Gemeinsam für „Selinas Traum“

Selinas Traum soll wahr werden. Die blinde Zwölfjährige aus Kailbach möchte gerne Fahrrad fahren. Dafür wird ein spezielles Tandem benötigt. Für die Realisierung ihres Herzenswunsches setzt sich zusammen mit Familie Burth und dem Behindertenclub Odenwald (BCO) der Rotary-Club Erbach-Michelstadt ein. Eigentlich wollte Präsident Roger Frohmuth einen Scheck über 1000 Euro im Rahmen der 45-Jahr-Feier des BCO übereichen. Doch diese, geplant in der Adventszeit, musste wegen der Pandemie ausfallen.

Die Rotarier begleiten seit Jahrzehnten die Arbeit des Behindertenclubs mit seiner Vorsitzenden Elfi Kissinger, erläutert Frohmuth. In Würdigung der wertvollen, ehrenamtlichen Arbeit gab’s jetzt eine Spende über 500 Euro. Zustande kam die Zusammenarbeit über die frühere Vorsitzende Barbara König, deren Mann Rotarier war. Es wurde gemeinsame Ausflüge und Touren durchgeführt.

Pfarrer Frohmuth ließ diese Aktivitäten ein Stück weit wieder aufleben, etwa durch die Mitverantwortung bei der Ausrichtung der Weihnachtsfeier. Er bedauert, dass diese im vergangenen Jahr dann nicht möglich war. Die Rotarier nutzen diese Gelegenheit gerne für eine Schecküberreichung, mit der Dinge ermöglicht werden, die sonst nicht möglich sind. Und dieses Mal sollte eben der Scheck für die Aktion „Selinas Traum“ den Eigentümer wechseln. Das will der Club nachholen, sobald es wieder möglich ist.

„Selina wünscht sich von Herzen ein Tandem für Ausflüge mit der Familie“, weiß der Präsident. Bei der Erfüllung dieses Traums „will unser Club behilflich sein“, ergänzt er. Ein solches Tandem „gibt es nicht von der Stange“, erklärt Frohmuth. Es muss speziell angepasst werden und ist deshalb teurer als ein normales Fahrrad. Er hofft, dass sich bis zum Frühjahr der Traum von Selina verwirklichen lässt. Dann könnte sie bei besserem Wetter losradeln. Probefahren durfte sie schon einmal mit ihrem Vater Matthias.

Eine weitere große Leidenschaft der Zwölfjährigen ist die Musik. Sie spielt bei der Weihnachtsfeier des BCO immer Lieder auf dem Keyboard vor. Das Klavier spielen hat sie sich vor vier Jahren selbst beigebracht, erzählt ihre Mutter Michaela Burth.

Selina leidet unter dem seltenen MLS-Syndrom, schildert ihre Mutter. Deshalb dauerte es auch über ein Jahr, bis die Labore es herausfanden. Die Zwölfjährige geht in Elsenfeld (Main) in die Blindenschule. „Leider gibt es nur diese eine“, bedauert sie. Das Mädchen fährt am Tag fast drei Stunden mit dem Bus, da auch andere Kinder abgeholt und auch wieder nach Hause gebracht werden. Selina steigt in Kailbach als erste ein und als letzte wieder aus, sagt sie.

Die Schule baut gerade in Aschaffenburg neu, erzählt sie. Dann ist ihre Tochter noch länger unterwegs. Aber: „Die Schule ist sehr gut und bietet auch Klavierunterricht.“ Denn Selina spielt so gerne das Instrument. Sie ist sehr musikalisch und singt natürlich auch gerne. Die junge Kailbacherin hat noch eine ältere Schwester, Anastasia. Die 13-Jährige besucht derzeit den Konfirmandenunterricht bei Pfarrer Frohmuth.

Ein Highlight war für das Mädchen der Besuch eines Konzerts des Starpianisten Lang Lang Ende Dezember 2018 in München. „Damit ist ein großer Traum für sie wahr geworden“, freut sich ihre Mutter. Selina durfte sogar mit ihm spielen. Die Zwölfjährige „hört eine Melodie und kann sie sofort nachspielen“, ist Michaela Burth stolz auf diese Fertigkeit. Das Video mit Lang Lang ist auch unter https://youtu.be/en8bKRlansI zu finden.

