„U12“ zelebrierte auf der Michelstädter Hüttenwerk-Bühne eine Hommage an die irische Rockband U2

Bono singt sich mit viel Botschaft auf der Bühne die Seele aus dem Leib, „The Edge“ ist mit seinen unverwechselbaren Gitarrenklängen zu hören, Adam Clayton zupft stoisch perfekt den Bass und Larry Mullen jr. trommelt wie ein Wilder auf seinem Schlagzeug. Das könnte ein Überraschungsgig von der irischen Rockband U2 im Michelstädter Hüttenwerk sein, wenn man nicht so genau hinschauen würde. Tatsächlich aber eifern die vier Musiker von „U12“ ihren Vorbildern in perfekter Manier nach. Outfit, Klang, Passion, Instrumente: Es stimmte.

Von der Qualität der Interpretation hatten wohl auch etliche Fans im Vorfeld Wind bekommen. Denn beim ersten Auftritt der Main-Metropolen-Epigonen im tiefen Odenwald war es im Hüttenwerk für diese Verhältnisse sehr voll. Da hatten andere, bekanntere Coverbands deutlich mehr Anlaufschwierigkeiten, bei der Premiere genug Besucher in die Location zu ziehen.

Bei anderen wiederum war die gefühlte Distanz zu den Musikern viel geringer, weil diese vom ersten Song an das Publikum in ihrem Band zogen, sich viel präsenter und mehr „zum Anfassen“ präsentierten. Das war dieses Mal nicht so. Vor der Bühne war zu Beginn noch ziemlich viel Platz. Der füllt sich mehr und mehr erst nach der Pause, als die Coverband dann mit den ganzen Hits der Iren Stimmung ohne Ende verbreitete, mitgesungen und -getanzt wurde.

Am Anfang ging’s mit Wolfgang Meisetschläger (Gesang, Gitarre), Oliver Horst (Gitarre, Gesang), Dennis Lapp (Bass) und Lothar Weise jr. (Schlagzeug, Gesang) noch etwas verhalten los. Das könnte auch daran gelegen haben, dass bis auf „Sunday Bloody Sunday“ oder „Desire“ erst einmal eher unbekanntere Stücke der Supergruppe gespielt wurden. Was beileibe nicht heißt, dass die in irgendeiner Form schlechter gewesen wären. Eben nur nicht solche Ohrwürmer wie die späteren Hits.

Die vier Vollblutmusiker von U12 nahmen das Publikum mit auf eine musikalische Zeitreise durch alle Schaffensphasen der irischen Vorbilder. Dabei klang die Band in allen Nuancen so authentisch, wie es nur die persönliche Faszination durch das Original ermöglicht. Wie Meisetschläger den Bono in Bewegung, Ausdrucksweise und Gesang gibt, ist das schon sehr nah am Meister selbst. Oliver Horsts Gitarre hat dabei den absolut typischen Edge-Sound drauf, der die Songs von U2 so unverwechselbar macht.

Die vier Musiker beweisen dabei, dass U2 längst nicht nur für die Stadion-Hymnen steht, sondern mit „Sometimes you can’t“ oder „Sweetest Thing“ dynamische, eingängige Balladen im Gepäck hat, die durch virtuoses Zusammenspiel begeistern. Wenn darauf ein Gassenhauer wie „Sunday Bloody Sunday“ folgt, schnellt der Stimmungspegel natürlich gewaltig in die Höhe. Auch sich Oliver Horst beim Intro so kräftig verhaut, dass er über den eigenen Fehler lachend nochmal von vorn anfangen muss. Er sorgt nebenher zusammen mit Lothar Weise für einen sehr prägnanten Background-Gesang bei etlichen Songs und gibt diesen viel Klangform.

„Desire“ kurz vor der Pause macht dann Lust auf das, was danach kommt. Denn im zweiten Set legen die Frankfurter so richtig los, ein Hit reiht sich an den anderen. „One“, „New Years Day“, „Where the streets have no name“, „I still haven‘t found”, „Pride“ oder „With or without you“ zusammen mit dem Original-Sound knallen in die Menge, die davon nicht genug bekommen kann und Zugaben fordert.

Die Coverband macht nebenher klar, dass die Musik von Bono & Co. nicht nur ein Privileg von kultureller und sozialer Botschaft ist, sondern mit ihren hymnenhaften Refrains auch einfach nur riesigen Spaß machen kann. Genau diese Hingabe nimmt man den vier Musikern auf der Bühne auch sofort ab, selbst wenn sie bisweilen mal etwas kühl und professionell rüberkommen.

