Hangar-Neubau am Flugplatz Michelstadt: Baukosten in luftigen Höhen

50 Interessierte von der Bergstraße bis zum Spessart spuckte der Bus am Waldhorn-Flugplatz des Aero-Clubs aus. Die waren auf Einladung der Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) sowohl im hessischen als auch bayrischen Odenwald unterwegs, um sich mit europäischen Leader-Mitteln für die Entwicklung des ländlichen Raums geförderte Projekte anzuschauen. Oberhalb von Michelstadt ist dies der Hangar-Neubau, der einen Zuschuss von 55.000 Euro bei Bruttobaukosten von 470.000 Euro erhält.

Begrüßt vom Vorsitzenden Joachim Walther, erläuterte Kassenprüfer Michael Reinhard die Finanzierungsdetails und Einzelheiten des Projekts. Neben den EU-Mitteln steuert noch das Land 35.000 Euro bei, Kreis und Stadt zusammen 5000 und der Landessportbund 7000 Euro. Den Rest schultert der 180 Köpfe zählende Verein über einen Kredit. Seit Antragstellung verteuerte sich das Projekt von ursprünglich 360.000 Euro um 25 Prozent. „Vor allem Holz ist sehr teurer geworden“, informierte er.

Die Maße der neuen Halle betragen etwa 25 auf 25 Meter. Der komplette Flugplatz mit seiner 600 Meter langen Landebahn inklusive Nachtflugbeleuchtung wird durch den Verein unterhalten. Reinhard machte den Bedarf für einen neuen Hangar an mehreren Punkten fest. Zum einen „kommen nach Schließung des Flugplatzes Babenhausen mehr Flieger zu uns“. Zum anderen stehen bereits mehrere Flugzeuge der Vereinsmitglieder im Freien.

Und zum Dritten will man den Platz zukunftssicher machen „und eine funktionsfähige Infrastruktur vorhalten“. Denn er dient auch für Rettungsflüge, Krankentransporte und Geschäftsreisen. In der Summe „ist es enorm, was hier oben passiert“. Der Aero-Club-Mann wollte den Hangar nicht als isoliertes Projekt sehen. „Wir investieren in die Infrastruktur der Region“, betonte er. Denn es werden auf Dauer nur die Flugplätze überleben, auf denen auch genügend Flieger stehen.

Außerdem gibt es die Kooperation mit Pirelli. Die Breuberger Firma hat hier ihr Reifentestzentrum. „Dadurch blieb die Entwicklungsabteilung im Odenwald“, wies der Kassenprüfer auf die Sicherung von Arbeitsplätzen hin. In zwei Flugwerften werden Reinhard zufolge die eigenen Maschinen gewartet und repariert. Aktuell sind auf dem Gelände etwa 40 Flugzeuge „zuhause“. Der neue Hangar bietet Platz für sieben von ihnen.

„Die Halle sollte schon stehen“, ist man leider beim Bau in Rückstand, bedauerte Reinhard. Zum einen ist es schwierig, Baufirmen zu bekommen, zum anderen gab es auch vereinsinterne Verzögerungen. Die Aufträge sind zwischenzeitlich vergeben, weshalb er mit einer Fertigstellung Mitte Oktober dort rechnet, wo jetzt nur ein leeres Gelände zu sehen ist.

Das Antragsverfahren, meinte Reinhard auf Nachfrage von IGO-Regionalmanagerin Rekha Krings, „war ausgesprochen komplex“. Als früherem Hirschhorner Kämmerer fiel es ihm durch die jahrzehntelange Arbeit mit Zahlen „nicht ganz so schwer“. Aber andere hätten seiner Einschätzung nach „bestimmt erhebliche Schwierigkeiten“.

Er regte an, die Verfahren zu vereinfachen. Das könnte zu mehr Anträgen führen. Denn: „Wir wollen ja die Entwicklung der Region voranbringen.“ Es sei kontraproduktiv, auf der einen Seite Zuschüsse in Aussicht zu stellen, sie aber andererseits durch die Schwierigkeit der Beantragung wieder zu verhindern.

Erstmals gab es in diesem Jahr eine gemeinsame Tour der IGO mit der lokalen Aktionsgruppe (LAG) „Main4Eck“ Miltenberg. Krings erwähnte den „großen Mehrwert“ durch den gegenseitigen Austausch. Sie gab Reinhard recht: „Wir fordern schon lange, dass die Anträge entkompliziert werden müssen“.

