In die Bahnhofssanierung kommt Zug rein

Der Hetzbacher Bahnhof, das Einfallstor nach Oberzent, rückt immer mehr in den Fokus der städtischen Anstrengungen. Seitdem mit der Erbacher Erklärung eine Attraktivierung der Odenwaldbahn im Raum steht, kommt dem Haltepunkt eine neue, große Bedeutung zu. Denn bei einem stündlichen Takt Richtung Eberbach wäre hier der Begegnungspunkt. Deshalb war der Bahnhof auch in der vergangenen Oberzent-Stadtverordnetenversammlung in Rothenberg gleich mehrfach Thema.

Es geht vor allem um Fördermittel, um das unansehnliche Bahnhofsgebäude wieder auf Vordermann zu bringen und aus einem hässlichen Entlein einen strahlenden Willkommensschwan zu machen. Der Überparteilichen Wählergemeinschaft Oberzent (ÜWO) ist daran gelegen, hier die neu gegründete Fördermittelberatungsstelle des Odenwaldkreises mit ins Boot zu holen. Deren Gründung hatte Oberzent vor kurzem zugestimmt.

Wie Fraktionsvorsitzende Chris Poffo in der Antragsbegründung erläuterte, soll der Bauausschuss nach der Bahnhofs-Besichtigung Anfang des Monats nun Anregungen zu sammeln und frühzeitig Vorschläge für eine Nutzung zu unterbreiten. Integration in ein touristisches Nahverkehrskonzept, Aufbau eines E-Mobilitätscenters, Unterbringung eines städtischen Tourismus-Büros und Verpachtung der Gastronomie sieht Poffo als Ansatzpunkte. Als zweiten Schritt nannte er dann die Beauftragung des Magistrats, Fördermöglichkeiten zu ermitteln. Ende November soll alles vorliegen, um im Haushalt 2021 berücksichtigt zu werden.

Im Rahmen des Freiwilligentags am 19. September ist durch Bürgermeister Christian Kehrer geplant, eine Ideensammlung unter dem Motto „Unser Bahnhof soll schöner werden“ durchzuführen, erläuterte dieser. Poffo ist es daneben wichtig zu überlegen, „wohin die Reise gehen soll“. Walter Gerbig (CDU) merkte an, dass die Fördermittelstelle beim Kreis wohl erst Mitte 2021 ihre Arbeit aufnimmt. Denn die Stelle kann erst nach Genehmigung des 2021er-Haushalts ausgeschrieben werden. „Das wäre wohl zu später für den Bahnhof.“

Kehrer ergänzte, dass die Verwaltung bereits Vorarbeiten leistet. Aktuell gibt es zwei Programme, bei denen wohl eine 90-prozentige Förderung zu erreichen sein dürfte: das integrierte kommunale Entwicklungskonzept (IKEK) und ein neu aufgelegtes Bundesprogramm mit dem Namen „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Kultur und Jugend“. Bei dem muss sich die Stadt aber ranhalten, denn Abgabeschluss ist der 30. Oktober 2020.

Auch wenn’s über den Bund viel Geld gibt, macht das Prozedere den Rathauschef wütend. Bei diesen „ganz spontanen Programmen“ müssen die Kommunen quasi fertige Anträge in der Schublade haben. „Fast schon unverschämt“ nannte er dies mit Blick auf kleine, personell nicht so gut aufgestellte Gemeinden. Innerhalb von wenig mehr als zwei Monaten muss in diesem Fall alles eingereicht sein.

Neben dem Bahnhof könnten auch der Bikepark, die Sportanlagen in der Stried, der Kunstrasenplatz und das Waldseebad förderfähig sein. Projekte mit besonderer regionaler oder überregionaler Bedeutung stehen dabei im Vordergrund. Kehrer rechnet bei Verabschiedung 2021 im Bundestag mit einer Mittelausschüttung in den Jahren 2022 bis 2024.

Da sich Oberzent aufgrund neuester Finanzzahlen in Haushaltsnotlage befindet, gibt es hier – wie auch bei IKEK – eine stolze 90-przentige Förderung der Kosten. Jedoch, schränkt der Bürgermeister ein: Die restlichen zehn Prozent müssen angesichts der vielen geplanten Projekte auch erst einmal aufgebracht werden. Investitionen in die Stadt sind für ihn aber unabdingbar. Es gilt einen Weg zu  finden, wie sie finanziell darstellbar sind.

Jürgen Schmidt (CDU) wies darauf hin, dass es nicht nur Fördermittel fürs Gebäude geben könnte, sondern auch für andere Dinge im Umfeld wie etwa Erschließung. Kehrer entgegnete, dass man die Fühler in alle Richtungen ausstreckt, um angesichts klammer Kassen die größtmögliche Förderung zu erreichen. Sein Vorschlag, der auch angenommen wurde: Der Magistrat soll alles abklopfen und wieder berichten.

Am Hetzbacher Bahnhof soll es zügig vorangehen

Der Bahnhof könnte zum Schmuckstück am nördlichen Stadteingang von Oberzent werden. Bisher ist er allerdings eher so etwas wie die unansehnliche Rumpelkammer, die ein schiefes Bild der flächenmäßig drittgrößten Kommune Hessens vermittelt. Nachdem sich das Bahnhofsgebäude nun wieder in städtischem Besitz befindet, soll es eine Auffrischung erfahren und in spe Odenwaldbahn-Reisenden Oberzent von seiner besten Seite zeigen.

Um sich ein Bild der Lage zu machen, trafen sich Mitglieder des SPD-Ortsvereins und -Parlamentarier mit Bürgermeister Christian Kehrer vor Ort. Der Tenor war klar: „Da kann man was draus machen, das hat Potenzial“, lautete die einhellige Meinung. Wenn man das nötige Kleingeld dazu hat. Und genau an dem mangelt es der Stadt derzeit bekanntlich. Schon der Kaufpreis von 120.000 Euro wurde auf 120 Monatsraten à 1000 Euro gestreckt.

Die Sanierung wird aber einiges mehr kosten. Kehrer rechnet vorsichtig mit mindestens 180.000 Euro, um das Gebäude wieder in Schuss zu bringen. In der Runde wurde bezweifelt, ob diese Summe angesichts des alten Gemäuers ausreicht. Es wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge des Odenwaldbahn-Baus errichtet – und in manchen Teilen sind die alten Zeiten noch erkennbar.

Wie der Bürgermeister erläuterte, betätigte sich der städtische Bauhof nach dem Kauf erst einmal als Müllentsorgungsunternehmen. „Die haben alles rausgeschafft, was ging.“ In einem zweiten Schritt sollen die Heizkörper raus. Die Fenster müssen ebenfalls erneuert werden. Für die verschiedenen Maßnahmen will man natürlich Fördermittel bekommen. „Das ist ein großes Projekt“, betonte das Stadtoberhaupt.

Damit es eine gewisse Refinanzierungsmöglichkeit gibt, könnten in den beiden oberen Geschossen Mietwohnungen entstehen, so Kehrer. Dort waren früher Büros der Eisenbahn-Mitarbeiter untergebracht. Erste und zweite Etage sind relativ geräumig und müssten entsprechend ertüchtigt werden. Es sollen keine Sozialwohnungen entstehen, meinte Kehrer auf Nachfrage.

Auf dem Komplex lagert innen und außen noch einiges vom Voreigentümer, sagte er. Dem gehören auch noch die alte Lokomotive und der Güterwaggon. Nach einer gewissen Zeit könnte die Stadt diese aber „erben“. Reisende kommen bisher noch in „Beerfelden-Hetzbach“ an, mokierte man in der Gruppe, dass es nach zweieinhalb Jahren noch kein neues Schild gibt. „Die Bahn lässt auf sich warten“, entgegnete der Bürgermeister trocken.

