Rückkehr der Wölfe ist eine gesellschaftliche Herausforderung

Der Wolf ist wieder da. Von den einen begrüßt, weil mit Meister Isegrim ein Stück heimische Mythologie und Identität zurückkommt, wird er von anderen mit Furcht betrachtet, da der „böse Wolf“ über lange Jahre hinweg eine Angstfigur war. Nutztierhalter beobachten darüber hinaus den Anstieg der Population mit großer Sorge. Im Hirschhorner Langbein-Museum versuchte nun Kulturgeograph Sebastian Ehret von der Christian-Albrechts-Universität Kiel unter dem Titel „Unsere neuen alten Nachbarn – Erfahrungen und Positionen im Zusammenleben zwischen Menschen und Wölfen in Deutschland“ etwas Sachlichkeit in die Diskussion zu bringen.

Bereits gegen 1780 war der Wolf im Odenwald ausgerottet. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es plötzlich noch einmal große Aufregung über Rückkehrer. 1866 wurde der letzte Wolf im Odenwald getötet und auf dem Marktplatz in Eberbach ausgestellt. Noch heute steht das Tier ausgestopft im Museum der Stadt. Von Zwingenberg/Neckar führt die Wolfsschlucht hoch bis zum Wolfsstein, der die Stelle markiert, wo ihn der Schollbrunner Ratsschreiber Vincenz Diemer im Eberbacher Stadtwald erlegte.

„Die Rückkehr der Wölfe stellt uns als Gesellschaft vor eine Herausforderung“, betonte Ehret vor einem zahlreichen Publikum. Er ist überzeugt davon, dass es nur dann einen gleichberechtigten Dialog um Lösungsansätze geben kann, „wenn wir versuchen, die Position unseres Gegenübers zu verstehen – gerade wenn wir sie persönlich nicht teilen“. Der Geograph bezeichnete das Zusammenleben von Menschen und Wölfen als vielschichtig.

„Oft vergessen wir, dass die Rückkehr der Wölfe in den unterschiedlichsten Bereichen diskutiert wird“, sagte er. In Biologie, Recht, Moral, Politik, Psychologie oder Praxis gelten jedoch unterschiedliche Logiken. Das könne zu Konflikten führen. Statistisch sei es zwar richtig, dass es in den letzten 20 Jahren keinen Angriff von Wölfen auf Menschen in Deutschland gab. Trotzdem hätten einige Angst vor Wölfen. „Wissenschaftliche Analysen und psychologische Emotionen funktionieren eben nicht nach derselben Logik“, so Ehret.

Angst ist laut Ehret in den meisten Fällen also nicht das Ergebnis persönlicher Erfahrungen – „direkt betroffene Nutztierhalter mal ausgenommen“. Er erkannte vielmehr „eine Angst vor dem Unbekannten und vor dem unbekannt Bleibenden“. Möglicherweise, so seine Vermutung, sei dies auch ein Grund dafür, warum Menschen in der Beschreibung ihrer Angst häufig auf kulturgeschichtliche Bilder und Symboliken zurückgreifen.

„Ein Grund, warum die Debatte um die Rückkehr der Wölfe so emotional geführt wird, liegt an ihrer moralischen Ebene“, erläuterte Ehret. Verschiedene moralische Auffassungen geben seiner Meinung nach unterschiedliche Antworten auf die Frage, ob nun die Bedürfnisse von Menschen oder die von Wölfen bei Konflikten schwerer wiegen.

Nutztiere gehören Ehret zufolge nur mit einem sehr geringen Prozentsatz zur Wolfsnahrung. „Nun sollte man diese Zahl aber richtig einordnen“, betonte er. Dass es aber ein Missverhältnis zwischen Nahrung und viel mehr gerissenem Tieren gibt, das sogenannte „Surplus killing“ (Überschuss-Töten), führte der Referent auf zwei Ursachen zurück. Im Gegensatz zu Wildtieren hätten ihre „domestizierten“ Artgenossen keine Schutzstrategien mehr, die sie reaktiveren können. Außerdem könnten sie durch die Haltung in Gehegen nicht flüchten und sich auch nicht wehren.

