland unterwegs und dort ein gefragter Gast. Vor kurzem war mit den beiden italienischen Ausnahmegitarristen Gionni di Clemente und Giovanni Seneca in der hiesigen Region unterwegs. Stolz ist er auf die Einladung der Jazzlegende Mike Rossi (Darius Brubeck Quartett), mit ihm im Sommer ein Konzert in Italien zu spielen.

Drei wahre Meister auf sechs und mehr Saiten bei der „1. Hirschhorner Gitarrennacht“ der Kunstpflege

Eine solch geballte Gitarrenvirtuosität sieht man in der Region ganz, ganz selten. Und an ein solch volles Haus kann sich der Maler Enno Folkerts in seinem Langenthaler Atelier bei den bisherigen Konzerten auch nicht erinnern. An die 100 Gäste waren es, die bei der „1. Hirschhorner Gitarrennacht“, veranstaltet von der Kunstpflege Hirschhorn, die drei Meister auf sechs und mehr Saiten, Gionni di Clemente, Giovanni Seneca und Heiko Plank, bestaunen wollten.

Ihre verschiedenen Spielweisen, Instrumente und Musikstile demonstrierten die Gitarrencracks zuerst einzeln. Nach einer längeren Pause, die die Erwartung geschickt schürte, kam dann das späte Sahnehäubchen des Saitenabends auf sehr hohem Niveau: Di Clemente und Seneca spielten drei Stücke, die letzterer extra für diesen Abend geschrieben hatte, zusammen. Ein Augen- und Ohrenschmaus, der die Zuschauer immer wieder zu Zwischenapplaus herausforderte und den krönenden Abschluss bildete.

Völlig vertieft in ihre Musik, den Blick entweder auf das Saiteninstrument gerichtet oder mit geschlossenen Augen den eigenen Klängen nachlauschend, gehen die drei Gitarristen absolut in ihrem Spiel auf. Akrobatische Finger-Übungen, gepaart mit für den Laien nicht mehr nachvollziehbaren Finger-Spreizungen, sorgen zusammen mit einem Wirbelwind an Saitenklängen für ein meisterhaftes Hörerlebnis.

Das gibt’s dann nicht nur auf der „normalen“ Gitarre. Denn jeder der drei ist Meister auf mehreren Instrumenten. Bei Heiko Plank ist das seine Eigenentwicklung, die achtsaitige „plank“. Giovanni Seneca spielt außerdem eine „chitarra battente“, eine zehnsaitige, sehr bauchige Barockgitarre, die – vor allem in Süditalien beheimaten – Instrumenten des 17. Jahrhunderts nachempfunden ist. Ihre Klänge haben beinahe etwas von einem Spinett.

Gionni di Clemente wiederum ist ein Profi auf den kleinen, bauchigen Instrumenten. Nachdem er in seinem Solo-Auftritt die zehnsaitige Gitarre virtuos spielte, kramte er beim Duett zuerst die Oud, den arabischen Vorläufer der Laute, und danach die Mandoline aus seinem reichen Fundus hervor. Die auf diesen beiden Gitarren gezauberten Soli ließen noch einmal die wahre Meisterschaft des Könners deutlich werden.

Als erster durfte an diesem Julian Best an. Der 17-Jährige zeigte seine Künste auf der akustischen Stahlsaitengitarre und sang auch dazu. Heiko Plank, der gleichzeitig den Konzertabend moderierte, schaffte als Musiker und Komponist etwas Besonderes: die Entwicklung eines speziellen elektroakustischen Solisteninstruments, das wie sein Erfinder heißt. Plank bot ein frei improvisiertes Konzert und arbeitete dabei teilweise mit vier Stimmen. „Aus dem Nichts heraus“ schuf er Musik. Anklänge gab es an das „Köln Concert“ von Keith Jarrett.

Die Bekanntschaft mit den beiden italienischen Saitenvirtuosen entstand vor vier Jahren ganz zufällig, erinnert sich der Kortelshütter Plank. Er war auf der Halbinsel zu Konzerten unterwegs. „Da wird man dann wie ein Pokal rumgereicht“, lacht er. Die einheimischen Musiker seien sehr interessiert an einer Zusammenarbeit, „es gibt kein Konkurrenzdenken“. So kam es, dass die drei schon auf mehreren Festivals zusammen spielten.

Da die beiden Italiener sowieso gerade zu Konzerten in Deutschland weilten, konnte der Konzerttermin in Langenthal eingeschoben werden – was sonst natürlich wegen der weiten Anreise nicht möglich gewesen wäre. Um das Konzert zu finanzieren, malte Enno Folkerts zwölf Variationen einer Gitarre und gab sie in den Verkauf – mit Erfolg, alle gingen weg.

Beide Gitarristen gehen nach den Worten von Plank musikalische ganz eigene Wege. Seneca, aus Ancona stammend, ist eher der traditionellen Musik verhaftet, ist Fachmann für die süditalienische Tarantella. Er verbindet Modernes mit dem Traditionellen. Seneca war bereits Gastsolist bei hochkarätigen Orchestern in Italien und Frankreich. Ennio Morricone komponierte und widmete ihm ein Konzert für Gitarre und Orchester.

