„Maurice Kühn Trio“ mit Hommage an Nat „King“ Cole beim Atelierkonzert der Kunstpflege Hirschhorn

Das erste Atelierkonzert der Kunstpflege Hirschhorn in diesem Jahr findet am Samstag, 29. April, um 20 Uhr statt. Es ist das inzwischen 16. in der Vereinsgeschichte und widmet sich dem Swing. Dieses Mal spielt im Atelier Enno Folkerts, Waldmichelbacher Straße 2 in Langenthal (Alte Pappenfabrik), das „Maurice Kühn Trio“. Der Eintritt ist frei, es wird wie immer am Ausgang um eine Spende gebeten.

Mit dem Programm „I tip my hat to Nat“ bringt das Maurice Kühn Trio seine Hommage an Nat „King“ Cole, einen der großartigsten und einflussreichsten Sänger und Pianisten des 20. Jahrhunderts, auf die Bühne. Gespielt in Coles Lieblingsbesetzung – mit Klavier, Bass, Gitarre und Gesang – erwarten die Zuhörer Originalarrangements des Nat Cole Trios sowie eigene Bearbeitungen der schönsten Songs aus der „Golden Era of Songwriting“.

Dabei spielt das Trio so frisch und unverstaubt auf, als wäre man mittendrin in der Zeit, als Musiker noch mit dem und für das Publikum spielten und Jazz noch keine verschrobene Kopfmusik war. Kein Gedudel oder Free-Irrfahrten, sondern ehrliche, handgemachte Musik, viel Kommunikation und vor allem: Swing.

Maurice Kühn singt und spielt Kontrabass. Dieser ist in Quinten gestimmt anstatt wie sonst üblich in Quarten. Dadurch entsteht ein klarer, singender Ton. Diese Klangveränderung sowie die vielseitigeren Möglichkeiten der Stimmung wie Akkorde und der größere Tonumfang ergeben einen Sound, den man so mit Sicherheit noch nicht gehört hat. Dazu singt er federleicht und improvisiert mit Stimme und gestrichenem Bass – à la Slam Stewart und Major Holley.

An Karsten von Lüpke kommt, wenn es um das Swing-Piano geht, niemand vorbei. Von Art Tatum und Bud Powell über Oscar Peterson bis Benny Green (und natürlich Nat Cole) hat er alles aufgesogen und nun dies perlt nur so aus seinen Fingern heraus.

Florian Hofmann spielt Jazzgitarre, so wie es sein soll: als beherzter Solist und sensibler Begleiter. Seine große Leidenschaft ist – wonach man bei den meisten Gitarristen vergeblich sucht – das Rhythmusgitarrenspiel. Mit dem richtigen Sound und Groove ist er der Motor des Trios und macht das Schlagzeug überflüssig.

Roberto Tardito entführt bei der Kunstpflege Hirschhorn musikalisch auf den italienischen Stiefel

„Se fossi Dylan“, „Wenn ich Dylan wäre“, heißt eine CD von Roberto Tardito. Und wirklich lassen sich einige Parallelen zwischen dem italienischen „Cantautore“, wie die Liedermacher im Süden genannt werden, und dem amerikanischen Nobelpreisträger finden. Allerdings ist das Italienisch des aus dem Piemont stammenden Tardito eindeutig besser verständlich aus das Genuschel des US-Singer-Songwriters Bob Dylan.

Über den Kortelshütter Musiker Heiko Plank, der neben anderen internationalen Künstlern auf dieser CD mitwirkte, kam auch der Kontakt zur Kunstpflege Hirschhorn zustande. Auf deren Einladung spielte der sympathische 32-Jährige jetzt eines seiner drei Deutschland-Konzerte im Rahmen der Tournee „La strada verso casa“ im Langenthaler Atelier von Enno Folkerts. Das steht somit einer Reihe mit München, Ingolstadt, Turin, Mailand, Bergamo oder Rom.