Die notwendigen Flächen, um in Hetzbach einen Begegnungsverkehr einzurichten, sind alle in Besitz von Stadt oder Bahn, erläuterte er auf eine Frage von Thomas Ihrig. Das ist wichtig, denn dies ist eine Voraussetzung für einen stündlichen Verkehr zwischen Erbach und Eberbach, wie ihn die Erbacher Erklärung zur Odenwaldbahn langfristig vorsieht.

„Je schneller, desto besser“, wünschte sich Rüdiger Holschuh ein rasches Agieren. Leader-Mittel sind vorhanden, wusste er. Allerdings bedeutet dies „nur“ eine 65-prozentige Förderung, so Kehrer. Beim integrierten kommunalen Entwicklungskonzeptes (IKEK) wären es 75 Prozent. Da es die Stadt derzeit nicht so dicke hat, ist jedes Prozent mehr an Förderung hochwillkommen. Von der Bahn ist nichts zu erwarten, die trägt lediglich Kosten im Außenbereich. Sie veranschlagt für den Bahnhofsumbau zum Kreuzungspunkt Kosten von mehreren Millionen Euro.

Im Erdgeschoss des Bahnhofsgebäudes sieht es teilweise noch aus wie in Gründerzeiten. Da die handbetriebene Glocke zur Zugankündigung, dort das früher manuell betriebene Stellwerk. Gegenüber dem früheren Schalter steht noch ein Automat zur Wiegekarten-Ausgabe. Deshalb ist die Überlegung naheliegend, möglicherweise hier ein kleines Museum zur Eisenbahngeschichte einzurichten.

Ein Kiosk, befüchtete der Bürgermeister, „wird sicher bei einem Stundentakt wahrscheinlich nicht rechnen“. Aber man könnte sich in der alten Lagerhalle nebenan eine kleine Event-Location vorstellen. Um weitere Ideen zu sammeln, soll es bald ein gemeinsames Brainstorming geben.

 

Für „Swim“ sollen Gelder fließen

Zusammen knapp 140.000 Euro gab’s vom Land für die Sanierung der Freibäder in Hetzbach und Finkenbach. Da die Schwimmanstalten derzeit sowieso geschlossen sind, möchte die Verwaltung gern Nägel mit Köpfen machen. Zumindest der Bau- und Umweltausschuss stand dem positiv gegenüber und signalisierte, dass die entsprechenden, eigentlich erst für 2021 eingeplanten Haushaltsmittel vorgezogen werden könnten.

„Swim“ nennt sich das Schwimmbad-Investitions- und Modernisierungsprogramm, aus dem nun zwei Mal Geld fließt. In Hetzbach soll es für die Sanierung der Badewassertechnik verwendet werden. Hier sind knapp 30.000 Euro Eigenmittel der Stadt nötig. Die Vorsteuerrückerstattung beläuft sich auf knapp 19.000 Euro. Das gleiche Spiel auch in Finkenbach mit Summen in fast der gleichen Höhe. Hier geht es um allgemeine Sanierungsmaßnahmen wie Folienerneuerung im Becken und Arbeiten auf dem Gebäudedach.

„Wir empfehlen dringend, die Maßnahme jetzt zu starten“, sagte Bürgermeister Christian Kehrer. Dazu wäre aber die Mittelumschichtung nötig, weil im 2020er-Haushalt lediglich 10.000 Euro bereitstehen. Bei aller Freude über den Geldsegen wünschte sich Ausschussvorsitzende Katharina Riesinger (ÜWO), „das Waldseebad Beerfelden nicht zu vergessen“. Denn auch dort gibt es einen großen Renovierungsbedarf.

Leider fiel das Bad aufgrund seiner Kategorisierung durchs Raster. Die Stadt hat es aber im Blick. Der Zaunumbau wurde laut Kehrer vom Bauhof mitbegleitet. Aktuell sind die Mitarbeiter dabei, die alten, nicht mehr genutzten Duschbecken zu erneuern. Für 2021 sollen Gelder zur Sanierung mit in den Haushalt eingestellt werden, wobei der Bürgermeister verdeutlichte, „dass ein großer Eingriff nicht möglich ist“. Der wäre unfinanzierbar. Walter Gerbig (CDU) regte an, die Fühler zu anderen Naturbädern wie Kleingemünd auszustrecken, um Erfahrungen zu sammeln.

Land unter soll passé sein

Das Jahr 2018 ist im Oberzent-Stadtteil Hetzbach noch in unguter Erinnerung. Ende April kam ein Starkregen runter, den man so noch nie oder zumindest seit Jahrzehnten nicht gesehen hatte. Das Ergebnis: In Hetzbach hieß es komplett Land unter. Die B45 verwandelte sich zum reißen Bach. Die Grünen nahmen dies nun zum Anlass, für den Ort die Aufnahme in den Hochwasserrisikomanagementplan für das Gewässersystem Mümling zu beantrage. Beraten wird das Thema weiter im Bauausschuss, der am 9. Juli tagt.

Gastanks wurden abgerissen, Menschen in Autos eingeschlossen, schilderte Thomas Väth (Grüne) das Szenario 2018. Nur mit viel Glück passierte nichts Schlimmeres. In den zwei Jahren seitdem, bedauerte er, „hat sich leider nichts beim Hochwasserschutz getan“. Im Gegenteil: Am Krähberg wurden große Waldflächen gerodet, sodass es jetzt noch heftiger werden könnte.

Die Hochwasserrückhaltebecken bei Schönnen „bringt Hetzbach leider nichts“, sagte der Grünen-Sprecher. Für die Anwohner wiederum bedeutet das damalige Schadensereignis, dass sie keine Hochwasser-Versicherungen mehr für ihre Gebäude abschließen können. Väth sah die Stadt in der Pflicht, etwas zu unternehmen, um Menschenleben zu schützen. Was es damals noch schlimmer machte: Das Feuerwehrhaus war ebenfalls von den Fluten eingeschlossen.

André Assmann (ÜWO) wies darauf hin, dass Hochwasser und Starkregen zwei verschiedene Paar Stiefel sind. Denn in Hetzbach kam 2018 das Wasser aus allen Richtungen. Marcel Gerling (SPD) wollte alle Stadtteile in Bezug auf Hochwasser abgeklopft wissen. Denn auch in den anderen Tälern könnte so etwas passieren. Allerdings wird das dann nicht mit dem Mümling-Plan laufen, kam die Erwiderung aus dem Rund.

Trockenschwimmen ist angesagt

Die Oberzent-Freibäder bleiben in diesem Jahr zu: Die drei ehrenamtlichen Schwimmbad-Initiativen auf städtischer Gemarkung (Beerfelden, Finkenbach und Hetzbach) sehen sich personell nicht in der Lage, die Corona-Auflagen zu erfüllen. Von allen wird sehr bedauert, nicht öffnen zu dürfen. Eberbach, Erbach und Michelstadt lauten die Alternativen für Badefans.

Vor kurzem fand eine Sitzung mit Vertretern der Stadt statt. Darin wurde die in Hessen ab Monatsmitte mögliche Öffnung diskutiert. Allerdings unter großen, bis 16. August geltenden Auflagen, die den Knackpunkt bilden. Zum einen geht es natürlich um die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern. Zum anderen dürfen Sammelumkleiden von höchstens einer Person je angefangenen fünf Quadratmetern Grundfläche genutzt werden, soweit keine festen Trennvorrichtungen angebracht sind.

Außerdem muss der Zutritt ins Bad ohne Warteschlangen erfolgen. Die Betreiber müssen dazu ein Hygiene- und Zugangskonzept vorlegen und überwachen, das auch eine Reinigung der sanitären Anlagen und Umkleideräumlichkeiten in kurzen Intervallen vorsieht. Im Becken darf sich maximal eine Person je angefangener Wasserfläche von fünf Quadratmetern aufhalten.

