Thin Lizzy Tributeband ist im Hüttenwerk „Live and Dangerous“

Phil Lynott hat mit seiner Band „Thin Lizzy“ Musikgeschichte geschrieben. Nicht nur das von ihm neu interpretierte irische Traditional „Whiskey in the Jar“ ist in den Gehörgängen auf Jahrzehnte hängengeblieben. Wie prägend die Gruppe wirklich war, merkt man erst, wenn es bei etlichen anderen Songs einen Aha-Effekt gibt. „Live and Dangerous“ aus dem Jahr 1978 zeigte die Hardrockband auf der Höhe ihres Schaffens – und genau dieses Live-Doppelalbum spielte die Thin Lizzy Tributeband bei ihrem Auftritt im Hüttenwerk komplett hoch und runter, garniert mit ein paar weiteren Hits.

Das Front-Trio macht Laune. Paul McGilley, der Phil Lynotts Gesang super draufhat, und die beiden Gitarristen Andy Kirchner und Bobby Stöcker sind ständig in Bewegung, animieren die Besucher vor der Bühne. Hintendran sorgen Wolfram Klug (Bass) und Volker Stenger (Schlagzeug) für die treibenden Rhythmen. Letzterer eifert bei seinem Solo Original-Drummer Brian Downey nach, der derzeit ebenfalls tourt und exakt die gleiche Scheibe im Gepäck hat.

Der 66-jährige Downey gehörte 1969 gemeinsam mit dem inzwischen bereits verstorbenen Bassist und Sänger Phil Lynott zu den Gründern von Thin Lizzy. Im Verlauf seiner Karriere als Schlagzeuger war er zudem an diversen Lynott-Soloalben sowie Gary-Moore-Produktionen beteiligt – darunter auch der Meilenstein „Still Got The Blues“. Am 13. Februar in Aschaffenburg (Colos-Saal) und am 14. Februar in Mannheim (7er Club) können Fans den Vergleich wagen – wer trommelt besser, wer singt besser den Phil?

Apropos Gary Moore: Thin Lizzy produzierte nicht nur Hits am laufenden Band, sondern war oftmals auch erste Station für Musiker, die danach selbst zu einiger Berühmtheit kamen. Wie etwa für den schon 2011 verstorbenen irischen Ausnahmegitarristen. John Sykes, aus dessen Wirken „Holy War“, „Hollywood“ und „Cold Sweat“ zu hören waren, oder Tommy Aldrigde spielten später bei Whitesnake.

Die Twin-Guitars, das zweistimmige Gitarrenspiel, war seit jeher ein Markenzeichen der irischen Band. Kirchner und Stöcker beherrschen es in Perfektion – samt der zugehörigen Rockerposen. Denn der Name verpflichtet: Schließlich heißt ein Originalsong auch „The Rocker“. Ob das balladeske „Rosalie“ oder das fetzige „Waiting for an Alibi“: McGilley ist stimmlich sehr nah dran am Original. Am besten lässt man ihn einfach singen, denn seine Moderation ist etwas speziell.

Zum Glück werden aber zwischen den Songs nicht viele Worte gewechselt. Die Musik zählt. „Dancing in the Moonlight“ zeigt die sanfte Seite des harten Jungen Lynott, der sich durch Alkohol und Drogen so zugrunde gerichtet hatte, dass sein Körper Anfang 1986 streikte. Bezeichnend für Phil Lynotts großes Talent als Songwriter waren seine Texte, oftmals melancholisch geprägt, die Außenseiter, Verstoßene, Verzweifelte und Missverstandene oder Männer-Klischees zum Inhalt hatten.

Die Coverband gibt es in dieser Besetzung erst seit einem Jahr. Im Hüttenwerk war das Quintett zum ersten Mal zu Gast. Die Fans begeistert es mit einem Sound, wie das Original bei einem seinem letzten Auftritte mit dem Frontmann 1983 geklungen haben dürfte. Paul McGilley wird nicht müde, die Zuschauer zum Mitsingen zu animieren, springt bei den weltbekannten Tönen von „Whiskey in the Jar“ kurzerhand einfach mit dem Mikro von der Bühne.