Dieser Wunsch wurde auch der anwesenden Vertreterin der Bundes-LAG, Marlene Rosenberger, mitgegeben. Überall klang an, dass die sich die Kalkulationen wegen der Baukosten-Steigerung schwierig gestalten. Zwar gibt es die Möglichkeit der Mittel-Aufstockung, aber dafür muss das Verfahren noch einmal neu gestartet werden, sagte Krings.

 

Weitere IGO-Besichtigungen

Erbach EGO-Energiepfad, Bad König Kurpark Balancierparcours, Amorbach Smart-Pfad-Station, Heimbuchenthal Pedalwelt und Wald erFahren

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Sangeslust, Vokalakrobatik und Harmoniefreude, kurz: Salto Vokale

Wenn „Salto Vokale“ auftritt, dann schlagen die Stimmen Purzelbäume. Seit 20 Jahren begeistert das Vokalensemble um Iris Thierolf aus dem den Odenwaldkreis mit unbändiger Sangeslust, Vokalakrobatik und Harmoniefreude. Die große Fangemeinde weiß, was sie an den acht stimmgewaltigen Mitgliedern hat. Beim Jubiläumskonzert platzte das Autohaus Thierolf mit mehreren hundert Zuschauen aus allen Nähten. Eilens mussten noch Bierbänke herbeischafft werden. Aber selbst die reichten nicht aus.

Mit einem ganz speziellen „Grand Prix d’Eurovision“ nahmen die acht Musiker ihr Publikum mit auf eine Reise durch Raum und Zeit. Alles, was sich in den vergangenen Jahrzehnten freiwillig oder unfreiwillig in die Gehörgänge eingebrannt hat, fand seinen Widerhall in den 18 dargebotenen Stücken. Die waren aber nicht nur was fürs Ohr, sondern auch fürs Auge: Denn für jeden Song schmiss sich das Ensemble neu in Schale, sodass schon das Outfit ein Highlight war.

Damit die Pausen nicht zu lange waren, gab’s als Moderator eine veritable Überraschung: Iris Thierolfs Lebensgefährte Arne Müller hatte sich in Schale und Perücke geschmissen und begleitete charmant-informativ mit vielen Anekdoten und lustigen lokalen Anspielungen das Geschehen – ganz so, wie es früher in Schwarz-Weiß beim Original über die Glotze geflimmert sein könnte. Das Publikum war vom Gebotenen hellauf begeistert.

Außer Iris Thierolf bereichern noch Uschi Schubert (beide Sopran), Hedwig Huf und Gisela Rapp (beide Alt), Joachim Joseph und Jochen Kabel (beide Tenor), Bernd Gabriel und Horst Wagner (beide Bass) das Ensemble. Die verschiedenen Stücke boten den Sängern viele Möglichkeit, sich gesanglich in allen Facetten zu präsentieren. Kleine Choreographien lockerten das Gesungene auf.

„Wir haben vor ein paar Jahren den Titel ‚Ding-A-Dong‘ einstudiert“, erläutert Iris Thierolf die Entstehung des Jubiläumsprogramms. Das Stück war Grand-Prix-Sieger 1975. Dabei kam die Idee auf, zum 20. Jubiläum einen eigenen Grand Prix zu veranstalten. Neben weiteren Siegertiteln aus anderen Jahren „haben wir uns aber auch erlaubt, eigene Lieder einzustellen“, schmunzelt sie: weil sie beim Ensemble eine große Rolle spielten oder neu ins Repertoire aufgenommen wurden („Die Gedanken sind frei“, „Bella Ciao“ oder „Girls, Girls, Girls“).

Die Idee zur Ausgestaltung reifte mit der Zeit, erzählt Thierolf. Ebenso wie der Gedanke, jedes Lied neu zu kostümieren und wirklich verschiedene „Gruppen“ gegeneinander antreten zu lassen. Das Publikum durfte zum Schluss selbst abstimmen, wer Sieger des Abends wird. Der vorgesehene Applausometer funktionierte zwar nicht so ganz – aber zum Schluss gewann das Mundartlied „Du bist sechzei“, angelehnt an Ringo Starrs „You‘re sixteen“, den Grand Prix.

Ob „Ich brech‘ die Herzen der stolzesten Frau‘n“ aus dem Jahr 1938 von Heinz Rühmann, „House of the Rising Sun“ von den Animals (1964), „Merci Chérie“ von Udo Jürgens (1966), „Waterloo“ von ABBA (1974) oder „Save your kisses for me“ von Brotherhood of Man (1976): Die Stimmung in den sowieso heißen Räumlichkeiten war am Kochen. „Salto Vokale“ heimste Beifall ohne Ende ein.

