Hits von heute im Sound der 50er Jahre

Nach dem „XMasBash“ können die ruhigen Weihnachtstage kommen. Knackevoll war das Hüttenwerk, als die Odenwälder „Riwwels“ und die Aschaffenburger von „Boppin‘ B“ mit ihrem Rock’n’Roll wie im Vorjahr den Saal unsicher machten. Dabei dürfen es aber auch immer ein paar Varianten bekannter Rock- und Popsongs sein, die das Salz in der Suppe sind. Auf jeden Fall machen die beiden Bands Stimmung ohne Ende und versprühen Spiellaune pur.

Bei den „Riwwels“, zum Großteil aus dem Odenwaldkreis, treffen ganz verschiedene musikalische Geschmäcker aufeinander. Der Name entstammt der Urform „Merwes und die Riwwelkuche“. Nach einigen Personaländerungen ist das Beste vom Riwwelkuche übrig geblieben, schmunzelt der aus Frankfurt nach Hering (Otzberg) zugezogene Gitarrist Manuel Jörg: eben „The Riwwels“.

Seine Kollegen zeigen die ganze Vielfalt des Kreises. Dirk Allman (Kontrabass/Vocals) kommt aus Vielbrunn, Bernd Heimer (Piano/Akkordeon) ist in Breuberg zuhause, Rainer Rapp (Drums) in Sandbach und Sängerin Judith Weimar, die auch Saxophon spielt, nennt den Brombachtaler Ortsteil Birkert ihre Heimat.

Da Dirk Allmann Brian Setzer, Louis Prima und Bill Haley schon als Jugendlicher an der Wand hängen hatte und Rainer Rapp „bereits mit pomadisierter Tolle auf die Welt gekommen ist“, war die Idee naheliegend, Hits der Neuzeit in den Sound der 50er zu transportieren. „Rockabilly reißt mit seinem Groove, seinem Sound und seiner flockigen Leichtigkeit alle Generationen mit“, hat Jörg beobachtet.

Nicht nur für den Gitarristen, auch für den Rest der Truppe hat Rockabilly eine ganz besondere Faszination. Denn das Genre bildet den Grundstein für so viele Musikrichtungen, „dass die Bandbreite, die sich daraus ergibt, schier endlos erscheint“. Das Gerüst bildet ein schneller Blues, erläutert Jörg. „Nimmt man in der Hauptstimme ein paar Sexten dazu, landet man im Country-Feeling und dreht man alternativ den Zerrgrad der Gitarre hoch, wird ruckzuck Heavy Metal daraus.“

Gute Laune ist dabei garantiert, stellen die fünf Musiker bei den Konzerten fest. Dazu tragen sie auch ihren Teil bei. Dirk Allman hüpft mit dem Kontrabass mitten während des Songs schon mal von der Bühne runter, Manuel Jörg hat die klassische knieende Gitarristen-Pose drauf. Oft ergreift das Kopfwippen der Zuhörer schon beim ersten Song mit der Zeit den ganzen Körper und „am Ende gibt es niemanden mehr, der nicht voll mitgeht“.

Ob Judith Weimar „Call me“ von Blondie schmettert oder beim „Stray Cat Strut“ das Akkordeon zückt – inklusive der „Pink-Panther-Melodie“: Das Quintett macht vor nichts halt. Allman zelebriert „Bang Bang“ aus dem Kill-Bill-Film, ehe ein „Whiskey in the Jar“ folgt, das in seiner Country-Rockabilly-Version mit wummerndem Bass die Menge ohne Ende zum Tanzen bringt.

Boppin‘ B sind Urgesteine des Rock’n’Roll und leben ihn mit jeder Faser. Der Fünfer aus Aschaffenburg hat extrem viel Spaß bei den Konzerten und bringt das gnadenlos rüber. Die Stimmung kocht. Wurden anfangs moderne Pop-/Rocksongs adaptiert und in ein Rock’n’Roll/Rockabilly-Stück verwandelt, legt die Gruppe heute mehr Wert auf Eigenkompositionen. Volle Kraft voraus heißt es vom ersten Song an. Mit Michi Bock, seit Anfang 2018 neuer Mann am Mikro, gibt’s nochmal eine Extraportion Power. Das Hüttenwerk dampft.

Der neue Hangar nimmt Gestalt an

Der Grundstock ist gelegt, jetzt geht es sukzessive bis kommenden Sommer weiter. Nachdem die Betonumrandung für den neuen Hangar des Aero-Clubs Michelstadt  bereits Mitte Oktober fertiggestellt worden war, starteten nun die Arbeiten für den Aufbau. Die Hallenstützen wurden gestellt, erläutert Axel Engelhardt von der gleichnamigen Erbacher Firma. Dann werden die Wandriegel eingebaut. Auf das sieben Meter hohe Gerüst wird danach das Dachträgerwerk aufgebaut.

