„Festival, Feeling, Odenwald“: Arte-Livestream vom Marbachstausee

Es ist eine magisch-mystische Atmosphäre an diesem Abend am Marbachstausee. Joris begrüßt die „Sound-of-the-Forest-People“, die ihm frenetisch applaudieren. Über dem See wabert der farbige Nebel, vom anderen Ufer her spiegelt sich der Festival-Schriftzug im Wasser. Besondere Lichtinstallationen und –wesen machen die Location wie in den Jahren vorher zu einem der schönsten Veranstaltungsorte in Deutschland.

Mit geschlossenen Augen ist es so wie immer. Mit offenen sind in diesem Jahr wegen Corona keine Besucher dabei, sondern nur die Crew- und Vereinsmitglieder. Sie stemmen den Livestream für das Arte-Zeitgleich-Festival, bei dem jeweils fünf Bands an drei verschiedenen Orten in Deutschland auftreten. „Watt en Schlick“ (Dangast) und „Rocken am Brocken“ (Oberharz) werden ebenfalls beschallt.

Die vier Jungs von der Multi-Kulti-Truppe „Bukahara“ fühlen sich drei Jahre in der Zeit zurückversetzt, als sie ebenfalls bei Sound of the Forest (SOTF) auftreten. Sie haben einige der wenigen Möglichkeiten in diesem Jahr, Material aus ihrer neuen CD „Canaries in a Coal Mine“ zu präsentieren. Mal eine Mandoline, dort die Posaune, hier das Susaphon: Es macht tierisch Laune, was die vier bieten.

Für die SOTF-Macher war die zweite Absage innerhalb von drei Jahren ein harter Brocken. Immerhin ließ sich durch den Arte-Livestream zumindest so etwas wie Festival-Feeling schaffen, wenn auch nur virtuell. 300 Vereinsmitglieder klotzen jedes Jahr ehrenamtlich ran, erzählt Jo Megow vom Orga-Team. Für die war es ein bewegender Moment, als nach fünf Tagen harter Vorarbeit „Klan“ den Auftakt im Odenwald macht, gefolgt von „Black Sea Dahu“ und „Ätna“. „Bei den ersten Tönen sind wir dagestanden mit Wasser in den Augen“, gibt Megow offen und ehrlich zu.

„Die Arbeit hat sich gelohnt“, bilanziert er gegen Ende. Gleichzeitig ist er aber „sehr wehmütig, dass wir die Forest-Family nicht sehen können“. Denn obwohl jedes Jahr inzwischen um die 5000 Besucher an den Stausee kommen, ist alles sehr familiär. Genau das wissen alle zu schätzen. Denn es packen alle mit an, macht Megow deutlich mit Blick auf seinen Vater, der am Bühnenaufbau beteiligt ist, oder auf seine Freundin, die ihn bei der PR unterstützt.

Auch wenn alles nahtlos klappt – die Macher sind durch elf Jahre Arbeit bestens eingespielt -, vermisst er die „lächelnden Gesichter“ der Fans. Die sind immer der Lohn für ein Jahr ehrenamtliche Arbeit, die kurz vor knapp meist rund um die Uhr stattfindet. „Bei der Bühne haben wir uns dieses Mal selbst übertroffen“, darf es auch ein bisschen Eigenlob sein. Der aufgebaute Holzhirsch ist zu einer Art Kultobjekt geworden. Die Künstler bieten sogar dafür, ihn mitnehmen zu dürfen. „Joris will den unbedingt“, lacht Megow.

Ein Festival zu organisieren ist schon viel Arbeit, aber drei als Livestream zu koordinieren „haben wir echt unterschätzt“, gibt er zu. Aber es funktioniert alles. Initiator Markus Blanke von Rocken am Brocken und Till Krägeloh (Watt en Schlick) „wurden richtig gute Freunde“, sagt Megow. Die erlebte Solidarität „ist einfach toll“.

Dass Joris wie auch im vergangenen Jahr dabei ist und den Abend beschließt, freut Megow besonders. „Der hat eine tolle Show gemacht“ – und ist nebenbei auch einer der größten Unterstützer des Festivals. Davon gibt’s viele, wird an dem Abend spür- und hörbar. Des Öfteren ertönt von der gegenüberliegenden Bundesstraße ein Hupen über den See. „Das sind unsere Fans“, weiß der Orga-Mann. Die zeigen damit ihre Solidarität.

Ein Blickfang sind auch die Feenfiguren von ArtArtistica während seines Auftritts.  Joris mit seiner einprägsamen Stimmen und angenehmen Songs wird groß gefeiert. Natürlich bedauert Megow die SOTF-Absage. Aber „es ist richtig, dass es nicht stattfindet“. Bei 5000 Besuchern ließe sich die Gesundheit nicht gewährleisten. Allerdings war es schon schwer, nach 2018 wieder zu verzichten. „Das musst du mental auch erst einmal schaffen“, meint er.