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Besondere Frauenstimmen lassen aufhorchen lassen im Michelstädter Hüttenwerk bei „Another Livetime“ aufhorchen

Welch eine Frauenpower auf der Hüttenwerk-Bühne: Die Hausband „Another Livetime“ mit Sängerin Michi Tischler hatte sich diesmal in Gestalt von Jessica Born und Esra Karahan zwei außergewöhnliche Stimmen eingeladen. Da musste sich der in Heidelberg lebende Andy Laycock (Flying Picketts) als männlicher Gast ganz schön reinhängen, um mithalten zu können. Denn Anke Rible am Saxophon machte das mächtige Frauen-Quartett perfekt. Das sorgte im Verbund mit den anderen Musikern für einen außergewöhnlichen Abend in der Location, der sicherlich lange in Erinnerung bleiben wird.

Esra Karahan aus Bad König ließ sprichwörtlich aufhorchen. Die 24-Jährige stand das erste Mal mit einer richtigen Begleitband auf der Bühne und brachte ihre Songs so selbstsicher rüber, als hätte sie noch nie etwas anderes getan. Mit voluminöser Stimme und ausdrucksvoller Bühnenperformance ließ sie ihre drei Stücke zum Erlebnis werden. Gloria Gaynors „I will survive“ im zweiten Set sorgte gewaltig für Furore. „Rollin’ in the deep” von Adele und „Umbrella“ von Rihanna waren weitere Songs, mit denen die junge Künstlerin begeisterten Applaus bekam und gefeiert wurde.

Von der jungen Studentin, die bei der Swing Fever Big Band und der Big Band East 17 singt, wird man sicherlich noch einiges hören. Michi Tischler kündigte schon an, dass für den kommenden Auftritt die Zahl der Songs von drei auf sechs erhöht wird. Sicher zur Freude der vielen Fans, die der 24-Jährigen ins voll besetzte Hüttenwerk gefolgt waren.

Über allem schwebte aber Jessica Born. Die Ausnahme-Blues- und Soulröhre aus der Nähe von Aschaffenburg schaffte es, bei ihren Songs wohlige musikalische Schauer den Rücken hinunterlaufen zu lassen. Wie sie alten Klassiker förmlich lebt, darin aufgeht, sie zelebriert, ist eine Klasse für sich. Da kommt keine(r) so schnell ran. Borns Stimme hat ein volles Timbre, das in seinen Facetten an Jonis Joplin erinnert. Wenn sie ansetzt, bräuchte sie eigentlich kein Mikro, denn so mächtig kommt ihre Power hinten an.

„You might need somebody“ von Randy Crawford oder „I’d rather go blind” von Etta James – bei dem es sogar Zwischenapplaus gibt – sind solche unvergesslichen Hits, denen sie ihrem Stempel aufdrückt. Nicht zu vergessen „The Boss“ von Diana Ross – irgendwie passt auch der Titel zur zierlichen Jessica Born, die den anderen Musik-Größen auf der Bühne ein bisschen die Show stiehlt. Das „Je ne regrette rien“ von Edith Piaf fällt da irgendwie aus der Rolle. „Think“ von Aretha Franklin zusammen mit Michi Tischler und Andy Laycock verbreitet aber wieder gute Laune pur, knallt so richtig rein.

Mit den fetzigen Saxophon-Solos von Anke Rible (Lindenfels) ist für den perfekten Background-Sound gesorgt. Gitarrist Jens Reyer zeigt ein ums andere Mal, dass er ein Meister auf den sechs Saiten ist. Bandgründer Thomas Klein am Schlagzeug und Keyboarder Axel „Aji“ Imhof (beide aus Michelstadt) machen mit Bassist Christoph Victor Kaiser (Heppenheim) die Rhythmus-Sektion komplett, die bei jedem Lied für den perfekten Sound sorgt.

Andy Laycock entwickelt sich im Laufe des Konzerts zunehmend zur Rampensau. Von Anfang an gibt der Brite den perfekten Animateur. Als der „Londonman in Heidelberg“ merkt, wie ihm das Publikum aus der Hand frisst, geht er so richtig ab. „Mama told me not to come“ von Tom Jones ist so ein Stück, das ihn in Höchstform sieht.