Oberhalb von Michelstadt gelegen, kommt der Hangar-Neubau auf Bruttobaukosten von 470.000 Euro. Es gibt einen Zuschuss aus Leader-EU-Fördermitteln über die Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) von 55.000 Euro. Daneben steuert das Land 35.000 Euro bei, Kreis und Stadt zusammen 5000 und der Landessportbund 7000 Euro. Den Rest schultert der 180 Köpfe zählende Verein über einen Kredit. Seit Antragstellung verteuerte sich das Projekt von ursprünglich 360.000 Euro um 25 Prozent.

Wie der Vorsitzende Joachim Walther ergänzt, wurde das Fundament teurer als gedacht, weil man mehr Masse benötigt und stärker in den Hang reingehen musste. „Der Lehmboden kann nicht verdichtet werden“, sagt er. Zum Wald hin wurde eine 2,70 Meter hohe Stützwand errichtet. Da sich andere Elemente wiederum verbilligten, liegt man derzeit in der – allerdings bereits verteuerten – Kostenschätzung.

Die Maße der neuen Halle betragen etwa 25 auf 25 Meter. Der komplette Flugplatz mit seiner 600 Meter langen Landebahn inklusive Nachtflugbeleuchtung wird durch den Verein unterhalten. Kassenprüfer Michael Reinhard macht den Bedarf an mehreren Punkten fest. Zum einen „kommen nach Schließung des Flugplatzes Babenhausen mehr Flieger zu uns“. Zum anderen stehen bereits mehrere Flugzeuge der Vereinsmitglieder im Freien. Acht Exemplare davon dürften ins neue Gebäude reinpassen.

Und zum Dritten will man den Platz zukunftssicher machen „und eine funktionsfähige Infrastruktur vorhalten“. Denn er dient auch für Rettungsflüge, Krankentransporte und Geschäftsreisen. In der Summe „ist es enorm, was hier oben passiert“. Der Aero-Club-Mann will den Hangar nicht als isoliertes Projekt sehen. „Wir investieren in die Infrastruktur der Region“, betont er. Denn es werden auf Dauer nur die Flugplätze überleben, auf denen auch genügend Flieger stehen.

Das Satteldach wird Engelhardt zufolge mit Fachwerkbindern hergestellt. 60 Kubikmeter Brettschichtholz werden verwendet. Dazu kommen 17 Kubikmeter Fassadenschalung aus einheimischer Lärche. Wie der Zimmermeister hervorhebt, werden durch die Holz- statt Massiv- oder Stahlbauweise 63 Tonnen Kohlendioxid aufgrund der Verwendung eines nachwachsenden Rohstoffs eingespart.

Wenn die Hallenstruktur steht, geht es mit Dachentwässerung und Eindeckung weiter, schildert Engelhardt die weiteren Arbeiten. Fassade und Toranlage folgen im kommenden Jahr, ehe dann Bodenplatte und Drehteller anstehen. Letzterer bereitet Reinhard noch Sorgen, da dafür eine geeignete Firma gefunden werden muss. „Es gibt nur wenige Hersteller.“ Mitte 2020 muss das Projekt abgeschlossen sein, „da ich dann für Leader den Verwendungsnachweise erbringen muss“.

Bei allen Arbeiten achtet der Verein darauf, dass die Aufträge möglichst in der Region ein. Das fängt bei der Erbacher Hausbau-Firma an. Das Fundament wurde von einem Unternehmen aus Bad König gefertigt, für die Bodenplatte liegen zwei Angebote von heimischen Betrieben vor. Auch die Elektrik wird von Fachleuten aus dem Odenwald eingerichtet.

 

Fachleute rechnen mit einem großen Black-Out

„Die Frage ist nicht, ob, sondern wann es passiert“: Für Kreisbrandmeister (KBM) Norbert Heinkel und Kreisbrandinspektor (KBI) Horst Friedrich ist ein flächendeckender, langfristiger Stromausfall im Odenwaldkreis in der Zukunft kein abstraktes Szenario, sondern eine realistische Übungsannahme, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein. 250 Einsatzkräfte aus dem ganzen Kreisgebiet waren den ganzen Tag über im Einsatz, um im Ernstfall gewappnet zu sein. Die Aufgaben wurden nach der Rahmenempfehlung des Landes Hessen abgearbeitet.

