Königliche Hommage an den unvergessenen „King“

Andreas Stolzenthaler ist der King. Andy King. Mit seinen Memphis Riders bietet er im Hüttenwerk eine Hommage an den echten „King“, Elvis Presley, die optisch und musikalisch vom Feinsten ist. In 50 Liedern setzt er dem viel zu früh verstorbenen Entertainer ein großes Denkmal und begeistert seine Fans, die von Anfang an voll dabei sind und den einen oder anderen Rock’n’Roll-Tanz aufs Parkett legen. Nur ein paar mehr Elvis-Begeisterte hätten den Weg finden dürfen.

In der weißen Elvis-Kluft, wie man sie aus den Auftritten kennt, mit Schlaghose, Glitzer und überdimensionalem Gürtel, dazu die bekannte Elvis-Frisur mit den Koteletten und den charakteristischen Bewegungen, schafft Stolzenthaler die perfekte Illusion. Stimmlich hat er alle Facetten des King drauf. Jürgen Herb (Drums), Norbert Maisch (Keyboard), Richard Wagner (Lead Guitar) und Steffen Andres (Bass) im 60er-Jahre-Fummel runden das Bild ab.

Viva Las Vegas, Jailhouse Rock, Love Me Tender, Hound Dog oder In The Ghetto: Die Band hatte die zeitlosen Hits einfach alle drauf. Von den frühen Jahren über die Filmauftritte bis hin zu den späten Shows reichte die Songauswahl. Kurz und knackig gespielt, meist nur Zwei-Minuten-Versionen, wurden sie von der volltönenden Stimme des Imitators dominiert. Er wusste sie ganz à la Elvis zielgenau zu modulieren. Die Fans fraßen Stolzenthaler quasi aus der Hand und ließen sich zum Mitmachen gern animieren.

„Mein Feeling bei den Tribute-Shows ist immer unbeschreiblich“, sagt der Musiker. „Ich tauche da komplett in eine andere Welt ab, bleibe aber irgendwie dennoch Andy und werde nicht zu Elvis.“ Das Phänomen an Elvis Presley sind für ihn mehrere Dinge. Zum einen natürlich die Tatsache, dass der die Musikgeschichte wie kein anderer Künstler verändert und geprägt hat. „Er startete als junger Mann regelrecht eine Revolution und präsentierte einen völlig neuen Stil.“ Zum anderen auch dessen unglaubliches Talent, vor allem seine Stimme, die sich im Laufe seiner Karriere stetig weiterentwickelte.

Bekannt ist Elvis hauptsächlich durch den Rock’n’Roll. Dass er aber auch in Bereichen wie Country, Gospel, Blues, Soul und Rhythm’n‘Blues tätig war, beweist Andreas Stolzenthaler eindrucksvoll. Der King hatte eine unglaubliche Bandbreite. Dem Coversänger macht es sehr viel Spaß, diese Musikstile als Elvis-Interpret mitzugehen. „Es ist sehr abwechslungsreich und man ist immer gefordert“, erläutert er. Daher wird es nie langweilig.

„Die Zuschauer merken auf den Konzerten, dass sie zwar viele Songs kennen, aber nicht wussten, dass diese auch von Elvis gesungen wurden“, sagt der Musiker. Titel von den Beatles, Simon & Garfunkel oder Neil Diamond finden sich deshalb im Programm. Elvis gabt bereits bestehenden Hits ein komplett neues Gesicht. Beste Beispiele im Konzert: „My Way“ von Frank Sinatra oder „Bridge Over Troubled Water“ von Simon & Garfunkel.

