Hüttenwerk wird mit der Seán Treacy Band zum großen irischen Pub

Er ist der Klischee-Ire par excellence: Grünes Hemd, leicht verwuscheltes, schulterlanges Haar, vom irischen Wind zerzaust, verschmitztes Sonnyboy-Lächeln und ein charmantes, singendes Deutsch, versetzt mit englischen Brocken und ein paar weggelachten Wortdrehern: Seán Treacy hat beim irischen Abend im Hüttenwerk leichtes Spiel, das Publikum für sich einzunehmen. Aber nicht nur mit seiner Erscheinung, sondern auch mit der Musik, die er beim Wohnzimmerkonzert mit seiner Band in die gute Stube zaubert.

Gemütliche Bestuhlung, Knabbereien auf dem Tisch, Kerzenschein, Guinness und irische Whiskeys: Das Ambiente stimmt und wird so stark nachgefragt, dass mehr Besucher an die Abendkasse kommen als Plätze vorhanden sind. Kein Wunder, denn von der Premiere mit den „Damen“ dürfte sich der Erfolg herumgesprochen haben. Vorn steht keine Band, die die Lautstärke-Regler bis ultimo aufreißt, sondern die Musik kommt, zum Gutteil akustisch, angenehm ruhig abgemischt aus den Lautsprechern.

Wenn dann mit der Karlsruher Seán Treacy Band vier Musiker aufspielen, die ihr Handwerk verstehen, hinterlässt das einen nachhaltigen Eindruck. Neben dem Bandgründer sind Stefan Buchholz (Cajon), Andreas Bock (Gitarre) und Claus Bubik (Bass) mit dabei. Letzterer dürfte dabei für ein Hallo sorgen, denn er ist ein Urgestein der regionalen Musikszene, der schon mit all ihren Größen zusammengespielt hat.

Irische Balladen, nur von Treacy auf der akustischen Gitarre vorgetragen, fetzige Pub-Songs, Covers bekannter Rock- und Pop-Stücke von dortigen Bands, dazu noch ein paar eigene Stücke aus dem Fundus: Das war eine Song-Zusammenstellung, von einer bestens aufgelegten Band inklusive Pause fast drei Stunden lang auf hohem musikalischem Niveau präsentiert, das einfach nur Laune machte.

Der irische Karlsruher oder Karlsruher Ire hat genau die richtige Stimme für die verrauchten Pub-Stücke. À la Bob Dylan begleitet er sich dabei auch auf der Mundharmonika, steuert filigrane Töne von der akustischen Gitarre bei und hat zu den einzelnen Liedern immer die eine oder andere Geschichte parat. Etwa der Klassiker „Wild Rover“, aus dem „Klaus & Klaus“ vor ein paar Jahrzehnten „An der Nordseeküste“ machten. Sofort wird aus voller Kehle mitgesungen – zum Glück die englische Version.

Mit Stefan Buchholz und Claus Bubik hat der Bandchef zwei Mitspieler im Gepäck, die ihren Heidenspaß beim Auftritt haben. Ständig werden Grimassen geschnitten, wird hinter dem Rücken des „Chefs“ gefeixt und wird er ab und zu auf die Schippe genommen. Die gute Laune ist mit Händen zu greifen, die beiden sind voll drin in ihrer Musik.

Ob es nun „I don’t like Mondays“ von den Boomtown Rats ist, „Dancing in the Moonlight“ von Thin Lizzy oder U2s „I still havent’t found“: Die Band findet immer den richtigen Groove, den richtigen Ton, lässt die Stimmung bei einem ruhigen Stück wie dem „It’s a long way from Claire“ nicht zu sehr in den Keller wandern, sondern hängt gleich einen Gassenhauer wie „Galway Girl“ dran, das mit dem Film „P.S.: Ich liebe dich“ bekannt wurde.

Seán Treacys Bargespräche im Hüttenwerk-Wohnzimmer sind eine Show für sich: Die einzig wahre Liebe kann für einen Iren – klar – nur der Alkohol sein, lacht er über ein Liebeslied. Oder der Pub-Besuch, bei dem man als Fremder kommt und – zwei Tage später – als Freund geht. Die Anfahrt mit dem Quartett vom Neckartal auf der B 45 in den Odenwald muss ein Erlebnis gewesen sein. „Gammelhausen, Günterfürst“ ist Buchholz im Gedächtnis. Und Treacy natürlich „Beer“-felden, bis er bemerkt, dass nicht die englische Schreibweise gemeint ist.

