„Bryan 69“ spielt im Michelstädter Hüttenwerk die bekannten Songs des kanadischen Rockers hoch und runter

Bryan Adams ist der König der Rockballaden. In seinen fast 40 Musiker-Jahren hat er viele Welthits geschrieben, die im Radio hoch und runter laufen. Sein „(Everything I do) I do it for you“ wurde letztens sogar bei RTL zur besten Rockballade aller Zeiten gekürt. Wenn dann eine Coverband wie „Bryan 69“ im Hüttenwerk gastiert, ist klar, dass sich ein bekanntes Stück wie an einer Perlenkette ans nächste reiht. Doch das Quintett hatte auch ein paar unbekannte Songs des kanadischen Musikers im Gepäck, die es sonst kaum zu hören gibt.

„Somebody“, „It’s only love“, aber vor allem „Run to you“ und „Summer of 69“ sind es aber, die den Rockbarden zum Weltstar gemacht haben. Gerade seine Hommage an die erste Liebe gehört inzwischen zum Repertoire wirklich jeder Partyband. Da ist es ziemlich wohltuend, ein solches Stück von fünf Musikern aus dem Bad Homburger Raum zu hören, die ihr Geschäft verstehen, in etlichen anderen Bands aktiv sind und einen fetten Sound auf die Bühne bringen, wie es Bryan Adams selbst kaum besser könnte.

Wie Matthias Baselmann (Gitarre/Gesang) den Bryan gibt, ist eine Show für sich. An die Reibeisenstimme kommt er zwar nicht ganz ran, aber der Gesang und das Auftreten passen. Die Songs schmettert er ins Publikum, dass es eine wahre Pracht ist. Die Stimmung braucht etwas um zu zünden, denn vor der Bühne bleiben trotz viel Animation die letzten zwei Meter frei. Aber die Band versteht es, die bekannten Lieder richtiggehend zu zelebrieren, ihnen Leben einzuhauchen, sie oft auch bisschen knackiger zu spielen als das Original.

Wenn der hessische Kanadier Baselmann in seiner Moderation munter drauf losbabbelt, glaubt man kaum,  dass er im nächsten Atemzug ein  „18 till I die“ raushaut, dass so richtig schön fetzt. „Cuts like a knife“ ist ein weiterer Kracher, den die Band mit viel Schmackes runterspielt. Hier wie auch bei den anderen 30 Songs machen Holger Kindereit (Guitar & Vocals), Carsten Wagner (Bass & Vocals), Andreas König (Keyboards) und Patrick Hauert (Drums) klar, dass es alte Hasen auf ihren Instrumenten einfach draufhaben.

Wenn dann mal was doch nicht so klappt wie gedacht, sich Baselmann vor lauter Hessisch Babbeln im Akkord vergreift und das falsche Stück anspielt („die sind auch so ähnlich“, lacht er), dann ist das ein herrlicher Running Gag. Die Fünf haben es nicht nötig, mit exzessiven Soli darauf aufmerksam zu machen, dass sie es können. Allein Holger Kindereit, der von Outfit und Bewegungen her eindeutig in den 70er Jahren stehen geblieben ist, zeigt des Öfteren mit fettem Sound, was alles in seinen Fingern steckt. Ansonsten sind die Songs wohltuend kurz, auf den Punkt gespielt, knackig, ohne unnötige Schnörkel.

Die fünf erfahrenen Musiker von „Bryan 69“ bieten eine kurzweilige Zeitreise durch die mehr als 30-jährige erfolgreiche Schaffensphase von Bryan Adams. Die vielschichtige Mischung aus bodenständigen Rocksongs und gefühlvollen Balladen unterhält prächtig. Wenn es manchmal, wie nach drei Balladen am Stück, zu sehr nach Feuerzeugen und Wunderkerzen riecht, dann kommt mal wieder viel Power hinterher, dass die Fans nicht gleich wegkippen.

