Hirschhorner Firma Meto wurde vor 100 Jahren gegründet

Ein Unternehmen – zwei runde Geburtstage. Am Neckar gibt es allen Grund zu feiern. Meto begeht in diesem Jahr sein 100. Markenjubiläum. Zeitgleich wird die Etikettenproduktion 50 Jahre alt. Das Traditionsunternehmen ist für seine Lösungen zur Aus- und Kennzeichnung für den Handel bekannt. Der Erfinder von Handauszeichner und Wellenrand-Etikett feiert den runden Geburtstag am 21. September.

„100 Jahre nach der Gründung ist Meto als Qualitätsanbieter gut für die Zukunft gerüstet und in der globalen Handelslandschaft der Inbegriff für Qualität und Bedienkomfort in den Bereichen Auszeichnung, Kennzeichnung und Absatzförderung“, so Geschäftsführer Peter Sperl. Rund 170 Mitarbeiter sind aktuell bei der Firma beschäftigt.

Am 16. Februar 1918 beginnt die Erfolgsgeschichte: Der Betrieb wird von Adolf Metzger und Oskar Kind in Köln gegründet. Der Firmenname setzt sich aus den Namen der Gründer entsprechend ihrer Anteile zusammen. Metzger, dem 75 Prozent gehörten, verlässt das Unternehmen 1920. Oskar Kind wird alleiniger Gesellschafter. Etiketten und Handauszeichnungslösungen, für die METO heutzutage im Handel bekannt ist und die den Erfolg bestimmen, spielen in den Anfangsjahren noch keine Rolle: Die Meto-Schnürungs GmbH produziert Verpackungsapparate mit Drahtbindetechnik sowie Heftapparate für Kartons.

Ab 1921 beliefert Meto die Deutsche Reichspost. Den Zuschlag erhält der Betrieb dank einer Vorrichtung, die bei Metallflachbändern die Kanten umbiegt, was für mehr Stabilität sorgt, aber vor allem die Verletzungsgefahr reduziert. 1937 wird das Unternehmen sogar um eine Spielefabrikation erweitert (bis 1959). Damals bietet Meto das heute noch bekannte Tischfußballspiel „Tip-Kick“ an.

Seit 1944 besteht der Firmensitz im südhessischen Hirschhorn. Vom Rhein an den Neckar zog es Oskar Kind, nachdem die Produktionsanlagen in Köln-Rodenkirchen im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Die Geschichte von Meto spiegelt auch die Entwicklung des deutschen Einzelhandels wider. Anfang der 1950er Jahre beginnt das Unternehmen mit der Produktion von halbautomatischen Spendgeräten für Verpackungsklebestreifen.

1959 folgt der vielleicht größte Meilenstein der Firmengeschichte: Oskar Kind erfindet den weltweit ersten Handauszeichner. Die Idee, die Preisauszeichnung zu automatisieren, bringt der Unternehmer von einer Amerika-Reise mit. Der „Jedermann“ revolutioniert im Einzelhandel die Preisauszeichnung: Mit Einzug des Selbstbedienungsprinzips steigen die Anforderungen, jeden einzelnen Artikel mit Preisen auszuzeichnen. METO ermöglicht fortan für „jedermann“ das Bedrucken und Spenden der Etiketten in einem Arbeitsschritt – und zwar direkt am Ort der Ware.

Entsprechend überwältigend ist die Nachfrage. Etwa 450.000 Jedermann-Geräte wurden bereits bis 1970 produziert und über die Grenzen hinweg verkauft. Gesetzliche Verordnungen oder auch die doppelte Preisauszeichnung bei der Euro-Einführung bringen der Handpreisauszeichnung im Handel weiteren Schub. Bis heute produziert der Betrieb seine Handauszeichnungsgeräte in Hirschhorn.

Beflügelt vom Erfolg des Handauszeichners beginnt Meto im Februar 1968 mit der Produktion von Etiketten, die bis dahin zugekauft worden sind. Auch das bekannte Wellenrandetikett, eines der auffälligsten Kennzeichen im Einzelhandel, stammt von der Firma. Seine wellenartige Form verdankt das Etikett dabei einem praktischen Grund: So kann der Platz auf den Papierbahnen bestmöglich genutzt werden.