Bei aller Elvis-Imitation bleibt Andreas Stolzenthaler auf dem Boden: „Der hatte eine ganz besondere Ausstrahlung und ein unglaubliches Charisma“, weiß er. „Diese beiden Dinge kann kein Imitator der Welt rüberbringen.“ Daher gibt er sich auf der Bühne auch nicht als „Elvis Presley“. Andy King hat den King nie live erlebt, sich aber mit vielen Zeitzeugen unterhalten. Alle sagten sinngemäß dasselbe: „Eine absolute Ausstrahlung und Charisma. Er betrat einen Raum und alles wurde still.“

Die Bühnenperformance war grandios. In seinen frühen Jahren war er ein super Tänzer, in den Konzertjahren erfand er dann einen komplett eigenen und neuen Stil. „Eine derartige Show mit so viel Bewegung auf der Bühne war zu diesem Zeitpunkt absolut neu und ungewohnt“, weiß der Imitator. Diese Performance kann er dann schon eher „nachstellen“. Wobei Stolzenthaler mit einer Vorurteil aufräumt: Den bekannten „Hüftschwung“ brachte Elvis nur als 19-jähriger Rock’n’Roll-Star auf die Bühne, später gab es ihn nicht.

Den ersten Berührungspunkt mit Elvis gab es für Andreas Stolzenthaler als Sechsjähriger. Es folgte eigentlich eine „normale“ Jugend mit Musik, die halt damals „in“ war. „Doch irgendwie war Elvis immer da, immer präsent“, betont der Musiker. Die erste Elvis-Coverband namens „The Pelvis“ entwickelte sich stetig weiter. Es wurde zu einem zweiten Standbein und irgendwann dann schließlich das Hobby zum Beruf, erzählt Stolzenthaler.

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Auf der Country-Road von der Pfalz ins Odenwälder Hüttenwerk

Ein Mann und seine Gitarre. Dazu noch das Lederband mit Sonnenbrillen- und Cowboy-Hut-Outfit, der verwegene Vollbart und die volltönende Reibeisenstimme: Fertig ist die Country-Illusion, wie sie Danny Wünschel im Hüttenwerk verbreitet. Country und Americana ist bei ihm nicht nur etwas für Cowboyhut-Liebhaber. Wünschel widerlegt dieses Klischee, indem er neue Wege geht, aber gleichzeitig die „Tradition“ bewahrt und in die Gegenwart transportiert.

In bester Singer-/Songwriter-Manier steht der Musiker vor den Gästen und erzählt seine musikalischen Geschichten, die er immer wieder mit ein paar launigen Ansagen garniert. Wünschel kann sich mit den Titeln „Bester Country-Sänger“, „Bestes Country-Album“ und Beste Country-Band“ aus dem Jahr 2017 schmücken, eingeheimst beim 35. Deutschen Rock- und Pop-Preis. Im Hüttenwerk zeigt er, dass diese Auszeichnungen nicht von ungefähr kommen, als der Musiker sowohl eigene Stücke als auch Klassiker des Genres professionell zum Besten gibt.

Als „Danny & the Wonderbras“ ließ sich Wünschel musikalisch ab 2005 eher in die Rockabilly-Schiene einordnen, wobei sich in den Folgejahren bereits Country-Einflüsse bemerkbar machten. Anfang 2016 dann der Umbruch:  Er lässt den Rock’n’Roll hinter sich und arbeitet an seiner Solokarriere als Singer-Songwriter. Vom Debütalbum „Lonesome Road“ wurde der Song „Laura Wood“ für den deutschen Countrypreis als „bester Song 2016“ nominiert.

Wünschel kommt auf der Bühne rau, unverfälscht, kantig rüber. Ihm nimmt man die vielen Geschichten und Eindrücke ab, die er in seinen Liedern verarbeitet. Den Titelsong seines Albums „Lonesome Road“ verkörpert er als der einsame Wolf auf der Bühne, der seinen Weg trotz aller Widerstände geht. Trotz eines vermeintlich harten Äußeren ist hinter der Fassade fragile Nachdenklichkeit zu spüren. Ein bisschen Südstaaten-Romantik darf nicht fehlen. Wünschel zitiert auch ein paar seiner Vorbilder wie Johnny Cash, Kris Kristofferson oder Merle Haggard.

„Thunderstruck“ als perfekter Country-Song: E3 im Hüttenwerk Michelstadt

Da sind sechs absolute Profis am Werk. Was das Sextett an musikalischem Können akustisch auf die Bühne des Hüttenwerks zauberte, war allererste Sahne. Als ein „Mix aus American Folk, Elementen aus Blues, Westcoast und Irish Folk“ kündigen sie ihren Stil an. Doch dahinter verbirgt sich viel mehr. Neben eigenen, sehr eingängigen Songs wurde „Thunderstruck“ von AC/DC perfekt auf Country gemacht: Das war einfach nur klasse und hätte auch beim zweiten Aufritt im Hüttenwerk viel mehr Zuschauer verdient gehabt.