Die Bands sind froh, sich mal wieder live präsentieren zu dürfen. Die meisten haben in diesem Jahr gar keine bis wenige Auftritte. Und natürlich zählt auch die Solidarität. „Die kommen größtenteils nur für Fahrtkostenerstattung“, erzählt Jo Megow. Sie wissen eben, dass sie auf Profis treffen. Denn die Zahnräder greifen nahtlos ineinander, beschreibt er die professionelle Arbeit.

Eine Fernsehproduktion ist etwas anderes als ein Festival, erläutert der Festival-Profi. Da wird eine ganz andere Bildersprache benötigt. Deshalb vermischen die Organisationen Elemente aus zehn Jahren SOTF miteinander. Megow kommt gar nicht aus dem Schwärmen für die „wunderschöne Bühne“ heraus, wie man auch sonst merkt, wie er für das Festival brennt – auch wenn er nach fünf Tagen Nonstop-Orga kaum noch aus den Augen schauen kann.

Lichtkünstler Valentin Lüdicke von der Halle 02 in Heidelberg kümmert sich um die Leuchtbäume, für die große Drähte genommen und daraus entsprechende Konstruktionen geformt werden. Auch der ist schon seit zehn Jahren mit an Bord und stellt für diesen Abend alles kostenlos zur Verfügung. „Die Liebe zum Detail macht uns aus“, weiß Megow – und wird auch überall wertgeschätzt. „Da sitzt jede Lampe, jede Glühbirne und jedes Aststück“, lächelt er.

„Festival, Feeling, Odenwald“: Die drei Schlagworte wollen die SOTF-Enthusiasten weiter verbreiten und freuen sich, dafür mit Arte ein solch „tolles Medium“ gefunden zu haben. Im September soll es die Konzerte dann in einer regulären Sendung zu sehen geben. Schon jetzt „bekommen wir ein riesiges Feedback“, freut sich Megow. Über die sozialen Medien trudeln im Sekundentakt die Kommentare ein. Außerdem gab es im Vorfeld ein „gigantisches Interesse“ an der Produktion. „Musik begeistert eben alle Generationen“, hebt er hervor.

Ortsbeirat beklagt Wildwest am Marbachstausee

Die drei sommerlichen Open-Air-Veranstaltungen am Marbachstausee haben beim Ortsbeirat  Hetzbach einen schalen Beigeschmack hinterlassen. Wenn das Gremium auch die Attraktivität dieser ortsnahen Freizeitanlage am Südufer des Hochwasserrückhaltebeckens begrüßt, so wurden doch auf der Sitzung „erhebliche Missstände“ moniert. Beim Jugendzeltplatz wurde in den Tagen danach eine erhebliche Menge an Restholz und Sperrmüll verbrannt, berichtete Ortsvorsteher Hans-Ludwig Kredel. Diese Aktion und weitere Lagerfeuer „haben mehrere Feuerwehreinsätze ausgelöst“.

Der Ortsbeirat forderte deshalb eine bessere Überwachung derartiger Veranstaltungen und angemessene ordnungsrechtliche Maßnahmen bei Verstößen. „Wenn die Nutzer der Anlage quasi nach Belieben verfahren können, hat dies eine negative Vorbildwirkung“, so der Tenor. Es wurde nachgefragt, ob die Müllverbrennungsaktion und die ausgelösten Feuerwehr-Alarmierungen auch entsprechende Konsequenzen für die Verantwortlichen hatten.

Seitens des Gremiums wurde kritisierend auf die bereits im Vorfeld der Veranstaltungen geöffnete Schranke am Zufahrtsweg hingewiesen, die zu zugeparkten Rettungswegen führte. Nach Mitteilung von Stefanie Ampferl, die für die Oberzent-Stadtverwaltung vor Ort war, erfolgte im Vorfeld eine Kontrolle des Geländes durch den Brandsicherheitsdienst. Es wurden Verstöße festgestellt und geahndet, berichtete sie.

Die Zustände auf dem Jugendzeltplatz wurden bereits in der März-Sitzung des Gremiums beanstandet, sagte der Ortsvorsteher. Die Belegung und Nutzung des Geländes „entspricht mittlerweile kaum noch der eines Jugendzeltplatzes, wie er vom Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald beworben wird“, so die Beschwerde. Es sei unter anderem festzustellen, dass zunehmend Pkw, Wohnmobile und Wohnwagen dort aufgestellt werden. Darüber hinaus werde aber auch im gesamten Freigelände am Südufer des Marbachsees „wild“ geparkt, gelagert und gecampt.