Bis heute sind Etiketten ein wichtiges Unternehmensstandbein. Das Portfolio ist gewaltig: Neben Preisetiketten bietet Meto auch Siegel-, Produkt- und Marketing-, Warensicherungs- und Schmucketiketten an, die individuell nach Kundenwünschen gestaltet werden können. Über 150.000 Vordruckklischees lagern in Hirschhorn. Mit einer Jahresproduktion an Etiketten könnte man die dreifache Fläche vom Fürstentum Monaco bekleben. Seit 2017 hat der Spezialist auch Thermoetiketten wieder im Portfolio.

Ergänzt wird das Portfolio zur Aus- und Kennzeichnung seit 1969 um Verkaufsförderungslösungen. Den Anfang machte ein Schreibsystem, um Angebote und Verkaufsbotschaften wirkungsvoll in Szene zu setzen. Meto bietet heute Preiskassetten, Displays und Systeme zur Befestigung von elektronischer Preisauszeichnung sowie zur Regaloptimierung und Lösungen zum Warteschlangenmanagement an. „Unsere Lösungen sollen Einzelhändlern dabei helfen, den Anforderungen einer sich ständig wandelnden Einzelhandelslandschaft gerecht zu werden und sich weiterhin zukunftsfähig aufzustellen“, erklärt Peter Sperl.

Nachdem Meto 17 Jahre zum Warensicherungsspezialist Checkpoint Systems gehörte, folgte 2016 die Übernahme durch die kanadische CCL Industries, innerhalb derer die Firma als eigenständige Gesellschaft zur Avery-Division gehört. Sitz der europäischen Meto-Zentrale, Produktion und Lager ist Hirschhorn. Viele der entwickelten Auszeichnungs- und Absatzförderungslösungen gehören heute zum Standard im Handel. Dazu zählen der erste Handauszeichner (1959), das Wellenrandetikett mit Sicherheitsschnitt (1968) sowie verschiedene Preiskassetten und -displays. Weiteres unter www.meto.com

Archivbild

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Warnstreik bei Meto in Hirschhorn: Flucht aus Tarifvertrag sorgt für Ärger bei Beschäftigten

Die Geduld ist am Ende. Seit mehr als einem halben Jahr bemühen sich der Betriebsrat der Meto International und die IG Metall um konstruktive Gespräche mit der Geschäftsführung des größten Hirschhorner Arbeitgebers. Jedoch bisher vergeblich. Denn dieser wechselte zum Jahresende in eine „Ohne-Tarif-Mitgliedschaft“ im Arbeitgeberverband. Deshalb gab es nun einen ersten Warnstreik vor dem Unternehmen.

In dessen Mittelpunkt standen nicht nur die „internen“ Meto-Forderungen, sondern auch die in der aktuellen Tarifauseinandersetzung von der IG Metall propagierten nach sechs Prozent mehr Entgelt und dem Anspruch auf eine Reduzierung der Arbeitszeit. Betriebsratsvorsitzender Gernot Walter und Ulrike Köhler von der IG Metall Darmstadt zeichneten vor den etwa 65 Warnstreikenden die bisherige Entwicklung nach.

„Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen“, betonte Köhler. Denn bisher weigere sich die Geschäftsleitung um Peter Sperl, mit der Gewerkschaft zu verhandeln. Diese fordert einen Anerkennungstarifvertrag, damit sämtliche bisherigen Errungenschaften erhalten bleiben und die Mitarbeiter auch in den Genuss der künftigen Verhandlungsergebnisse kommen.

Gernot Walter bezog sich in seinen Worten sowohl auf den aktuellen Tarifstreit als auch die Meto-spezifischen Punkte. „Wenn wir uns die Tarifbindung nicht erkämpfen, ist alles, was in Zukunft ausgehandelt wird, nicht mehr für uns gültig“, betonte er. Ohne einen Anerkennungstarifvertrag sieht er über kurz oder lang auch früher erkämpfte tarifliche Leistungen gefährdet.

