Ein Rock’n’Roll-Gewitter aus der guten alten Zeit: Die Kiss Tribute Band spielt bei ihrer neuen Show im Hüttenwerk Michelstadt die größten Hits

Zum Schluss hin kommen sie dann alle, die ganzen Klassiker, die „Kiss“ weltberühmt gemacht haben. Einen Hit nach dem anderen spielt die „Kiss Tribute Band“ im Hüttenwerk perfekt wie das Original, versetzt die Fans in Entzücken, die für die Coverband aus dem Südhessischen weite Wege auf sich nehmen. 40 Jahre zurück in die Zeit führt die „Spirit of ´76 Tour“ mit neue Show und neuem Set, die natürlich aber nicht nur Material aus den Anfangsjahren beinhaltet.

„You wanted the best, you got the best. The hottest band in the world. Kiss” schallte es beim Intro aus den Lautsprechern. Was nicht übertrieben war. Denn was die vier Musiker auf der Bühne zauberten, wie sie die „Kiss“-Show abzogen, wie sie sich optisch und musikalisch dem Original perfekt näherten, war schon eine Klasse für sich. Allein das Outfit war eine Wucht. Und bestimmt sehr heiß unter den vielen Scheinwerfern, die zwischenzeitliche Feuershow mal ganz außen vor gelassen.

Silberne, hohe Plateauschuhe, eine Art futuristischer Mars-Anzug, und natürlich die perfekt sitzende Schminke: Fertig ist „Kiss“. Dazu noch die Bühnenanimation wie bei den Originalen und keiner merkt, dass hier die Epigonen auf der Bühne stehen, die es aber ebenso gut drauf haben. Ulric Wurschy (Rhythmus Gitarre/Lead Gesang) imitiert Frontmann Paul Stanley schlichtweg perfekt. Er hält die Menge jederzeit bei Laune, hat die richtigen Sprüche drauf.

An der Länge seiner Zunge muss Ulli Rauch (Bass/Gesang) noch arbeiten. Sein Gene Simmons ist aber ansonsten mit Fledermauskostüm und Körperumfang dem omnipräsenten Kiss-Bassisten angelehnt. Bobby Stöcker (Lead Gitarre/Gesang) steht dem Meister Ace Frehley auf den sechs Saiten in nichts nach. Immer wieder haut er die bekannten Gitarrenriffs raus, dass es eine wahre Wonne ist. Es bleibt sein Geheimnis, wie sich die Pedale mit seinen Plateauschuhen bedienen lassen.

Der Mann im Hintergrund sorgt nicht nur für den perfekten Rhythmus, sondern darf auch zwei Mal stimmlich ran: Max Friedrich (Drums/Gesang) hat seinen Peter Criss bis ins Letzte verinnerlicht. Das Schlagzeugspiel sorgt für den ordnenden Rahmen der überbordenden Songs von Musik-Exzentrikern. Die wohl bekannteste Ballade, „Beth“, singt Friedrich mit Hintergrund-Klängen aus der Konserve einfach nur Gänsehaut erzeugend schön.

Es muss blinken, glitzern, leuchten, krachen, dann ist es „Kiss“. Die Bühnenshow ist für eine Coverband von allererster Sahne. Das Lichterketten-Schlagzeug erstrahlt herrlich kitschig in allen Farben, zwischendurch gehen auf den Seiten die Feuer hoch, dass die Wärme noch hinten im Saal zu spüren ist, und schießt Stöcker einen Lichterregen aus seiner Gitarre: eben alles wie die Originale.

Und natürlich ist die Musik nicht vergessen: Irgendwo hat man die meisten Songs schon einmal gehört, wenn sie auch nicht alle im Gedächtnis haften geblieben sind. Trockeneis wabert in Massen durch die Luft, als die Band „Lick it up“ anstimmt. Der treibende Rhythmus und der mehrstimmige Gesang machen „Love gun“ zum Kracher. Dass die Band auch ganz anders kann, zeigt sie beim „New York groove“, fast nur aus einem Gitarrenriff und einem Schlagzeug-Rhythmus bestehend.

Etwas sperriger sind die Songs mit Gene Simmons, pardon Ulli Rauch, am Mikro. „I love it loud“ ist ein solches, bei dem deutlich weniger im Publikum los ist als bei den folgenden Gassenhauern. „Shout it out loud“ stimmt schon ein auf das, was die Band von den Gästen danach erwartet: dass sie Kiss-Hymne „God gave Rock’n’Roll to you“ lauthals mitsingen. Auch wenn die musikalisch etwas unrund rüberkommt.

