Seit 150 Jahren werden in Finkenbach die Einwohner durch den kleinen Laden versorgt

Eine Finkenbacher Institution wird 150 Jahre alt. Denn der heutige „Mareikes Backshop“ in der Beerfeldener Straße 8 hat Wurzeln, die bis ins Jahr 1868 zurückreichen. Am 20. Februar vor eineinhalb Jahrhunderten eröffnete die Witwe Marie Elisabeth Seip, in Falken-Gesäß in die Familie Engelter hineingeboren, dort ein Lebensmittelgeschäft. Schon ein paar Monate später, Ende August, heiratete sie Wilhelm Siefert aus Finkenbach.

Natürlich gab es in dem kleinen Ort nicht nur Lebensmittel. Denn vor eineinhalb Jahrhunderten waren die Wege ohne Auto noch weit. Man setzte sich nicht einfach ins Vehikel und düste schnell zum nächsten Supermarkt. Vom Reißverschluss übers Einzugsgummi für Hosen bis hin zu Schrauben war deshalb im Laden alles zu finden, was die Finkenbacher brauchten.

1907 übernahm ihre Tochter Marie Kredel, geborene Siefert, das Geschäft. Nach deren Tod 1923 führten ihr Mann und die Kinder den Laden Geschäft weiter. 1937 übernahm Philipp Kredel mit seiner Frau Christina, geborene Rug, das Geschäft und vergrößerte es ständig. In den Kriegsjahren führte Christina Kredel den Lebensmittelladen weiter und wurde Inhaberin. 1962 trat ihre Tochter Anneliese Arnold, geborene Kredel, als Mitinhaberin ein. Christina Kredel blieb bis zu ihrem Tod 1981 Mitinhaberin.

Durch Erbfolge übernahm dann Philipp Kredel einen Anteil des Geschäftes bis zu seinem Tod. Zum Jahreswechsel 1995/96 übergab Anneliese Arnold den Betrieb an ihre Tochter Marion Honnen. Marion und Detlev Honnen führten das Geschäft fünf Jahre. Danach übernahm die Bäckerei Daub die Räume. Alexander Knecht und Markus Hering waren nach Schließung der Bäckerei die Nachfolger, Sybille Fischer führte in der Folgezeit den Bäckerladen.

In den Anfangszeiten gab es viele Artikel (Salz, Zucker, Essig, Öl, Petroleum) zum Abwiegen und Abfüllen in Säcken und Fässern, erinnert sich Eigentümerin Marion Honnen an die Erzählungen ihrer Vorfahren. „Die Kunden kamen dann mit Flaschen zum Befüllen“, weiß sie. Salzheringe wurden auch in Fässern aufbewahrt. Im Zuge einer Hausschlachtung wurden die benötigten Gewürze sowie Dosen und Deckel verkauft. Auch bestand die Möglichkeit, die Wurstdosen im Geschäft mit einer Presse zu verschließen (dies wurde vom Dorf bei eigenen Hausschlachtungen genutzt).

Mit der Zeit erweiterte sich das Sortiment um Kurzwaren wie Knöpfe, Wolle, Nadeln oder Reißverschlüsse, erzählt sie. Bestecke, Glas und Porzellan sowie Töpfe und daneben die vielfältigsten Haushaltswaren waren im Sortiment des Allzweckladens in der Finkenbacher Ortsmitte. „Sogar Küchenherde und Ölofen wurden verkauft“, lacht sie. Farben und das Zubehör wie etwa Pinsel fanden sie ebenfalls in den Regalen.

Landwirtschaftsartikel wie Heugabeln, Harken oder Sensen mit Zubehör wie Stiele und Wetzsteine gab es zu kaufen. Außerdem wurden Blumen und Sämereien und Zubehör angeboten. Auch Eisenwaren wie Nägel und Schrauben gehörten zu den geläufigen Artikeln. Fahrräder mit den dazu gehörenden Ersatzteilen, Mopeds (in einem Jahr sogar 14 Stück) und Nähmaschinen wurden besorgt und verkauft.

Das Geschäft hatte laut Honnen eine sogenannte „Drogengenehmigung“. Diese berechtigte dazu, Schmerztabletten, Hustensaft, Baldrian, Tonerde, Jod und Fruchtbeize (Drogerieartikel) zu führen. In den 60er Jahren kam noch eine Lottoannahmestelle hinzu. Auch befand sich neben dem Geschäftshaus längere Zeit eine Tankstelle.

Nach einer zwischenzeitlichen Schließung ist seit dem 1. Oktober 2017 Mareike Niesen die neue Mieterin des Back-Shops. Somit ist die Nahversorgung in Finkenbach wieder sichergestellt. Neben Backwaren und Lebensmitteln sowie Wurst und Getränken bekommt man hier auch Müllsäcke der Stadt Oberzent, Briefmarken, Kaffee und vieles mehr. Auch werden Eintrittskarten für örtliche Veranstaltungen verkauft. Mittlerweile hat sich der Backshop wieder zum morgendlichen „Austauschtreff“ etabliert, in dem die Finkenbacher zusammenkommen und ein Pläuschchen halten.

Info: Am 150. Jubiläumstag des Geschäfts, dem 20. Februar, wird jeder Kunde zu den regulären Öffnungszeiten mit einem kleinen Präsent überrascht.