Zum einen können die Ehrenamtlichen die Auflagen mit dem vorhandenen Personal nicht umzusetzen. Zum anderen signalisieren sie auch, dass sich „niemand die Konfrontationen bei der Umsetzung zumuten will“, wie es der Hetzbacher Walter Gerbig formuliert. Gekaufte (Jahres-)Karten für 2020 sollen nun ihre Gültigkeit für 2021 behalten. Wie es mit der Öffnung des Marbachstausees aussieht, klärt nach Auskunft von Bürgermeister Christian Kehrer derzeit der Wasserverband Mittlere Mümling.

„Wir bitten die Bürger um Verständnis“, sagt Ina Bottelberger vom Arbeitskreis Waldseebad, dass eine Öffnung der Bäder in den angrenzenden Städten leichter zu handhaben ist, weil Hauptamtliche dahinter stehen. „Wir haben uns gemeinschaftlich geeinigt, dass alle drei Bäder geschlossen bleiben“, erläutert sie. In Beerfelden wollen die Helfer nun Unkraut jäten, Büsche, Dornenhecken und Bäume zurückschneiden, „damit wir im kommenden Frühjahr keinen Urwald haben“.

„Die Grünanlage wäre gepflegt und betriebsbereit“, bedauert auch Christian Niesen vom Heimat- und Verschönerungsverein Finkenbach die fortwährende Schließung. Aber leider ist nur mit ehrenamtlichem Personal nichts zu machen. Die Helfer gehen nun daran, die Mängelliste zu aktualisieren und dann an die Stadt weiterzugeben. Dach abdichten, Wand verputzen oder Folie erneuern sind einige der Punkte, die vom Bauhof erledigt werden müssten.

Ähnlich in Hetzbach. Die Schwimmbad-Initiative will nun übers Jahr den Grünschnitt organisieren und die Wartungsarbeit für 2021 vorbereiten. Da ein Kiosk-Betreiber nach wie vor fehlte, hätte unter der Woche eine Person die Badeaufsicht übernehmen, die Eintrittskarten abreißen und die Hygienevorschriften überwachen müssen. Unmöglich, schildert Gerbig die Voraussetzungen

Freibadsaison in Oberzent könnte ins Wasser fallen

Die Freibadsaison droht coronabedingt ins Wasser zu fallen. Denn normalerweise starten in diesen Tagen die Vorbereitungen, damit die drei Bäder Mitte bis Ende Mai öffnen können. Doch das öffentliche Leben ist lahmgelegt – keiner weiß wie lange. Durch die Begrenzung von Menschenansammlungen auf zwei Personen ist es unmöglich, gemeinsame Arbeitseinsätze zu koordinieren. Somit stockt alles.

Genau das ist aktuell das Problem des Vereins Waldseebadbad Beerfelden, der in den Vorjahren meistens rund um Ostern mit etlichen Helfern begann, das über 80 Jahre alte Freibad wieder herzurichten. „Arbeitseinsätze dürfen nicht stattfinden“, bedauert die Vorsitzende Ina Bottelberger. „Uns bleibt also nichts anderes übrig als abzuwarten“, meint sie fatalistisch.

Plan B der Ehrenamtlichen, wenn die Beschränkungen noch länger dauern sollten, aber noch vor Beginn der Saison enden: „Dann spritzen wir eben nur das Becken aus.“ Das würde als Notmaßnahme reichen, um zumindest öffnen zu können. Jedoch steht alles in den Sternen. Es weiß derzeit niemand, ob in Beerfelden im Sommer draußen gebadet werden kann.

Das 50 Meter lange Becken hat einen Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich sowie ein Ein-Meter-Sprungbrett und einen Drei-Meter-Sprungturm. Es gibt eine große Liegewiese mit drei Holz-Sonnendecks, Babybecken, Schaukel und Rutsche, Sandkasten, Beach-Volleyballfeld, schattige Ruhebänke im Wald sowie einen Kiosk mit gemütlicher Sonnenterasse.

Am Finkenbacher Freibad setzen die Aktiven des Heimat- und Verschönerungsvereins (HVV) derzeit auf Einzeleinsätze. „Der Rasen wird gemäht, die Maulwurfhügel werden plattgemacht, der Kiosk geputzt“, berichtet Vorsitzender Christian Niesen. Man will keine Zeit verlieren. Ihm ist aber klar, „dass wir abwarten müssen“. Er rechnet nicht damit, „dass wir Anfang Mai aufmachen“.

Im 1933 gebauten Freibad gibt es ein Schwimmerbecken mit 25 auf 12,5 Meter und einer maximalen Tiefe von 1,90 Metern. Das Kinderbecken hat einen Durchmesser von etwa sechs Metern. In den vergangenen Jahren wurde viel saniert. Gleich neben dem Eingang erhielt die Sitzecke für Stammgäste einen festen Untergrund. Die vier Metallpfosten des Sonnensegels bekamen ein gemauertes Fundament. Neben der Fliesenumrandung des Kinderbeckens wurde auch die Randfolie erneuert. Vom HVV wurden sämtliche Bänke und Tische frisch gestrichen und marode Holzlatten ersetzt.

Ähnliche Unsicherheiten gibt es ebenfalls bei Schwimmbad-Initiative Hetzbach. „Pflegemaßnahmen von Bäumen und Rasen  finden statt“, berichtet Walter Gerbig. „Natürlich einzeln oder zu zweit mit  den erforderlichen Abständen“, betont er. Um hinzuzufügen: „Im Bad ist ja genug  Platz.“ Die Aktiven wollen die Entscheidung der Verantwortlichen im Bund am 20. April abwarten, ob die derzeitigen Beschränkungen gelockert werden.

„Sollten wir grünes Lich  bekommen und soziale Kontakte wieder möglich  sein“, sieht der Ablauf laut Gerbig wie folgt aus: Reinigung des Bads an einem Wochenende und Einlassen des Frischwassers. Nach fünf Tagen ist das Becken voll und der Badebetrieb könnte starten. „Wir sind aufgrund der jahrelang geübten Tätigkeiten besonders flexibel“, hebt er hervor. Der Dienstplan der Badeaufsichten wird dann ab dem geplanten Öffnungstag bis Saisonende  erstellt. Es könnte aber in Zeiten von Corona auch die Entscheidung fallen, dass die öffentlichen Bäder neben weiteren öffentlichen Einrichtungen geschlossen bleiben, befürchtet der Hetzbacher.

Im Stadtteil gibt es ein solarbeheiztes 25-Meter-Becken mit Nichtschwimmer- und Schwimmerbereich, außerdem noch ein Babybecken. Sonnenliegen direkt am Schwimmbecken, eine Liegewiese mit Sonnensegel, ein Liegehügel, Sitzmöglichkeiten auf der gesamten Rasenfläche und ein Kiosk mit Terrasse runden das Angebot ab.

 

Info: Einen Überblick mit Verlinkungen zu den jeweiligen Bädern bietet die Webseite der Stadt Oberzent: http://www.stadt-oberzent.de/stadtleben/kommunale-einrichtungen/schwimmbaeder/

Dringend gesucht: ein Kiosk-Betreiber fürs Hetzbacher Freibad

Die Zeit drängt. Am 21. Mai soll das Hetzbacher Freibad wieder aufmachen, aber es fehlt noch der Kiosk-Betreiber, der auch den Kartenverkauf übernehmen würde. Die Schwimmbad-Initiative ist fieberhaft auf der Suche nach einem Nachfolger der bisherigen Pächterin, die sich nach zehn Jahren beruflich anderweitig orientierte. Natürlich soll der Schwimmbadbetrieb im 60. Jubiläumsjahr des Familienbades wie gewohnt funktionieren, wünscht sich Walter Gerbig von der betreuenden Initiative.