Bei „When you’re  gone“, eigentlich als Duett mit Melanie C, übernimmt Michi Tischler von der Hüttenwerk-Hausband den weiblichen Part – und prompt hat der Song den richtigen Groove. Der „Summer of 69“ war als letztes Stück vor dem regulären Schluss natürlich bestens gewählt, um als Zugabe noch drei Hits dranzuhängen. „Can’t stop this thing we started“, der Knaller „Kids wanna rock“ und „Straight from heart” zeigen einmal mehr, wie das musikalische Schaffen von Bryan Adams Eingang in die Gehörgänge gefunden hat. Spontan würden einem diese Songs nicht beim Namen des Kanadiers einfallen, aber einmal  gehört, erkennt man sie gleich wieder.

Dass die Stücke zeitlos sind, zeigt sich auch beim Blick  in die Menge. Etliche kennen Bryan Adams wohl noch aus Jugendtagen und sind mit ihm und seiner Musik mitgealtert. Andere, neue, kamen im Laufe der Jahre dazu, weil die Rock- und Schmusesongs des harten Rockers mit dem weichen Kern einfach zeitlos sind.

Info: http://www.bryan-69.de. Nächster Auftritt Freitag, 26. Januar, 20.30 Uhr, 61348 Bad Homburg, Englische Kirche, Ferdinandsplatz

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Posted by Thomas Wilken on Tuesday, January 16, 2018

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Sofia Glaser und Berk Demiray spielen im Michelstädter Hüttenwerk eine bunte Palette von Pop- und Rocksongs bis hin zu irischer Folklore

Es ist schon erstaunlich, mit wie wenig Aufwand sich ein eindrucksvoller musikalischer Abend gestalten lässt. Eine Gitarre und eine Stimme reichen Sofia Glaser aus, um im Hüttenwerk stürmischen Beifall einzuheimsen. Wenn dann Duopartner Berk Demiray, liebevoll-ironisch „der Praktikant“ genannt, zu seinem Instrument greift und virtuos seine Künste auf den sechs Saiten demonstriert, dann erzeugen die beiden eine Klangfülle, die wohl auch ohne Verstärkung bis in den hintersten Winkel dringen würde.

Die 22-jährige Sofia Glaser aus Beerfelden, früher dort in der Mädelsband „Die Optimisten“ aktiv und in der vergangenen Zeit auf Solopfaden unterwegs, hat sich mit Berk Demiray aus Lorsch einen erfahrenen Hasen als Mitmusiker „geangelt“. Mit ihm spielt sie auch seit vergangenen Jahr in der keltischen Folk-Gruppe „Dhalias Lane“ zusammen. Zuletzt war sie in dieser Konstellation bei der Beerfeldener Musiknacht Ende Oktober zu sehen.

Demiray ist ein Meister seiner Gitarre und zudem ein ausdrucksstarker Sänger, der es versteht, sich facettenreich darzustellen. Neben der Gitarre und der Langhalslaute ist das Komponieren seine große Leidenschaft. Er schreibt viele der eigenen Stücke der Gruppe. In über 20 Jahren hat er mit seinen Bandkollegen weit über 1000 Konzerte bundesweit absolviert – früher als Wild Silk, heute mit Dhalias Lane. Das Programm mit Sofia Glaser firmiert unter dem Namen „Duo Sehnsucht“.

Wenn zwei Musiker mit völlig verschiedenem musikalischen Background ihre Interessen zusammenwerfen, kommt dabei ein mehr als abwechslungsreiches Set zusammen. Was Sofia Glaser stimmlich drauf hat, zeigt sie gleich beim ersten Song. „Talkin’ bout a revolution“ von Tracy Chapman lässt ihr bestens Raum, um eindrucksvoll die Wandlungsfähigkeit und den Umfang ihrer Stimme zur Geltung zu bringen.

Nur mit der akustischen Gitarre begleitet, verleiht sie dem Song große Dynamik, Inbrunst. Sie ist voll drin in den Stücken, lebt sie förmlich bis zum letzten Ton, zelebriert manche Passagen förmlich. Ihre Leidenschaft für die Lieder wissen auch die Fans zu schätzen. Die füllen den Gastraum im Hüttenwerk bis auf den letzten Platz. Für einen Freitag ist es so brechend voll im Eventlokal, dass sogar noch im Gang einige zusätzliche Bistrotische aufgestellt werden müssen.