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„Mareikes Backshop“ schließt Mitte Oktober die Lücke in der Finkenbacher Nahversorgung

Die Nahversorgung im 450-Seelen-Ort ist ab Mitte des Monats wieder gesichert. Nachdem im Mai der bisherige Laden dicht gemacht hatte, die einzige Einkaufsmöglichkeit des Finkenbachtals weit und breit, eröffnet Mareike Niesen an selber Stelle am 14. Oktober „Mareikes Backshop“. Dort gibt es aber nicht nur Gebackenes, sondern alles für den täglichen Bedarf, wofür die Finkenbacher seit ein paar Monaten zehn Kilometer nach Beerfelden oder Hirschhorn fahren mussten. Die Vorfreude auf die Eröffnung ist deshalb im Ort groß, denn Metzger oder Bäcker sind schon lange hier nicht mehr präsent.

Das Geschäft hat in Finkenbach eine große Tradition. Am 20. Februar 1868 war es von Marie Seip, der Urgroßmutter der jetzigen Besitzerin, eröffnet worden. In den vergangenen Jahren hatte es kurzfristige Intermezzi der Pächter gegeben. Mareike Niesen, die von ihrem Mann Christian unterstützt wird, „liegt die Nahversorgung im Ort sehr am Herzen“. Sie hatte bereits über den Sommer mit großen Erfolg den Schwimmbad-Kiosk gepachtet. Nächstes Jahr gibt es dort eine Fortsetzung der Zusammenarbeit.

„Verkaufen liegt mir im Blut“, betont die gelernte Fleischerei-Fachverkäuferin. Die nötige Einzelhandelserfahrung bringt sie in den Job mit. „Ich wollte mal wieder was Neues angehen“, sagt Niesen. Sie sieht den Laden optimal in der Synergie mit dem Schwimmbad-Kiosk. „Ich habe gerne mit Menschen zu tun.“ Es geht ihr nicht nur um die Einkaufsmöglichkeit. Vielmehr möchte sie ihren Shop zu einem Ortstreffpunkt machen, wo man auch gern mal für ein Schwätzchen bei einem Kaffee zusammenkommt. Deshalb gibt es in dem 120-Quadratmeter-Geschäft ein paar Stehtische zum Verweilen.

„Die Leute mussten samstags wegen ein paar Brötchen etliche Kilometer fahren“, sieht die 43-Jährige großen Bedarf. Auch für Zigaretten, Zeitungen, Getränke oder Haushaltswaren in kleinerem Umfang waren die Finkenbacher oft unterwegs. „Im Schwimmbad bin ich oft darauf angesprochen worden, ob nicht das eine oder andere vorrätig ist.“ Sie musste verneinen. Nicht mehr. „Der Bedarf ist da“, schätzt Niesen. Denn es gab viel Zuspruch aus dem Ort, als sie ihr Vorhaben ankündigte.

Eine „Frühstückstüte“ liegt Mareike Niesen als Neuerung besonders am Herzen. Die lässt sich individuell auf Vorbestellung zusammenfügen. Etwa mit belegtem Brötchen, Mürbs, Süßigkeit Getränk, Zeitung – egal ob sie jetzt für Kinder auf dem Schulweg oder für Handwerker auf dem Weg zur Arbeit gedacht sein soll. „Sie wird dann morgens frisch gerichtet und liegt zum Mitnehmen bereit.“

Wie schon im Schwimmbad-Kiosk geht es dem Ehepaar darum, möglichst viel regionale Waren anzubieten. Etwa von der Hofkäserei am Schlossberg Gammelsbach oder der Hüttenthaler Molkerei. Wurst und Fleisch gibt’s aus Beerfelden von der Metzgerei Sattler. Um die Brötchen kümmert sich Chefin selbst. Die werden im Lagerraum per Automat aufgebacken. Auf diese Weise ist Niesen flexibel und kann auf Nachfrage über den Lieferanten auch glutenfreie Backwaren anbieten.

Neben Heidelberger Partnerschaftskaffee sollen noch weitere Produkte aus Odenwald und Kurpfalz ins Sortiment. Die Inhaberin denkt unter anderem dabei an spezielle Stollen zu Weihnachten. Die „Standardware“ bietet sie aus dem „Gut und Günstig“-Programm von Edeka. Lokale Zeitungen finden sich natürlich ebenso im Regal wie überregionale Blätter. Bestimmte Illustrierte werden auf Bestellung angefordert und sind dann erhältlich.

Dies gilt ebenfalls für Lebensmittel. Ein Finkenbacher ließ bereits verlauten, dass er eine ganz bestimmte Sorte der Drei-Glocken-Nudeln haben möchte. Ihm wird geholfen. Ebenso den Bierkennern aus dem Ort, die gerne mal ein „Schlappeseppel“ aus dem Aschaffenburger Raum trinken. Das hat mittlerweile der Getränkehändler vorrätig. „Wir können gezielt auf Kundenwünsche eingehen“, hebt sie hervor. Pflegeprodukte, Briefmarken, Postkarten, Eis, Eier, Kuchen, Tabak, Brot, Kaffee to go oder Konserven gehören ebenso zum regulären Sortiment. Auch gelbe und graue Müllsäcke findet man im Laden.

Info: Die Eröffnungsfeier von „Mareikes Backshop“ in der Beerfeldener Straße 8, Finkenbach, ist am Samstag, 14. Oktober, ab 6 Uhr. Danach ist der Laden montags bis freitags von 5.30 bis 13 Uhr geöffnet, samstags von 6 bis 11 Uhr. Sonntag ist geschlossen. Infos und Bestellungen unter 0177-1651279.