Die kümmert sich seit 2002 um alles, was im täglichen Betrieb anfällt. Damals stand der Weiterbetrieb auf der Kippe, weil der Stadt Beerfelden die Mittel fehlten. Es folgte eine große Spendenbereitschaft der Bürger, die weit über die Grenzen Hetzbachs hinausging. Insgesamt kamen in kurzer Zeit 60.000 Euro zusammen, so dass das Freibad kurzfristig saniert und am 15. Juni 2002 mit einem großen Fest wiedereröffnet wurde.

Seitdem unterstützt die aus dem damaligen Bürgerprotest gegen die Schließung hervorgegangene „Interessengruppe Schwimmbad Hetzbach“ die Stadt bei Sanierung und Unterhaltung sowie organisiert weitestmöglich – seit einiger Zeit sogar durchgehend – die Badeaufsicht. Dies führt zu einer erheblichen Verringerung der Kosten. Gerbig beziffert die bei der Stadt verbleibende Summe auf 20.000 bis 25.000 Euro im Jahr.

Der sehr begehrte Kioskbetreiber pachtet laut Gerbig die Räumlichkeiten vor der Kommune. Im Gegenzug für die Übernahme des Eintrittskartenverkaufs muss für die Pacht nichts bezahlt werden. Nur die Nebenkosten für Strom und Wasser werden abgerechnet. Beim Liegenschaftsamt der Stadt in Unter-Sensbach gibt’s weitere Infos zu den Anforderungen und Vertragskriterien.

„Wir haben damals bewusst auf eine Vereinsgründung verzichtet“, erzählt Gerbig. Denn man wollte bestimmte Regularien vermeiden. Die 25 Aktiven, von denen 15 in jeder Saison die Badeaufsicht übernehmen, waren seitdem sehr rührig. Teile der Anlage wurden vollkommen neu gestaltet, unansehnliche Betonwege durch hochwertigen Plattenbelag ersetzt, aus dem gleichen Material auch die Terrassen vor dem Kiosk und der Ruhebereich direkt am Becken geschaffen. „In 18 Jahren haben wir alles einmal komplett saniert“, ist er stolz.

Ein Anbau am Betriebsgebäude, wo früher die Chlorierungsanlage untergebracht war, verbessert heute die räumliche Situation für das Aufsichtspersonal. Hochwertige Bänke und Tische wurden in Eigenleistung hergestellt, das alte, marode Durchschreitebecken am Nichtschwimmerbereich komplett erneuert. Im Bereich der früheren „Herren-Umkleidekabinen“ entstand eine neue Toilettenanlage.

Im Zuge der Zeit optimierten die Ehrenamtlichen auch die örtlichen Gegebenheiten. Das gesamte Gelände ist nun innerhalb von zwei Stunden abzuarbeiten, weil zahlreiche tote Ecken „begradigt“ wurden. Durch gestalterische Maßnahmen wurde alles „effizient“ angelegt, so Gerbig. Das wissen auch die Eltern zu schätzen, weil sie ihre Kleinen nun jederzeit im Blick haben. Ein Rasentraktor und ein Saugrobotor wurden von der Initiative angeschafft und der Stadt übereignet.

Jedes Jahr im Frühjahr ist Großeinsatz für die Helfer angesagt. „Wir treffen uns im Mai und machen das Schwimmbad startklar“, weiß er. Danach finden jede Woche Säuberungsmaßnahmen statt. Pflege und Unterhaltung der Wassertechnik stehen ebenfalls auf der Agenda. Das Ganze hilft dann dabei, den Zuschussbedarf für die Stadt sehr moderat zu halten.

Bei gutem Wetter, schätzt der Hetzbacher, kommen am Tag um die 300 bis 500 Gäste ins Freibad. Nicht nur aus Oberzent, sondern auch aus Erbach oder Michelstadt. Die Gäste von dort wissen die Übersichtlichkeit zu schätzen, weil ihre Bäder größer dimensioniert sind. Ein neuer Kioskbetreiber kann auch auf Stammkundschaft setzen, da sich das Bad in Ermangelung von Gaststätten zu einer Art „Ortstreff“ gemausert. Es gibt eine Stammtischgruppe, einen Lesezirkel und die Kartenspieler.

Freibad-Geschichte:

Bereits im Jahr 1935 gab es die ersten Pläne, in Hetzbach ein Schwimmbad zu errichten. Da jedoch auch die umliegenden Gemeinden für die nicht unerheblichen Kosten aufkommen sollten, sich jedoch nicht beteiligten, geriet das Vorhaben wieder in Vergessenheit. Erst in den 1950er Jahren, zur Amtszeit von Bürgermeister Leonhard Ehrhard, wurde die Idee eines Freibades wieder aufgegriffen und vorangebracht. Im Jahr 1958 konnte der erste Spatenstich erfolgen.

Soweit es möglich war, wurden die Arbeiten an Hetzbacher Firmen vergeben. Gebaut wurde ein Freibad mit Gas-Chlorungsanlage, Umkleidekabinen, Toiletten, Kiosk und Kleideraufbewahrungsraum. Die Baukosten beliefen sich auf rund 125.000 Mark. Auf die Gemeinde entfielen 75.000 Mark, aus Bundesmitteln flossen 10.000 und von der Sportwetten GmbH 40.000 Mark. Nach zweijähriger Bauzeit wurde das Schwimmbad am Pfingstsamstag, 4. Juni 1960, „bei sengender Hitze“ eingeweiht. 700 Besucher bewunderten dabei das 25 auf zwölf Meter große Schwimmbecken und die 6000 Quadratmeter große Anlage.

Am Campingplatz fehlen Wasserzapfstellen

Rund um Schwimmbad und Campingplatz Hetzbach gibt’s noch Nachbesserungsbedarf, wurde auf der Ortsbeiratssitzung berichtet. Im Bereich des Campingplatzes fehlen Wasserzapfstellen, teilte Ortsvorsteher Hans-Ludwig Kredel mit. Einige Camper hätten welche in „Eigenhilfe“ errichtet. Nach Mitteilung von Stefanie Ampferl, für die Oberzent-Stadtverwaltung anwesend war, gab es bereits eine Begehung und Bedarfsermittlung. Die Errichtung zusätzlicher Zapfstellen musste jedoch wegen der Haushaltssperre in diesem Bereich zurückgestellt werden, teilte sie mit.

Aus dem Kreis der Sitzungsbesucher wurde von wiederholten Belästigungen der Anwohner zur Abendzeit durch laute Tätigkeiten außerhalb der Camping-Saison berichtet. So seien beispielsweise noch nach 20.30 Uhr Arbeiten mit der Flex ausgeführt worden. Ampferl bat, solche Vorkommnisse möglichst zeitnah über den Mängelmelder der Stadt Oberzent „Sag‘s uns einfach!“, zu finden unter http://www.stadt-oberzent.de/rathaus/maengelmelder, weiterzugeben. An einem Teil des Funktionsgebäudes sind noch Arbeiten im Gange, informierte sie.

Nach dem Mümling-Hochwasser im Frühjahr 2018 gibt’s noch etwas zu tun: Wie Kredel informierte, sind auch nach der zweiten Begehung durch den Ortsbeirat und einer anschließenden schriftlichen Information des Wasserverbandes noch verschiedene Punkte unerledigt. Dies betreffe auch Maßnahmen, die von privaten Anliegern durchzuführen sind. Die Stadtverwaltung müsse nachhaken, forderte er.