Mit „Angels“ von Robbie Williams hat Laycock gleich den geborenen Entertainer als Vorbild. Aber auch das „Hold Back The River” von James Bay oder „Message in a bottle” von Police (oder eben besagter Englishman von Sting) zeigen ihn mit viel Bühnenpräsenz. Der Fürther Jens Reyer haut zu den Songs immer wieder ein klasse Solo raus.

Dritte Sängerin im Bunde ist Michi Tischler. Die ist auch Dreh- und Angelpunkt von „Another Livetime“. Wie sie mit „What a feeling” von Irene Cara die Disco-Queen gibt, ist das herrlich anzuschauen. Mit ihrer Stimme drückt sie aber auch „Together Again“ von Janet Jackson oder „What about us” von Pink ihre Visitenkarte in die Hand.

Info: Beim nächsten Gig am Samstag, 23. Dezember, sind Ina Morgan und Olli Roth ab 21.30 Uhr Gäste von „Another Livetime“ im Michelstädter Hüttenwerk.

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Posted by Thomas Wilken on Sunday, November 19, 2017

Wenn AC/DC einen auf Country machen würde: „E3“ bringt musikalische Perlen auf die Bühne des Hüttenwerks Michelstadt

Da sind sechs absolute Profis am Werk. Was das Sextett an musikalischem Können akustisch auf die Bühne des Hüttenwerks zaubert, ist allererste Sahne. Als ein „Mix aus American Folk, Elementen aus Blues, Westcoast und Irish Folk“ kündigen sie ihren Stil an. Doch dahinter verbirgt sich viel mehr. „Wish you were here“ von Pink Floyd oder „Thunderstruck“ von AC/DC perfekt auf Country gemacht: Das war einfach nur klasse und hätte viel mehr Zuschauer verdient gehabt. Das „Manko“: Die sechs verstecken sich wahlweise hinter dem Kürzel „E3“ oder dem sperrigen, ausgeschriebenen Namen „The Essence Of Emotional Energy“.

Wenn man genauer auf die Musiker schaut, wird klar, warum die Songs so perfekt rüberkommen, auf den Punkt gespielt werden, dass jeder Ton sitzt. Denn jeder Instrumentalist ist ein Meister seines Fachs – und hat auch noch die passende Stimme zum Song. Zusammen mit einer unbändigen Spielfreude, die auch vor kleinem Publikum nicht halt macht, zaubert „E3“ einen mal melancholisch-ruhigen, mal fetzig-rauschenden Klangteppich in den Saal, bei dem der Mund offen stehen bleibt.

Etliche Songs hat man früher schon gehört. Weil schon die Originale Ohrwürmer und Hitparadenstürmer waren. Aber die Coverversionen können locker mithalten. Was die Truppe aus dem Rhein-Main-Raum daraus macht, ist aller Ehren wert. Gewürzt mit filigranen Soli auf den jeweiligen Instrumenten, sorgen die Cracks mal für ein Soundgewitter wie bei „Let it go“, mal für besinnliche, leise Töne wie bei der ersten Zugabe „Love the one you’re with“.

Das Fingerschnippen beim „59th Street Bridge Song“ überträgt sich sofort auf die Gäste. Schnell wird mitgeklatscht. Wie überhaupt die Stimmung mitreißt. Die Zuschauer merken, dass vor ihnen sechs Musiker zum Anfassen auf der Bühne stehen, die (auch übereinander) ihre kleinen Scherzchen machen, sich nicht so ernst nehmen, aber andererseits die Musik sehr ernst.

Wenn Peter Reimer auf Gitarre oder Mandoline anfängt zu zaubern, gibt es kein Halten. Beim deutschen Rock- und Pop-Preis 2014 räumte er gleich dreimal ab, unter anderem in der Kategorie „Bester Instrumentalsolist“. Beim Zuschauen, wie die Finger über die Saiten flitzen, lässt sich diese Entscheidung gut nachvollziehen. „Chasing Echo“ heißt sein Solo, für das es begeisterten Applaus gibt. Mark Patrick (Gesang/Gitarre) ist noch aus seinen Zeiten bei „Paddy goes to Holyhead“ bekannt. Er gibt mit perfektem Outfit den Cowboy des Sextetts.