Wenn man genauer auf die Musiker schaut, wird klar, warum die Songs so perfekt rüberkommen, auf den Punkt gespielt werden, dass jeder Ton sitzt. Denn jeder Instrumentalist ist ein Meister seines Fachs – und hat auch noch die passende Stimme zum Song. Zusammen mit einer großen Spielfreude, die auch vor kleinem Publikum nicht halt macht, zaubert „E3“ einen mal melancholisch-ruhigen, mal fetzig-rauschenden Klangteppich mit keltischen, Country- und Folk-Tönen in den Saal.

Im Gegensatz zum Konzert im vergangenen Jahr hat die Truppe aus dem Rhein-Main-Raum dieses Mal viel mehr Wert auf eigene Kompositionen gelegt. Gewürzt mit filigranen Soli auf den jeweiligen Instrumenten, sorgen die Cracks mal für ein Soundgewitter, mal für besinnliche, leise Töne. „Starry Eyes“ hat unverkennbar keltische Anklänge, lebt vom Duett von Geige und Saxofon. Ein Markenzeichen der Band ist auch der mehr-, bis zu fünfstimmige Gesang.

Die Zuschauer merken, dass vor ihnen sechs Musiker zum Anfassen auf der Bühne stehen, die (auch übereinander) ihre kleinen Scherzchen machen, sich nicht so ernst nehmen, aber andererseits die Musik sehr ernst. Wenn Peter Reimer auf Gitarre oder Mandoline anfängt zu zaubern, gibt es kein Halten. Beim deutschen Rock- und Pop-Preis 2014 räumte er gleich dreimal ab, unter anderem in der Kategorie „Bester Instrumentalsolist“.

Beim Zuschauen, wie die Finger über die Saiten flitzen, lässt sich diese Entscheidung gut nachvollziehen. Mark Patrick (Gesang/Gitarre) ist noch aus seinen Zeiten als Frontmann bei „Paddy goes to Holyhead“ bekannt. Gunnar Jürgens an der Geige und Multiinstrumentalist Ralf Olbrich auf Gitarre, Mandoline, Saxofon oder Harmonika spielten sich immer wieder virtuos die Bälle zu. Erhard Koch am Bass und Thomas Wimmer am Schlagzeug komplettieren die Truppe, bei der jeder außer dem Drummer auch gesanglich ran darf. Dem wird dafür ein Solo zugestanden.

„Devil went down to Georgia“ geht mehr Richtung Country. Jürgens fiddelt sich einen ab, während die anderen den Song in Sprechgesang „runterrattern“. Bei „Her Majesty“ bringt Olbrich ein „Saxillo“ zum Einsatz, das ein australischer Instrumentenbauer nur aus Holz fertigte. Der warme, volle Klang beeindruckte, das eigens dafür geschrieben Stück, eine gefühlvolle Ballade, ebenso.

Die fünf Frontmänner mit ihrem Taktgeber im Hintergrund spielen sich die Bälle virtuos zu. Wie überhaupt die Band den Covers eine ganz eigene Note aufdrückt, die das Original noch erkennen lässt, aber in ihrer Abänderung daraus schon ein neuer Song wird. Leider sind im aktuellen Programm nicht mehr „Wish you were here“ von Pink Floyd oder „Long train running“ von den Doobie Brothers“ zu finden, die zuvor Garant für offene Münder waren.

Dass AC/DCs „Thunderstruck“, in dem Peter Reimer versucht, das Publikum zum „Thunder“-Grölen zu animieren, begeisterten Beifall einheimst, ist klar. Der Song ist so etwas wie das Markenzeichen der Gruppe. Auf Mandoline, Gitarre, Harmonika, Geige, Bass und mit zwei Löffeln kreieren die sechs eine Version, die gewaltig abgeht und Gaudi pur ist – auf höchstem musikalischem Niveau. „Dust in the Wind“ von Kansas gibt’s dann noch als Zugabe obendrauf. Einfach klasse Musik.