„China Town“ oder „Jailbreak“ sind weitere Stücke mit fetzigem Sound und einprägsamen Gitarrenriffs. Kirchner und Stöcker wechseln sich in den Soli ab, was den Liedern jeweils eigene Akzente gibt. Sowieso ist deutlich zu spüren, dass da Profis auf der Bühne stehen, die Metier bis ins Effeff beherrschen. Bobby Stöcker etwa spielt auch in einer Whitesnake- oder Kiss-Tribute-Band mit. „Still in love with you“ zeigt, dass Thin Lizzy auch Balladen kann, während „Killer on the loose“ wieder die Hosenbeine flattern lässt. „The Boys are back in town“ heißt es zum Schluss nicht ohne Grund – sie kommen bestimmt wieder.

Info: Mit „Coversnake – Tribute to Whitesnake and David Coverdale” ist Gitarrist Bobby Stöcker am Samstag, 9. Februar, 21 Uhr, zu Gast im Hüttenwerk Michelstadt. Weiteres unter http://www.huettenwerk.info

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Die knalligen Rocksongs gehen runter wie Öl

Wenn die Odenwälder Band „ØL“ ihre Fans ruft, kann sie sicher sein, dass das Hüttenwerk aus allen Nähten platzt. Wie auch jetzt wieder beim Konzert rund um den Jahreswechsel. Die fünfköpfige Truppe aus Erbach und Michelstadt setzt dabei Jahr für Jahr auf Altbewährtes und liefert eine solide Mischung aus schnörkellosem Independent-, Alternative-, aber auch melodischen Mainstream-Rock, garniert mit ein paar Balladen. Und das ohne Pause zweieinhalb Stunden lang.

Über zwei Jahrzehnte gibt es die Band bereits. Die beiden Erbacher Gründungsmitglieder Sebastian Schimmer (Gesang und Gitarre) sowie Schlagzeuger Sascha Brandel bilden das Fundament. Michelstadt wird vertreten von Jens Weimar (Gitarre, Gesang) und Dirk Weimar (Keyboards). Marcus Hartmann (Bass, Gesang) zog es zwischenzeitlich von Erbach weg nach Stuttgart, aber für diverse Gigs kommt er natürlich zurück in die alte Heimat.

Was auf den Studio-Einspielungen eher bisschen glattgebügelt rüberkommt, lebt auf der Bühne von der überschäumenden Spielfreude. Die Songs haben bis auf ein paar Ausnahmen Hitpotenzial, sind eingängig, haben griffige Refrains, oft auch zum Mitsingen. Gepaart mit der Spielfreude der fünf Musiker, eine Kombination, die unter den Fans bestens ankommt.

„Jeder bringt bestimmte Einflüsse mit“, erzählt Jens Weimar. Das Spektrum ist ziemlich breit gefächert und reicht von Bands wie Nirvana bis hin zu aktuellen Pop-Produktionen (Coldplay oder Ed Sheeran). „Diese Einflüsse verbinden sich letztendlich zu unserer Musik.“ Die letzte Einspielung „Decades“ erschien 2016 zum 20-jährigen Bestehen der Band. „Wir sammeln momentan aber Material für ein neues Album“, kündigt der Gitarrist an. „Wann das rauskommt, steht aber noch nicht fest“, schmunzelt er.

Die Lieder entstehen im Wesentlichen aus Ideen der Mitglieder (hauptsächlich Sebastian Schimmer, teilweise Jens Weimar) und werden dann in verschiedenen Besetzungen im Proberaum ausarrangiert, sagt er. Für die Texte ist fast ausschließlich der Gitarrist verantwortlich. In voller Besetzung tritt die Gruppe derzeit nicht sehr oft auf. Es gibt aber auch eine „Unplugged“-Version von ØL, die im Wesentlichen aus Schimmer und Weimar besteht, teilweise noch Brandel. Diese abgespeckte Version ist 15 bis 20 Mal pro Jahr live zu sehen.