„Sunday, Bloody Sunday“ und „Whiskey in the Jar“ mit einem schönen Solo von Andreas Bock leiten über zur Liebeserklärung an Schottland, „Caledonia”. Dass mit dem Herzschmerz-Song nicht Schluss sein würde, ist klar. Am liebsten hätten die Gäste noch – ganz irisch – in den nächsten Tag weitergefeiert. Das können sie aber bald, denn die Band wird demnächst zwei Mal in Beerfelden auftreten.

Info: Die Seán Treacy Band spielt beim Pferdemarkt Beerfelden am Sonntagabend, 14. Juli, ab etwa 19 Uhr bei der Oberzent-Expo. Bei der Beerfelder Musiknacht am Samstag, 26. Oktober, ist sie ebenfalls mit dabei.

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Hits der Neuzeit im Sound der 50er Jahre von der Rockabilly-Band „The Riwwels“

„Unsere Herkunft ist so verstreut wie unser Musikgeschmack“, lächelt Gitarrist Manuel Jörg. Wobei die räumliche Nähe noch eher gegeben sein dürfte als die musikalische. Denn alle Mitglieder der Rockabilly-Band „The Riwwels“ kommen aus dem Odenwald. Der Name entstammt der Urform „Merwes und die Riwwelkuche“. Nach einigen Personaländerungen ist das Beste vom Riwwelkuche übrig geblieben, schmunzelt der aus Frankfurt nach Hering (Otzberg) zugezogene: eben „The Riwwels“.

Seine Kollegen zeigen die ganze Vielfalt des Odenwaldkreises. Dirk Allman (Kontrabass/Vocals) kommt aus Vielbrunn, Bernd Heimer (Piano/Akkordeon) ist in Breuberg zuhause, Rainer Rapp (Drums) in Sandbach und Sängerin Judith Weimar, die auch Saxophon spielt, nennt den Brombachtaler Ortsteil Birkert ihre Heimat – ein sehr musikalisches Dorf, denn dort wohnen auch zwei Mitglieder der Depeche-Mode-Coverband „Depeche Reloaded“.

Ziel der Bandgründung war es laut Jörg, „sich aus der großen Menge der Musikschaffenden abzuheben und trotzdem eine breite Gruppe an Leuten anzusprechen“. Dabei war den Riwwels die kreative Komponente besonders wichtig, um nicht nur bekannte Lieder möglichst originalgetreu nachzuspielen, sondern sie mit eigener Note zu interpretieren, betont der Neu-Heringer. Kreativität sollte zum festen Bestandteil des Repertoires werden. Gesagt, getan.

Da Dirk Allmann Brian Setzer, Louis Prima und Bill Haley schon als Jugendlicher an der Wand hängen hatte und Rainer Rapp „bereits mit pomadisierter Tolle auf die Welt gekommen ist“, war die Idee naheliegend, Hits der Neuzeit in den Sound der 50er zu transportieren. „Rockabilly reißt mit seinem Groove, seinem Sound und seiner flockigen Leichtigkeit alle Generationen mit“, hat er beobachtet.

Gute Laune ist dabei garantiert, stellen die fünf Musiker bei den Konzerten fest. Oft ergreift das Kopfwippen der Zuhörer beim ersten Song mit der Zeit den ganzen Körper und „am Ende gibt es niemanden mehr, der nicht voll mitgeht“. Die Rückmeldungen der Fans sind euphorisch: „Überwältigend“, „überragend“, „vor allem in der Vielseitigkeit unübertroffen“.

Nicht nur für den Gitarristen, auch für den Rest der Truppe hat Rockabilly eine ganz besondere Faszination. Denn das Genre bildet den Grundstein für so viele Musikrichtungen, „dass die Bandbreite, die sich daraus ergibt, schier endlos erscheint“. Das Gerüst bildet ein schneller Blues, erläutert Jörg. „Nimmt man in der Hauptstimme ein paar Sexten dazu, landet man im Country-Feeling und dreht man alternativ den Zerrgrad der Gitarre hoch, wird ruckzuck Heavy Metal daraus.“

Das nennt er auch als Grund, warum sich die fünf, die aus „wirklich allen Bereichen der Musik stammen“, zusammengefunden haben. „Was bei keinem von uns freiwillig aus den Boxen kommt, ist HipHop und Techno“, gibt es eine klitzekleine Einschränkung. Bernd Heimer stand schon in frühester Kindheit auf der Bühne. Er war später an Posaune und Akkordeon in der Bigband der Jugendmusikschule zu hören. Rainer Rapps Schlagkünste liefern außerdem die Rhythmen bei der Partyband „Heimlichgut“, lacht der Gitarrist. Beide haben ihre Heimat im Schlager.

