Hirschhorner „Alterthümer- und Naturaliensammlung“ Carl Langbeins als „Museum des Monats August“ ausgezeichnet

Der hessische Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein war sichtlich angetan: „Alle Achtung“ und „super spannend“ war von ihm zu hören, als ihm Hans-Jürgen Waibel im Schnelldurchlauf das Langbein-Museum, die „Alterthümer- und Naturaliensammlung“ von Carl Langbein (1816-1881), zeigte. In das war der Minister gekommen, um es als „Museum des Monats August“ auszuzeichnen und mit einem Preisgeld von 1000 Euro zu würdigen. Die Hirschhorner Sammlung der Exponate von Carl Langbein ist hessenweit das dritte in dieser Form ausgezeichnete Museum, im südhessischen Raum sogar das erste.

Es sind nicht nur die großen, bekannten Einrichtungen, die das kulturelle Leben im Bundesland prägen, betonte Rhein. Die Kulturlandschaft lebe auch von den kleinen Perlen auf dem Land, „die oft von Ehrenamtlichen betreut werden“, so der Minister. Um die dort geleistete Arbeit hervorzuheben, sei die Auszeichnung „Museum des Monats“ ins Leben gerufen worden.

Mitarbeit gab es im Vorfeld auch aus Hirschhorn selbst und dem Kreis Bergstraße, erläuterte der Minister. So wirkte an der Idee bereits die frühere Bürgermeisterin und Landtagsabgeordnete Ilona Dörr mit, an der Entwicklung waren der ehemalige MdL Peter Stephan und seine Nachfolgerin Birgit Heitland beteiligt. „Wir arbeiten nicht einfach die Liste der Museen ab“, betonte Rhein. Vielmehr wird Wert auf gewisse Standards, das öffentliche Interesse und die Form der Präsentation gelegt. Letztere „ist beeindruckend“, attestierte der Besucher aus Wiesbaden dem Hirschhorner Kleinod.

In der „Wunderkammer“ Langbeins herrsche trotzdem museale Ordnung, sagte Rhein. Das Gebäude mitsamt den Museumsräumen wurde „auf besondere Weise saniert“, meinte er. Das koste eine Stadt natürlich Geld – bei sowieso knappen Mitteln. Der tägliche Betrieb „wird durch Menschen im Ehrenamt gestemmt“. Genau das mache die Einrichtungen vor Ort so spannend: „dass sie von denjenigen geführt werden, die sich am besten auskennen“.

Bei der Übergabe der Urkunde und des Preises an die zweite Vorsitzende des Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum, Aloisia Sauer, wies diese auf die segensreiche Arbeit des kürzlich verstorbenen Vorsitzenden Ulrich Spiegelberg hin. Immer wieder wurde von den Rednern betont, welch großen Anteil der Heimatkundler am Entstehen der Ausstellung in dieser Form hatte und wie viel Herzblut er einbrachte.

Sauer wies auf den Audioguide als Besonderheit hin. Besucher können sich über diesen fast jedes Exponat erläutern lassen. „Das war ein besonderes Steckenpferd von Uli Spiegelberg“, betonte sie. Die Kinderspur wurde von Kindern gesprochen, „die noch gar nicht lesen konnten“, ergänzte Waibel. Er war es auch, der dem Gast aus Wiesbaden dann einige Exponate näher brachte und mit viel Witz die interessanten Aspekte aus dem einen oder anderen Stück herauskitzelte.

Ob es nun Tisch und Stühle im Eingangsbereich waren, die von dem Karmelitermönchen hergestellt wurden und in deren Besitz Langbein kam, der Hirsch ohne Geweih an der Wand (auch „Mönch“ genannt), das alte Gasthausschild des „Ochsen“, die „Carlsburg“ oder das Allsehende Auge: Waibel wusste zu allem etwas aus seinem profunden Wissensschatz beizutragen, den er sich in langen Jahren aneignete.