„Das Feedback ist überwiegend positiv“, freut sich Weimar. Die Musik von „ØL“ wird in Magazinen als nicht extrem spektakulär, aber ausgesprochen eingängig und zeitlos beschrieben, „was uns sehr freut“. Die Band hat nicht den Anspruch, „bemerkenswert innovativ zu sein“, witzelt er. Die Bandmitglieder wollen einfach nur Musik produzieren, „mit der wir uns identifizieren können“. Mit Erfolg: „Das persönliche Feedback, das wir bekommen, ist zumeist sehr positiv.“

Das Quintett geht ziemlich schnörkellos zu Werke. Ausufernde Gitarren- oder Schlagzeug-Soli zur Selbstdarstellung gibt es praktisch nicht, kein Stück hat mehr als drei oder vier Minuten. Musikalisch lässt sich die Band in keine Schublade stecken. Einem richtigen Rocker dürften ein paar der Songs zu soft sein. Manchmal kommt ein Stück fast balladesk daher. Allerdings ist ja bekannt, dass Rockmusiker die schönsten Schmusesongs schreiben.

Auf der anderen Seite rockt das Quintett dann so überraschend wieder los, dass die Hosenbeine vor lauter Bass- und Bassdrum-Vibrationen flattern. Punk- und Indierock-Einflüsse sind manchmal unverkennbar. Manche Riffs erinnern an Fischer Z, Fury in the Slaughterhouse lässt sich auch wenig heraushören, zum Schluss wird’s dann monumental wie bei U2. Durch spacige Keyboard-Töne schleicht die eine oder andere progressive Komponente ein.

Frontmann Sebastian Schimmer ist wie ein Dopsball auf dem Bühne unterwegs und steckt seine ebenfalls stehenden Kollegen Marcus Hartmann und Jens Weimar mit seinem Bewegungsdrang immer wieder an. Drei Mann wie auf Kommando hopsend: Das hat was. Dirk Weimar ist eher einer von der stoischen Sorte, während sich Sascha Brandel an seiner Schießbude kräftig abarbeitet.

Sofia Glaser gibt eindrucksvoll den Ton an

„Talkin’ bout a revolution“ von Tracy Chapman lässt Sofia Glaser bestens Raum, um eindrucksvoll die Wandlungsfähigkeit und den Umfang ihrer Stimme zur Geltung zu bringen. Es ist schon erstaunlich, mit wie wenig Aufwand sich ein eindrucksvoller musikalischer Abend gestalten lässt. Eine Gitarre und ihr Organ reichen der 23-Jährigen aus, um im Hüttenwerk stürmischen Beifall einzuheimsen. Nur mit der akustischen Gitarre verleiht sie dem Song große Dynamik, Inbrunst.

Sofia ist voll drin in den Stücken, lebt sie bis zum letzten Ton, zelebriert manche Passagen förmlich. Ihre Leidenschaft für die Lieder wissen auch die Fans zu schätzen. Die Musikerin aus Beerfelden, früher in der dortigen Mädelsband „Die Optimisten“ aktiv und danach auf Solopfaden unterwegs, ist seit kurzem immer mal wieder mit der Heidelberger Band „Potzblitz“ zu hören. Bei der Celtic-Folk-Gruppe „Dhalia’s Lane“ ist sie schon Stammgast. Und eben jetzt wieder solo im Hüttenwerk.

Dieses Jahr musste sie studien- und berufsbedingt etwas kürzer treten. Erst ab November konnte sich Sofia wieder richtig auf ihre Musik konzentrieren. Sie studiert an der Uni Heidelberg Gerontologie, Gesundheit und Care sowie Spanisch auf höheres Berufsschul-Lehramt. Während des Semesters ist sie nicht in den Schichtdienst des Pflegeheims eingebunden, in dem sie während der Ferien ihre Praxiserfahrung sammelt. Somit ergibt sich nun an den Wochenende die freie Zeit, „regelmäßig an meinem Set zu werkeln“. Die Musikerin will ihr Programm mit der Loopstation ausbauen. Ab nächstem Jahr „werde ich dann auch ein E-Piano mit auf die Bühne bringen“, kündigt sie an.

