Wintereinbruch machte in Erbach das frostige Mittelalter erlebbar

Das war Mittelalter pur – nach dem Motto „Nur die Harten kommen in den Garten“. Der Wintereinbruch am Samstag mit Schnee sorgte für das große Bibbern bei den Teilnehmern und doch sehr überschaubare Zuschauerzahlen beim dritten Mittelaltermarkt von „Heimdalls Erben“ auf dem Wiesenmarktgelände. Erfindungsreichtum war gefragt. Dicke Felle erlebten kurz vor dem Frühling eine Renaissance.

Der Perlenmacher war besonders erfinderisch: Er machte eine Marmorplatte mit seinem Brenner heiß, die dann im kleinen Zelt ein paar Stunden wohlige Wärme abgab. Denn viele Teilnehmer übernachten – ganz authentisch – unter einem Stoffdach. Der Sonntag bei aufgelockerter Bewölkung und angenehmeren Temperaturen sah dann etliche Familien auf den Platz strömen, die eine Zeitreise in vergangene Jahrhunderte unternehmen wollten.

Jungs spielen Ritter, Mädchen kleiden sich als Prinzessin: Auf einem Mittelaltermarkt werden Kinderträume schlechthin wahr. Veranstalter Holger Hörstkamp aus Biebesheim hatte das Angebot aus dem vergangenen Jahr mit etwa 50 Ständen noch einmal leicht ausgeweitet. Mit Reiter- und Feuershow, mittelalterlicher Musik, orientalischem Tanz, Gaukelei und Spielmannskunst wurden die Besucher unterhalten. Dazu gab es noch reichlich „Fresserey und Sauferey“ aus früheren Zeiten.

Auch wenn Heimdall als nordischer Gott dem Team seinen Namen gab, sind seine Erben eigentlich ein ganz traditionelles Familienunternehmen. Mutter Margarethe Hörstkamp sitzt mit ihren 79 Jahren an der Kasse, Vater Hans hat mit seinen 83 hat ein wachsames Auge darauf, dass keiner ohne Eintrittskarte aufs Gelände kommt. Der 55-jährige „Filius“ Holger wiederum steigt bei der Reitershow jahrein, jahraus aufs Pferd. Ein festes Team von nur wenigen Personen schmeißt die komplette Veranstaltung.

Eigentlich hat Holger Hörstkamp ja einen ganz traditionellen Beruf gelernt. Er war früher als Kommissionierer in einem Lager tätig, machte sich dann selbstständig und sattelte um auf Mittelalter. Ganz im Wortsinn: Denn seine ersten Sporen verdiente er sich vor 17 Jahren auf der Ronneburg, wo er bei der dortigen Reitershow mitwirkte. Vor 14 Jahren starteten dann die eigenen historischen Märkte rund um seinen Wohnort Biebesheim.

Die Faszination für Hörstkamp ist es auch nach all dieser Zeit immer noch, „den Markt vom Papier in der Realität umzusetzen“. Manchmal sei es „wie ein großer Kindergarten, alle unter einen Hut zu bringen“, lacht er. Genehmigungen, Verträge, kurzfristige Absagen, Künstlerbuchungen, Absprachen vor Ort und vieles mehr sind aufwendig. „Es macht mir aber immer noch sehr viel Spaß“, betont er.

Seine Frau Sandra, die er Anfang März – natürlich auf einem Mittelaltermarkt – heiratete, steht ihm dabei zur Seite. Hörstkamp kann daneben auf viele Markthändler bauen, die ihn schon jahrelang bei seinen Veranstaltungen begleiten. Aber es gibt auch immer ein paar neue „alte“ Gesichter: Standbetreiber, die man auf historischen Märkten übers Jahr schon oft gesehen hat und die nun auch einmal bei Heimdalls Erben anzutreffen sind.

Etwa Florian „FLux“ Lacina, der mit seinem Weinturm gleich gegenüber der Bühne zu finden ist. Dort spielen gerade die „Bohemian Bards“ auf historischen Instrumenten altertümliche Weisen. Seit 13 Jahren preist Flux die besten Tropfen, egal ob mit oder ohne Prozente, an. Als Feuerkünstler, Grafiker und Techniker machte er bis 2010 die Mittelalter-Rockband „Saltatio Mortis“ mit zu dem, was sie heute ist.