Bei Wölfen wiederum „wird der typische Ablauf einer Jagd durch die Präsenz der Nutztiere gestört und immer wieder von vorne gestartet“. Pro Angriff werden dann mehrere Tiere gerissen. So geschehen Ende 2017 in Kailbach (Oberzent). Erst vor eineinhalb Monaten wurde wieder ein Tier bei Neckargerach beobachtet – interessanterweise nicht weit weg von der Stelle, wo 1866 der letzte Odenwald-Wolf erschossen wurde.

Die mediale Debatte um das Zusammenleben von Menschen und Wölfen verläuft also derart umfangreich, laut und kontrovers, „dass es nicht mehr möglich ist, ihr zur Gänze zu folgen“, sagte Ehret. Mittlerweile handle es sich um ein gesamtgesellschaftliches Thema. Verschiedenste Interessensvertretungen und Verbände versuchten ihren Positionen Gehör zu verschaffen. Alle großen Parteien hätten eigene Positionen zu dem Thema entwickelt. „Gerade deshalb ist es so wichtig, dass wir lernen, uns gegenseitig besser zu verstehen und aufeinander zuzubewegen“, so Ehret abschließend.

 

Sebastian Ehret, aus Wilhelmsfeld (bei Heidelberg) stammend, lebt seit zehn Jahren in Kiel und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geographischen Institut der dortigen Universität.

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Neues Kapitel beim Langbein-Freundeskreis aufgeschlagen

Der Freundeskreis Langbein’sche Sammlung hat einen neuen Vorstand. Die bisherige zweite Vorsitzende Aloisia Sauer trat die Nachfolge des im vergangenen Jahr verstorbenen Ulrich Spiegelberg an. Sie erinnerte auf der Jahreshauptversammlung daran, dass es das Museum ohne Spiegelberg in dieser Form gar nicht gäbe. Er habe mit enormer Schaffenskraft ein immenses historisches Erbe hinterlassen, darunter eine beeindruckende Bibliothek und Bücher, die er als Autor verfasste. „Mit seinen Werken begleitet und lenkt er unsere Arbeit auch in Zukunft“, betonte Sauer.

Das Museum hat ihren Worten zufolge innerhalb der hessischen Museumslandschaft eine herausragende Position mit hoher Reputation. Die gelte es jetzt auch öffentlichkeitswirksam umzusetzen. „Der akute Schwund an Geschäften und damit Lebendigkeit im Ortskern von Hirschhorn hat unmittelbaren Einfluss auf den Tourismus“, sagte sie. Das Museum als eine der wenigen Sehenswürdigkeiten im Stadtkern übernehme eine wichtige Aufgabe, „der wir uns im Vorstand jetzt gemeinsam stellen“.

Zum einen geschieht das mit Veranstaltungen, die auch stärker mit dem Alltag der Einwohner verwoben sind. Dazu zählt beispielsweise der Expertenvortrag am 30. März über das Miteinander von Mensch und Wolf. Hans Jürgen Waibel gab dazu einige Detailinformationen. Er verwies auch auf weitere geplante Veranstaltungen wie etwa den Internationalen Tag des Museums am 19. Mai und die „Nacht der offenen Museen“ im September.

Derzeit laufen auch noch Gespräche mit der hessischen Burgen- und Schlösser-Verwaltung über eine Präsentation zum aktuellen Stand der Sanierung von Burg Hirschhorn. „Es ist ein Thema, das uns alle interessiert und als Bürger auch viel angeht“, so der Tenor. Der Verein möchte erreichen, dass die Hirschhorner über die Entwicklung auf dem Laufenden gehalten werden.

In ihrem Rückblick erwähnte Aloisia Sauer Eckpunkte wie die Neugestaltung des Dioramas nach einem Wasserschaden. Auch ging sie auf die neue Webseite ein, die das Museum in einem neuen Look nach außen repräsentiert (www.museum-hirschhorn.de). Das Haus lebt von interessanten Sachspenden und davon gab es 2018 reichlich: Steinmetzwerkzeug, Bücher aus der ehemaligen Gefängnisbibliothek, schöne Gemälde mit ungewöhnlichen Hirschhorn-Ansichten, historische Bierflaschen der Brauerei Jäger und vieles mehr.