Gunnar Jürgens auf der Geige und Multiinstrumentalist Ralf Olbrich auf Gitarre, Mandoline, Saxofon oder Harmonika spielten sich immer wieder virtuos die Bälle zu. Erhard Koch am Bass und Thomas Wimmer am Schlagzeug komplettieren die Truppe, bei der jeder außer dem Drummer auch gesanglich ran darf. Ein weiterer Pluspunkt der sechs, dass sie damit die Möglichkeit haben, die Songs vielstimmig zu performen.

„Dust in the Wind“ von Kansas oder „Long Train Running“ von den Doobie Brothers sind in ihrer Interpretation fast noch „normal“ – in E3-Maßstäben betrachtet. Denn wer kommt schon auf die Idee, den Refrain bei den Doobies mit „Krautsalat Spaghetti“ zu übersetzen – und das Publikum gleich darin einstimmen zu lassen.

Glanzpunkt sind aber die beiden letzten Songs vor dem „offiziellen“ Ende. Die fünf Frontmänner mit ihrem Taktgeber im Hintergrund spielen sich die Bälle virtuos zu. Wie Pink Floyd auf Country klingt, ist eine Wucht und würde sicher David Gilmour begeistern. Wie überhaupt die Band ihren Covers eine ganz eigene Note aufdrückt, die das Original noch erkennen lässt, aber in ihrer Abänderung daraus schon ein neuer Song wird.

Dass nach dem „Thunderstruck“, in dem Peter Reimer versucht, das Publikum zum „Thunder“-Grölen zu animieren, heftige Zugabe-Rufe kommen, ist völlig verständlich. Auf Mandoline, Gitarre, Harmonika, Geige, Bass und mit ein paar Löffeln kreieren die sechs eine Version, die einfach nur fetzt, gewaltig abgeht und Gaudi pur ist – auf höchstem musikalischem Niveau.

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Michelstädter Musikfestival „Nightgroove“: Gegroovt wurde nur im Trockenen

13 Mal Musik in zwölf Locations: Fertig ist der 15. „Nightgroove“, das Michelstädter Musikfestival. Dieses Mal aber unter ungünstigen äußeren Vorzeichen. Beständiger kalter Nieselregen machte den Weg vom einen zum anderen Lokal ungemütlich. Kein Wunder, dass sich deshalb die Besucher mehr in den Cafés und Gaststätten drängten statt auch ein bisschen draußen zu verweilen. Das Wetter dürfte auch so manchen potenziellen Gast abgeschreckt haben. Gefühlt war am Abend nicht besonders viel los in der Innenstadt: wenig Leute auf den Straßen, die von Ort zu Ort hetzten, Parkplätze in der Nähe gab‘s en masse.

Von Rhythm’n‘Blues, Rock und Rock’n‘Roll bis hin zu Funk, Soul, Folk und karibischen Klängen reicht die Palette. Die volle Dröhnung gibt’s im Café Leyhausen. Die Heilbronner Band „Croco“ rund um die charismatische Sängerin Sabine Stipovic hat die Rockknaller der letzten Jahrzehnte im Gepäck. „I was made für loving you“ von Kiss oder „Crazy“ von Ozzy Osbourne durch eine Frau interpretiert – das hat was. Vor allem, wenn die Frontfrau eine solch wandlungsfähige Stimme wie die Croco-Shouterin hat.

„Mercedes Benz“ von Janis Joplin in der aufgepeppten Rockversion mit einem furiosen Ende stellt fast das Original in den Schatten. „All right now“ von Free kommt so druckvoll durchs Café, dass der Bass die Hosenbeine trocken schleudert. Drangvolle Enge herrscht in den Räumen, laufend wollen neue Gäste rein, die von draußen den wuchtigen Rock hören. Nur: Irgendwann ist Ende, manche müssen mit den nassen Plätzen vorlieb nehmen.

Typisch irische Pub-Atmosphäre im O’Reilly’s. „Amarank“ mit ihrem Irish und Celtic Folk passen dort rein wie die Faust aufs Auge. Die Luft ist dick, warm und rauchgeschwängert, das Guinness fließt in Strömen. Auch hier gilt: Wer es ein Stück weit bis zur Bühne geschafft hat, kann sich glücklich schätzen. Fiddle, Cajon, Tinwhistle, Gitarre, Mandoline und Bodhran sind die Instrumente der drei aus Hanau, die damit gefühlvoll auf die Grüne Insel Irland entführen und auch Ausflüge nach Schottland machen.