„Im Juni 1999 trafen sich einige Menschen, die unbedingt singen wollten, in unserem Wohnzimmer“, blickt Iris Thierolf auf die Anfänge zurück. „Es passte gleich alles gut zusammen, wir probten fortan fleißig einmal wöchentlich“, erzählt sie. Wie es der Zufall so wollte, gab es im September schon den ersten öffentlichen Auftritt zum 90. Firmenjubiläum des Autohauses Thierolf.

„Salto Vokale“ lieferte immer wieder neue Konzertprogramme und erarbeitete sich so im Laufe der Zeit eine üppige Fangemeinde, freut sich die Beerfelder Kirchenmusikerin. Die Konzertreihe „Musik im Mai“ wurde geboren. Ebenso wie die „Vier-Takt-Bühne“, die passenderweise im Autohaus entstand. „Am Anfang waren wir zu zehnt“, so Thierolf. Manche gingen, neue kamen, jetzt ist eine feste Größe von acht Personen erreicht. Diese acht Vokalartisten begeistern mit einer bunten Mischung aus Popmusik, Swing und Gospel bis hin zu Mundart, Klassik und Folklore.

 

Salto Vokale – Mitwirkende

Leiterin Iris Thierolf (Etzean, Kirchenmusikerin), Uschi Schubert  (Bad König, Sozialpädagogin), Gisela Rapp (Pudermühle/Nieder-Kinzig, Bauzeichnerin i.R), Hedwig Huf (Brombachtal-Birkert, Physiotherapeutin), Jo Joseph (Bad König, Krankenpfleger), Jochen Kabel (Erbach, Sozialpädagoge i.R.), Bernd Gabriel (Brombachtal-Birkert, Zimmermannmeister), Horst Wagner (Groß-Umstadt/Wiebelsbach, IT-Berater). Weitere Infos: http://www.salto-vokale.de

 

Mit „Next Wave“ gibt‘s die nächste große Partywelle

Der Odenwald rockt. Die Coverband „Next Wave“ ist das beste Beispiel dafür. Sie steht für Rock- und Popmusik, die energetisch und virtuos von der Band auf der Bühne zelebriert wird. Tanzbare Songs heizen von der ersten bis zur letzten Nummer das Publikum an, wie der Fünfer bei seinen Auftritten schon oft demonstrierte. Gigs der Band sind eine einzige große Party, woran Frontfrau Chris Kessler einen wesentlichen Anteil ab. „Wir bekommen sehr viele positive Reaktionen“, freut sich Bassist Volker Hallstein.

Die fünf Musiker vereinen jahrelange Banderfahrung in verschiedenen Combos. Die jetzige Formation ging aus einer Acht-Mann-Mann Kapelle mit zwei Sängerinnen, einem Sänger und einem zweiten Gitarristen hervor, erzählt der Vier-Saiten-Mann. „InGris“, in der Hallstein den Bass bediente und Ulrich „Kühli“ Kühlwetter für die Drums zuständig war, löste sich um das Jahr 2014 herum auf.

Ursprünglich existierte außerdem eine Jugendband, „No Limitz“ (später „Second Wave“), in der sein Sohn Nico Gitarre spielte und Volker als Bassist aushalf. Nachdem es diese ebenfalls nicht mehr gab, gründeten sie zusammen „Next Wave“. Ziel: Es sollte etwas sein, „das sich etwas von einer normalen Coverband abhebt“, betont der Höchster.

Mit Saxophonist Luis Jäger, den Nico von den „Schürzis“ mit in die Trupp in die Truppe brachte, gelingt das. Er gibt den verschiedenen Stücken einen ganz eigenen Klang. Aus früheren Zeiten ist auch Ulrich Kühlwetter wieder mit im Boot. „Mit ihm mache ich nun schon gute 30 Jahre Musik“, sagt Volker Hallstein – da weiß man, was man hat. Zusammen mit Chris Kessler „gibt das jetzt eine sehr coole Mischung, auch was die Altersstruktur angeht“, weiß er.

Die Fans werden ihm beipflichten. Bei ihren Auftritten im Odenwald und darüber hinaus werden die fünf aus Höchst, Michelstadt und Rodgau stets kräftig gefeiert. Das liegt auch an der Songauswahl. Die explosive Mischung aus Erfahrung und Spielwitz haucht dem Liedmaterial eine verblüffende, neue Note ein. „Next Wave“ interpretiert aktuelle und bekannte Songs, unter anderem von Pink, Melissa Etheridge, Bruno Mars oder Joss Stone bis hin zu Guano Apes und Skunk Anansie.