Die Gäste werden nicht enttäuscht. Dass Sofia Glaser auch „folkig“ kann, zeigt sie bei „Black is the Colour“ oder „Sally Gardens“ zusammen mit Berk Demiray. Der weiß zu den keltischen Stücken viel zu sagen. Sie sind für mit die schönsten Liebeslieder, die Irland hervorgebracht. Sein virtuoses Spiel auf der akustischen Gitarre, zusammen mit Sofias volltönender Stimme, die jeden Pub auf der Grünen Insel unverstärkt bis ganz nach hinten ausfüllen würde, zaubert eine ganz besondere Stimmung in den grauen Odenwald.

Da geht einigen das Herz auf. Das Paar gleich neben der Bühne umarmt sich noch inniger als zuvor. Aus der Ecke, wo die Eltern Sonja und Udo Glaser sitzen, ist ein leises „sehr schön“ zu hören, als die melancholischen, aber trotzdem frohen Klänge verebben. „Meine Eltern sind die besten Fans, aber auch Kritiker“, meint Sofia scherzend auf die lachende Einlassung von Berk Demiray, für ihn wäre es ein Horror, immer den Erzeugern „vorspielen“ zu müssen.

Die 22-Jährige beweist an diesem Abend auch immer wieder, dass ihr vor der „Kritik“ nicht bange sein muss. „Hedonism“, „Read about it“ von Emeli Sandé oder „The different“ von Melissa Etheridge zeigen, dass sie aktuelle Pop- und Rocksongs ebenso drauf hat wie mit dem „Schnitter“ ein mittelalterliches Stück. „Don’t Be So Shy“ von Imany, „Runnin‘“ von Beyonce oder Tom Petty „Free Fallin“ stehen in schönem Kontrast zu den irischen und schottischen, eher ruhigen und getragenen Songs.

Aus der grünen Odenwald-Landschaft „beamt“ es dann die Zuschauer von einer Sekunde auf die andere in die windumtosten, leicht welligen, ebenso grünen Hügel von Irlands Westen, wo sich der Tau des häufigen Regens in der Sonne spiegelt und hinter jeder Straßenecke eine Schafherde friedlich grast. Es gibt vier Jahreszeiten an einem Tag, die sich auch in der Musik widerspiegeln. Von tieftraurig bis himmelhoch-jauchzend ist alles dabei.

Sofia Glaser ist die Tochter des Fotografen-Ehepaar Sonja und Udo Glaser aus Beerfelden. „Musik mache ich eigentlich schon immer“, erzählt sie. „Gitarre habe ich mir selbst auf der zwölfsaitigen Gitarre meines Vaters beigebracht.“ Die ersten Auftritte gab es dann mit der Mädels-Band „Optimisten“, die sich an der Oberzent-Schule gegründet hatte. Dazu zählten neben ihr die ebenfalls aus der Stadt am Berge stammenden Tabea Hartmann, Elena und Rebecca Reinhard. Anfangs spielte Sofia Glaser dort Schlagzeug. „Mit der Zeit haben wir angefangen, die Instrumente einfach durchzuwechseln“, erinnert sie sich. So blieb sie bei der Gitarre hängen.

2009 machte die damals 14-Jährige beim Gesangstalent im Michelstädter Hüttenwerk mit. „Daraufhin bin ich zusätzlich zu den ‚Optimisten‘ noch in die Band ‚Second Wave‘ gekommen“, war schon damals der Erfolg vorgezeichnet. Zusätzlich fing Sofia Glaser damit an, kleine Akustik-Duo/Solo-Projekte aufzuziehen. Und sie war des Öfteren in Lampertheim und Bürstadt bei Live-Jams dabei.

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Posted by Thomas Wilken on Saturday, January 13, 2018

„ØL“ bringt mit knalligen Rocksongs im Michelstädter Hüttenwerk den Schnee zum Schmelzen

Wohl der Musikgruppe, die bei dem Mistwetter kurz vor Silvester ein Heimspiel hatte. Draußen schneite es dichte Flocken, drinnen drängten sich trotz des mühseligen Anfahrtswegs viele Gäste im Hüttenwerk, um zum zweiten Mal in diesem Jahr dem Konzert der Odenwälder Band „ØL“ zu lauschen. Denn sie wissen, was sie von dem Quintett zu erwarten haben: schnörkellosen Independent-, Alternative-, aber auch melodischen Mainstream-Rock. Und das ohne Pause zweieinhalb Stunden lang.