Mit den „Quinns“ werden im Hüttenwerk alte Rockklassiker lebendig

Zeitmaschine an und 50 Jahre zurück in die Ära der glorreichen Rock- und Popmusik mit zeitlosen Ohrwürmern, die auch heute noch jeden Musikfan verzücken. „The Quinns“ stehen auf der Bühne des Hüttenwerks und bringen die goldenen Oldies mit viel Power rüber, dass bei den Zuschauern wohlige Erinnerungen an die ausgehenden 1960er und beginnenden 1970er Jahre hochkommen. Doch nicht nur „Zeitzeugen“ sind zu diesem Konzert gekommen, auch viele Jüngere, die zu dieser Zeit noch gar nicht geboren waren, wissen die handgemachte Musik von früher zu schätzen.

Manfred Mann, Beatles, Kinks, Stones oder The Who, Doors, Cream, Bee Gees, David Bowie oder T-Rex: Die fünf Musiker nehmen die anfangs noch etwas spärliche Gästeschar mit in die Flower-Power-Ära. Passend dazu auch die Kleidung jener Zeit: rot-, orange- oder weiß-schwarz-gestreifte Hosen, knallige Outfits, übergroße Sonnenbrille oder weißes Rüschenhemd ziehen die Blicke auf sich. Bis dann die Musik einsetzt und die Aufmerksamkeit zum Gehör wechselt.

Ein voller, druckvoller Sound, gepaart mit mehrstimmigem Gesang und einer guten Abmischung, die leider nicht mehr selbstverständlich ist, sorgen dafür, dass die Illusion nahezu perfekt ist. Frontmann Mark Patrick, einige Jahre auch bei „Paddy goes to Holyhead” am Mikro, drückt den Songs seinen Stempel auf. Er schafft es, die verschiedenen Original-Stimmen bestens unter einen Gut zu bekommen. „Mighty Quinn“ oder „Let’s spend the night together“ machen zu Beginn gleich Lust auf mehr.

Bassist Freedl Carl und Paul Ermisch an den Drums bilden gemeinsam die „Hauptverantwortlichen“ für Groove und Tempo in der Band. Dirk Wenzel beherrscht das Klavierspiel ebenso wie den Umgang mit den Sounds der 60er-Jahre-Songs perfekt, Uli Heitzenröder hat den Part des Leadgitarristen inne und darf die virtuosen Soli der Großmeister auf die Saite genau intonieren. Alle zusammen spielen sie klassische Gute-Laune-Songs, bei denen keiner mehr ruhig stehen bleiben kann.

Jugenderinnerungen an den Tanzkurs werden wach, als „Nights of white satin“ läuft und das erste Paar engumschlungen vor der Bühne tanzt. „Riders on the Storm“ oder „Light my fire“ von den Doors haftet noch etwas der Hauch des Verrufenen an, als die Eltern mit dieser Art von Musik Ende der 60er nichts anfangen konnten, zuhause Peter Alexander oder Karel Gott liefen und Rockklänge eher heimlich gehört werden mussten. Ob es „Substitute“ von The Who ist oder „Hush“ von Billy Jo Royal, die Quinns spielen die ganzen Klassiker hoch und runter. Die verschiedenen Stücke geben den Instrumentalisten viele Möglichkeiten, ihr Können auf Tasten, Saiten oder Fellen zu zeigen.

Während das Keyboard bei den Doors im Vordergrund steht, sind es bei The Who die klassischen Gitarrenriffs von Pete Townsend, die einen Widererkennungseffekt haben. Dann noch das gefühlvolle „Wild Horses“ der Stones hinterher: Der langsam voller gewordene Saal schwelgt in Erinnerungen.