„Der Perfekte Moment… wird heut verpennt“ von Max Raabe, „Not even close“ von Tina Dico oder „The different“ von Melissa Etheridge zeigen, dass sie aktuelle Pop- und Rocksongs bestens drauf hat. Dazu noch „Oft gefragt“ von Annenmay Kantereit, „Bitte bitte“ von Ina Müller oder „Crazy in Love“ von Beyonce – fertig ist ein bunt gemischter musikalischer Abend, bei dem Sofia Glaser mit allen Facetten ihres wandlungsfähigen Organs glänzen kann.

Mit geschlossenen Augen steht dann nicht eine junge Frau auf der Bühne, die sich immer mehr musikalische Sporen verdient, sondern eine altgediente Rockröhre, die frei ‘raus ohne jegliches Lampenfieber 1000 Mal gespielte Songs performt. Bei zwei Liedern war Klaus Wilka mit auf der Bühne: „Chain of fools“ und „Nobody’s wife“ gab es zu hören. Das Publikum im Hüttenwerk kennt sie bereits. „Die waren sehr aufmerksam und haben super mitgesungen“, freute sie sich.

Auch wenn sie selbst ebenfalls Lieder schreibt, spielt sie live hauptsächlich Cover-Stücke. „Meine Favoriten wechseln oft“, so Sofia, aber Tina Dico hat es ihr angetan. „Ihre Texte finde ich alle durchweg sehr gut geschrieben.“ So lautet ein Refrain des Songs „Count to ten“: „Sometimes the fastest way to get there is to go slow“, der schnellste Weg irgendwo hinzukommen, ist langsam zu tun. Seit sie selbst Lieder schreibt, „achte ich sehr auf die Texte“, hebt Sofia hervor.

Die Musikerin ist die Tochter des Fotografen-Ehepaar Sonja und Udo Glaser aus Beerfelden. „Musik mache ich eigentlich schon immer“, erzählt sie. „Gitarre habe ich mir selbst auf dem zwölfsaitigen Instrument meines Vaters beigebracht.“ In der Mädels-Band „Optimisten“ spielte Sofia anfangs Schlagzeug. „Mit der Zeit haben wir angefangen, die Instrumente einfach durchzuwechseln“, erinnert sie sich. So blieb sie bei der Gitarre hängen.

2009 machte die damals 14-Jährige beim Gesangstalent im Michelstadter Hüttenwerk mit. „Daraufhin bin ich zusätzlich zu den ‚Optimisten‘ noch in die Band ‚Second Wave‘ gekommen“, war schon damals der Erfolg vorgezeichnet. Zusätzlich begann Sofia Glaser damit, kleine Akustik-Duo/Solo-Projekte aufzuziehen. Und sie war des Öfteren in Lampertheim und Bürstadt bei Live-Jams dabei.

Info: Sofia Glaser ist zusammen mit „Dhalia‘s Lane“ am Sonntag, 30. Dezember, 21 Uhr, im Heidelberger Karlstorbahnhof zu sehen und zu hören. Mehr unter http://www.dhaliaslane.com

Rino Galiano mischt bei seinem Gastauftritt mit „Another Livetime“ das Hüttenwerk auf

Was für ein fetziger musikalischer Abschluss des Jahres: Die Hausband „Another Livetime“ hatte einmal wieder ins Hüttenwerk eingeladen und rockte bis fast 1 Uhr die Hütte mit einer perfekten Mischung aus Rock-, Soul-, Funk- und Disco-Stücken. Was die sechs mitsamt ihren Gästen bieten, hat sich schon längst herumgesprochen: An diesen Abenden platzt der Saal regelmäßig aus allen Nähten. Die Musiker müssen gar nicht viel Stimmung machen, die ist sowieso von Anfang an super.

Mit dem Mannheimer Rino Galiano, vor ein paar Jahren unter der Fittiche von Xavier Naidoo „Voice of Germany“-Teilnehmer, hatte das Team um Sängerin Michi Tischler einen Glücksgriff getan. Der „Monnemer“ mit italienischen Wurzeln ist ein begnadeter Entertainer und hat immer einen frechen Spruch auf den Lippen. Er ist für jeden Spaß zu haben, ist sich für keinen Scherz zu schade und macht jeden Unsinn mit.

