Rothenberger Ausschuss will die Raser in Kortelshütte abbremsen

Kurz vor der Oberzent-Fusion kommt in die Kortelshütter Verkehrsberuhigung ziemlich Bewegung. Nachdem der Bauausschuss die neuralgischen Stellen bereits vor einem Jahr im Rahmen einer Ortsbegehung in Augenschein genommen hatte, wurden auf der jetzigen Sitzung vier Maßnahmen festgezurrt, um den Schnellfahrern im Ortsteil Einhalt zu gebieten. Die sollen, darin waren sich die Mandatsträger einig, möglichst wenig Geld kosten und eventuell auch als Testphase für Weitergehendes angesehen werden.

Ein wenig Wehmut schwang in den Worten von Ausschuss-Vorsitzendem Dr. André Assmann mit, der „zur letzten Sitzung in dieser Konstellation“ begrüßte. Denn das Rothenberger Gremium wird es nach dem Jahreswechsel nicht mehr geben. Deshalb wurde es auch Zeit, den Punkt in trockene Tücher zu bringen. „Er war mehr als einmal auf der Tagesordnung“, sagte Assmann. Nachdem die Ideensammlung zur Entschleunigung zusammengetragen worden war, kam es Mitte des Jahres zu einer Begehung mit den zuständigen Behörden.

„Dann wurde das Preisschild drangehängt“, meinte Assmann. Da die Behördenvertreter keinen Handlungsbedarf sahen, „sind die Maßnahmen Privatvergnügen der Gemeinde“, sagte er. Der Vorsitzende verdeutlichte angesichts der im Raum stehenden 20.000 Euro, dass es nie darum ging, „alles auf einmal zu machen“. Sondern die Liste enthielt mögliche Handlungsoptionen, die nach und nach abgearbeitet werden können. Oder eben auch nicht.

Es ging dem Ausschuss nun darum, unter dem Kosten-Nutzen-Aspekt abzuklopfen, was als Priorität angegangen werden kann. Assmann skizzierte kurz die neuralgischen Punkte, die sich entlang der Hochstraße aufreihen. Das beginnt ganz unten am Ortseingang, wo an der Bushaltestelle, von Hirschhorn kommend, über den Bordstein zu schnell um die Ecke den Berg hochgefahren wird. Gerade Schulkinder sind hier gefährdet. Weiter oben gibt es dann die „Rennstrecke“, die man bergab entschärfen will. Ins Spiel gebracht wurden Blumenkübel und/oder Markierungen.

Um die Haltestelle herum sah Wilfried Friedrich (WGR) Handlungsbedarf. Ihm schwebt ein Kölner Teller vor, um die Autos an der Überfahrt des Bordsteinstücks zu hindern. „Allerdings sind die Teller gerade nicht so gut angesehen“, meinte er mit Blick auf den Heidelberger Fall, wo ein Radfahrer schwer stürzte. Wobei: „Radfahrer in Kortelshütte“, fragte Friedrich rhetorisch angesichts der Steillage.

Ins Gespräch kam auch eine Bordsteinerhöhung – aber so, dass der Bus noch ohne Probleme drauffahren kann. Von der Einmündung der Hoch- in die Landesstraße bis zur Kreuzung mit dem Weg „Im Trieb“ will man überlegen, einen 80 Zentimeter breiten Gehweg anzulegen. Sobald die Flurbereinigung in diesem Bereich abgeschlossen wird, will man zur Tat schreiten. Thomas Wilcke (SPD) brachten Straßenmarkierungen, um die Kurve „abzuschneiden“. Die kann der Bauhof aber nicht machen“, meinte Armin Löffler.

Im oberen Bereich der Hochstraße soll eine Entschleunigung dadurch erreicht werden, dass auf beiden Seiten versetzt je drei Parkplätze markiert werden. Wenn dort Autos stehen, erhofft man sich eine Verkehrsberuhigung. „Antesten und schauen, wie es lauft“, sagte Friedrich, bevor viel Geld in die Hand genommen wird. Gemeindevorstand Karlheinz Braun hatte Bedenken, ob die bergseits liegenden Parkplätze wirklich angenommen werden.