Weiterhin steht seit den drei sommerlichen Veranstaltungen am Zufahrtsweg ein verschlossener Übersee-Container mit unklarer Nutzung, so die Mitteilung auf der Sitzung. Es wird vom Ortsbeirat vermutet, dass sich die Veranstalter hier eine Lagermöglichkeit vor Ort geschaffen haben. „Der Container soll entfernt werden“, lautet der unmissverständliche Wunsch.

Elektro, Beats und Bässe

Die kleine Schwester ist bereits ganz schön groß. „Circle of Leaves“ eifert in Sachen Attraktivität bereits bei der Premiere dem zwei Wochen vorher stattfindenden „Sound of the Forest“ nach, auch wenn die Besucherzahlen sich nicht ganz vergleichen lassen. Wieder sind Menschenmassen am Eröffnungstag auf dem Weg ans idyllische Gelände am Marbach-Stausee, um ein unbeschwertes musikalisches Wochenende fernab des Alltags zu erleben. Elektro, Beats, Bässe und jede Menge DJs bestimmen dieses Mal das Bild.

„Super fürs erste Mal“, lautet gestern Nachmittag das Fazit von Festivalsprecher Jo Megow. Obwohl das Wetter am Samstag regenbedingt durchwachsen bis sehr bescheiden war, ließen sich die Fans die gute Stimmung nicht verderben. „Die haben Gummistiefel und Regenstiefel auspackt und sind durch den Matsch getanzt“, beobachtete er. Nacktbaden inklusive. „Alle waren erschreckend gut ausgerüstet“, so seine augenzwinkernde Beschreibung. Gestern ging dann bei strahlendem Sonnenschein und warmem Wetter „die Laune wieder schlagartig hoch“.

Eigentlich sollte die Premiere ja bereits im vergangenen Jahr stattfinden. Doch da mussten bekanntermaßen „Sound of the Forest“ (SOTF) und „Circle of Leaves“ (COL) wegen Waldbrandgefahr ausfallen. Während das Ersterem in diesem Jahr beim Zuspruch keinen Abbruch tat, „haben wir bei COL weniger Tickets verkauft“, bedauert Megow. „Wir sprechen mit Elektro das erste Mal eine komplett neue Zielgruppe an“, weiß er. Da ist – anders als bei der zehnten Auflage von SOTF – das Grundvertrauen in den Veranstalter noch nicht da, vermutet der Festivalsprecher.

Allerdings zeigt sich Megow mit täglich 2800 Gästen trotzdem sehr zufrieden. „Für eine Premiere überragend“, meint er. Ein wenig ging es zu wie in der Anfangszeit von Sound of the Forest: luftiger, nicht so eng. Zusammen mit dem Partner „Better Life“ stellten die Peripherique-Macher aus Bad König ein ausgewähltes Lineup zusammen. In dem fanden sich mit Neelix und Pappenheimer zwei angesagte DJs ebenso wie mit den Schweizern von Adriatique („Wahnsinn“, so Megow) oder „Innellea“ mit ihrem Festival-Trailer begeisternde Elektro-Acts.

Eine lange Schlange an Campern ist am Freitagabend vor dem Eingang anzutreffen. Die Shuttlebusse spucken immer neue Menschenmengen aus, die sich dann mit dem Equipment jeglicher Couleur einreihen. Ausgestattet entweder rudimentär mit Schlafsack und Isomatte, oder etwas komfortabler mit Sackkarren und komplettem Hausstaat inklusive Getränkevorrat, der nach normalen Maßstäben eine Woche reichen dürfte.

Wäschekörbe, 20-Liter-Wasserkanister, Bollerwagen, Rucksack und ganze Paletten mit Trinkbarem, dazu noch Kind und Kegel: Wie schon zwei Wochen sind die vorwiegend jungen Besucher mit allem ausgestattet, was für ein Party-Wochenende benötigt wird. Dafür kommen sie aus halb bis ganz Deutschland angefahren, um im Odenwald die Seele baumeln zu lassen.

Der Stuhlkreis Marke Camping feiert fröhliche Auferstehung, die Gitarre wird ausgepackt zu einer gekühlten Dose mit Inhalt je nach Geschmack. Wobei selbst die eingefleischten Hobby-Sänger wohl ehrlicherweise zugeben müssen, dass man lieber die Profis auflegen lassen sollte. Die Musik, so scheint es, ist manchmal die schönste Nebensache an einem Wochenende, bei dem es um nichts weniger geht als – Nichts(tun).

Am Freitag ist noch Badeurlaub angesagt, am Samstag das zwischenzeitliche nasse Bibbern, ehe dann am gestrigen Abschlusstag der Aufenthalt im Odenwald zum Kurzurlaub wird. Viele nutzen das Seegelände noch zum Entspannen, bevor aus auf den Heimweg geht. Der See dient auch für andere Zwecke: sich selbst und Handtücher waschen, die dann dekorativ die Zelte verzieren.