Bürgermeister Oliver Berthold freute sich, dass Hirschhorn zu den ersten Museen in Hessen gehört, die diese Auszeichnung erhalten. Dies trage dazu bei, dass die Stadt in einer hessischen Randregion stärker wahrgenommen werde. Er lobte die „Begeisterung für dieses Haus“ bei den Ehrenamtlichen. Der Bürgermeister erhoffte sich eine lange Fortsetzung des Engagements.

1806 wurde das heutige Museumsgebäude als Forstamt errichtet. Skurrile, anrührende und wertvolle Exponate befinden sich dort. Bekannt ist Langbeins „Naturalist“ durch die Schilderung in Mark Twains „Bummel durch Europa“, als dieser dort 1878 übernachtete und sich nachts Auge in Auge mit einer ausgestopften Eule sah. Denn die Tierpräparation war ein Steckenpferd des Gastwirts. Skulpturen, Gemälde, Grafiken, Möbel, Kleidung, Trachten, Harnische, Ritterhelme, Münzen und, und, und: Langbeins Sammelwut kannte keine Grenzen.

Info: Langbein-Museum, Alleeweg 2, 69434 Hirschhorn, www.museum-hirschhorn.de, Telefon  06272-1742, geöffnet Mittwoch bis Freitag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr, Sonntag 15 bis 17 Uhr. Anlässlich des Hirschhorner Ritterfests am 1. (15 bis 19 Uhr) und 2. September (14 bis 18 Uhr) gibt es Sonderöffnungszeiten.

 

Carl Langbein (1816-1881)

  • 1816 geboren als Sohn des Hirschhorner Bürgermeisters Franz Langbein
  • 1840 übernahm er den elterlichen Gasthof „Zum Ochsen“
  • 1854 übernahm er den „Darmstädter Hof“ und machte daraus das Gasthaus „Zum Naturalisten“. Das Sammeln von wertvollen „Alterthümern“ hatte er zu dieser Zeit schon längst begonnen
  • 1858 erfolgte Heirat mit Marie, die Ehe blieb kinderlos. Seine Frau führte mit Langbeins Schwester Ida den Gasthof
  • 1881 verstarb er, ohne dass seine Sammlung katalogisiert worden wäre.
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Drei Gebäude in Hirschhorn repräsentieren die alte „Macht und Pracht“

„Macht und Pracht“ hieß das Motto beim diesjährigen Tag des offenen Denkmals. Und von beidem gibt es in Hirschhorn mit seiner reichen Geschichte genug. Schloss, Mitteltorturm und Langbein-Museum standen im Mittelpunkt der Aktionen, zu denen der Altstadtverein eingeladen hatte. Während es auf dem Schloss eine Führung gab, war das Museum als ehemaliges großherzogliches hessisches Forstamt mit seiner „Alterthümer- und Naturaliensammlung“ von Carl Langbein ebenso geöffnet wie der Turm, in dem Exponate aus der 50-jährigen Schaffensperiode von Ludwig Schmeisser zu sehen waren.

Der Vorsitzende des Altstadtvereins, Rainer Lange, eröffnete im Langbein-Museum den Aktionstag. Für die musikalische Umrahmung sorgte Richard Köhler an der Gitarre. Es ist laut Lange „eine schöne Tradition“, dass sich der Verein jedes Jahr einbringt. Er bezeichnete es ebenso als „Herausforderung“, immer dem zentralen Motto zu entsprechen. Die Idee hinter „Macht und Pracht“ sei die Demonstration nach außen, aber auch der Schutz nach innen gewesen.

Gerade das Hirschhorner Schloss „repräsentiert das Motto sehr treffend“, meinte Lange. Im Mitteltorturm könne man eine schöpferische Reise durch das Wirken von Schmeisser im vergangenen halben Jahrhundert unternehmen – passend zum dessen 70. Geburtstag in diesem Jahr. Im und um das Museum lasse sich die Pracht des früheren Forstamts in Gebäude und Garten erahnen.

