Weiter keine Einigung im Tarifstreit bei Meto

Auf der Betriebsversammlung von Meto in Hirschhorn, einem führenden Hersteller von Preisauszeichnungsprodukten, gab es nur ein Thema: Der seit knapp zwei Jahren anhaltende Tarifstreit zwischen dem Arbeitgeber und der Gewerkschaft IG Metall. Der Betrieb war laut Mitteilung der Gewerkschaft 2017 in die sogenannte OT-Mitgliedschaft (ohne Tarifbindung) des Arbeitgeberverbandes gewechselt. Betroffen sind etwa 140 Arbeitskräfte.

„Mit dieser Tarifflucht versucht sich Meto seiner tariflichen Verpflichtungen gegenüber den Arbeitnehmern zu entledigen“, so Jochen Homburg, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Darmstadt in seiner Nachricht. Auf der Betriebsversammlung ließ zunächst Betriebsratsvorsitzender Gernot Walter die verschiedenen Einigungsversuche der vergangenen beiden Jahre mit den gemachten Vorschlägen zur Lösung des Konfliktes Revue passieren. Mit jedem dieser Vorschläge „versuchte die Geschäftsleitung einen finanziellen Beitrag der Mitarbeiter zu bekommen“ sagte Walter. Als Grund werde die Sanierung des Betriebs genannt.

Danach erläuterte Homburg den Vorschlag eines Sanierungstarifvertrags von Gewerkschaft und Betriebsrat. Dieser hätte bei gleichzeitiger Zusage einer Standortgarantie und eines Kündigungsschutzes für die Laufzeit des Tarifvertrags den teilweisen Verzicht auf tarifliche Rechte bedeutet. „Dieser Sanierungstarifvertrag wurde von der Geschäftsleitung zurückgewiesen und insbesondere der Kündigungsschutz für alle Abteilungen abgelehnt“, bedauerte er.

Die Geschäftsleitung blieb laut IG Metall der Veranstaltung trotz vorheriger Zusage fern. „Sie entzog sich damit der Diskussion mit der Belegschaft“, so die Gewerkschafter. Walter und Homburg stellten auf der Versammlung noch einmal klar, dass die Herausnahme eines Belegschaftsteils aus dem Kündigungsschutz inakzeptabel sei. Aufgrund der fehlenden Stellungnahme der Geschäftsleitung zu diesem Thema wurde die Versammlung nicht beendet, sondern nur unterbrochen, teilte die IG Metall mit.

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Warnstreik bei Meto in Hirschhorn: Flucht aus Tarifvertrag sorgt für Ärger bei Beschäftigten

Die Geduld ist am Ende. Seit mehr als einem halben Jahr bemühen sich der Betriebsrat der Meto International und die IG Metall um konstruktive Gespräche mit der Geschäftsführung des größten Hirschhorner Arbeitgebers. Jedoch bisher vergeblich. Denn dieser wechselte zum Jahresende in eine „Ohne-Tarif-Mitgliedschaft“ im Arbeitgeberverband. Deshalb gab es nun einen ersten Warnstreik vor dem Unternehmen.

In dessen Mittelpunkt standen nicht nur die „internen“ Meto-Forderungen, sondern auch die in der aktuellen Tarifauseinandersetzung von der IG Metall propagierten nach sechs Prozent mehr Entgelt und dem Anspruch auf eine Reduzierung der Arbeitszeit. Betriebsratsvorsitzender Gernot Walter und Ulrike Köhler von der IG Metall Darmstadt zeichneten vor den etwa 65 Warnstreikenden die bisherige Entwicklung nach.

„Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen“, betonte Köhler. Denn bisher weigere sich die Geschäftsleitung um Peter Sperl, mit der Gewerkschaft zu verhandeln. Diese fordert einen Anerkennungstarifvertrag, damit sämtliche bisherigen Errungenschaften erhalten bleiben und die Mitarbeiter auch in den Genuss der künftigen Verhandlungsergebnisse kommen.

Gernot Walter bezog sich in seinen Worten sowohl auf den aktuellen Tarifstreit als auch die Meto-spezifischen Punkte. „Wenn wir uns die Tarifbindung nicht erkämpfen, ist alles, was in Zukunft ausgehandelt wird, nicht mehr für uns gültig“, betonte er. Ohne einen Anerkennungstarifvertrag sieht er über kurz oder lang auch früher erkämpfte tarifliche Leistungen gefährdet.

