Windkraft bringt Bewegung in die Menge

Die fortschreitenden Planungen für Windenergieanlagen beschäftigen derzeit die Menschen in Oberzent. In Rothenberg brachte die neu gegründete Bürgerinitiative 300 Leute zu einer Demo auf die Straße, um sich gegen mögliche Rotoren auf der Hirschhorner Höhe auszusprechen. Ein FDP-Antrag ließ nun in der Stadtverordnetenversammlung die Emotionen hochkochen. Am Ende sprach sich das Kommunalparlament aber mit deutlicher Mehrheit gegen Windkraft auf Oberzent-Gemarkung aus.

FDP-Fraktionsvorsitzender Frank Leutz erläuterte das Ansinnen der Liberalen, das in der Abstimmung auch in Gänze von der CDU mitgetragen wurde. SPD und ÜWO votierten uneinheitlich, die Grünen geschlossen dagegen. „Die Stadt Oberzent lehnt es … ab, dass auf Flächen im Stadtgebiet Windenergieanlagen errichtet werden“, lautete ein Punkt des Antrags, den der Gammelsbacher bereits auf einer Infoveranstaltung in Rothenberg skizziert hatte.

Auch der zweite Teil des FDP-Ansinnens fand eine Mehrheit. Darin wird festgehalten, dass Oberzent auf stadteigenen Grundstücken „weder selbst Windenergieanlagen errichten noch Dritten auf diesen die Anlagenerrichtung gestatten wird“. Soweit es der Kommune rechtlich möglich ist, wird sie die städtischen Grundstücke auch nicht für Zwecke der Zuwegung, der Lagerung, der Aufstellung von Kränen oder ähnlichem zur Verfügung stellen.

Leutz brachte es aus seiner Sicht auf den Punkt: Für den Windkraftausbau in Gestalt der Natur „das zu zerstören, was es eigentlich zu schützen gilt, ist im Sinne der FDP grundsätzlich falsch“. Mit dem Antrag sorgten die Freien Demokraten für sicherlich eine der bestbesuchten Stadtverordnetenversammlungen in jüngster Zeit. Alle vorhandenen Stühle der Alten Turnhalle waren belegt, vor allem durch Mitglieder der Rothenberger BI „Pro Natur“. Diese verfolgten die Diskussion interessiert.

„Die Stadt verkennt nicht die hohe Bedeutung, die dem Schutz des Klimas in der heutigen Zeit zukommt“, formulierte der FDP-Mann. Sie sei auch zu weiteren Anstrengungen auf diesem Feld bereit. Die Errichtung von Windenergieanlagen im Wald ist laut Leutz aber „mit derart gewichtigen Nachteilen verbunden“, dass sie abgelehnt wird. Arten- und Denkmalschutz sowie Orts- und Landschaftsbild bezeichnete der Fraktionssprecher neben der Gesundheitsgefährdung als wesentliche Punkte.

„Wir dürfen die Umweltgüter nutzen“, meinte Leutz Allerdings nur so, „dass sie für künftige Generationen erhalten bleiben und auch von diesen genutzt werden können“. Die Abwägung geht seiner Meinung nach „eindeutig zulasten der Windenergie aus“. Denn ihr Schaden für die Umwelt sei groß. Einen Nutzen für die Begrenzung der Erderwärmung und der durch sie befürchteten Umweltschäden habe sie nicht, so seine Meinung. Er sah – zumindest unter den Rahmenbedingungen des europäischen Emissionshandelssystems – die staatliche Förderung als verfassungswidrig an.

Dem FDP-Fraktionssprecher zufolge erbringt Windkraft derzeit lediglich vier Prozent Primärenergieertrag. Damit müssten zu den bestehenden 30.000 Anlagen „weitere hunderttausende“ folgen, um den Bedarf zu decken. Aber selbst dann könne man nicht gänzlich auf herkömmliche Kraftwerke verzichten, da nicht immer Wind wehe. „Schon gar nicht im Schwachwindgebiet Odenwald.“

Es entwickelte sich in der Folge eine rege Diskussion, vor allem zwischen FDP und Grünen. Hier standen die von den Freien Demokraten angeführten Aussagen des Staatsrechtlers Prof. Dietrich Murswiek von der Uni Freiburg und des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Hans Werner Sinn vom IFO-Institut München im Mittelpunkt.