Das Fahrradfahren lernte Selina in der Schule, da es dort ein Spezialrad gibt. Die Familie wünscht sich, erläutert ihre Mutter, zusammen mit ihr Ausflüge zu machen. Sonst ist das nur getrennt möglich. „Mein Mann und Anastasia fahren und Selina und ich bleiben zu Hause.“ Michaela Burth stellte schon oft einen Antrag bei der Krankenkasse, der jedes Mal wegen Selinas Blindheit abgelehnt wurde. „Das Tandem wurde auch immer abgelehnt“, ärgert sie sich. Ein erneuter Versuch vor kurzem wurde ebenfalls abschlägig beschieden.

Die aktuelle Spendenaktion wurde von einer Freundin der Familie, Natascha Gippert, ins Leben gerufen. „Sie hat Selina lieb und möchte, dass es ihr gut geht“, ist die Mutter dankbar. Denn das ist derzeit nicht der Fall, da das Mädchen wegen ihrer Blindheit Adipositas hat. „Das weiß auch die Krankenkasse“, ärgert sich Burth – aber ändert nicht ihre Entscheidung.

Im Sommer kann Selina wenigstens draußen Trampolin springen, was sie auch sehr gut macht. „Wir haben auch ein kleines für drinnen“, erzählt ihre Mutter. Aber davon alleine verbrennt der Körper ja nicht genügend Fett. „Wir sind sehr in Sorge“, schildert sie die Situation. Im Moment ist die Zwölfjährige zuhause. „Darüber bin ich auch froh“, betont Michaela Burth. Denn das Mädchen hat kein gutes Immunsystem – und bei einem Schulbesuch „hätte ich noch mehr Angst“.

Wie Rotary-Präsident Frohmuth zusätzlich ausführt, läuft die Arbeit des Clubs auch während der Pandemie weiter. Es gibt regelmäßige Treffen per Videokonferenz. Aktuell wird die Vergabe des Förderpreis-Stipendiums geplant, erzählt er. Damit wird im Juni, zum Ende des rotarischen Jahres, der beste Abiturient des Odenwaldkreises ausgezeichnet.

Dotiert ist der Preis mit 10.000 Euro. Diese Summe wird von einer Stiftung zur Verfügung gestellt, so Frohmuth. Es geht beim Gewinn nicht nur um die Note, sondern auch um das gesellschaftliche Engagement und die Sozialkompetenz, erklärt.

Der Behindertenclub Odenwald freut sich über weitere Unterstützer von „Selinas Traum“. Kontakt über die Vorsitzende Elfi Kissinger, Telefon 06061-96500, E-Mail elfi.kissinger@web.de

Wirbeln für die Kindergarten-Vergrößerung

Die Verwaltung muss wirbeln und kräftig Wind machen, damit der Kailbacher Kindergarten bald vergrößert werden kann: Diesen Wunsch äußerte der Sozial- und Gesundheitsausschuss unter seinem neuen Vorsitzenden Dirk Daniel Zucht (SPD) bei seiner Sitzung in Beerfelden als Empfehlung an die Stadtverordneten-Versammlung. Bis spätestens Ende kommenden Jahres soll nach dem Wunsch der Mandatsträger ein modularer Anbau mit Kosten von 650.000 Euro realisiert sein.

Vor fünf Jahren, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer, stellte sich die Situation noch so sehr entspannt dar, dass die Einrichtung kurz vor der Schließung stand. Es wurden sogar Kinder aus dem badischen Friedrichsdorf „angeworben“. Doch dann kam der bisher anhaltende Babyboom. Zusammen mit der Tendenz, dass immer mehr unter Dreijährige aufgenommen werden, herrscht nun Platzmangel.

Mehrere Kinder aus den Hesseneck-Gemeinden sind bereits in Unter-Sensbach und Beerfelden untergebracht. Positiver Nebeneffekt einer Vergrößerung: Mehr Platz im Kailbacher „Wirbelwind“ würde bedeuten, dass dann auch im Beerfelder „Abenteuerland“ wieder mehr Kapazitäten zur Verfügung stünden, wo sie ebenfalls händeringend gebraucht werden.

