Satzung für den Holz-Zweckverband im hessischen Odenwald nimmt Gestalt an

Die Zweckverbands-Gründung für die kommunale Holzvermarktung ist eine unendliche Geschichte. Bereits zwölf Treffen fanden in dieser Angelegenheit statt, bilanzierte Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer in der Stadtverordneten-Versammlung, die dieses Mal im schmucken Dorfgemeinschaftshaus von Hesselbach tagte. Eigentlich hatte er geplant, den Mandatsträgern einen Satzungsentwurf vorlegen zu können. Doch über den aktuellen Wortlaut schauen noch Regierungspräsidium und Kommunalaufsicht drüber.

Der Rathauschef machte klar, dass „wir entgegen anderslautender Meldungen zum 1. Januar die Holzvermarktung neu regeln müssen“. Es soll dann ein „Forstzweckverband hessischer Odenwald“ mit Sitz in Oberzent entstehen. Gründungsmitglieder werden die bisherigen sechs Gemeinden des Forstamts Beerfelden sein.

Wald-Michelbach und Oberzent, mit knapp 1700 und 2400 Hektar die größten Waldbesitzer, nahmen zwecks Organisation der Vermarktung Kontakt mit der forstlichen Vereinigung Odenwald-Bauland auf. In dieser Buchener Genossenschaft sind unter den aktuell 33 Mitgliedern bereits Eberbach, Mosbach, Walldürn und Amorbach. Kehrer wies auf die unterschiedlichen Waldstrukturen in Weschnitztal, Bergstraße und Ried, aber auch im Bereich des Forstamts Michelstadt hin. Daraus ergeben sich verschiedene Interessen, die man unter einen Hut bringen muss.

Wie der Bürgermeister erläuterte, machen sowohl ein Zweckverband als auch der Anschluss an eine Genossenschaft Sinn. „Sonst wäre Oberzent allein am Markt und müsste sich durchkämpfen.“ Die Verbandsversammlung soll möglichst schlank gehalten werden. Es wird pro Gemeinde immer nur ein Vertreter entsandt, der je nach Waldgröße mehrere Stimmen hat. Im Oberzent-Fall sind das vier, weil die Stadt mehr als 2000 Hektar besitzt. Unter 500 ist es eine, von 500 bis 1000 zwei und von 1000 bis 2000 Hektar drei Stimmen.

Den Zweckverbands-Vorsitz wird Kehrer als Oberzent-Rathauschef innehaben, sein Stellvertreter ist Dr. Sascha Weber aus Wald-Michelbach. Damit stehen die beiden größten waldbesitzenden Kommunen an der Spitze. Ziel werde erst einmal die Vermarktung sein, erläuterte er. Allerdings will man in die Satzung auch mit aufnehmen, dass sich der Verband zukünftig ebenfalls um die Beförsterung kümmern kann. Denn diese Kosten bei Hessen-Forst werden sich bis 2025 fast verdoppeln, sagte Kehrer.

„Es wird nicht günstiger für uns“, betonte er. Denn bisher gab es viele Synergieeffekte durch das Einheitsforstamt. „Durch die Zerschlagung fallen Teile davon weg.“ Deshalb sollten die Kommunen „klug überlegen, wie wir weiter vorgehen“. Laut dem Bürgermeister sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass in spe auch der Privatwald mit ins Boot geholt werden kann. Dazu muss allerdings noch ein Paragraf in der hessischen Gemeindeordnung geändert werden. Die Gemeinde möchte dennoch ein klares Signal aussenden: „Wir wollen die Bürger nicht hängen lassen.“

Die Gemeinden im Weschnitztal – mit Lindenfels und Lautertal – aus dem Kreis Bergstraße und der restliche Odenwaldkreis werden voraussichtlich im kommenden Frühjahr dazu stoßen. Noch unklar sei, wie sich Heppenheim orientiert. Das Ried ist seiner Ansicht nach zu weit weg vom Schuss. Seine Aufnahme würde auch bedeuten, dass es kein zusammenhängendes Gebiet gibt. Hier könnte eine Lösung der Anschluss dieser Orte an eine entsprechende Organisation aus dem Kreis Groß-Gerau sein.

Waren es früher über 300.000 Euro, die der Wald als Gewinn in den Haushalt schaufelte, rechnet der Bürgermeister im kommenden Jahr nur mit knapp 100.000. Grund: der Borkenkäfer und der Sturm Friederike Anfang 2018. Davor erzielte man über 90 Euro je Festmeter Nadelholz, jetzt unter 50. Wilfried Friedrich (ÜWO) wollte wissen, ob das Land ähnlich wie Baden-Württemberg im Zuge der Umstellung Geld zur Verfügung stellt, um dem Naherholungswert des Waldes Rechnung zu tragen. Nein, sagte Kehrer, dafür soll es eine Förderung je nach Hektarzahl geben.

