Ein Rock’n’Roll-, Pyro- und Lichtgewitter mit der Kiss-Tribute-Band im Hüttenwerk

Der Zeitpunkt passt: Im Frühsommer gehen die Meister der Rock’n’Roll-Show schlechthin, „Kiss“ auf große Europatour. Da haben Kiss-Tribute-Bands derzeit Saison. Mehrere touren derzeit durch die Republik, sodass die Auswahl schwer fällt, welche man besucht und welche die beste davon ist. Es ist die große Show, die zählt, denn musikalisch war der Vierer aus den Staaten ja noch nie der Weisheit letzter Schluss. Aber gepaart mit der vielen Schminke, den Pyro-Effekten, bei denen es einem ganz warm um die Nase wird, und schließlich einem Gewitter an Licht- und Soundeffekten wird daraus ganz großes Kino.

Wie eben bei der Tribute-Band aus dem südhessischen Raum, die jetzt im Hüttenwerk anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens vor einem sehr ansehnlichen Publikum auftritt. Die nahende Rückkehr der alten Haudegen zieht eben. Zum Schluss hin kommen sie dann alle, die ganzen Klassiker, die „Kiss“ weltberühmt gemacht haben. Einen Hit nach dem anderen spielt die Band perfekt wie das Original, versetzt die Fans in Entzücken. Über 40 Jahre zurück in die Zeit führt die Tour, die natürlich aber nicht nur Material aus den Anfangsjahren beinhaltet.

„You wanted the best, you got the best. The hottest band in the world. Kiss”, schallt es beim Intro aus den Lautsprechern. Was nicht übertrieben war. Denn was die vier Musiker auf der Bühne zaubern, wie sie die „Kiss“-Show abziehen, wie sie sich optisch und musikalisch dem Original perfekt nähern, ist schon eine Klasse für sich. Allein das Outfit ist eine Wucht. Und bestimmt sehr heiß unter den vielen Scheinwerfern, die zwischenzeitliche Feuershow mal ganz außen vor gelassen.

Silberne, hohe Plateauschuhe, eine Art futuristischer Mars-Anzug, Feldermaus- oder Katzenoutfit und natürlich die perfekt sitzende Schminke: Fertig ist „Kiss“. Dazu noch die Bühnenanimation wie bei den Originalen und keiner merkt, dass hier die Epigonen auf der Bühne stehen, die es aber ebenso gut drauf haben. Ulric Wurschy (Rhythmus-Gitarre/Lead Gesang) imitiert Frontmann Paul Stanley schlichtweg perfekt.

An der Länge seiner Zunge muss Ullrich Rauch (Bass/Gesang) noch arbeiten. Sein Gene Simmons ist aber ansonsten mit Fledermauskostüm und Körperumfang dem omnipräsenten Kiss-Bassisten angelehnt. Tobi Bartel (Lead Gitarre/Gesang) steht dem Meister Ace Frehley auf den sechs Saiten in nichts nach. Immer wieder haut er die bekannten Gitarrenriffs raus, dass es eine wahre Wonne ist.

Der Mann im Hintergrund sorgt nicht nur für den perfekten Rhythmus, sondern darf auch zwei Mal stimmlich ran: Max Friedrich (Drums/Gesang) hat seinen Peter Criss bis ins Letzte verinnerlicht. Das Schlagzeugspiel sorgt für den ordnenden Rahmen der überbordenden Songs von Musik-Exzentrikern. Es muss blinken, glitzern, leuchten, krachen, dann ist es „Kiss“. Die Bühnenshow ist für eine Coverband von allererster Sahne. Zwischendurch gehen auf den Seiten die Feuer hoch, dass die Wärme noch hinten im Saal zu spüren ist, und lässt Bartel seine Gitarre qualmen.

Und natürlich ist die Musik nicht vergessen: Irgendwo hat man die meisten Songs schon einmal gehört, wenn sie auch nicht alle im Gedächtnis haften geblieben sind. Trockeneis wabert in Massen durch die Luft, als die Band „Lick it up“ anstimmt. Der treibende Rhythmus und der mehrstimmige Gesang machen „Love gun“ zum Kracher.

Etwas sperriger sind die Songs mit Gene Simmons, pardon Ulli Rauch, am Mikro. „I love it loud“ ist ein solches. „Shout it out loud“ stimmt schon ein auf das, was die Band von den Gästen danach erwartet: dass sie Kiss-Hymne „God gave Rock’n’Roll to you“ lauthals mitsingen.