Würde „ØL“ nicht „ØL“ heißen und hätte einen weniger sperrigen Namen, dann wäre die Band bestimmt weit über den Odenwald hinaus bekannt. Denn die Songs haben bis auf ein paar Ausnahmen Hitpotenzial, sind eingängig, haben griffige Refrains, oft auch zum Mitsingen. Gepaart mit der Spielfreude der fünf Musiker, die sich die Moderation manchmal fast von den Lippen abringen müssen, eine Kombination, die unter den Fans bestens ankommt.

Über zwei Jahrzehnte gibt es die Gruppe bereits. Die Gründungsmitglieder Sebastian Schimmer (Gesang und Gitarre) sowie Schlagzeuger Sascha Brandel bilden das Fundament. Was auf den Studio-Einspielungen eher bisschen glattgebügelt rüberkommt, lebt auf der Bühne von der überschäumenden Spielfreude.

Das Quintett geht ziemlich schnörkellos zu Werke. Ausufernde Gitarren- oder Schlagzeug-Soli zur Selbstdarstellung gibt es praktisch nicht, kein Stück hat mehr als drei oder vier Minuten. Musikalisch lässt sich die Band in keine Schublade stecken. Einem richtigen Rocker dürften ein paar der Songs zu soft sein. Manchmal kommt ein Stück fast balladesk daher. Allerdings ist ja bekannt, dass Rockmusiker die schönsten Schmusesongs schreiben. Siehe Extreme mit „More than words“ aus dem Jahr 1990.

Auf der anderen Seite rockt das Quintett dann so überraschend wieder los, dass die Hosenbeine vor lauter Bass- und Bassdrum-Vibrationen flattern. Punk- und Indierock-Einflüsse sind manchmal unverkennbar. Manche Riffs erinnern an Fischer Z, Fury in the Slaughterhouse lässt sich auch wenig heraushören, zum Schluss wird’s dann monumental wie bei U2. Durch spacige Keyboard-Töne schleicht die eine oder andere progressive Komponente ein.

Ein eingeschobener Unplugged-Teil lässt den weichen Kern der harten Männer zum Vorschein kommen. Aber nach vier Songs ist damit Schluss. „Feeling“, „Girlfriend“ oder „Somebody Else“ zeigen die Band dann wieder von ihrer bekannten Seite. Bei „Come on“ gibt’s zuerst den Weichspüler, während in der Mitte der Break kommt und die Ballade flugs kräftig runtergerockt wird.

Frontmann Sebastian Schimmer ist wie ein Dopsball auf dem Bühne unterwegs und steckt seine ebenfalls stehenden Kollegen Marcus Hartmann (Bass) und Jens Weimar (Gitarre, Gesang) mit seinem Bewegungsdrang immer wieder an. Drei Mann wie auf Kommando hopsend: Das hat was. Keyboarder Dirk Weimar ist eher einer von der stoischen Sorte, während sich Sascha Brandel an seiner Schießbude kräftig abarbeitet.

„Out there“ oder „Sun in my Hand“ sind druckvolle Rockstücke, die einen mit offenem Mund staunen lassen, was der Odenwald an perfekten Bands alles hervorbringen kann. Der mächtige Sound, kurze, knackige Riffs, melodiöser, mehrstimmiger Background-Gesang und ein dichter Tonteppich wabern durchs Hüttenwerk. Bleibt es bis zur Mitte des Auftritts vor der Bühne noch etwas leer, füllen sich dann die Reihen und die Fans trauen sich immer öfter mitzutanzen.

Ehrliche, handgemachte Rocksongs ohne Firlefanz hat die Band im Gepäck. „Hold your hand“ etwa oder „Brother“, bei denen die Post abgeht. Das wummernde Schlagzeug bei „One hey, one ho“ oder das Gute-Laune-Stück „Fine“ machen bei den Zuschauern so viel Lust auf mehr, dass die Band natürlich nicht Nein sagen kann.