Kehrer führte aus, dass es bisher nur Platz für eine Gruppe gibt. Auch fehlt ein geeigneter Schlafraum für die Kleinsten. Das komplette ISV-Heim lässt sich seinen Worten zufolge nicht für den Kindergarten umwidmen, da es auch als Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft dient. Daneben hält der Bürgermeister einen Umbau im Bestand bei älteren Gebäuden für problematisch, da sich dies – aufgrund der hohen Auflagen für einen Kindergartenbetrieb – als Kostenfalle herausstellen könnte.

Container bezeichnete Kehrer nur als Zwischenlösung, denn diese Variante ist seinen Worten zufolge mit ein paar Handicaps behaftet. Ganz davon abgesehen, dass eine Miete auf zwei Jahre bereits 300.000 Euro kostet – die modulare, aber dafür beständige Variante etwas mehr als das Doppelte, 655.000 Euro. Dieser Vergleich, zusammen mit dem Zeitaspekt, ließ die Ausschussmitglieder dann klar Richtung Modularbau tendieren. Der könnte laut Kehrer mit einem geeigneten Generalunternehmer innerhalb eines Jahres verwirklicht werden.

„Es geht um Schnelligkeit“, betonte Horst Kowarsch (Grüne). Die Eltern wollten nicht noch zwei oder drei Jahre warten, bis ihre Kinder in Kailbach untergebracht werden können. „Wo geht die Zukunft hin“, warf Kehrer als Überlegung in den Raum. Bei konstant hohen Kinderzahlen sollte man die konventionelle Bau-Lösung anstreben, sagte er. Denn auch für Container müsste man erst einen geeigneten Platz finden – und diesen mit den nötigen Versorgungsleitungen ausstatten. Daneben gibt es eine Nutzungsbefristung auf fünf Jahre.

Mit dem Wunsch, endlich zu Potte zu kommen, brachte Tobias Stadler die Meinung seiner Kollegen auf den Punkt. Am Beispiel Neckarsteinach erläuterte der Bürgermeister auf Frage von Dominik Foshag (beide ÜWO), dass eine Containerlösung als Vorlaufzeit bis zum Einsatz ein halbes Jahr braucht.

Wenn es eine Finanzierung ohne Fördermittel geben sollte, dann kann die nur über Kredite geschehen, machte das Stadtoberhaupt deutlich. Die Verwaltung ist aber derzeit in Klärung, inwieweit möglicherweise schon ein Baubeginn erfolgen kann und erst danach Fördergelder beantragt werden. Bis funktionierte eine Bewilligung nur vor Baubeginn.

Für Frank Leutz (FDP) war klar: „Wenn wir uns auf Fördermittel verlassen, sind wir verlassen“, spielte er darauf an, dass die Stadt bisher beim Windhundrennen um Bundes- und Landesgelder für Kindergartenbauten leer ausging. Seine Forderung: „Wenn wir uns entscheiden, Schulden zu machen, sollten wir das sofort machen.“ Denn die Diskussion dreht sich längerer Zeit im Kreis „und die Situation spitzt sich immer mehr zu“. Die Formulierung der Beschlussempfehlung erwies sich als nicht einfach, bis allen Punkten Rechnung getragen war. Aber der Tenor war eindeutig: Es muss jetzt ganz schnell gehen.

 

Dringender Handlungsbedarf bei Kita-Plätzen

Oberzent braucht dringend neue Kindergartenplätze. In Beerfelden ist die Not am größten, aber auch Kailbach klagt über Platzmangel. Unter-Sensbach steht durch die Eröffnung einer zweiten Gruppe ganz gut da. In Rothenberg geht es vor um die räumliche Situation. Stoff genug also für den Sozial-, Kultur- und Gesundheitsausschuss, der erstmals in eigener Verantwortung tagte. „Wir nehmen als Mandatsträger das Heft in die Hand, damit Bewegung in die Sache kommt“, kündigte der stellvertretende Vorsitzende Dirk Daniel Zucht (SPD) an.

Das ewige Warten auf Fördermittel, nur um zu erfahren, „dass sie vergeben oder gestrichen sind“, ist seiner Ansicht nach nicht zielführend, betonte er. Denn wenn danach die Planungen für einen Um- oder Neubau erst einmal wieder ad acta gelegt werden, bleibt das Problem der fehlenden Plätze bestehen oder wird sogar noch größer.