Schmeisser sah das Thema des Tages „für Hirschhorn von herausragender Bedeutung“. Er bezeichnete es als außergewöhnlich, dass der Mitteltorturm als Teil der alten Stadtmauer noch erhalten sei. Dies geschah durch den „Funktionswandel“ von einem Wehr- zum späteren Kirchturm. In dieser Form könnten sich Macht und Pracht auch verschieben, betonte er. Alte Gebäude würden so belebt und lebten weiter.

Es sei für ihre Erhaltung ein großes Engagement nötig, bei den auch Bürger und Vereine gefragt seien, so der Künstler. Denn: „Wenn sie abgerissen werden, sind sie weg.“ In Gebäuden mit großer Ausstrahlung „entdeckt man immer wieder neue Dinge“, sagte Schmeisser. Dem gewohnten Blick müsse man eine neue Erfahrung hinzufügen, betonte er.

Die Idee, den mittelalterlichen Turm als imaginäres Atelier zu gestalten, geschah laut Schmeisser „durch eine lange Beschäftigung mit der Geschichte“. Außerdem befasste er sich mit dem Aussehen und der Konstruktion „dieses faszinierenden Gebäudes“. Bilder und Objekte wurden so positioniert, dass sie einen lebendigen Dialog mit dem Raum bildeten. Die ausgestellten Arbeiten stammten aus verschiedenen Schaffensperioden.

Die zweite Vorsitzende der Langbein-Freunde, Aloisia Sauer, hob die enge Zusammenarbeit der beiden Vereine hervor. So sei es auch möglich gewesen, die frühere Pietà aus der Hauptstraße 40 mit Unterstützung der Altstadtfreunde zu erwerben und ins Museum zu holen. Der Erste Stadtrat Karlheinz Happes dankte für das Engagement der beiden Vereine. Die Stadt übernehme jedes Jahr gerne die Schirmherrschaft für die Teilnahme am Tag des offenen Denkmals.

Ein Bild des jungen Carl Langbein als neues Ausstellungsstück fürs Hirschhorner Museum

Das Langbein-Museum ist um ein besonderes Werk reicher. Mit Unterstützung der Sparkassen-Stiftung, für die Andrea Helm vor Ort war, konnte ein neues Bild erworben werden, das Carl Langbein in jungen Jahren zeigt. Dem „Naturalisten“, der in Hirschhorn den gleichnamigen Gasthof betrieb, hat das Museum einen Großteil seiner Exponate zu verdanken. Denn Langbein sammelte praktisch alles, was ihm zwischen die Finger kam.

Die zweite Vorsitzende der Langbeinfreunde, Aloisia Sauer, erläuterte, der Heidelberger Maler Adolf Hacker, der den jungen Langbein auf Leinwand bannte, „war zu dieser Zeit etwa gleich alt“. Das Werk befand sich bisher in Privatbesitz. Als es dem Museum von einem Kunsthändler angeboten wurde, musste man beim Verein nicht lange überlegen. Das Langbein-Museum beherbergt bereits weitere Bilder von Hacker, der seinen Hauptwirkungsort in der Neckarstadt hatte.

Aus Carl Langbeins (1816-1881) Leben gibt es weiterhin es nur relativ wenige Mosaiksteinchen. Die Sammelleidenschaft des „Naturalisten“, wie sich Langbein 1857 erstmals bezeichnete und wie sein Gasthof hieß, in dem auch Mark Twain einkehrte, wird nicht unbedingt als wissenschaftlich geprägt angesehen.

Sondern eher gekennzeichnet von der Selbstbeschreibung, die einem Brief von 1850 zu entnehmen ist: Langbein als „warmer Teilnehmer alles Schönen und Religiösen, der Kunst- und Wirtschaftsangehörigen“. Eine Anekdote bezeichnet Carl Langbein als originellen Gastwirt, der auch zu Späßen aufgelegt war. Er war vielseitig interessiert und talentiert. Laientheater, Liebe zur Literatur, auch einige Gedichte von ihm sind überliefert.