Als dritte Maßnahme soll ein Blumenkübel auf Höhe des Heag-Gebäudes platziert werden. Der soll Autolenker abbremsen, die mit zu viel Schwung von oben kommen und dann ins Steilstück brausen. Allerdings ist eine Aufstellung erst im Frühjahr geplant, weil er sonst demnächst wegen Schneeräumung wieder abgeräumt werden müsste. Gleichzeitig will man als vierte Verkehrsberuhigung die rumpelnde Bodenschwelle vor dem „Lamm“ ein Stück nach unten verlegen und alle anderen auf der Hochstraße wieder befestigen.

Überlegungen für eine Verkehrsberuhigung in der Kortelshütter Hochstraße gibt es schon seit 1993. Damals war an eine Pflasterung gedacht, was sich aber wegen des Widerspruchs von manchen Anwohnern nicht verwirklichen ließ. 2008 wurden die jetzigen Schwellen an verschiedenen Stellen aufgebracht. Die zeigten aber nicht den gewünschten Erfolg und waren auch nicht wirklich beständig.

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Verkehrsberuhigung in Kortelshütte ja – auf eigene Kosten

Verkehrsberuhigung in Kortelshütte? Gerne. Wenn die Gemeinde die Maßnahmen bezahlt. Das ist die Quintessenz aus einer Behördenschau vom Sommer, wie sie jetzt in der Gemeindevertretung vorgestellt wurde. Denn die zuständigen Ämter halten die schon getroffenen Maßnahmen für ausreichend. Die Mandatsträger waren mit dieser Bilanz aber nicht zufrieden. Das Thema soll jetzt noch einmal im Bauausschuss beraten werden.

Eine Beruhigung ist vor allem für die Hochstraße angedacht, in der trotz Tempo-30-Zone zu schnell bergab gesaust wird. Kontrollieren kann die Gemeinde nicht, da die eigene Bußgeldstelle fehlt. Das wird mit der Fusion in der neuen Stadt Oberzent besser. Es geht um Schwellen oder Teller sowie um optische Verengungen. Eine solche kann man sich in der Kurve oberhalb der Kreuzung von Wald- und Hochstraße vorstellen, um die Straße für die bergab Fahrenden schmaler zu gestalten.

Außerdem gibt es die Anregung, alle 100 Meter eine große „30“ auf die Fahrbahn aufzumalen. Derzeit im Bauhof vorrätige große Blumenkübel sollen die Straße verengen. Überlegungen für eine Verkehrsberuhigung in der Kortelshütter Hochstraße gibt es schon seit 1993. Damals war an eine Pflasterung gedacht. 2008 wurden die jetzigen Schwellen an verschiedenen Stellen aufgebracht. Die zeigten aber nicht den gewünschten Erfolg und sind auch nicht wirklich beständig.

20.000 Euro würde die Verwirklichung aller Wünsche kosten, hatte ein Ingenieurbüro im Auftrag der Gemeinde zusammengetragen. Der Vorsitzende des Bauausschusses, André Assmann (WGR), machte aber klar, dass es gar nicht darum geht, alles in einem Aufwasch zu erledigen. Sondern unter der Beachtung der Kosten nach und nach zu Werke zu gehen und dazu die Arbeiten möglichst durch den Bauhof erledigen zu lassen.

„Geschwindigkeitskontrollen sind der beste Weg“, sagte Bürgermeister Hans Heinz Keursten. Brigitte Heckmann (SPD) ärgerte sich gewaltig über die Aussagen bei der Verkehrsschau. Von ihr kam die Anregung auf eine erneute Beratung im Ausschuss, „um zu sehen, was über die Gemeinde erledigt werden kann“. Die Schwellen, betonte sie, „klappern sowieso und müssen weg“.