„Es ist ein schweres Dilemma“, formulierte Zucht, dass Fördermittel des Landes anscheinend – wie beim Beispiel Kindergartenneubau Rothenberg – im „Windhundprinzip“ vergeben werden. Er sah dies als eine gravierende Benachteiligung des ländlichen Raumes.

„Um zu Potte zu kommen“, ist ein Agieren unabhängig von Fördermittel notwendig, wusste sich Zucht mit seinen Kollegen der verschiedenen Fraktionen einig. „Wir sind in der Pflicht“, wies er auf den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz hin. 45 Kinder stehen derzeit allein in Beerfelden ab dem kommenden Kindergartenjahr 2020/21 auf der Warteliste – „und es werden nicht weniger“.

Bis zur kommenden Sitzung des Ausschusses am 13. Juli soll das Bauamt nach dem Wunsch des Ausschusses nun unter zeitlichen und finanziellen Kriterien prüfen, wie eine Containerlösung für die Standorte Beerfelden und Kailbach aussehen könnte. Auch für einen möglichen Waldkindergarten soll bis dahin eine Expertise eingeholt werden. Varianten davon gibt es bereits in umliegenden Orten wie Eberbach und Erbach. „Jedes Format ist ein Plus“, so der Ausschuss-Vorsitzende.

Dann könnte die Stadtverordneten-Versammlung in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause Nägel mit Köpfen machen. Natürlich würden es die Ausschussmitglieder gerne sehen, wenn es bereits zum nächsten Kindergartenjahr eine Lösung gäbe, aber so schnell wird es wohl nicht gehen. Zucht hob hervor, dass ein Anbau in Beerfelden und ein Neubau in Rothenberg „noch nicht vom Tisch sind“. Sollte es neue Fördermittel geben, „stehen wir Gewehr bei Fuß“.

Diese Projekte laufen seinen Angaben nach aber mehrere Jahre. „Wir brauchen jedoch jetzt etwas kurzfristig Umsetzbares“, betonte er. Bei den Containern denkt man an einen Kauf. Denn sie ließen sich, sollten sie für den Kindergarten einmal nicht mehr gebraucht werden, anderweitig umwidmen. Andererseits werden sie jedoch für diesen Zweck einige Zeit im Einsatz sein, sodass eine Anmietung nicht so sinnvoll erscheint.

Dem Ausschuss geht es mit seinen Vorschlägen und Ideen auch um die Außenwirkung: „Wir müssen ein Signal setzen, dass etwas passiert“, ist Zucht wichtig. Denn das Thema schleppt sich schon lange dahin, ohne dass Fortschritte zu erkennen sind. „Es muss Priorität haben“, postulierte er. Die Mandatsträger wollen nicht länger zuwarten. So schnell wie es organisatorisch und finanziell machbar ist, sollen die Container sehen. „Wir haben ein Ziel formuliert und werden es mit Nachdruck weiter verfolgen“, war fraktionsübergreifend der Tenor im Gremium.

Im Vorfeld hatte Verwaltungsmitarbeiter Helmut Ulrich die Zahlen erläutert. In Beerfelden ist die Kita derzeit voll belegt. Es gibt hier eine lange Warteliste. Im „Abenteuerland“ existiert derzeit eine sechste Gruppe, die nur übergangsweise eingerichtet wurde. Sie wird von 17 Kindern besucht, die in einen kommenden Erweiterweiterungsbau aufgenommen werden müssten. Neun Kinder haben zwar einen Platz in einer der städtischen Kita, aber die Eltern würden sie aus fahrtechnischen Gründen gern in Beerfelden unterbringen.

 

Die Glocke soll endlich läuten

„Die Glocke von Kailbach“ ist kein Odenwald-Stück von Schiller, sondern ein anderer, bereits 20 Jahre währender Klassiker im früheren Hessenecker Ortsteil. Dessen Ortsbeirat kam jetzt im Hesselbacher Dorfgemeinschaftshaus zusammen, weil dieses den meisten Platz zur Abstandswahrung in Corona-Zeiten bietet. Ortsvorsteher Martin Pollak freute sich über die doch ansehnliche Zuschauerzahl.