Di Clemente wiederum tummelt sich mehr im Bereich Ethno-Jazz. Er beherrscht zahlreiche weitere Saiteninstrumente wie Oud, Bouzouki, Mandoline oder Sitar, schrieb Musik für Film und Theater und ist als Arrangeur für verschiedene Autoren tätig. Der aus den Abruzzen stammende Gitarrist komponierte Musik für Film- und Theaterproduktionen in den wichtigsten italienischen Städten und Theatern, aber auch in Europa und Übersee.

Weitere Bilder hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1119242678119880.1073741913.100001024761983&type=1&l=428f8b4a73

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Kunstvoller Frühling am Neckar: Gleich zwei Ausstellungen locken nach Hirschhorn  

„Wir hatten wieder ein volles Haus“, freut sich Monika Hofmann vom Freundeskreis Langbein’sche Sammlung über die erfolgreiche Vernissage. Sehr viele Kunstinteressierte fanden zur Ausstellungs-Eröffnung mit Werken der Heidelberger Malerin Akela Möhren unter dem Titel „Das Atelier“ den Weg ins Hirschhorner Langbeinmuseum. Vorsitzender Dr. Ulrich Spiegelberg begrüßte die Gäste im Erdgeschoss des Hauses, das seit der Neugestaltung auch für Ausstellungen genutzt wird. Er kündigte weitere Aktivitäten an: Vom 8. August bis 20. September sind Werke der Hirschhorner Malerin Evelyn Christoffers zu sehen. Im Herbst ist eine Künstlergruppe aus Schönau zu Gast.

Richard Köhler von der Musikschule Hirschhorn umrahmte die kleine Feier. Wolfgang Schuler stellte die Künstlerin mit ihrer Vita vor und wies ihre verschiedenen Aktivitäten hin. So stellte Möhren unter anderem beim Heidelberger Kunstverein, in der Buchhandlung Himmelheber und ganz aktuell im Josefskrankenhaus aus. Schuler beschrieb die ausgestellten Werke mit den Themen Porträts, Wasser und –behälter in den drei Ausstellungsräumen.

Nach dem Kunststudium (Gebrauchsgraphik, Zeichnen und Malerei, Typographie) von 1959 bis 1962 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe wirkte Akela Möhren zunächst als Freie Graphikerin und Freie Malerin in Heidelberg bis 1968, danach in Quebec. Seit 1975 lebt und arbeitet sie erneut in Heidelberg.

Die Zusammenstellung der Hirschhorner Ausstellung reflektiert auch die räumlichen Möglichkeiten des Langbeinmuseums – so entstand das Motto „Das Atelier“. Möhren arbeitet mit Öl, Tusche und Pigmenten auf Leinwand. „Von einem Bild sollte immer ein Zauber ausgehen“, sagt sie. Die Ausstellung läuft bis 28. Juni und ist wie folgt geöffnet: Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Mittwoch bis Samstag auch 10 bis 12 Uhr, sonntags 15 bis 17 Uhr.

Zur Eröffnung der „Galerie am Ganges“ in der Hauptstraße 22 kamen ebenfalls viele Interessierte vorbei. Kunsthistorikerin, Kulturmanagerin und Galeristin Angela Mahmoud gab eine kurze Einführung in die dort jetzt ausgestellten Arbeiten von Oded Netivi, Jens Hafner und Enno Folkerts. Die Vernissage wurde von Heiko Plank musikalisch umrahmt. Der Gitarrist und Komponist hat etwas Einzigartiges geschaffen: die „Plank“, ein von ihm für die Interpretation seiner Musik entwickeltes elektroakustisches Saiteninstrument, seine Weiterentwicklung einer Gitarre.

Raoi Raouia Mezlini und Giuseppe Lauria vom gegenüber liegenden Restaurant „Bei Peppe“, die die ehemaligen Bistro-Räume zusätzlich gepachtet haben, stellen sie den Sommer über dem Verein Kunstpflege Hirschhorn zur Verfügung. Das eröffnet diesem die Möglichkeit, in dem leerstehenden Laden Ausstellungen organisieren zu können. „Da wir hier in Hirschhorn am Neckar leben, wurde daraus die ‚Galerie am Ganges‘ mitten in der Hauptstraße“, so Enno Folkerts.

Weil es sich um einen relativ kleinen Laden handelt, werde es bei den Ausstellungen keine „Museumshängung“, sondern eher die „Petersburger Hängung“ geben. „Wir werden versuchen, immer von allen ausgestellten Künstlern ein paar Arbeiten da zu haben.“, erläutert Folkerts. Es werde bei jeder Vernissage neu gehängt, „weil neue Künstler dazu kommen werden“. Am Wochenende ist tagsüber immer geöffnet, unter der Woche nach Vereinbarung unter Telefon 06272-2509.  Mehr Bilder hier: http://kunstpflege-hirschhorn.de/ganges.html

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