Was der Gepriesene im Laufe seines Lebens zusammentrug, ist heute noch in der „Alterthümer- und Naturaliensammlung“ zu sehen. Diese Schau erhielt sogar einen Preis des Kreises Bergstraße als regionales Kulturerbe. Teile der Bibliothek des Karmeliterklosters, Tierpräparate, Waffen und Rüstungen der Ritter von Hirschhorn, Skulpturen und Architekturfragmente, Malerei und Graphik, kunstgewerbliche Objekte sowie Möbel, Waffen und Jagdgeräte sind dort untergebracht.

Naturwissenschaftliche Studien sind nicht von Langbein überliefert. Hirschhorns bekannter Sohn hatte wohl einfach nur „Freude an der Natur“ und pflegte ein eher unverfälschtes, naives Naturbild. Den Zugang zur Kunst pflegte der Naturallist „ganz direkt“. Langbein hatte „enormes Talent“. Er fand aus seinen praktischen Begabungen heraus den Weg zur Kunst.

Eine wissenschaftliche Arbeit des Hirschhorners lässt sich auf dem Feld der Geschichte feststellen. Der Zeitgenosse von Marx und Engels war eine „sehr vielseitig interessierte Persönlichkeit“. 1816 geboren, war Carl einer der Söhne von Franz Langbein, des damaligen Bürgermeisters. Mit 24 Jahren, 1840 also, übernahm er den elterlichen Gasthof „Zum Ochsen“, das spätere Café Schmitt. 1854 kaufte er den „Darmstädter Hof“ und machte das Gasthaus „Zum Naturalisten“ daraus.

Das Sammeln hatte er längst begonnen und war mit wertvollen „Alterthümern“, Möbel, Waffen und Bücher, Kunst- und Gebrauchsgegenständen so ausgestattet, dass er die Hypothek für den Gasthof damit absichern konnte. Die Heirat mit Marie erfolgte 1858, die Ehe blieb kinderlos. Marie führte zusammen mit Carls Schwester Ida den Gasthof. „1881 verstarb Carl Langbein viel zu früh, bevor seine Sammlung katalogisiert oder einer ordnenden Ausstellung unterzogen worden war.

 

Info: Adolf Hacker (geb. 11. Mai 1873 in Schwarzenbach an der Saale, gest. 14. August 1943) war deutscher Maler. Der dem Realismus zugerechnete Künstler, der seine Ausbildung unter anderem bei Caspar Ritter und Lovis Corinth erhielt, hat sich an seinem Hauptwirkungsort Heidelberg einen Namen als malender Stadtchronist und als Schnellmaler gemacht. Einen Großteil seines Werkes bilden Szenen aus Heidelberg und der näheren Umgebung sowie Porträts.

Altstadtfreunde zeigen „Macht und Pracht“: Drei Hirschhorner Bau- und Kunstdenkmäler stehen im Mittelpunkt des Tag des Denkmals am 10. September

Der landesweite Tag des Denkmals am 10. September steht dieses Jahr unter dem Motto „Macht und Pracht“. Architektur und Kunst drücken seit jeher den Wunsch ihrer Erbauer, Erschaffer und Auftraggeber aus, Schönheit, Wohlstand, weltliche und religiöse Machtansprüche abzubilden. Der Tag möchte alle Interessierte dazu anregen, sich mit den vielfältigen Ausdrucksformen von „Macht und Pracht“ in allen relevanten Bereichen von Architektur- und Kunstgeschichte einmal bewusster auseinanderzusetzen. Dafür hat der Verein Freunde der Hirschhorner Altstadt dieses Mal drei Bau- und Kunstdenkmäler für eine nähere Betrachtung herausgestellt.

Zusammen mit den Freunden der Langbeinschen Sammlung wird der Tag offiziell in den Räumlichkeiten des Langbein Museums eröffnet. Erlauben doch die dort beheimateten Exponate einen Eindruck in die unterschiedlichen Epochen der Heimatgeschichte. Das Schloss als unverwechselbares Wahrzeichen steht geradezu exemplarisch für die Macht und Pracht der Herren von Hirschhorn gleichermaßen. Die Entwicklung dieses Bauwerks kann im Rahmen einer Führung hautnah miterlebt werden.