Mal ganz abgesehen von seinen stimmlichen Fähigkeiten. Wie er „Master Blaster“ von Stevie Wonder, „Rock with you“ von Michael Jackson oder „I’m still standin‘“ von Elton John performt, ist schon eine Schau. Den 43-Jährigen hält es nie an einem Platz, er braucht Raum, um die Songs mit viel Einsatz rüberzubringen, dopst wie ein Gummiball quer über Bühne. Nicht fehlen darf natürlich sein „You give me something“ von James Morrison, mit dem er die Jury bei den Blind Auditions von „Voice of Germany“ überzeugte.

Mit den fetzigen Saxophon-Solos von Anke Rible (Lindenfels) ist für den perfekten Background-Sound gesorgt. Sie drückt etlichen Songs ihren Stempel mit melodiösen Soli ihren Stempel auf, lässt sich von Galiano auch mal gern zum „Battle“ bitten, das natürlich nur eine Siegerin kennen kann. Dazu kommt noch ihr Backgroundgesang, der zusammen mit den anderen beiden die Lieder vierstimmig werden lässt – und damit für einen fetten Klang sorgt.

Gitarrist Jens Reyer (Fürth) zeigt ein ums andere Mal, dass er ein Meister auf den sechs Saiten ist. Dieses Mal darf er etwa bei „Kiss in my list“ oder dem Police-Stück „So lonely“ auch gesanglich ran. Bandgründer Thomas Klein am Schlagzeug und Keyboarder Axel „Aji“ Imhof (beide aus Michelstadt) machen mit Bassist Christoph Victor Kaiser die Rhythmus-Sektion komplett, die bei jedem Lied für den perfekten Sound sorgt.

Eigentlich sollte Anna Minges an diesem Abend mit auf der Bühne stehen, aber sie musste krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Der „Ersatz“, der aber viel mehr als das war, ist im Hüttenwerk bestens bekannt: Esra Karahan aus Bad König ließ sprichwörtlich aufhorchen. Die 25-Jährige, vor einem Jahr das erste Mal auf großer Bühne mit einer richtigen Begleitband, rockte den Saal und heimste begeisterten Applaus ein.

Mit voluminöser Stimme und ausdrucksvoller Bühnenperformance ließ sie ihre drei Stücke zum Erlebnis werden. Gloria Gaynors „I will survive“ sorgte gewaltig für Furore. „Rollin’ in the deep” von Adele und „Umbrella“ von Rihanna waren weitere Songs, bei denen die kleine Künstlerin mit der riesigen Stimme gefeiert wurde. Von der jungen Studentin, die auch bei der Swing Fever Big Band singt, wird man sicherlich noch einiges hören.

Dritte im Bunde am Mikro ist Michi Tischler. Die ist auch Dreh- und Angelpunkt von „Another Livetime“. Wie sie mit „On the radio” von Donna Summer die Disco-Queen gibt, ist das herrlich anzuschauen. Mit ihrer Stimme drückt sie aber auch „Like a virgin“ von Madonna oder „Ain’t nobody” von Chaka Khan, im fulminanten Duett mit Rino Galiano, ihre Visitenkarte auf.

Das gemeinsam gesungene „Finally“ vor der Pause macht viel Laune auf mehr, was es danach auch ohne Ende gibt: Ob Rino seinem Landsmann Eros Ramazzotti nacheifert („Cose della vita“) oder zum „Maniac“ wird (wird?) – er ist einfach omnipräsent. „Billie Jean“ von Michael Jackson oder „Freedom“ von George Michael machen die große Party perfekt. Da darf Galiano mit seiner Monnemer Schwertgosch auch mal bös-verschmitzt über die Odenwälder lästern, das nimmt ihm keiner übel.

Info: „Another Livetime“ tritt am Samstag, 19. Januar, 21.30 Uhr, wieder im Hüttenwerk Michelstadt auf. Als Gäste sind geplant: Menoosha Susungi und Dominik Steegmüller.