Durch die etwas ungewöhnliche Besetzung für eine Coverband ohne Keyboard „spielen wir Songs von Rock’n‘Roll über die 80er bis zu neuen Popstücken in ganz eigenen Sound“, hebt Volker Hallstein hervor. Von Hardrock bis sogar Schlager (die aber nicht mehr im Programm sind) „sind wir für alle Musikrichtungen offen“, erzählt er. Neue Stücke bringt eigentlich jeder mit ein. Coole Nummern werden in der Probe gespielt – „und wenn keiner schräg guckt, dann läuft das“. Wenn ein Veranstalter spezielle Songs wünscht, werden die kurzfristig mit ins Programm aufgenommen.

Höchst ist das Epizentrum der Band. Von dort kommt neben den Hallsteins auch Sängerin Chris Kessler, die auch schon bei NaNoo und Stage Diva die Bühne rockte. Nico Hallstein verdiente sich die Gitarristensporen bereits bei Second Wave, Ingris und den Schürzis. Er gibt unter anderem Unterricht in seiner Musikschule „Studio B45“.

Vater Volker spielte den Bass schon bei Rezeptfrei, B45 oder Ingris. Schon vor über 20 Jahren waren beide mit den Jungs von Rezeptfrei beim „Umsonst und Draußen-Festival“ in Würzburg dabei, schafften es mit Ingris drei Mal ins Finale des Deutschen Rock- und Pop-Preises. Mit Ulrich Kühlwetter tourte er bereits quer durch Deutschland und das europäische Ausland, unter anderem als Support für Karat, Flatsch und Hob Goblin. Der Rodgauer Luis Jäger schließlich erlernte sein Instrument beim Saxophonisten der Schürzenjäger.

Quasi sechstes Bandmitglied ist Jochen Rosskopf. „Er ist unser, wir sagen Präsident“, lacht Hallstein. Denn Rosskopf kümmert sich um die Gigs, Booking, den Kontakt zu den Veranstaltern „und auch während Auftritts um unser Wohl“. Der von ihm liebevoll so bezeichnete „Lieblingssoundathlet“ Robert stellt die Technik, sitzt am Mischpult und sorgt für den guten Ton.

 

Info: „Next Wave“ spielt das nächste Mal am Donnerstag, 13. Juni, gegen 19.30 Uhr auf dem Michelstadter Bienenmarkt im Apfelweinzelt. Mehr unter http://www.nextwave-music.de

„Betty and the Daltons“ sind mit Country & Western im wilden Odenwald unterwegs

Endlose Weiten, durch die der Sand gepeitscht wird, ein paar mäandernde trockene Büsche, dazu noch karge Felsformationen, durch die sich ein einsamer Reiter mit Zigarre im Mundwinkel, vermacktem Hut und Lederponcho quält: soweit das deutsche Western-Klischee, genährt durch Karl May und Clint-Eastwood-Filme. „Betty and the Daltons“ zeichnen ein ganz anderes Bild von Country & Western. Das im vergangenen Jahr gegründete Trio aus Erbach und Michelstadt nimmt sich selbst nicht so ernst, hat viel zu lachen und noch mehr Spielfreude.

Bettina „Betty“ Finger, Dirk Freitag und Markus Fabian spielen zum Teil mit verwegenen Instrumenten wie Waschbrett, Autoharp, Steelguitar und Banjo einen Mix von Common Linnets bis Johnny Cash, angereicht mit CCR, Kris Kristofferson oder John Denver. Man sieht: Es gibt nicht nur Country, sondern auch Western, gepaart mit ein paar Pophits wie „Lay down Sally“ von Eric Clapton.

Mastermind hinter der Truppe ist Markus Fabian aus Michelstadt. Gitarrist, Sänger, Bassist, Ukulele- und Mandolinespieler, Steelgitarrist, Schlagzeuger, Songwriter, Komponist und Producer:  Der Mann ist seine eigene Ein-Mann-Kombo in Personalunion. Dazu ist er im Odenwald musikalisch bekannt wie ein bunter Hund durch seine Arbeit mit Herr Fabian, Onkel Bob oder Undercure.

„Für mich zählt, dass wir sehr viel Spaß miteinander haben und ich verschiedene, auch ausgefallene Instrumente spiele“, betont Fabian. Es ist innerhalb eines halben Jahres eine auftrittsfähige kleine Band entstanden, die „nicht sooo perfekt ist“, grinst er – „aber dennoch beim Odenwälder Publikum einen Nerv getroffen hat“. Scheinbar gibt es viele Menschen, die Country und Folk „wie wir es darbieten“, gerne mögen.

