Huldigung der „Queen of Soul“

Was für eine Huldigung der „Queen of Soul“. Mit Jessica Born, Ina Morgan und Isabella Hof haben sich in der „Aretha Franklin Tribute Night“ drei Ausnahmesängerinnen aus dem Aschaffenburger Raum zusammengetan, um der vor eineinhalb Jahren gestorbenen Ausnahmekünstlerin Tribut zu zollen. Heraus kommt ein hochkarätiges Programm mit exzellenten Instrumentalisten, das durchaus ein paar mehr Zuschauer im Hüttenwerk Michelstadt  vertragen hätte.

„Son of a Preacherman“ geht nach dem Einstieg gleich in die Vollen. Hof, Gewinnerin des deutschen Rock- und Pop-Preises 2000, die bereits mit Rodger Hodgson (Supertramp) und John Davis (Milli Vanilli) zusammenarbeitete, zeigt hier gleich, warum sie eine so begehrte Künstlerin ist. Mal solo, mal zu dritt, mal mit einer Lead- und zwei Backgroundstimme, bestreiten die drei ihr Programm.

„Say a little Prayer“ sieht Ina Morgan den Song röhren, während sie die anderen beiden im Hintergrund unterstützen. Sie macht deutlich, dass sie zurecht deutschlandweit als Sängerin sehr gefragt ist und schon mit etlichen Größen der Szene auf der Bühne stand. Andy Kirchner (Gitarre), Gernot Dechert (Saxophon), Jörg Dewald (Keyboard/Vocals), Bernhard Kraft (Bass) und Martin Geiberger (Schlagzeug) sorgen für einen dichten Soundteppich, immer dirigiert von den drei Frontfrauen. Besonders Saxophon, Gitarre und Keyboard tun sich außerdem mit schönen Soli hervor.

Jessica Born ist an diesem Abend federführend für die Balladen zuständig. „Ain’t no way“ jagt einen Schauer nach dem anderen über den Rücken, wenn sie mit ihrer Janis Joplin angehauchten Stimme den Song förmlich zelebriert und ihren Schmerz mit Inbrunst herausschreit. Born ist einfach prädestiniert für die Blues- und Soul-Stücke, denen sie ungeheuer viele Emotionen mitgibt.

Ein paar langsame Stücke zu Beginn sind allerdings ein bisschen viel, sie ziehen die Stimmung gerade bei weniger Publikum ein wenig runter. Langsam geht’s dann wieder aufwärts. Erst die Disco-Nummer „Who’s zooming you“ und dann Aretha Franklins Meilenstein schlechthin: der Nummer-eins-Hit „Respect“, die Hymne der afroamerikanischen Befreiungs- und Frauenbewegung. Isabella Hof geht voll aus sich raus. Es kommt Bewegung in den Saal. Rechts wird schon kräftig getanzt, links zumindest zaghaft der Kopf bewegt.

Gegen Ende des ersten Sets kommen dann Kracher auf Kracher. Ina Morgan ist für „Spanish Harlem“ zuständig, ehe der Welthit aus dem Blues-Brothers-Film den vorläufigen Höhepunkt bildet: „Think“ mit Jessica Born, der dieses Stück wie auf den Leib geschrieben ist. Sie hat einfach am meisten Feeling in der Stimme, ohne die Leistung der beiden anderen schmälern zu wollen.

Dass Abrocken extrem viel Spaß macht, zeigen die drei bei „Jumping Jack Flash“ in der Version von Aretha Franklin. Isa Hof gibt die Vorsängerin, während Andy Kirchner ein Keith-Richards-Solo mit Angus-Young-Bewegungen runterrotzt, dass es eine Freude ist. In die zweite Halbzeit geht es mit weiteren Knallern des 1942 in Memphis, Tennessee, geborenen Weltstars Franklin.