Als sich der Meinungsaustausch peu à peu hochschaukelte, griff irgendwann Vorsteher Claus Weyrauch ein. Auf dessen Anregung hin sollen die Ausführungen der Fraktionen als Protokoll den Waldbesitzern auf der Hirschhorner Höher zur Verfügung gestellt werden. Denn an diese richtet sich schon seit Bekanntwerden der Betreiber-Pläne der Appell der Windkraft-Gegner, ihre Flächen nicht für Windkraft zur Verfügung zu stellen.

Eindrucksvolle Demo der Windkraftgegner

Spätestens jetzt dürfte das ganze Höhendorf aufgeschreckt sein. Die vor einer Woche neu gegründete Bürgerinitiative (BI) „Rothenberg Pro Natur“ hatte zu einer Demonstration gegen mögliche Windenergieanlagen auf der Hirschhorner Höhe Richtung Beerfelden aufgerufen. Gleichzeitig sollte auf die Grundstückseigentümer Druck ausgeübt werden, ihre Flächen nicht für eine Rotoren-Errichtung an Projektierer zu verpachten.

Die Veranstalter können ihre Aktion als vollen Erfolg verbuchen. Geschätzt 300 Bürger machten ihrem Unmut lautstark Luft, dass 13 Windräder entstehen konnte. Eine Stunde lange bewegte sich der Demonstrationszug von der Sporthalle durchs 900-Seelen-Dorf bis zum Rathaus, unterbrochen von einigen Wortbeiträgen und vor allem großem Getöse durch Trillerpfeifen. Trotz der Kälte harrten die Teilnehmer bis zum Ende aus.

Die Demonstranten kamen dabei nicht nur aus Rothenberg selbst, sondern auch aus vielen anderen Odenwald-Orten. Start vertreten war die Überwald-Fraktion, die bereits mit der WEA „Stillfüssel“ bei Wald-Michelbach leidvolle Erfahrungen machte. Aber auch Mossautal (Kahlberg) und Breuberg waren dabei.

Noch ein zweites Ziel erreichte die BI: Angetreten mit dem Wunsch, die Werbeveranstaltung für die Waldbesitzer, angesetzt durch die Projektierer in der „Frischen Quelle“, zu stören, wurde diese von der betreffenden Firma im Vorfeld abgesagt, weil sie zu viel Gegenwind fürchtete.

Der ehemalige Landrat Horst Schnur, einer der engagiertesten Windkraft-Gegner im Kreis, stimmte die Menge vor der Sporthalle auf die Situation ein. Es geht darum, den Kahlschlag und die Betonierung für 13 Rotoren sowie die Landschaftszerstörung zu verhindern, betonte er. Die Akteure sehen sich laut Schnur auf einer Linie mit den Gremien der Stadt Oberzent. Die Schweigsamkeit der Bevölkerungsmehrheit in der öffentlichen Wahrnehmung sollte beendet werden, forderte er.

250 Meter hohe, subventionierte Rotoren im windschwachen Odenwald leisten dem Ex-Landrat zufolge „weder einen Beitrag zur Energiesicherheit noch zum Klimaschutz“. Stattdessen seien die andernorts gewonnenen Erkenntnisse zur Trinkwassergefährdung und zum gesundheitsschädlichen Infraschall zu berücksichtigen, betonte er. Bereits jetzt hätten die Rothenberger mit Blick nach Westen auch nachts die roten Blinkfeuer von drei Windparks (Greiner Eck, Kahlberg, Stillfüssel) vor Augen. Es dürfe kein Verpächter auf Kosten der Mitbürger deren Lebensqualität durch Windindustrieanlagen zerstören, hob er hervor.

Stadtverordneten-Vorsteher Claus Weyrauch unterstrich die Position des Gremiums, das sich bereits schon einmal gegen Windkraft auf der Gemarkung ausgesprochen hatte. Am kommenden Mittwoch ist ein weiterer Beschluss geplant, um das Gebiet von Oberzent Windanlagen frei zu halten. Weyrauch forderte klar eine Inkraftsetzung des Odenwaldkreis-Flächennutzungsplan zur Windkraft, der bisher vom Regierungspräsidium abgelehnt wird.

Irmgard Neuer begrüßte für die BI mit großer Freude die vielen Teilnehmer. Niemals hätte sie es sich träumen lassen, dass so viele Menschen zusammenkommen, meinte die Rothenbergerin. Vera Krug von der BI Gegenwind Ulfenbachtal-Siedelsbrunn ermahnte die Mitstreiter, nicht locker zu lassen und über die negativen Auswirkungen der Windkraft-Industrialisierung aufzuklären. Die Wälder sind ihren Worten zufolge die größten CO2-Speicher. „Keine Naturzerstörung hat jemals positive Auswirkungen auf das Klima“, so Krug.