Alles begann mit dem Urteil des Bundeskartellamts aus dem vergangenen Jahr gegen eine angebliche Machtkonzentration in den Händen der baden-württembergischen Forstämter. Die waren/sind – wie die hessischen auch – für Beförsterung und gleichzeitig Holvermarktung zuständig. Zu viel der Holz-Kohle, zu viel Einfluss, meinte das Gericht.

Obwohl das Kartellrechtsurteil gegen Baden-Württemberg vom Bundesgerichtshof im Juni aufgehoben worden war, schlagen seine Auswirkungen ins Nachbarbundesland durch. In vorauseilendem Gehorsam will die hessische Landesregierung eine Entflechtung in die Wege leiten. Hessen-Forst darf die Holzvermarktung im Gemeindewald nicht mehr durchführen. Grund ist wohl die Angst vor Schadenersatzforderungen. Allerdings ohne klare Maßgabe, wie das geschehen soll. Die Konkretisierung bleibt an den Kommunen hängen.

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Sturm und Käfer lassen Nadelholz-Preise purzeln

Wohl dem Waldbesitzer, der viel Laubholz in seinen Beständen hat. Dafür sind derzeit noch gute Preise zu erzielen. Beim Nadelholz sieht es eher duster aus. Sturmtief „Friederike“ und der Borkenkäfer setzten vor allem der Fichte stark zu und ließen die Preise purzeln. Der Chef des Forstamts Beerfelden, Norbert Sasse, und sein Stellvertreter Sebastian Vocilka skizzierten die aktuelle Marktlage auf der Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Südlicher Odenwald (FBG). Diese umfasst die angegliederten Gemeinden des Forstamts Beerfelden, also auch Wald-Michelbach, Grasellenbach und Abtsteinach.

Der südliche Odenwald wurde im Januar von Friederike einigermaßen verschont, erläuterte Forstamtsdirektor Sasse. Im Bereich des Forstamts Beerfelden wurden „nur“ 10.000 Festmeter umgeworfen. Jedoch wütete der Sturm in Nordhessen und Niedersachsen viel stärker. „Allein in Hessen wurden drei Millionen Festmeter (fm) umgeschmissen“, machte er deutlich. Dazu kommen noch die Schäden aus anderen Bundesländern.

Als wäre das noch nicht genug, war die Witterung seit dem Frühjahr „überdurchschnittlich warm und viel zu trocken“. Beste Voraussetzungen für den Borkenkäfer. „Der vermehrte sich wunderbar in Mitteleuropa“, nahm es Sasse mit Galgenhumor. Allein in Hessen seien eine Million Festmeter betroffen. Bisher wurden im Forstamtsbereich Beerfelden bereits 40.000 fm weggeschafft, wobei er fürs komplette Jahr mit 60.000 rechnet. Betroffen ist vor allem die Fichte – die im Odenwald vorherrschende Baumart, mit der das meiste Geld verdient wird.

Das Problem beim Borkenkäfer: Er ist kein einjähriges Phänomen. „Das dauert mehrere Jahre, bis er wieder verschwunden ist“, so der Forstamtschef. Nach dem Jahrhundertsommer 2003 plagte der Buchdrucker den heimischen Wald bis 2007. Sasse geht davon aus, dass somit in den kommenden Jahren immer um die 60.000 fm Schadholz anfallen, das auf dem Markt den Preis drückt.

Wie stark, machte Sebastian Vocilka deutlich. Vor einem Jahr erzielt das Forstamt noch 92/93 Euro für den Festmeter Fichte. Aber: „Ab dem 18. Januar ging es abwärts.“ An diesem Tag zog Friederike über Deutschland. Käferholz lässt sich derzeit für 45 bis 50 Euro verkaufen, „Tendenz fallend“. Beim Nadel-Frischholz, das allerdings wenig nachgefragt wird „sind wir von den früheren Preisen weit entfernt“, sagte er.

Er empfahl deshalb den Waldbesitzern, erst einmal das Schadholz aufzuarbeiten und den Rest stehen zu lassen. „Es kommen wieder bessere Zeiten“, so der Forstamts-Mitarbeiter. Zwar betreffen die Schäden vor allem die Fichte, „aber der Kieferpreis wurde mit runtergezogen“, bedauerte Vocilka. Lediglich die Douglasie „bringt ordentlich Geld“. Hier sind die Preise mit 100 Euro/fm stabil.