Apropos Zelte: Der Unterschiedlichkeit sind keine Grenzen gesetzt. Die klassische Einzelunterkunft mit Stangen, die sich schon beim Anschauen verbiegen, bis zum vier auf vier Meter Profizelt, das keine Wünsche offenlässt, ist ein Fest für die Augen. Wie auch die Illumination an der Seebühne, wo es ein Nonstop-Programm gibt. Schlafen steht an diesen drei Tagen nicht auf der Agenda. Wer es packt, feiert 24/7 durch.

„Wir wollen zum Musik entdecken anregen“, sagt Jo Megwo. SOTF-Besucher, eigentlich keine Elektrofans, ließen sich locken „und hatten tierisch Spaß“. Ebenso wie viele andere Fans aus allen Ecken Deutschlands. „Wir haben ein unglaublich starkes Feedback bekommen“, freut sich der Festival-Sprecher. Sehr oft gab‘s schon die Zusage auf ein Wiederkommen, dann mit vielen Freunden im Gepäck.

Eigentlich beste Voraussetzungen für eine Wiederholung. Megow gibt sich noch ein wenig vorsichtig: Erst einmal wird ein Strich darunter gemacht „und geschaut, was die Zahlen hergeben“. Sollte das Minus vertretbar sein, dann könnte es eine Neuauflage geben. Auf jeden Fall freuen sich Festivalmacher jetzt darauf, nach mehr als zwei Wochen Dauereinsatz ausspannen zu können.

„Wir schaffen einen Gegenentwurf zum Alltag, in dem Utopie, Austausch, Kreativität und Gemeinschaft unsere Werte sind“, postulieren die Organisatoren. „Circle of Leaves“, hinter dem der gleichnamige Verein steht, widmet sich den wahren Freuden der Existenz: Kunst, Musik, Natur und Kulinarik. Das Lineup aus DJs und Bands setzt sich aus Newcomern, Locals und Helden der Szene zusammen.      (Foto: Laura Wilken)

Selbst den alten Sound-Hasen bleibt die Spucke weg

War das zehnte „Sound of the Forest“ das Beste in der Geschichte? „Ein klares Ja“, sagt Festivalsprecher Jo Megow wie aus der Pistole geschossen. „Es war besser als je zuvor.“ Viele Faktoren kamen zusammen, dass die Macher nach der letztjährigen Absage jetzt angesichts des Erfolgs völlig aus dem Häuschen sind. „Wir sind völlig baff, wie gut alles funktioniert hat, wie super die Leute drauf waren und wie die klasse die Bands performt haben“, meint er begeistert im Rückblick. Freitag und Samstag waren mit 5000 Besuchern ausverkauft.

Die Organisatoren saßen am Samstag lange zusammen und überlegten, „wie man nächstes Jahr noch einen draufsetzen kann“, so Megow. Das wird schwierig, so sein augenzwinkerndes Fazit. Denn bis auf kleine Details, die aber nur ihnen selbst auffielen, war aus seiner Sicht quasi alles nah an perfekt. Selbst als erfahrene Veranstalter „standen wir mit offenen Mündern da und meinten nur: Wow, was hat sich in zehn Jahren daraus entwickelt.“

Auch wenn das Festival selbst bei Waldbrandstufe A hätte stattfinden dürfen, war der Regen eine Woche zuvor ein Segen. „Wir sind mittendrin über den Platz getanzt“, erklärt Megow die Erleichterung. „Sonst hätten wir ein mulmiges Gefühl gehabt.“ Bei den Bauten, freut er sich, „haben wir uns dieses Jahr selbst übertroffen“. Die Seebühne mit Hirschen, Rauch und Licht „sah gigantisch gut aus“.

Trotz der exakt 239 Helfer für die vier Tage „hatten wir am Samstagabend einen Mangel bei den Stage-Hands“, bedauert Megow. Sebastian Schimmer und Hauke Feiert waren fast allein damit beschäftigt, die beiden 40-Tonner der österreichischen Band „Bilderbuch“ auszuladen und das Equipment auf die Bühne zu schaffen. „Da brauchen wir im kommenden Jahr auf jeden Fall ein paar mehr Leute“, betont er.

Megow zollt den Besuchern ein Riesenlob: „Als am Sonntag 20 Leute, bewaffnet mit Mülltüten, auf den Platz gingen, hatten wir nichts zu tun.“ Die Gäste verließen das Gelände wie geleckt. „Das habe ich noch nie erlebt“, ist er baff. „Wirklich Wahnsinn.“ Und das, obwohl es auf dem „Sound of the Forest“ eine Dreifach-Mülltrennung gibt. Die Credits gibt er an Dana Vogel weiter, „die die Besucher auf spielerische Weise auf Kurs gebracht hat“.