Seit über einem halben Jahr setze man sich dafür ein, dass der Betrieb nicht in die Ohne-Tarif-Mitgliedschaft wechsle – aber ohne Erfolg. Die Geschäftsleitung verweigere sich Gesprächen. „Freundliches Bitten half nichts“, sagte Walter. Erst als der Betriebsrat Überstunden verweigerte, gab es Bereitschaft. „Glaubt bitte nicht, dass es uns Spaß macht, Überstunden abzulehnen“, meinte er.

Alles schien seinen Worten zufolge nach eine Gespräch Köhler/Sperl Ende Oktober auf einem guten Weg, als dann kurz vor knapp Mitte Dezember die Geschäftsleitung den anberaumte Verhandlungstermin platzen ließ. Danach schlug die Gewerkschaft den offiziellen Weg ein. Seitdem lehnt der Betriebsrat laut seinem Vorsitzenden Mehrarbeit auch wieder kategorisch ab. Darauf folgten laut Walter Drohungen, „Arbeit wegzugeben und Investitionen nicht zu tätigen“.

Der BR-Vorsitzende wie auch Köhler machten weiterhin ihre Gesprächsbereitschaft deutlich, hoben aber gleichzeitig hervor, dass ein Anerkennungstarifvertrag eine elementare Komponente ihrer Forderungen ist. Walter zitierte den Spruch „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren“. Seiner Meinung nach lohnt es sich zu kämpfen – auch im Hinblick auf weitere Einschnitte, die folgen könnten. Je mehr sich am Ausstand, umso schwerer werde es für die Geschäftsleitung, „ihre Verweigerungstaktik weiter zu betreiben“.

Ulrike Köhler warf Geschäftsführer Sperl vor zu taktieren. Im Gespräch mit ihm habe sie mehrere Optionen aufgezeigt, der Betriebsrat habe sich kompromissbereit gezeigt. Die Absage von Verhandlungen habe sie ernüchtert. Sie befürchte deshalb nun, sagte die IG-Metall-Sekretärin, dass es dem Unternehmen um mehr als nur die Abfederung von Tariferhöhungen gehe. Denn der Manteltarif ist derzeit offen, erläuterte sie. Deshalb könne die Geschäftsleitung ohne Tarifmitgliedschaft an der Arbeitszeit oder Zuschlägen für Mehrarbeit herummachen.

Der Warnstreik sei ein erstes Zeichen dafür, „dass man mit uns nicht so umspringen kann“, betonte Köhler. Leider, bedauerte sie, „versteht die Geschäftsleitung wohl nur Druck“. Es ist ihren Worten zufolge nicht prickelnd, draußen zu stehen und zu streiken. Wenn das aber die einzige Sprache sei, die der Arbeitgeber verstehe, dann sei man dazu bereit. „Wir reichen die Hand, aber die Geschäftsführung muss sich bewegen und mit uns an einen Tisch setzen“, hob die IG-Metall-Sekretärin hervor.

Die Anfänge der Firma Meto reichen genau 100 Jahre zurück. Sie wurde 1918 in Köln gegründet. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Firmensitz nach Hirschhorn verlegt. Inhaber Oskar Kind entwickelt 1959 den ersten Handauszeichner „Jedermann“ und läutet damit die Geburtsstunde der Handauszeichnung ein. 1999 wird der Betrieb an den amerikanischen Warensicherungsspezialisten Checkpoint Systems verkauft. 2016 erfolgte die Übernahme durch den kanadischen CCL Industries. Meto wird als eigenständige Abteilung weitergeführt. Waren vor 25 und mehr Jahren noch 600 Mitarbeiter am Standort Hirschhorn tätig, so sind es heute noch um die 150. Von diesen sind 65 Prozent gewerkschaftlich organisiert. Meto ist aber weiterhin größter Gewerbesteuerzahler und Arbeitgeber in der 3500-Einwohner-Stadt am Neckar

Meto-Aufkäufer Checkpoint mit Standort auch in Hirschhorn wurde verkauft – Mitarbeiter der Meto Services erhielten Kündigung