Tardito lebt seine manchmal poetischen, manchmal aber auch gesellschaftskritischen Songs. Nur mit seiner akustischen Gitarre, teilweise auch sich selbst auf der Mundharmonika begleitend – siehe Dylan -, philosophiert er über den Sinn des Lebens, die vielen Verbote im täglichen Einerlei, das fehlende Engagement in der Gesellschaft. Eben die klassischen Liedermacher-Themen, die man dem völlig in seine Musik vertieften Tardito sofort abnimmt.

Im Gespräch vor dem Konzert zeigt der sich aber ebenso von seiner lockeren Seite, plaudert mit den Kunstpflege-Mitgliedern, macht einen Scherz, nimmt sich neben dem Aufbau immer die Zeit für seine deutschen Gastgeber. In den Genuss eines typisch deutschen Essens kommt der sicherlich andere Küche gewohnte Italiener auch: Königsberger Klopse mit Kapern, Kartoffeln und Rote Beete…

Mit Alessandro Mino hat Tardito einen Freund dabei, der sich um den besten Ton kümmert. Da der Italiener mit verschiedenen Soundeffekten arbeitet, auch mal eine Panflöte einsetzt, ist das von Vorteil. Mino schafft es auch, die leicht rauchige Stimme bestens zur Geltung zu bringen, mit der der Musiker seinen Stücken den richtigen Klang gibt. Mal mit leichten Rap-Einflüssen, mit getragen-traurig, dann wieder vor Lebensfreude sprühend gibt der seinen Zuschauern einen Einblick in seine Gefühlswelt.

Resignation ist dabei Tarditos Sache nicht, wie in den von Giuseppe Lauria zu Beginn jeden Stückes sinngemäß übersetzten Texten zum Ausdruck kommt. Der Landsmann führt in Hirschhorn das Ristorante „Bei Peppe“ und brachte den Gästen die Themen des „Cantautore“ näher. Mehr Hoffnung, weniger Verbote, mehr Einsatz für die Gesellschaft – wie ein roter Faden ziehen sich diese Punkte durch das Schaffen des 32-Jährigen.

Die begeisterten Zuschauer sparten nicht mit dem Applaus für den besonderen Künstler, mit dem die Kunstpflege wieder einmal ein Highlight in die alte Pappenfabrik brachte. Das im Übrigen ein paar mehr Zuschauer verdient hätte. Zu Beginn des zweiten Sets gab’s dann noch eine deutsch-italienisch Koproduktion, als Heiko Plank auf seinem gleichnamigen Saiteninstrument zu Tardito auf die Bühne kam und beide zusammen ein Stück spielten.

Tarditos raue und sehr einfühlsame Stimme liegt irgendwo zwischen Angelo Branduardi und Paolo Conte. Er ist in seiner Musik immer auf der Suche nach Berührungspunkten zwischen den Kulturen und den verschiedenen musikalischen Traditionen. Tardito singt Balladen und Revolutionslieder, aber auch populäre Songs aus der ganzen Welt. Seine Texte sind voller Reife und Aussagekraft, wie sie in der Tradition eines Hannes Wader, Reinhard Mey oder Konstantin Wecker zu finden sind.

2007 wurde Tarditos Debütalbum „Controvento“ veröffentlicht. Dank dieser Arbeit war er der erste italienische Künstler, der an dem von Peter Gabriel organisierten internationalen Projekt WE7 teilnahm. 2010 folgte „Se fossi Dylan“, das in den USA, Italien, Deutschland, Bulgarien und Frankreich aufgenommen wurde. Der Veröffentlichung des Albums „Porto Argo“ folgten 2011 Konzertreisen in Italien, Belgien, Deutschland und Slowenien. 2012 entstand „Punto di Fuga“ in Zusammenarbeit. 2014 kam das aktuellste Werk heraus: „Era una gioia appiccare il fuoco“.