Als Joris am Samstagabend zusammen mit den „K-Rings“ die Festivalhymne anstimmte, wurden heimlich ein paar Freudentränen verdrückt, lacht er. Neben den Headlinern gab es auch die kleinen Perlen. „Black Sea Dahu“ ist für den Festival-Sprecher eine dieser. Viele entdeckten ihre neue Lieblingsband und kauften sich gleich eine Platte, beobachtet Megow.

„Sommersounds, friedliche Stimmung, neue Leute, Sonnenuntergang, tolle Musik, Seemomente“: Das macht für Marcel Daub aus Hetzbach das Festival aus. „Über zehn Jahre eine klasse Arbeit“, spricht er den Veranstaltern ein großes Lob aus. Sound of the Forest sieht er als Veranstaltung für jedes Alter. Als Einheimischer sollte man es einfach unterstützen.

„Es ist immer weiter gewachsen und hat sich trotzdem seine familiäre Aura gewahrt“, betont ein Rothenberger Besucher. „Hier ist man einfach eine Familie. Jeder hilft jedem und alle unterstützen sich.“ Die Location ist „einfach mega“: Das ist oft zu hören. Der See im Rücken und der Wald drumherum haben etwas Mystisches.

Neben den Odenwäldern, die die familiäre Atmosphäre, die friedliche Stimmung und die Sommersounds schätzen, kommen inzwischen Gäste aus ganz Europa hierher. Etwa die Reisegruppe aus Spanien, der man im vergangenen Jahr gerade noch rechtzeitig am Flughafen die Absage mitteilen konnte – und die natürlich dieses Mal wieder dabei war. Oder die 200 Schweizer, 20 Polen, sieben Engländer, die es ins Herz Deutschlands zieht, um hier zusammen zu feiern.

Die einen kommen rudimentär mit Schlafsack und Isomatte zum Festival, die anderen etwas komfortabler mit Sackkarren und komplettem Hausstaat inklusive Getränkevorrat, der nach normalen Maßstäben eine Woche reichen dürfte. Der Stuhlkreis Marke Camping feiert fröhliche Auferstehung, die Gitarre wird ausgepackt zu einer gekühlten Dose mit Inhalt je nach Geschmack. Wobei selbst die eingefleischten Hobby-Sänger („Country Roads“) wohl ehrlicherweise zugeben müssen, dass die Jungs oben auf der Bühne besser singen.

Die Musik weiter oben ist manchmal die schönste Nebensache an einem Wochenende, bei dem es um nichts weniger geht als – Nichts(tun). Dass tagsüber der weiter unten liegende See frequentiert wird, machen diverse Fortbewegungsmittel deutlich: das fette Schlauchboot, die einfache Luftmatratze, aber auch das De-Luxe-Modell Marke Einhorn. Der See dient auch für andere Zwecke: sich selbst und Handtücher waschen, die dann dekorativ die Zelte verzieren.

Apropos Zelte: Der Unterschiedlichkeit sind keine Grenzen gesetzt. Die klassische Einzelunterkunft mit Stangen, die sich schon beim Anschauen verbiegen, bis zum fünf auf fünf Meter Profizelt, das keine Wünsche offenlässt – und dann womöglich noch mit Abdeckung Typ alter VW-Bulli: ein Fest für die Augen. Wie auch die Illumination an der Seebühne, wo es abwechselnd Programm gibt – oder einfach nur ein paar Beats für zu hören sind, denen mal nicht der Sinn nach lauter Beschallung steht.

Die Planungen für kommendes Jahr laufen logischerweise schon. Einige Bands, über die Megow aber noch nicht zu viel verraten möchte, sind bereits gebucht. „Es sind tolle Acts dabei“, verspricht er. Parallel feilen die Macher an kleinen Details, die das Festival so besonders machen. Etwa an der  Seilbahn in den See, die man aus Zeitgründen nicht mehr schaffte. Oder die Flirt-Line quer übers Gelände, die dieses Mal zwischenzeitlich den Geist aufgab.

Die „Forest Sessions“, 2016 letztmalig umgesetzt, gab es wieder. Wenn große Bands ihre größten Songs akustisch auf dem kleinen Floß im See anstimmen, ist das ein tolles Erlebnis fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das wird dann bald auf YouTube hochgeladen. „Amber Run“ etwa spielte gleich drei Lieder ein. „Da ist mir die Spucke weggeblieben“, gesteht Megow. Wie überhaupt das zehnte „Sound of the Forest“ nur offen Münder hinterließ.