Weiterhin wird im Mitteltorturm als noch heute sichtbares Zeichen einer recht frühen Macht zum Schutze der Stadt und seiner Bürger eine interessante Ausstellung angeboten. Der Turm als imaginäres Atelier nimmt die Gäste mit auf eine Zeitreise des künstlerischen Schaffens von Ludwig Schmeisser. Grafik, Malerei, Skulptur, Objekte und Installationen aus 50 Jahren, von 1967 bis 2017, werden gezeigt.

Der mittelalterliche Wehrturm wurde nach der Stadterweiterung als Glockenturm der Marktkirche genutzt und hat seine ursprüngliche Holzkonstruktion im Inneren bewahrt. Ludwig Schmeisser, geboren 1947 in Rastatt und seit 1971 wohnhaft in Hirschhorn, hat den Turm als „imaginäres Atelier“ eingerichtet, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart in kreativer Form begegnen. Die Freunde der Hirschhorner Altstadt hoffen damit auch in diesem Jahr, einen interessanten Beitrag zum Tag des Denkmals leisten zu können.

Programm Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September:

12 Uhr Offizielle Eröffnung in den Räumen des Langbein Museums Hirschhorn, von 12.30 bis 18 Uhr ist das Museum geöffnet, gleichzeitig Ausstellung im Mitteltorturm „Zeitreise – der Turm als imaginäres Atelier“, 14 Uhr Schlossführung, Treffpunkt im Schlosshof. Der Eintritt ist jeweils frei.

125 Jahre Evangelische Kirche Hirschhorn: Ausstellungseröffnung am 27. August im Langbein-Museum

Im Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation feiert auch die Evangelische Kirchengemeinde Hirschhorn das 125-jährige Bestehen ihrer Kirche. Zu diesem Anlass zeigt das Langbein-Museum eine Sonderausstellung: „125 Jahre Evangelische Kirche Hirschhorn“. Diese wird am Sonntag, 27. August, um 17 Uhr eröffnet. Mit Bildmaterial, Dokumenten und Gegenständen wird die Geschichte der Kirche lebendig erzählt. Dazu werden Persönlichkeiten vorgestellt, die eine aktive Rolle in der Geschichte gespielt haben. „Das historische Material ist umfassend und erzählt seine eigene Story“, verspricht Initiator Dr. Ulrich Spiegelberg.

Die Evangelische Kirche ist bis heute unverwechselbarer Teil des Hirschhorner Stadtbildes und eines ihrer Erkennungsmerkmale. Zu ihrer Einweihung am 7. November 1892 reiste eigens der Großherzog an, um dem feierlichen Festgottesdienst beizuwohnen. Es sollte sein einziger Besuch in Hirschhorn bleiben. Relativ früh hielten Luthers Gedanken in Hirschhorn Einzug, als sich die Ritter ab 1526 der Reformation zuwandten, diese auch in ihrem Herrschaftsbereich förderten und durchzusetzen suchten.

Nach einer wechselhaften Geschichte erlosch 1719 die evangelische Gemeinde in Hirschhorn. Für die letzten Gemeindeglieder war die Neckarsteinacher Kirche – zumindest vorübergehend – der nächstgelegene Ort, wo sie noch einen evangelischen Gottesdienst besuchen konnten. Knapp 100 Jahre später, mit dem Übergang nach Hessen im Jahr 1803, kamen wieder die ersten Protestanten ins damals rein katholische Hirschhorn: Es waren vor allem hessische Beamten – Landrat, Landgericht, Forst, Finanzverwaltung, später Polizei, Post, Bahn.