Oder Achim Häfner, der „Falkner der Herzen“. Der Pfälzer aus Kirrweiler ist mit seinen Greifvögeln als Botschafter des Kinderhospizes Sterntaler auch auf mittelalterlichen Märkten anzutreffen. Er arbeitet viel mit Behinderten und ist stolz darauf, laut eigener Aussage „als einziger in Deutschland eine Therapie mit Greifvögeln“ anzubieten. Pfälzisch-redselig preist er den selbst gelesenen Eiswein an, von dessen Verkaufserlös natürlich ein Teil ans Kinderhospiz geht. Die flauschigen, zutraulichen Vögel sind derweil die heimlichen Stars.

Info: Das sechste mittelalterliche Spektakel in Lampertheim, veranstaltet von Heimdalls Erben, findet am 4. und 5. Mai an den Biedensand-Bädern statt. Mehr unter www.heimdalls-erben.de

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Schwüles Gewitterwetter macht die Gäste auf dem Erbacher Mittelaltermarkt schlapp

Jungs spielen Ritter, Mädchen kleiden sich als Prinzessin: Auf einem Mittelaltermarkt werden die Kinderträume schlechthin wahr. Zum zweiten Mal gastierten „Heimdalls Erben“ aus Biebesheim mit ihrem Spektakel auf dem Wiesenmarkt-Gelände. Dieses Mal mit mehr Platz und mehr Ständen, aber weniger Besuchern. Die schwülheiße Gewitterluft am Wochenende schreckte scheinbar einige Ausflügler ab.

Mit Reiter- und Feuershow, mittelalterlicher Musik, orientalischem Tanz, Gaukelei und Spielmannskunst wurden die Besucher unterhalten. Dazu gab es noch reichlich „Fresserey und Sauferey“ aus früheren Zeiten – oder eher eine Annäherung an das, was man früher zu sich genommen haben könnte. Das Angebot war gegenüber dem vergangenen Jahr deutlich ausgeweitet worden, nachdem es 2017 teilweise schon gegen 17/18 Uhr „ausverkauft“ hieß.

Davon war man allerdings bei der zweiten Auflage weit entfernt. Veranstalter Holger Hörstkamp war mit dem Zuspruch am Samstag unzufrieden. Als es gegen Abend dann auch noch anfing zu platschen, war der Tag mehr oder weniger gelaufen. Der Sonntag entschädigte aber noch einmal mit deutlich mehr Besuchern bei den weit über 50 Marktständen und Lagergruppen.

Als „Prinzessinnen-Macher“ waren Doris Hensen und Günther Marks aus Limeshain mit ihrem mobilen Schmuckstand unterwegs. In Katharina Reeg fanden sie eine interessierte Kundin, die zwar nicht mehr im Mädchen-Alter war, die angebotenen Schmuckstücke aber zu schätzen wusste. Zuerst als Besucher von historischen Märkten unterwegs, starteten Hensen und Marks vergangenen Jahr in Büdingen ihre „Marktkarriere“ mit einer Standarte.

Für ihre selbst hergestellten Waren verwenden sie böhmisches Glas und allergiefreies Metall. Erst nur im Umkreis ihres Heimatorts unterwegs, „fragen uns die Veranstalter inzwischen schon an“, freut sich Marks. „Das ist etwas Ausgefallenes, was man sonst nicht findet“, bekommt er immer wieder zu hören. Auch trudeln immer mehr Aufträge für Kronen herein.

Ein „Dinosaurier“ auf den Mittelalter-Märkten ist Alexs Induashvili. Der Georgier ist inzwischen seit 22 Jahren mit der „Feldbeckerey“ unterwegs, bäckt Brot, belegte Fladen oder Rosinenbrötchen. Eigentlich ist der 57-Jährige ja Atomphysiker. Als er aus Tiflis nach Deutschland kam, wurde aber gerade keiner gebraucht, lacht er. Sechs Jahre später kam die Anfrage für eine Verpflichtung in den Schuldienst. Da hatte Alexs, wie ihn alle nur nennen, aber bereits die Luft der Freiheit auf den historischen Veranstaltungen geschnuppert.