Judith Weimar hat mit ihrer klassischen Gesangsausbildung bei Musicals mitgewirkt. Ihr Organ war in diversen Funk-, Soul- und Rock-Coverbands zu hören, so war sie 15 Jahre bei „Hiptown“ und lange Zeit bei „Next Wave“ aktiv. Dirk Allmann hatte im vergangenen Jahr sein 30. Bühnenjubiläum. Er betourte mit „Billy and the lucky boys“ in den 80/90ern ganz Deutschland. Mit seinem Nebenprojekt „Fistfulofchili“ huldigt er den Red Hot Chili Peppers. Als Toningenieur beim ZDF ist zusätzlich für den guten Klang zuständig.

Manuel Jörg ist überzeugter Heavy-Metaller und hat jahrelang mit seiner ehemaligen Band „Dystonia“ Songs im Stil zwischen Creed, Metallica, StoneSour und Disturbed geschrieben und stand damit schon auf größeren Bühnen wie der Frankfurter Batschkapp. Die (musikalisch) harte Saite lebt der Gitarrist heute in seinem Nebenprojekt „Schobbeschubbe“ aus.

Info: Die „Riwwels“ treten am Samstag, 27. April, um 21 Uhr bei der Groß-Umstädter Musiknacht in der „Goldenen Krone“, Markt 7, auf. Sie bestreiten außerdem am Freitag, 12. Juli, ab etwa 19 Uhr die musikalische Unterhaltung am Eröffnungsabend der Oberzent-Expo während des Beerfelder Pferdemarkt. Mehr unter www.the-riwwels.de

Depeche Mode als Lebensgefühl

In Sachen Depeche Mode macht Hermann Rang keiner so schnell etwas vor. Der Sänger aus dem Brombachtaler Ortsteil Birkert ist ein eingeschworener Fan der britischen Synthie-Rock- und Pop-Gruppe, eine der erfolgreichsten Bands der Welt. Im Odenwald hat Rang ein paar Gleichgesinnte gefunden, die mit ihm als „Depeche Reload“ die Musik von Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher perfekt bis ins Detail inszenieren.

Mit seinem Faible für Depeche Mode wurde Hermann Rang mehrere Male bei ihm vorstellig, erinnert sich Marco Müller. Die Wege sind kurz, denn auch er wohnt im 250-Seelen-Dorf Birkert. „Hermann ist, seit ich ihn kenne, absoluter Hardcore-Fan“, schmunzelt der Schlagzeuger. 2001 kam er dann selbst in den Genuss eines Live-Erlebnisses und „war schwer begeistert von der Umsetzung der Elektrodrums durch ein akustisches Drumset“. Müller dachte sich: „So einen Job würde ich auch gerne mal machen.“ Es sollte aber noch ein paar Jahre dauern. 2006 war der Zeitpunkt da: „Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Band mehr und wir sind zusammen das Projekt angegangen.“

„Die Band ist fesselnd“, sagt nicht nur Marco Müller über Depeche Mode. „Im Publikum stehen Leute von 20 bis 70 Jahre“, beobachtet er – was der Musiker sonst so nicht kennt. Je mehr man sich mit den Liedern befasst, „desto interessanter werden sie“, erläutert er. Die anderen Bandmitglieder haben zwar ihre musikalische Heimat teilweise ganz woanders, sind aber nicht eingefahren. Alles wird gerne gehört, so lange es gut gespielt und umgesetzt wird, erklärt der Mann aus Birkert. Das reicht von Klassik über Pop, Rock, Metal, Jazz, Funk und Soul bis hin zum „einfachen“ Gesangschor.

Außer Hermann Rang, für den es nur Depeche Reload und sonst nichts gibt, haben die anderen noch weitere Standbeine. Keyboarder Axel „Aji“ Imhof aus Weiten-Gesäß ist in etlichen regionalen Bands mit dabei wie Another Livetime, die Hausband des Hüttenwerks, Stargate oder Blasser Bertram. Der Erbacher Sven Kuhl (Gitarre/Keyboard) zupft die Saiten bei Simple Live, Jumping Jack und Bitter Sweet.

Bassist Markus Kosch aus Linsengericht (bei Gelnhausen), auch am Keyboard aktiv, spielt alles von Rock bis Lederhose. Und Marco Müller nennt als weitere Betätigungsfelder Simple Live, Mindweb, Leaving Paradise, Reckoning und Meloy Valley. Im Durchschnitt, so Müller, „macht jeder von uns schon seit 30 Jahren Musik“.