Mit Laubholz wie Buche, sonst oft das Stiefkind, „kann man derzeit viel Geld verdienen“, erläuterte er. Preise für Eichenholz „schießen durch die Decke“. Vocilka empfahl deshalb, wenn möglich diese Baumarten einzuschlagen, frisches Nadelholz stehen zu lassen und erst einmal das vom Borkenkäfer befallene zu verwenden. Kollegin Gudrun Kranhold ergänzte, dass im vergangenen Jahr im Privatwald sowieso weniger als zuvor eingeschlagen worden sei.

In ihrem Geschäftsbericht für 2017 sprach sie von einem Mitglieder- und Flächenzuwachs bei der FBG. Im vergangenen Jahr wurde auf knapp 900 Hektar gekalkt. Der Kassenstand ist laut Kranhold weiterhin ansehnlich im Plus. Sie betonte, dass die Kassengeschäfte wie bisher weitergeführt werden können, da die fusionierte Stadt Oberzent in den Vertrag von Beerfelden eintrat, wo dies zuvor Hans Mader erledigte. Der übernimmt auch weiterhin die Kasse. Die Geschäftsführung der FBG bleibt in den Händen des Forstamts Beerfelden.

Da der bisherige Vorsitzende Gottfried Görig, vormals Bürgermeister in Beerfelden, nicht mehr kandidierte, musste ein Nachfolger gefunden werden. Ralf Kredel (Etzean), bisher Stellvertreter, übernimmt den Posten. Ihm zur Seite steht nun Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer als neuer Stellvertreter.

Der Beerfelder Wald soll 2017 über 200.000 Euro Gewinn abwerfen

Die heimischen Hölzer sind jedes Jahr eine feste Bank für den Beerfelder Stadtsäckel. Forstdirektor Norbert Sasse vom hiesigen Forstamt war deshalb wieder ein gern gesehener Gast, als er zuerst im Haupt- und Finanzausschuss und jetzt in der Stadtverordneten-Versammlung den Waldwirtschaftsplan 2017 vorstellte. Der schließt bei Einnahmen von 660.000 und Ausgaben von 452.000 Euro mit einem satten Überschuss von 208.000 Euro ab. Allein der Holzverkauf steuert zu den Erträgen fast 560.000 Euro bei. Das Gremium verabschiedete den Plan einstimmig.

2016 bezeichnete der Forstdirektor als „gutes, normales Jahr“ mit genug Feuchtigkeit und normalen Durchschnitts-Temperaturen. Nur Ende August „hatten wir leichte Probleme mit dem Borkenkäfer“, erläuterte er. Von größeren Schäden sei man in der Oberzent verschont geblieben. „Es gab nur wenig Windwurf“, sagte Sasse, da diesmal auch kein Orkan wütete. Alles in allem für den Forst eine ruhige Periode.

Da die Waldwirtschaftsplan-Zahlen meistens eher konservativ kalkuliert sind, gibt es kurz vor Weihnachten oftmals noch ein kleines Präsent obendrauf. Wie auch jetzt, als Bürgermeister Gottfried Görig in seinen Worten über den Haushaltsvollzug 2016 vermelden konnte, dass der Holzverkauf in diesem Jahr fast 47.000 Euro als veranschlagt – und damit 590.000 Euro – in die Oberzent-Stadtkasse spülte. Mit schöner Regelmäßigkeit bewegen sich die Überschüsse aus dem Wald bei 200.000 Euro oder mehr im Jahr.

Wie Sasse erläuterte, sollen im kommenden Jahr auf Beerfelder Gemarkung knapp 9400 Festmeter Holz eingeschlagen werden, wovon etwas mehr als 8000 verwendbar sind. Die gefällten restlichen etwa 15 Prozent bleiben als Bodenholz oder faule Teile liegen. Der Schwerpunkt des Einschlags liege bei Fichte (5544) und Kiefer (3020 Fm). Eher zu vernachlässigen sind Buche (675) und Eiche (135).

Der Forstdirektor kalkuliert mit einem Durchschnittserlös von knapp 70 Euro pro Festmeter (und damit mehr als 2016), wodurch er auf die prognostizierten 560.000 Euro Einnahmen kommt. Pachteinnahmen für Jagd oder Steinbruch sind mit 29.000 Euro veranschlagt, Nebennutzungen wie Brennholzverkauf an Selbstwerber mit etwas über 4000 Euro.

Größer Ausgabeposten ist laut Sasse der Unternehmereinsatz in der Holzernte. Hierunter fallen Harvester und Rückemaschinen mit 151.000 Euro. 118.000 Euro sind die Entlohnung für die beiden ganzjährig im Stadtwald beschäftigten Forstwirte. Geplant ist daneben eine Waldkalkung auf 300 Hektar, die 72.000 Euro kostet. Davon fließen aber fast 65.000 Euro als Zuschuss wieder zurück. Die an Hessen Forst zu zahlenden Beförsterungsbeiträge belaufen sich auf knapp 70.000 Euro. Für den Waldwegebau werden 17.400 Euro ausgegeben, Beiträge für die Berufsgenossenschaft schlagen mit 13.100 Euro zu Buche.