In den „Cream“-Songs der Setliste darf Heitzenröder exzessiv den Clapton machen, die Soli auf den sechs Saiten zelebrieren und bekommt dafür viel Applaus. „Get back“ von den Beatles lässt die Zuschauer vom ersten Ton an mitklatschen. Mark Patrick wird nicht müde, zum Mitsingen zu animieren und hat damit mehr und mehr Erfolg. Als bei „Brown Sugar“ die Akkorde von Keith Richards durch den Raum schweben, ist ein merkliches Zucken den Beinen des Publikums festzustellen.

Das ist auch im zweiten Set voll dabei, als die Band die andere Hälfte der weit über 30 Songs aus den guten, alten Musikjahren anstimmt. Die Show wird von der fünfköpfigen Band zu 100 Prozent live gespielt und bedeutet Musik und Unterhaltung auf hohem Niveau. Das Quintett drückt den Songs bei aller Originalität seinen eigenen Stempel auf. Meisterwerke der Meister aus der Zeit von 1965 bis Anfang der 1970er Jahre sind zu hören, die Oldie-Kennern am Herzen liegen, aber nicht von vielen Bands dieser Stilrichtung gespielt werden.

Info: Die „Quinns“ treten am Samstag, 3. November, 21 Uhr (Einlass 19 Uhr), im „Beavers“ Miltenberg auf. Tickets unter http://www.beaversmiltenberg.de

„Purple Rising“ erweckt im Hüttenwerk Michelstadt Deep Purple zum Leben

Als wäre die Zeit stehen geblieben: So muss es vor 45 oder 50 Jahren geklungen haben, als die britische Hardrockband Deep Purple in wechselnden Besetzungen eines ihrer legendären Konzerte gab. „Mark II“ ist dabei die Formation, die sich am ehesten ins Gedächtnis eingebrannt hat, da der Fünfer so legendäre Songs wie „Smoke on the Water“, „Child in Time“, „Lazy“ oder „Space Truckin‘“ komponierte. Aber auch Mark III mit „Burn“ oder „Mistreated“ kommt zu seinem Recht.

Satt wummert der Bass von Roger Glover aus den Marshall-Boxen, majestätisch thront die Hammond-Orgel von Jon Lord über den Songs, filigran reiht sich Ritchie Blackmores Gitarrenspiel ein, in schnellem Rhythmus halten die Drums von Ian Paice den Takt, während sich Ian Gillan die Seele aus dem Leib singt und schreit. Mit einem Unterschied: Es stehen nicht die Deep Purple von 1972 wie bei „Made in Japan“ auf der Bühne des Hüttenwerks, sondern mit „Purple Rising“ eine Coverband, die die Hits von damals auf der Bühne frisch und fetzig spielt – einfach perfekt.

Dominik Stotzem (Bass), Andreas König (Hammondorgel, Keyboards), Patrick Sühl (Vocals), Stefan Deissler (Drums) und Reik Muhs (Gitarre) erschaffen im Hüttenwerk Michelstadt eine perfekte Illusion früherer Jahre. Enthusiastisch, exzessiv, ausufernd, nicht enden wollend, auf den Punkt genau werden die alten Kracher von der fünfköpfigen Band förmlich zelebriert, die Spielfreude kommt in jedem Ton rüber. Die Reminiszenz ist quasi total.

Es stimmt alles, von den Handbewegungen, dem affektierten Gehabe über die Kleidung und den Haaren bis hin zu den diversen Instrumenten. Reik Muhs imitiert den Meister auf den sechs Saiten, Ritchie Blackmore, beinahe schon so perfekt, dass es unheimlich ist. Selbst die Frisur aus den 70ern stimmt. Mit der Fender Stratocaster-Gitarre ergibt das inklusive stimmiger Bewegungen, den typischen Posen und dem virtuosen Spiel ein Gesamtbild, wie es besser nicht sein könnte.

Richtig (unheimlich) authentisch wird es, wenn er sich mit Andreas König an Hammond-Orgel und Keyboards immer wieder die legendären musikalischen Duelle liefert. „Highway Star“, „Space Truckin‘“ oder „Black Night“ sind solche Klassiker, die inklusive der eingestreuten Soli überhaupt nicht mehr enden wollen.