Das „Monkeyman Band Trio“ aus dem bayrisch-fränkischen Raum lebt seinen Mix aus Funk, Soul, Groove und Rock in vollen Zügen aus. Marcus Schniedermeier, Peter Wirth und Michel Hauck zaubern einen Soundteppich ins Café Atelier, den manche Bands in der doppelten Besetzung nicht hinkriegen. Ein wenig abseits vom Marktplatz, geht’s hier gemütlich ohne Gedränge, aber umso intensiver zu.

Das Trio zelebriert seine Musik mit jeder Faser, verausgabt sich, improvisiert ständig, spielt sich die Bälle zu. Kein Wunder, dass die Gäste richtig abgehen. Gitarren-, Schlagzeug- und Keyboard-Soli machen die Stücke zum echten Live-Erlebnis. „Listen to the music“ von den Doobie Brothers ist etwa ein solcher Song – oder „Mustang Sally“ von Wilson Pickett. Mit dreistimmigem Gesang und klassischem Hammondorgel-Sound machen sie das Café zur großen Bühne.

Die pfälzische „Gentle Groove Agency“ im Gewölbekeller des Altdeutschen Hofs kommt da ein bisschen weichgespülter, ohne viel Ecken und Kanten, daher. Die Vier haben Rock- und Pop-Perlen der letzten fünf Jahrzehnte im Gepäck. „Free me“ von Uriah Heep ist ein solcher Klassiker, aber auch Coldplay, Bryan Adams oder der „Easy Lover“ von Philip Bailey und Phil Collins werden powervoll gespielt.

Zwei Mann ohne Verstärkung: Dass sich damit bestens bekannte Rocksongs rüberbringen lassen, zeigen „Anplagged“ im Grünen Baum. Zwei Gitarren und zwei Stimmen präsentierten, gut geräuchert, ohne Stöpsel rein akustisch Songs von AC/DC, Guns’n‘Roses, Metallica, Mr. Big, Nirvana, Pink Floyd, The Eagles, U2 oder Whitesnake.

Auch ohne viel Schnickschnack, allerdings verstärkt, gehen die „Jungletones“ in Franzis Weinerei zu Werke. Auf engsten Raum entfesselt das Trio ein Soundgewitter an Rockabilly, Rock’n’Roll, Blues und Surf. Frontmann Guido Kolb lässt sich nicht davon beeindrucken, dass vor ihm kein Platz ist: Couch, Stühle, Tische werden für ihn zum Auftrittsort, als er Chuck Berrys „Carol“ zelebriert. Dazu nur Gitarre, Gesang, Kontrabass und ein Minimal-Schlagzeug. Das reicht, um die Bude zu rocken und die Gäste in ihren Sesseln wackeln zu lassen.

Weitere teilnehmende Bands: Die Nachtigallen, Gipsy Voices, Clapton Experience, Jam Slam, Die Gallier, Café con Leche und Rockingham. Abschluss mit DJ Sound Sonic.

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„Iron – Made in Germany“ und „Crusader“ nehmen die Fans im Hüttenwerk mit in die Hoch-Zeit des Heavy Metal Anfang der 80er Jahre

Nur gut, dass Bruce Dickinson nicht auf dem Konzert von „Iron – Made in Germany“ im Hüttenwerk war. Denn der Shouter des Iron-Maiden-Originals wäre blass vor Neid geworden, was sein Epigone Bernd Glomsda da auf der Bühne ablieferte. Perfekt bis ins Detail zauberte der Sänger die Knaller der britischen Heavy-Metal-Legende auf die Bühne, dass es sich mit geschlossenen Augen wie das Original anhörte. Vor der Huldigung an die „Eisernen Jungfrauen“ von der britischen Insel hatte die Mannheimer Band „Crusader“ die besten Jahre von „Saxon“ wieder aufleben lassen.

„Das gemeinsame Ziel ist das Erschaffen einer perfekten Iron-Maiden-Illusion“ hatte sich die Band bei Gründung 2010 vorgenommen. Das kann als völlig gelungen betrachtet werden. Die fünf Musiker aus dem Südhessischen nehmen die – leider etwas wenigen – Fans mit auf eine Zeitreise in die „goldenen“, besten Jahre der Mitbegründer des NWoBHM, des New Wave of British Heavy Metal. Anfang der 80er Jahre räumten Iron Maiden mit ihren Alben so richtig ab.