Bei der Flurbereinigung hakt‘s. Die immer noch nicht ausgeführte Anbindung des Friedhofes und des Anwesens Heilmann über den auszubauenden Feldwegeabschnitt an der Bahnlinie wurde vom Gremium bemängelt. „Diese wird seit Jahren diskutiert“, hieß es. Es gebe bereits länger entsprechende Ausbauplanungen. In den Sitzungen der Teilnehmergemeinschaft wurde die Dringlichkeit mehrfach zur Sprache gebracht, sagte der Ortsvorsteher. Seinen Worten zufolge wurde in der März-Sitzung des Ortsbeirats die Ausführung für den Herbst in Aussicht gestellt. „Dennoch gibt es hier immer noch keinen erkennbaren Fortschritt.“

Auf der Sitzung wurde daneben auf die (im Wege- und Gewässerplan vorgesehene) Wiederherstellung einer durchgehenden (Fuß-)Wegeverbindung zwischen dem Bereich Krähberghalle/Am Wingertsbuckel und dem Pfeifersgrund hingewiesen. Hiervon verspricht sich der Ortsbeirat einen wichtigen Lückenschluss im Wanderwegenetz und eine Erschließung des Krähbergtunnelkopfs, der ein für die Ortsgeschichte wichtiges Baudenkmal darstellt. Da es nicht um Tiefbauarbeiten geht, „sollte dies trotz der erkennbaren Überlastung der Flurbereinigungsbehörde zeitnah erledigt werden können“, lautete die Hoffnung.

Das Wanderwegenetz im Ort wird zukünftig von Sascha Krämer betreut. Regina Georg von der Tourist-Info in Beerfelden stellt die „Schnittstelle“ zwischen der Stadt Oberzent und dem Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald dar. Die Stadt habe kein eigenes Wanderwegekonzept und kein eigenes einheitliches Design von Markierungen, Beschilderungen, Informationspunkten oder Rastplätzen, so Ampferl. Das sei zwar im Rahmen des IKEK einmal angedacht gewesen, könne jedoch aus Kostengründen nicht umgesetzt werden.

Von Ortsvorsteher Kredel kam der Vorschlag, das Budget des Ortsbeirats in der vollen Höhe von 1832 Euro als Zuschuss für das geplante Multifunktions-Spielfeld bei der Krähberghalle zur Verfügung zu stellen. Alle Mitglieder votierten dafür. Die Arbeiten an den Kanaldeckeln im Bereich der B 45 „sind nicht zufriedenstellend“, wurde moniert. Es gebe immer noch störende Fahrgeräusche. „Vermutlich liegen die Deckel nun zu hoch.“

Ortsbeirat beklagt Wildwest am Marbachstausee

Die drei sommerlichen Open-Air-Veranstaltungen am Marbachstausee haben beim Ortsbeirat  Hetzbach einen schalen Beigeschmack hinterlassen. Wenn das Gremium auch die Attraktivität dieser ortsnahen Freizeitanlage am Südufer des Hochwasserrückhaltebeckens begrüßt, so wurden doch auf der Sitzung „erhebliche Missstände“ moniert. Beim Jugendzeltplatz wurde in den Tagen danach eine erhebliche Menge an Restholz und Sperrmüll verbrannt, berichtete Ortsvorsteher Hans-Ludwig Kredel. Diese Aktion und weitere Lagerfeuer „haben mehrere Feuerwehreinsätze ausgelöst“.

Der Ortsbeirat forderte deshalb eine bessere Überwachung derartiger Veranstaltungen und angemessene ordnungsrechtliche Maßnahmen bei Verstößen. „Wenn die Nutzer der Anlage quasi nach Belieben verfahren können, hat dies eine negative Vorbildwirkung“, so der Tenor. Es wurde nachgefragt, ob die Müllverbrennungsaktion und die ausgelösten Feuerwehr-Alarmierungen auch entsprechende Konsequenzen für die Verantwortlichen hatten.

Seitens des Gremiums wurde kritisierend auf die bereits im Vorfeld der Veranstaltungen geöffnete Schranke am Zufahrtsweg hingewiesen, die zu zugeparkten Rettungswegen führte. Nach Mitteilung von Stefanie Ampferl, die für die Oberzent-Stadtverwaltung vor Ort war, erfolgte im Vorfeld eine Kontrolle des Geländes durch den Brandsicherheitsdienst. Es wurden Verstöße festgestellt und geahndet, berichtete sie.

Die Zustände auf dem Jugendzeltplatz wurden bereits in der März-Sitzung des Gremiums beanstandet, sagte der Ortsvorsteher. Die Belegung und Nutzung des Geländes „entspricht mittlerweile kaum noch der eines Jugendzeltplatzes, wie er vom Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald beworben wird“, so die Beschwerde. Es sei unter anderem festzustellen, dass zunehmend Pkw, Wohnmobile und Wohnwagen dort aufgestellt werden. Darüber hinaus werde aber auch im gesamten Freigelände am Südufer des Marbachsees „wild“ geparkt, gelagert und gecampt.

Weiterhin steht seit den drei sommerlichen Veranstaltungen am Zufahrtsweg ein verschlossener Übersee-Container mit unklarer Nutzung, so die Mitteilung auf der Sitzung. Es wird vom Ortsbeirat vermutet, dass sich die Veranstalter hier eine Lagermöglichkeit vor Ort geschaffen haben. „Der Container soll entfernt werden“, lautet der unmissverständliche Wunsch.

Königsbrunnen bei Hetzbach wird 1200 Jahre alt

Ob an ihm schon Könige rasteten und sich einen kühlen Trunk gönnten, ist nicht mehr überliefert. Das entsprechende Alter hat der Königsbrunnen bei Hetzbach jedenfalls. Denn er ist einer der aufgeführten Grenzpunkte Mark „Michlinstat“ und als Cuningesbrunnen überliefert. Um sein 1200-jähriges Bestehen zu feiern, laden Ortsbeirat und Dorfverein Hetzbach am Donnerstag, 3. Oktober, zu einer kleinen Wanderung und einem Treffen am Königsbrunnen ein.

Im Jahre 815 erhielt Einhard, der Erbauer der Einhardsbasilika in Steinbach, als Anerkennung für seine großen Verdienste als Vertrauter am Hofe Karls des Großen von dessen Sohn, Ludwig dem Frommen, die Mark „Michlinstat“ als Geschenk. Im Jahr 819 vermachte er die Mark Michelstadt dem Kloster Lorsch und beschrieb dabei ihre Grenzen. Seine Grenzbeschreibung ist als Abschrift im sogenannten „Lorscher Codex“ erhalten geblieben. Ein Grenzpunkt ist der Königsbrunnen.

Die heutige Brunnenanlage mit ihrer deutlich vom Jugendstil beeinflussten Gestaltung von 1904 ist ein Kulturdenkmal aus heimat- und ortsgeschichtlichen sowie künstlerischen Gründen nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz. Um diesen erstmals vor 1200 Jahren erwähnten Ort zu würdigen und wieder ein wenig mehr in Erinnerung zu bringen, organisieren Ortsbeirat und Dorfverein die Veranstaltung. Die Wanderung beginnt um 10 Uhr an der Krähberghalle und wird auch für Kinder- und Bollerwagen geeignet sein. Ab 12 Uhr werden zwischen der Krähberghalle und dem Königsbrunnen Planwagen verkehren. Vor Ort ist fürs leibliche Wohl gesorgt.

„Versus“ von Weinmann gibt’s auf DVD und im Stream

„Versus – Drang in die Welt“, der Film des aus Hetzbach stammenden Regisseurs Sebastian Weinmann, ist jetzt veröffentlicht. Der 55 Minuten lange Streifen mit der Kategorie „moderner Heimatfilm“ kann über Amazon und Vimeo gestreamt sowie als DVD bestellt werden. Teile davon drehte Regisseur auch in seiner alten Heimat, dem Odenwald, andere in Berlin. Vor einem Jahr startete diese familiäre Produktion, schrieb Weinmann das Drehbuch und sagte der Cast zu.