Die Bandgründung geschah durch äußere Einflüsse: „Wild Bill‘s Saloon“ hatte in Erbach aufgemacht und „ich wollte gerne mal dort spielen“, erinnert sich der Musiker. Da dort aber nur Country und Western reinpasst, überlegte er, wie das anzustellen wäre. Da kam er auf Dirk Freitag und Bettina Finger: „Betty and the Daltons“ waren geboren. Es wurde ein Programm aufgebaut, überlegt, was zu welchem Stück passt und „wie wir uns bei jedem Stück sinnvoll und abwechslungsreich ergänzen können“. Das Ergebnis kommt an.

Für Bettina Finger ist Country „eine tolle Musik”, die so gar nichts mit dem Schlagerklischee zu tun hat. Gerade Johnny Cash und June Carter haben für sie „super Songs“ geschrieben und darin ihr Leben verarbeitet. „Das sind meine Vorbilder“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Darin werden so schöne Liebesgeschichten erzählt.“ Finger gefällt daneben die große Vielseitigkeit, die mit den verschiedenen Instrumenten zum Ausdruck kommt.

30 Jahre zupfte sie nur die Gitarre, jetzt ist die Musikerin vielfältig und –saitig unterwegs. Auf Anregung vom Markus Fabian („mach mal“) beschäftigt sie sich auch mit Bass, Ukulele, Autoharp, Waschbrett und Banjo. „Ich kann das nicht gut, aber spiele trotzdem alles“, lächelt sie. Der Instrumententausch „ist witzig und macht Spaß“, erzählt Bettina Finger. Es passiert vieles, auch Unvorhergesehenes.

„Dass ich auf meine alten Tage noch einmal auf der Bühne stehe, hätte ich mir auch nicht gedacht“, kokettiert die Erbacherin mit ihrer Lebenserfahrung. Denn öffentlich wirkte sie bisher nicht in Bands mit. „Seit neun Jahren wird lediglich im Wohnzimmer auf der Couch gejammt oder auf Geburtstagen gespielt.“ Jetzt hat sie mit Leitwolf Markus Fabian als altem Hasen Freude an den Auftritten gefunden.

Dirk Freitag ist musikalisch ein Spätzünder. Erst über seinen Sohn kam er vor viereinhalb Jahren in Kontakt mit Sebastian Schimmer von „Oel“, der quasi sein Mentor auf der Gitarre ist. Banjo, Bass und Waschbrett kamen in neuester Zeit hinzu. „Westernmusik mochte ich schon immer“ bekennt er. Emotionen, Romantik, ein Hauch von Abenteuer, dazu noch Liebe, Drama, Eisenbahn: „Es macht einfach Spaß, darüber zu singen“, erläutert der Erbacher. Die Auswahl der Instrumente ist für ihn faszinierend.

Info: Die Country-Night mit Western-Büffet und Musik von „Betty and the Daltons“ findet am Samstag, 13. April, ab 18 Uhr im Gasthaus „Zum Ross“ Ober-Mossau statt. Platzreservierung unter 06061-2398 oder E-Mail dirk.freitag@freitagsfeines.de. „Wandern und Wein“ heißt es am 1. Mai, 14 Uhr, im Dorfgemeinschaftshaus Steinbuch mit dem Trio. Mehr unter www.backstagepro.de/betty-und-die-daltons

„U12“ zelebrierte auf der Michelstädter Hüttenwerk-Bühne eine Hommage an die irische Rockband U2

Bono singt sich mit viel Botschaft auf der Bühne die Seele aus dem Leib, „The Edge“ ist mit seinen unverwechselbaren Gitarrenklängen zu hören, Adam Clayton zupft stoisch perfekt den Bass und Larry Mullen jr. trommelt wie ein Wilder auf seinem Schlagzeug. Das könnte ein Überraschungsgig von der irischen Rockband U2 im Michelstädter Hüttenwerk sein, wenn man nicht so genau hinschauen würde. Tatsächlich aber eifern die vier Musiker von „U12“ ihren Vorbildern in perfekter Manier nach. Outfit, Klang, Passion, Instrumente: Es stimmte.

Von der Qualität der Interpretation hatten wohl auch etliche Fans im Vorfeld Wind bekommen. Denn beim ersten Auftritt der Main-Metropolen-Epigonen im tiefen Odenwald war es im Hüttenwerk für diese Verhältnisse sehr voll. Da hatten andere, bekanntere Coverbands deutlich mehr Anlaufschwierigkeiten, bei der Premiere genug Besucher in die Location zu ziehen.