AnotherLiveTime – Hausband des HüttenwerksThomas KleinMichi TischlerEventlokal Hüttenwerk Musik und mehrRino…

Posted by Neckartal-Nachrichten on Sunday, December 23, 2018

Königliche Hommage an den unvergessenen „King“

Andreas Stolzenthaler ist der King. Andy King. Mit seinen Memphis Riders bietet er im Hüttenwerk eine Hommage an den echten „King“, Elvis Presley, die optisch und musikalisch vom Feinsten ist. In 50 Liedern setzt er dem viel zu früh verstorbenen Entertainer ein großes Denkmal und begeistert seine Fans, die von Anfang an voll dabei sind und den einen oder anderen Rock’n’Roll-Tanz aufs Parkett legen. Nur ein paar mehr Elvis-Begeisterte hätten den Weg finden dürfen.

In der weißen Elvis-Kluft, wie man sie aus den Auftritten kennt, mit Schlaghose, Glitzer und überdimensionalem Gürtel, dazu die bekannte Elvis-Frisur mit den Koteletten und den charakteristischen Bewegungen, schafft Stolzenthaler die perfekte Illusion. Stimmlich hat er alle Facetten des King drauf. Jürgen Herb (Drums), Norbert Maisch (Keyboard), Richard Wagner (Lead Guitar) und Steffen Andres (Bass) im 60er-Jahre-Fummel runden das Bild ab.

Viva Las Vegas, Jailhouse Rock, Love Me Tender, Hound Dog oder In The Ghetto: Die Band hatte die zeitlosen Hits einfach alle drauf. Von den frühen Jahren über die Filmauftritte bis hin zu den späten Shows reichte die Songauswahl. Kurz und knackig gespielt, meist nur Zwei-Minuten-Versionen, wurden sie von der volltönenden Stimme des Imitators dominiert. Er wusste sie ganz à la Elvis zielgenau zu modulieren. Die Fans fraßen Stolzenthaler quasi aus der Hand und ließen sich zum Mitmachen gern animieren.

„Mein Feeling bei den Tribute-Shows ist immer unbeschreiblich“, sagt der Musiker. „Ich tauche da komplett in eine andere Welt ab, bleibe aber irgendwie dennoch Andy und werde nicht zu Elvis.“ Das Phänomen an Elvis Presley sind für ihn mehrere Dinge. Zum einen natürlich die Tatsache, dass der die Musikgeschichte wie kein anderer Künstler verändert und geprägt hat. „Er startete als junger Mann regelrecht eine Revolution und präsentierte einen völlig neuen Stil.“ Zum anderen auch dessen unglaubliches Talent, vor allem seine Stimme, die sich im Laufe seiner Karriere stetig weiterentwickelte.

Bekannt ist Elvis hauptsächlich durch den Rock’n’Roll. Dass er aber auch in Bereichen wie Country, Gospel, Blues, Soul und Rhythm’n‘Blues tätig war, beweist Andreas Stolzenthaler eindrucksvoll. Der King hatte eine unglaubliche Bandbreite. Dem Coversänger macht es sehr viel Spaß, diese Musikstile als Elvis-Interpret mitzugehen. „Es ist sehr abwechslungsreich und man ist immer gefordert“, erläutert er. Daher wird es nie langweilig.

„Die Zuschauer merken auf den Konzerten, dass sie zwar viele Songs kennen, aber nicht wussten, dass diese auch von Elvis gesungen wurden“, sagt der Musiker. Titel von den Beatles, Simon & Garfunkel oder Neil Diamond finden sich deshalb im Programm. Elvis gabt bereits bestehenden Hits ein komplett neues Gesicht. Beste Beispiele im Konzert: „My Way“ von Frank Sinatra oder „Bridge Over Troubled Water“ von Simon & Garfunkel.

Bei aller Elvis-Imitation bleibt Andreas Stolzenthaler auf dem Boden: „Der hatte eine ganz besondere Ausstrahlung und ein unglaubliches Charisma“, weiß er. „Diese beiden Dinge kann kein Imitator der Welt rüberbringen.“ Daher gibt er sich auf der Bühne auch nicht als „Elvis Presley“. Andy King hat den King nie live erlebt, sich aber mit vielen Zeitzeugen unterhalten. Alle sagten sinngemäß dasselbe: „Eine absolute Ausstrahlung und Charisma. Er betrat einen Raum und alles wurde still.“

Die Bühnenperformance war grandios. In seinen frühen Jahren war er ein super Tänzer, in den Konzertjahren erfand er dann einen komplett eigenen und neuen Stil. „Eine derartige Show mit so viel Bewegung auf der Bühne war zu diesem Zeitpunkt absolut neu und ungewohnt“, weiß der Imitator. Diese Performance kann er dann schon eher „nachstellen“. Wobei Stolzenthaler mit einer Vorurteil aufräumt: Den bekannten „Hüftschwung“ brachte Elvis nur als 19-jähriger Rock’n’Roll-Star auf die Bühne, später gab es ihn nicht.