Die mit drei Werken in Ersheim ansässige Firma Checkpoint wurde zu Monatsbeginn verkauft. Die US-amerikanische Firma mit Sitz in Thorofare, New Jersey, hatte 1999 die Hirschhorner Meto übernommen und Bereiche davon weitergeführt. Checkpoint ist Hersteller und Komplettanbieter von integrierten Systemlösungen zur Warensicherung, -verfolgung und -identifikation. Wie einer Pressemitteilung des Konzerns CCL Industries mit Sitz in Toronto zu entnehmen ist, wurden die an der New Yorker Börse gehandelten Checkpoint-Aktien von dieser zum 1. März aufgekauft.

Weltweit hat Checkpoint über 4700 Mitarbeiter. In Hirschhorn ist das Unternehmen trotz des Rückgangs aus früheren Meto-Zeiten mit über 150 Arbeitnehmern immer noch größter Arbeitgeber in der Stadt. Als Gründe für den Kauf wird von CCL unter anderem die strategische Möglichkeit angeführt, die schon vorhandenen eigenen Kapazitäten bei der Labelfertigung ausbauen zu können.

Die bisherigen Checkpoint-Aktionäre sollen für ihre Anteile jeweils 10,15 US-Dollar erhalten. Der Gesamtverkaufspreis beläuft sich auf 556 Millionen kanadische Dollar (etwa 378 Millionen Euro), davon fließen 44 Millionen in bar. CCL beziffert die durch den Aufkauf möglichen Synergieeffekte auf 40 Millionen kan. Dollar. Bis Mitte des Jahres soll der Verkauf komplett abgewickelt sein. Checkpoint hatte im bis Ende September 2015 laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von 820 Millionen kan. Dollar (558 Mill. Euro) und etwa 83 Mill. kan. Dollar (56,4 Mill. Euro) Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen.

Welche Auswirkungen das auf den Standort Hirschhorn haben wird, vermochte man vor Ort noch nicht zu sagen. Unter den Mitarbeitern ist derzeit auch nur der Verkauf an sich bekannt, weitergehende Infos gab es bisher noch nicht. Allerdings vermuten die zehn Angestellten der Checkpoint-Tochter „Meto Services“, ein „Kollateralschaden“ zu sein, weil sie im CCL-Konzern nicht mehr benötigt würden. Denn ihnen wurde unseren Informationen zufolge am 23. Februar zum 31. März betriebsbedingt gekündigt.

Dass dies so kurzfristig möglich war, hänge mit der fehlenden Tarifbindung der auf dem Papier eigenständigen Abteilung zusammen, heißt es von Gewerkschaftsseite. Seitens des Gesamtbetriebsrats sei auch gerichtlich versucht worden, die Vertretung der dortigen Mitarbeiter zu erreichen, hieß es. Aber obwohl es die gleiche Geschäftsführung gebe, sei man damit nicht durchgedrungen.

Einen direkten Zusammenhang der Kündigungen mit dem Verkauf können Mitarbeiter und die sie vertretende Gewerkschaft derzeit nicht herstellen. Man will die Kündigungen aber rechtlich und notfalls gerichtlich überprüfen lassen. Wie es weiter heißt, wurde den zehn Personen eine „kleine“ Abfindung angeboten, falls sie auf arbeitsrechtliche Schritte verzichteten.

Erst vor drei Jahren wurde laut unseren Informationen die Abteilung wieder aus Tschechien nach Hirschhorn geholt, nachdem sie nochmal drei Jahre zuvor – wohl aus Rationalisierungsgründen – dorthin verlagert worden war. Zwischenzeitlich arbeiteten einmal 35 Personen in ihr, zuletzt sei sie aber bereits auf zehn abgebaut worden.