„Chain of Fools“, „Natural Woman“, „I necer loved a Man“ oder „Sisters are doing it for themselves“ bilden einen bunten Querschnitt des Schaffens der 18-maligen Grammy-Gewinnerin. Kein Wunder, dass die Fans nicht genug bekommen und sich auch in kleinerer Zahl mit „Do right“ und „Baby I love you“ Zugaben erklatschen. Eine große Hommage an eine unvergessene Künstlerin, die mit 76 Jahren viel zu früh starb.

Teufelsgeiger Roesch reißt es raus

Wenn „Teufelsgeiger“ Dominik Roesch loslegt, ist Pfeffer drin. Seine klaren, vollen Geigentöne geben den Songs des Folk-Trios „Garden of Delight“ Schmackes, wo es sonst nur  Hausmannskost wäre. Aber irgendwann fällt auf, dass sich auch Roeschs Künste erschöpfen. Denn er bestreitet jeden Song mit einer einzigen Melodie, die er bis zum Exzess wiederholt. Das zwar in Perfektion, aber selbst die schönste Perfektion nutzt sich irgendwann ab.

Trotzdem ist es Roesch, der den Auftritt ein ums andere Mal rausreißt. Was ohne ihn im Hüttenwerk Michelstadt nur monotones Schlagzeug von Philip Möke, gepaart mit austauschbaren Riffs auf der akustischen Gitarre und einer sonoren Stimme von Michael Jung wäre, wird so zu einer fetzigen Mischung aus Folk, Piratenstücken und Country. Mit der unterhält die Gruppe, die sich selbst G.O.D. abkürzt, das sehr gut gefüllte Hüttenwerk bis weit in die Nacht. Die Gäste gehen mit, spenden kräftig Applaus, tanzen im Saal.

Was „Garden of Delight“ um Sänger und Gitarrist Michael Jung aus Lautertal bietet, sind somit gute musikalische Folk-Zutaten, angereichert keltischen Elementen, ergänzt um ein paar Country-Songs, gewürzt mit Piraten-Zutaten und aufgepeppt mit Best-Of-Sprengeln aus 20 Jahren Bandgeschichte.

Das alles kommt ein wenig austauschbar rüber. Das Schlagzeug ist absolut minimalistisch und oft auf zwei Handbewegungen beschränkt. Die Riffs der akustischen Gitarre gleichen sich. Bleibt die prägnante Geige von Roesch, die zum Glück immer wieder für ein Aha-Erlebnis sorgt. Kein Wunder, dass die Gäste richtiggehend aufwachen und mitklatschen, wenn der Derwisch auf der Bühne sie zückt.

Allerdings lässt die einen gewissen Sicherheitsabstand zu den Musikern, der sich lange nicht schließt. Dazu ist die Animation zu dürftig. Weiter hinten hüpfen, tanzen, klatschen die Leute. Der Geiger macht es ihnen in Vollendung vor.

Roesch ist immer in Bewegung, schwingt den Geigenbogen, springt selbst beim Spielen, kann nicht ruhig stehen. Er lebt seine Musik, bringt seine Begeisterung rüber, versucht immer mal wieder das Publikum zu animieren. Wenn er die Geige an den Hals legt und zu spielen anfängt, taucht er völlig in seine Welt ab. Der Geiger ist das musikalische Sahnehäubchen. Er holt die unglaublichsten Töne aus seinem Instrument heraus und singt noch dazu Background.

Mit ihm wird es fetziger Celtic Folk, wo es vorher ohne Geige und mit zweiter Akustik-Klampfe nach gemächlichem Country auf einem staubigen US-Highway klang. Wenn Roesch dann noch neckisch das Keltenröckchen hebt oder einen kräftigen Sprung hinlegt, dass die Kleidung fliegt, erntet er viel Begeisterung.

Über 20 Jahre gibt es Garden of Delight oder G.O.D. bereits. Beste Bedingungen für ein Best-Of aus dieser Zeit, garniert mit ein paar prägenden Songs, die die Musiker oder zumindest Michael Jung während zwei Jahrzehnten beeinflusst haben. Folk, Country und Gothic nennt Jung als Einflüsse. Wenn dann „The Tramp“ aus dem ersten Album, der Piratensong „Go Sailing with us“ oder „Hopeless Rolling Stone“ angestimmt werden, geht es ab.