Der Titel als „Hessens beste Tribute Band“ aus dem Jahr 2009 zeigt, dass hier Profis am Werk sind, die ihre Sache beherrschen. Dass die Bandmitglieder aus dem Odenwald kommen, verschafft ihnen einen unübersehbaren Heimvorteil. Aber auch ohne die Wurzeln in der Region machen der authentische Sound, das Bühnenbild und das Outfit des Quintetts deutlich, dass hinter der Sache mehr steckt als nur reine Covermusik.

Schon bei den ersten Songs, etwa „Policy of Truth“ oder „Strange Love“, sind die Fans kräftig dabei. Das ändert sich auch im Verlauf eines dreistündigen Konzerts nicht. Im Gegenteil. Wenn die Klassiker wie „Personal Jesus“, „Just Can’t Get Enough“, „Enjoy The Silence“, „People are people“ oder „Master and Servant“ angespielt werden, gibt es kein Halten mehr. Erst nach 30 und mehr Songs werden die Musiker von der Bühne gelassen.

Wenn Depeche Reload irgendwo auftritt, sind die Zuschauer begeistert. Oft sind die Locations wie vor kurzem das Rex in Bensheim oder der Colos-Saal in Aschaffenburg mit mehreren hundert Leuten ausverkauft. Marco Müller zeigt sich davon total begeistert. „Weil wir eine echte Live-Band sind, begeistern wir sogar Leute, die eigentlich ‚nur‘ AC/DC hören“, freut er sich.

Denn die meisten Depeche-Mode-Coverbands lassen sehr viel im Hintergrund aus der Konserve laufen, erläutert er. Der eigene Anspruch ist jedoch sehr hoch. „Wir spielen die Musik komplett live“, betont Müller. Quasi „liver“ als das Original selbst. In dieser Band zu spielen, ist, wie wenn man ein anderes Instrument neu lernt, ohne seines zu wechseln, erzählt der Drummer. Und das alles nur nebenbei. Jedes Bandmitglied hat seinen festen Job, zwei sind sogar selbstständig.

Info: Depeche Reload tritt am Freitag, 5. April, im Forum Friedrichsdorf (Hochtaunus) auf, am Samstag, 4. Mai, im Rind Rüsselsheim. Mehr unter http://www.depeche-reload.de

„Bounce“ lässt Bon Jovi in den Odenwald kommen

Nur zwei Mal sind die Rock-Giganten von Bon Jovi in diesem Jahr in Deutschland zu sehen, allerdings weit entfernt vom Odenwald. Zum ersten Mal seit sechs Jahren ist die Truppe um den gleichnamigen Sänger damit auf ihrer „This House Is Not For Sale-Tour“ wieder live in Europa unterwegs. Da trifft es sich gut, dass es eine Coverband wie „Bounce“ gibt, die seit 18 Jahren dem Original bis auf den Ton genau nacheifert. Die Qualität des Quintetts hat sich herumgesprochen: Das Hüttenwerk platzte aus allen Nähten. So voll sieht man den Club sonst sehr selten. Selbst Lokalmatadoren schaffen es kaum, diese eng im Saal zu erzeugen.

Die restlos begeisterten Fans konnten nicht genug bekommen. Zugabe um Zugabe schallte es nach Ende des regulären Sets gen Bühne. Von so viel Feedback mehr als angetan, ließ sich der Fünfer gerne bitten. Allen voran Sänger Oliver Henrich, der sich ab und zu auch die zweite Gitarre schnappt. Er beherrscht charismatisch die Bühne, animiert die nur zu gerne zu begeisternden Gäste und verausgabt sich so total, dass er zum Schluss schweißgebadet, mit klatschnassen Haaren, die Klamotten am Leib klebend, die Welthits einen nach dem anderen rausschreit.

Schreien trifft es ein wenig: Henrich, der in vergangenen Jahren das Original fast an die Wand sang, hatte dieses Mal seine Probleme, die höchsten Töne zu erreichen und beim einen oder anderen Song stimmlich durchzuhalten. Das hörte man schon besser vom Shouter. Entweder die 65 Konzerte im Jahr mit „Bounce“ schlauchen auf die Dauer doch oder er war an diesem Abend gesundheitlich etwas angeschlagen. Denn auch mit Ansagen – außer den üblichen Mitsing-Animationen gen Publikum – hielt er sich zurück.

All das tat aber der überschäumenden Stimmung keinen Abbruch. Schon bei „Have a nice day“ gehen alle Hände in die Höhe, was sich bei den folgenden Mitgröl-Songs fortsetzt. Wie Henrich dabei die Zuschauer im Griff hat, die gesamte Breite der Bühne für seine Darstellung nutzt, raumfüllend mit vollem Körpereinsatz agiert, das ist schon einsame Klasse. Der Sound war bisschen Bass- und Bassdrum-lastig, aber zum Glück Stimme und Gitarre gut vernehmbar.