Es geht um die alte, der Gemeinde gehörende Schulhaus-Glocke in Kailbach. Die ist zwischenzeitlich, nachdem erst die Kirche, dann ein Privatmann das (inzwischen abgerissene) Turmgebäude kaufte, in der Friedhofshalle zwischengelagert. Auf dem Friedhof soll sie in Zukunft wieder erklingen. Bei der Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) hatte man einen Antrag auf Förderung für diese Maßnahme aus dem Regionalbudget gestellt, aber der wurde leider abgelehnt.

Davon will man sich aber nicht entmutigen lassen. „Wir wollen das 2021 noch einmal beantragen“, kündigt der Ortsvorsteher an. Parallel läuft demnächst eine Sammlung im Ort an, um alles in Eigenleistung in Zusammenarbeit mit einem Zimmereibetrieb zu stemmen. Denn so langsam will man zu Potte genommen, nachdem die Glocke schon viele Jahre nicht mehr klingt. Mit der Glocke hat es zwar noch nicht hingehauen, aber dafür gibt’s nun eine neue Brücke über den Schöllenbach. Die machte der Oberzent-Bauhof flott, nachdem die bisherige an Altersschwäche litt.

Ist Hesseneck in Sachen Mobilfunk bald kein Tal der Ahnungslosen mehr? Pollak informierte Gremium und Besucher darüber, dass der Mobilfunkanbieter O2-Telefonica in Schöllenbach einen Sendemast aufstellen möchte und eine entsprechende Anfrage bei der Stadt Oberzent startete Hintergrund ist die Förderung der 5G-Technologie.

Der Ortsbeirat sprach sich für die Umsetzung aus. Die Stadt hätte ein Grundstück, alternativ könnte die Errichtung auch auf einem privaten Gelände erfolgen. Laut Pollak kam der Mobilfunkriese „übers badische Schöllenbach bzw. Eberbach auf uns zu“. Dort werde von den Bürgern der Bedarf gesehen.

Seit in der Schöllenbacher Siegfriedstraße nach den Regeln der Straßenverkehrsordnung geparkt wird – also nicht mehr auf dem Gehweg – gibt’s öfter einmal beengte Begegnungen und einige Hupkonzerte, schilderte der Ortsvorsteher die Lage. Sein Wunsch: Das Oberzent-Ordnungsamt sollte die Parksituation vor Ort überprüfen. Möglicherweise macht es an der einen oder anderen Stelle – gerade in Kurven – Sinn, das Parken einzuschränken.

 

 

Den Tante-Emma-Laden auf dem Dorf gibt’s noch

Ein Dorfladen in der heutigen Discounter-Zeit? Der kann durchaus überleben, wie sich am Beispiel der früheren Bäckerei Münch in Kailbach zeigt. Die wird seit 25 Jahren von der Bäckerei Münkel/Burkardt aus Schloßau betrieben und bietet den Bürgern aus dem ehemaligen Hesseneck plus dem benachbarten Friedrichsdorf neben den Backwaren auch eine Grundversorgung für den täglichen Bedarf mitsamt einer Postfiliale. Damit das Konzept funktioniert, braucht es aber eine ganze Reihe von ineinander greifenden Zahnrädern, erläutert Herbert Münkel.

Da sind zuerst einmal die guten Seelen des Geschäfts: Birgit Krahl, Martina Jahn und Patricia Grabe. Die kommen aus Kailbach, Schöllenbach und Hohberg und kennen jeden ihrer Kunden persönlich. Oft existieren persönliche Beziehungen zu den Einkaufenden. Dann gibt es mit Münkel einen Unternehmer, der nicht nur gewinnorientiert denkt. Ihm geht es auch darum, „den ländlichen Raum zu stärken“, betont er. Denn im Odenwald „brauchen wir den Tälerstolz“, meint er.

Auf die zwölf Quadratmeter Ladenfläche umgerechnet, „habe ich hier einen höheren Umsatz als in den anderen Filialen“, schmunzelt er. Dazu kommen die bezahlbare Pacht und überschaubare Energiekosten – für ihn alles Punkte, die einen Weiterbetrieb trotz langsam weniger werdenden älteren Kunden gesichert erscheinen lassen. „Wir kommen an die jungen Leute nicht so richtig ran“, ergänzt Birgit Krahl. Sie stellt allerdings vermehrt fest, dass junge Familien zuziehen, die dann wiederum den Laden frequentieren.