 

Hits von heute im Sound der 50er Jahre

Nach dem „XMasBash“ können die ruhigen Weihnachtstage kommen. Knackevoll war das Hüttenwerk, als die Odenwälder „Riwwels“ und die Aschaffenburger von „Boppin‘ B“ mit ihrem Rock’n’Roll wie im Vorjahr den Saal unsicher machten. Dabei dürfen es aber auch immer ein paar Varianten bekannter Rock- und Popsongs sein, die das Salz in der Suppe sind. Auf jeden Fall machen die beiden Bands Stimmung ohne Ende und versprühen Spiellaune pur.

Bei den „Riwwels“, zum Großteil aus dem Odenwaldkreis, treffen ganz verschiedene musikalische Geschmäcker aufeinander. Der Name entstammt der Urform „Merwes und die Riwwelkuche“. Nach einigen Personaländerungen ist das Beste vom Riwwelkuche übrig geblieben, schmunzelt der aus Frankfurt nach Hering (Otzberg) zugezogene Gitarrist Manuel Jörg: eben „The Riwwels“.

Seine Kollegen zeigen die ganze Vielfalt des Kreises. Dirk Allman (Kontrabass/Vocals) kommt aus Vielbrunn, Bernd Heimer (Piano/Akkordeon) ist in Breuberg zuhause, Rainer Rapp (Drums) in Sandbach und Sängerin Judith Weimar, die auch Saxophon spielt, nennt den Brombachtaler Ortsteil Birkert ihre Heimat.

Da Dirk Allmann Brian Setzer, Louis Prima und Bill Haley schon als Jugendlicher an der Wand hängen hatte und Rainer Rapp „bereits mit pomadisierter Tolle auf die Welt gekommen ist“, war die Idee naheliegend, Hits der Neuzeit in den Sound der 50er zu transportieren. „Rockabilly reißt mit seinem Groove, seinem Sound und seiner flockigen Leichtigkeit alle Generationen mit“, hat Jörg beobachtet.

Nicht nur für den Gitarristen, auch für den Rest der Truppe hat Rockabilly eine ganz besondere Faszination. Denn das Genre bildet den Grundstein für so viele Musikrichtungen, „dass die Bandbreite, die sich daraus ergibt, schier endlos erscheint“. Das Gerüst bildet ein schneller Blues, erläutert Jörg. „Nimmt man in der Hauptstimme ein paar Sexten dazu, landet man im Country-Feeling und dreht man alternativ den Zerrgrad der Gitarre hoch, wird ruckzuck Heavy Metal daraus.“

Gute Laune ist dabei garantiert, stellen die fünf Musiker bei den Konzerten fest. Dazu tragen sie auch ihren Teil bei. Dirk Allman hüpft mit dem Kontrabass mitten während des Songs schon mal von der Bühne runter, Manuel Jörg hat die klassische knieende Gitarristen-Pose drauf. Oft ergreift das Kopfwippen der Zuhörer schon beim ersten Song mit der Zeit den ganzen Körper und „am Ende gibt es niemanden mehr, der nicht voll mitgeht“.

Ob Judith Weimar „Call me“ von Blondie schmettert oder beim „Stray Cat Strut“ das Akkordeon zückt – inklusive der „Pink-Panther-Melodie“: Das Quintett macht vor nichts halt. Allman zelebriert „Bang Bang“ aus dem Kill-Bill-Film, ehe ein „Whiskey in the Jar“ folgt, das in seiner Country-Rockabilly-Version mit wummerndem Bass die Menge ohne Ende zum Tanzen bringt.

Boppin‘ B sind Urgesteine des Rock’n’Roll und leben ihn mit jeder Faser. Der Fünfer aus Aschaffenburg hat extrem viel Spaß bei den Konzerten und bringt das gnadenlos rüber. Die Stimmung kocht. Wurden anfangs moderne Pop-/Rocksongs adaptiert und in ein Rock’n’Roll/Rockabilly-Stück verwandelt, legt die Gruppe heute mehr Wert auf Eigenkompositionen. Volle Kraft voraus heißt es vom ersten Song an. Mit Michi Bock, seit Anfang 2018 neuer Mann am Mikro, gibt’s nochmal eine Extraportion Power. Das Hüttenwerk dampft.