Nichts ist bei der Coverband von den weichgespülten Rockern bemerkbar, als die sich die Originale manchmal geben. Es fetzt, es knallt, es rockt, es hämmert, die Lieder werden so schnell angespielt, dass auch die Balladen richtig Drive bekommen. Das macht sich vor allem im zweiten Set bemerkbar, als „Bounce“ nach einem eher „gemäßigten“ Start wie entfesselt aufspielt.

Ein absoluter Knaller ist das unvermeidliche „Runaway“, das inzwischen mehr als 35 Jahre auf dem Buckel hat und der Startschuss für die beispiellose Karriere war. Kaum hat Keyboarder Johannes E. Brunn die ersten charakteristischen Töne angestimmt, geht ein Jubel durch die Menge, gibt es kein Halten mehr. „Raise your hands“ hatte im ersten Set bereits die Fans in Ekstase versetzt.

„In these Arms“, „Dry county“, „Bad Medicine“, „You give love a bad name“ oder „Born to be my baby“ wiederum sind Songs, bei denen sich die Band so richtig austoben kann. Gitarrist Jens Rösel spielt ein ums andere Mal (Ex-Gitarrist) Richie Sambora den Rang ab, während Tommylare am Bass und Olav Quick am Schlagzeug die homogene Rhythm-Section bilden. Weitere Kracher aus früheren Zeiten, die ebenfalls von der überschäumenden Stimmung getragen werden, sind „Keep the Faith“, „Always“ oder „Bed of Roses“.

„Livin on a prayer“ und „Wild in the Streets“ sollten den Abend eigentlich beschließen, aber so schnell lässt die Meute keinen gehen. Eine kurze Bandabsprache und schon rockt „I’ll be there for you“ los. Das wird bis zur Erschöpfung exzessiv zelebriert, unter Einsatz der letzten Kräfte, mit Einbindung des lauthals mitsingenden Publikums, und bildet einen grandiosen Abschluss der Rocksause.

Info: „Bounce“ tritt in der Region wieder beim Open-Air der Schmucker-Brauerei Mossautal am Freitag, 28. Juni, auf. Zuvor ist die Band unter anderem in der Scheuer Idstein am Freitag, 12. April, zu sehen. Mehr unter www.bonjovitribute.de.

Ein Rock’n’Roll-, Pyro- und Lichtgewitter mit der Kiss-Tribute-Band im Hüttenwerk

Der Zeitpunkt passt: Im Frühsommer gehen die Meister der Rock’n’Roll-Show schlechthin, „Kiss“ auf große Europatour. Da haben Kiss-Tribute-Bands derzeit Saison. Mehrere touren derzeit durch die Republik, sodass die Auswahl schwer fällt, welche man besucht und welche die beste davon ist. Es ist die große Show, die zählt, denn musikalisch war der Vierer aus den Staaten ja noch nie der Weisheit letzter Schluss. Aber gepaart mit der vielen Schminke, den Pyro-Effekten, bei denen es einem ganz warm um die Nase wird, und schließlich einem Gewitter an Licht- und Soundeffekten wird daraus ganz großes Kino.

Wie eben bei der Tribute-Band aus dem südhessischen Raum, die jetzt im Hüttenwerk anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens vor einem sehr ansehnlichen Publikum auftritt. Die nahende Rückkehr der alten Haudegen zieht eben. Zum Schluss hin kommen sie dann alle, die ganzen Klassiker, die „Kiss“ weltberühmt gemacht haben. Einen Hit nach dem anderen spielt die Band perfekt wie das Original, versetzt die Fans in Entzücken. Über 40 Jahre zurück in die Zeit führt die Tour, die natürlich aber nicht nur Material aus den Anfangsjahren beinhaltet.

„You wanted the best, you got the best. The hottest band in the world. Kiss”, schallt es beim Intro aus den Lautsprechern. Was nicht übertrieben war. Denn was die vier Musiker auf der Bühne zaubern, wie sie die „Kiss“-Show abziehen, wie sie sich optisch und musikalisch dem Original perfekt nähern, ist schon eine Klasse für sich. Allein das Outfit ist eine Wucht. Und bestimmt sehr heiß unter den vielen Scheinwerfern, die zwischenzeitliche Feuershow mal ganz außen vor gelassen.