„Wir versuchen die Bodenschäden bei der Holzabfuhr möglichst vollständig zu vermeiden“, betonte der Forstdirektor. Teilweise handle es sich auf den Wegen auch um keine Schäden, sondern um eine dicke Schlammschicht, „die nach einem Monat wieder verschwunden ist“. Unterhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen sind im Zuge des Wegebaus geplant.

Im kommenden Jahr steht Sasse zufolge die Kulturpflege im Vordergrund. Gepflanzt wird in Form von 1000 Tannen aber nur wenig. Wenn man pflanze, müssten die jungen Bäume gleichzeitig auch gegen Verbiss geschützt werden. Naturschutz-, Landschafts- und Jungbestandspflege sind weitere Punkte auf der Agenda 2017. Wichtig sind daneben Schutzmaßnahmen gegen Wildschäden und der Schutz des kompletten Waldes gegen den Borkenkäfer.

Baumfällungen oberhalb der Neckartal-Bahnstrecke bei Hirschhorn: Pro Tag werden 360 Tonnen Holz abtransportiert

„Für die Jungs ist das hier Flachland“, schmunzelt Mark Reisner von den Fahrwegdiensten der Deutschen Bahn und deutet über den Neckar. Denn die Waldarbeiter auf dem gegenüber liegenden Steilhang oberhalb der Neckartal-Bahnstrecke arbeiten sonst in den Alpen unter ganz anderen Bedingungen. Auf zehn Hektar werden derzeit in der Neckarschleife noch bis Samstag gegenüber des Hirschhorner Stadtteil Ersheim im Zuge der Verkehrssicherung Bäume gefällt und per Helikopter abtransportiert.

Es ist eindrucksvolles Schauspiel, wenn Zehn-Meter-Stämme an das vom Helikopter herabhängende Zugseil angehängt werden und dann wie von Zauberhand zu Boden schweben. Selbst gestandene Forstleute und altgediente Bahnmitarbeiter können sich an ein Projekt dieser Größenordnung nicht erinnern. Neun Tage lang sind zwei Hubschrauber über den Sandsteinhängen unterwegs, laden Bäume auf, sie an der Landesstraße wieder ab, wo sie dann kleingesägt und mit einem Kran zum Abtransport vorbereitet werden.

Es ist die schiere Menge, die diese Aktion so besonders macht. Und auch besonders teuer. Um die 600.000 Euro teilen sich Deutsche Bahn und Hessen Forst, jeweils zur Hälfte Grundeigentümer in diesem Bereich. Damit soll laut Forst-Liegenschaftsmanager Wolfgang Lorenz erreicht werden, dass in den nächsten Jahrzehnten Ruhe im Hang herrscht. Denn der war schon einige Zeit ein Sorgenkind. Auf den flachen Sandsteinböden fanden die größeren Bäume nur noch wenig Halt, drohten abzurutschen und auf die viel befahrene Bahnstrecke zu fallen.

Nach zwei vorangegangenen, eher punktuellen Hubschrauber-Aktionen folgte nun das große Sägen und Fällen. 16 Arbeiter einer österreichischen Spezialfirma, die bereits in den Tagen zuvor vorbereitende Arbeiten durchgeführt hatten, und die Helikopter-Bestatzung sind neun Tage lang am Schaffen. „380 bis 400 Rotationen“, also Flugbewegungen vom Hang zur Straße, gebe es am Tag, so Reisner. Jedes Mal würden um die 900 Kilo ins Tal geschafft. Macht etwa 360 Tonnen am Tag, über 3000 Tonnen Holz während der gesamten Arbeitszeit.

Außer dem Nebel, der den morgendlichen Start etwas verzögerte, lief laut Reisner alles „absolut reibungslos“. Sieben Stunden dürften Piloten und Flughelfer pro Tag in der Luft sein. Nach etwa 45 bis 50 Minuten geht der 200-Liter-Tank zur Neige und muss nachgetankt werden. Wie Gudrun Kranhold vom Beerfelder Forstamt ergänzte, würden um die 1500 Bäume auf einer Streckenlänge von 1,4 Kilometern weggeschafft. Man arbeite sich etwa 50 bis 80 Meter den Hang hoch.

„Durch einige Optimierungen sind wir schneller als gedacht“, betonte Reisner. Denn eigentlich sollte der Helikoptereinsatz noch bis zum 18. August dauern. Das bedeutet auch, dass die in diesem Zusammenhang gesperrte Landesstraße am Neckar entlang früher als gedacht wieder für den Verkehr freigegeben werden kann.