Krachende Riffs, fliegende Haare

Bruce Dickinson hätte sicherlich auf dem Konzert von „Iron – Made in Germany“ im Hüttenwerk Michelstadt anerkennend genickt. Was in Vertretung des Iron-Maiden-Shouters Bernd Glomsda am Mikro ablieferte, war aller Ehren wert. Perfekt zauberte er die Knaller der britischen Heavy-Metal-Legende auf die Bühne, dass es sich fast wie das Original anhörte. Oder heutzutage vielleicht fast besser, denn Dickinson schafft die höchsten Höhen von früher nicht mehr.

Nur schaden, dass Glomsdas Stimme in der Abmischung etwas schlecht zu hören ist. Wenn er nicht gerade die Hymnen schmettert, animiert der Sänger das begeisterte Publikum zum Mitsingen. Das ist besonders eindrucksvoll bei „Fear oft he Dark“, als die Meute im sehr gut besetzten Saal selig in ihrem Element ist und dem Dirigenten auf der Bühne willig folgt.

Die fünf Musiker nehmen die euphorischen Fans mit auf eine Zeitreise in die „goldenen“, besten Jahre der Mitbegründer des NWoBHM, des New Wave of British Heavy Metal. Anfang der 80er Jahre räumten Iron Maiden mit ihren Alben so richtig ab. Mit Bruce Dickinson am Mikro kam 1982 der richtige Durchbruch. Mit ihm nahm die Band das Album „The Number of the Beast“ auf.

Der Erfolg bedeutete den weltweiten Durchbruch für Iron Maiden. Es verkaufte sich über eine Million Mal und gilt heute in Fan-Kreisen als Definition des Heavy Metal. Etliche der acht enthaltenen Stücke zählen immer noch heute zu den Klassikern des Genres. „Piece of Mind” und „Powerslave” sind weitere bedeutende Veröffentlichungen aus dieser Zeit.

„Hallowed be thy Name“ und „The Trooper“ am Schluss des Programms waren leuchtende Beispiele dafür, wie das Qunitett die Heroen aus vergangenen Jahren hochleben ließ. Zwei Songs dürfen natürlich nie fehlen: „Run to the Hills“ und „The number of the Beast“ bildeten die Zugaben, auf die jeder gewartet hatte.

Jens Richter und Marco Wandura an den Gitarren eifern den drei Saitenkünstlern des Originals, Dave Murray, Adrian Smith und Janick Gers, bis ins Detail nach. Die melodischen Soli hüllen das Hüttenwerk in einen druckvollen Soundteppich. „Revelations“, „Flight of Icarus“ oder „Where Eagles dare“ zeigen Iron Maiden auf dem Gipfel ihres künstlerischen Schaffens.

Apropos druckvoll: Bassist Steve Harris, das einzig noch verbliebene Gründungsmitglied von 1975, ist in seinen Kreisen eine Legende. Mik Baron, kurzfristig für den verhinderten Jochen Schnur eingesprungen, hat den wummernden Bass bestens drauf. Schlagzeuger Jürgen Rössel wirbelt an seiner Schießbude an Nicko McBrain, der ebenfalls 1982 zur Band dazustieß und bis heute die Drumsticks schwingt.

Musik und Licht an. Weit mehr als 35 Jahre geht’s zurück in die Zeit: „Aces High“, „2 Minutes to midnight“ oder „Children of the damned“ heißen die Klassiker aus der Schaffensphase von 1982 bis 1984, die jedem Fan das Herz höher schlagen ließen. Die Besucher, oft mitgealtetert, aber teilweise noch mit wallender Haarmähne zum Headbangen, sind sofort drin in den Songs. Heavy Metal pur, der einfach nur fetzt, in die Beine geht.