„All den herzlichen und wichtigen Menschen, die beteiligt waren und mitgemacht haben, möchte ich nochmals meinen Dank für Ihre Unterstützung und Vertrauen in dieses Projekt aussprechen“, betont der Filmemacher. „Ich bin sehr stolz auf das Resultat und freue mich, dass mein Film jetzt angeschaut werden kann“, teilt er mit.

Versus erzählt vom Drang in die eigene Welt. Dohensa (Dennis Habermehl) gelingt der Aufbruch seine eigenen Werte zu finden. Unterstützt durch Rica (Kristin Becker) trifft er auf Hindernisse, Kulturen und Bräuche und wird mit Fragen konfrontiert, die nicht nur sein, sondern unser aller Leben betrifft. Der Film arbeitet mit besonderer Sprache und geht tief an die Wurzeln des Alltags und der Umgebung, die uns beeinflusst. „Wir werden mit unserem Inneren konfrontiert“, so der Regisseur.

Gefühlt halb Oberzent war bei der Premiere im Erbacher Kino Anfang April dabei. In sechs Tagen drehte der 34-Jährige den Film ab. Darunter war auch ein Drehtag in Ober-Sensbach, als die Sänger des MGV Eintracht-Liederkranz Sensbachtal hoch über dem Dorf das Lied „Heimat“ schmetterten. Auf dem Hügel nahe des Sportplatzes mit schönem Blick über das winterliche Ober-Sensbach klappte der Dreh im Dezember gleich im ersten Durchgang.

„Filme machen ist was Physisches“, sagt Weinmann. Die Kälte „kann man nur oben auf dem Berg spüren“. Alle sollen sich auf diese Weise vorstellen können, wie die realen Bedingungen sind. In Berlin wäre es seiner Meinung nach nicht möglich, so zu arbeiten. Die Gegensätze, die sich auch im Filmtitel „Versus“, Dagegen, widerspiegeln, kommen am besten in der Konfrontation von Land und Stadt, von Ruhe und Trubel zum Ausdruck.

Sein Werk, so Weinmann, „wirft Fragen auf“. Er ist stolz darüber, „dass ich nicht alle beantworten kann“, sagt er schmunzelnd. Denn genau so ist der Film auch gedacht: „Jeder soll für sich einen eigenen Eindruck mitnehmen.“ Jeder Zuschauer soll dadurch etwas nachdenklich werden. Der Oberzenter in Berlin freute sich über das gemischte Publikum jeden Alters, denn genau so sieht er auch „Versus“: für die Region gedacht.

Es ist diese „bedingungslose Hilfsbereitschaft“, die Sebastian Weinmann am Odenwald besonders schätzt und weswegen er in die alte Heimat kam, um hier Szenen zu drehen. „Jeder packt mit an“, freut er sich. Die Ausbildung ist für ihn das Eine. Das Andere ist die praktische Arbeit. Deshalb finanzierte er seinen Film auch selbst, schrieb das Drehbuch, führte Regie und wählte die Schauspieler aus.

„Arbeit, Geld, Kultur“ sind für ihn die tragenden Elemente, aus denen er sich in der Handlung bedient. „Beeindruckt, baff, überwältigt vom Andrang und der Neugier der Leute“ zeigt sich der Autor, Regisseur und Produzent in Personalunion. „Ich habe alles selbst geschrieben, jede Textzeile“, erläutert er. Und auch den Sprinter mit dem Kamera-Equipment gefahren.

 

Sebastian Weinmann, 1985 geboren, ist in Hetzbach aufgewachsen und lebte drei Jahre in Ober-Sensbach. Ausgebildet als Kaufmann im Groß- und Außenhandel, studierte er dann in Berlin Regie für Film und Fernsehen und ist jetzt als Filmemacher tätig.

 

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Es läuft wieder am Hetzbacher Campingplatz

Die Witterungs-Durststrecke ist überwunden, jetzt lacht die Sonne wieder vom Himmel. Darüber freuen sich nicht nur die Besucher des Hetzbacher Freibads, sondern auch die Campinggäste, die ohne zu bibbern wieder ihre Runden ziehen können. Während das Waldschwimmbad in Beerfelden aufgrund der unsicheren Witterung Mitte August bereits seine Pforten schloss, wollen die Ehrenamtlichen der Interessensgruppe Schwimmbad in Hetzbach bis Mitte September weitermachen.

Nebenan tut sich auch gerade für die Campinggäste viel. Erst wurde das Dach von Sanitär- und Schwimmbadgebäude saniert, jetzt sind seit Mai außen gelegene Duschen und Toiletten dran. Die waren ziemlich in Jahre gekommen, stammten noch aus der Anfangszeit des über 50 Jahren alten Bauwerks und in einem entsprechenden Zustand. „Alles war nicht mehr zeitgemäß und verschlissen, Türen und Fenster kaputt.“ Es wurde noch nie was gemacht.

Die Beschwerden der Camper häuften sich, weiß Stadtbaumeister Peter Bauer. Die frühere Stadt Beerfelden ergriff dann die Initiative. Bis zur Umsetzung dauerte es aber noch ein wenig, sodass nun das neue Oberzent zuständig ist. Es sind vor allem Leute aus der Region, die auf dem Platz ihren Campinganhänger stehen haben und dort die Wochenenden verbringen, erläuterte Bauer. Geöffnet ist in der Regel im Sommerhalbjahr.

Aktuell laufen die Maßnahmen im Rahmen des sogenannten KIP-Programms. Sie dürften bis Oktober abgeschlossen sein. 50.000 Euro hat die Stadt für die Einrichtung einer behindertengerechten Toilette mit Dusche sowie die Kompletterneuerung der Sanitärräume für Männlein und Weiblein eingeplant, 80 Prozent davon bekommt sie aus dem kommunalen Investitionsprogramm zurück. In der Übergangszeit sind am Schwimmbadeingang zwei Container aufgebaut.

„Wir wollten früher anfangen“, betont der Stadtbaumeister. Aber vor der Dacherneuerung musste erst einmal die Solaranlage demontiert werden. Das zögerte sich hinaus, weil dafür Plusgerade notwendig sind, es aber Ende April noch einmal Frost gab. Bauer hofft, dass nach der Fertigstellung auch mal die Außenwand des Gebäudes angegangen werden kann, wo der Putz abblättert.

Auch auf dem Campingplatz wird sich bald was tun. Gerade vor kurzem gab’s den Bescheid, dass dessen Elektrik über Gelder aus der Hessenkasse auf den neusten Stand gebracht werden kann. Die Konditionen sind hier sogar noch besser: Die Stadt bekommt 90 Prozent der Mittel erstattet. Auch hier sind 50.000 Euro eingeplant. Die Maßnahme soll noch in diesem Jahr durchgeführt werden, so Bauer.

Gegenüber dem Supersommer 2018 lassen sich in diesem Jahr die Freibad-Besucherzahlen verhaltener an. An den heißen Juni-Tagen war es ab und zu rappelvoll, zählte man 200 oder mehr Gäste. Der wechselhafte August sorgte aber dafür, dass manchmal nur die Hartgesottenen kamen, die immer ihre Runden drehen.

Da jetzt die Schule wieder läuft, füllt sich das Bad mit seinem 25-Meter- und Kinderbecken vor allem an den Wochenende. Die Wassertemperaturen lagen vor kurzem bei 22 Grad, Tendenz steigend. Wie in Finkenbach ist es eine Gruppe von Ehrenamtlichen, die die Anlage in Schuss hält. Vor der Saison bringen etwa 20 Helfer alles auf Vordermann und machen das Bad nach der Saison winterfest.