Reisner wie auch Kranhold und Bahn-Förster Gerhard Hetzel lobten die „sehr, sehr gute, spitzenmäßige Zusammenarbeit“ der beiden Organisationen. Die „besondere, nicht alltägliche Aktion“ sei fast ein Jahr im Voraus geplant worden. „So etwas hat es in Hirschhorn noch nicht gegeben“, betonte Kranhold. Man habe den Helikopter zusätzlich dazu nutzen können, am Ortsausgang der Stadt oberhalb von ein paar Häusern zusätzlich überhängende Bäume zu fällen.

Die betroffenen zehn Hektar gehören je zur Hälfte dem Land und der Bahn. Die komplette Fläche liegt im FFH-Gebiet „Odenwald bei Hirschhorn“, weswegen mit besonderer Vorsicht zu Werke gegangen wird. Auf der Neckartal-Bahnstrecke sind jeden Tag zwischen 6000 und 7000 Fahrgäste unterwegs. Vom Steilhang oberhalb ging laut den Behörden Gefahr aus. Denn Bäume könnten durch Stürme entwurzelt werden, außerdem bietet der Boden nicht genug Halt, wenn sie größer und schwerer werden. Es könnten Steine aus der Felswand auf die Gleise fallen.

Junge Laubbäume werden im Zuge der Arbeiten erhalten, alle großen aber, „die eine Gefährdung darstellen“, gefällt. Da Nadelbäume nicht natürlich an diesem Standort vorkommen, werden sie grundsätzlich entfernt. Dabei hinterlässt man Baumstümpfe in unterschiedlicher Höhe, „stufig aufgebaut“, damit es „wieder eine flächige Begrünung gibt“. Da die Bäume nicht über den Boden abtransportiert werden, bleiben Mauern zur Hangsicherung, Bodenbewuchs und natürliche Wasserläufe unberührt. Dem Naturschutz im FFH- und Vogelschutzgebiet wird ein großer Stellenwert eingeräumt.

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Mit einem Helikopter geht’s auf zehn Hektar ab Ende Juli den Bäumen oberhalb der Bahnlinie bei Hirschhorn an den Kragen

Es sind die größten Baumfällarbeiten bei Hirschhorn in den vergangenen Jahrzehnten. Die Deutsche Bahn und Hessen Forst gehen den Steilhang oberhalb der Neckarschleife gegenüber von Ersheim auf einer Fläche von zehn Hektar aus Gründen der Verkehrssicherung an. Herabfallende Bäume und Sandsteinbrocken gefährdeten in den letzten Jahren immer wieder den Bahnverkehr. Für die Maßnahme wird eine ansehnliche sechsstellige Summe in die Hand genommen.

Die Arbeiten laufen vom 28. Juli bis 18. August, wenn die unterhalb liegende Neckartal-Bahnstrecke zwischen Heidelberg und Eberbach wegen Reparaturmaßnahmen sowieso gesperrt ist und es einen Schienenersatzverkehr gibt. Außerdem werden die Landesstraße 3105 entlang des Flusses und der Stöckbergweg am darüber liegenden Hang gesperrt. Zum Einsatz kommen neben einem Helikopter zum Abtransport auch Firmen, die mit Baumfällungen in Gebirgsregionen vertraut sind.

Aus Sicht von Hessen Forst mit Sitz in Kassel erläuterte Liegenschaftsmanager Wolfgang Lorenz die Maßnahmen. Die betroffenen zehn Hektar gehörten je zur Hälfte dem Land und der Bahn. Die komplette Fläche liege im FFH-Gebiet „Odenwald bei Hirschhorn“, weswegen mit besonderer Vorsicht zu Werke gegangen werde. Seinen Worten zufolge laufen die Arbeiten an Werktagen von 7 bis 21 Uhr. Der Helikopter sei maximal bis 16 Uhr im Einsatz. Der Baumabtransport über die darunter liegende Straße sei auch der Grund für deren Sperrung. Jeglicher Verkehr in Richtung Eberbach muss somit durch den Tunnel laufen.

Lorenz erläuterte, dass auf der Neckartal-Bahnstrecke jeden Tag zwischen 6000 und 7000 Fahrgäste unterwegs seien. Vom Steilhang oberhalb „geht eine Gefahr“ aus, betonte er. Denn Bäume könnten durch Stürme entwurzelt werden, außerdem biete der Boden nicht genug Halt, wenn sie größer und schwerer würden. Am Südhang trockne der Untergrund aus, „Bäume werden geschwächt, sterben ab und können abbrechen“. Es könnten Steine aus der Felswand auf die Gleise fallen. Deshalb müssten die Grundeigentümer im Zuge der Verkehrssicherungspflicht tätig werden.