Die Riffs, Breaks und Einsätze sitzen, den fünfen merkt man förmlich die Spielfreude an. Sie wagen sich sogar an Stücke, die das Original kaum auf die Bühne bringt. „Wrathchild“ aus dem Killers-Album von 1981 oder „Running Free“, die allererste Single überhaupt aus dem Jahr 1980 und auf dem Debütalbum „Iron Maiden“ zu finden, beide noch mit dem früheren Sänger Paul di Anno, nehmen die Besucher mit auf eine Zeitreise.

Das macht richtig Laune auf die Originale, die selbst noch nicht genug bekommen haben vom Touren. Vergangenes Jahr war die britische Band bei mehreren Open-Air-Konzerten in Deutschland zu sehen und wird 2020 für ihre „Legacy Of The Beast“-Tour zu vier Terminen zurückkommen. Am 18. Juli beschallen Iron Maiden in Stuttgart die Mercedes-Benz Arena zusammen mit „Airbourne“ und „Lord of the Lost“.

Musikalisch erste Sahne

„Cream“ waren Ende der 60er Jahre das, was man heute eine Supergroup nennen würde. Mit dem Unterschied, dass Eric Clapton, Jack Bruce und Ginger Baker dieses Prädikat auch wirklich verdienten – im Gegensatz zu dem, was sich heute für super hält. Nicht einmal drei Jahre, 1966 bis 1968, spielten die drei Ausnahmecracks zusammen.

Zur „The Nest Cream Show“ haben sich im Heute drei andere Meister ihres Fachs zusammengefunden, die die alten Helden hochleben lassen. Von denen weilt allerdings nur noch einer unter den Lebenden: Eric Clapton, der auch im kommenden Jahr wieder für teures Geld auf Deutschland-Tour geht. Bassist und Sänger Jack Bruce starb bereits vor fünf Jahren, vor kurzem auch Schlagzeuger Ginger Baker.

Bei Ede Keiser, Ali Neander und Thomas Frömming als ihren Protagonisten fliegen natürlich nicht auf der Bühne des Michelstädter Hüttenwerks die Fetzen wie bei den Originalen. Musikalisch zelebrieren die drei ihre großen Vorbilder bis in den letzten Ton, was mitunter exzessive Soli bedeutet. Die altgedienten Hasen aus dem Frankfurter Raum können dabei aus dem Vollen schöpfen, denn sie blicken schon auf einen reichen Erfahrungsschatz zurück.

Keiser etwa bedient die vier Saiten bei der AC/DC-Tributeshow „Hole full of Love“, Gitarrist Ali Neander ist ein Urgestein der „Rodgau Monotones“, wenn er nicht gerade sein eigenes Projekt bespielt, und Drummer Thomas Frömming ist unter anderem bei der Frankfurter Alltime-Bluesinstitution „Matchbox Bluesband“ anzutreffen.

Ali Neander nimmt es mit Humor, dass an diesem Abend ein ausgesuchtes Publikum ins Hüttenwerk gekommen ist. „Herzlich willkommen zur Privataudienz“, begrüßt er die Gäste. Zum einen gibt’s die Tribute Band noch nicht so lange, zum anderen dürfte Cream eine nicht so große Popularität wie andere Rockbands Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre genießen. Wenn etwa Deep Purple gehuldigt wird, sind die Säle im Regelfall deutlich voller.

Wobei das Power-Trio zur damaligen Zeit einige Klassiker produzierte, die auch heute noch auf keiner guten Rock-Playliste fehlen dürfen. „Spoonful“, „Sunshine of your Love“ oder „White Room“ sollten die bekanntesten sein. Allein für sich hätte die Band damit vielleicht gar nicht den Status der Supergroup damaliger Zeiten erreicht. Aber es war die Live-Performance, die für Aufsehen sorgte und damit Clapton, Bruce und Baker in den Musiker-Himmel erhob.