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Italienischer Songwriter Roberto Tardito kommt am 3. November zur Hirschhorner Kunstpflege ins Atelier von Enno Folkerts

Die Kunstpflege Hirschhorn lädt ein zum letzten Konzert in diesem Jahr mit Roberto Tardito. Es findet statt am Donnerstag, 3. November, um 20 Uhr im Atelier Enno Folkerts in der Waldmichelbacher Straße 2. Auf seiner Tournee 2016 „La strada verso casa“ spielte Roberto Tardito bereits in Rom, Turin, Mailand, Bergamo, Bellinzona und Banco. In Deutschland gibt er nur drei Konzerte: in München, in Ingolstadt und eben in Langenthal.

Robert Tardito spielt akustische und elektrische Gitarre, Percussions, Bodhrán und Harmonica. Seine raue und sehr einfühlsame Stimme liegt irgendwo zwischen Angelo Branduardi und Paolo Conte. Er ist in seiner Musik immer auf der Suche nach Berührungspunkten zwischen den Kulturen und den verschiedenen musikalischen Traditionen. Tardito singt Balladen und Revolutionslieder, aber auch populäre Songs aus der ganzen Welt. Seine Texte sind voller Reife und Aussagekraft, wie sie in der Tradition eines Hannes Wader, Reinhard Mey oder Konstantin Wecker zu finden sind.

Die sehr poetischen, aber dennoch gesellschaftsspiegelnden Texte des Singer/Songwriters werden zum besseren Verständnis von Giuseppe Lauria, der in Hirschhorn das Ristorante „Bei Peppe“ führt, sinngemäß übersetzt. Teilweise gibt es aber auch Textpassagen zu hören, um die Poesie von Tarditos Texte deutlich zu machen. Wie immer gilt: kein Eintritt, sondern ein freiwilliger Obolus.

2007 wurde Tarditos Debütalbum „Controvento“ veröffentlicht. Dank dieser Arbeit war er der erste italienische Künstler, der an dem von Peter Gabriel organisierten internationalen Projekt WE7 teilnahm. Durch die virtuelle Plattform „Second Life“ erreichte dieses Konzert die Hauptstädte der Vereinigten Staaten, von Europa und Australien – mit insgesamt 116 Auftritten und mehr als 45000 Zuschauern.

2010 folgte „Se fossi Dylan“, ein Album, das in Zusammenarbeit mit Musikern wie Nicholas Burns, Heiko Plank, Peyo Peev und Milen Slavov realisiert, in den USA, Italien, Deutschland, Bulgarien und Frankreich aufgenommen und in London von Chris Stilmant produziert wurde. Auch eine englische Version des Albums gibt es: „If I were Dylan“.

Der Veröffentlichung des Albums „Porto Argo“ folgten 2011 Konzertreisen in Italien, Belgien, Deutschland und Slowenien. 2012 entstand „Punto di Fuga“ in Zusammenarbeit mit Riccardo Galardini, Steve Cooper, Peter Sitka, Nathan Steers, Carlos Meza und Milen Slavov. 2014 kam das aktuellste Werk heraus: „Era una gioia appiccare il fuoco“ – mit Fabrizio Barale, Claudio Fossati, Riccardo Galardini, Max Gelsi und Guido Guglielminetti.

Mächtigen Orgelklänge und virtuose Gitarrensoli beim Konzert von Jo Aldingers „Downbeatclub“ im Langenthaler Atelier Folkerts

Was die Besucher zahlenmäßig nicht hergaben, das machten sie durch ihre Begeisterung wett: Die drei Musiker von Jo Aldingers „Downbeatclub” wurden nach ihren epischen Stücken immer wieder mit viel Beifall bedacht. Kein Wunder, standen doch absolute Könner auf der Bühne des Ateliers von Enno Folkerts. Dort fand die zweite Veranstaltung in der Zusammenarbeit von „Konzerte am Neckar“ und der „Kunstpflege Hirschhorn“ statt.