Wie König den nicht mehr unter uns weilenden Jon Lord gibt, ist ebenfalls ein Hingucker für sich. Seine Hammond-Orgel hat schon 63 Jahre auf dem Buckel und ist bei jedem Aufbau „eine Riesen-Plackerei“. Aber der Sound! Der ist unvergleichlich und legt quasi sofort den Schalter um – das legendäre Live-Album „Made in Japan“ lässt grüßen. Dazu noch die Leslie-Verstärker, nur wenig jünger als das Instrument. Auch Jon Lords Fingerzeige hat sein Epigone bis ins kleinste Detail drauf.

Dominik Stotzem am Bass hat eher was vom zappeligen und nie still stehenden Ausnahmekünstler Glenn Hughes. Er ist eindeutig der Partymacher in der Band, animiert das Publikum ein ums andere Mal erfolgreich zum Mitmachen und Mitsingen, ist wie ein Irrwisch auf der Bühne unterwegs und hat einfach den puren Groove im Blut.

Sänger Patrick Sühl darf sich gleich an vier Vorgängern abarbeiten und macht seine Sache sehr gut. Rod Evans stand bei „Hush“ und „April“ am Mikro, mit dem Deep Purple 1968 die ersten großen Erfolge feierte. Und dann natürlich Ian Gillan vom klassischen Mark II-Line-up, den Sühl sehr gut draufhat. „Child in Time“ etwa oder „Smoke on the Water“ klingen mit geschlossenen Augen wie vor mehr als 45 Jahren. Mit „Stormbringer“ lieferte David Coverdale ein Glanzstück ab. Etwas schwerer tut er sich mit dem Gesang von Glenn Hughes oder auch Joe Lynn Turner, wenn mit „Fortuneteller“ ein Rainbow-Stück eingestreut wird.

„Catch the Rainbow“ am Schluss, bei dem der vor einigen Jahren verstorbene Ronnie James Dio am Mikro stand, ist ein besonderes Schmankerl. Wie auch „Halleluja“, der erste Song der Mark II-Besetzung, oder das Concerto von Jon Lord, bei dem dieser wegbereitend eine Rockband zusammen mit einem klassischen Orchester auftreten ließ. Der Jubel der Besucher kennt keine Grenzen, die Band wird enthusiastisch gefeiert.

„Coversnake“ zelebriert im Hüttenwerk Michelstadt das Wirken von David Coverdale

Der Mann hat den Blues in der Stimme. Wenn Emmo Acar anfängt, mit seiner Band „Coversnake“ einen auf David Coverdale zu machen, dann ist es, als stünde der Deep Purple- und Whitesnake-Sänger selbst auf der Bühne. Mit viel Power, groovend, bluesig, rockig und in den höchsten Tönen nähert sich der Voice-of-Germany-Teilnehmer von 2015 dem Rockshouter ganz, ganz nahe, hat dazu noch die richtigen Bewegungen und das zweideutige Spiel mit dem Mikro-Ständer perfekt darauf.

Wer vor der Zugabe noch gemeint hatte, besser geht nicht mehr, den belehrten zwei weitere Songs von „Coversnake“ eines Besseren. Die Whitesnake-Epigonen hatten bereits zuvor eineinhalb Stunden lang das Wirken von David Coverdale im Hüttenwerk perfekt inszeniert und die größten Perlen aus dessen 45-jähriger Musikgeschichte zelebriert. Da saßen die Töne, gab es krachende Soli, eindrucksvolle Rocker-Posen, 70er-Jahre-Look, klassische 80er-Jahre-Hardrock-Frisuren und lange Haarmähnen zu sehen.

Schon als die ersten Töne von „Mistreated“ als Zugabe erklingen, kennt die Begeisterung keine Grenzen. Acar gibt alles, geht an seine höchsten Ton-Grenzen, kann das ganze Volumen seiner klangvollen Stimme ausschöpfen. Es ist, wie wenn die Zeit vor 44 Jahren stehengeblieben wäre, als das legendäre Deep-Purple-Album „Burn“ mit der Mark III-Besetzung herauskam, auf dem auch dieser Song mit Coverdale am Mikro zu finden ist.