Info: Die kleine Schwester von „Sound of the Forest“, das Elektronik-Festival „Circle of Leaves“, findet am Marbach-Stausee von 16. bis 18. August statt. Mehr unter www.circle-of-leaves.com

 

Der Sound schallt über Wald und See

Zelte über Zelte säumen die Wiesen oberhalb des Marbach-Stausees. Selbst Freitagnacht um 11 trudeln noch ein paar Besucher beim „Sound of the Forest“ ein, ausgestattet entweder rudimentär mit Schlafsack und Isomatte, oder etwas komfortabler mit Sackkarren und komplettem Hausstaat inklusive Getränkevorrat, der nach normalen Maßstäben eine Woche reichen dürfte. Sie alles wollen eines: feiern bis zum Abwinken. Schließlich gilt es ein Jahr nachzuholen, weil im vergangenen Jahr das Festival wegen Waldbrandgefahr abgesagt werden musste.

Mit 5000 Gästen rechnen die Veranstalter übers Wochenende. Die dürften bereits am Freitagabend alla da gewesen sein. Zwischen den Zelten war kein Millimeter mehr Platz. Aber akribisch wird die Markierung mit Flatterbändern eingehalten, die die Wege freihalten sollen. Was aber nichts daran ändert, dass beim Auftritt von „Amber Run“ die Strecke zur Waldbühne völlig verstopft ist. Kein Durchkommen mehr heißt es für die, die sich zu spät auf den (engen) Weg gemacht haben.

Die britische Indie-Rock-Band um Joshua „Joe“ Keogh, Tom Sperring und Henry Wyeth hat die neue Scheibe „For the moment, I was lost“ im Gepäck. Die leicht psychedelisch angehaucht, fließende, vor sich hin plätschernde Gute-Laune-Musik passt perfekt ins Ambiente des Marbachstausees und der umliegenden Wälder.

„Vom Alltag abschalten, barfuß rumlaufen, gechillte Atmosphäre, vier Tage die Seele baumeln lassen“: Die Antworten, warum Gäste das Festival im Auen-Odenwald besuchen, sind alle ähnlich. Die Zeit scheint stillzustehen hier im Nirgendwo, abseits der großen Städte. Das wissen sie alle zu schätzen, die aus den Großstädten ganz Deutschlands und der angrenzenden europäischen Länder in diese idyllische Region anreisen. Beim Alter ist die Grenze ziemlich deutlich. Alle Ü30 dürften sich wie Aliens gefühlt haben, es ist eine große Party der Jüngeren.

Auch wenn es an der Waldbühne zum Konzert knallevoll ist, so bleiben doch genug bei ihren Zelten und feiern in kleinerem oder größerem Kreis. „Country Roads“ macht als Parallelsong die Runde, wobei selbst die eingefleischten Hobby-Sänger wohl ehrlicherweise zugeben müssen, dass die Jungs oben auf der Bühne besser singen. Der Stuhlkreis Marke Camping feiert fröhliche Auferstehung, die Gitarre wird ausgepackt zu einer gekühlten Dose mit Inhalt je nach Geschmack.

Die Musik weiter oben ist manchmal nur die schönste Nebensache an einem Wochenende, bei dem es um nichts weniger geht als – Nichts(tun). Dass tagsüber der weiter unten liegende See frequentiert wird, machen diverse Fortbewegungsmittel deutlich: das fette Schlauchboot, die einfache Luftmatratze, aber auch das De-Luxe-Modell Marke Einhorn. Der See dient auch für andere Zwecke: sich selbst und Handtücher waschen, die dann dekorativ die Zelte verzieren.

Apropos Zelte: Der Unterschiedlichkeit sind keine Grenzen gesetzt. Die klassische Einzelunterkunft mit Stangen, die sich schon beim Anschauen verbiegen, bis zum fünf auf fünf Meter Profizelt, das keine Wünsche offenlässt – und dann womöglich noch mit Abdeckung Typ alter VW-Bulli: ein Fest für die Augen. Wie auch die Illumination an der Seebühne, wo es abwechselnd Programm gibt – oder einfach nur ein paar Beats für zu hören sind, denen mal nicht der Sinn nach lauter Beschallung steht.

Am Merch-Stand hängen derweilen Erinnerungen: etwa ein Plakat von 2009, als der Sound of the Forest nur zwei Tage dauert und die Zahl der Bands deutlich geringer war. Damals wie heute dabei: „Dr. Woggle and the Radio“. Die K-Rings sind eine schöne Erinnerung an vergangene Zeiten. „Von wegen Lisbeth“ ist dagegen hier, heute und heftig angesagt, wie der späte nächtliche Run hoch zur Waldbühne beweist.