Der Schluss inklusive Zugabe ist quasi ein „Best of Kiss“. Erst „Black Diamond“, und dann nach „Beth“ das wummernde „Detroit Rock City“. Toppen lässt sich solch ein Song nur noch mit dem, worauf alle schon warten: „I was made for lovin‘ you“. Einer geht danach doch noch: „Rock and Roll all nite“ trifft genau den Nerv und beschreibt das Lebensgefühl der Musiker, die auf der Bühne ihre Helden leben.

Info: Die Kiss-Tribute-Band spielt das nächste Mal am Samstag, 4. Mai, in Groß-Umstadt am Max-Planck-Gymnasium. Mehr unter http://www.kiss-tribute-band.com

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„Betty and the Daltons“ sind mit Country & Western im wilden Odenwald unterwegs

Endlose Weiten, durch die der Sand gepeitscht wird, ein paar mäandernde trockene Büsche, dazu noch karge Felsformationen, durch die sich ein einsamer Reiter mit Zigarre im Mundwinkel, vermacktem Hut und Lederponcho quält: soweit das deutsche Western-Klischee, genährt durch Karl May und Clint-Eastwood-Filme. „Betty and the Daltons“ zeichnen ein ganz anderes Bild von Country & Western. Das im vergangenen Jahr gegründete Trio aus Erbach und Michelstadt nimmt sich selbst nicht so ernst, hat viel zu lachen und noch mehr Spielfreude.

Bettina „Betty“ Finger, Dirk Freitag und Markus Fabian spielen zum Teil mit verwegenen Instrumenten wie Waschbrett, Autoharp, Steelguitar und Banjo einen Mix von Common Linnets bis Johnny Cash, angereicht mit CCR, Kris Kristofferson oder John Denver. Man sieht: Es gibt nicht nur Country, sondern auch Western, gepaart mit ein paar Pophits wie „Lay down Sally“ von Eric Clapton.

Mastermind hinter der Truppe ist Markus Fabian aus Michelstadt. Gitarrist, Sänger, Bassist, Ukulele- und Mandolinespieler, Steelgitarrist, Schlagzeuger, Songwriter, Komponist und Producer:  Der Mann ist seine eigene Ein-Mann-Kombo in Personalunion. Dazu ist er im Odenwald musikalisch bekannt wie ein bunter Hund durch seine Arbeit mit Herr Fabian, Onkel Bob oder Undercure.

„Für mich zählt, dass wir sehr viel Spaß miteinander haben und ich verschiedene, auch ausgefallene Instrumente spiele“, betont Fabian. Es ist innerhalb eines halben Jahres eine auftrittsfähige kleine Band entstanden, die „nicht sooo perfekt ist“, grinst er – „aber dennoch beim Odenwälder Publikum einen Nerv getroffen hat“. Scheinbar gibt es viele Menschen, die Country und Folk „wie wir es darbieten“, gerne mögen.

Die Bandgründung geschah durch äußere Einflüsse: „Wild Bill‘s Saloon“ hatte in Erbach aufgemacht und „ich wollte gerne mal dort spielen“, erinnert sich der Musiker. Da dort aber nur Country und Western reinpasst, überlegte er, wie das anzustellen wäre. Da kam er auf Dirk Freitag und Bettina Finger: „Betty and the Daltons“ waren geboren. Es wurde ein Programm aufgebaut, überlegt, was zu welchem Stück passt und „wie wir uns bei jedem Stück sinnvoll und abwechslungsreich ergänzen können“. Das Ergebnis kommt an.

Für Bettina Finger ist Country „eine tolle Musik”, die so gar nichts mit dem Schlagerklischee zu tun hat. Gerade Johnny Cash und June Carter haben für sie „super Songs“ geschrieben und darin ihr Leben verarbeitet. „Das sind meine Vorbilder“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Darin werden so schöne Liebesgeschichten erzählt.“ Finger gefällt daneben die große Vielseitigkeit, die mit den verschiedenen Instrumenten zum Ausdruck kommt.

30 Jahre zupfte sie nur die Gitarre, jetzt ist die Musikerin vielfältig und –saitig unterwegs. Auf Anregung vom Markus Fabian („mach mal“) beschäftigt sie sich auch mit Bass, Ukulele, Autoharp, Waschbrett und Banjo. „Ich kann das nicht gut, aber spiele trotzdem alles“, lächelt sie. Der Instrumententausch „ist witzig und macht Spaß“, erzählt Bettina Finger. Es passiert vieles, auch Unvorhergesehenes.