Mit Bruce Dickinson am Mikro kam der richtige Durchbruch. „The Number of the Beast“, „Piece of Mind” und „Powerslave” sind die Klassiker aus dieser Zeit. Bis hin zum 1988er Album „Seventh son of a seventh son“ reicht die Setliste. „Hallowed be thy name“ als Abschluss des regulären Programms, auf das drei Zugaben folgten, ist leuchtendes Beispiel dafür, wie das Quintett die Heroen aus vergangenen Jahren hochleben lässt: Glomsda schreit sich die Seele aus dem Leib, erreicht mit seiner Stimme Höhen, von den Dickinson nach 40 Jahren im Musikgeschäft nur noch träumen kann.

Jens Richter und Marco Wandura an den Gitarren eifern den drei Saitenkünstlern des Originals, Dave Murray, Adrian Smith und Janick Gers, bis ins Detail nach. Die melodischen Soli sind eine Wucht und hüllen das Hüttenwerk in einen druckvollen Soundteppich. Apropos druckvoll: Bassist Steve Harris, der einzig noch verbliebene Gründungsmitglied, ist in seinen Kreisen eine Legende. Jochen Schnur hat den wummernden Bass bis ins Effeff drauf und umrahmt sein Spiel mit den richtigen Posen. Schlagzeuger Jürgen Rössel wirbelt an seiner Schießbude im Gedenken an Nicko McBrain und ist sich in der Verkleidung als Maskottchen Eddie für keinen Spaß zu schade.

Musik und Licht an. 35 Jahre geht’s zurück in die Zeit: „Aces High“, „2 Minutes to midnight“, „Children of the damned“ oder „22 Acacia Avenue“ heißen die Klassiker aus der Schaffensphase von 1982 bis 1984, die jedem Fan das Herz höher schlagen ließen. Die Besucher, oft mitgealtetert, aber teilweise noch mit wallender Haarmähne zum Headbangen, sind sofort drin in den Songs. Die gibt’s ohne viel Schnörkel, ohne viel Gerede, mit wenigen Ansagen. Heavy Metal pur, der einfach nur fetzt, in die Beine geht, dessen Bass-Drum die Hosenbeine zum Flattern bringt und den Magen vibrieren lässt.

Die Riffs, Breaks und Einsätze sitzen (fast alle), den fünf merkt man förmlich die Spielfreude an. Sie wagen sich sogar an Stücke, die das Original kaum auf die Bühne bringt. „The Prisoner“ oder „The Number oft he Beast“, titelgebend für eines der prägendsten Alben dieser Jahre überhaupt, sind eine Wucht. Die phänomenale Stimme von Bernd Glomsda trägt die Songs und bringt die Fans zum Jubeln. Das epische „Rime of the ancient mariner“ mit seinen 13:30 Minuten zeigt die Band daneben in all ihren musikalischen Fertigkeiten.

Aus der gleichen Zeit stammen „Saxon“. Auch diese britische Band ist einer der Urväter des britischen Heavy Metal. „Crusader“, die Gruppe um Sänger Joachim Strubel, hatte die alten Kracher von damals im Gepäck, mit denen der Fünfer auch heute noch immer auf Tour ist: „Wheels of Steel“, „Strong Arm of the Law“, „Denim & Leather“ und „Power & the Glory“.

Hymnen wie „Motorcycle Man“, „Princess of the Night“, „747“ und natürlich das namensgebende „Crusader“ als Namensgeber sind Songs, die sich ins Gedächtnis der Musikfans eingegraben haben. Die beiden Gitarristen Wolfgang Schulze und Jens Richter, Schlagzeuger Jens Gellner und Bassist Michael Walter zelebrieren mit harten Riffs und viel Energie ihre Vorbilder.

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„Depeche Reload“ huldigt im Michelstadter Hüttenwerk der britischen Synthie-Rock-/Pop-Gruppe mit den größten Hits

Schwarz ist Trumpf. Kein Wunder, wenn „Depeche Reload“ ihren Helden von „Depeche Mode“ huldigen, die bereits seit fast 40 Jahren Erfolge über Erfolge auf den Bühnen der Welt feiern. Mit ihren zehn Jahren auf dem Buckel kommt die Coverband da zwar nicht ganz mit. Aber der Titel als „Hessens beste Tribute Band“ aus dem Jahr 2009 zeigt, dass hier ebenfalls Profis am Werk sind, die ihre Sache beherrschen. Was sie im Hüttenwerk ein ums andere Mal unter Beweis stellen.