Ein großer Dank des Vorstands galt Roswita Rossmann, die in den vergangenen zwölf Jahren den Adventskaffee in allen Details organisierte. Dr. Wolfgang Schuler wurde für seine akribische Arbeit an der bisherigen Webseite des Museums gedankt. Ohne ihn wäre dieses Fenster ins weltweite Netz in den vergangenen Jahren verschlossen gewesen. Bernd Meschede und sein Sohn Joachim gestalteten das Diorama mit dem im Museum vorherrschenden historischen Wandmuster neu. Sandra Fink investierte viel Zeit in die aufwändige Reinigung der Vitrinen.

„Es ist das Miteinander, das uns voranbringt“, zeigte sich der Vorstand des Freundeskreises Langbein’sche Sammlung zuversichtlich. Neue zweite Vorsitzende ist Dr. Irmtrud Wagner, Schriftführerin Petra Flachs, Schatzmeister Hans Jürgen Waibel, Kassenprüfer Ilona Dörr und Rainer Mathes, Beisitzer Wilfried Geyer, Dr. Arnt Heilmann, Roswita Rossmann, Elke Timmermann und Andrea Weber. Mit dem neuen Vorstand habe der Freundeskreis ein neues Kapitel aufgeschlagen. „Es gibt viel zu tun“, betonte Aloisia Sauer in ihrem Ausblick.

Vortrag in Hirschhorn: Über die Nachbarschaft von Wolf und Mensch

Über Wölfe wird derzeit viel diskutiert. Überall dort, wo sie auftauchen, lösen sie Emotionen und Diskussionen aus – und Verunsicherung. Denn die heutigen Menschen haben längst vergessen, wie es ist, mit Wölfen einen Lebensraum zu teilen. Der letzte Wolf im Odenwald wurde vor mehr als 150 Jahren erschossen. Daher begegnet man dem neuen Nachbarn mit gemischten Gefühlen, mit Angst, Freude und Neugier.

Ende 2017 gab es in der Region bereits mehrere Wolfssichtungen. Einmal wurde ein Tier in Wald-Michelbach im September gesichtet. In Mossautal und Kailbach wurden im November 2017 einige Schafe und eine Ziege gerissen. Erst vor ein paar Wochen wurde ein Wolf bei Neckargerach gesehen, der kurze Zeit darauf bei Öhringen auf der Autobahn überfahren wurde.

Was bedeutet die Rückkehr der Wölfe? Wie kann sich eine solche Nachbarschaft gestalten? Welche Erfahrungen haben Menschen mit Wölfen bereits gemacht? Diese und mehr Fragen beantwortet der Kulturgeograph Sebastian Ehret in seinem Vortrag „Wie können wir mit Wölfen zusammenleben?“. Er hält diesen am Samstag, 30. März um 19 Uhr im Langbein-Museum Hirschhorn.

Sebastian Ehret ist ein Experte in diesem Thema. Im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Universität Kiel forschte er über das Zusammenleben von Menschen und Wölfen. Er besuchte die Wolfsgebiete der Lausitz und sammelte Einblicke in die verschiedenen Positionen und Erfahrungen von Menschen, die seit fast 20 Jahren mit, gegen oder einfach neben dem Wolf leben.

Im Rahmen eines lebendigen Vortrags wird er im Langbein-Museum über seine Forschungsarbeiten berichten und schildern, wie es sich mit unserem neuen Nachbarn auskommen lässt. Ehret stellt sich im Anschluss den Fragen aus dem Publikum. Eintritt ist frei. Spenden sind willkommen.

 

Hirschhorner „Alterthümer- und Naturaliensammlung“ Carl Langbeins als „Museum des Monats August“ ausgezeichnet

Der hessische Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein war sichtlich angetan: „Alle Achtung“ und „super spannend“ war von ihm zu hören, als ihm Hans-Jürgen Waibel im Schnelldurchlauf das Langbein-Museum, die „Alterthümer- und Naturaliensammlung“ von Carl Langbein (1816-1881), zeigte. In das war der Minister gekommen, um es als „Museum des Monats August“ auszuzeichnen und mit einem Preisgeld von 1000 Euro zu würdigen. Die Hirschhorner Sammlung der Exponate von Carl Langbein ist hessenweit das dritte in dieser Form ausgezeichnete Museum, im südhessischen Raum sogar das erste.