„Dass ich auf meine alten Tage noch einmal auf der Bühne stehe, hätte ich mir auch nicht gedacht“, kokettiert die Erbacherin mit ihrer Lebenserfahrung. Denn öffentlich wirkte sie bisher nicht in Bands mit. „Seit neun Jahren wird lediglich im Wohnzimmer auf der Couch gejammt oder auf Geburtstagen gespielt.“ Jetzt hat sie mit Leitwolf Markus Fabian als altem Hasen Freude an den Auftritten gefunden.

Dirk Freitag ist musikalisch ein Spätzünder. Erst über seinen Sohn kam er vor viereinhalb Jahren in Kontakt mit Sebastian Schimmer von „Oel“, der quasi sein Mentor auf der Gitarre ist. Banjo, Bass und Waschbrett kamen in neuester Zeit hinzu. „Westernmusik mochte ich schon immer“ bekennt er. Emotionen, Romantik, ein Hauch von Abenteuer, dazu noch Liebe, Drama, Eisenbahn: „Es macht einfach Spaß, darüber zu singen“, erläutert der Erbacher. Die Auswahl der Instrumente ist für ihn faszinierend.

Info: Die Country-Night mit Western-Büffet und Musik von „Betty and the Daltons“ findet am Samstag, 13. April, ab 18 Uhr im Gasthaus „Zum Ross“ Ober-Mossau statt. Platzreservierung unter 06061-2398 oder E-Mail dirk.freitag@freitagsfeines.de. „Wandern und Wein“ heißt es am 1. Mai, 14 Uhr, im Dorfgemeinschaftshaus Steinbuch mit dem Trio. Mehr unter www.backstagepro.de/betty-und-die-daltons

„Coversnake“ huldigt im Hüttenwerk David Coverdale

Emmo Acar ist die perfekte Rampensau. Der Mann hat den Blues in der Stimme. Wenn der Voice-of-Germany-Teilnehmer von 2015 einen auf David Coverdale macht, steht auf der Bühne die eindeutig bessere Version des ehemaligen Deep-Purple- und Immer-Noch-Whitesnake-Sängers. Denn der inzwischen 67-jährige Rockshouter hat wie manche seiner Kollegen (siehe Axl Rose) leider nicht erkannt, dass man es irgendwann mit dem Singen lassen sollte, wenn man die Töne nicht mehr trifft. Dafür gibt es dann so perfekte Klone wie „Coversnake“, die im Hüttenwerk die Heroen in bestem Licht erscheinen lassen.

Wenn der 25-jährige Acar auf die Bühne rauscht, spürt das Publikum sofort seine ungeheure Präsenz. Es ist, als stünde der Deep Purple- und Whitesnake-Sänger selbst vorn und schreit sich wie in den besten Jahren die Seele aus dem Leib. Mit viel Power, groovend, bluesig, röhrend, rockig und in den höchsten Tönen nähert er sich der Rocklegende ganz, ganz nahe, hat dazu noch die richtigen Bewegungen und das zweideutig-eindeutige Spiel mit dem Mikro-Ständer perfekt darauf.

Die Instrumental-Sektion aus dem Darmstädter und südhessischen Raum mit Bobby Stöcker (Lead Guitar/Gesang), Jochen Schnur (Bass/Backing Vocals), Axel Balke (Keyboards/Backing Vocals), Martin Ulrich (Rhythmusgitarre) und Jürgen Lucas (Schlagzeug) liefert den perfekten Sound hinter dem eindrucksvollen Gesang. In dieser Besetzung sind die sechs Musiker ganz nah an der klassischen Whitesnake-Besetzung der ersten vier, fünf Jahre, als mit Jon Lord (Keyboards) und Ian Paice (Drums) gleich zwei ehemalige Deep-Purple-Mitstreiter zu Coverdales Truppe stießen.

Für eingefleischte Fans sind die Songs aus dieser Ära sowieso die Besten. Whitesnake boten mit Micky Moody und Bernie Marsden an den Gitarren einen rohen, ungehobelten Blues bei „Fool for Your Loving”, „Ready an‘ Willing”, „Ain’t No Love in the Heart of the City” oder „Don’t Break My Heart Again“. Genau das kommt auch auf dem Konzert im gut besuchten Hüttenwerk rüber, wo die Coberband nach ihrer Gründung vor vier Jahren durch Mastermind Bobby Stöcker bereits zum vierten Mal auftrat.

Deep Purple, Led Zeppelin, Dio, Rainbow oder eben Whitesnake sind für Stöcker „die“ Rockstars schlechthin. Deshalb war es für den 49-Jährigen naheliegend, eine Coverband zu gründen, die David Coverdale huldigt. „Das ist einfach meine Lieblingsmusik“, sagt er. Leider, bedauert er, bedient sie doch eine gewisse Nische. „Aber wenn die Veranstalter uns einmal gehört haben, sind sie überzeugt“, freut er sich.