Silberne, hohe Plateauschuhe, eine Art futuristischer Mars-Anzug, Feldermaus- oder Katzenoutfit und natürlich die perfekt sitzende Schminke: Fertig ist „Kiss“. Dazu noch die Bühnenanimation wie bei den Originalen und keiner merkt, dass hier die Epigonen auf der Bühne stehen, die es aber ebenso gut drauf haben. Ulric Wurschy (Rhythmus-Gitarre/Lead Gesang) imitiert Frontmann Paul Stanley schlichtweg perfekt.

An der Länge seiner Zunge muss Ullrich Rauch (Bass/Gesang) noch arbeiten. Sein Gene Simmons ist aber ansonsten mit Fledermauskostüm und Körperumfang dem omnipräsenten Kiss-Bassisten angelehnt. Tobi Bartel (Lead Gitarre/Gesang) steht dem Meister Ace Frehley auf den sechs Saiten in nichts nach. Immer wieder haut er die bekannten Gitarrenriffs raus, dass es eine wahre Wonne ist.

Der Mann im Hintergrund sorgt nicht nur für den perfekten Rhythmus, sondern darf auch zwei Mal stimmlich ran: Max Friedrich (Drums/Gesang) hat seinen Peter Criss bis ins Letzte verinnerlicht. Das Schlagzeugspiel sorgt für den ordnenden Rahmen der überbordenden Songs von Musik-Exzentrikern. Es muss blinken, glitzern, leuchten, krachen, dann ist es „Kiss“. Die Bühnenshow ist für eine Coverband von allererster Sahne. Zwischendurch gehen auf den Seiten die Feuer hoch, dass die Wärme noch hinten im Saal zu spüren ist, und lässt Bartel seine Gitarre qualmen.

Und natürlich ist die Musik nicht vergessen: Irgendwo hat man die meisten Songs schon einmal gehört, wenn sie auch nicht alle im Gedächtnis haften geblieben sind. Trockeneis wabert in Massen durch die Luft, als die Band „Lick it up“ anstimmt. Der treibende Rhythmus und der mehrstimmige Gesang machen „Love gun“ zum Kracher.

Etwas sperriger sind die Songs mit Gene Simmons, pardon Ulli Rauch, am Mikro. „I love it loud“ ist ein solches. „Shout it out loud“ stimmt schon ein auf das, was die Band von den Gästen danach erwartet: dass sie Kiss-Hymne „God gave Rock’n’Roll to you“ lauthals mitsingen.

Der Schluss inklusive Zugabe ist quasi ein „Best of Kiss“. Erst „Black Diamond“, und dann nach „Beth“ das wummernde „Detroit Rock City“. Toppen lässt sich solch ein Song nur noch mit dem, worauf alle schon warten: „I was made for lovin‘ you“. Einer geht danach doch noch: „Rock and Roll all nite“ trifft genau den Nerv und beschreibt das Lebensgefühl der Musiker, die auf der Bühne ihre Helden leben.

Info: Die Kiss-Tribute-Band spielt das nächste Mal am Samstag, 4. Mai, in Groß-Umstadt am Max-Planck-Gymnasium. Mehr unter http://www.kiss-tribute-band.com

„Betty and the Daltons“ sind mit Country & Western im wilden Odenwald unterwegs

Endlose Weiten, durch die der Sand gepeitscht wird, ein paar mäandernde trockene Büsche, dazu noch karge Felsformationen, durch die sich ein einsamer Reiter mit Zigarre im Mundwinkel, vermacktem Hut und Lederponcho quält: soweit das deutsche Western-Klischee, genährt durch Karl May und Clint-Eastwood-Filme. „Betty and the Daltons“ zeichnen ein ganz anderes Bild von Country & Western. Das im vergangenen Jahr gegründete Trio aus Erbach und Michelstadt nimmt sich selbst nicht so ernst, hat viel zu lachen und noch mehr Spielfreude.

Bettina „Betty“ Finger, Dirk Freitag und Markus Fabian spielen zum Teil mit verwegenen Instrumenten wie Waschbrett, Autoharp, Steelguitar und Banjo einen Mix von Common Linnets bis Johnny Cash, angereicht mit CCR, Kris Kristofferson oder John Denver. Man sieht: Es gibt nicht nur Country, sondern auch Western, gepaart mit ein paar Pophits wie „Lay down Sally“ von Eric Clapton.

Mastermind hinter der Truppe ist Markus Fabian aus Michelstadt. Gitarrist, Sänger, Bassist, Ukulele- und Mandolinespieler, Steelgitarrist, Schlagzeuger, Songwriter, Komponist und Producer:  Der Mann ist seine eigene Ein-Mann-Kombo in Personalunion. Dazu ist er im Odenwald musikalisch bekannt wie ein bunter Hund durch seine Arbeit mit Herr Fabian, Onkel Bob oder Undercure.