Dass die Bandmitglieder aus dem Odenwald kommen, verschafft ihnen einen unübersehbaren Heimvorteil: So voll wie an diesem Abend ist das Hüttenwerk selten, wenn dort eine Band auftritt. Aber auch ohne die Wurzeln in der Region machen der authentische Sound, das Bühnenbild und das Outfit des Quintetts deutlich, dass hinter der Sache mehr steckt als nur reine Covermusik. Synthesizer-Klänge wabern zu Beginn durch den Raum, ein „DR“ blinkt über die Bühne auf, ehe harte Gitarrenriffs einsetzen: Die Reminiszenz an eine Kultgruppe beginnt.

Die Fünf leben die Hingabe an die britische Synthie-Rock-/Pop-Gruppe, die in den 1980 und 90er Jahren ihre größten Erfolg feiert. Sänger Hermann Rang sieht dem Original Dave Gahan ein wenig ähnlich – natürlich gewollt und geschminkt. Er hat sich sogar ein Tattoo des Sängers auf seine Schulter stechen lassen. Mit geschlossenen Augen ist kaum ein Unterschied auszumachen, wer genau da auf der Bühne steht. Selbst mit geöffneten ist es schwierig, denn Rang hat sich auch die etwas erratischen Bewegungen seines großen Vorbilds 1:1 angeeignet. Er tanzt mit dem Mikrofonständer über die Bühne, animiert das Publikum zum Mitsingen.

Das lässt sich nie lange bitten. Schon bei den ersten Songs, etwa „Policy of Truth“ oder „Strange Love“, sind die Fans kräftig dabei. Das ändert sich auch im Verlauf des dreistündigen Konzerts nicht. Im Gegenteil. Wenn die Klassiker wie „Personal Jesus“, „Just Can’t Get Enough“, „Enjoy The Silence“, „People are people“ oder „Master and Servant“ angespielt werden, gibt es kein Halten mehr. Erst nach 30 und mehr Songs werden die Musiker von der Bühne gelassen.

Wie bei den Männern auf der Bühne gibt’s im Publikum auch einige Schwarztöne zu beobachten. Einer der kultigsten Bands der der 80er und 90er Jahre hat ihre Spuren hinterlassen. Die meisten, das zeigt sich beim Blick in die Menge, sind mit der Band gealtert. Depeche Mode war und ist ihr Lebensgefühl. Da die Heroen von damals aber dieses Jahr wieder auf Tour waren, gibt es auch einige jüngere Fans zu beobachten.

Als die fünf Musiker vor zehn Jahren ihre Coverband gründeten, „war es unser Ziel, mit diesem Projekt so zu klingen wie Depeche Mode“. Gespielt werden sollte sogar alles live, ohne irgendwelche Loops. Für die synthetischen Klänge im Hintergrund sind Axel Imhof und Markus Kosch mit ihren Keyboards zuständig. Somit kommt die Band sogar „liver“ als die Vorbilder rüber. Beim Gesang wird Rang auch von Schlagzeuger Marco Müller und Gitarrist Sven Kuhl unterstützt.

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Posted by Thomas Wilken on Monday, October 2, 2017

 

Rock ohne Schnörkel: Die Odenwälder Band „ØL“ war im Michelstadter Hüttenwerk zu Gast

Zugegeben, der Name lädt natürlich zu Wortspielen ein. Warum eine Odenwälder Band mit „ØL“ einen eher nordisch anmutenden Namen hat, wird wahrscheinlich das Geheimnis der Gründer bleiben. Aber ölig, glatt, konturlos, ohne Kanten, ist ihre Musik nun beileibe nicht. Denn hinter der Marke verbirgt sich schnörkelloser Independent-, Alternative-, aber auch melodischer Mainstream-Rock. Was das Quintett bei seinem Auftritt im Hüttenwerk eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Über zwei Jahrzehnte gibt es die Gruppe bereits. Die Gründungsmitglieder Sebastian Schimmer (Gesang und Gitarre) sowie Schlagzeuger Sascha Brandel am Schlagzeug bilden das Fundament von ØL. „Decades“ heißt passenderweise der aktuelle Silberling aus dem vergangenen Spätjahr, der auch den Rahmen für die live gespielten Lieder auf dem Auftritt vorgab. Was im Studio eher bisschen glattgebügelt rüberkommt, lebte auf der Bühne von der überschäumenden Spielfreude vor allem der Männer in der ersten Reihe.