Bei anderen wiederum war die gefühlte Distanz zu den Musikern viel geringer, weil diese vom ersten Song an das Publikum in ihrem Band zogen, sich viel präsenter und mehr „zum Anfassen“ präsentierten. Das war dieses Mal nicht so. Vor der Bühne war zu Beginn noch ziemlich viel Platz. Der füllt sich mehr und mehr erst nach der Pause, als die Coverband dann mit den ganzen Hits der Iren Stimmung ohne Ende verbreitete, mitgesungen und -getanzt wurde.

Am Anfang ging’s mit Wolfgang Meisetschläger (Gesang, Gitarre), Oliver Horst (Gitarre, Gesang), Dennis Lapp (Bass) und Lothar Weise jr. (Schlagzeug, Gesang) noch etwas verhalten los. Das könnte auch daran gelegen haben, dass bis auf „Sunday Bloody Sunday“ oder „Desire“ erst einmal eher unbekanntere Stücke der Supergruppe gespielt wurden. Was beileibe nicht heißt, dass die in irgendeiner Form schlechter gewesen wären. Eben nur nicht solche Ohrwürmer wie die späteren Hits.

Die vier Vollblutmusiker von U12 nahmen das Publikum mit auf eine musikalische Zeitreise durch alle Schaffensphasen der irischen Vorbilder. Dabei klang die Band in allen Nuancen so authentisch, wie es nur die persönliche Faszination durch das Original ermöglicht. Wie Meisetschläger den Bono in Bewegung, Ausdrucksweise und Gesang gibt, ist das schon sehr nah am Meister selbst. Oliver Horsts Gitarre hat dabei den absolut typischen Edge-Sound drauf, der die Songs von U2 so unverwechselbar macht.

Die vier Musiker beweisen dabei, dass U2 längst nicht nur für die Stadion-Hymnen steht, sondern mit „Sometimes you can’t“ oder „Sweetest Thing“ dynamische, eingängige Balladen im Gepäck hat, die durch virtuoses Zusammenspiel begeistern. Wenn darauf ein Gassenhauer wie „Sunday Bloody Sunday“ folgt, schnellt der Stimmungspegel natürlich gewaltig in die Höhe. Auch sich Oliver Horst beim Intro so kräftig verhaut, dass er über den eigenen Fehler lachend nochmal von vorn anfangen muss. Er sorgt nebenher zusammen mit Lothar Weise für einen sehr prägnanten Background-Gesang bei etlichen Songs und gibt diesen viel Klangform.

„Desire“ kurz vor der Pause macht dann Lust auf das, was danach kommt. Denn im zweiten Set legen die Frankfurter so richtig los, ein Hit reiht sich an den anderen. „One“, „New Years Day“, „Where the streets have no name“, „I still haven‘t found”, „Pride“ oder „With or without you“ zusammen mit dem Original-Sound knallen in die Menge, die davon nicht genug bekommen kann und Zugaben fordert.

Die Coverband macht nebenher klar, dass die Musik von Bono & Co. nicht nur ein Privileg von kultureller und sozialer Botschaft ist, sondern mit ihren hymnenhaften Refrains auch einfach nur riesigen Spaß machen kann. Genau diese Hingabe nimmt man den vier Musikern auf der Bühne auch sofort ab, selbst wenn sie bisweilen mal etwas kühl und professionell rüberkommen.

Besondere Frauenstimmen lassen aufhorchen lassen im Michelstädter Hüttenwerk bei „Another Livetime“ aufhorchen

Welch eine Frauenpower auf der Hüttenwerk-Bühne: Die Hausband „Another Livetime“ mit Sängerin Michi Tischler hatte sich diesmal in Gestalt von Jessica Born und Esra Karahan zwei außergewöhnliche Stimmen eingeladen. Da musste sich der in Heidelberg lebende Andy Laycock (Flying Picketts) als männlicher Gast ganz schön reinhängen, um mithalten zu können. Denn Anke Rible am Saxophon machte das mächtige Frauen-Quartett perfekt. Das sorgte im Verbund mit den anderen Musikern für einen außergewöhnlichen Abend in der Location, der sicherlich lange in Erinnerung bleiben wird.

Esra Karahan aus Bad König ließ sprichwörtlich aufhorchen. Die 24-Jährige stand das erste Mal mit einer richtigen Begleitband auf der Bühne und brachte ihre Songs so selbstsicher rüber, als hätte sie noch nie etwas anderes getan. Mit voluminöser Stimme und ausdrucksvoller Bühnenperformance ließ sie ihre drei Stücke zum Erlebnis werden. Gloria Gaynors „I will survive“ im zweiten Set sorgte gewaltig für Furore. „Rollin’ in the deep” von Adele und „Umbrella“ von Rihanna waren weitere Songs, mit denen die junge Künstlerin begeisterten Applaus bekam und gefeiert wurde.