Mit den auf vier Stunden am Tag begrenzten Öffnungszeiten und den drei 450-Euro-Kräften lässt sich das Geschäft wirtschaftlich betreiben, erläutert Münkel. Denn obendrauf kommen noch Folgeaufträge, wenn etwa örtliche Feste und Jubiläumsabende beliefert werden. Dazu wird für die Kailbacher Filiale kein Extrabrot gebacken, sondern der dortige Bedarf läuft quasi in der normalen Produktion nebenher mit. Zweimal am Tag, um 6 und 8.30 Uhr, werden die frischen Waren aus Schloßau angeliefert.

Auch auf dem Land hat der Trend zur Vollwertkosten Einzug gehalten. Urkorn oder Chia-Samen heißen neben dem Odenwälder Bauern- oder Schwarzwälder Landbrot die angesagten Sorten. Zeitungen, Marmeladen, Nudeln, Honig, Zucker, Essig, Öl, Bohnen, Wurst oder Nutella: Für den Grundbestand an Lebensmitteln ist gesorgt. Wie auch mit Müllbeuteln, Toilettenpapier und Reinigungsmitteln für weitere notwendige Dinge im Haushalt.

Zulauf gibt es auch durch die Postagentur. Wer eine Briefmarke braucht, nimmt auch ein Brötchen oder ein paar Lebensmittel mit. Münkel ist stolz auf „das kleine, aber breite Sortiment“, das alles abdeckt, „was die Leute im Supermarkt vergessen haben“. Denn ein Ladenstandort im ländlichen Raum ist generell schwierig zu betrieben, weil die Kunden angesichts der dünnen Besiedelung fehlen.

Ein kleines Schwätzchen beim Einkauf hier, der Austausch über die Familie dort: Es geht sehr familiär zu. Man kennt sich, man vertraut sich. Ältere Kunden legen auch einfach den Geldbeutel auf die Theke und sagen, „nimm dir das Passende raus“, lacht Krahl. „Der Laden liegt uns am Herzen“, ergänzt ihre Kollegin. Die drei organisieren alles selbst, was den Chef freut, weil er dann weniger Arbeit hat. Dadurch ist eine Öffnung das ganze Jahr über garantiert. „Das Umfeld stimmt, deshalb funktioniert es“, hebt Münkel hervor.

Da alle drei Mitarbeiterinnen aus der Nähe kommen, „gibt es auch die Verbindung mit den örtlichen Vereinen“, sagt Martina Jahn. Die werden vom Betrieb unterstützt und revanchieren sich dann, indem sie sich bei Festen beliefern lassen. Zu den Kunden kommen noch Wanderer, Ausflügler, Nutzer der Krähberg-Strecke, Bus- und Lkw-Fahrer, zählt Krahl auf. Eine runde Sache.

 

Info: Bäckerei Münkel in den früheren Münch-Räumen, Kailbach, Siegfriedstraße 8, Öffnungszeiten Montag bis Freitag 6.15 bis 10.15 Uhr, Samstag 6.30 bis 10.30 Uhr. Mehr unter http://www.baeckerei-muenkel.de

Ex-Hesseneck: Oberzent-Fusion wird positiv gesehen

„Wir können uns nicht beschweren“, meinte Ortsvorsteher Martin Pollak schmunzelnd. Er sieht fürs ehemalige Hesseneck die Oberzent-Fusion positiv. Das hat seinen Worten zufolge auch damit zu tun, „dass die Straßensanierung bei uns nicht das beherrschende Thema ist“. Durch die Kanalsanierung vor einigen Jahren „ist die Infrastruktur in einem guten Zustand“, sagte er. Gab es mal Reparaturen zu erledigen, war der Bauhof schnell zur Stelle. Das kam bei den Bürgern gut an, wurde auf der Sitzung des Ortsbeirats deutlich.