Zweimal Gitarre, einmal Bass und einmal Gesang trieben die Songs voran. Dabei ging das Quintett ziemlich schnörkellos zu Werke. Ausufernde Gitarren- oder Schlagzeug-Soli zur Selbstdarstellung gab es praktisch nicht, kein Stück hatte mehr als drei oder vier Minuten. Das kann erfrischend sein. Aber auch auf die Dauer etwas monoton, wenn von der Bühne zwischendurch außer einem „Danke“ keine Moderation kommt.

Musikalisch lässt sich die Band in keine Schublade stecken. Einem richtigen Rocker dürften ein paar der Songs zu weichgespült sein. Auf der anderen Seite rockt das Quintett dann so überraschend wieder los, dass die Hosenbeine vor lauter Bass- und Bassdrum-Vibrationen flattern. Punk- und Indierock-Einflüsse sind teilweise unverkennbar. Manche Riffs erinnern an Fischer Z, Fury in the Slaughterhouse lässt sich auch wenig heraushören – und durch die spacigen Keyboard-Töne die eine oder andere progressive Komponente.

Etliche Songs des Fünfers haben dabei durch Hitpotenzial. Sie könnten ohne Probleme den ganzen Tag hoch und runter im Radio laufen und keiner würde merken, dass dahinter eine Truppe aus dem Odenwald steht und nicht etwa eine amerikanische Rockband. Nur: Irgendwie hat es für den großen Sprung wohl nicht gereicht.

An der Beweglichkeit von Frontmann Sebastian Schimmer kann es wohl kaum liegen. Der ist wie ein Dopsball auf dem Bühne unterwegs und steckt seine ebenfalls stehenden Kollegen Marcus Hartmann (Bass) und Jens Weimar (Gitarre, Gesang) mit seinem Bewegungsdrang immer wieder an. Keyboarder Dirk Weimar ist eher einer von der stoischen Sorte, während Drummer Sascha Brandel sich an seiner Schießbude kräftig abarbeitet.

„Out there“ oder „Sun in my Hand“ sind zwei solch druckvolle Rockstücke, die einen mit offenem Mund staunen lassen, was der Odenwald an perfekten Bands alles hervorbringen kann. Der mächtige Sound, kurze, knackige Riffs, melodiöser Background-Gesang und ein dichter Tonteppich wabern durchs Hüttenwerk und erfüllen die eingefleischten Bands vor der Bühne mit Entzücken.

Ehrliche, handgemachte Rocksongs ohne Firlefanz hat die Band noch zahlreiche andere im Gepäck. „Hold your hand“ etwa oder „Brother“, bei denen oben die Post abgeht. Auch wenn Schimmer nicht viel redet, gibt er doch den charismatischen Frontmann, der die Songs voran- und seine Mitmusiker antreibt. Das wummernde Schlagzeug bei „One hey, one ho“ oder das Gute-Laune-Stück „Fine“ machen bei den Zuschauern so viel Lust auf mehr, dass die Band nicht Nein sagen kann.

Dass „ØL“ auch schmusig kann, zeigen die ersten beiden Zugabe-Stücke. Vor allem „Whereever“ ist ein Balladen-Klassiker, bei dem – wäre es nicht im Saal – alle Feuerzeuge hochgehen würden. Mit „Heartbeat“ setzt die Band noch einen Knaller drauf, der eigentlich gar nicht als Rausschmeißer funktioniert. Denn schneller als jeder Herzschlag knall Weimar ein Gitarrensolo raus, das so richtig abgeht. Und wie die Songs allgemein gehalten ist: kurz, knackig, heftig, laut.

Die Erbacher Band ØL wurde im Mai 1996 gegründet. Durch erste Auftritte im Umland formierte sich rasch eine kleine Fangemeinde. Teile der Band initiierten das legendäre „Mosaiq“-Festival in Michelstadt. Nach einigen Besetzungswechsel in der langjährigen Geschichte fand sich im Jahr 2007 die aktuelle Formation zusammen. ØL war als vierte Band unter hunderten nominiert, um Bon Jovi im Sommer 2011 zu supporten. Die Single „Heartbeat“ wurde 2012 von einigen Sendern als EM-Songs ins Programm aufgenommen. Im September 2016 erschien das aktuelle Album „Decades“.

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