Dankbarerweise konzentriert sich Coversnake mehr auf die frühen Jahre Ende der 70er bis Ende der 80er, als die weiße Schlange noch mehr Bluesrock-orientiert war als später. Der Klassiker „Live in the Heart of the City“, 1980 als Doppel-Album erschienen, bietet ein Stück weit Orientierungsrichtlinie. Natürlich dürften aber spätere Hits wie „Still of the Night“, bei denen John Sykes die Saiten zupfte, nicht fehlen.

Spätestens als danach die ersten Klänge des wohl bekanntesten Whitesnake-Stücks aus vergangenen Tagen, „Here I go again“, erklingen, gibt es kein Halten mehr. „Crying in the rain“, „Give me all your love“ oder „Slide it in“ aus der erfolgreichsten Bandphase Mitte der 80er Jahre machen den Sack zu. Wer vor der Zugabe noch gemeint hatte, besser geht nicht mehr, den belehrten zwei weitere Songs eines Besseren.

Schon als die ersten Töne von „Mistreated“ zu hören sind, kennt die Begeisterung keine Grenzen. Acar gibt alles, geht an seine höchsten Ton-Grenzen, kann das ganze Volumen seiner klangvollen Stimme ausschöpfen. Es ist, wie wenn die Zeit vor viereinhalb Jahrzehnten stehengeblieben wäre, als das legendäre Deep-Purple-Album „Burn“ mit der Mark III-Besetzung herauskam, auf dem auch dieser Song mit Coverdale am Mikro zu finden ist. Genau dieses „Burn“ rockt zum Schluss die Halle kurz vor Mitternacht in einer Form, dass es jetzt auch dem allerletzten in den Gliedern zuckt.

Info: „Coversnake“ tritt wieder am 7. September, 20 Uhr, im Colos-Saal Aschaffenburg auf. Mehr unter http://www.coversnake.com

Zum Bericht geht's hier: https://hirschhorner.wordpress.com/2019/02/13/coversnake-huldigt-im-huettenwerk-david-coverdale/

Posted by Neckartal-Nachrichten on Wednesday, February 13, 2019

Thin Lizzy Tributeband ist im Hüttenwerk „Live and Dangerous“

Phil Lynott hat mit seiner Band „Thin Lizzy“ Musikgeschichte geschrieben. Nicht nur das von ihm neu interpretierte irische Traditional „Whiskey in the Jar“ ist in den Gehörgängen auf Jahrzehnte hängengeblieben. Wie prägend die Gruppe wirklich war, merkt man erst, wenn es bei etlichen anderen Songs einen Aha-Effekt gibt. „Live and Dangerous“ aus dem Jahr 1978 zeigte die Hardrockband auf der Höhe ihres Schaffens – und genau dieses Live-Doppelalbum spielte die Thin Lizzy Tributeband bei ihrem Auftritt im Hüttenwerk komplett hoch und runter, garniert mit ein paar weiteren Hits.

Das Front-Trio macht Laune. Paul McGilley, der Phil Lynotts Gesang super draufhat, und die beiden Gitarristen Andy Kirchner und Bobby Stöcker sind ständig in Bewegung, animieren die Besucher vor der Bühne. Hintendran sorgen Wolfram Klug (Bass) und Volker Stenger (Schlagzeug) für die treibenden Rhythmen. Letzterer eifert bei seinem Solo Original-Drummer Brian Downey nach, der derzeit ebenfalls tourt und exakt die gleiche Scheibe im Gepäck hat.

Der 66-jährige Downey gehörte 1969 gemeinsam mit dem inzwischen bereits verstorbenen Bassist und Sänger Phil Lynott zu den Gründern von Thin Lizzy. Im Verlauf seiner Karriere als Schlagzeuger war er zudem an diversen Lynott-Soloalben sowie Gary-Moore-Produktionen beteiligt – darunter auch der Meilenstein „Still Got The Blues“. Am 13. Februar in Aschaffenburg (Colos-Saal) und am 14. Februar in Mannheim (7er Club) können Fans den Vergleich wagen – wer trommelt besser, wer singt besser den Phil?

Apropos Gary Moore: Thin Lizzy produzierte nicht nur Hits am laufenden Band, sondern war oftmals auch erste Station für Musiker, die danach selbst zu einiger Berühmtheit kamen. Wie etwa für den schon 2011 verstorbenen irischen Ausnahmegitarristen. John Sykes, aus dessen Wirken „Holy War“, „Hollywood“ und „Cold Sweat“ zu hören waren, oder Tommy Aldrigde spielten später bei Whitesnake.