Dass „ØL“ auch schmusig kann, zeigt „All in All“ als Zugabe. Mit „Heartbeat“ setzt die Band einen Knaller drauf, der eigentlich gar nicht als Rausschmeißer funktioniert. Denn schneller als jeder Herzschlag knallt Weimar ein Gitarrensolo raus, das so richtig abgeht. „Ballad of Wild“ lautet dann der harmonische Abschluss schon nach Mitternacht. Gehen will eigentlich keiner, denn draußen wartet der Schneematsch.

Die Erbacher Band ØL wurde im Mai 1996 gegründet. Durch erste Auftritte im Umland formierte sich rasch eine kleine Fangemeinde. Teile der Band initiierten das legendäre „Mosaiq“-Festival in Michelstadt. Nach einigen Besetzungswechsel in der langjährigen Geschichte fand sich im Jahr 2007 die aktuelle Formation zusammen. ØL war als vierte Band unter hunderten nominiert, um Bon Jovi im Sommer 2011 zu supporten. Die Single „Heartbeat“ wurde 2012 von einigen Sendern als EM-Songs ins Programm aufgenommen. Im September 2016 erschien das aktuelle Album „Decades“.

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Posted by Thomas Wilken on Sunday, December 31, 2017

Ein grooviger Start in den Heiligen Abend mit „Another Livetime“ im Michelstädter Hüttenwerk

Große Party bis weit in den Heiligen Abend hinein: Zum letzten Mal in diesem Jahr hieß es „Let’s groove tonight“ mit „Another Livetime“ im Hüttenwerk. Wieder mit zwei Gästen, die aufs Neue die voll besetzte Hütte zum Grooven und Mitsingen brachten. Ina Morgan faszinierte mit ihrer phänomenalen Stimme, die Songs von Jess Stone oder Tina Turner einen besonderen Touch verlieh. Funkig-soulig wurde es mit Ollie Rosenberger, dem Shouter der Mannheimer Band Amokoma.

Nicht zu vergessen natürlich die hochkarätigen Musiker der Hausband, die es einmal im Monat schafft, für ein volles Haus zu sorgen, in dem sich Besucher dicht an dicht drängen. Und das mit einer Songauswahl, die sich praktisch nie gleicht. Noch am Tag selbst kann es da einen Wechsel geben. Denn eigentlich sollte Olli Roth auf der Bühne stehen. Der Sänger und Gitarrist aus dem Heidelberger Raum ist eher der Mann für erdigen Rock und Blues. Da er krank war, wurde es nun mit dem anderen Ollie funky.

Der hatte stimmlich allerdings wenig Chancen gegen die beiden Frauenröhren, die ein ums andere Mal einmal solo, einmal im Duett zeigten, wie viel Power in der Kehle steckt. „Hot Stuff“ von Donna Summer ist ein Paradestück für Michi Tischler, in dem sie mit Verve und viel Spaß die Disco-Queen gibt. „Come together“ ist im Original von den Beatles, wurde aber auch von Tina Turner gecovert. Deren Version ist Ina Morgan wie auf den Leib geschrieben. Sie machte deutlich, dass sie zurecht deutschlandweit als Sängerin sehr gefragt ist und schon mit etlichen Größen der Szene auf der Bühne stand.

Wenn beide Frauen zusammen loslegen, gibt es kein Halten mehr. „People get ready“ vor der Pause ist solch ein Gänsehaut-Stück, in dem sie sich gegenseitig die musikalischen Bälle zuwerfen und ein ums andere Mal in stimmliche Sphären hochschaukeln, die man zuvor so noch kaum gehört hat. Michi Tischler mit Mariah Careys Weihnachtssong „All iI want for Christmas“ oder Ina Morgen, die kleine Frau mit der großen Stimme, bei „What about us“ von Pink, holen alles und noch mehr raus, was die Stimmbänder zu geben bereit sind.

Ollie Rosenberger geht’s da fast wie ein bisschen wie im richtigen Leben. Wenn er den Mund aufmacht, kann er kaum die lauten Weiber übertönen. Also schnappt er sich zusätzlich seine Gitarre, um dem einen oder anderen Song damit einen funkigen Klang zu geben. „Freak out“, „1999“ oder „This girl“ sind solche Stücke.

