MGV-Männer singen von der Leinwand herab

Demnächst sehen die Sänger des MGV Eintracht-Liederkranz Sensbachtal das Ergebnis ihres Zähneklapperns auf der Leinwand: Mitte Dezember schmetterte der Chor in dünner Sängerkleidung das Lied „Heimat“ auf dem Hügel nahe des Sportplatzes mit schönem Blick über das winterliche Ober-Sensbach. Es ist eine Szene des Films „Versus“ von Regisseur Sebastian Weinmann. Der Wahl-Berliner mit Wurzeln in Hetzbach kommt nun mit dem fertigen Streifen ins Erbacher Kino, wo er am Dienstag, 2. April, um 20 Uhr für die Öffentlichkeit gezeigt wird.

Im Odenwald sind die Wege kurz, stellte der Regisseur bei seinem Dreh fest: Weinmann war Anfang November bei Martin Maier in dessen Bauernstube in Ober-Sensbach zu Gast, wo er in seiner Odenwald-Zeit drei Jahre im dortigen Anbau lebte. Und fragte, wer ihm vielleicht bei dem Projekt helfen könnte. Schon klingelte beim MGV-Vorsitzenden Thomas Johe das Telefon. Den kannte Weinmann noch von einer früheren Jugendsingfreizeit.

Ausgebildet als Kaufmann im Groß- und Außenhandel, studierte der 33-Jährige in Berlin Regie für Film und Fernsehen und ist jetzt als Filmemacher tätig. Die Ausbildung ist für Weinmann das Eine. Das Andere ist die praktische Arbeit. Deshalb finanzierte er seinen Film auch selbst, schrieb das Drehbuch, führte Regie, produzierte und schnitt ihn, wählte die Schauspieler aus. „Arbeit, Geld, Kultur“ sind für das Multitalent die tragenden Elemente, aus denen er sich in der Handlung bedient.

„Filme machen ist was Physisches“, sagt Weinmann. Die Kälte „kann man nur oben auf dem Berg spüren“. Alle sollen sich auf diese Weise vorstellen können, wie die realen Bedingungen sind. In Berlin wäre es seiner Meinung nach nicht möglich, so zu drehen. Die Gegensätze, die sich auch im Filmtitel „Versus“, auf Deutsch „Dagegen“, spiegeln, kommen am besten in der Konfrontation von Land und Stadt, von Ruhe und Trubel zum Ausdruck. Wobei die Odenwald-Szene nur ein Teil des Ganzen ist.

„Ich kam zum Film, um dort meine Wahrheit zu zeigen, so wie ich die Welt erlebe und empfinde“, erläutert er. Wie sie ihn drängt und herausfordert, aber auch ihre Schönheit und Einzigartigkeit. Dabei sind für den Odenwälder in Berlin verschiedene Themen essenziell, womit etwas gewonnen sein kann: „eine Weitsicht oder einen tieferen Einblick in die Welt.“ Eine individuelle Wahrheit für jeden.

„Versus“ erzählt vom Drang und dem Aufbruch in die eigene Welt. Dohensa (Dennis Habermehl) versucht seinen Weg zu finden und wird dabei mit Fragen konfrontiert, die nicht nur sein, sondern unser aller Leben betrifft. Unterstützt von Rica (Kristin Becker) erlebt das Publikum, wie er in der Lage ist, aus alten und neuen Kulturen herauszukommen und sich all dem zu stellen. Der Film arbeitet mit besonderer Sprache und geht tief an die Wurzeln des Alltags und der Umgebung, die uns beeinflusst. „Wir werden mit unserem Inneren konfrontiert“, so der Regisseur.

Info: „Versus“ von Sebastian Weinmann ist am Dienstag, 2. April, um 20 Uhr in den Erbacher Lichtspielen zu sehen. Filmdauer etwa 60 Minuten. Der Eintritt kostet fünf Euro. Der Regisseur ist anwesend und stellt sich im Anschluss den Fragen des Publikums.

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Sensbachtaler MGV-Sänger wirken im Film des Hetzbachers Sebastian Weinmann mit

Es ist diese „bedingungslose Hilfsbereitschaft“, die Sebastian Weinmann am Odenwald besonders schätzt und weswegen er in die alte Heimat kam, um hier Szenen für seinen Film zu drehen. „Jeder packt mit an“, freut er sich. „Versus“ heißt der selbstfinanzierte Streifen des Wahl-Berliners aus Hetzbach, für den er nun eine Szene mit gesanglicher Unterstützung des MGV Eintracht-Liederkranz Sensbachtal drehte. Auf dem Hügel nahe des Sportplatzes mit schönem Blick über das winterliche Ober-Sensbach klappte der Dreh gleich im ersten Durchgang.