Es sind nicht nur die großen, bekannten Einrichtungen, die das kulturelle Leben im Bundesland prägen, betonte Rhein. Die Kulturlandschaft lebe auch von den kleinen Perlen auf dem Land, „die oft von Ehrenamtlichen betreut werden“, so der Minister. Um die dort geleistete Arbeit hervorzuheben, sei die Auszeichnung „Museum des Monats“ ins Leben gerufen worden.

Mitarbeit gab es im Vorfeld auch aus Hirschhorn selbst und dem Kreis Bergstraße, erläuterte der Minister. So wirkte an der Idee bereits die frühere Bürgermeisterin und Landtagsabgeordnete Ilona Dörr mit, an der Entwicklung waren der ehemalige MdL Peter Stephan und seine Nachfolgerin Birgit Heitland beteiligt. „Wir arbeiten nicht einfach die Liste der Museen ab“, betonte Rhein. Vielmehr wird Wert auf gewisse Standards, das öffentliche Interesse und die Form der Präsentation gelegt. Letztere „ist beeindruckend“, attestierte der Besucher aus Wiesbaden dem Hirschhorner Kleinod.

In der „Wunderkammer“ Langbeins herrsche trotzdem museale Ordnung, sagte Rhein. Das Gebäude mitsamt den Museumsräumen wurde „auf besondere Weise saniert“, meinte er. Das koste eine Stadt natürlich Geld – bei sowieso knappen Mitteln. Der tägliche Betrieb „wird durch Menschen im Ehrenamt gestemmt“. Genau das mache die Einrichtungen vor Ort so spannend: „dass sie von denjenigen geführt werden, die sich am besten auskennen“.

Bei der Übergabe der Urkunde und des Preises an die zweite Vorsitzende des Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum, Aloisia Sauer, wies diese auf die segensreiche Arbeit des kürzlich verstorbenen Vorsitzenden Ulrich Spiegelberg hin. Immer wieder wurde von den Rednern betont, welch großen Anteil der Heimatkundler am Entstehen der Ausstellung in dieser Form hatte und wie viel Herzblut er einbrachte.

Sauer wies auf den Audioguide als Besonderheit hin. Besucher können sich über diesen fast jedes Exponat erläutern lassen. „Das war ein besonderes Steckenpferd von Uli Spiegelberg“, betonte sie. Die Kinderspur wurde von Kindern gesprochen, „die noch gar nicht lesen konnten“, ergänzte Waibel. Er war es auch, der dem Gast aus Wiesbaden dann einige Exponate näher brachte und mit viel Witz die interessanten Aspekte aus dem einen oder anderen Stück herauskitzelte.

Ob es nun Tisch und Stühle im Eingangsbereich waren, die von dem Karmelitermönchen hergestellt wurden und in deren Besitz Langbein kam, der Hirsch ohne Geweih an der Wand (auch „Mönch“ genannt), das alte Gasthausschild des „Ochsen“, die „Carlsburg“ oder das Allsehende Auge: Waibel wusste zu allem etwas aus seinem profunden Wissensschatz beizutragen, den er sich in langen Jahren aneignete.

Bürgermeister Oliver Berthold freute sich, dass Hirschhorn zu den ersten Museen in Hessen gehört, die diese Auszeichnung erhalten. Dies trage dazu bei, dass die Stadt in einer hessischen Randregion stärker wahrgenommen werde. Er lobte die „Begeisterung für dieses Haus“ bei den Ehrenamtlichen. Der Bürgermeister erhoffte sich eine lange Fortsetzung des Engagements.

1806 wurde das heutige Museumsgebäude als Forstamt errichtet. Skurrile, anrührende und wertvolle Exponate befinden sich dort. Bekannt ist Langbeins „Naturalist“ durch die Schilderung in Mark Twains „Bummel durch Europa“, als dieser dort 1878 übernachtete und sich nachts Auge in Auge mit einer ausgestopften Eule sah. Denn die Tierpräparation war ein Steckenpferd des Gastwirts. Skulpturen, Gemälde, Grafiken, Möbel, Kleidung, Trachten, Harnische, Ritterhelme, Münzen und, und, und: Langbeins Sammelwut kannte keine Grenzen.