Info: Das Festival dauert noch bis Sonntagabend, mehr unter http://www.sound-of-the-forest.de

Am Marbach-Stausee tut sich was

Mit dem Bebauungsplan „Marbach-Hochwasserrückhaltebecken“ will der Odenwaldkreis das Gelände rund um die Wasserfläche bei Beerfelden, Mossautal und Erbach touristisch aufwerten, gleichzeitig aber auch planerisch ordnen. Jetzt standen auf der Sitzung des Bau-, Infrastruktur- und Umweltausschusses von Oberzent Beratung und Beschlussfassung über die eingegangenen Stellungnahmen und die Ergebnisse aus der Beteiligung der Öffentlichkeit an. Diese wurden in den Beschlussvorschlag für die Stadtverordneten eingearbeitet.

Die Erweiterung des Parkplatzes am DLRG-Gebäude ist gegenüber der früheren Planung nicht mehr vorgesehen. Denn dagegen hatte sich Widerspruch geregt. Hier denkt man an jetzt Wohnmobil- und Behindertenparkplätze in diesem Bereich. Für Stausee-Besucher soll die bisherige Stellfläche jenseits der B460 ertüchtigt und erweitert werden. Davon erhofft man sich, die bisherige teilweise chaotische Parksituation vor der Schranke zu entzerren.

Neben einer öffentlichen Grünfläche „Jugendzeltplatz“ soll am Wasser ein Kiosk mit einer Toilettenanlage entstehen. Ein ganzjähriger Betrieb ist angedacht, um so auch einen Anziehungspunkt für Wanderer und Radfahrer zu schaffen. Der in Teilen bereits vorhandene Weg am Ufer wird weitergeführt. Außerdem erhält der naturnahe Quellsumpf etwas oberhalb eine Umzäunung. Im Uferbereich entstehen Umkleiden-Paravents und Spielgeräte. Weiterhin ist ein Steg in den See vorgesehen, damit man nicht durch den Schlamm waten muss.

Damit es mit dem „Bikepark Beerfelden“ weitergehen kann, wurde jetzt die Aufstellung des Bebauungsplans beschlossen und die Beteiligung der Öffentlichkeit in die Wege geleitet. „Es wird noch kein Geld in die Hand genommen“, betonte Stadtbaumeister Peter Bauer. Allerdings müssen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, um loslegen zu können, wenn sich die Planung konkretisiert und die Beantragung von Fördergeldern ansteht.

Bereits im Frühjahr hatte sich die vorläufige Stadtverordneten-Versammlung mit der Thematik Bikepark beschäftigt. Vor einigen Wochen gab es einen Scoping-Termin mit den Behörden. Das touristische Highlight zieht etwa 15.000 Besucher pro Jahr an. Allerdings ist die Liftanlage aus dem Jahr 1971 in die Jahre gekommen und reparaturanfällig. Außerdem ist der Lift 200 Meter zu kurz für die Biker.

Der Lift als Kernstück der Konzeption muss auf jeden Fall erneuert werden, um einen funktionsfähigen Grundstock zu bilden. Inwieweit dann die auf der Sensbacher Höhe ins Spiel gebrachte Flyline-Anlage mit Aussichtsturm, Schaukel-/Erlebnispfad oder Kinderseilgarten und Relaxzone hinzukommen, muss sich zeigen.

Im Rahmen eines touristischen Gesamtkonzepts mit einer Neukonzeption könnte eine (Teil-)Förderung von 50 Prozent aus EU-Mitteln erreicht werden, lautete damals die Auskunft der OREG. Bei einer Gesamtsumme von 3,7 Millionen Euro wurde im Vorfeld eine maximale Summe von 1,3 Millionen errechnet, da nicht alle Projekte förderfähig sind. Angesichts der hohen Kosten stand schon vor einem halben Jahr die Priorisierung von Maßnahmen im Raum.

Bebauungsplan „Gewerbepark Odenwald“ hört sich erst einmal hochtrabend an. Doch in Wirklichkeit ging es hierbei nur um eine formale Änderung des Gebiets südlich von Kailbach direkt angrenzend ans badische Friedrichsdorf. Hier wurde die Itter vor ein paar Jahren verlegt, was die Angleichung des Geltungsbereichs notwendig machte. Die verschiedenen Stellungnahmen wurden en bloc abgehakt, sodass es eine einstimmige Beschlussempfehlung gab.

Ähnlich verhielt es sich bei der Abrundungssatzung „Helmsgrundstraße“ in Unter-Sensbach. Die Formalien wurden ebenso an die am 10. Dezember in Beerfelden tagenden Mandatsträger zum Beschluss weitergegeben. Bei der dritten Änderung des Bebauungsplans „Zwischen Lindenallee und Eberbacher Weg“ ging es darum, aus dem bisherigen Industriegebiet zwischen Siemens- und Dieselstraße ein Gewerbegebiet zu machen, weil dort keine Industriebetriebe angesiedelt sind.