In den Beat-Clubs früherer Zeiten waren die Bands vielleicht gerade einmal 30 Minuten zu hören. Cream spielte ein abendfüllendes Konzert mit Songs fernab jeder Drei-Minuten-Radiotauglichkeit. Es wurden riesige Boxen-Türme aufgebaut. Die Strophe bildete mehr oder weniger nur den groben Rahmen für exzessive Improvisationen. Keiser, Neander und Frömming bringen diesen Aspekt perfekt rüber. Sie treffen den psychedelischen Sound der End-60er.

Auch wenn die Gitarre ganz klar im Vordergrund steht, verschaffen sich die beiden anderen ebenfalls Gehör. Bei Jack Bruce war der Bass nie nur ein reines Rhythmus-Instrument, entsprechend wummernd spielt Keiser ihn auch. Und der menschlich schwierige, aber musikalisch hervorragende Ginger Baker wollte sich sowieso nicht mit dem Status des Ton haltenden Bandmitglieds zufrieden geben. Er ist Protagonist eines exaltierten Schlagzeug-Spiels mit vielen Feinheiten und Facetten.

Wenn sich die drei in minutenlange Solis reinsteigern, Neander ein Brett spielt, wie es von Clapton heute als weichgespülter Solo-Künstler nicht mehr zu hören ist, dann kommt ganz schnell das Feeling der damaligen Zeit auf. Genau wie beim Blick in die Runde, wo einige Zeitzeugen zu erblicken sind, die vielleicht schon damals in den Genuss der Original-Musik kamen.

Nur Clapton konnte damals seinen Ruhm halten, die anderen beiden knüpften nicht wieder an den Superstar-Status an. Dafür spielten 1968 andere Musiker als Vorgruppen von Cream, die danach umso bekannter wurden: Rory Gallagher, Deep Purple oder Yes.

Melodiöse, mystisch-mittelalterliche Klänge von Minotaurus

Mächtige metallische, aber gleichzeitig melodiöse Klänge, etwas mystisch mittelalterlich angehaucht: Was die Band „Minotaurus“ auf die Bühne des Hüttenwerks Michelstadt bringt, ist abwechslungsreich, verspielt, gut gemacht, professionell. Die sechsköpfige Truppe aus dem Odenwaldkreis und dem Aschaffenburger Raum hat an diesem Abend zur großen Feier eingeladen: Die Band gibt es seit 25 Jahren, gleichzeitig ist die neue CD „Victims oft he Underworld“ erschienen.

Minotaurus-Frontmann und Sänger Oliver Klump wird nicht müde, die Fans vor der Bühne zum Mitklatschen und Mitsingen zu animieren. Die Songs haben das Potenzial dazu, denn sie sind – auch wenn die Band ihren Stil als (Folk-)Metal beschreibt – sehr melodisch angehaucht. Reiner Zumkeller aus Hainstadt (Lead-Gitarre und Background-Vocals) hat daran einen großen Anteil. Seine Soli – und die seines Kollegen Jürgen Hermann – kommen warm und voll rüber.

Heavy Metal oder Hardrock mit mittelalterlichen oder Folk-Anklängen ist derzeit sowieso stark angesagt. Saltatio Mortis aus dem Karlsruher Raum sind ein treffendes Beispiel für Gruppen, die den Schritt vom historischen Markt an die Spitze der deutschen Charts längst geschafft haben. Auch „In Extremo“ spielte schon in Wacken. „Leaves Eyes“ mit Mitgliedern aus Ludwigsburg bedienen sich erfolgreich der nordischen Mythologie.

Damit auch die Fans aus der Main-Gegend dabei sein konnten, hatte die Gruppe kurzerhand einen Bus-Shuttle organisiert. Der wurde auch gern von 50 Besuchern angekommen und karrte sie quer durch den Odenwald ins Hüttenwerk. An den vielen Band-T-Shirts ließ sich erkennen, dass sich sowohl die Hörer der ersten Stunde als auch neuere Fans zum Konzert eingefunden hatten.