„In Erbach und Michelstadt ist für mindestens 24 Stunden keine Stromversorgung möglich“, lautete die Übungsannahme am Wochenende. Die Feuerwehren richteten hierzu in den beiden zentralen Feuerwehrhäusern eine technische Einsatzleitung ein, die versuchte, die Probleme zu lösen und Einsätze zu bewältigen. Der Odenwaldkreis installierte hierzu übergeordnet einen Katastrophenschutzstab mit Fachberatern aus dem THW Michelstadt, DRK Odenwaldkreis, Polizei und Katastrophenschutz in den Räumen der zentralen Leitstelle.

In einem Zeitfenster von wenigen Stunden lässt sich ein Stromausfall im ländlichen Raum oft noch bewältigen, erläuterte Heinkel den Kommunalpolitikern bei einer Rundfahrt. Sollte er aber über 24 Stunden dauern, „wird es oft kritisch“, betonte er. Denn: „Die wenigsten Bürger sind auf solche Ereignisse vorbereitet.“ Aber nicht nur die Bürger, auch Betriebe und selbst die Kommunalverwaltungen wären außer Gefecht gesetzt.

Die Odenwälder Hilfsorganisationen übten in den beiden Städten Erbach und Michelstadt. Aufzüge bleiben stecken, elektrische Türen gehen nicht mehr auf, Kassen in den Supermärkten funktionieren nicht mehr, Kühlungen fahren runter, das Handynetz fällt aus, die Heizung funktioniert nicht mehr. Das sind laut dem Kreisbrandmeister nur einige wenige mögliche Szenarien. Aber auch die Retter sind betroffen. Etwa vier Stunden nach Beginn würden die ebenfalls auf Strom angewiesenen Telefonsysteme nicht mehr funktionieren.

Spätestens wenn Kleinkinder Hunger haben, das Essen warmgemacht werden muss, notwendige medizinische Geräte nicht mehr funktionieren, auf dem Bauernhof die Kühe gemolken werden müssen, wird Strom gebraucht, weist er auf die Selbstverständlichkeit hin, die elektrische Energie heute im täglichen Leben spielt. Dazu gehören auch Wasserversorgung oder Heizung.

„In vielen Bereichen ist die Bevölkerung auf solche länger andauernden Stromausfälle nicht vorbereitet“, weiß Heinkel. Deshalb ist es die Vorbereitung durch Hilfsorganisationen und Gemeinden wichtig. Geplant werden muss seinen Worten zufolge zum Beispiel die Unterbringung von Bürgern, die sich nicht selbst versorgen können, oder die Installation von Anlaufpunkten, bei denen sie Notfälle melden können und Hilfe bekommen. „Etwa zehn Prozent der Bevölkerung brauchen Hilfe“, formuliert es der KBM.

„In jeder Stadt oder Gemeinde und deren Ortsteilen müssen solche Leuchttürme bei Bedarf eingerichtet werden“, weist er auf die Notwendigkeit hin. Im aktuellen Fall war es unter anderem die Odenwaldhalle in Michelstadt. „Eine Herausforderung war hier der fehlende Strom“, erläuterte Heinkel. So musste die Halle ausgeleuchtet und Zeltheizungen in Stellung gebracht werden.

Die Übungsleitung, zu der neben ihm auch KBM Sven Bardonner gehörte, hatte zahleiche Szenarien vorbereitet. Die beiden städtischen Feuerwehren zusammen mit der Verstärkungsgruppe Rettungsdienst mussten Einsätze wie Rettung von Personen aus Aufzügen, ausgelöste Brandmeldeanlagen, einen Verkehrsunfall oder das Ablöschen eines Grills im Gebäude bewältigen.

Kreisbrandinspektor Horst Friedrich wies bei der Abschlussbesprechung darauf hin, dass die Übung Auftakt einer Reihe von Maßnahmen ist, um vorhandene Konzepte zu überprüfen und sich zukünftig noch besser auf das Thema „kritische Infrastruktur“ vorzubereiten. „Wir müssen dafür sensibilisieren“, ist er sich mit Heinkel einig. Beispiele wie in Berlin oder in Slowenien zeigten, dass ein solches Ereignis realistischer ist, als es vielleicht erscheint.