Der Kontakt mit den Sängern geschah, wie es eben auf den Dorf läuft: Jeder kennt jeden. Weinmann war Anfang November bei Martin Maier in dessen Bauernstube zu Gast, wo er in seiner Odenwald-Zeit drei Jahre im dortigen Anbau lebte. Und fragte, wer ihm vielleicht bei dem Projekt helfen könnte. Schon klingelte beim MGV-Vorsitzendem Thomas Johe das Telefon. Den kannte Weinmann von der Jugendsingfreizeit Alexander Links vor 20 Jahren, stellte sich heraus.

Der gesamte Chor war ohne Ausnahme mitsamt dem Dirigenten Mario Freidel an Bord, freute sich Johe. Ein traditionelles Volkslied sollte es passend zur Szene sein, erinnert sich der Vorsitzende. Es gab drei Stücke zur Auswahl, aus denen sich Weinmann das Lied „Heimat“ von Max Steege aussuchte. „Das passt mit einem herbstlich-winterlichen Vers auch gut zur Witterung“, sagt Johe. Für den MGV war es die erste Mitwirkung dieser Art an einem Film. Die Umrahmung von dörflichen Festen und offiziellen Anlässen ist für die Eintracht-Liederkranz aber quasi tägliches Brot.

Dass die Aufnahme sehr zur Freude der frierenden Männer in ihrer Sängerkleidung sofort klappte, führt Johe auch auf das sehr professionelle und strukturierte Arbeiten des Regisseurs zurück. Bei den ersten zwei Versen des Drehs auf der Höhe war es noch relativ windstill. Beim dritten sorgte die Natur für eine prompte Umsetzung von „Es wehen die Winde aus Nord so kalt“ und ließ eine frische Brise über den Hügel streichen, schmunzelt der Vorsitzende. „Zum Glück hatten wir uns vorher mit viel Tee aufgewärmt.“ Danach gab‘s auch nochmal einmal wohlige Wärme, denn Weinmann hatte die Truppe in Maiers Bauernstube zum Schnitzelessen eingeladen.

Der Dank geht aber nicht nur durch den Magen, sondern für den MGV springt im kommenden Spätsommer auch ein Videodreh heraus. Sebastian Weinmann wird dann mit den Sängern ein paar Lieder als Eintracht-Liederkranz-Werbefilm produzieren. Die darauf dargebotenen Stücke „mit viel Landschaft im Hintergrund“ sind nach eigenem Gusto des Gesangvereins.

Für seinen Streifen hat der Regisseur einen gesellschaftskritischen Ansatz gewählt. Dennis Habermehl spielt einen Mann, „der mit dem Hier und Jetzt nicht mehr klarkommt“. Er will seine eigene Welt schaffen und flüchtet in eine zwar echte, aber von ihm kreierte Traumvorstellung. Seine Selbstfindungsphase führt ihn in den Wald.

Axel Perenz in einer Nebenrolle, der gleichzeitig Weinmann assistiert, Kameramann Oliver Moron und Ton-Chef Nils Weber halten vor Ort das Ganze filmisch fest. Die MGV-Sänger sind für den Regisseur so wichtig, weil sie die kulturelle Heimat, die örtliche Kultur und die Kontakte in einer Zeit repräsentieren, „in der alle mit dem Handy beschäftigt sind“.

Die Ausbildung ist für Weinmann das Eine. Das Andere ist die praktische Arbeit. Deshalb finanziert er seinen Film auch selbst, schrieb das Drehbuch, führt Regie und wählte die Schauspieler aus. „Arbeit, Geld, Kultur“ sind für ihn die tragenden Elemente, aus denen er sich in der Handlung bedient. Die Fertigstellung ist für den kommenden Februar geplant. Danach will der Ex-Hetzbacher versuchen, ihn zu vermarkten.

„Filme machen ist was Physisches“, sagt Weinmann. Die Kälte „kann man nur oben auf dem Berg spüren“. Alle sollen sich auf diese Weise vorstellen können, wie die realen Bedingungen sind. In Berlin wäre es seiner Meinung nach nicht möglich, so zu drehen. Die Gegensätze, die sich auch im Filmtitel „Versus“, Dagegen, widerspiegeln, kommen am besten in der Konfrontation von Land und Stadt, von Ruhe und Trubel zum Ausdruck.

Sebastian Weinmann, 1985 geboren, ist in Hetzbach aufgewachsen und lebte drei Jahre in Ober-Sensbach. Ausgebildet als Kaufmann im Groß- und Außenhandel, studierte er dann in Berlin Regie für Film und Fernsehen und ist jetzt als Filmemacher tätig.