„Pump up the Jam“ oder „Sex is on fire“ lassen kurz vor Schluss das Stimmungsbarometer massiv in die Höhe schnellen. Als Zugabe gibt’s dann einen Klassiker, über den keine Worte zu verlieren sind: „Purple Rain“ von Prince ist immer ein Kracher, der das Hüttenwerk am ganz frühen Weihnachtsmorgen so ganz und gar nicht besinnlich klingen lässt.

Mit den fetzigen Saxophon-Solos von Anke Rible (Lindenfels) ist für den perfekten Background-Sound gesorgt. Der Fürther Gitarrist Jens Reyer zeigt ein ums andere Mal, dass er ein Meister auf den sechs Saiten ist. Bandgründer Thomas Klein am Schlagzeug und Keyboarder Axel „Aji“ Imhof (beide aus Michelstadt) machen mit Bassist Christoph Victor Kaiser (Heppenheim) die Rhythmus-Sektion komplett, die bei jedem Lied für den perfekten Sound sorgt.

Sängerin und quasi Allrounderin in Diensten der Band ist Michi Tischler. Sie ist Dreh- und Angelpunkt von „Another Livetime“ und hat die Fäden in der Hand. Neben ihrer freiberuflichen künstlerischen Tätigkeit ist sie für die Organisatorin des gesamten Hausband-Abends verantwortlich und betreibt mit ihrem Mann Achim und dessen Sohn Nico das Hüttenwerk.

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Posted by Thomas Wilken on Monday, December 25, 2017

 

Mit zwei klassischen Gitarren wurde von „Millennium“ in Michelstadt die Hütte gerockt

Was für eine große Party, die so gar nicht geplant war. Es kam wie so bei einer Musik-Session oft unverhofft. Und was daraus dann entsteht, ist umso besser. Hinter „Millennium“ verbergen sich die beiden Gitarren-Cracks Andreas Singer und Rainer Müller aus Rimbach und Fürth, die bei ihren Auftritten mit Gastsänger(inne)n zusammenarbeiten. Im Hüttenwerk waren das jetzt Michi Tischler und Bluesrock-Röhre Fritz Strößinger von den legendären Bergsträßer „Starfuckers“. Flugs gesellten sich von der Hausband noch Axel Imhof am Bass und Thomas Klein (Percussion) hinzu.

Das Sextett lieferte eine spontan improvisierte Show ab, die einfach nur Laune machte. Die einzelnen Songs entwickelten eine ungeahnte Dynamik. Auch wenn mal was schief ging, weil diese Besetzung noch nie zusammengespielt hatte, wurde das einfach weggelacht. Die Zuschauer waren genauso begeistert wie die Musiker von dem, was da ad-hoc auf den Instrumenten und mit Stimmen gezaubert wurde. Viel länger als geplant „musste“ die Band auf der Bühne stehen.

Irgendwann ist dann doch mal Schluss. Aber Fritz Strößinger sorgte für einen, den man nicht so schnell vergisst. „Hymn“ von Barclay James Harvest haut er in einer Form ins Mikro, dass es eine Pracht ist. Dazu noch die beiden akustischen Gitarren im Hintergrund, klassisch mit spanischen Anklängen gespielt. Das alles gibt einen Soundteppich, den man mal gehört haben muss um zu wissen, wie der Song unverstärkt von einem altgedienten Rocker geröhrt wird. Das Lied wird in der Begeisterung und Spiellaune fast zur Endlos-Schleife, in der Strößinger ein ums andere Mal im Zusammenwirken mit den Saitenkünstlern den monumentalen Touch des Welthits rüberbringt.

Schon „In the air tonight“ von Phil Collins als Abschluss des regulären Sets hatte klar gemacht, dass die Musiker nicht ohne eine Zugabe davonkommen würden. Auch hier dominierte Strößinger mit seiner markanten Stimme, während Andreas Singer ein filigranes Solo zauberte. Diese geballte Spielfreude zusammen mit unbändigem Spaß riss einfach mit. Ihrer Vorliebe für Disco-Musik frönte Michi Tischler dann mit einem „Hot Stuff“ von Donna Summer, das voll abging.