Sebastian Fitzek probt seine Soundtrack-Leseshow im Odenwald

„Sehr schön, wunderbar, ihr seid echt toll“, lobt Sebastian Fitzek die Musiker. Der Thriller-Bestsellerautor mit elf Millionen verkauften Büchern bereitete im Odenwald seine Soundtrack-Leseshow vor, die ihn ab heute in 21 große deutsche Veranstaltungsorte führen. Nachdem die Proben etwas gestresst begannen, merkte man förmlich, wie die ganz Crew im Laufe des Abends runterfuhr und sich dem entschleunigten Landleben anpasste. Es lief.

Dass alle Beteiligten der dritten und bisher größten Tour in Michelstadt zusammenkommen, hat mit Fritz Krings und dessen Firma Peripherique zu tun. Denn der entwickelte vor fünf Jahren in Zusammenarbeit mit dem Berliner Fitzek die Erstauflage, die sich seither „jeweils verdoppelte“, lacht er. Dieses Mal ist ein klassisches Ensemble um das weißrussische Klavier-Wunderkind Leon Gurvich mit dabei, wo es vor drei Jahren „nur“ die Musiker von „Buffer Underrun“ mit Krings‘ Bruder Max waren.

Fitzeks neues Buch „Das Geschenk“, das passenderweise heute, am ersten Veranstaltungstag der Leseshows erscheint, ist auch deren Inhalt. Wie immer in seinen Romanen darf man nervenaufreibende Spannung erwarten, gepaart mit überraschenden Wendungen zum Nägelkauen. Der Thrillerautor thematisiert dieses Mal mit seinem Protagonisten Milan den Analphabetismus. „Ich fand die Zahl von 6,2 Millionen Menschen in Deutschland, die Probleme mit dem Lesen haben, unglaublich“, erzählt er bei der Probe.

Dem 48-Jährigen geht darum, bei seinen Shows das Thema für Menschen, „die in der Schriftwelt leben“, zu visualisieren. Denn für die „ist vieles selbstverständlich“. Fitzek empfindet es als „Missstand der Gesellschaft“, dass nur wenig darüber bekannt ist. Im Buch und auf der Leinwand während der Shows arbeitet er mit griechischen Zeichen, um die Schrift-Unkenntlichkeit deutlich zu machen.

Das Problem: Infos zu entsprechenden Angeboten gibt es im Regelfall nur schriftlich. „Ein Teufelskreis.“ Der Schriftsteller ist Schirmherr der Alfa-Selbsthilfe. Nicht nur deshalb „ist es mir ein Bedürfnis“, für mehr Transparenz zu sorgen. Fitzek hat sich von einer wahren Geschichte inspirieren lassen und zimmerte darum sein Thriller-Konstrukt. Wobei aber das Buch nur ein Teil des Ganzen ist. Fitzek und Krings haben eine abendfüllende Unterhaltungsshow konzipiert, bei der auch der Spaß neben dem ernsten Hintergrund nicht zu kurz kommt.

Die Proben im Odenwald haben für ihn gleich zwei Vorteile. „Hier gibt’s gute Musiker und kreative Leute“, meint der Berliner, was Fritz Krings gerne hört. Dazu geht’s im beschaulichen Michelstadt weit weniger hektisch zu als in der Hauptstadt. „Hier kann man die Seele baumeln lassen“, freut er sich. Denn der Autor braucht eine gewisse Strecke zur Arbeit, um den Kopf frei zu bekommen.

In seinen Büchern ist es oft so, „dass in schönen Orten langsam das Grauen einzieht“, erhält er Inspiration aus seiner Umgebung. Um lachend hinzuzufügen, dass der Odenwald noch nicht Gegenstand der Handlung war. „Kann aber noch kommen“, ergänzt Fitzek verschmitzt. Der zweite Vorteil ist die Nähe zu Frankfurt, wo er übers Wochenende auf der Buchmesse seinen neuen Roman vorstellte.

Von Anfang an ging es dem 48-Jährigen darum, „nicht nur Werbeveranstaltungen für mein Buch zu machen“, sondern auch in Kontakt mit Lesern und Fans zu kommen. Seit 13 Jahren zieht er dieses Prinzip „gnadenlos“ durch. Das war noch einfach, als bei seiner ersten Lesung in Rostock 2006 fünf Gäste kamen, davon drei Mitarbeiter der Buchhandlung. Wenn es heutzutage mehrere tausend sind, schreibt Fitzek trotzdem Autogramme, bis jeder eins hat.

Das geht dann soweit, dass die Crew mit dem Abbau schon fertig ist, die Halle geschlossen wird und er draußen weitermacht, erzählt Fritz Krings. Beim Schriftsteller selbst ist auch ein wenig die Überraschung über den Hype um seine Person zu spüren. „Völlig verrückt“ nennt er es, dass auf der kommenden Tour bis zu 60.000 Besucher erwartet werden. Er ist trotz der ganzen Popularität absolut bodenständig geblieben. „Ich erlebe ihn wie vor zehn Jahren“, sagt Krings.