 

Info: Nach aktuellen Stand ist das Freibad Hetzbach bis 19. September von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Mehr unter http://www.facebook.com/SchwimmbadHetzbach

Fans feiern bei der X-Mas-Party des TV Hetzbach bis spät in die Nacht

Wasen-Stimmung in der Krähberg-Halle. Etwas anders als sonst, aber nicht minder erfolgreich war die „X-Mas-Party“ der TV-Fußballer. Elf Mal große Party rund um Weihnachten und kein Ende in Sicht: Der Event ist für die Jugend und die jung Gebliebenen eine feste Größe im Veranstaltungskalender. Das erste Mal war jetzt die „Volxx-Liga“ am Start. Zufriedene Veranstalter, klasse Stimmung, volle Halle sowie eine fetzige Band: Es lief alles perfekt wie immer, freute sich Mitorganisator Michael Daub vom TV.

Bis nach 2 Uhr in der Früh unterhielten die Jungs und Mädels aus Franken an die 500 Fans mit ihren Versionen von bekannten Volksmusik-, Schlager-, Rock- und Popsongs. Professionelle Animation und ein überzeugender Auftritt bescherte der Gruppe viel Applaus und Zugabe-Rufe. „Es lief alles super“, äußerte sich Daub zufrieden über den Verlauf. Den Gästen gefällt einfach die große Party – „vielleicht sogar unabhängig von der Band“, lachte er.

Am Anfang war das Publikum fast naturgemäß noch etwas zurückhaltend, stellte er fest. Als die Band gegen 21.45 Uhr loslegte, hatte sich die Halle vor allem im hinteren Bereich schon gut gefüllt. Ganz nach vorn trauten sich zu Beginn aber die wenigsten. Das dauerte dann bis zur Mitte des zweiten Sets. Dann war der Sound auch besser, der die Kommunikation aufgrund der zu leise abgemischten Stimmen am Anfang schwierig machte. Später und bis zum Schluss „war die Stimmung super“ – auch weil die Temperaturen in der Halle immer höher stiegen.

Bis zum Ende, beobachtete der TV-Mann, „war die Halle voll“. Aber dann leerte sie sich im Vergleich zu den Vorjahren auch schnell, nachdem die Band gegen viertel nach 2 aufgehört hatte – nach mehr  als vier Stunden. Nur wenige machten vorher „schlapp“. Für Daub ist schon klar, dass es auch im kommenden Jahr die „X-Mas-Party“ in ihrer zwölften Auflage geben wird. Im Frühjahr gehen die TV-Fußballer in die Planung.

Die beiden Sänger Tim Roppelt und Marina Pechmann, unterstützt von Sylvana Lenzschau (Bass), Nox Hirt (Keyboards, Akkordeon, Saxofon), Nico Pechmann (Gitarre) und Benny Andreas (Schlagzeug), sorgten dafür, dass die gesamte Bandbreite der Party-Hits abgedeckt wurde – egal ob das jetzt aktuelle Dance-Charts waren, Rock- und Pop-Stücke oder Heavy-Metal-Songs. Quasi von Andreas Gabalier bis AC/DC.

Ob Tina Turner („Simply the best“), Matthias Reim („Verdammt ich lieb dich“), Markus („Ich will Spaß“) oder Nena („99 Luftballons“): Den zum Großteil jungen Besuchern wurde keine Pause gegönnt. Die „Chöre“ von Mark Forster oder ein „Kompliment“ der Sportfreunde Stiller hatten deshalb ebenso ihre Berechtigung wie Songs von Gloria Gaynor, Status Quo, den Ärzten oder Robbie Williams. Zusammen mit Stücken von Katrina and the Waves („Walking on sunshine“), Irene Cara („What a feeling“) oder Andreas Bourani („Ein Hoch auf uns“) der beste Mix, um die Gäste lange bei Laune zu halten.

Aber natürlich hatte die Band auch ein paar volkstümliche Stücke im Gepäck, die bewiesen, warum sie in diesem Jahr fünf Mal auf dem Cannstatter Wasen auftrat. Die „Volxx“-Musik wird sogar bis nach Norddeutschland gern gehört, weiß Nico Pechmann von einem Auftritt in Hannover. In Hetzbach sind die sechs Musiker keine Unbekannten, denn sie spielten dort vergangenes Jahr auf der Kerwe. Dort sah sie auch Michael Daub und verpflichtete sie für die Weihnachtsparty.

Der bilanzierte, dass die „Volxx-Liga“ vom Grundkonzept her etwas anderes war als etwa „Snow“ in den Vorjahren. Doch die Musik wurde nach etwas zurückhaltendem Beginn, was aber auch am Sound gelegen haben könnte, gut angenommen. Die Zuschauer kamen aus dem gesamten Odenwaldkreis, registrierte Daub. Und sogar bis ins Bayrische hinein, da die Band ihre Wurzeln im Mittelfränkischen hat.

Für die Fußballabteilung des TV bedeutete das „X-Mas-Konzert“ einen Großeinsatz. „Fast alle Spieler helfen mit“, sagte Michael Daub. Inklusive Vorstand waren so an diesem Abend um die 50 Leute im Einsatz, Auf- und Abbau nicht mit eingerechnet. Denn wenn die letzten Helfer um 6 Uhr morgens nach Hause gehen, soll das Gröbste schon geschafft sein. Eine Gemeinschaftsleistung, die nur durch den guten Zusammenhalt möglich wird. „Wir haben nie Probleme, Helfer zu finden“, freute sich Daub über die ungebrochene Unterstützung. Denn das Konzert ist eine feste Einnahmequelle für die Vereinskasse.

In den vergangenen zehn Jahren hat man beim TV nur gute Erfahrungen gemacht. Auch wenn natürlich ein paar Security-Leute am Eingang stehen, „lief immer alles friedlich ab“, beobachtete Daub – wie auch dieses Jahr. So hatten die Verantwortlichen keine Probleme, die geduldig Wartenden in der Schlange nach und nach abzufertigen. Er führte das auch darauf zurück, dass die Sicherheitskräfte Vereinsmitglieder sind und ihre Leute kennen.

Ein Ende der vorweihnachtlichen Sause ist noch nicht in Sicht, denn der Zuspruch der Altersgruppe zwischen 20 und 30 ist ungebrochen. Mit dem „Muttizettel“ sind auch etliche zwischen 16 und 18 Jahren dabei, hat Daub beobachtet. Die über 30 Jahre „kann man an einer Hand abzählen“, weiß er schmunzelnd.

X-Mas Party Hetzbach KrähberghalleDIE VOLXX LIGATV Hetzbach (Abt. Fußball)Nico PechmannTim RoppeltMarina PechmannNox HirtSylvana Lenzschau

Posted by Neckartal-Nachrichten on Monday, December 24, 2018

Etwas ganz Tolles für die Hetzbacher Dorfgemeinschaft

„Da ist wirklich schön was los“, freut sich Mitorganisatorin Ellen Sturm beim Blick auf die Weihnachtsmeile vor der Krähberghalle. Abgeschirmt von der Straße, finden sich zehn Buden links und rechts des Weges mit allerlei Geschenkideen, aber auch genügend Möglichkeiten, den kalten Temperaturen flüssig wärmend entgegenzutreten oder den knurrenden Magen zu besänftigen. Die schmale Gasse dazwischen tut ein Übriges, dass es aufgrund der drangvollen Enge nicht wirklich kalt werden kann.