„Für mich zählt, dass wir sehr viel Spaß miteinander haben und ich verschiedene, auch ausgefallene Instrumente spiele“, betont Fabian. Es ist innerhalb eines halben Jahres eine auftrittsfähige kleine Band entstanden, die „nicht sooo perfekt ist“, grinst er – „aber dennoch beim Odenwälder Publikum einen Nerv getroffen hat“. Scheinbar gibt es viele Menschen, die Country und Folk „wie wir es darbieten“, gerne mögen.

Die Bandgründung geschah durch äußere Einflüsse: „Wild Bill‘s Saloon“ hatte in Erbach aufgemacht und „ich wollte gerne mal dort spielen“, erinnert sich der Musiker. Da dort aber nur Country und Western reinpasst, überlegte er, wie das anzustellen wäre. Da kam er auf Dirk Freitag und Bettina Finger: „Betty and the Daltons“ waren geboren. Es wurde ein Programm aufgebaut, überlegt, was zu welchem Stück passt und „wie wir uns bei jedem Stück sinnvoll und abwechslungsreich ergänzen können“. Das Ergebnis kommt an.

Für Bettina Finger ist Country „eine tolle Musik”, die so gar nichts mit dem Schlagerklischee zu tun hat. Gerade Johnny Cash und June Carter haben für sie „super Songs“ geschrieben und darin ihr Leben verarbeitet. „Das sind meine Vorbilder“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Darin werden so schöne Liebesgeschichten erzählt.“ Finger gefällt daneben die große Vielseitigkeit, die mit den verschiedenen Instrumenten zum Ausdruck kommt.

30 Jahre zupfte sie nur die Gitarre, jetzt ist die Musikerin vielfältig und –saitig unterwegs. Auf Anregung vom Markus Fabian („mach mal“) beschäftigt sie sich auch mit Bass, Ukulele, Autoharp, Waschbrett und Banjo. „Ich kann das nicht gut, aber spiele trotzdem alles“, lächelt sie. Der Instrumententausch „ist witzig und macht Spaß“, erzählt Bettina Finger. Es passiert vieles, auch Unvorhergesehenes.

„Dass ich auf meine alten Tage noch einmal auf der Bühne stehe, hätte ich mir auch nicht gedacht“, kokettiert die Erbacherin mit ihrer Lebenserfahrung. Denn öffentlich wirkte sie bisher nicht in Bands mit. „Seit neun Jahren wird lediglich im Wohnzimmer auf der Couch gejammt oder auf Geburtstagen gespielt.“ Jetzt hat sie mit Leitwolf Markus Fabian als altem Hasen Freude an den Auftritten gefunden.

Dirk Freitag ist musikalisch ein Spätzünder. Erst über seinen Sohn kam er vor viereinhalb Jahren in Kontakt mit Sebastian Schimmer von „Oel“, der quasi sein Mentor auf der Gitarre ist. Banjo, Bass und Waschbrett kamen in neuester Zeit hinzu. „Westernmusik mochte ich schon immer“ bekennt er. Emotionen, Romantik, ein Hauch von Abenteuer, dazu noch Liebe, Drama, Eisenbahn: „Es macht einfach Spaß, darüber zu singen“, erläutert der Erbacher. Die Auswahl der Instrumente ist für ihn faszinierend.

Info: Die Country-Night mit Western-Büffet und Musik von „Betty and the Daltons“ findet am Samstag, 13. April, ab 18 Uhr im Gasthaus „Zum Ross“ Ober-Mossau statt. Platzreservierung unter 06061-2398 oder E-Mail dirk.freitag@freitagsfeines.de. „Wandern und Wein“ heißt es am 1. Mai, 14 Uhr, im Dorfgemeinschaftshaus Steinbuch mit dem Trio. Mehr unter www.backstagepro.de/betty-und-die-daltons

„Coversnake“ huldigt im Hüttenwerk David Coverdale

Emmo Acar ist die perfekte Rampensau. Der Mann hat den Blues in der Stimme. Wenn der Voice-of-Germany-Teilnehmer von 2015 einen auf David Coverdale macht, steht auf der Bühne die eindeutig bessere Version des ehemaligen Deep-Purple- und Immer-Noch-Whitesnake-Sängers. Denn der inzwischen 67-jährige Rockshouter hat wie manche seiner Kollegen (siehe Axl Rose) leider nicht erkannt, dass man es irgendwann mit dem Singen lassen sollte, wenn man die Töne nicht mehr trifft. Dafür gibt es dann so perfekte Klone wie „Coversnake“, die im Hüttenwerk die Heroen in bestem Licht erscheinen lassen.