Sie hatte bereits bei „Let it rain“ von Amanda Marshall gleich nach der Pause eindrucksvoll gezeigt, was sie stimmlich drauf hat. Das „Amazing” von George Michael oder auch „One“ von U2 in der Version mit Mary J. Blidge (also Michi Tischler) waren weitere Stücke, in denen sich die beiden Sänger die Bälle zuwarfen. Das soulige Duett lebte durch die Improvisation. Was wären diese Songs aber ohne die Gitarrenklänge. Erst im Hintergrund, wurde bei den Soli die Kunst der beiden Könner auf den sechs Saiten deutlich.

Der warme Klang ihrer Instrumente bildete das Fundament und die stilistische Basis der Formation. Mit vollen Einsatz: „Ich hab‘ mir die Finger blutig gespielt“, lachte Andreas Singer nach dem dreistündigen Auftritt. Zum Wohl der Zuschauer. Die bekamen ein „Billie Jean” von Michael Jackson zu hören, das sie so noch nicht kannten. Oder wer kann schon von sich behaupten, das „Jump“ von Van Halen mit zwei akustischen Gitarren zu kennen.

Fritz Strößinger gab dem Song mit seinen rauen Rockattitüden ein ganz anderes Aussehen als David Lee Roth. Andreas Singer und Rainer Müller dann noch vereint als Eddie van Halen – das hatte nmicht nur was, sondern ganz viel. Das „Horse without a name“ von America oder „Maneater“ von Hall & Oates waren weitere Stücke, die einfach nur Laune machten. Dazu noch Akteure auf der Bühne, die miteinander können, über sich und die anderen lachen und aus dem Nichts einen Song zaubern.

„Burning down the house” der Talking heads, „Eye of the Tiger” von Survivor, „Run to you“ von Bryan Adams  oder „Junimond“ von Rio Reiser sind neben vielen anderen Songs Titel, die in dieser ungewöhnlichen Version einfach ins Ohr gehen und dort haften bleiben. Ein Abend genau nach dem Geschmack von Singer & Müller, die gerne der Improvisation freien Lauf geben. „Akustisch ist alles echt, authentisch“, betont der Gitarrist Singer.

Info: www.millennium-band.de

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Posted by Thomas Wilken on Saturday, December 2, 2017

 

„U12“ zelebrierte auf der Michelstädter Hüttenwerk-Bühne eine Hommage an die irische Rockband U2

Bono singt sich mit viel Botschaft auf der Bühne die Seele aus dem Leib, „The Edge“ ist mit seinen unverwechselbaren Gitarrenklängen zu hören, Adam Clayton zupft stoisch perfekt den Bass und Larry Mullen jr. trommelt wie ein Wilder auf seinem Schlagzeug. Das könnte ein Überraschungsgig von der irischen Rockband U2 im Michelstädter Hüttenwerk sein, wenn man nicht so genau hinschauen würde. Tatsächlich aber eifern die vier Musiker von „U12“ ihren Vorbildern in perfekter Manier nach. Outfit, Klang, Passion, Instrumente: Es stimmte.

Von der Qualität der Interpretation hatten wohl auch etliche Fans im Vorfeld Wind bekommen. Denn beim ersten Auftritt der Main-Metropolen-Epigonen im tiefen Odenwald war es im Hüttenwerk für diese Verhältnisse sehr voll. Da hatten andere, bekanntere Coverbands deutlich mehr Anlaufschwierigkeiten, bei der Premiere genug Besucher in die Location zu ziehen.

Bei anderen wiederum war die gefühlte Distanz zu den Musikern viel geringer, weil diese vom ersten Song an das Publikum in ihrem Band zogen, sich viel präsenter und mehr „zum Anfassen“ präsentierten. Das war dieses Mal nicht so. Vor der Bühne war zu Beginn noch ziemlich viel Platz. Der füllt sich mehr und mehr erst nach der Pause, als die Coverband dann mit den ganzen Hits der Iren Stimmung ohne Ende verbreitete, mitgesungen und -getanzt wurde.

Am Anfang ging’s mit Wolfgang Meisetschläger (Gesang, Gitarre), Oliver Horst (Gitarre, Gesang), Dennis Lapp (Bass) und Lothar Weise jr. (Schlagzeug, Gesang) noch etwas verhalten los. Das könnte auch daran gelegen haben, dass bis auf „Sunday Bloody Sunday“ oder „Desire“ erst einmal eher unbekanntere Stücke der Supergruppe gespielt wurden. Was beileibe nicht heißt, dass die in irgendeiner Form schlechter gewesen wären. Eben nur nicht solche Ohrwürmer wie die späteren Hits.