„25 Jahre Minotaurus, das sind Höhen und Tiefen, wie sie wohl jeder kennt“, erzählt Klump. Angefangen hat das Ganze in einem alten Keller im Hard Rock-Café Aschaffenburg. Schnell wurde aus der Idee, „irgendwie Musik zu machen“, ein Konzept geformt: Es sollte Richtung Fantasy und Mittelalter oder Celtic Folk gehen. Schon entstanden die ersten eigenen Songs. Kleinere und größere Auftritte sowie Achtungserfolge „haben uns weiter angetrieben“, so Klump.

Auch wenn es mal schlechter besuchte Konzerte gab, „konnte uns das nicht aufhalten“. Denn die Mitglieder hatten eine Vision und „verdammt viel Spaß“. Dann kamen der erste kleine Plattendeal und sogar ein erstes Musikvideo. Auch viele Besetzungswechsel bedeuteten keinen Rückschritt. Die Weiterentwicklung war von Album zu Album erkennbar, betont der Sänger.

Die neueste CD „Victims of the Underworld“ dürfte da wohl den Höhepunkt bilden, ist er vom Werk überzeugt. Aufwand, Song-Reife, Struktur und Endergebnis sind bemerkenswert. „Das soll aber nicht die Endstation sein“, hebt Klump hervor. Im Laufe des nächsten Jahres wird ein neuer Videoclip gedreht, kündigt er an.

Während der Minotaurus im Altertum als furchteinflößende Gestalt, halb Mensch, halb Stier, sein Unwesen trieb, hat er heute als Maskottchen der Band eine wesentlich angenehmere Beschäftigung. Mit insgesamt zehn Studioalben hat sich die sechsköpfige Truppe in den letzten 25 Jahren ein solides und abwechslungsreiches Repertoire aufgebaut, das auf der Bühne mit ungebrochenem Enthusiasmus in Rüstungen und Gewandungen dargeboten wird.

Das Gesangsduo an der Spitze, zu dem neben Klump auch Clarissa Hobeck zählt, wird flankiert von einem kraftvollen Instrumentalgespann mit Jürgen Hermann (Gitarre), dem Erbacher Marcus Finger (Bass) und Rouven Zumkeller (Drums) aus Hainstadt. Das Sextett entführt das Publikum in eine faszinierende Welt aus Mythen, Legenden und Heldengeschichten. 25 Jahre, 25 Songs: Die Nacht wurde lang im Hüttenwerk. Es ging zurück in die Anfangszeiten mit dem „Erlkönig“, aber natürlich kamen Stücke aus dem neuen Album wie „Witches Dancing“ ebenfalls zu Gehör. Eine Bereicherung: Regine Brandt auf der Bratsche, die dem Metal einen weichen, melodiösen Klang gibt.

 

Info: Mehr zur neuen CD unter http://www.minotaurus-metal.com

Hüttenwerk wird mit der Seán Treacy Band zum großen irischen Pub

Er ist der Klischee-Ire par excellence: Grünes Hemd, leicht verwuscheltes, schulterlanges Haar, vom irischen Wind zerzaust, verschmitztes Sonnyboy-Lächeln und ein charmantes, singendes Deutsch, versetzt mit englischen Brocken und ein paar weggelachten Wortdrehern: Seán Treacy hat beim irischen Abend im Hüttenwerk leichtes Spiel, das Publikum für sich einzunehmen. Aber nicht nur mit seiner Erscheinung, sondern auch mit der Musik, die er beim Wohnzimmerkonzert mit seiner Band in die gute Stube zaubert.

Gemütliche Bestuhlung, Knabbereien auf dem Tisch, Kerzenschein, Guinness und irische Whiskeys: Das Ambiente stimmt und wird so stark nachgefragt, dass mehr Besucher an die Abendkasse kommen als Plätze vorhanden sind. Kein Wunder, denn von der Premiere mit den „Damen“ dürfte sich der Erfolg herumgesprochen haben. Vorn steht keine Band, die die Lautstärke-Regler bis ultimo aufreißt, sondern die Musik kommt, zum Gutteil akustisch, angenehm ruhig abgemischt aus den Lautsprechern.