Seit über einem halben Jahr setze man sich dafür ein, dass der Betrieb nicht in die Ohne-Tarif-Mitgliedschaft wechsle – aber ohne Erfolg. Die Geschäftsleitung verweigere sich Gesprächen. „Freundliches Bitten half nichts“, sagte Walter. Erst als der Betriebsrat Überstunden verweigerte, gab es Bereitschaft. „Glaubt bitte nicht, dass es uns Spaß macht, Überstunden abzulehnen“, meinte er.

Alles schien seinen Worten zufolge nach eine Gespräch Köhler/Sperl Ende Oktober auf einem guten Weg, als dann kurz vor knapp Mitte Dezember die Geschäftsleitung den anberaumte Verhandlungstermin platzen ließ. Danach schlug die Gewerkschaft den offiziellen Weg ein. Seitdem lehnt der Betriebsrat laut seinem Vorsitzenden Mehrarbeit auch wieder kategorisch ab. Darauf folgten laut Walter Drohungen, „Arbeit wegzugeben und Investitionen nicht zu tätigen“.

Der BR-Vorsitzende wie auch Köhler machten weiterhin ihre Gesprächsbereitschaft deutlich, hoben aber gleichzeitig hervor, dass ein Anerkennungstarifvertrag eine elementare Komponente ihrer Forderungen ist. Walter zitierte den Spruch „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren“. Seiner Meinung nach lohnt es sich zu kämpfen – auch im Hinblick auf weitere Einschnitte, die folgen könnten. Je mehr sich am Ausstand, umso schwerer werde es für die Geschäftsleitung, „ihre Verweigerungstaktik weiter zu betreiben“.

Ulrike Köhler warf Geschäftsführer Sperl vor zu taktieren. Im Gespräch mit ihm habe sie mehrere Optionen aufgezeigt, der Betriebsrat habe sich kompromissbereit gezeigt. Die Absage von Verhandlungen habe sie ernüchtert. Sie befürchte deshalb nun, sagte die IG-Metall-Sekretärin, dass es dem Unternehmen um mehr als nur die Abfederung von Tariferhöhungen gehe. Denn der Manteltarif ist derzeit offen, erläuterte sie. Deshalb könne die Geschäftsleitung ohne Tarifmitgliedschaft an der Arbeitszeit oder Zuschlägen für Mehrarbeit herummachen.

Der Warnstreik sei ein erstes Zeichen dafür, „dass man mit uns nicht so umspringen kann“, betonte Köhler. Leider, bedauerte sie, „versteht die Geschäftsleitung wohl nur Druck“. Es ist ihren Worten zufolge nicht prickelnd, draußen zu stehen und zu streiken. Wenn das aber die einzige Sprache sei, die der Arbeitgeber verstehe, dann sei man dazu bereit. „Wir reichen die Hand, aber die Geschäftsführung muss sich bewegen und mit uns an einen Tisch setzen“, hob die IG-Metall-Sekretärin hervor.

Die Anfänge der Firma Meto reichen genau 100 Jahre zurück. Sie wurde 1918 in Köln gegründet. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Firmensitz nach Hirschhorn verlegt. Inhaber Oskar Kind entwickelt 1959 den ersten Handauszeichner „Jedermann“ und läutet damit die Geburtsstunde der Handauszeichnung ein. 1999 wird der Betrieb an den amerikanischen Warensicherungsspezialisten Checkpoint Systems verkauft. 2016 erfolgte die Übernahme durch den kanadischen CCL Industries. Meto wird als eigenständige Abteilung weitergeführt. Waren vor 25 und mehr Jahren noch 600 Mitarbeiter am Standort Hirschhorn tätig, so sind es heute noch um die 150. Von diesen sind 65 Prozent gewerkschaftlich organisiert. Meto ist aber weiterhin größter Gewerbesteuerzahler und Arbeitgeber in der 3500-Einwohner-Stadt am Neckar

Warnstreik bei Checkpoint in Hirschhorn: IG Metall will fünf Prozent mehr Lohn

Rund 80 Beschäftigte der Firma Checkpoint waren dem Aufruf der IG Metall zu einem Warnstreik gefolgt, um die Tarifforderung nach fünf Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten aktiv zu unterstützen. Harald Kreuzig, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und Tarifkommissionsmitglied, machte deutlich, dass gute Arbeit auch anständig bezahlt werden muss: „Das haben die Beschäftigten verdient.“

Ulrike Köhler, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Darmstadt, betonte, dass höhere Entgelte die Kaufkraft stärkten und die Binnennachfrage ankurbelten: „Das nutzt uns allen.“ Das bisherige Angebot der Metall-Arbeitgeber nannte sie eine „dreiste Provokation und respektlos gegenüber den Beschäftigten“. Denn die Unternehmen machten in der überwiegenden Mehrheit gute Gewinne.