Die Twin-Guitars, das zweistimmige Gitarrenspiel, war seit jeher ein Markenzeichen der irischen Band. Kirchner und Stöcker beherrschen es in Perfektion – samt der zugehörigen Rockerposen. Denn der Name verpflichtet: Schließlich heißt ein Originalsong auch „The Rocker“. Ob das balladeske „Rosalie“ oder das fetzige „Waiting for an Alibi“: McGilley ist stimmlich sehr nah dran am Original. Am besten lässt man ihn einfach singen, denn seine Moderation ist etwas speziell.

Zum Glück werden aber zwischen den Songs nicht viele Worte gewechselt. Die Musik zählt. „Dancing in the Moonlight“ zeigt die sanfte Seite des harten Jungen Lynott, der sich durch Alkohol und Drogen so zugrunde gerichtet hatte, dass sein Körper Anfang 1986 streikte. Bezeichnend für Phil Lynotts großes Talent als Songwriter waren seine Texte, oftmals melancholisch geprägt, die Außenseiter, Verstoßene, Verzweifelte und Missverstandene oder Männer-Klischees zum Inhalt hatten.

Die Coverband gibt es in dieser Besetzung erst seit einem Jahr. Im Hüttenwerk war das Quintett zum ersten Mal zu Gast. Die Fans begeistert es mit einem Sound, wie das Original bei einem seinem letzten Auftritte mit dem Frontmann 1983 geklungen haben dürfte. Paul McGilley wird nicht müde, die Zuschauer zum Mitsingen zu animieren, springt bei den weltbekannten Tönen von „Whiskey in the Jar“ kurzerhand einfach mit dem Mikro von der Bühne.

„China Town“ oder „Jailbreak“ sind weitere Stücke mit fetzigem Sound und einprägsamen Gitarrenriffs. Kirchner und Stöcker wechseln sich in den Soli ab, was den Liedern jeweils eigene Akzente gibt. Sowieso ist deutlich zu spüren, dass da Profis auf der Bühne stehen, die Metier bis ins Effeff beherrschen. Bobby Stöcker etwa spielt auch in einer Whitesnake- oder Kiss-Tribute-Band mit. „Still in love with you“ zeigt, dass Thin Lizzy auch Balladen kann, während „Killer on the loose“ wieder die Hosenbeine flattern lässt. „The Boys are back in town“ heißt es zum Schluss nicht ohne Grund – sie kommen bestimmt wieder.

Info: Mit „Coversnake – Tribute to Whitesnake and David Coverdale” ist Gitarrist Bobby Stöcker am Samstag, 9. Februar, 21 Uhr, zu Gast im Hüttenwerk Michelstadt. Weiteres unter http://www.huettenwerk.info

Die knalligen Rocksongs gehen runter wie Öl

Wenn die Odenwälder Band „ØL“ ihre Fans ruft, kann sie sicher sein, dass das Hüttenwerk aus allen Nähten platzt. Wie auch jetzt wieder beim Konzert rund um den Jahreswechsel. Die fünfköpfige Truppe aus Erbach und Michelstadt setzt dabei Jahr für Jahr auf Altbewährtes und liefert eine solide Mischung aus schnörkellosem Independent-, Alternative-, aber auch melodischen Mainstream-Rock, garniert mit ein paar Balladen. Und das ohne Pause zweieinhalb Stunden lang.

Über zwei Jahrzehnte gibt es die Band bereits. Die beiden Erbacher Gründungsmitglieder Sebastian Schimmer (Gesang und Gitarre) sowie Schlagzeuger Sascha Brandel bilden das Fundament. Michelstadt wird vertreten von Jens Weimar (Gitarre, Gesang) und Dirk Weimar (Keyboards). Marcus Hartmann (Bass, Gesang) zog es zwischenzeitlich von Erbach weg nach Stuttgart, aber für diverse Gigs kommt er natürlich zurück in die alte Heimat.

Was auf den Studio-Einspielungen eher bisschen glattgebügelt rüberkommt, lebt auf der Bühne von der überschäumenden Spielfreude. Die Songs haben bis auf ein paar Ausnahmen Hitpotenzial, sind eingängig, haben griffige Refrains, oft auch zum Mitsingen. Gepaart mit der Spielfreude der fünf Musiker, eine Kombination, die unter den Fans bestens ankommt.