Außerdem war er natürlich nicht mehr in der (Physik-)Materie drin, sodass er das Angebot ausschlug. Heute ist er deutschlandweit mit seinem auf historisch getrimmten Bäckerwagen und Feldofen unterwegs und schätzt das ungebundene Leben. Seine Heimat hat er in Wilgertshausen in der Pfalz gefunden. „Da habe ich meine absolute Ruhe“, lacht er. Mobilfunknetz gibt es erst wieder fünf Kilometer weiter.

Auch wenn Heimdall als nordischer Gott dem Team seinen Namen gab, sind seine Erben eigentlich ein ganz traditionelles Familienunternehmen. Mutter Margarethe Hörstkamp sitzt mit ihren 78 Jahren an der Kasse, Vater Hans betreibt trotz seiner 82 den Bratwurststand. Der 54-jährige Holger wiederum steigt bei der Reitershow aufs Pferd und gibt im ewigen Kampf Gut gegen Böse mit Lust den schwarzen Ritter. Ein festes Team von acht Personen schmeißt die komplette Veranstaltung.

Neben etlichen Verkaufsständen mit Fellen, Silberschmuck, Senf, Räucherwerk, Lederwaren, Met, Korbwaren, Fellen oder Gewürzen waren bei den Kindern vor allem die Mitmachangebote beliebt. Auch das Kamelreiten war ein Renner. Für die Erwachsenen gab es vielerlei Handarbeit zu bestaunen: so Lederarbeiten mit Metall, die Herstellung des eigenen Gürtels oder Schmuckkreationen nach eigenen Vorstellungen.

Patut der Gaukler vermochte Klein und Groß mit seinen Jonglage-Kunststücken zu bannen. Bei der Musik-Gruppe „Heidenlärm“ war natürlich der Name Programm. Die Spielleute „Maleficius“ kamen ganz klassisch mit Dudelsack, Gitarre und Nickelharpa rüber, während die Tribal Dance Tanzgruppe „Sharzad“ für orientalisches Flair sorgte. Chandra und Shanti waren für die tänzerischen und Feuer-Elemente zuständig.

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Posted by Thomas Wilken on Thursday, June 14, 2018

 

Dunkles Zeitalter als bunte Erlebniswelt: „Heimdalls Erben“ veranstalteten am Erbacher Wiesenmarktgelände ein „mittelalterliches Spektakel“

Faszination Mittelalter. Das eigentlich dunkle Zeitalter kommt heutzutage als bunte Erlebniswelt rüber, die nach wie vor das gemeine Volk zu begeistern vermag. Der Odenwald ist bis auf wenige Veranstaltungen in dieser Hinsicht noch „Terra incognita“. Auch in Erbach ist der letzte Versuch, einen historischen Markt am Wiesenmarkt-Gelände zu etablieren, schon zehn Jahre her. Wenn man das Beiwerk des Bauernmarkts mal außen vor lässt.

Beste Voraussetzungen also für „Heimdalls Erben“ aus Biebesheim, einen neuen Versuch zu wagen. Mit Reiter- und Feuershow, mittelalterlicher Musik, orientalischem Tanz, Gaukelei und Spielmannskunst wurden die Besucher zwei Tage lang bei herrlichem Wetter bestens unterhalten. Dazu gab es noch reichlich „Fresserey und Sauferey“ aus früheren Zeiten – oder eher eine Annäherung an das, was man früher zu sich genommen haben könnte.

Veranstalter Holger Hörstkamp war mit dem Zuspruch bei der Auftaktveranstaltung recht zufrieden. Samstagnachmittag herrschte vor allem im Gastro-Bereich vor der Bühne immer ein stetes Kommen und Gehen, wenn sich auch die Reihen gegen Abend merklich lichteten. Der Sommer-Sonntag sorgte aber noch einmal für einen schönen Ansturm auf das Gelände mit seinen 50 Marktständen und Lagergruppen.

„Klein, aber fein“, nannte Hörstkamp den Erstling im Odenwald. In der Rheinebene veranstaltet er in der Regel um einiges größere Mittelaltermärkte. „Viel mehr Platz war eben nicht“, schmunzelte er mit Blick aufs Gelände. Nach Erbach kam der 53-Jährige Ende des vergangenen Jahres auch eher zufällig auf einen Tipp hin. Die Gespräche mit der Stadt verliefen gut, man war sich schnell einig und innerhalb von wenigen Monaten wurde der historische Markt aus dem Boden gestampft. Als Idee nimmt Hörstkamp mit, bei einer Wiederholung die Hallen mit einzubinden.