Mit massiven Warnstreikaktionen will die IG Metall für einen guten Abschluss Druck machen und deutliche Lohnerhöhungen und eine kräftige Erhöhung der Auszubildendenvergütungen in der Metall- und Elektroindustrie durchsetzen: „Gute Leute, gute Arbeit, gutes Geld“ – das ist unsere Forderung“, so Köhler. Die IG Metall wolle daneben offensiv gegen Tarifflucht vorgehen und eine höhere Tarifbindung der Metall- und Elektrobetriebe erreichen.

An der Warnstreikkundgebung nahm auch DGB-Regionssekretär Horst Raupp teil. Er machte deutlich, dass in diesem Jahr die Tarifverträge für zwölf Millionen Beschäftigte ausliefen und unterstrich: „Der gesellschaftliche Reichtum in Deutschland wächst von Jahr zu Jahr. Während sich die Manager immer dreister und hemmungsloser die Taschen vollstopfen, kommt bei den Beschäftigten, die diesen Reichtum erarbeiten, immer weniger an. Jetzt sind wir dran. Die Beschäftigten brauchen eine deutliche Steigerung ihrer Einkommen.“

Archivbild

IG Metall-Warnstreik bei Checkpoint in Hirschhorn

Die Warnstreikwelle der IG Metall Darmstadt hat auch das südlichste Ende von Hessen erreicht. Bei der Firma Checkpoint Systems in Hirschhorn-Ersheim folgten laut IG Metall von rund 150 Aufgerufenen etwa 80 Kollegen trotz der schlechten Wetterbedingungen dem Warnstreikaufruf. Die Arbeitnehmer fordern eine Lohnerhöhung von 5,5 Prozent sowie Bildungs- und Altersteilzeit. Checkpoint stellt „Warensicherungssysteme“ für den Einzelhandel her und ist größter Arbeitgeber in der Stadt.

Horst Raupp, Regionssekretär des DGB Südhessen, Holger Hammer-Huhn, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Darmstadt, und der Betriebsratsvorsitzende Gernot Walter (ganz re. im kleinen Bild) thematisierten beim halbstündigen Ausstand vor dem Firmengelände das ihrer Ansicht nach „unzureichende Angebot der Arbeitgeberseite“ in der laufenden Tarifrunde. Besonders „das mangelhafte Angebot zur Altersteilzeit“ wurde angesprochen. Gerade für einen Standort wie Hirschhorn sei es besonders wichtig, der demografischen Entwicklung im Betrieb mit Regelungen zur Altersteilzeit in Verbindung mit einem tariflichen Anspruch auf Bildungsteilzeit entgegen zu wirken, so Hammer-Huhn.

Er fand harte Worte für die von Arbeitgeberseite vorgeschlagene 2,2-Prozent-Lohnerhöhung: Die ist für Hammer-Huhn ein „Treppenwitz der Tarifgeschichte“. Das Argument der Arbeitgeber, diese 2,2 Prozent entsprächen angesichts einer niedrigen Inflationsrate gefühlt den von der IG Metall geforderten 5,5 Prozent, sei bar jeder Beschreibung. Der Metaller lobte den „guten Organisationsgrad“ der Gewerkschafter in Hirschhorn, was auch mit der sehr regen Arbeit des dortigen DGB-Büros zu tun habe.

Laut Hammer-Huhn geht es nicht nur ums liebe Geld, sondern auch um Bildungsteilzeit, die von den Arbeitgebern abgelehnt werde. Bei der Altersteilzeit wolle die IG Metall verhindern, dass die bisher mögliche Quote von vier Prozent der Beschäftigten halbiert werde. Die Gewerkschaft wehre sich außerdem dagegen, dass der Arbeitgeber bestimmen könne, wer sie in Anspruch nehmen könne. Nach dem Auslaufen der Friedenspflicht am 28. Januar gab es Hammer-Huhn zufolge bereits neun Warnstreiks in Südhessen. Heute fand ein weiterer in Lampertheim bei der Firma Ixys statt, für morgen ist einer in Bensheim geplant.