Der Song wird exzessiv in allen Facetten vor den begeisterten Fans ausgebreitet. Nur ein paar mehr hätten ins Hüttenwerk zu dieser perfekten Hommage an eine Rocklegende gepasst. Einer geht danach noch – zum Glück. Wie würden es „Coversnake“ wohl schaffen, nach diesem Klassiker noch einen draufsetzen? Ganz einfach: mit einem der bekanntesten Hardrock-Stücke überhaupt. „Burn“ rockt die Halle kurz vor Mitternacht in einer Form, dass es jetzt auch dem allerletzten in den Gliedern zuckt.

Getreu dem Motto, man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, ist danach wirklich Schluss. „Coversnake“ hatte mit „alter“ Musik gezeigt, wie man die Leute hinterm Ofen hervorlockt, mit handgemachten Songs begeistert und mit exzessiver Spielfreude den Klassikern neues Leben einhaucht. Dabei immer mit genug Respekt vor dem Original.

David Coverdale steht natürlich nicht nur für die Deep-Purple-Kracher. Auch mit „Whitesnake“ hat er Musikgeschichte geschrieben. Dankbarerweise konzentriert sich die Coverband mehr auf die frühen Jahre Ende der 70er bis Ende der 80er, als die weiße Schlange noch mehr Bluesrock-orientiert war als später. Der Klassiker „Live in the Heart of the City“, 1980 als Doppel-Album erschienen, bietet ein Stück weit Orientierungsrichtlinie.

„Walking in the Shadow of the Blues“, „Fool for your Loving“ oder „Ready an’ Willing” hat die Coverband daraus im Gepäck. Martin Ulrich an der zweiten Gitarre und Bobby Stöcker spielen sich wie früher Micky Moody und Bernie Marsden die Klänge zu, dass es eine wahre Pracht ist. Jochen Schnur (Bass) und Axel Balke (Keyboards) sind die beiden weiteren Mitstreiter im Hintergrund, die für einen gnadenlos druckvollen Sound sorgen, dass der Dezibelmesser am Mischpult laufend in den dreistelleigen Bereich springt.

„Ain’t no live in the Heart of the City“ in seiner alten, bluesigen Version ist mit dem Stöcker-Solo einfach eine Wucht. Und spätestens als danach die ersten Klänge des wohl bekanntesten Whitesnake-Stücks aus vergangenen Tagen, „Here I go again“, erklingen, gibt es kein Halten mehr. „Cyring in the rain“, „Give me all your love“, „Slide it in“ oder „Still of the Night“ aus der erfolgreichsten Bandphase Mitte der 80er Jahre machen den Sack zu. Stöcker darf einmal mehr zeigen, dass er mit John Sykes das Spiel eines anderen Whitesnake-Gitarristen perfekt drauf hat. Jürgen Lucas knallt dem Saal ein fulminantes Schlagzeug-Solo um die Ohren, das einem Tommy Aldridge aus den mittleren Bandjahren zur Ehre gereichen würde.

Zum Bericht geht's hier:…

Posted by Thomas Wilken on Sunday, April 1, 2018

„Undercure“ machen im Hüttenwerk Michelstadt den Originalen alle Ehre

Augen zu und die Illusion ist perfekt. Vorn auf der Bühne des Hüttenwerks steht die britische Pop-/Rock-/Wave-/Gothic-Band „The Cure“ und spielt ihre größten Hits aus 40 Jahren Bandgeschichte. Augen auf – und die Illusion ist noch genau so perfekt. „Undercure“-Frontmann Holger Schwinn hat sich optisch so detailgetreu seinem Idol Robert Smith angenähert, dass höchstens das Alter noch ein Unterschied sein könnte. Musikalisch gibt’s nichts zu meckern: Die Band aus dem Odenwaldkreis bleibt so dicht am Original wie es eben möglich ist.

Das alljährliche Karfreitags-Konzert im Hüttenwerk mit „Undercure“ ist seit zwölf Jahren ein Kult-Event: Man trifft sich in den guten, alten 80ern. 2006 gründete sich die Band und kann seitdem eine stetig wachsende Fanbasis verzeichnen. Die wissen es zum einen zu schätzen, was sie musikalisch geboten bekommen, zum anderen, dass es am Karfreitag eine willkommene Abwechslung zum Feiertags-Einerlei gibt. 260 Gäste zählte man zur Halbzeit an der Kasse, was eine ziemliche Enge im Saal bedeutete – die Michelstädter wissen, was sie an der Band haben.