Von der jungen Studentin, die bei der Swing Fever Big Band und der Big Band East 17 singt, wird man sicherlich noch einiges hören. Michi Tischler kündigte schon an, dass für den kommenden Auftritt die Zahl der Songs von drei auf sechs erhöht wird. Sicher zur Freude der vielen Fans, die der 24-Jährigen ins voll besetzte Hüttenwerk gefolgt waren.

Über allem schwebte aber Jessica Born. Die Ausnahme-Blues- und Soulröhre aus der Nähe von Aschaffenburg schaffte es, bei ihren Songs wohlige musikalische Schauer den Rücken hinunterlaufen zu lassen. Wie sie alten Klassiker förmlich lebt, darin aufgeht, sie zelebriert, ist eine Klasse für sich. Da kommt keine(r) so schnell ran. Borns Stimme hat ein volles Timbre, das in seinen Facetten an Jonis Joplin erinnert. Wenn sie ansetzt, bräuchte sie eigentlich kein Mikro, denn so mächtig kommt ihre Power hinten an.

„You might need somebody“ von Randy Crawford oder „I’d rather go blind” von Etta James – bei dem es sogar Zwischenapplaus gibt – sind solche unvergesslichen Hits, denen sie ihrem Stempel aufdrückt. Nicht zu vergessen „The Boss“ von Diana Ross – irgendwie passt auch der Titel zur zierlichen Jessica Born, die den anderen Musik-Größen auf der Bühne ein bisschen die Show stiehlt. Das „Je ne regrette rien“ von Edith Piaf fällt da irgendwie aus der Rolle. „Think“ von Aretha Franklin zusammen mit Michi Tischler und Andy Laycock verbreitet aber wieder gute Laune pur, knallt so richtig rein.

Mit den fetzigen Saxophon-Solos von Anke Rible (Lindenfels) ist für den perfekten Background-Sound gesorgt. Gitarrist Jens Reyer zeigt ein ums andere Mal, dass er ein Meister auf den sechs Saiten ist. Bandgründer Thomas Klein am Schlagzeug und Keyboarder Axel „Aji“ Imhof (beide aus Michelstadt) machen mit Bassist Christoph Victor Kaiser (Heppenheim) die Rhythmus-Sektion komplett, die bei jedem Lied für den perfekten Sound sorgt.

Andy Laycock entwickelt sich im Laufe des Konzerts zunehmend zur Rampensau. Von Anfang an gibt der Brite den perfekten Animateur. Als der „Londonman in Heidelberg“ merkt, wie ihm das Publikum aus der Hand frisst, geht er so richtig ab. „Mama told me not to come“ von Tom Jones ist so ein Stück, das ihn in Höchstform sieht.

Mit „Angels“ von Robbie Williams hat Laycock gleich den geborenen Entertainer als Vorbild. Aber auch das „Hold Back The River” von James Bay oder „Message in a bottle” von Police (oder eben besagter Englishman von Sting) zeigen ihn mit viel Bühnenpräsenz. Der Fürther Jens Reyer haut zu den Songs immer wieder ein klasse Solo raus.

Dritte Sängerin im Bunde ist Michi Tischler. Die ist auch Dreh- und Angelpunkt von „Another Livetime“. Wie sie mit „What a feeling” von Irene Cara die Disco-Queen gibt, ist das herrlich anzuschauen. Mit ihrer Stimme drückt sie aber auch „Together Again“ von Janet Jackson oder „What about us” von Pink ihre Visitenkarte in die Hand.

Info: Beim nächsten Gig am Samstag, 23. Dezember, sind Ina Morgan und Olli Roth ab 21.30 Uhr Gäste von „Another Livetime“ im Michelstädter Hüttenwerk.

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Posted by Thomas Wilken on Sunday, November 19, 2017

Wenn AC/DC einen auf Country machen würde: „E3“ bringt musikalische Perlen auf die Bühne des Hüttenwerks Michelstadt

Da sind sechs absolute Profis am Werk. Was das Sextett an musikalischem Können akustisch auf die Bühne des Hüttenwerks zaubert, ist allererste Sahne. Als ein „Mix aus American Folk, Elementen aus Blues, Westcoast und Irish Folk“ kündigen sie ihren Stil an. Doch dahinter verbirgt sich viel mehr. „Wish you were here“ von Pink Floyd oder „Thunderstruck“ von AC/DC perfekt auf Country gemacht: Das war einfach nur klasse und hätte viel mehr Zuschauer verdient gehabt. Das „Manko“: Die sechs verstecken sich wahlweise hinter dem Kürzel „E3“ oder dem sperrigen, ausgeschriebenen Namen „The Essence Of Emotional Energy“.