„Jeder bringt bestimmte Einflüsse mit“, erzählt Jens Weimar. Das Spektrum ist ziemlich breit gefächert und reicht von Bands wie Nirvana bis hin zu aktuellen Pop-Produktionen (Coldplay oder Ed Sheeran). „Diese Einflüsse verbinden sich letztendlich zu unserer Musik.“ Die letzte Einspielung „Decades“ erschien 2016 zum 20-jährigen Bestehen der Band. „Wir sammeln momentan aber Material für ein neues Album“, kündigt der Gitarrist an. „Wann das rauskommt, steht aber noch nicht fest“, schmunzelt er.

Die Lieder entstehen im Wesentlichen aus Ideen der Mitglieder (hauptsächlich Sebastian Schimmer, teilweise Jens Weimar) und werden dann in verschiedenen Besetzungen im Proberaum ausarrangiert, sagt er. Für die Texte ist fast ausschließlich der Gitarrist verantwortlich. In voller Besetzung tritt die Gruppe derzeit nicht sehr oft auf. Es gibt aber auch eine „Unplugged“-Version von ØL, die im Wesentlichen aus Schimmer und Weimar besteht, teilweise noch Brandel. Diese abgespeckte Version ist 15 bis 20 Mal pro Jahr live zu sehen.

„Das Feedback ist überwiegend positiv“, freut sich Weimar. Die Musik von „ØL“ wird in Magazinen als nicht extrem spektakulär, aber ausgesprochen eingängig und zeitlos beschrieben, „was uns sehr freut“. Die Band hat nicht den Anspruch, „bemerkenswert innovativ zu sein“, witzelt er. Die Bandmitglieder wollen einfach nur Musik produzieren, „mit der wir uns identifizieren können“. Mit Erfolg: „Das persönliche Feedback, das wir bekommen, ist zumeist sehr positiv.“

Das Quintett geht ziemlich schnörkellos zu Werke. Ausufernde Gitarren- oder Schlagzeug-Soli zur Selbstdarstellung gibt es praktisch nicht, kein Stück hat mehr als drei oder vier Minuten. Musikalisch lässt sich die Band in keine Schublade stecken. Einem richtigen Rocker dürften ein paar der Songs zu soft sein. Manchmal kommt ein Stück fast balladesk daher. Allerdings ist ja bekannt, dass Rockmusiker die schönsten Schmusesongs schreiben.

Auf der anderen Seite rockt das Quintett dann so überraschend wieder los, dass die Hosenbeine vor lauter Bass- und Bassdrum-Vibrationen flattern. Punk- und Indierock-Einflüsse sind manchmal unverkennbar. Manche Riffs erinnern an Fischer Z, Fury in the Slaughterhouse lässt sich auch wenig heraushören, zum Schluss wird’s dann monumental wie bei U2. Durch spacige Keyboard-Töne schleicht die eine oder andere progressive Komponente ein.

Frontmann Sebastian Schimmer ist wie ein Dopsball auf dem Bühne unterwegs und steckt seine ebenfalls stehenden Kollegen Marcus Hartmann und Jens Weimar mit seinem Bewegungsdrang immer wieder an. Drei Mann wie auf Kommando hopsend: Das hat was. Dirk Weimar ist eher einer von der stoischen Sorte, während sich Sascha Brandel an seiner Schießbude kräftig abarbeitet.

Sofia Glaser gibt eindrucksvoll den Ton an

„Talkin’ bout a revolution“ von Tracy Chapman lässt Sofia Glaser bestens Raum, um eindrucksvoll die Wandlungsfähigkeit und den Umfang ihrer Stimme zur Geltung zu bringen. Es ist schon erstaunlich, mit wie wenig Aufwand sich ein eindrucksvoller musikalischer Abend gestalten lässt. Eine Gitarre und ihr Organ reichen der 23-Jährigen aus, um im Hüttenwerk stürmischen Beifall einzuheimsen. Nur mit der akustischen Gitarre verleiht sie dem Song große Dynamik, Inbrunst.

Sofia ist voll drin in den Stücken, lebt sie bis zum letzten Ton, zelebriert manche Passagen förmlich. Ihre Leidenschaft für die Lieder wissen auch die Fans zu schätzen. Die Musikerin aus Beerfelden, früher in der dortigen Mädelsband „Die Optimisten“ aktiv und danach auf Solopfaden unterwegs, ist seit kurzem immer mal wieder mit der Heidelberger Band „Potzblitz“ zu hören. Bei der Celtic-Folk-Gruppe „Dhalia’s Lane“ ist sie schon Stammgast. Und eben jetzt wieder solo im Hüttenwerk.