Wenn der 25-jährige Acar auf die Bühne rauscht, spürt das Publikum sofort seine ungeheure Präsenz. Es ist, als stünde der Deep Purple- und Whitesnake-Sänger selbst vorn und schreit sich wie in den besten Jahren die Seele aus dem Leib. Mit viel Power, groovend, bluesig, röhrend, rockig und in den höchsten Tönen nähert er sich der Rocklegende ganz, ganz nahe, hat dazu noch die richtigen Bewegungen und das zweideutig-eindeutige Spiel mit dem Mikro-Ständer perfekt darauf.

Die Instrumental-Sektion aus dem Darmstädter und südhessischen Raum mit Bobby Stöcker (Lead Guitar/Gesang), Jochen Schnur (Bass/Backing Vocals), Axel Balke (Keyboards/Backing Vocals), Martin Ulrich (Rhythmusgitarre) und Jürgen Lucas (Schlagzeug) liefert den perfekten Sound hinter dem eindrucksvollen Gesang. In dieser Besetzung sind die sechs Musiker ganz nah an der klassischen Whitesnake-Besetzung der ersten vier, fünf Jahre, als mit Jon Lord (Keyboards) und Ian Paice (Drums) gleich zwei ehemalige Deep-Purple-Mitstreiter zu Coverdales Truppe stießen.

Für eingefleischte Fans sind die Songs aus dieser Ära sowieso die Besten. Whitesnake boten mit Micky Moody und Bernie Marsden an den Gitarren einen rohen, ungehobelten Blues bei „Fool for Your Loving”, „Ready an‘ Willing”, „Ain’t No Love in the Heart of the City” oder „Don’t Break My Heart Again“. Genau das kommt auch auf dem Konzert im gut besuchten Hüttenwerk rüber, wo die Coberband nach ihrer Gründung vor vier Jahren durch Mastermind Bobby Stöcker bereits zum vierten Mal auftrat.

Deep Purple, Led Zeppelin, Dio, Rainbow oder eben Whitesnake sind für Stöcker „die“ Rockstars schlechthin. Deshalb war es für den 49-Jährigen naheliegend, eine Coverband zu gründen, die David Coverdale huldigt. „Das ist einfach meine Lieblingsmusik“, sagt er. Leider, bedauert er, bedient sie doch eine gewisse Nische. „Aber wenn die Veranstalter uns einmal gehört haben, sind sie überzeugt“, freut er sich.

Dankbarerweise konzentriert sich Coversnake mehr auf die frühen Jahre Ende der 70er bis Ende der 80er, als die weiße Schlange noch mehr Bluesrock-orientiert war als später. Der Klassiker „Live in the Heart of the City“, 1980 als Doppel-Album erschienen, bietet ein Stück weit Orientierungsrichtlinie. Natürlich dürften aber spätere Hits wie „Still of the Night“, bei denen John Sykes die Saiten zupfte, nicht fehlen.

Spätestens als danach die ersten Klänge des wohl bekanntesten Whitesnake-Stücks aus vergangenen Tagen, „Here I go again“, erklingen, gibt es kein Halten mehr. „Crying in the rain“, „Give me all your love“ oder „Slide it in“ aus der erfolgreichsten Bandphase Mitte der 80er Jahre machen den Sack zu. Wer vor der Zugabe noch gemeint hatte, besser geht nicht mehr, den belehrten zwei weitere Songs eines Besseren.

Schon als die ersten Töne von „Mistreated“ zu hören sind, kennt die Begeisterung keine Grenzen. Acar gibt alles, geht an seine höchsten Ton-Grenzen, kann das ganze Volumen seiner klangvollen Stimme ausschöpfen. Es ist, wie wenn die Zeit vor viereinhalb Jahrzehnten stehengeblieben wäre, als das legendäre Deep-Purple-Album „Burn“ mit der Mark III-Besetzung herauskam, auf dem auch dieser Song mit Coverdale am Mikro zu finden ist. Genau dieses „Burn“ rockt zum Schluss die Halle kurz vor Mitternacht in einer Form, dass es jetzt auch dem allerletzten in den Gliedern zuckt.

Info: „Coversnake“ tritt wieder am 7. September, 20 Uhr, im Colos-Saal Aschaffenburg auf. Mehr unter http://www.coversnake.com

Zum Bericht geht's hier: https://hirschhorner.wordpress.com/2019/02/13/coversnake-huldigt-im-huettenwerk-david-coverdale/

Posted by Neckartal-Nachrichten on Wednesday, February 13, 2019