Konni Behrendt, Gitarre, Jo Aldinger, Hammondorgel, und Matthias Macht, Schlagzeug, spielten nach eigener Definition „Psychedelic Jazz Funk Rock“. Und wie: Die mächtigen Orgelklänge wechselten sich ab mit diversen Gitarrensoli und virtuosen Schlagzeugklängen. Die Musiker waren oft völlig versunken in ihre Instrumente, konzentrierten sich voll auf die einzelnen Töne, ließen der Improvisation freien Lauf.

Die flirrende Weite, die diese Band erzeugte, ließ mehr als drei Künstler vermuten. Chamäleonartig passten sie ihre musikalischen Farbgebungen einander an und erschufen so ein einzigartiges, homogenes und klares Klangbild. Der Psychedelic Rock von „Pink Floyd“ oder „Deep Purple“ kam mehr als einmal in den Stücken zum Vorschein.

Der 1973 in Stuttgart geborene Jazzpianist, Hammondorganist und Komponist Jochen Aldinger konzertiert aktuell auch mit „Goetheallee“, „aldimenz“ und der „Lena Sundermeyer Band“. Konzertreisen führten ihn durch ganz Europa. Seit 2004 ist er Dozent für Klavier, Korrepetition und Musiktheorie an der Hochschule für Musik in Dresden. Für sein Spiel und seine Kompositionen wurde er mehrfach im In- und Ausland mit Preisen ausgezeichnet. Ein feines Gespür für Strukturen und Stimmengewichtung und ein besonderer Sinn für Melodik charakterisieren diesen eigenständigen und innovativen Klangästheten.

Der Gitarrist und Komponist Konni Behrendt studierte an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in Dresden. Er spielt in verschiedensten Formationen, denen er vor allem durch seine stilistische und klangliche Vielfalt eine eigene Note verleiht. Ob Jazz, Rock, Pop oder frei improvisierte Musik, aus allen Genres schöpft der gebürtige Magdeburger die Zutaten seiner Klangwelt. Auch als Komponist gibt es für ihn keine Grenzen und Gesetze.

Seit 1984 spielte Matthias Macht auf etwa 20 CDs und 500 Konzerten mit „Tijuana mon amour broadcasting inc.“, „Hegner“, „Pawella ice” oder „Paul Sprawl”. Er studierte Schlagzeug bei Jazzlegende Günter „Baby“ Sommer an der Musikhochschule Dresden. Macht ist ein Schlagzeuger mit außergewöhnlichem Ausdruck, Soundvielfalt und Kreativität. In seinem unverwechselbaren Stil verbindet er Elemente aus Jazz, Drum & Bass, Funk und Freejazz.

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Französische Balladen, Jazz, Swing und Balladen beim Konzert der Kunstpflege in Langenthal

„Alles in allem eine wunderbare Alternative zum Fußball“, schmunzelte Enno Folkerts. Wenn natürlich auch das Achtelfinalspiel der deutschen Mannschaft die Zuschauerzahl beim Konzert von Sängerin Anna Leauviers und dem Pianisten Anton Cik beeinflusste. Doch die über 30 Gäste im Langenthaler Atelier des Hirschhorner Malers wussten bei der Veranstaltung der Kunstpflege, was sie hatten, und zeigten sich als dankbares Publikum, das drei Zugaben erklatschte.

Französische Balladen, Jazz, Swing, Balladen und eigene Kompositionen sowie große Klassiker bildeten den Schwerpunkt des Programms. „Imagine“, „Dream a little dream“ oder „Besame mucho“ gehörten dabei zu den eingängigen, zeitlosen Songs, die jeder schon einmal gehört hat. Drei Stücken von Edith Piaf drückte die Sängerin mit großer Ausdruckskraft und enormem Tonumfang ihren Stempel auf: „Je ne regrette rien“, „La vie en rose“ und „L’hymne a l’amour“.