Dieses Jahr musste sie studien- und berufsbedingt etwas kürzer treten. Erst ab November konnte sich Sofia wieder richtig auf ihre Musik konzentrieren. Sie studiert an der Uni Heidelberg Gerontologie, Gesundheit und Care sowie Spanisch auf höheres Berufsschul-Lehramt. Während des Semesters ist sie nicht in den Schichtdienst des Pflegeheims eingebunden, in dem sie während der Ferien ihre Praxiserfahrung sammelt. Somit ergibt sich nun an den Wochenende die freie Zeit, „regelmäßig an meinem Set zu werkeln“. Die Musikerin will ihr Programm mit der Loopstation ausbauen. Ab nächstem Jahr „werde ich dann auch ein E-Piano mit auf die Bühne bringen“, kündigt sie an.

„Der Perfekte Moment… wird heut verpennt“ von Max Raabe, „Not even close“ von Tina Dico oder „The different“ von Melissa Etheridge zeigen, dass sie aktuelle Pop- und Rocksongs bestens drauf hat. Dazu noch „Oft gefragt“ von Annenmay Kantereit, „Bitte bitte“ von Ina Müller oder „Crazy in Love“ von Beyonce – fertig ist ein bunt gemischter musikalischer Abend, bei dem Sofia Glaser mit allen Facetten ihres wandlungsfähigen Organs glänzen kann.

Mit geschlossenen Augen steht dann nicht eine junge Frau auf der Bühne, die sich immer mehr musikalische Sporen verdient, sondern eine altgediente Rockröhre, die frei ‘raus ohne jegliches Lampenfieber 1000 Mal gespielte Songs performt. Bei zwei Liedern war Klaus Wilka mit auf der Bühne: „Chain of fools“ und „Nobody’s wife“ gab es zu hören. Das Publikum im Hüttenwerk kennt sie bereits. „Die waren sehr aufmerksam und haben super mitgesungen“, freute sie sich.

Auch wenn sie selbst ebenfalls Lieder schreibt, spielt sie live hauptsächlich Cover-Stücke. „Meine Favoriten wechseln oft“, so Sofia, aber Tina Dico hat es ihr angetan. „Ihre Texte finde ich alle durchweg sehr gut geschrieben.“ So lautet ein Refrain des Songs „Count to ten“: „Sometimes the fastest way to get there is to go slow“, der schnellste Weg irgendwo hinzukommen, ist langsam zu tun. Seit sie selbst Lieder schreibt, „achte ich sehr auf die Texte“, hebt Sofia hervor.

Die Musikerin ist die Tochter des Fotografen-Ehepaar Sonja und Udo Glaser aus Beerfelden. „Musik mache ich eigentlich schon immer“, erzählt sie. „Gitarre habe ich mir selbst auf dem zwölfsaitigen Instrument meines Vaters beigebracht.“ In der Mädels-Band „Optimisten“ spielte Sofia anfangs Schlagzeug. „Mit der Zeit haben wir angefangen, die Instrumente einfach durchzuwechseln“, erinnert sie sich. So blieb sie bei der Gitarre hängen.

2009 machte die damals 14-Jährige beim Gesangstalent im Michelstadter Hüttenwerk mit. „Daraufhin bin ich zusätzlich zu den ‚Optimisten‘ noch in die Band ‚Second Wave‘ gekommen“, war schon damals der Erfolg vorgezeichnet. Zusätzlich begann Sofia Glaser damit, kleine Akustik-Duo/Solo-Projekte aufzuziehen. Und sie war des Öfteren in Lampertheim und Bürstadt bei Live-Jams dabei.

Info: Sofia Glaser ist zusammen mit „Dhalia‘s Lane“ am Sonntag, 30. Dezember, 21 Uhr, im Heidelberger Karlstorbahnhof zu sehen und zu hören. Mehr unter http://www.dhaliaslane.com

Rino Galiano mischt bei seinem Gastauftritt mit „Another Livetime“ das Hüttenwerk auf

Was für ein fetziger musikalischer Abschluss des Jahres: Die Hausband „Another Livetime“ hatte einmal wieder ins Hüttenwerk eingeladen und rockte bis fast 1 Uhr die Hütte mit einer perfekten Mischung aus Rock-, Soul-, Funk- und Disco-Stücken. Was die sechs mitsamt ihren Gästen bieten, hat sich schon längst herumgesprochen: An diesen Abenden platzt der Saal regelmäßig aus allen Nähten. Die Musiker müssen gar nicht viel Stimmung machen, die ist sowieso von Anfang an super.