„Meto verzeichnet ein stabiles Geschäft“

Die städtische Gewerbesteuer-Rückzahlung an Checkpoint hat nichts mit der Geschäftsentwicklung des Betriebs am Standort Hirschhorn zu tun. Die sei normal. Dies machte die Firma auf unsere Nachfrage in einer Pressemitteilung deutlich. Zu Checkpoint Systems mit Zentrale in der Neckarstadt gehöre neben Meto steuertechnisch aber auch die „europäische Supply-Chain-Unit für die gesamte Checkpoint-Gruppe“. Will heißen: verschiedene Tochterunternehmen in ganz Europa. Bei diesen seien die Geschäftsergebnisse „erfahrungsgemäß schwankend“, so die Mitteilung. Und deshalb schlage deren Entwicklung auch auf die Gewerbesteuerzahlungen an die Stadt Hirschhorn durch.

„Aus dem Konzernergebnis von Checkpoint Systems im Jahr 2014 lassen sich somit keine unmittelbaren Rückschlüsse auf den Standort Hirschhorn und speziell Meto ableiten“, heißt es weiter. Man dürfe Hirschhorn nicht allein betrachten. Die Höhe der im Jahr 2014 getätigten, vierteljährlichen Gewerbesteuervorauszahlungen wie auch der erwarteten Einnahmen für das Jahr 2015 seien von der Stadtverwaltung offenbar auf Basis des überdurchschnittlich guten Ergebnisses aus 2012 festgelegt worden, ist die Vermutung der Firma. „Diese Einschätzung hat sich nun als zu optimistisch erwiesen.“

Es sei nicht so, dass die Firma 2014 oder 2015 eine schlechtere Geschäftsentwicklung als normal verzeichne, 2012 sei lediglich ein „Ausreißer nach oben“ gewesen. Die anderen Jahre bewegten sich im normalen Mittel. In der Vergangenheit seien Gewerbesteuerzahlungen von Checkpoint Systems an die Stadt „stets unterschiedlich hoch ausgefallen“.

Meto verzeichnet laut Pressemitteilung „ein stabiles Geschäft“ und investiere weiterhin in den Standort Hirschhorn. Als eng mit der Stadt verbundenes Unternehmen „ist uns jedoch daran gelegen, eine einvernehmliche und verträgliche Lösung für die Rückzahlung zu finden“, teilt Checkpoint mit. Deshalb werde man sich seitens der Firma mit der Finanzverwaltung in Verbindung setzen und im Zuge dessen auch die Höhe künftiger Vorauszahlungen erörtern.

Der Stadt steht ein massiver Gewerbesteuereinbruch, verbunden mit einer Rückzahlung in ähnlicher Höhe, ins Haus, hatte Bürgermeister Rainer Sens vergangene Woche bekannt gegeben (wir berichteten). Laut Sens müssen für 2013 etwa 180.000 Euro und für 2014 ca. 800.000 Euro Gewerbesteuer zurückgezahlt werden. Für 2015 müsse man die eingeplante Vorauszahlung voraussichtlich um 880.000 Euro nach unten korrigieren. Ursprünglich hatte man in der Neckarstadt in diesem Jahr mit Gesamt-Gewerbesteuereinnahmen von 2,1 Millionen Euro gerechnet. Der Haushaltsplan 2015, wie er eigentlich Anfang März in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht werden sollte, kann eingestampft werden.

Laut Kämmerer Michael Reinhard hätte man den Stadtverordneten ohne diesen Gewerbesteuereinbruch einen fast ausgeglichenen Haushaltsplan 2015 vorgelegt. Lediglich 100.000 Euro standen als Defizit im Entwurf des Ergebnishaushalts. Die „Schutzschirmproblematik“ wird es Reinhard zufolge nun der Neckarstadt schwer machen, einen genehmigungsfähigen Haushalt vorzulegen. Denn der maximale Fehlbetrag für 2015 dürfte in Hirschhorn lediglich 300.000 Euro betragen.