Zur Sprache kam die Angst von Rothenberger Bürgern, dass ihr Dorf gespalten wird und die Geldgier der Verpächter siegen könnte. Krug erwähnte, dass sich bestimmt andere Käufer für die betreffenden Grundstücke finden lassen, wenn es allein um Geld gehe. Die Pacht, damit dort Windräder errichtet werden, betitelte sie als „Judaslohn“. Roland Wolf, Vorsitzender der neuen BI, betonte: „Wir haben etwas dagegen, dass ein paar weniger Profite auf Kosten der Allgemeinheit machen.“

 

 

 

Die PNE AG mit Sitz in Cuxhaven (jetzt im Eigentum von Morgan Stanley)  und die UKA Meißen Projektentwicklung planen derzeit auf dem im Regionalplan für Windkraft ausgewiesenen Flächen 23, 23 a und 23 b auf der Höhe zwischen Beerfelden (Trimmdichpfad) und Rothenberg etwa 13 Standorte für Rotoren. Hinzu kommt dem Vernehmen nach nun als neuer Interessent die bayrische VenSol Neue Energien GmbH aus Babenhausen (Bayern).

Rothenberger Lärmfeuer trotzte Wind und Nieselregen

Schlechtes Wetter kann die Rothenberger nicht schrecken. In Scharen kamen sie gestern Abend ab 18 Uhr zum Feuerwehrhaus, um dort in geselliger Runde zusammenzusitzen und später das imposante Lärmfeuer auf dem Höhenrücken anzuschauen. Das brannte trotz eines steifen Westwindes und leichtem Nieselregen im Nu lichterloh (viele zusätzliche Bilder und zahlreiche Videos weiter unten auf dieser Seite). Das Lärmfeuer wurde auf der Hirschhorner Höhe, die sich von Beerfelden bis zum 300 Meter tiefer gelegenen Hirschhorn erstreckt, auf 470 Meter Höhe von der Feuerwehr bei Einbruch der Dunkelheit entzündet. Der Flammenschein war weithin zu sehen. Veranstalter war die Jugendfeuerwehr Rothenberg, mit tatkräftiger Unterstützung der Einsatzabteilung.

„Mit der Veranstaltung und auch dem Publikumszuspruch sind wir sehr zufrieden“, berichtet Jan Joe von der Jugendfeuerwehr. „Wir hätten nicht gedacht, dass bei dem doch eher schlechteren Wetter so viele Gäste kommen.“ Der Stimmung habe der kurz vor der Feuershow stärker einsetzende Regen nicht geschadet. „Bis fast Mitternacht saßen immer noch zahlreiche Gäste im Feuerwehrhaus.“

Das Lärmfeuer findet in Rothenberg seit 2011 statt. In den Jahren zuvor habe man immer ein Fastnachtsfeuer veranstaltet, „das wir aber aufgrund rückläufigen Zuspruchs nicht mehr durchführten“, so Johe. Nach einem Frühlingsfeuer 2010 stieß man im Jahr darauf auf die Odenwald weiten Lärmfeuer „und beteiligen uns seitdem jedes Jahr an diesen“. Mit Erfolg.

Gegen 19.15 Uhr gab es im Vorfeld eine Fackelwanderung für Kinder, die bei den Kleinen für viel Freude sorgte. Fürs leibliche Wohl sorgte die Jugendfeuerwehr mit zünftigen Speisen aus dem Kessel und vom Grill sowie mit heißen und kalten Getränken. Eine spektakuläre Feuershow von Jeremy lockte später alle noch einmal vom gemütlichen Inneren des Feuerwehrgerätehauses nach draußen. Der Beerfeldener Artist und Jongleur sorgte ein um andere Mal für spontanen Jubel im Publikum, sei es durch Feuerjonglagen, -diabolos, -Handstand-Acts oder Feuerseil-Illusionen. Auch der immer stärker werdende Regen und der ungemütliche Wind konnten ihm nichts anhaben.

Das Lärmfeuer hat ein lange Tradition: In früheren Zeiten war es ein nützliches Instrument, um schnell über große Entfernungen vor Gefahr etwa im Falle eines Angriffs warnen zu können. „Lärm“ kommt vom französischen „all‘armes“, was „zu den Waffen“ bedeutet. Im Odenwald sollen Lärmfeuer schon von den Römern gezündet worden sein. Zur Warnung vor dem Feind, der aus dem Westen drohte, haben die Römer während der Zeit der germanischen Provinz (1.-4. Jahrhundert nach Christus) aller Wahrscheinlichkeit nach eine bemannte Signalkette vom Rhein bis zum Limes unterhalten.