„Seit sechs Jahren schauen wir uns die Entwicklung am Hang schon an“, sagte Mark Reisner von den Fahrwegdiensten der Deutschen Bahn. In bisher drei Einsätzen habe man „die gefährliche Situation nicht flächendeckend und nachhaltig entspannen“ können. Ziel sei es, den Hang nachhaltig wieder stabiler zu machen. Damit ergebe sich in den kommenden Jahren ein deutlich reduzierter Pflege- und Sicherungsaufwand. In Zukunft „soll der Eingriff minimiert werden“, betonte Reisner. Die Bahn will darüber hinaus Fangzäune oberhalb der Gleise errichten.

Wie der Bahn-Mitarbeiter erläuterte, sei aufgrund der steilen Lage und des instabilen Bodens der Einsatz herkömmlicher Maschinen nicht möglich. Deshalb führten Spezialisten mit Helikoptern die Arbeiten durch. Kletterer in den Bäumen bereiteten diese wiederum so vor, dass das Gehölz nach oben herausgezogen werden könne. Dadurch schone man „Boden, Pflanzen und Tiere soweit wie möglich“.

Junge Laubbäume werden laut Reisner erhalten, alle großen aber, „die eine Gefährdung darstellen“, gefällt. Da Nadelbäume nicht natürlich an diesem Standort vorkämen, würden sie grundsätzlich entfernt. Dabei hinterlasse man Baumstümpfe in unterschiedlicher Höhe, „stufig aufgebaut“, damit es „wieder eine flächige Begrünung gibt“. Da die Bäume nicht über den Boden abtransportiert würden, blieben Mauern zur Hangsicherung, Bodenbewuchs und natürliche Wasserläufe unberührt.

Was Gudrun Kranhold vom zuständigen Beerfelder Forstamt bestätigte. Man habe „intensiv geprüft, von welchen Bäumen eine Gefährdung ausgehe“, meinte sie. Sie zeigte sich optimistisch, dass schnell aus den Baumstümpfen über den sogenannten „Stockausschlag“ neue Triebe wüchsen und „dass es Richtung Herbst wieder grün wird“ – spätestens im kommenden Frühjahr. Gerade Buchen und Eichen seien sehr widerstandsfähig. Auch ergebe sich eine gute Durchwurzelung des Hangbodens.

Die jetzige Maßnahme entspreche der historischen „Niederwald-Nutzung“, die früher in Hirschhorn sehr verbreitet gewesen sei, sagte Kranhold. Diese habe bis Anfang des 20. Jahrhundert den Wuchs hoher Bäume gar nicht ermöglicht, da sie als Brennholz und zur Herstellung von Gerbsäure benötigt und somit spätestens bei einem Alter von 30 Jahren eingeschlagen wurden.

Dem Naturschutz im FFH- und Vogelschutzgebiet wird laut Kranhold ein großer Stellenwert eingeräumt. „Wir haben den ganzen Hangbereich durchkämmt“, sagte sie. 23 Bäume mit Nisthöhlen seien extra markiert worden, um sie möglichst zu erhalten. Wenn dies nicht mehr möglich sei, würden die Abschnitte als Nisthöhlen an andere Bäume gehängt. Auch anderweitig betreibe der Forst Artenschutz. „Wir schaffen Lebensraum für Reptilien, Kleinsäuger und Insekten“, so Kranhold, die gefährdete Äskulapnatter „wollen wir durch die Maßnahme fördern“.

 

 

Rothenberger Wald soll 2016 einen Überschuss von 120.000 Euro bringen

Ein schönes Sümmchen soll kommendes Jahr durch die Waldbewirtschaftung im Gemeindesäckel verbleiben. Nach dem von Forstdirekter Norbert Sasse vorgestellten Zahlenwerk für 2016 kann Rothenberg mit einem Überschuss von knapp 120.000 Euro rechnen. Was es den Gemeindevertretern leicht machte, dem Waldwirtschaftsplan 2016 einhellig ihre Zustimmung zu geben.

2015 bezeichnete der Chef des Forstamts Beerfelden als „normales Jahr“. Es habe wenige Niederschläge und überdurchschnittlich hohe Temperaturen gegeben. „Der Klimawandel lässt grüßen“, meinte er. Von Schäden „sind wir verschont geblieben“, sagte Sasse. Da aber andere deutsche Regionen unter Sturmschäden und Borkenkäfer-Befall litten, sei der Holzpreis um etwa fünf Euro je Festmeter gefallen.