Fitzek sieht sein Werk nur als „kleinen Faktor“, denn er arbeitet mit einem Team „aus hervorragenden Leuten“ zusammen. „Ich habe die Idee und die transportieren sie auf ein anderes Level“, betont er. Alles zusammen „macht sehr großen Spaß“. Krings spricht vom 48-Jährigen bewundernd als einem „Popstar im Autorenbereich“.

2014, bei der ersten Leseshow, „sind wir noch auf Unverständnis gestoßen“, erzählt er. „Da war er noch nicht so bekannt wie heute.“ In diesem Jahr sind die Auftritte eine ganz andere Nummer. „Jetzt kennen ihn alle“, so Krings. Was für das Peripherique-Team die Messlatte viel höher hängen lässt. Dieses Mal ist eine Crew von 25 Leuten während der Tour mit dem Nightliner und einem 40-Tonner-Lkw 15.000 Kilometer durch Deutschland unterwegs.

Zur Leseshow wurde in Mannheim der Song „Seven Millions“, von Max Krings und Henning Wehland (Söhne Mannheims) geschrieben, aufgenommen. Er soll auf die Zahl von sieben Millionen Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwäche im deutschsprachigen Raum hinweisen. Der Erlös geht an die Alfa-Selbsthilfegruppe. Das Stück wird mit Tourstart veröffentlicht. Voraussichtlich wird ihn bei der (ausverkauften) Aufführung in Mannheim am 1. Dezember Rolf Stahlhofen von den Söhnen Mannheims singen, der bei der Generalprobe in Michelstadt bereits ans Mikro geholt wurde.

Mächtig, metallisch, aber auch melodiös

Folk-Metal aus dem Odenwald gibt es jetzt schon seit 25 Jahren: Das Mischwesen aus Mensch und Stier, der Minotaurus der griechischen Mythologie, ist als Bandname bis in die Region vorgedrungen und sorgt hier seit 25 Jahren für musikalische Donnerschläge. Pünktlich zum Jubiläum von „Minotaurus“ erscheint mit „Victims of the Underworld“ die neue, zehnte CD, die bei der Release-Party am Samstag, 9. November, im Hüttenwerk Michelstadt vorgestellt wird.

Die beiden (Stier-)Köpfe hinter der Formation sind Sänger Oliver Klump aus Aschaffenburg und Lead-Gitarrist Reiner Zumkeller aus Hainstadt. Mit Sohn Rouven, der ebenfalls im Breuberger Ortsteil wohnt, ist bereits die nächste Generation eingestiegen. Das Trio aus dem Odenwaldkreis komplettiert Bassist Marcus Finger aus Erbach, für den Minotaurus seine erste Band-Station ist. Die beiden Zumkellers spielen auch in den beiden lokalen Coverbands Outback und Eazy mit.

Auch wenn die jetzige Scheibe deutlich härter und aufwendiger klingt als die Vorgänger, hat die Band ihre musikalischen Wurzeln dennoch nicht aus den Augen verloren. „Victims of the Underworld“ liefert eine fetzige Schnittmenge aus Folk, Metal und einer guten Prise Eigenständigkeit. Minotaurus arbeitet nach der Devise „Neues schaffen und Bewährtes erhalten“, erzählt Sänger Klump. Was in Anbetracht der langen Bandgeschichte „von Weisheit und Weitsichtigkeit zeugt“, lacht er.

Gerade in einem Metier wie dem Folk Metal ist seinen Worten zufolge Glaubwürdigkeit ein hohes Gut. Über all die Jahre hat das Sextett deshalb seine Fangemeinde stark erweitern können. Die Geburtsstunde schlug 1994, als Klump Minotaurus mit dem damaligen Bassisten Uwe Elbert ins Leben rief. Schon kurze Zeit nach der Gründung stieß Reiner Zumkeller dazu. Da Elbert viele Musiker kannte, waren recht schnell die restlichen Mitglieder gefunden.

Wenn’s um die Kompositionen geht, ist der Hainstädter Reiner Zumkeller das Mastermind. „Er hat bestimmt 90 Prozent der Songs geschrieben“, schätzt Klump, der sich selbst bei „Lonely Dwarf“ und „Warriorhearts“ (die Powerballade ist der Soundtrack zum Film „Kriegerherzen“) zusätzlich einbrachte, aber auch ein paar wenige alleine verfasste.