Der trockene Samstag mit passendem Weihnachtsmarkt-Wetter sorgt dafür, dass den ganzen Abend über ein stetes Kommen und Gehen herrscht. Der regnerische Sonntag ist dann leider erwartungsgemäß nicht so gut besucht, als nach dem Gottesdienst zuerst ein Kinderbasteln stattfindet, gefolgt vom offenen Weihnachtssingen und dem späteren Besuch des Nikolauses. In ihrer achten Auflage zog die Veranstaltung von der Sciors Mühle um an den Platz vor der Halle, was sich als gute Alternative zeigte. Mit einer Fortsetzung an diesem Ort ist zu rechnen.

„Die Aussteller organisieren den Markt zusammen“, sagt Ellen Sturm, die selbst mit allerlei leckerem, selbstgebackenem Gebäck, Pralinen, vor Ort gebrannten Mandeln und einem süffigen, warmen Apfel-Zimt-Likör dabei war. Der wurde schon ein Vierteljahr vorher angesetzt und schmeckt, garniert mit Sahne, nach mehr. Je nach Jahreszeit und Obst gibt es auch verschiedene Variationen. Den Erlös ihrer Verkäufe spendet sie ans Kinderhospiz im Odenwald. Sturm zeigte sich dankbar, dass zwei lokale Betriebe ihren Ausstellungswagen zur Verfügung stellten, damit dieser von Standbetreibern genutzt werden konnte.

Die meisten von ihnen kommen aus Hetzbach oder anderen Oberzent-Stadtteilen. Gestricktes, Imkereiprodukte, Met, Holzschnitzereien, Nudeln, Liköre, Adventsgestecke und natürlich Glühwein, Punsch, Waffeln und Bratwürste: Ein voller Magen und eine volle Einkaufstasche sind beim Bummel entlang der Stände von Vereinen und Einzelpersonen selbstverständlich. Der Markt „ist ein Treffpunkt für die Hetzbacher“, freut sich Tochter Nina Sturm. In seiner achten Auflage „wurde er bereits zu einer schönen Tradition“, meint Anna Wrba.

Das kann auch Elke Kredel bestätigen. Die Hetzbacherin ist mit ihren Holzschildern und den darauf eingravierten Sprüchen seit Anfang an dabei. „Ich brenne darauf Dinge, die mir auch gefallen“, erklärt sie. Katharina Holschuh, in Airlenbach zuhause, bietet ihre selbst genähten Waren zum zweiten Mal im nördlichsten Oberzent-Stadtteil an. „Alles Eigenarbeit und nichts Industrielles“, betont sie.

Der Weihnachtsmarkt „ist etwas ganz Tolles für die Dorfgemeinschaft“, sagt Kredel. Man kommt zusammen, trifft Leute, die man schon länger nicht gesehen hat, hält ein Schwätzchen – oder mehrere -, trinkt einen Glühwein – oder auch einen zweiten. Wer wie Elke Kredel aus dem Ort stammt, kennt natürlich viele Besucher. Die kommen dann auch gern am Stand vorbei und kaufen das eine oder andere Geschenk.

Derbe Komödien kommen immer an: Duppe-Theater in Hetzbach begeistert die Gäste

„Die Resonanz war wieder unwahrscheinlich“, freut sich Ralf Müller. Zwei Mal spielte das Duppe-Theater, dem er seit der Gründung 2011 angehört, das Stück „Tür an Tür mit Alize“ in der ausverkauften Krähberghalle. Die Zuschauer lachten sich einen Ast bei dem Lustspiel in drei Akten von Erich Koch. Genau das passende Programm für Leute, „die einen unbeschwerten Abend verleben wollen“. Da sind sie bei der Theatergruppe genau richtig. Denn die setzt auf Spaß ohne Ende. Dafür braucht es nicht einmal einen Regisseur. Das Kollektiv entscheidet.

Neun Laienschauspieler, eine Souffleuse, drei in der Maske und zwei Techniker entweder aus Hetzbach oder mit Bezug dahin: Sie stemmen an beiden Abenden vor jeweils 250 Zuschauern die Komödie. Die wiederum kommen beleibe nicht nur aus der Ober-, sondern auch aus der Unterzent und sogar aus dem Überwald angefahren, um der fröhlichen Gruppe bei ihrem lustig-derben Stück zuzuschauen. Natürlich helfen die Partner mit, ist man gemeinsam am Bühnenbild beteiligt. Apropos gemeinsam: Regie führte „alle“, wie es im Programmheft nachzulesen ist. Der Singkreis als Veranstalter kümmert sich um die restliche Organisation, besorgt auch die Bewirtung.

„Urgestein“ Ralf Müller spielte früher in Sensbach Theater. Als die Handschuhsheimer Thalia, zuvor in Hetzbach lange Jahre bei den Theaterabenden präsent, aus Altersgründen aufhörte, drohte diese Institution zu sterben. „Das darf nicht sein“, war der Tenor aller Beteiligten. Es war sehr einfach, eine eigene Truppe auf die Beine stellen, sagt Müller. „Ich habe nicht ein Nein gehört. Schwupps waren wir zehn Leute“, lacht er. Insgesamt kommt das Ensemble seit 2011 auf 23 Mitspieler. Zuerst unter dem Dach des Singkreises, gründete man später einen eigenen Verein.

Wenn mal jemand ausscheidet, ist es kein Problem, aus dem Ort einen neuen Akteur zu finden, sagt Susanne Seip. „Die Begeisterung und Motivation nimmt immer mehr zu.“ Als Laienspielgruppe steht der Spaß im Vordergrund, betont sie. Die Faszination des Theaterspielens? Es ist der Zusammenhalt in der Gruppe, die Freundschaft untereinander, hebt sie hervor. „Jeder kommt ein wenig aus dem Alltag raus.“ Nach den Proben „sitzen wir genausolang nochmal zusammen“, steht das gemütliche Beisammensein ebenso im Vordergrund.

Es gibt keinen Regisseur, ergänzt Ralf Müller. „Jeder kann sich seine Rolle selbst aussuchen und ausgestalten“, erläutert er. Handlungsanregungen und –veränderungen werden gemeinsam besprochen. „Wir streiten und diskutieren zusammen“, schmunzelt er. Aufgeführt werden schon seit Beginn immer Lustspiele, „die derb rüberkommen“. Die wollen die Zuschauer sehen. Die Darsteller haben auch kein Problem damit, „sich ein Stück weit zum Affen zu machen“, scherzt Müller, wenn es der Belustigung der Gäste dient. „Das können wir“, meint Susanne Seip trocken.

Über ihren Erfolg sind die Laienschauspieler manchmal selbst überrascht. „Die Leute lachen sich einen ab, sodass wir fünf Minuten warten müssen, bis sie sich beruhigt haben“, hat Seip beobachtet. Und das bei Szenen, bei denen die Truppe im Vorfeld noch unsicher war, ob sie überhaupt zünden. „Die Handlung ist nicht das Entscheidende, es muss ‚Action‘ sein“, grinst Müller. Denn der Erzählstrang ist manchmal so flach, „dass ich nach den ganzen Proben trotzdem nicht weiß, worum es eigentlich geht“, witzelt er.

Dazu kommen die gängigen Klischees, die genussvoll bedient werden: biestige Frauen, dummdreiste Männer, die Deppen aus dem anderen Tal. Denn Lokalkolorit ist wichtig. Wenn Leute aus Gammelsbach, Etzean oder Rothenberg durch den Kakao gezogen werden, „kommt das super an“, hat Müller festgestellt. Wenn eine Aufführung vorbei ist, geht es an die Organisation der neuen Skripte. Die Proben starten dann im Sommer und werden bis kurz vor Termin immer häufiger. Drei Mal die Woche dürfen die Darsteller ran. Der Erfolg gibt ihnen Recht. Die Halle tobt.