Nach dem Hochwasser Ende April 2018, das im Ort größere Schäden verursachte, „reagierte das Bauamt postwendend“, lobte er. Innerhalb von zwei Wochen seien „schnell und unbürokratisch“ die nötigsten Reparaturen vorgenommen worden, wo es mit eigenen Kräften möglich war. Was aktuell an Straßen noch sanierungsbedürftig ist, wurde auf Anforderung an die Verwaltung gemeldet.

Pollak nennt hier den Kailbacher Bahndamm. Die 300 Meter von der Durchfahrtsstraße hoch zum Haltepunkt waren schon in der Flurbereinigung für 2016 als Maßnahme drin und sollen nun im kommenden Jahr angegangenen werden. Denn erst wurde auf der Landesstraße die Stützmauer (mit Verzögerung) saniert, danach musste dringend die Euterbachbrücke angegangen werden.

Die To-do-Liste aus dem vergangenen Jahr ist laut Pollak größtenteils abgearbeitet. In ihr ging es unter anderem um die Partnerschaft mit Weißenborn, die nun der Ortsbeirat im Sinne der früheren Gemeinde Hesseneck aufrechterhält. Im Oktober 2018 gab es den Besuch einer Delegation aus der kleinsten Gemeinde des Werra-Meißner-Kreises, mit der der Odenwald-Ort seit 35 Jahren gute Beziehungen unterhält. Zu diesem Anlass wurde offiziell ein neues Straßenschild enthüllt, denn im Zuge der Oberzent-Fusion erhielt die „Kirchbrunnenstraße“ den Namen „Weißenbörner Weg“.

Der Ortsbeirat beschäftigte sich auch mit teilanonymen Grabfeldern auf den Friedhöfen. Da dies in allen Stadtteilen Thema ist, wird derzeit für ganz Oberzent eine Planung erstellt, erläuterte Pollak. Er informierte weiter über einen TÜV-Besuch auf dem Spielplatz und den Hesselbacher Jugendraum, der als Schulungsraum an die Feuerwehr gehen soll. Die Übungsstunden des Gesangvereins laufen wieder regelmäßig, weil die defekte Heizung im betreffenden Raum nach dem Jahreswechsel schnell ausgetauscht wurde, freute er sich.

Wenn’s nach dem Ortsbeirat geht, soll die frühere Kailbacher Schulglocke bald auf dem Friedhof erklingen. Pollak sagte, dass das ehemalige Schulgebäude zuerst an die Kirche und von der dann an einen Privatmann verkauft worden sei. Bis vor 15 Jahren sei das Geläut noch als Totenglocke in Betrieb gewesen. Der jetzige Eigentümer ließ sie dann abbauen, das Gremium regte nun den Bau eines Glockenturms auf dem Friedhofsgebäude an. An den Magistrat richtete sich der Wunsch, wegen einer dementsprechenden Planung an den Bauhof zu gehen.

Seit Beginn des vergangenen Jahres kümmert sich eine ehrenamtliche IKEK-Gruppe um die Reaktivierung des Eutersees. Es liefen bereits verschiedene Arbeitseinsätze. Wie der Ortsvorsteher erläuterte, gab es von der Stadt inzwischen die Zusage, im nördlichen Bereich den Grund auszubaggern, damit mit den dortigen Sandablagerungen eine Liegefläche in der Nähe der Hütte entstehen kann.

Drei Odenwälder Schafzüchter informierten am Reußenkreuz über sich und ihre Tiere

Paulina und Davina sind ganz vernarrt in Schafe. Schon seit einiger Zeit liegen die beiden siebenjährigen Zwillingsschwestern ihrer Mutter Katharina Lieb aus Steinbach in den Ohren, dass die Schafzüchterinnen werden wollen. Da passte es, dass drei Odenwälder Schafzüchter am Gasthaus „Reußenkreuz“ anzutreffen waren, um im Rahmen der Lammwochen über sicht, ihre Tiere und die Tierhaltung zu informieren. Katharina Lieb war beileibe nicht die einzige, die die Schafhalter mit Fragen löcherte. Den ganzen Tag über herrschte stetes Kommen und Gehen, wurden viele Infos ausgetauscht.