Info: Langbein-Museum, Alleeweg 2, 69434 Hirschhorn, www.museum-hirschhorn.de, Telefon  06272-1742, geöffnet Mittwoch bis Freitag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr, Sonntag 15 bis 17 Uhr. Anlässlich des Hirschhorner Ritterfests am 1. (15 bis 19 Uhr) und 2. September (14 bis 18 Uhr) gibt es Sonderöffnungszeiten.

 

Carl Langbein (1816-1881)

  • 1816 geboren als Sohn des Hirschhorner Bürgermeisters Franz Langbein
  • 1840 übernahm er den elterlichen Gasthof „Zum Ochsen“
  • 1854 übernahm er den „Darmstädter Hof“ und machte daraus das Gasthaus „Zum Naturalisten“. Das Sammeln von wertvollen „Alterthümern“ hatte er zu dieser Zeit schon längst begonnen
  • 1858 erfolgte Heirat mit Marie, die Ehe blieb kinderlos. Seine Frau führte mit Langbeins Schwester Ida den Gasthof
  • 1881 verstarb er, ohne dass seine Sammlung katalogisiert worden wäre.

Drei Gebäude in Hirschhorn repräsentieren die alte „Macht und Pracht“

„Macht und Pracht“ hieß das Motto beim diesjährigen Tag des offenen Denkmals. Und von beidem gibt es in Hirschhorn mit seiner reichen Geschichte genug. Schloss, Mitteltorturm und Langbein-Museum standen im Mittelpunkt der Aktionen, zu denen der Altstadtverein eingeladen hatte. Während es auf dem Schloss eine Führung gab, war das Museum als ehemaliges großherzogliches hessisches Forstamt mit seiner „Alterthümer- und Naturaliensammlung“ von Carl Langbein ebenso geöffnet wie der Turm, in dem Exponate aus der 50-jährigen Schaffensperiode von Ludwig Schmeisser zu sehen waren.

Der Vorsitzende des Altstadtvereins, Rainer Lange, eröffnete im Langbein-Museum den Aktionstag. Für die musikalische Umrahmung sorgte Richard Köhler an der Gitarre. Es ist laut Lange „eine schöne Tradition“, dass sich der Verein jedes Jahr einbringt. Er bezeichnete es ebenso als „Herausforderung“, immer dem zentralen Motto zu entsprechen. Die Idee hinter „Macht und Pracht“ sei die Demonstration nach außen, aber auch der Schutz nach innen gewesen.

Gerade das Hirschhorner Schloss „repräsentiert das Motto sehr treffend“, meinte Lange. Im Mitteltorturm könne man eine schöpferische Reise durch das Wirken von Schmeisser im vergangenen halben Jahrhundert unternehmen – passend zum dessen 70. Geburtstag in diesem Jahr. Im und um das Museum lasse sich die Pracht des früheren Forstamts in Gebäude und Garten erahnen.

Schmeisser sah das Thema des Tages „für Hirschhorn von herausragender Bedeutung“. Er bezeichnete es als außergewöhnlich, dass der Mitteltorturm als Teil der alten Stadtmauer noch erhalten sei. Dies geschah durch den „Funktionswandel“ von einem Wehr- zum späteren Kirchturm. In dieser Form könnten sich Macht und Pracht auch verschieben, betonte er. Alte Gebäude würden so belebt und lebten weiter.

Es sei für ihre Erhaltung ein großes Engagement nötig, bei den auch Bürger und Vereine gefragt seien, so der Künstler. Denn: „Wenn sie abgerissen werden, sind sie weg.“ In Gebäuden mit großer Ausstrahlung „entdeckt man immer wieder neue Dinge“, sagte Schmeisser. Dem gewohnten Blick müsse man eine neue Erfahrung hinzufügen, betonte er.

Die Idee, den mittelalterlichen Turm als imaginäres Atelier zu gestalten, geschah laut Schmeisser „durch eine lange Beschäftigung mit der Geschichte“. Außerdem befasste er sich mit dem Aussehen und der Konstruktion „dieses faszinierenden Gebäudes“. Bilder und Objekte wurden so positioniert, dass sie einen lebendigen Dialog mit dem Raum bildeten. Die ausgestellten Arbeiten stammten aus verschiedenen Schaffensperioden.