Mit zwei recht schnell hintereinander veröffentlichten EPs, „The First Labyrinth“ (1997) und „Dragonbone Throne“ (1998), erspielte man sich erste Achtungserfolge und fiel positiv bei Presse und Fans auf. 1999 erschien mit „Path Of Burning Touches“ das Longplayer-Debüt. Motiviert vom Erfolg schob man schon 2001 die „Carnyx“-EP nach, eine Hommage an das eisenzeitliche Instrument der Kelten.

Mit „The Silent Cave“ lieferte die Gruppe eine EP voller Akustik-Songs ab und brachte den Fans ihre „weiche“ Seite nahe. Das romantische Liedgut wurde oftmals auf Lauten dargeboten, um den Mittelalterflair deutlich zu erhöhen. Das Wagnis ging auf und hinterließ deutliche Spuren auf dem 2004er-Album „Myth Or Reality“. „The Lonely Dwarf“ aus 2009 war ein Konzeptalbum, das – irgendwo zwischen Folk und Metal angesiedelt – die Geschichte eines einsamen Zwergs erzählte. Es folgten „The Call“ (2013) und „Insolubilis“ (2016).

Trotz all der positiven Erfahrungen kämpfte Minotaurus oft mit den üblichen Bandproblemen und Line-up-Wechseln. Jedoch verlor die Truppe, zu der auch noch Clarissa Hobeck (Gesang) und Jürgen Hermann (Rhythmus-Gitarre) gehören, darüber nie die Musik aus den Augen. In den Bensheimer Empire Studios von Rolf Munkes reifte das neue Album heran. „Es ist unser aussagekräftigstes, musikalisch gereiftestes Werk“, ist Klump überzeugt.

Mächtige metallische, aber gleichzeitig melodiöse Klänge, etwas mystisch mittelalterlich angehaucht: Was die Band auf die Bühne bringt, ist abwechslungsreich, verspielt, gut gemacht, professionell. Während der Minotaurus im Altertum als furchteinflößende Gestalt, halb Mensch, halb Stier, sein Unwesen trieb, hat er heute als Maskottchen und dem Wiedererkennungs-Spruch „Holla, die Waldfee“ eine wesentlich angenehmere Beschäftigung.

 

Info: Das Band-Jubiläum „25 Jahre Minotaurus“ findet zusammen mit der CD-Release-Party von „Victims of the Underworld“ am Samstag, 9. November, um 21 Uhr im Hüttenwerk Michelstadt statt. Der Shuttlebus von Aschaffenburg aus fährt auch Mömlingen, Hainstadt und Höchst an. Mehr unter  www.minotaurus-metal.com und http://www.facebook.com/MinotaurusBand

Hangar-Neubau am Flugplatz Michelstadt: Baukosten in luftigen Höhen

50 Interessierte von der Bergstraße bis zum Spessart spuckte der Bus am Waldhorn-Flugplatz des Aero-Clubs aus. Die waren auf Einladung der Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) sowohl im hessischen als auch bayrischen Odenwald unterwegs, um sich mit europäischen Leader-Mitteln für die Entwicklung des ländlichen Raums geförderte Projekte anzuschauen. Oberhalb von Michelstadt ist dies der Hangar-Neubau, der einen Zuschuss von 55.000 Euro bei Bruttobaukosten von 470.000 Euro erhält.

Begrüßt vom Vorsitzenden Joachim Walther, erläuterte Kassenprüfer Michael Reinhard die Finanzierungsdetails und Einzelheiten des Projekts. Neben den EU-Mitteln steuert noch das Land 35.000 Euro bei, Kreis und Stadt zusammen 5000 und der Landessportbund 7000 Euro. Den Rest schultert der 180 Köpfe zählende Verein über einen Kredit. Seit Antragstellung verteuerte sich das Projekt von ursprünglich 360.000 Euro um 25 Prozent. „Vor allem Holz ist sehr teurer geworden“, informierte er.

Die Maße der neuen Halle betragen etwa 25 auf 25 Meter. Der komplette Flugplatz mit seiner 600 Meter langen Landebahn inklusive Nachtflugbeleuchtung wird durch den Verein unterhalten. Reinhard machte den Bedarf für einen neuen Hangar an mehreren Punkten fest. Zum einen „kommen nach Schließung des Flugplatzes Babenhausen mehr Flieger zu uns“. Zum anderen stehen bereits mehrere Flugzeuge der Vereinsmitglieder im Freien.