Der Einschlag im Rothenberger Gemeindewald soll sich laut dem Forstdirektor 2016 auf etwa 5310 Festmeter belaufen. Davon seien 4415 Festmeter verwertbar. „Über 15 Prozent des Einschlags bleiben somit im Wald liegen“, einen kleinen Teil davon könne man vielleicht noch als Brennholz verwenden. Bei einem Erlös von etwa 63,50 Euro pro Festmeter kämen 280.600 Euro als Holzgeld zusammen. Als weitere Einnahmen nannte Sasse Jagdpachten mit 17.500 Euro sowie Brennholz, Weihnachtsbäume und Schmuckreisig mit 3000 Euro.

Größter Ausgabeposten im kommenden Waldwirtschaftsplan sei der Unternehmereinsatz mit 107.000 Euro. Er falle vor allem durch die Holzernte und den Wegebau an. Für Letzteres und die Pflanzenbeschaffung wird auch ein Großteil des Materialverbrauchs von 16.000 Euro verwendet. Weitere größere Posten sind die Beförsterungskosten an Hessen-Forst mit 35.700 Euro sowie Beiträge an die Berufsgenossenschaft von knapp 7000 Euro. Diese würden pro Hektar, nicht pro Person, und per Gesetz ohne Ausnahme fällig, erläuterte der Forstmann auf Nachfrage.

Mehr als die Hälfte des Einschlags, 2910 Festmeter, entfällt auf die Fichtenarten mit Douglasie, Tanne und Strobe. Etwas weniger als ein Viertel sind Kiefer und Lärchen, der Rest Buchenarten mit 710 Festmetern und Eichen (440). Der Einschlag bewege sich ungefähr im jährlichen Mittel und entsprechend dem, was nachwachse, ergänzte Sasse.

Im kommenden Jahr soll auch kräftig neu gepflanzt werden, sagte der Forstdirektor: 1900 Douglasien, 1000 Buchen, 200 Erlen/Eschen. Damit einher gehe der Schutz gegen Wildschäden. Denn die Schäden durch das Rotwild seien zwar zurückgegangen, aber im Vergleich mit dem Forstamts-Durchschnitt immer noch fünfmal höher. Auch der Bekämpfung des Borkenkäfers werde Priorität eingeräumt. Ganz aktuell sei im Wald illegale Fütterung festgestellt worden, der jetzt „behördlicherseits nachgegangen wird“, wie der Forstamtschef mitteilte.

Hessen Forst hebt Betreuungsentgelte für Privatwald drastisch an: Forstamt Beerfelden verschickt Benachrichtigungen

Über 600 Privatwald-Besitzer aus dem Bereich des Forstamts Beerfelden bekommen in diesen Tagen einen „blauen Brief“, wie dessen Leiter Norbert Sasse bedauernd sagt. Hintergrund: Hessen Forst hebt zum 1. Dezember die Betreuungsentgelte für den Privatwald drastisch an. Im Frühjahr waren die entsprechenden Pläne bereits auf Versammlungen vorgestellt worden. Schon damals hatte sich lautstarker Protest dagegen geregt, geht es doch im Schnitt um eine Verzehnfachung der bisherigen Beträge. Doch Änderungen gab es nicht mehr.

Norbert Sasse kann den Ärger der Privatwald-Besitzer über die Vorgehensweise nachvollziehen, auch wenn er die Anhebung „in der Sache für unterstützenswert“ hält. Denn in der Vergangenheit sei die Bewirtschaftung sehr stark subventioniert worden. Das Land habe sich nun entschlossen, „vor dem Hintergrund der in Verfassung verankerten Schuldenbremse eine freiwillige Leistung auf den Prüfstand zu stellen“.

Sasse machte dies an den von Hessen Forst vorgelegten Zahlen fest: Demnach seien landesweit mit der Privatwald-Bewirtschaftung 2013 nur 730.000 Euro eingenommen worden. Dieser Summe stünden aber Ausgaben von 7,3 Millionen Euro gegenüber. Ziel der Landesregierung sei nun eine hälftige Kostendeckung von 3,5 Millionen Euro.

„Die Einbeziehung von Waldbesitzern und Verbänden in die Beratungen wäre sinnvoll gewesen“, so der Forstamts-Chef. So aber „wurde nur ein Ziel vorgegeben“. Die Privatwald-Eigentümer seien damit vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Sasse hätte sich daneben vorstellen können, „die Anhebung in mehreren Schritten vorzunehmen“ – und nicht alles auf einmal.

„Für eine Dienstleistung muss etwas bezahlt werden“, macht Sasse auf der anderen Seite deutlich, dass in der Vergangenheit die Waldbesitzer etwas „verwöhnt“ worden seien. Die Zeit der „kostenlosen Beförsterung“ sei einfach vorbei. Denn wie die Berechnung durch Hessen Forst zeige, habe die Allgemeinheit bisher die Bewirtschaftung stark subventioniert. Das Beerfelder Forstamt betreut derzeit etwa 3700 Hektar Privatwald, erläutert er.