Besonders gut kamen zwei Lieder von Claire Waldoff an: „Warum soll er nich‘ mit ihr“ und „Wegen Emil seine unanständige Lust“. Unter dem Motto „Kultur zur Teezeit“ gab es neben der Musik auch Malerei von Jens Hafner und Enno Folkerts sowie den beiden Leipzigern Sylvi Reinhardt und Joachim Niggemeyer (Cartoons) zu sehen.

Anna Leauviers liebte schon als Kind die französischen Chansons und sang sie gerne. In ihrem Programm bevorzugte sie sowohl weiche als auch kraftvolle Klänge – Melodien, die im Rhythmus zwischen zarter Melancholie und lustvollem Schwung tanzten, die sich würdevoll aufbauten und durch Ausdruck an Stärke gewannen.

Seit 2009 arbeitet die Sängerin mit dem tschechischen Pianisten Anton Cik zusammen. Leauviers‘ Lieder entstehen mal spontan aus Inspirationen, mal setzt sie sich hin und schreibt gezielt die Texte. Mit Cik werden sie dann gemeinsam musikalisch umgesetzt. Dessen Klavierspiel begleitete nicht nur ihre Stimme äußerst gefühlvoll, sondern malte zu den Liedtexten regelrecht musikalische Bilder. Dank seines virtuosen Könnens auf dem Instrument setzte er zudem viele eigene Akzente.

 

 

„Nid de Poule“ entführt beim Hirschhorner Kunstpflege-Konzert filigran ins Herz von Frankreich

Was bei der Hirschhorner Kunstpflege im Langenthaler Atelier von Enno Folkerts im Jahr an musikalischen Perlen geboten wird, hat sich schon längst über einen Geheimtipp hinaus entwickelt. Musiker ersten Ranges spielen hier in einer heimeligen Atmosphäre, die den ganz engen Kontakt zwischen Publikum und Künstlern ermöglicht. Wie jetzt die Formation „Nid de Poule“ mit ihrem „Gyspy’n’Roll“, einer ganz eigenen Kombination aus Chansons, Popsongs und Jazztiteln.

Die Eigenkompositionen von Kontrabassist Jürgen Dorn bedienen eher die ruhige Jazz- und Chanson-Sparte und wechseln sich ab mit gecoverten Stücken von Paul Simon, Tom Waits oder Oasis, bei denen die Musiker ihr filigranes, aber auch temporeiches Spiel so richtig zur Geltung bringen können und auf ihren Instrumenten Akzente setzen. Die etwa 70 Zuhörer waren begeistert und sparten den Abend über nicht mit Applaus – lautstark geforderte Zugabe am Schluss inklusive. Die Konzerte im Atelier hätten – bei schon guter und ständig wachsender Resonanz – aber durchaus noch etwas mehr Zuspruch auch von den Einheimischen verdient.

Neben den perfekten Tönen auf Bass, Gitarre, Akkordeon und Querflöte ist es vor allem Sängerin Sybille Klingspor, die den Songs ihren Stempel aufdrückt. Mit ihrer wandlungsreichen Stimme und der großen Bühnenpräsenz hat sie das Publikum fest im Griff. Mal ruhig, seufzend, fast melancholisch, beim nächsten Stück rauchig, fordernd, raumfüllend, lauschen ihr die Gäste gebannt. Dabei wirft sich Klingspor gekonnt die Bälle mit Jürgen Dorn zu. Die Frotzeleien der beiden lockern die Pausen zwischen den Stücken auf.

Die Musiker, zu denen an diesem Abend auch die beiden Gitarristen Gerd Rentschler und Frank Zinkant sowie Almut Schwab an Akkordeon und Querflöte zählen, sind in ihrem Schaffen begeistert von der Atmosphäre der Jazzclubs des linken Seineufers im Paris der 1930er Jahre. Ihre Lieder atmen die französische Kunst, mit den Emotionen zu spielen, diese gekonnt über die Musik zu transportieren und dabei einen weiten Bogen von tieftrauriger Melancholie zu spontaner Lebensfreude zu spannen.