Die vier Vollblutmusiker von U12 nahmen das Publikum mit auf eine musikalische Zeitreise durch alle Schaffensphasen der irischen Vorbilder. Dabei klang die Band in allen Nuancen so authentisch, wie es nur die persönliche Faszination durch das Original ermöglicht. Wie Meisetschläger den Bono in Bewegung, Ausdrucksweise und Gesang gibt, ist das schon sehr nah am Meister selbst. Oliver Horsts Gitarre hat dabei den absolut typischen Edge-Sound drauf, der die Songs von U2 so unverwechselbar macht.

Die vier Musiker beweisen dabei, dass U2 längst nicht nur für die Stadion-Hymnen steht, sondern mit „Sometimes you can’t“ oder „Sweetest Thing“ dynamische, eingängige Balladen im Gepäck hat, die durch virtuoses Zusammenspiel begeistern. Wenn darauf ein Gassenhauer wie „Sunday Bloody Sunday“ folgt, schnellt der Stimmungspegel natürlich gewaltig in die Höhe. Auch sich Oliver Horst beim Intro so kräftig verhaut, dass er über den eigenen Fehler lachend nochmal von vorn anfangen muss. Er sorgt nebenher zusammen mit Lothar Weise für einen sehr prägnanten Background-Gesang bei etlichen Songs und gibt diesen viel Klangform.

„Desire“ kurz vor der Pause macht dann Lust auf das, was danach kommt. Denn im zweiten Set legen die Frankfurter so richtig los, ein Hit reiht sich an den anderen. „One“, „New Years Day“, „Where the streets have no name“, „I still haven‘t found”, „Pride“ oder „With or without you“ zusammen mit dem Original-Sound knallen in die Menge, die davon nicht genug bekommen kann und Zugaben fordert.

Die Coverband macht nebenher klar, dass die Musik von Bono & Co. nicht nur ein Privileg von kultureller und sozialer Botschaft ist, sondern mit ihren hymnenhaften Refrains auch einfach nur riesigen Spaß machen kann. Genau diese Hingabe nimmt man den vier Musikern auf der Bühne auch sofort ab, selbst wenn sie bisweilen mal etwas kühl und professionell rüberkommen.

„E3“ gastiert am 28. Oktober im Hüttenwerk Michelstadt

„Musik muss berühren, sonst ist sie belanglos“, meint Thomas Wimmer. Er ist Schlagzeuger der Akustik-Band „E3“, die am Samstag, 28. Oktober, um 21.30 Uhr (Einlass 20.30 Uhr) im Hüttenwerk auftritt. „Back to the roots“ präsentiert die Band um Mark Patrick (ehemaliger Frontmann von „Paddy goes to Holyhead“) ihren Stil aus American Folk gespickt mit Blues-, Westcoast- und Irish Folk-Elementen. Die gelungenen Eigenkompositionen wechseln sich ab mit kreativen Coversongs im E3-Sound.

Der hervorragende vierstimmige Satzgesang ist eine Hommage an alte Klassiker von Poco, The Eagles sowie Crosby, Stills & Nash. Solo-Einlagen gibt es unter anderem Peter Reimer, als Instrumentalist mehrfacher deutscher Rock- und Pop-Preisträger, auf Gitarre und Mandoline. Von diesem einmaligen Musikerlebnis bis zur Moderation: Der Abend nimmt das Publikum mit auf eine akustische Reise – mit den Emotionen und dem Geist, mit den Ohren und den Herzen.

E3 steht dabei für „The Essence Of Emotional Energy“. Die hessische Akustik-Band gilt mit ihren virtuosen Instrumentalisten und gleich vier Solosängern, die auch im Satzgesang hervorragend miteinander harmonieren, als Garant für abwechslungsreiche, unterhaltsame Konzerte auf musikalisch hohem Niveau. E3 sind: Mark Patrick (voc, git), Erhard Koch (voc, b), Thomas Wimmer (dr, perc), Ralf Olbrich (voc, git, sax), Peter Reimer (voc, git, mando) und Gunnar Jürgens (fiddle).