Die Insolvenz des Hauses Cordula hängt der Gemeinde finanziell noch böse nach, kam in der Beratung und (einstimmigen) Beschlussfassung des Jahresabschlusses 2014 zum Ausdruck. Der wurde von KSO-Mitarbeiterin Tina Bartmann dem Gremium vorgestellt. Der Fehlbetrag im ordentlichen Ergebnis von 278.000 Euro ist fast vollständig der Abschreibung des Darlehens für das Seniorenheim zuzuschreiben (258.000 Euro). „Die Gemeinde muss weiter tilgen, bekommt aber die Erstattung nicht mehr“, verdeutlichte sie.

Nimmt man das außerordentliche Ergebnis mit hinzu (18.000 Euro), so wäre der 2014er-Haushalt ohne Cordula praktisch ausgeglichen gewesen. Das hätte eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Ansatz von 72.000 Euro Minus bedeutet, erläuterte Bartmann. Verursacht vor allem durch gestiegene Steuereinnahmen, die aber auch Rückstellungen für die daraus zu zahlenden Umlagen mit sich brachten.

Wie Bartmann weiter sagte, wird die Cordula-Pleite auch den Abschluss des Jahres 2015 vermiesen. Und das noch in höherem Umfang. Denn dort wird die Rückforderung des Landeszuschusses von über 700.000 Euro als Rückstellung mit eingebucht. Dagegen hat die Gemeinde zwar geklagt, „aber es gibt nichts Neues“, ergänzte Keursten. Sollte man wirklich zahlen müssen, lassen sich allerdings die Miesen des Jahresabschlusses im Rahmen der Fusion mit dem Eigenkapital verrechnen, bejahte Bartmann eine Frage von Matthias Heiß (WGR). Und sollte die Gemeinde Recht bekommen, „haben wir 2018 durch Auflösung der Rückstellung einen schönen Überschuss“, schmunzelte sie.

Positives lässt sich aus dem aktuellen Jahr vermelden. Beim Bericht über den Haushaltsvollzug 2017 informierte Keursten, dass die Zahlen in der Norm liegen. Positives gibt es aus dem Forstbereich zu vermelden. Hier liege man über dem Plan. Bei der Gewerbesteuer sogar „weit darüber“.

SPD will den Kirchenweg von Kortelshütte nach Rothenberg zur Einbahnstraße machen

Dieser Antrag dürfte für so einige Diskussionen sorgen. Nicht nur in den Gremien, sondern auch in der Bevölkerung. Denn die SPD-Fraktion beantragt die Einführung einer Einbahnstraßenregelung für den sogenannten Kirchenweg zwischen Kortelshütte (Ende Hochstraße/Amselweg) und Rothenberg (Ende Hauptstraße/Höhenstraße). Die Durchfahrt solle nur noch bergauf möglich sein, erläuterte Fraktionsvorsitzende Brigitte Heckmann. Zur weiteren Beratung wurde der Antrag nach Einbringung in die Gemeindevertretung gleich einstimmg in den Bauausschuss weiterverwiesen.

Wie Heckmann sagte, habe das Verkehrsaufkommen in Kortelshütte in den vergangenen Jahren „sehr stark zugenommen“. Die Straße nutzten zumindest die Hälfte der Autofahrer aus Rothenberg. Ein Gehweg sei im unteren Ortsbereich nicht vorhanden, „sodass von einer starken Gefährdung gerade für Kinder ausgegangen werden muss“. Gerade in der Hochstraße wohnten inzwischen Familien mit kleinen Kindern, betonte sie.

Die bisher aufgebrachten Schwellen seien leider in keinem Fall ausreichend, um eine Reduzierung der Geschwindigkeit auf die ausgeschilderten 30 Stundenkilometer zu erreichen. „Es wird trotzdem bergab zu schnell gefahren.“ Sie sei von Bürgern auf dieses Thema angesprochen worden. Von Geschwindigkeitskontrollen hielt Heckmann wenig. „Das weiß innerhalb von fünf Minuten der ganze Ort.“ Sie wies daneben darauf hin, dass Navigationsgeräte als Kürzesten Weg von Hirschhorn kommend nach Rothenberg die Strecke durch die Kortelshütter Hochstraße anzeigten.