Friedhofsfahrten werden gerne genutzt

Die Friedhofsfahrten sind in Hirschhorn schon lange eine liebgewonnene Einrichtung, die nicht mehr aus dem örtlichen Angebot wegzudenken ist. Gerade von den älteren, nicht mehr so mobilen Mitbürgern, wird gerne das Angebot in Anspruch genommen, kostenlos von der Alt- bzw. Kernstadt auf die andere Neckarseite zum Ersheimer Friedhof, an der Kapelle gelegen (siehe Info unten), zu gelangen. Denn viele von ihnen haben kein Auto, sind nicht mehr gut zu Fuß oder wollen Material zur Grabpflege nicht im Bus mitnehmen. Allerdings dürfen auch jüngere Mitbürger mitfahren, es gibt keine Altersgrenze nach unten. Dass die Friedhofsfahrten auch in diesem Jahr wie in vielen vorangegangenen Jahren stattfinden können, verdankt die Stadt einer großzügigen Spende der Erna- und Oskar-Kind-Stiftung.

In 2015 wird es mindestens einmal im Monat diese Friedhofsfahrten geben. Im ersten Quartal finden sie am Freitag, 30. Januar, Freitag, 20. Februar, Freitag, 27. März, und Dienstag, 31. März, statt. Abfahrt ist jeweils 15.30 Uhr, Rückfahrt um 16.40 Uhr. Die Strecke zum Friedhof verläuft wie folgt: Abfahrt an Bonifatius-Haus, Schlössel, Feuerwehrhaus, ehem. Café Trach in der Neckarsteinacher Straße, Michelberg Ecke Bahnbrücke, Sportheim, ehem. Gasthaus zur Linde an der Schleusenbrücke, Schule und Ecke Klingen-/Schönbrunner Straße.

Die Erna- und Oskar-Kind-Stiftung mit Sitz in Hirschhorn wurde am 3. Dezember 1971 durch den hessischen Minister des Innern genehmigt, ist im damaligen Staatsanzeiger für das Land Hessen zu lesen. Ihr Stiftungszweck ist die Unterstützung bedürftiger, alter Menschen durch finanzielle Mittel, sie gibt Zuwendungen an als gemeinnützig anerkannte öffentliche und private Altenheime und hilft bei der Erforschung der Altersmedizin. Zusammengefasst: die Förderung der Senioren und der Seniorenarbeit in Hirschhorn. Mittel aus der Stiftung werden nur dann zur Verfügung gestellt, wenn die Maßnahme nicht ohnehin von der öffentlichen Hand zu leisten wäre. Somit handelt es sich um eine sogenannte „Komplementärfinanzierung“.

Neben den Friedhofsfahrten, die vom kommunalen Seniorenbeirat organisiert werden, gibt es auch einen Zuschuss für den jährlichen, von der Stadt organisierten Seniorenausflug. Auch dieser erfreut sich unter den älteren Bürgern Hirschhorns großer Beliebtheit. Außerdem erhalten der Seniorentreff und die katholische Kirchengemeinde Hirschhorn jährlich einen Zuschuss von der Erna- und Oskar-Kind-Stiftung für ihre Seniorenarbeit.

Wer verbirgt sich hinter diesen Wohltätern? Bei Oskar Kind handelt es sich um den Gründer der Meto, dem wohl bekanntesten Hirschhorner Unternehmen. 1918 gründeten Adolf Metzger und Oscar (oder Oskar) Kind in Köln die Firma Meto. Analog zu den Firmenanteilen (75:25) wurde der Firmenname aus den Buchstaben der Namen gebildet. 1920 übernahm Oskar Kind die Anteile Metzgers und wurde alleiniger Inhaber. In den Kriegsjahren wurde 1942 der ausgebombte Firmensitz von Köln nach Hirschhorn verlegt. Eine Erfolgsgeschichte am Neckar begann. 1999 wurde Meto vom amerikanischen Unternehmen Checkpoint Systems übernommen.

Info: Die Ersheimer Kapelle gilt als älteste Kirche des Neckartals und Kleinod der regionalen Gotik. Eine erste Kirche an ihrer Stelle bestand vermutlich bereits im 8. oder 9. Jahrhundert. Die ältesten heutigen Bauteile stammen aus dem 14. Jahrhundert, als die Kirche Grablege der Herren von Hirschhorn war. Der gesamte Außenbereich der Kapelle ist ein bis in die heutige Zeit genutzter, ummauerter Friedhof.