Die kleine evangelische Gemeinde war zunächst nach Neckarsteinach eingemeindet. Doch der Kirchenbesuch in Neckarsteinach war ihnen zu mühsam, so dass bald der Wunsch nach einem Gottesdienst und einer Kirche vor Ort entstand. Im Jahr 1854 ergab sich die Möglichkeit, einen evangelischen Gottesdienst im ehemaligen Rittersaal des Schlosses zu feiern. Hirschhorn wurde sozusagen zur Neckarsteinacher Filiale mit eigenem Pfarrverwalter, bis die Gemeinde, inzwischen auch durch Langenthal verstärkt, so gewachsen war, dass sie sich 1890 als eigenständig etablieren konnte.

Dies war zugleich der Startschuss für ein weiteres großes Vorhaben, den Kirchenbau. Der Bauplatz wurde am 12. Juli 1891 eingeweiht, die Grundsteinlegung fand am 12. August statt. Auf den Tag genau zwei Jahre später wurden Turmkreuz und Hahn aufgesetzt. Der Gesamtbau kostete damals rund 60.000 Mark. Turmuhr und Orgel folgten in weiteren Abschnitten, ebenso das Pfarrhaus. Ab diesem Zeitpunkt verfügte die junge evangelische Gemeinde über alle wichtigen Einrichtungen für ihr kirchliches Leben – bis heute.

Die Sonderausstellung 125 Jahre Evangelische Kirche in Hirschhorn erzählt die Geschichte einer Gemeinde, die heute fester Bestandteil Hirschhorns ist und seine Identität wesentlich mitprägt. Sie zeigt mit altem Bildmaterial so manch neue Perspektiven und lässt nachempfinden, wie es ist, eine eigene Kirchengemeinde zu gründen und ihr eine Kirche zu errichten.

Hirschhorner Soiree der Langbein-Freunde widmet sich dem Geburtstag der Nachbarstadt

Bereits zum dritten Mal treffen sich Interessierte und Freunde des Langbein-Museums zur „Soiree unter der Linde“ bei Plaudereien zur und in der Ausstellung des Museums. Gäste sind dazu eingeladen: am Freitag, 4. August, ab 19:30 Uhr. Anlässlich der Soiree, organisiert vom Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum, widmet sich Dr. Ulrich Spiegelberg einzelnen Aspekten der Ausstellung „Happy Birthday Neckarsteinach“ und lässt ihre Geschichte mit interessanten Stories rund um die Exponate lebendig werden.

„Happy Birthday Neckarsteinach“ lautet der Titel der Wechselausstellung. In der Gründungsurkunde des Klosters Schönau aus dem Jahr 1142 werden die Herren von Steinach und die Kirche zu „Steinaha“ erstmals genannt. Die Vierburgenstadt hat mit ihrer malerischen Lage sowie der Verbindung von Natur, Landschaft und Geschichte immer wieder Künstler in ihren Bann gezogen. Begünstigt durch die Nähe zu Heidelberg gibt es eine Vielzahl qualitätsvoller historischer Ansichten. Schon damals waren Wanderungen ins Steinachtal mit dem Besuch der Burgen und der anschließenden Einkehr beim gastfreundlichen Burgherren der Mittelburg sehr beliebt. Im Nachen ging es dann auf dem Neckar zurück nach Heidelberg.

Gezeigt werden zahlreiche historische Ansichten aus Neckarsteinach, darunter auch solche, die entweder bislang unbekannt waren oder noch nie gezeigt wurden. So etwa die großformatige Zeichnung von Charles de Graimberg, die die Mittelburg aus der Perspektive des Steinachtals zeigt, oder Gesamtansichten der Stadt, aquarelliert von Charles‘ Sohn Philibert de Graimberg.

Was die Geschichte Neckarsteinachs so spannend macht: Infolge zahlreicher Herrschaftswechsel ist sie recht komplex und steckt vor allem im Hinblick auf die Frühzeit der Burgen voller Rätsel. Fehlende Überlieferungen liassen viel Raum für Spekulationen. Vielleicht kann die Sonderausstellung etwas Licht ins Dunkel bringen – mit seltenen und teilweise unveröffentlichten alten Ansichten und der überlieferten Geschichte Neckarsteinachs sowie der historisch gewachsenen Verbindung zu Hirschhorn.