Udo Wüstenhagen aus Hetzbach hatte seine Texelschafe und Rhönlämmer mit auf die Höhe gebracht. „Und ein schwarzes Schaf“, lachte er. Peter Müller aus Erbach war mit Suffolks vertreten.  Harald Brandel aus Kailbach hatte zwei weißgehörnte Heidschnucken dabei. Alle drei sind sie Schafzüchter schon fast seit Kindesbeinen an. „Wir wollen Transparenz erzeugen“, erläuterte Wüstenhagen. Gezeigt werden soll, wo die Tiere herkommen, wie sie gehalten, aber auch, wie sie verarbeitet werden.

„Schafhalter betreiben Landschaftspflege“, betonte der 55-Jährige, der vor 40 Jahren die ersten Tiere bekam. Seine Texelschafe halten etwa das Gras an der Solaranlage in Beerfelden kurz, beweiden in der Stadt auch verschiedene Baugrundstücke oder sind auf Golfplatz und Streuobstwiesen in Hetzbach grasend aktiv. Der Hetzbacher hat 80 Muttertiere, davon 40 Texel in der reinrassigen Zucht (Herdbuch).

Während die Erwachsenen Wissen sammelten, waren die Kinder von den drei und fünf Wochen alten Lämmern begeistert. Jannis, der mit seiner Oma Hanni Emig aus Friedrichsdorf vorbeigekommen war, streichelte fleißig ein Lämmchen. Die Muttertiere gebären im Jahr maximal zwei Jungtiere, so Wüstenhagen. Die Lämmer der Texelschafe kommen immer sehr pünktlich im März/April auf die Welt, die Rhönschafe sind nicht so stark saisonal geprägt. Sie sind quasi für die früheren Osterlämmer zuständig. Im Schnitt werden die Tiere fünf Jahre alt, sagte er. Wenn die Muttertiere nicht gedeckt werden, könnten sie sogar 13 Jahre erreichen.

Fragen über Fragen gab es von den interessierten Passanten. So etwa, warum die Schur notwendig ist. „Die wird einmal im Jahr durchgeführt und ist eine Pflegemaßnahme“, so der Züchter. Weiter ging es um Pflege und Ernährung der Tiere. Auch ihr Einsatz kam zur Sprache. „Sie weiden Flächen ab, die für größere Tiere wie Rinder unzugänglich sind“, erläuterte der Fachmann. Auch mit Maschinen komme man dort nicht hin. „Wir wirken der Verbuschung des Odenwalds entgegen“, meinte Wüstenhagen.

Natürlich ist das Thema Wolf allgegenwärtig. „Null Toleranz“ ist das Motto der drei Züchter. Nach den Vorkommnissen im vergangenen November, als es im Fünf-Tages-Rhythmus drei Übergriffe gab, sind die Schafhalter auf der Hut. 90 Zentimeter hohe Weidezäune seien für den Räuber kein Hindernis, so Müller. Und wenn man die Wiesen großflächig und höher umzäune, sei das ebenfalls keine Lösung und mache die Landschaft kaputt.

„Wir sind alle im Nebenerwerb tätig, aus Liebe zur Natur“, hob Wüstenhagen hervor. Von der Zeit her „ist es aber eigentlich ein Hauptberuf“, schmunzelte er. Aber finanziell bleibe natürlich nicht viel hängen. Der Hetzbacher etwa arbeitet als kaufmännischer Angestellter bei Bosch-Rexroth und baute seine Herde selbst auf. Er hatte zuerst Hasen und Kaninchen, ehe dann als 15-Jähriger zwei Schafe dazukamen. Nach fünf zwischenzeitlichen Jahren Pause merkte er: „Es geht nicht ohne.“ Im Jahr 2000 war dann der Neustart.

Der 60-jährige Peter Müller nennt ungefähr 80 Suffolks sein Eigen. Streuobstwiesen, Feldwege, Auswuchsäcker und Bauernwiesen werden von diesen beweidet. Schon während der Schulzeit, vor 45 Jahren, begann er mit der Zucht. Harald Brandel (72), dessen Herde unter dem Wolf litt, kümmert sich mit seinen 30 Herdbuch-Tieren um Bahnböschungen und Streuostwiesen. Er ist seit 40 Jahren als Schäfer tätig. Die Idee kam über den Vater, der die „lebendigen Rasenmäher“ Heidschnucken ins Herz geschlossen hatte.