Mit dem Mannheimer Rino Galiano, vor ein paar Jahren unter der Fittiche von Xavier Naidoo „Voice of Germany“-Teilnehmer, hatte das Team um Sängerin Michi Tischler einen Glücksgriff getan. Der „Monnemer“ mit italienischen Wurzeln ist ein begnadeter Entertainer und hat immer einen frechen Spruch auf den Lippen. Er ist für jeden Spaß zu haben, ist sich für keinen Scherz zu schade und macht jeden Unsinn mit.

Mal ganz abgesehen von seinen stimmlichen Fähigkeiten. Wie er „Master Blaster“ von Stevie Wonder, „Rock with you“ von Michael Jackson oder „I’m still standin‘“ von Elton John performt, ist schon eine Schau. Den 43-Jährigen hält es nie an einem Platz, er braucht Raum, um die Songs mit viel Einsatz rüberzubringen, dopst wie ein Gummiball quer über Bühne. Nicht fehlen darf natürlich sein „You give me something“ von James Morrison, mit dem er die Jury bei den Blind Auditions von „Voice of Germany“ überzeugte.

Mit den fetzigen Saxophon-Solos von Anke Rible (Lindenfels) ist für den perfekten Background-Sound gesorgt. Sie drückt etlichen Songs ihren Stempel mit melodiösen Soli ihren Stempel auf, lässt sich von Galiano auch mal gern zum „Battle“ bitten, das natürlich nur eine Siegerin kennen kann. Dazu kommt noch ihr Backgroundgesang, der zusammen mit den anderen beiden die Lieder vierstimmig werden lässt – und damit für einen fetten Klang sorgt.

Gitarrist Jens Reyer (Fürth) zeigt ein ums andere Mal, dass er ein Meister auf den sechs Saiten ist. Dieses Mal darf er etwa bei „Kiss in my list“ oder dem Police-Stück „So lonely“ auch gesanglich ran. Bandgründer Thomas Klein am Schlagzeug und Keyboarder Axel „Aji“ Imhof (beide aus Michelstadt) machen mit Bassist Christoph Victor Kaiser die Rhythmus-Sektion komplett, die bei jedem Lied für den perfekten Sound sorgt.

Eigentlich sollte Anna Minges an diesem Abend mit auf der Bühne stehen, aber sie musste krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Der „Ersatz“, der aber viel mehr als das war, ist im Hüttenwerk bestens bekannt: Esra Karahan aus Bad König ließ sprichwörtlich aufhorchen. Die 25-Jährige, vor einem Jahr das erste Mal auf großer Bühne mit einer richtigen Begleitband, rockte den Saal und heimste begeisterten Applaus ein.

Mit voluminöser Stimme und ausdrucksvoller Bühnenperformance ließ sie ihre drei Stücke zum Erlebnis werden. Gloria Gaynors „I will survive“ sorgte gewaltig für Furore. „Rollin’ in the deep” von Adele und „Umbrella“ von Rihanna waren weitere Songs, bei denen die kleine Künstlerin mit der riesigen Stimme gefeiert wurde. Von der jungen Studentin, die auch bei der Swing Fever Big Band singt, wird man sicherlich noch einiges hören.

Dritte im Bunde am Mikro ist Michi Tischler. Die ist auch Dreh- und Angelpunkt von „Another Livetime“. Wie sie mit „On the radio” von Donna Summer die Disco-Queen gibt, ist das herrlich anzuschauen. Mit ihrer Stimme drückt sie aber auch „Like a virgin“ von Madonna oder „Ain’t nobody” von Chaka Khan, im fulminanten Duett mit Rino Galiano, ihre Visitenkarte auf.

Das gemeinsam gesungene „Finally“ vor der Pause macht viel Laune auf mehr, was es danach auch ohne Ende gibt: Ob Rino seinem Landsmann Eros Ramazzotti nacheifert („Cose della vita“) oder zum „Maniac“ wird (wird?) – er ist einfach omnipräsent. „Billie Jean“ von Michael Jackson oder „Freedom“ von George Michael machen die große Party perfekt. Da darf Galiano mit seiner Monnemer Schwertgosch auch mal bös-verschmitzt über die Odenwälder lästern, das nimmt ihm keiner übel.

Info: „Another Livetime“ tritt am Samstag, 19. Januar, 21.30 Uhr, wieder im Hüttenwerk Michelstadt auf. Als Gäste sind geplant: Menoosha Susungi und Dominik Steegmüller.

AnotherLiveTime – Hausband des HüttenwerksThomas KleinMichi TischlerEventlokal Hüttenwerk Musik und mehrRino…

Posted by Neckartal-Nachrichten on Sunday, December 23, 2018