Die Rückkehr von Hündin Aura ist für Marita Fischer aus Falken-Gesäß „immer noch unglaublich“

„Das war bisher das schönste Geschenk in meinem Leben“, sagt Marita Fischer über ihre wiedergefundene Hündin Aura und schaut sie liebevoll an. Die kehrte vor zwei Jahren über Umwege völlig überraschend zu ihr zurück in den Odenwald, nachdem sie bei einem Bretagne-Urlaub 2007 ausgebüxt und nicht mehr aufzufinden war. War es damals für die gebürtige Finkenbacherin ein Wunder, das Tier wieder in die Arme schließen zu können, macht es sie umso glücklicher, dass Aura mit inzwischen über 16 Jahren immer noch eine Freude in ihrem Leben ist. „Ich wollte, es wäre unendlich“, meint Marita Fischer denn auch und streichelt der Hündin sanft über den Kopf.

Das heiße Wetter macht der Hunde-Seniorin an diesem Tag etwas zu schaffen. Sie muss ziemlich hecheln, ist aber trotzdem noch unterwegs, auch wenn die Beine nicht mehr so richtig wollen. „Sie verlässt sich absolut auf ihre Nase“, sagt ihr Frauchen. Denn Augen und Ohren mussten ebenfalls schon dem Alter Tribut zollen. Geht es aber in den Wald, ist es fast die alte Aura, die fröhlich umhertollt und an den Kirrungen schnuppert. „Wenn sie merkt, dass es raus geht, ist sie sogar vor mir unten an der Treppe“, schmunzelt Marita Fischer.

Sie tut alles dafür, dass ihr wieder heimgekehrtes Ein und Alles noch einen schönen Lebensabend in der alten Heimat hat. „Nachts stehe ich auf, wenn sie winselt“, berichtet Fischer. Denn die Deutsch-Drahthaar-Hündin hat auf der einen Seite kaum noch Muskeln und kann sich manchmal nicht von selbst drehen. Spaziergänge nachts um 2 Uhr, weil die Hündin halt mal raus muss, sind auch keine Seltenheit. „Dann muss ich eben raus auf die Guss“, lacht Fischer.

„Ich weiß dass es sehr schwer sein wird, eine Entscheidung zu treffen, wann es so weit ist“, sagt Frauchen traurig. Ihr ist aber bewusst, dass auch ein Hundeleben mal zu Ende geht. Vor zwei Monaten schien das bereits so, aber dann rappelte sich Aura wieder auf und zaubert ihrer Besitzerin jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht. Eine Spritze und sie war wieder fit. Natürlich machen ihr die Gelenke stark zu machen, „aber die Nase funktioniert noch bestens“, lacht Frauchen.

In der Zeit nach ihrer Rückkehr hat sich Aura gut wieder zuhause eingelebt. Oft geht es nach Finkenbach in den Schulzengrund, wo das Tier geboren wurde. Dort lebt Marita Fischers Ex-Mann mit Hündin Nora. Die Tiere tollen dann zusammen herum. Aura vergisst dabei völlig, dass sie bereits im Großmutter-Alter ist. „Sie kannte sich dort sofort aus“, freut sich Fischer. Beim ersten Mal ging sie schnurstracks in die frühere Küche, das heutige Büro, um nach Fressen zu suchen, berichtet sie.

Wenn Marita Fischer einen Besuch in Finkenbach plant, „scheint Aura das sofort zu merken“. Autofahren liebt sie sowieso. Am Anfang war alles bisschen beschwerlich, weil das Tier verwahrlost war, nur noch 18 Kilo wog und nicht allein gelassen werden konnte. Heute wiegt Aura wieder stolze 32 Kilo. Sie wird von Marita Fischer mit leckerem Futter aufgepäppelt und schafft es, zwei Stunden allein zu bleiben. Mit den Hunden aus der Nachbarschaft hat sie Freundschaft geschlossen.

Der Bericht in dieser Zeitung über Aura Rückkehr schlug damals hohe Wellen. Marita Fischer hatte viel Besuch. Im Spätjahr 2016 kam ein Filmteam aus Berlin vorbei, das dann in Falken-Gesäß, im Tierheim und in der Bretagne dreht. Mit drei Hunden wurde die Szene an einer ähnlichen Küste nachgestellt. „Das wurde bei Terra Xpress gezeigt“, ist sie stolz über Auras Bekanntheitsgrad.

Auch in der Region hat die Hündin einen großen Wiedererkennungswert. An der Josefs-Klinik in Heidelberg, erinnert sie sich, stieg Marita Fischer aus dem Auto, redete auf die Hündin ein, die ein wenig allein bleiben musste. „Ach, das ist doch der Hund aus der Zeitung“, wurde diese dann von Passanten erkannt. „Es ist für mich immer noch unglaublich und unfassbar, dass sie zurückgekommen ist“, sagt Fischer auch noch zwei Jahre danach.

„Aura bereitet mir unheimlich viel Freude“, schaut sie die Heimkehrerin liebevoll an. Die ganze Familie ist unheimlich froh, dass die Hündin wieder dort zuhause ist, wo sie aufwuchs. Diese hat jetzt das Alter ihrer Mutter Cindy erreicht, die sechszehneinhalb Jahre alt wurde. Schwester Alpha starb bereits mit 14. Marita Fischer hofft nun, dass Aura die mit Abstand älteste der Familie sein wird.

Maria Fischer erinnert sich noch an den schlimmen Tag, als sei es gestern. Es war der 5. September 2007, als sie mit ihrem Mann Heinrich Urlaub in Plogoff/Bretagne machte. Dabei waren auch die drei Hunde, neben Aura noch Schwester „Alpha“ und Mutter „Cindy“. Alle drei richtige Wasserratten. Aura dazu noch eine passionierte Möwenjägerin. Die Hunde stürzten sofort Richtung Meer, als sie sie von der Leine ließ. „Cindy kam nach einer Stunde wieder zurück“, erzählt Marita Fischer. „Aura habe ich das letzte Mal auf der anderen Seite der Bucht gesehen“, als sie den Möwen hinterher schwamm. Auch nach intensiver Suche war sie nicht mehr zu finden.

Wie es der Zufall will, sah Fischer dann Ende Mai 2016 die Anzeige der Organisation „Tiere in Not Odenwald“ (Tino), dass eine 13-jährige „Toupie“ zu vermitteln sei. „Ich bin sofort zur Pflegestelle in Bad König gefahren“, schildert sie ihr rasches Handeln, nachdem das veröffentlichte Bild ihrer Aura aufs Haar glich. Dass Aura überhaupt in den Odenwald kam und damit als Pflegetier inseriert wurde, beruhte ebenfalls auf einem großen Zufall. Denn aus Frankreich wurde die Hündin von der Tierschutzinitiative Frankfurt geholt, die sich um herrenlose oder in Heimen befindliche Tiere kümmert. Da die Betreuerin in der Mainmetropole aber krank wurde, schickte sie Aura zur Pflege in die hiesige Region.

 

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