Und zum Dritten will man den Platz zukunftssicher machen „und eine funktionsfähige Infrastruktur vorhalten“. Denn er dient auch für Rettungsflüge, Krankentransporte und Geschäftsreisen. In der Summe „ist es enorm, was hier oben passiert“. Der Aero-Club-Mann wollte den Hangar nicht als isoliertes Projekt sehen. „Wir investieren in die Infrastruktur der Region“, betonte er. Denn es werden auf Dauer nur die Flugplätze überleben, auf denen auch genügend Flieger stehen.

Außerdem gibt es die Kooperation mit Pirelli. Die Breuberger Firma hat hier ihr Reifentestzentrum. „Dadurch blieb die Entwicklungsabteilung im Odenwald“, wies der Kassenprüfer auf die Sicherung von Arbeitsplätzen hin. In zwei Flugwerften werden Reinhard zufolge die eigenen Maschinen gewartet und repariert. Aktuell sind auf dem Gelände etwa 40 Flugzeuge „zuhause“. Der neue Hangar bietet Platz für sieben von ihnen.

„Die Halle sollte schon stehen“, ist man leider beim Bau in Rückstand, bedauerte Reinhard. Zum einen ist es schwierig, Baufirmen zu bekommen, zum anderen gab es auch vereinsinterne Verzögerungen. Die Aufträge sind zwischenzeitlich vergeben, weshalb er mit einer Fertigstellung Mitte Oktober dort rechnet, wo jetzt nur ein leeres Gelände zu sehen ist.

Das Antragsverfahren, meinte Reinhard auf Nachfrage von IGO-Regionalmanagerin Rekha Krings, „war ausgesprochen komplex“. Als früherem Hirschhorner Kämmerer fiel es ihm durch die jahrzehntelange Arbeit mit Zahlen „nicht ganz so schwer“. Aber andere hätten seiner Einschätzung nach „bestimmt erhebliche Schwierigkeiten“.

Er regte an, die Verfahren zu vereinfachen. Das könnte zu mehr Anträgen führen. Denn: „Wir wollen ja die Entwicklung der Region voranbringen.“ Es sei kontraproduktiv, auf der einen Seite Zuschüsse in Aussicht zu stellen, sie aber andererseits durch die Schwierigkeit der Beantragung wieder zu verhindern.

Erstmals gab es in diesem Jahr eine gemeinsame Tour der IGO mit der lokalen Aktionsgruppe (LAG) „Main4Eck“ Miltenberg. Krings erwähnte den „großen Mehrwert“ durch den gegenseitigen Austausch. Sie gab Reinhard recht: „Wir fordern schon lange, dass die Anträge entkompliziert werden müssen“.

Dieser Wunsch wurde auch der anwesenden Vertreterin der Bundes-LAG, Marlene Rosenberger, mitgegeben. Überall klang an, dass die sich die Kalkulationen wegen der Baukosten-Steigerung schwierig gestalten. Zwar gibt es die Möglichkeit der Mittel-Aufstockung, aber dafür muss das Verfahren noch einmal neu gestartet werden, sagte Krings.

 

Weitere IGO-Besichtigungen

Erbach EGO-Energiepfad, Bad König Kurpark Balancierparcours, Amorbach Smart-Pfad-Station, Heimbuchenthal Pedalwelt und Wald erFahren

Sangeslust, Vokalakrobatik und Harmoniefreude, kurz: Salto Vokale

Wenn „Salto Vokale“ auftritt, dann schlagen die Stimmen Purzelbäume. Seit 20 Jahren begeistert das Vokalensemble um Iris Thierolf aus dem den Odenwaldkreis mit unbändiger Sangeslust, Vokalakrobatik und Harmoniefreude. Die große Fangemeinde weiß, was sie an den acht stimmgewaltigen Mitgliedern hat. Beim Jubiläumskonzert platzte das Autohaus Thierolf mit mehreren hundert Zuschauen aus allen Nähten. Eilens mussten noch Bierbänke herbeischafft werden. Aber selbst die reichten nicht aus.

Mit einem ganz speziellen „Grand Prix d’Eurovision“ nahmen die acht Musiker ihr Publikum mit auf eine Reise durch Raum und Zeit. Alles, was sich in den vergangenen Jahrzehnten freiwillig oder unfreiwillig in die Gehörgänge eingebrannt hat, fand seinen Widerhall in den 18 dargebotenen Stücken. Die waren aber nicht nur was fürs Ohr, sondern auch fürs Auge: Denn für jeden Song schmiss sich das Ensemble neu in Schale, sodass schon das Outfit ein Highlight war.