Den ersten Berührungspunkt mit Elvis gab es für Andreas Stolzenthaler als Sechsjähriger. Es folgte eigentlich eine „normale“ Jugend mit Musik, die halt damals „in“ war. „Doch irgendwie war Elvis immer da, immer präsent“, betont der Musiker. Die erste Elvis-Coverband namens „The Pelvis“ entwickelte sich stetig weiter. Es wurde zu einem zweiten Standbein und irgendwann dann schließlich das Hobby zum Beruf, erzählt Stolzenthaler.

Auf der Country-Road von der Pfalz ins Odenwälder Hüttenwerk

Ein Mann und seine Gitarre. Dazu noch das Lederband mit Sonnenbrillen- und Cowboy-Hut-Outfit, der verwegene Vollbart und die volltönende Reibeisenstimme: Fertig ist die Country-Illusion, wie sie Danny Wünschel im Hüttenwerk verbreitet. Country und Americana ist bei ihm nicht nur etwas für Cowboyhut-Liebhaber. Wünschel widerlegt dieses Klischee, indem er neue Wege geht, aber gleichzeitig die „Tradition“ bewahrt und in die Gegenwart transportiert.

In bester Singer-/Songwriter-Manier steht der Musiker vor den Gästen und erzählt seine musikalischen Geschichten, die er immer wieder mit ein paar launigen Ansagen garniert. Wünschel kann sich mit den Titeln „Bester Country-Sänger“, „Bestes Country-Album“ und Beste Country-Band“ aus dem Jahr 2017 schmücken, eingeheimst beim 35. Deutschen Rock- und Pop-Preis. Im Hüttenwerk zeigt er, dass diese Auszeichnungen nicht von ungefähr kommen, als der Musiker sowohl eigene Stücke als auch Klassiker des Genres professionell zum Besten gibt.

Als „Danny & the Wonderbras“ ließ sich Wünschel musikalisch ab 2005 eher in die Rockabilly-Schiene einordnen, wobei sich in den Folgejahren bereits Country-Einflüsse bemerkbar machten. Anfang 2016 dann der Umbruch:  Er lässt den Rock’n’Roll hinter sich und arbeitet an seiner Solokarriere als Singer-Songwriter. Vom Debütalbum „Lonesome Road“ wurde der Song „Laura Wood“ für den deutschen Countrypreis als „bester Song 2016“ nominiert.

Wünschel kommt auf der Bühne rau, unverfälscht, kantig rüber. Ihm nimmt man die vielen Geschichten und Eindrücke ab, die er in seinen Liedern verarbeitet. Den Titelsong seines Albums „Lonesome Road“ verkörpert er als der einsame Wolf auf der Bühne, der seinen Weg trotz aller Widerstände geht. Trotz eines vermeintlich harten Äußeren ist hinter der Fassade fragile Nachdenklichkeit zu spüren. Ein bisschen Südstaaten-Romantik darf nicht fehlen. Wünschel zitiert auch ein paar seiner Vorbilder wie Johnny Cash, Kris Kristofferson oder Merle Haggard.

„Thunderstruck“ als perfekter Country-Song: E3 im Hüttenwerk Michelstadt

Da sind sechs absolute Profis am Werk. Was das Sextett an musikalischem Können akustisch auf die Bühne des Hüttenwerks zauberte, war allererste Sahne. Als ein „Mix aus American Folk, Elementen aus Blues, Westcoast und Irish Folk“ kündigen sie ihren Stil an. Doch dahinter verbirgt sich viel mehr. Neben eigenen, sehr eingängigen Songs wurde „Thunderstruck“ von AC/DC perfekt auf Country gemacht: Das war einfach nur klasse und hätte auch beim zweiten Aufritt im Hüttenwerk viel mehr Zuschauer verdient gehabt.