Im Anschluss übernimmt Spiegelberg zusammen mit Richard Köhler von der Musikschule Hirschhorn als „Hirschhorner Vielharmoniker“ auf Klavier und Gitarre den musikalischen Part des Abends. Die Soiree ist eine offene Veranstaltung (mit freien Eintritt), zu der Besucher aus der gesamten Umgebung eingeladen sind. Seinen besonderen Reiz erhält der Abend durch das Ambiente unter der Linde vor dem Langbein-Museum in Hirschhorn, wo das gemütliche Beisammensein organisiert ist. Bei Regen wird das das Ganze in das Museum verlagert.

 

Hirschhorner Langbein-Museum gratuliert mit Ausstellung Neckarsteinach zum 875. Stadtjubiläum

Mit einer Sonderausstellung zur Stadtgeschichte von Neckarsteinach gratuliert das Langbein-Museum in Hirschhorn dem Nachbarort zum 875. Stadtjubiläum. Mit seltenen historischen Ansichten wird zugleich die enge Verbindung zwischen den beiden hessischen Neckartalstädten belegt. Zur Eröffnung der Sonderausstellung am Freitag, 14. Juli, um 19 Uhr im Langbein-Museum sind auch Repräsentanten und Gäste aus beiden Orten eingeladen. Musikalisch umrahmt wird sie von der Neckarsteinacher Harfenistin Laura Morweiser.

„Happy Birthday Neckarsteinach“ lautet der Titel der Wechselausstellung. In der Gründungsurkunde des Klosters Schönau aus dem Jahr 1142 werden die Herren von Steinach und die Kirche zu „Steinaha“ erstmals genannt. Die Vierburgenstadt hat mit ihrer malerischen Lage sowie der Verbindung von Natur, Landschaft und Geschichte immer wieder Künstler in ihren Bann gezogen. Begünstigt durch die Nähe zu Heidelberg gibt es eine Vielzahl qualitätsvoller historischer Ansichten. Schon damals waren Wanderungen ins Steinachtal mit dem Besuch der Burgen und der anschließenden Einkehr beim gastfreundlichen Burgherren der Mittelburg sehr beliebt. Im Nachen ging es dann auf dem Neckar zurück nach Heidelberg.

Gezeigt werden zahlreiche historische Ansichten aus Neckarsteinach, darunter auch solche, die entweder bislang unbekannt waren oder noch nie gezeigt wurden. So etwa die großformatige Zeichnung von Charles de Graimberg, die die Mittelburg aus der Perspektive des Steinachtals zeigt, oder Gesamtansichten der Stadt, aquarelliert von Charles‘ Sohn Philibert de Graimberg.

Was die Geschichte Neckarsteinachs so spannend macht: Infolge zahlreicher Herrschaftswechsel ist sie recht komplex und steckt vor allem im Hinblick auf die Frühzeit der Burgen voller Rätsel. Fehlende Überlieferungen liassen viel Raum für Spekulationen. Vielleicht kann die Sonderausstellung etwas Licht ins Dunkel bringen – mit seltenen und teilweise unveröffentlichten alten Ansichten und der überlieferten Geschichte Neckarsteinachs sowie der historisch gewachsenen Verbindung zu Hirschhorn.

So wird die Sonderausstellung „Happy Birthday Neckarsteinach“ zum beredten Beispiel interkommunaler Zusammenarbeit: Gegenseitiges Kennenlernen und Informationsaustausch ist derzeit nicht nur auf kommunalpolitischer Ebene ein Thema. Das Langbein-Museum will dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Die Ausstellung wird knapp sechs Wochen zu sehen sein.

Dem Thema wird auch die inzwischen traditionelle Soiree gewidmet sein, die am 4. August ab 19.30 Uhr stattfindet. Sie ist ein kleiner sommerlicher Event des Museums, das mit musikalischer Begleitung unter der Linde davor stattfindet. Ein zauberhafter Abend, gewidmet der gemeinsamen Geschichte der Städte, an dem die Hirschhorner noch einmal gratulieren.