Bezeichnend das Stück über die Loire, den „schönsten Fluss Frankreichs“. Vor dem geistigen Auge entsteht durch die Musik zuerst das Bild eines leise dahinplätschernden Flusses, bei dem plötzlich wie an Stromschnellen die Melodie flotter, rhythmischer, drängender wird und im Gitarrensolo gipfelt, um dann wieder – wie bei der Loire-Mündung in den Atlantik – gemächlich zu enden.

Der Chanson atmet förmlich das ursprüngliche Frankreich, was durch die volkstümlichen Akkordeonklänge bestens zum Ausdruck kommt. Das Quintett besticht dabei durch seine große Spielfreude, die professionelle Beherrschung der Instrumente und die gelungene Interaktion mit dem Publikum.

Für Enno Folkerts ist das 14. Atelier-Konzert etwas Besonderes. Denn erstmals findet es im Rahmen der Reihe „Konzerte am Neckar“ statt. Der Maler freut sich über den stetig wachsenden Zuspruch der Reihe, die aus einem Zufall heraus über die Verbindung zu den Schülern von Meistergeiger Asaeda entstanden war. „Vier bis fünf Konzerte“ gibt es laut Folkerts jedes Jahr, dazu noch seitens der Kunstpflege andere, vielfältige Aktivitäten in der Stadt.

Für die „Konzerte am Neckar“ zeichnet Angela Mahmoud verantwortlich. Die Reihe gibt es seit zwei Jahren zwischen Mannheim und Eberbach. In der benachbarten badischen Neckarstadt werden in diesem Sommer noch einige Veranstaltungen auf dem Neckarschiff „Petra Kappes“ stattfinden. „Auf eine besondere Musikrichtung sind die Konzerte nicht festgelegt“, sagt sie. „Hirschhorn fehlte noch auf dieser Perlenkette“, meint Mahmoud. Da es den Kontakt zu Enno Folkerts schon länger gab, stand dem 52. Konzert der Reihe in seinen Atelierräumen somit nichts im Weg. Weitere Bilder hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1172676589443155.1073741932.100001024761983&type=1&l=8952e250a4

http://www.konzerte-am-neckar.de

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Drei wahre Meister auf sechs und mehr Saiten bei der „1. Hirschhorner Gitarrennacht“ der Kunstpflege

Eine solch geballte Gitarrenvirtuosität sieht man in der Region ganz, ganz selten. Und an ein solch volles Haus kann sich der Maler Enno Folkerts in seinem Langenthaler Atelier bei den bisherigen Konzerten auch nicht erinnern. An die 100 Gäste waren es, die bei der „1. Hirschhorner Gitarrennacht“, veranstaltet von der Kunstpflege Hirschhorn, die drei Meister auf sechs und mehr Saiten, Gionni di Clemente, Giovanni Seneca und Heiko Plank, bestaunen wollten.

Ihre verschiedenen Spielweisen, Instrumente und Musikstile demonstrierten die Gitarrencracks zuerst einzeln. Nach einer längeren Pause, die die Erwartung geschickt schürte, kam dann das späte Sahnehäubchen des Saitenabends auf sehr hohem Niveau: Di Clemente und Seneca spielten drei Stücke, die letzterer extra für diesen Abend geschrieben hatte, zusammen. Ein Augen- und Ohrenschmaus, der die Zuschauer immer wieder zu Zwischenapplaus herausforderte und den krönenden Abschluss bildete.

Völlig vertieft in ihre Musik, den Blick entweder auf das Saiteninstrument gerichtet oder mit geschlossenen Augen den eigenen Klängen nachlauschend, gehen die drei Gitarristen absolut in ihrem Spiel auf. Akrobatische Finger-Übungen, gepaart mit für den Laien nicht mehr nachvollziehbaren Finger-Spreizungen, sorgen zusammen mit einem Wirbelwind an Saitenklängen für ein meisterhaftes Hörerlebnis.