Wenn man genauer auf die Musiker schaut, wird klar, warum die Songs so perfekt rüberkommen, auf den Punkt gespielt werden, dass jeder Ton sitzt. Denn jeder Instrumentalist ist ein Meister seines Fachs – und hat auch noch die passende Stimme zum Song. Zusammen mit einer großen Spielfreude, die auch vor kleinem Publikum nicht halt macht, zaubert „E3“ einen mal melancholisch-ruhigen, mal fetzig-rauschenden Klangteppich mit keltischen, Country- und Folk-Tönen in den Saal.

Im Gegensatz zum Konzert im vergangenen Jahr hat die Truppe aus dem Rhein-Main-Raum dieses Mal viel mehr Wert auf eigene Kompositionen gelegt. Gewürzt mit filigranen Soli auf den jeweiligen Instrumenten, sorgen die Cracks mal für ein Soundgewitter, mal für besinnliche, leise Töne. „Starry Eyes“ hat unverkennbar keltische Anklänge, lebt vom Duett von Geige und Saxofon. Ein Markenzeichen der Band ist auch der mehr-, bis zu fünfstimmige Gesang.

Die Zuschauer merken, dass vor ihnen sechs Musiker zum Anfassen auf der Bühne stehen, die (auch übereinander) ihre kleinen Scherzchen machen, sich nicht so ernst nehmen, aber andererseits die Musik sehr ernst. Wenn Peter Reimer auf Gitarre oder Mandoline anfängt zu zaubern, gibt es kein Halten. Beim deutschen Rock- und Pop-Preis 2014 räumte er gleich dreimal ab, unter anderem in der Kategorie „Bester Instrumentalsolist“.

Beim Zuschauen, wie die Finger über die Saiten flitzen, lässt sich diese Entscheidung gut nachvollziehen. Mark Patrick (Gesang/Gitarre) ist noch aus seinen Zeiten als Frontmann bei „Paddy goes to Holyhead“ bekannt. Gunnar Jürgens an der Geige und Multiinstrumentalist Ralf Olbrich auf Gitarre, Mandoline, Saxofon oder Harmonika spielten sich immer wieder virtuos die Bälle zu. Erhard Koch am Bass und Thomas Wimmer am Schlagzeug komplettieren die Truppe, bei der jeder außer dem Drummer auch gesanglich ran darf. Dem wird dafür ein Solo zugestanden.

„Devil went down to Georgia“ geht mehr Richtung Country. Jürgens fiddelt sich einen ab, während die anderen den Song in Sprechgesang „runterrattern“. Bei „Her Majesty“ bringt Olbrich ein „Saxillo“ zum Einsatz, das ein australischer Instrumentenbauer nur aus Holz fertigte. Der warme, volle Klang beeindruckte, das eigens dafür geschrieben Stück, eine gefühlvolle Ballade, ebenso.

Die fünf Frontmänner mit ihrem Taktgeber im Hintergrund spielen sich die Bälle virtuos zu. Wie überhaupt die Band den Covers eine ganz eigene Note aufdrückt, die das Original noch erkennen lässt, aber in ihrer Abänderung daraus schon ein neuer Song wird. Leider sind im aktuellen Programm nicht mehr „Wish you were here“ von Pink Floyd oder „Long train running“ von den Doobie Brothers“ zu finden, die zuvor Garant für offene Münder waren.

Dass AC/DCs „Thunderstruck“, in dem Peter Reimer versucht, das Publikum zum „Thunder“-Grölen zu animieren, begeisterten Beifall einheimst, ist klar. Der Song ist so etwas wie das Markenzeichen der Gruppe. Auf Mandoline, Gitarre, Harmonika, Geige, Bass und mit zwei Löffeln kreieren die sechs eine Version, die gewaltig abgeht und Gaudi pur ist – auf höchstem musikalischem Niveau. „Dust in the Wind“ von Kansas gibt’s dann noch als Zugabe obendrauf. Einfach klasse Musik.