Oberzent-Ausschuss: Gelände am Marbach-Stausee soll Facelifting bekommen

Marcel Gerling ist der neue Vorsitzende des vorläufigen Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Oberzent. Auf der konstituierenden Sitzung im Gemeindezentrum wurde der 39-jährige SPD-Mann aus Schöllenbach einstimmig gewählt. Ebenso ohne Gegenstimme wurde Chris Poffo (ÜWO, Beerfelden) zum Stellvertreter bestimmt. Der Gewählte plädierte für einen „fairen, offenen und respektvollen Umgang“ miteinander. Eröffnet wurde die Sitzung von Stadtverordneten-Vorsteherin Katharina Riesinger.

Das Gremium hatte sich gleich mit zwei Bebauungsplänen und einer Abrundungssatzung zu befassen. Bei letzterer handelt es sich um die „Friedhofstraße“ im Stadtteil Finkenbach. Diese war schnell und einstimmig abgehandelt, da es hier wenig Info- bzw. Erklärungsbedarf gab. Mit dem Bebauungsplan „Marbach-Stausee“ will der Odenwaldkreis das Gelände touristisch aufwerten, sagte Stadtbaumeister Peter Bauer zum nächsten Punkt.

Aktuell ging es um die Beratung und Beschlussfassung über die eingegangenen Stellungnahmen und die Ergebnisse aus der Beteiligung der Öffentlichkeit. Wie Bauer erläuterte, will die Naturschutzbehörde eine Einbindung des Zeltplatzes in den Plan. Es gehe im Wesentlichen um die Bestandssicherung des Geländes und eine marginale Erweiterung. Von allen Fachbehörden sei die Erweiterung des Parkplatzes am DLRG-Gebäude abgelehnt worden. Stattdessen soll laut Bauer die Parkfläche an der B460 ertüchtigt und etwas erweitert werden.

Landschaftsarchitektin Anke Heuer erläuterte ein paar Details. Demnach soll ein Kiosk mit einer Toilettenanlage entstehen. Der in Teilen bereits vorhandene Weg am Ufer wird weitergeführt. Vorhandenes Nadelholz soll als Ausgleichsmaßnahme in einen Laubholz dominierten Bereich umgebaut werden, sagte sie. Außerdem erhält der naturnahe Quellsumpf etwas oberhalb eine Umzäunung. Im Uferbereich entstehen Umkleiden-Paravents und Spielgeräte.

Wie Bauer ergänzte, ist ein Steg in den See vorgesehen, damit man nicht durch den Schlamm waten muss. Der Kiosk soll ganzjährig betrieben werden, um so auch einen Anziehungspunkt für Wanderer und Radfahrer zu schaffen. Im Rund gab es eine kleine Diskussion, ob das Thema aufgrund der dicken Vorlage schon entscheidungsreif sei. Ja, meinten die Mandatsträger bei einer Enthaltung von Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) und empfahlen den Punkt der Stadtverordnetenversammlung zur Verabschiedung.

Ebenso einhellig ging auch der Bebauungsplan „Hinter den Eichen“ in Rothenberg über die Bühne. Für die Aufstellung hatte noch die dortigen Gemeindevertretung gesorgt. Hier ist die Materie allerdings etwas komplexer, sagte Bauer. Die Behörden-Reaktionen waren so wie befürchtet, meinte er. Beim Plan geht es darum, den dortigen, in ein paar Jahrzehnten gewachsenen Bestand in einen gesetzeskonformen Zustand zu bringen.

Von der Naturschutzbehörde wurde laut Bauer ein „Königsweg“ aufgezeigt, wie man die Kuh vom Eis bekommt. „Wir müssen deutlich aufzeigen, dass die bestehende Situation verbessert wird“, so der Stadtbaumeister. Dies soll durch die Schaffung von Biotopen und Pflanzmaßnahmen geschehen. Die vorhandene Nutzung soll unter anderen Voraussetzungen fortgeführt werden können.

Entschädigungs-, Hebesatz-, Wasserversorgungs-, Entwässerungs-, Hundesteuer-, Spielautomaten- und Wappensatzung waren eigentlich von der Stadtverordneten-Versammlung (trotz bereits erfolgtem Beschluss) noch einmal in den Ausschuss verwiesen worden, um offene Fragen zur klären. Es gab aber keine mehr, weswegen der Punkt nur zur Kenntnis genommen wurde.

Der Kubikmeter Wasser kostet in der neuen Stadt künftig 1,90 Euro, das Abwasser pro Kubikmeter 3,20 Euro. Niederschlagswasser wird mit 55 Cent pro Quadratmeter versiegelter Fläche kalkuliert. Die Hundesteuer beträgt 48 Euro für den ersten und 72 Euro für den zweiten Hund. Die verschiedenen Steuersätze lauten wie in der Machbarkeitsstudie angesetzt: Grundsteuer A 350 v.H., die für Wohnbebauung maßgebliche Grundsteuer B 365 Prozentpunkte.