Wenn man genauer auf die Musiker schaut, wird klar, warum die Songs so perfekt rüberkommen, auf den Punkt gespielt werden, dass jeder Ton sitzt. Denn jeder Instrumentalist ist ein Meister seines Fachs – und hat auch noch die passende Stimme zum Song. Zusammen mit einer unbändigen Spielfreude, die auch vor kleinem Publikum nicht halt macht, zaubert „E3“ einen mal melancholisch-ruhigen, mal fetzig-rauschenden Klangteppich in den Saal, bei dem der Mund offen stehen bleibt.

Etliche Songs hat man früher schon gehört. Weil schon die Originale Ohrwürmer und Hitparadenstürmer waren. Aber die Coverversionen können locker mithalten. Was die Truppe aus dem Rhein-Main-Raum daraus macht, ist aller Ehren wert. Gewürzt mit filigranen Soli auf den jeweiligen Instrumenten, sorgen die Cracks mal für ein Soundgewitter wie bei „Let it go“, mal für besinnliche, leise Töne wie bei der ersten Zugabe „Love the one you’re with“.

Das Fingerschnippen beim „59th Street Bridge Song“ überträgt sich sofort auf die Gäste. Schnell wird mitgeklatscht. Wie überhaupt die Stimmung mitreißt. Die Zuschauer merken, dass vor ihnen sechs Musiker zum Anfassen auf der Bühne stehen, die (auch übereinander) ihre kleinen Scherzchen machen, sich nicht so ernst nehmen, aber andererseits die Musik sehr ernst.

Wenn Peter Reimer auf Gitarre oder Mandoline anfängt zu zaubern, gibt es kein Halten. Beim deutschen Rock- und Pop-Preis 2014 räumte er gleich dreimal ab, unter anderem in der Kategorie „Bester Instrumentalsolist“. Beim Zuschauen, wie die Finger über die Saiten flitzen, lässt sich diese Entscheidung gut nachvollziehen. „Chasing Echo“ heißt sein Solo, für das es begeisterten Applaus gibt. Mark Patrick (Gesang/Gitarre) ist noch aus seinen Zeiten bei „Paddy goes to Holyhead“ bekannt. Er gibt mit perfektem Outfit den Cowboy des Sextetts.

Gunnar Jürgens auf der Geige und Multiinstrumentalist Ralf Olbrich auf Gitarre, Mandoline, Saxofon oder Harmonika spielten sich immer wieder virtuos die Bälle zu. Erhard Koch am Bass und Thomas Wimmer am Schlagzeug komplettieren die Truppe, bei der jeder außer dem Drummer auch gesanglich ran darf. Ein weiterer Pluspunkt der sechs, dass sie damit die Möglichkeit haben, die Songs vielstimmig zu performen.

„Dust in the Wind“ von Kansas oder „Long Train Running“ von den Doobie Brothers sind in ihrer Interpretation fast noch „normal“ – in E3-Maßstäben betrachtet. Denn wer kommt schon auf die Idee, den Refrain bei den Doobies mit „Krautsalat Spaghetti“ zu übersetzen – und das Publikum gleich darin einstimmen zu lassen.

Glanzpunkt sind aber die beiden letzten Songs vor dem „offiziellen“ Ende. Die fünf Frontmänner mit ihrem Taktgeber im Hintergrund spielen sich die Bälle virtuos zu. Wie Pink Floyd auf Country klingt, ist eine Wucht und würde sicher David Gilmour begeistern. Wie überhaupt die Band ihren Covers eine ganz eigene Note aufdrückt, die das Original noch erkennen lässt, aber in ihrer Abänderung daraus schon ein neuer Song wird.

Dass nach dem „Thunderstruck“, in dem Peter Reimer versucht, das Publikum zum „Thunder“-Grölen zu animieren, heftige Zugabe-Rufe kommen, ist völlig verständlich. Auf Mandoline, Gitarre, Harmonika, Geige, Bass und mit ein paar Löffeln kreieren die sechs eine Version, die einfach nur fetzt, gewaltig abgeht und Gaudi pur ist – auf höchstem musikalischem Niveau.

Mehr Bilder hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1669109753133167.1073742028.100001024761983&type=1&l=57b9ab02d0