Wenn dann mit der Karlsruher Seán Treacy Band vier Musiker aufspielen, die ihr Handwerk verstehen, hinterlässt das einen nachhaltigen Eindruck. Neben dem Bandgründer sind Stefan Buchholz (Cajon), Andreas Bock (Gitarre) und Claus Bubik (Bass) mit dabei. Letzterer dürfte dabei für ein Hallo sorgen, denn er ist ein Urgestein der regionalen Musikszene, der schon mit all ihren Größen zusammengespielt hat.

Irische Balladen, nur von Treacy auf der akustischen Gitarre vorgetragen, fetzige Pub-Songs, Covers bekannter Rock- und Pop-Stücke von dortigen Bands, dazu noch ein paar eigene Stücke aus dem Fundus: Das war eine Song-Zusammenstellung, von einer bestens aufgelegten Band inklusive Pause fast drei Stunden lang auf hohem musikalischem Niveau präsentiert, das einfach nur Laune machte.

Der irische Karlsruher oder Karlsruher Ire hat genau die richtige Stimme für die verrauchten Pub-Stücke. À la Bob Dylan begleitet er sich dabei auch auf der Mundharmonika, steuert filigrane Töne von der akustischen Gitarre bei und hat zu den einzelnen Liedern immer die eine oder andere Geschichte parat. Etwa der Klassiker „Wild Rover“, aus dem „Klaus & Klaus“ vor ein paar Jahrzehnten „An der Nordseeküste“ machten. Sofort wird aus voller Kehle mitgesungen – zum Glück die englische Version.

Mit Stefan Buchholz und Claus Bubik hat der Bandchef zwei Mitspieler im Gepäck, die ihren Heidenspaß beim Auftritt haben. Ständig werden Grimassen geschnitten, wird hinter dem Rücken des „Chefs“ gefeixt und wird er ab und zu auf die Schippe genommen. Die gute Laune ist mit Händen zu greifen, die beiden sind voll drin in ihrer Musik.

Ob es nun „I don’t like Mondays“ von den Boomtown Rats ist, „Dancing in the Moonlight“ von Thin Lizzy oder U2s „I still havent’t found“: Die Band findet immer den richtigen Groove, den richtigen Ton, lässt die Stimmung bei einem ruhigen Stück wie dem „It’s a long way from Claire“ nicht zu sehr in den Keller wandern, sondern hängt gleich einen Gassenhauer wie „Galway Girl“ dran, das mit dem Film „P.S.: Ich liebe dich“ bekannt wurde.

Seán Treacys Bargespräche im Hüttenwerk-Wohnzimmer sind eine Show für sich: Die einzig wahre Liebe kann für einen Iren – klar – nur der Alkohol sein, lacht er über ein Liebeslied. Oder der Pub-Besuch, bei dem man als Fremder kommt und – zwei Tage später – als Freund geht. Die Anfahrt mit dem Quartett vom Neckartal auf der B 45 in den Odenwald muss ein Erlebnis gewesen sein. „Gammelhausen, Günterfürst“ ist Buchholz im Gedächtnis. Und Treacy natürlich „Beer“-felden, bis er bemerkt, dass nicht die englische Schreibweise gemeint ist.

„Sunday, Bloody Sunday“ und „Whiskey in the Jar“ mit einem schönen Solo von Andreas Bock leiten über zur Liebeserklärung an Schottland, „Caledonia”. Dass mit dem Herzschmerz-Song nicht Schluss sein würde, ist klar. Am liebsten hätten die Gäste noch – ganz irisch – in den nächsten Tag weitergefeiert. Das können sie aber bald, denn die Band wird demnächst zwei Mal in Beerfelden auftreten.

Info: Die Seán Treacy Band spielt beim Pferdemarkt Beerfelden am Sonntagabend, 14. Juli, ab etwa 19 Uhr bei der Oberzent-Expo. Bei der Beerfelder Musiknacht am Samstag, 26. Oktober, ist sie ebenfalls mit dabei.