Ein Rock’n’Roll-Gewitter aus der guten alten Zeit: Die Kiss Tribute Band spielt bei ihrer neuen Show im Hüttenwerk Michelstadt die größten Hits

Zum Schluss hin kommen sie dann alle, die ganzen Klassiker, die „Kiss“ weltberühmt gemacht haben. Einen Hit nach dem anderen spielt die „Kiss Tribute Band“ im Hüttenwerk perfekt wie das Original, versetzt die Fans in Entzücken, die für die Coverband aus dem Südhessischen weite Wege auf sich nehmen. 40 Jahre zurück in die Zeit führt die „Spirit of ´76 Tour“ mit neue Show und neuem Set, die natürlich aber nicht nur Material aus den Anfangsjahren beinhaltet.

„You wanted the best, you got the best. The hottest band in the world. Kiss” schallte es beim Intro aus den Lautsprechern. Was nicht übertrieben war. Denn was die vier Musiker auf der Bühne zauberten, wie sie die „Kiss“-Show abzogen, wie sie sich optisch und musikalisch dem Original perfekt näherten, war schon eine Klasse für sich. Allein das Outfit war eine Wucht. Und bestimmt sehr heiß unter den vielen Scheinwerfern, die zwischenzeitliche Feuershow mal ganz außen vor gelassen.

Silberne, hohe Plateauschuhe, eine Art futuristischer Mars-Anzug, und natürlich die perfekt sitzende Schminke: Fertig ist „Kiss“. Dazu noch die Bühnenanimation wie bei den Originalen und keiner merkt, dass hier die Epigonen auf der Bühne stehen, die es aber ebenso gut drauf haben. Ulric Wurschy (Rhythmus Gitarre/Lead Gesang) imitiert Frontmann Paul Stanley schlichtweg perfekt. Er hält die Menge jederzeit bei Laune, hat die richtigen Sprüche drauf.

An der Länge seiner Zunge muss Ulli Rauch (Bass/Gesang) noch arbeiten. Sein Gene Simmons ist aber ansonsten mit Fledermauskostüm und Körperumfang dem omnipräsenten Kiss-Bassisten angelehnt. Bobby Stöcker (Lead Gitarre/Gesang) steht dem Meister Ace Frehley auf den sechs Saiten in nichts nach. Immer wieder haut er die bekannten Gitarrenriffs raus, dass es eine wahre Wonne ist. Es bleibt sein Geheimnis, wie sich die Pedale mit seinen Plateauschuhen bedienen lassen.

Der Mann im Hintergrund sorgt nicht nur für den perfekten Rhythmus, sondern darf auch zwei Mal stimmlich ran: Max Friedrich (Drums/Gesang) hat seinen Peter Criss bis ins Letzte verinnerlicht. Das Schlagzeugspiel sorgt für den ordnenden Rahmen der überbordenden Songs von Musik-Exzentrikern. Die wohl bekannteste Ballade, „Beth“, singt Friedrich mit Hintergrund-Klängen aus der Konserve einfach nur Gänsehaut erzeugend schön.

Es muss blinken, glitzern, leuchten, krachen, dann ist es „Kiss“. Die Bühnenshow ist für eine Coverband von allererster Sahne. Das Lichterketten-Schlagzeug erstrahlt herrlich kitschig in allen Farben, zwischendurch gehen auf den Seiten die Feuer hoch, dass die Wärme noch hinten im Saal zu spüren ist, und schießt Stöcker einen Lichterregen aus seiner Gitarre: eben alles wie die Originale.

Und natürlich ist die Musik nicht vergessen: Irgendwo hat man die meisten Songs schon einmal gehört, wenn sie auch nicht alle im Gedächtnis haften geblieben sind. Trockeneis wabert in Massen durch die Luft, als die Band „Lick it up“ anstimmt. Der treibende Rhythmus und der mehrstimmige Gesang machen „Love gun“ zum Kracher. Dass die Band auch ganz anders kann, zeigt sie beim „New York groove“, fast nur aus einem Gitarrenriff und einem Schlagzeug-Rhythmus bestehend.

Etwas sperriger sind die Songs mit Gene Simmons, pardon Ulli Rauch, am Mikro. „I love it loud“ ist ein solches, bei dem deutlich weniger im Publikum los ist als bei den folgenden Gassenhauern. „Shout it out loud“ stimmt schon ein auf das, was die Band von den Gästen danach erwartet: dass sie Kiss-Hymne „God gave Rock’n’Roll to you“ lauthals mitsingen. Auch wenn die musikalisch etwas unrund rüberkommt.

Das machen die folgenden Stücke aber mehr als wett. Der Schluss inklusive Zugabe ist quasi ein „Best of Kiss“. Erst „Black Diamond“, und dann nach „Beth“ das wummernde „Detroit Rock City“. Toppen lässt sich solch ein Song nur noch mit dem, worauf alle schon warten: „I was made for lovin‘ you“. Einer geht danach doch noch: „Rock and Roll all nite“ trifft genau den Nerv und beschreibt das Lebensgefühl der Musiker, die sich auf der Bühne verausgaben und ihre Helden leben. Mehr Bilder hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1473231296054348.1073742012.100001024761983&type=1&l=32a67bbc2e

Info: Die Kiss-Tribute-Band spielt das nächste Mal am Samstag, 13. Mai, 20.30 Uhr, in Gensingen in der Nahetal-Arena. http://www.kiss-tribute-band.com