Das gibt’s dann nicht nur auf der „normalen“ Gitarre. Denn jeder der drei ist Meister auf mehreren Instrumenten. Bei Heiko Plank ist das seine Eigenentwicklung, die achtsaitige „plank“. Giovanni Seneca spielt außerdem eine „chitarra battente“, eine zehnsaitige, sehr bauchige Barockgitarre, die – vor allem in Süditalien beheimaten – Instrumenten des 17. Jahrhunderts nachempfunden ist. Ihre Klänge haben beinahe etwas von einem Spinett.

Gionni di Clemente wiederum ist ein Profi auf den kleinen, bauchigen Instrumenten. Nachdem er in seinem Solo-Auftritt die zehnsaitige Gitarre virtuos spielte, kramte er beim Duett zuerst die Oud, den arabischen Vorläufer der Laute, und danach die Mandoline aus seinem reichen Fundus hervor. Die auf diesen beiden Gitarren gezauberten Soli ließen noch einmal die wahre Meisterschaft des Könners deutlich werden.

Als erster durfte an diesem Julian Best an. Der 17-Jährige zeigte seine Künste auf der akustischen Stahlsaitengitarre und sang auch dazu. Heiko Plank, der gleichzeitig den Konzertabend moderierte, schaffte als Musiker und Komponist etwas Besonderes: die Entwicklung eines speziellen elektroakustischen Solisteninstruments, das wie sein Erfinder heißt. Plank bot ein frei improvisiertes Konzert und arbeitete dabei teilweise mit vier Stimmen. „Aus dem Nichts heraus“ schuf er Musik. Anklänge gab es an das „Köln Concert“ von Keith Jarrett.

Die Bekanntschaft mit den beiden italienischen Saitenvirtuosen entstand vor vier Jahren ganz zufällig, erinnert sich der Kortelshütter Plank. Er war auf der Halbinsel zu Konzerten unterwegs. „Da wird man dann wie ein Pokal rumgereicht“, lacht er. Die einheimischen Musiker seien sehr interessiert an einer Zusammenarbeit, „es gibt kein Konkurrenzdenken“. So kam es, dass die drei schon auf mehreren Festivals zusammen spielten.

Da die beiden Italiener sowieso gerade zu Konzerten in Deutschland weilten, konnte der Konzerttermin in Langenthal eingeschoben werden – was sonst natürlich wegen der weiten Anreise nicht möglich gewesen wäre. Um das Konzert zu finanzieren, malte Enno Folkerts zwölf Variationen einer Gitarre und gab sie in den Verkauf – mit Erfolg, alle gingen weg.

Beide Gitarristen gehen nach den Worten von Plank musikalische ganz eigene Wege. Seneca, aus Ancona stammend, ist eher der traditionellen Musik verhaftet, ist Fachmann für die süditalienische Tarantella. Er verbindet Modernes mit dem Traditionellen. Seneca war bereits Gastsolist bei hochkarätigen Orchestern in Italien und Frankreich. Ennio Morricone komponierte und widmete ihm ein Konzert für Gitarre und Orchester.

Di Clemente wiederum tummelt sich mehr im Bereich Ethno-Jazz. Er beherrscht zahlreiche weitere Saiteninstrumente wie Oud, Bouzouki, Mandoline oder Sitar, schrieb Musik für Film und Theater und ist als Arrangeur für verschiedene Autoren tätig. Der aus den Abruzzen stammende Gitarrist komponierte Musik für Film- und Theaterproduktionen in den wichtigsten italienischen Städten und Theatern, aber auch in Europa und Übersee.

Weitere Bilder hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1119242678119880.1073741913.100001024761983&type=1&l=428f8b4a73

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