Der Limes verläuft im östlichen Odenwald, er zieht sich von der Wetterau über den Main bei Obernburg und über den Höhenzug von Lützelbach im Norden bis Schloßau im Süden und weiter Richtung Bad Wimpfen. Er war jedoch nur von ca. 110 bis 160 n.Chr. besetzt und wurde dann weiter nach Osten verlegt.

Die einzelnen Veranstaltungsorte der Lärmfeuers, 30 an der Zahl, erstrecken sich über ein Gebiet von etwa 8000 Quadratkilometern vom Rhein bis ins Herz des Odenwaldes und bilden dadurch die „weltgrößte Open-Air-Veranstaltung“. Heute flammen die Feuer nur noch zum Spaß auf, und das nicht nur entlang der historisch belegten Signallinien der Römer. Mit dem Lärmfeuer-Projekt wird der Versuch unternommen, eine historische Kommunikationsmethode vor dem Vergessen zu bewahren.

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Am Samstag lodert in Rothenberg wieder das Lärmfeuer

Auf den Höhenzügen des Odenwaldes lodern am Samstag, 28. März, wieder die Lärmfeuer. Die einzelnen Veranstaltungsorte, 30 an der Zahl, erstrecken sich über ein Gebiet von etwa 8000 Quadratkilometern vom Rhein bis ins Herz des Odenwaldes und bilden dadurch die „weltgrößte Open-Air-Veranstaltung“. Ein Feuer brennt auch in Rothenberg in unmittelbarer Nähe des Feuerwehrgerätehauses.

Rothenberg, im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald gelegen, befindet sich auf der Hirschhorner Höhe. Diese erstreckt sich von Beerfelden bis zum 300 Meter tiefer gelegenen Hirschhorn im Neckartal. Sie ist überwiegend bewaldet, doch lässt die Höhensiedlung Rothenberg Ausblicke über die prächtige Landschaft des Odenwaldes zu. Auf einer Höhe von 470 Metern beim Gerätehaus entzündet die Freiwillige Feuerwehr Rothenberg das Lärmfeuer bei Einbruch der Dunkelheit. Von dort aus wird der Flammenschein weit zu sehen sein.

Gegen 19.15 Uhr gibt es eine Fackelwanderung für Kinder. Auch eine spektakuläre Feuershow wird es ab etwa 20.45 Uhr wieder geben. Beginn der Veranstaltung ist um 18 Uhr. Für das leibliche Wohl sorgt die Jugendfeuerwehr Rothenberg im Feuerwehrgerätehaus mit zünftigen Speisen aus dem Kessel und vom Grill sowie mit heißen und kalten Getränken.

Das Lärmfeuer hat ein lange Tradition: In früheren Zeiten war es ein nützliches Instrument, um schnell über große Entfernungen vor Gefahr etwa im Falle eines Angriffs warnen zu können: „Lärm“ kommt vom französischen „all‘armes“, was „zu den Waffen“ bedeutet. Im Odenwald sollen Lärmfeuer schon von den Römern gezündet worden sein. Zur Warnung vor dem Feind, der aus dem Westen drohte, haben die Römer während der Zeit der germanischen Provinz (1.-4. Jahrhundert nach Christus) aller Wahrscheinlichkeit nach eine bemannte Signalkette vom Rhein bis zum Limes unterhalten.

Der Limes verläuft im östlichen Odenwald, er zieht sich von der Wetterau über den Main bei Obernburg und über den Höhenzug von Lützelbach im Norden bis Schloßau im Süden und weiter Richtung Bad Wimpfen. Er war jedoch nur von ca. 110 bis 160 n.Chr. besetzt und wurde dann weiter nach Osten verlegt.

Heute flammen die Feuer nur noch zum Spaß auf, und das nicht nur entlang der historisch belegten Signallinien der Römer. Mit dem Lärmfeuer-Projekt wird der Versuch unternommen, eine historische Kommunikationsmethode vor dem Vergessen zu bewahren. Lärmfeuer in der näheren Umgebung gibt es am Samstag auch in Heiligkreuzsteinach-Hilsenhain, Michelstadt-Vielbrunn und Weiten-Gesäß, Mörlenbach Weiher Klein-Breitenbach und Vöckelsbach, Wald-Michelbach-Gadern und Mackenheimer Höhe.

Mehr Infos unter diesem Link, bitte klicken. 

Lärmfeuer-Plakat