Auch wenn Heimdall als nordischer Gott dem Team seinen Namen gab, sind seine Erben eigentlich ein ganz traditionelles Familienunternehmen. Mutter Margarethe Hörstkamp sitzt an der Kasse, Vater Hans hilft trotz seiner 80 Jahre noch kräftig beim Aufbau mit und betreibt den Bratwurststand. Holger Hörstkamp wiederum steigt bei der Reitershow aufs Pferd und gibt im ewigen Kampf Gut gegen Böse mit Lust den schwarzen Ritter. Freundin Silke Müller schließlich zeigt als „Shanti“ orientalischen Bauchtanz.

Die Faszination für Hörstkamp ist es auch nach zwölf Jahren Veranstaltungsorganisation immer noch, „den Markt vom Papier in der Realität umzusetzen“. Manchmal sei es „wie ein großer Kindergarten, alle unter einen Hut zu bringen“, lacht er. Genehmigungen, Verträge, kurzfristige Absagen, Künstlerbuchungen, Absprachen vor Ort und vieles mehr sind aufwendig. „Es macht mir aber immer noch sehr viel Spaß“, betont er.

Tavaras heißt der Spielmann, der auf der Nyckelharpa für die eher ruhigen Töne sorgte. Rau, laut, derb dagegen die Spielleute von „Veytstanz“ auf der Bühne, deren Dudelsäcke schon eine ganz andere Durchdringung hatten. Allerlei mit Feuer hatte „Micha Feuerfresser“ in petto, der sich aber auch in vielfältiger Gaukelei versuchte. Orientalische Einflüsse brachte das Duo „Nojom At-Shary“ in die Veranstaltung ein.

Neben etlichen Verkaufsständen mit Fellen, Silberschmuck, Räucherwerk oder Gewürzen waren bei den Kindern vor allem die Mitmachangebote beliebt. Ob sie nun mit Erdfarben malen durften, sich im Bogen schießen versuchten, selbst Seife herstellten oder beim Schmied die eigenen Hufeisen formten: Immer bildete sich schnell eine Traube. Auch das Kamelreiten war ein Renner. Auch für die Erwachsenen gab es vielerlei Handarbeit zu bestaunen: so Lederarbeiten mit Metall, die Herstellung des eigenen Gürtels oder Schmuckkreationen nach eigenen Vorstellungen.

Großer Anziehungspunkt ist natürlich immer die Reitershow, wo Hörstkamp als schwarzer Ritter in schwarzer Metallrüstung bei den Temperaturen des Wochenendes heftig ins Schwitzen kam. Und dazu auch noch als Ger von Falkenstein immer der Böse sein musste, während sein Gegenpart Giso von Ebersbach die Lorbeeren als Retter der französischen Jungfrau einheimste.

Eigentlich hat Holger Hörstkamp ja einen ganz traditionellen Beruf gelernt. Er war früher als Kommissionierer in einem Lager tätig. „Irgendwann hatte ich keine Lust mehr“, erzählt er, schmiss hin, machte sich selbstständig und sattelte um auf Mittelalter. Ganz im Wortsinn: Denn seine ersten Sporen im Bereich „Living History“ verdiente er sich vor 15 Jahren auf der Ronneburg, wo er bei der dortigen Reitershow mitwirkte. Vor zwölf Jahren starteten dann die eigenen historischen Märkte rund um seinen Wohnort Biebesheim. Die zogen inzwischen Kreise bis nach Wiesbaden oder Losheim am See.

Daneben ist Hörstkamp mit seinen Reitershows aber weiterhin in ganz Deutschland und im angrenzenden Ausland präsent. Nicht nur im Bereich Mittelalter. Wikinger, Normannen, Hunnen: Viele Völker und Epochen werden abgedeckt. „In Holland haben wir auch schon einmal eine van-Helsing-Show gemacht“, schmunzelt er.

Info: Das nächste mittelalterliche Spektakel von „Heimdalls Erben“ findet am 6. und 7. Mai in Lampertheim nahe der Biedensand-Bäder statt. Öffnungszeiten: Samstag 11 bis 23 Uhr, Sonntag 11 bis 19 Uhr. Weitere Infos: http://www.heimdalls-erben.de

Mehr Bilder hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1463890306988447.1073742011.100001024761983&type=1&l=29f1778dd3