Schwinn mit seiner hellen Stimme, die schon Richtung Falsett geht, mit seinen toupierten Haaren und dem geschminkten Gesicht gibt den Smith par excellence. Die Bühnenshow mitsamt Ausleuchtung ist völlig auf ihn zugeschnitten. Die fokussierten Bühnenstrahler in Weiß vom Boden, in Rot, Blau oder Gelb von der Decke her tauchen den Frontmann immer wieder ins richtige Licht, das in seiner scharfen Abgrenzung einen sehr stimmigen Rahmen zur Musik schafft.

Wenn auch der Sänger absolut im Fokus steht, ist der beste Shouter nichts ohne die Band im Hintergrund. Für den mal fetten, druckvollen, mal dezenten, getragenen Sound haben sich ein paar Instrumenten-Cracks aus dem Odenwald zusammengefunden, die auch in anderen Bands ihren Dienst tun. Schwarz ist natürlich die dominante Farbe bei der Kleidung, aber zum Glück nicht musikalisch dominierend. Markus Fabian (Gitarre), der seine lange Kutte wegen der Hitze auf der Bühne schnell fallen lässt, ist für die meist funkigen Riffs zuständig, darf aber auch mal solomäßig ran.

Jens Weimar (Bass) und und Heiko Birkenstock (Schlagzeug) halten immer den richtigen Groove und sorgen dafür, dass alles im Takt bleibt. Sie treiben mit ihrem Spiel kräftig die Songs voran und schaffen es, dass „langsame“ Studionummern live doch ein bisschen anders, fetziger klingen. Dirk Weimar (Keyboard) lässt sein Instrument mal sphärenhaft, synthiemäßig oder als Piano klingen – je nachdem welche Schaffensphase „The Cure“ damals hatten.

Über allem thront natürlich Holger Schwinn: schmale Gestalt, schwarze Klamotten, extrem rot geschminkte Lippen, eine Stromschlag-Frisur vom Feinsten. Viele Worte gibt es über die Songs nicht zu machen. Es ist immer wieder überraschend, wie viele Hits die Band geschrieben hat, die man irgendwo alle schon einmal gehört hat und die in Fleisch und Blut übergegangen sind.

„Fascination street“, „Fire in Cairo“, „Pictures of You“, „Boys don’t cry“ oder „Love cats“ sind solche unvergesslichen Stücke aus den vergangenen 40 Jahren, die von der Coverband in der ersten Hälfte wie an einer Perlenkette zelebriert werden. Ohne große Ansage geht’s in die Pause, um danach ähnlich weiterzumachen. Nach „Friday I’m in love“, „Lullalby“ oder „Jumping someone elses train“ ist klar, dass noch nicht Schluss sein würde. „Play for today“ und Seventeen Seconds“ schließen sich als Zugabe an.

Aber auch danach konnte, wer wollte, noch lange weiter feiern. Passend zum Konzert begeht das Original ja in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen unter diesem Namen. Die fünf Musiker von „Undercure“ hatten deshalb ihren Kollegen Sebastian Schimmer von der Band „Oel“ (DJ Schimmi) mitgebracht, um den Abend abzurunden. Im Anschluss gab‘s volles Programm mit 80er-Jahre-Musik im „Disco-Bistro“.

„Undercure“ will nicht nur die Songs der legendären, britischen Wave-Helden originalgetreu covern, nicht nur die Akkorde und Texte wiedergeben, sondern auch bei aller musikalischen Detailtreue den Geist der Songs auferstehen zu lassen und auf das Publikum zu übertragen. Das neue Experiment, die Songs auf Deutsch umzusetzen ist eine spannende Gradwanderung.

@[395078477618Konzert mit Undercure am Karfreitag mit Aftershow-Party]UndercureEventlokal Hüttenwerk Musik und mehr

Posted by Thomas Wilken on Saturday, March 31, 2018