Die zweite Vorsitzende der Langbein-Freunde, Aloisia Sauer, hob die enge Zusammenarbeit der beiden Vereine hervor. So sei es auch möglich gewesen, die frühere Pietà aus der Hauptstraße 40 mit Unterstützung der Altstadtfreunde zu erwerben und ins Museum zu holen. Der Erste Stadtrat Karlheinz Happes dankte für das Engagement der beiden Vereine. Die Stadt übernehme jedes Jahr gerne die Schirmherrschaft für die Teilnahme am Tag des offenen Denkmals.

Ein Bild des jungen Carl Langbein als neues Ausstellungsstück fürs Hirschhorner Museum

Das Langbein-Museum ist um ein besonderes Werk reicher. Mit Unterstützung der Sparkassen-Stiftung, für die Andrea Helm vor Ort war, konnte ein neues Bild erworben werden, das Carl Langbein in jungen Jahren zeigt. Dem „Naturalisten“, der in Hirschhorn den gleichnamigen Gasthof betrieb, hat das Museum einen Großteil seiner Exponate zu verdanken. Denn Langbein sammelte praktisch alles, was ihm zwischen die Finger kam.

Die zweite Vorsitzende der Langbeinfreunde, Aloisia Sauer, erläuterte, der Heidelberger Maler Adolf Hacker, der den jungen Langbein auf Leinwand bannte, „war zu dieser Zeit etwa gleich alt“. Das Werk befand sich bisher in Privatbesitz. Als es dem Museum von einem Kunsthändler angeboten wurde, musste man beim Verein nicht lange überlegen. Das Langbein-Museum beherbergt bereits weitere Bilder von Hacker, der seinen Hauptwirkungsort in der Neckarstadt hatte.

Aus Carl Langbeins (1816-1881) Leben gibt es weiterhin es nur relativ wenige Mosaiksteinchen. Die Sammelleidenschaft des „Naturalisten“, wie sich Langbein 1857 erstmals bezeichnete und wie sein Gasthof hieß, in dem auch Mark Twain einkehrte, wird nicht unbedingt als wissenschaftlich geprägt angesehen.

Sondern eher gekennzeichnet von der Selbstbeschreibung, die einem Brief von 1850 zu entnehmen ist: Langbein als „warmer Teilnehmer alles Schönen und Religiösen, der Kunst- und Wirtschaftsangehörigen“. Eine Anekdote bezeichnet Carl Langbein als originellen Gastwirt, der auch zu Späßen aufgelegt war. Er war vielseitig interessiert und talentiert. Laientheater, Liebe zur Literatur, auch einige Gedichte von ihm sind überliefert.

Was der Gepriesene im Laufe seines Lebens zusammentrug, ist heute noch in der „Alterthümer- und Naturaliensammlung“ zu sehen. Diese Schau erhielt sogar einen Preis des Kreises Bergstraße als regionales Kulturerbe. Teile der Bibliothek des Karmeliterklosters, Tierpräparate, Waffen und Rüstungen der Ritter von Hirschhorn, Skulpturen und Architekturfragmente, Malerei und Graphik, kunstgewerbliche Objekte sowie Möbel, Waffen und Jagdgeräte sind dort untergebracht.

Naturwissenschaftliche Studien sind nicht von Langbein überliefert. Hirschhorns bekannter Sohn hatte wohl einfach nur „Freude an der Natur“ und pflegte ein eher unverfälschtes, naives Naturbild. Den Zugang zur Kunst pflegte der Naturallist „ganz direkt“. Langbein hatte „enormes Talent“. Er fand aus seinen praktischen Begabungen heraus den Weg zur Kunst.

Eine wissenschaftliche Arbeit des Hirschhorners lässt sich auf dem Feld der Geschichte feststellen. Der Zeitgenosse von Marx und Engels war eine „sehr vielseitig interessierte Persönlichkeit“. 1816 geboren, war Carl einer der Söhne von Franz Langbein, des damaligen Bürgermeisters. Mit 24 Jahren, 1840 also, übernahm er den elterlichen Gasthof „Zum Ochsen“, das spätere Café Schmitt. 1854 kaufte er den „Darmstädter Hof“ und machte das Gasthaus „Zum Naturalisten“ daraus.