Sasse sieht ein Problem darin, „dass es keine Ausweichmöglichkeit gibt“. Denn neben Hessen Forst existierten keine privaten Anbieter, die die Aufgaben übernehmen könnten. Und selbst wenn es sie gäbe, würden diese voraussichtlich um einiges teurer arbeiten müssen und sich die Rosinen aus dem Kuchen picken. Sprich: nur große, zusammenhängende Waldgebiete bewirtschaften. Die Kleinen, die die Erhöhung besonders spürten, würden sowieso nicht profitieren.

Das Forstamt Beerfelden sieht sein Chef in einer Zwitterrolle: „Die Leute wissen, dass wir nichts dafür können, aber wir verschicken trotzdem die Briefe mit der Erhöhungsankündigung.“ Er befürchtet einen Vertrauensverlust gegenüber Hessen Forst. Die Behörde habe durch ihr Monopol vollendete Tatsachen geschaffen. „Überall sonst wird von Bürgerbeteiligung geredet“, aber in diesem Fall nicht praktiziert, sieht Sasse Defizite in der Kommunikation. „Das kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel.“

Das Forstamt Beerfelden bezeichnet er im Vergleich als Hausarzt, der seinen Patienten 30 Jahre lang bestens betreut und immer die gleichen Medikamente verschrieben habe. Plötzlich gebe es ohne Vorwarnung einen Zusatzbeitrag, seien die früheren Medikamente kostenpflichtig, dürfe nicht mehr alles abgerechnet werden – kein Wunder, dass Ärger ins Haus stehe.

Eine Abgeltung für die Naherholungsfunktion, wie sie der Privatwaldbesitzer-Verband forderte, sei nicht aufgenommen worden. Dieser habe auf die Nutzung dieser Waldbereiche durch Wanderer, Radler oder Pilzesammler hingewiesen. Außerdem, macht Sasse keinen Hehl aus der Problematik, sei das Forstamt auf einen einheitlichen Waldbereich angewiesen. Dann wenn einzelne ausscherten und nicht über Hessen Forst betreut würden, gäbe es einige organisatorische Schwierigkeiten. „Wenn an einem Weg zehn Grundstücke liegen, aber vier davon keinen Vertrag mit Hessen Forst haben, wie regeln wir es dann mit einer Wege-Erneuerung?“, fragt er rhetorisch.

Für die Privatwald-Besitzer gerade mit wenigen Hektar Fläche hat Norbert Sasse zwei Tipps parat: Zum einen habe der bisherige Vertrag eine Kündigungsfrist von einem halben Jahr. Wer also nicht gleich verlängere, gewinne sechs Monate zu den alten Bedingungen, bis er auslaufe. Und könne dann man immer noch überlegen, ob er Mitte 2016 „in den sauren Apfel beißt“. Oder zum anderen erst einmal zwei oder drei Jahre ins Land gehen lassen und dann frisch unterzeichnen. Diese Zeit habe ein Waldbesitzer dann kostenmäßig gespart.

Waldbesitzer-Infoveranstaltungen zum Thema Erhöhung der Betreuungsentgelte durch Hessen Forst: Montag, 16. November, 20 Uhr, Finkenbach, Gasthaus „Zum Goldenen Löwen“; Donnerstag, 19. November, 20 Uhr, Ober-Sensbach, Gasthaus „Maiers Bauernstube“; Montag, 23. November, 20 Uhr, Wald-Michelbach, Hotel „Birkenhof“. Weitere Themen: Holzmarkt und –ernte, Waldschutz und –bau, forstliche Förderung.

 

  • Für einen Waldbesitzer bis 4,99 Hektar Fläche ergibt sich eine Verzwölffachung der jährlichen Kosten (Holzeinschlag vorausgesetzt, denn ein Flächenbeitrag wird nicht erhoben). Statt bisher 50 Cent für den Festmeter Holz werden nun sechs Euro plus Mehrwertsteuer in Rechnung gestellt.
  • Waldbesitzer ab fünf Hektar Forstbetriebsfläche zahlen zukünftig 12,50 Euro netto pro Hektar (vorher 2,50 Euro) jährlichen Flächenbeitrag bei Mitgliedschaft in einer Forstbetriebsgemeinschaft (sonst 17,50 Euro), somit das Fünf- bis Sechsfache. Auch hier greift die Erhöhung pro eingeschlagenem Festmeter von 50 Cent auf sechs Euro.
  • Pro Festmeter Nadelholz kann ein Privater laut Sasse derzeit etwa 60 Euro/Festmeter erlösen. Mit weiteren Abzügen wie Abfuhr, Verwertung, Wegebau etc. verbleibe etwa die Hälfte der Einnahmen als Erlös.