Damit die Pausen nicht zu lange waren, gab’s als Moderator eine veritable Überraschung: Iris Thierolfs Lebensgefährte Arne Müller hatte sich in Schale und Perücke geschmissen und begleitete charmant-informativ mit vielen Anekdoten und lustigen lokalen Anspielungen das Geschehen – ganz so, wie es früher in Schwarz-Weiß beim Original über die Glotze geflimmert sein könnte. Das Publikum war vom Gebotenen hellauf begeistert.

Außer Iris Thierolf bereichern noch Uschi Schubert (beide Sopran), Hedwig Huf und Gisela Rapp (beide Alt), Joachim Joseph und Jochen Kabel (beide Tenor), Bernd Gabriel und Horst Wagner (beide Bass) das Ensemble. Die verschiedenen Stücke boten den Sängern viele Möglichkeit, sich gesanglich in allen Facetten zu präsentieren. Kleine Choreographien lockerten das Gesungene auf.

„Wir haben vor ein paar Jahren den Titel ‚Ding-A-Dong‘ einstudiert“, erläutert Iris Thierolf die Entstehung des Jubiläumsprogramms. Das Stück war Grand-Prix-Sieger 1975. Dabei kam die Idee auf, zum 20. Jubiläum einen eigenen Grand Prix zu veranstalten. Neben weiteren Siegertiteln aus anderen Jahren „haben wir uns aber auch erlaubt, eigene Lieder einzustellen“, schmunzelt sie: weil sie beim Ensemble eine große Rolle spielten oder neu ins Repertoire aufgenommen wurden („Die Gedanken sind frei“, „Bella Ciao“ oder „Girls, Girls, Girls“).

Die Idee zur Ausgestaltung reifte mit der Zeit, erzählt Thierolf. Ebenso wie der Gedanke, jedes Lied neu zu kostümieren und wirklich verschiedene „Gruppen“ gegeneinander antreten zu lassen. Das Publikum durfte zum Schluss selbst abstimmen, wer Sieger des Abends wird. Der vorgesehene Applausometer funktionierte zwar nicht so ganz – aber zum Schluss gewann das Mundartlied „Du bist sechzei“, angelehnt an Ringo Starrs „You‘re sixteen“, den Grand Prix.

Ob „Ich brech‘ die Herzen der stolzesten Frau‘n“ aus dem Jahr 1938 von Heinz Rühmann, „House of the Rising Sun“ von den Animals (1964), „Merci Chérie“ von Udo Jürgens (1966), „Waterloo“ von ABBA (1974) oder „Save your kisses for me“ von Brotherhood of Man (1976): Die Stimmung in den sowieso heißen Räumlichkeiten war am Kochen. „Salto Vokale“ heimste Beifall ohne Ende ein.

„Im Juni 1999 trafen sich einige Menschen, die unbedingt singen wollten, in unserem Wohnzimmer“, blickt Iris Thierolf auf die Anfänge zurück. „Es passte gleich alles gut zusammen, wir probten fortan fleißig einmal wöchentlich“, erzählt sie. Wie es der Zufall so wollte, gab es im September schon den ersten öffentlichen Auftritt zum 90. Firmenjubiläum des Autohauses Thierolf.

„Salto Vokale“ lieferte immer wieder neue Konzertprogramme und erarbeitete sich so im Laufe der Zeit eine üppige Fangemeinde, freut sich die Beerfelder Kirchenmusikerin. Die Konzertreihe „Musik im Mai“ wurde geboren. Ebenso wie die „Vier-Takt-Bühne“, die passenderweise im Autohaus entstand. „Am Anfang waren wir zu zehnt“, so Thierolf. Manche gingen, neue kamen, jetzt ist eine feste Größe von acht Personen erreicht. Diese acht Vokalartisten begeistern mit einer bunten Mischung aus Popmusik, Swing und Gospel bis hin zu Mundart, Klassik und Folklore.

 

Salto Vokale – Mitwirkende

Leiterin Iris Thierolf (Etzean, Kirchenmusikerin), Uschi Schubert  (Bad König, Sozialpädagogin), Gisela Rapp (Pudermühle/Nieder-Kinzig, Bauzeichnerin i.R), Hedwig Huf (Brombachtal-Birkert, Physiotherapeutin), Jo Joseph (Bad König, Krankenpfleger), Jochen Kabel (Erbach, Sozialpädagoge i.R.), Bernd Gabriel (Brombachtal-Birkert, Zimmermannmeister), Horst Wagner (Groß-Umstadt/Wiebelsbach, IT-Berater). Weitere Infos: http://www.salto-vokale.de