Das Sammeln hatte er längst begonnen und war mit wertvollen „Alterthümern“, Möbel, Waffen und Bücher, Kunst- und Gebrauchsgegenständen so ausgestattet, dass er die Hypothek für den Gasthof damit absichern konnte. Die Heirat mit Marie erfolgte 1858, die Ehe blieb kinderlos. Marie führte zusammen mit Carls Schwester Ida den Gasthof. „1881 verstarb Carl Langbein viel zu früh, bevor seine Sammlung katalogisiert oder einer ordnenden Ausstellung unterzogen worden war.

 

Info: Adolf Hacker (geb. 11. Mai 1873 in Schwarzenbach an der Saale, gest. 14. August 1943) war deutscher Maler. Der dem Realismus zugerechnete Künstler, der seine Ausbildung unter anderem bei Caspar Ritter und Lovis Corinth erhielt, hat sich an seinem Hauptwirkungsort Heidelberg einen Namen als malender Stadtchronist und als Schnellmaler gemacht. Einen Großteil seines Werkes bilden Szenen aus Heidelberg und der näheren Umgebung sowie Porträts.

Altstadtfreunde zeigen „Macht und Pracht“: Drei Hirschhorner Bau- und Kunstdenkmäler stehen im Mittelpunkt des Tag des Denkmals am 10. September

Der landesweite Tag des Denkmals am 10. September steht dieses Jahr unter dem Motto „Macht und Pracht“. Architektur und Kunst drücken seit jeher den Wunsch ihrer Erbauer, Erschaffer und Auftraggeber aus, Schönheit, Wohlstand, weltliche und religiöse Machtansprüche abzubilden. Der Tag möchte alle Interessierte dazu anregen, sich mit den vielfältigen Ausdrucksformen von „Macht und Pracht“ in allen relevanten Bereichen von Architektur- und Kunstgeschichte einmal bewusster auseinanderzusetzen. Dafür hat der Verein Freunde der Hirschhorner Altstadt dieses Mal drei Bau- und Kunstdenkmäler für eine nähere Betrachtung herausgestellt.

Zusammen mit den Freunden der Langbeinschen Sammlung wird der Tag offiziell in den Räumlichkeiten des Langbein Museums eröffnet. Erlauben doch die dort beheimateten Exponate einen Eindruck in die unterschiedlichen Epochen der Heimatgeschichte. Das Schloss als unverwechselbares Wahrzeichen steht geradezu exemplarisch für die Macht und Pracht der Herren von Hirschhorn gleichermaßen. Die Entwicklung dieses Bauwerks kann im Rahmen einer Führung hautnah miterlebt werden.

Weiterhin wird im Mitteltorturm als noch heute sichtbares Zeichen einer recht frühen Macht zum Schutze der Stadt und seiner Bürger eine interessante Ausstellung angeboten. Der Turm als imaginäres Atelier nimmt die Gäste mit auf eine Zeitreise des künstlerischen Schaffens von Ludwig Schmeisser. Grafik, Malerei, Skulptur, Objekte und Installationen aus 50 Jahren, von 1967 bis 2017, werden gezeigt.

Der mittelalterliche Wehrturm wurde nach der Stadterweiterung als Glockenturm der Marktkirche genutzt und hat seine ursprüngliche Holzkonstruktion im Inneren bewahrt. Ludwig Schmeisser, geboren 1947 in Rastatt und seit 1971 wohnhaft in Hirschhorn, hat den Turm als „imaginäres Atelier“ eingerichtet, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart in kreativer Form begegnen. Die Freunde der Hirschhorner Altstadt hoffen damit auch in diesem Jahr, einen interessanten Beitrag zum Tag des Denkmals leisten zu können.

Programm Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September:

12 Uhr Offizielle Eröffnung in den Räumen des Langbein Museums Hirschhorn, von 12.30 bis 18 Uhr ist das Museum geöffnet, gleichzeitig Ausstellung im Mitteltorturm „Zeitreise – der Turm als imaginäres Atelier“, 14 Uhr Schlossführung, Treffpunkt im Schlosshof. Der Eintritt ist jeweils frei.