Das machen die folgenden Stücke aber mehr als wett. Der Schluss inklusive Zugabe ist quasi ein „Best of Kiss“. Erst „Black Diamond“, und dann nach „Beth“ das wummernde „Detroit Rock City“. Toppen lässt sich solch ein Song nur noch mit dem, worauf alle schon warten: „I was made for lovin‘ you“. Einer geht danach doch noch: „Rock and Roll all nite“ trifft genau den Nerv und beschreibt das Lebensgefühl der Musiker, die sich auf der Bühne verausgaben und ihre Helden leben. Mehr Bilder hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1473231296054348.1073742012.100001024761983&type=1&l=32a67bbc2e

Info: Die Kiss-Tribute-Band spielt das nächste Mal am Samstag, 13. Mai, 20.30 Uhr, in Gensingen in der Nahetal-Arena. http://www.kiss-tribute-band.com

Die Tributeband „Bounce“ lässt beim Konzert im Michelstadter Hüttenwerk Bon Jovi manchmal alt aussehen

Am Ende werden sie frenetisch gefeiert wie die Originale. Weit über 200 Fans im dicht gedrängten Hüttenwerk wollen ihre Helden nicht mehr ziehen lassen, erklatschen sich weit nach Mitternacht noch Zugabe um Zugabe. Kein Wunder: Was die Bon-Jovi-Tributeband „Bounce“ bei ihrem Gastspiel ablieferte, war so nah am Original, dass da kein noch so dünnes Blatt mehr dazwischen passte.

Allen voran Sänger Oliver Henrich, der sich ab und zu auch die zweite Gitarre schnappt. Er singt, ohne jetzt Jon Bon Jovi zu nahe treten zu wollen, fast noch besser als das große Vorbild, beherrscht charismatisch die Bühne, animiert die nur zu gerne zu begeisternden Gäste und verausgabt sich so total, dass er zum Schluss schweißgebadet, mit klatschnassen Haaren die Welthits einen nach dem anderen exzessiv performt.

Und wie: Quer durch alle Oktaven, mit den typischen Bewegungen des Bandfrontmanns, in allen Höhe und Nuancen, mit Reibeisen- und sanfter Stimme beherrscht er die Songs von den „kleinen Anfängen“ der US-amerikanischen Rockband bis hin zu den stadionfüllenden Welthits, die der Gruppe einen Kultstatus verliehen. Live kommen selbst die Balladen energiegeladen, kraftvoll, mit viel Power rüber. Nichts ist von den weichgespülten Rockern bemerkbar, als die sich die Originale manchmal geben.

Henrich gibt inmitten des vollen, satten Sounds und der perfekt durchgestylten Lichtshow den Showman par excellence. Mit aufgeknöpftem Hemd, Halskette und dem deutlich sichtbaren Bizeps sorgt er dafür, dass vorn an der Bühne etliche Bewunderinnen stehen. Die aber bekommen neben der Optik auch einen zu hören, der es stimmlich absolut drauf hat. Augen zu und man befindet sich in der riesigen Arena.

Ein absoluter Knaller ist „Runaway“, das inzwischen auch schon mehr als 30 Jahre auf dem Buckel hat. Kaum hat Keyboarder Johannes E. Brunn die ersten charakteristischen Töne angestimmt, geht ein Jubel durch die Menge, gibt es kein Halten mehr. Wie überhaupt die Hits der US-Boys lautstark mitgesungen, mitgeklatscht werden. Henrich muss kaum animieren, die Zuschauer sind schon von ganz allein dabei.

„Raise your hands“ als eine der Zugaben ist da nur zu passend, damit alle Hände im Zuschauerraum in die Höhe gehen. Oder „Keep the Faith“, ein weiterer Kracher aus früheren Zeiten, der ebenfalls von der überschäumenden Stimmung getragen wird. Auch die Balladen haben es in sich. „Always“ oder „Bed of Roses“ sind genau das Richtige für die verliebten Pärchen, sich tief in die Augen zu schauen, während auf der Bühne der Song originalgetreu zelebriert wird.

Als Kontrast gibt’s dann ein förmlich rausgerotztes, dreckiges „If I was your mother“ hören, gefolgt von dem Bluesrockstampfer „Blame it on the love“ mit eingängigem Mitgeh-Rhythmus. „In these Arms“ ist ein ebensolcher Knaller, bei dem es kaum ein Halten gibt. Die Zuschauer merken, dass die Band ihre Songs lebt, alles gibt, sich nach der Pause förmlich in Rage spielt, wie aus jeder Pore die Musik hervorquillt. Wobei ganz klar die bekannteren Stücke in der Gunst vorn liegen. Unbekannteres wie „Dry county“ oder „Dirty little secret“ werden nicht minder perfekt dargeboten, fallen aber gegenüber den Hits ein bisschen hinten runter.

„Bad Medicine“, „You give love a bad name“ oder „Born to be my baby“ wiederum sind Songs, bei denen sich die Band so richtig austoben kann. Gitarrist Jens Rösel spielt ein ums andere Mal Richie Sambora den Rang ab, während Tommylare am Bass und Olav Quick am Schlagzeug die homogene Rhythm-Section bilden. Da merkt man, dass die Grundzüge der Tributeband aus dem Ruhrpott schon 15 Jahre zurückreichen.

Über zehn Jahre sind die sympathischen Fünf auch schon im Hüttenwerk zu Gast. Zu Beginn „waren es 15 Zuschauer, die beim ersten Mal auch noch Schnee schippen mussten, damit der Transporter durchkam“, erinnert sich Achim Tischler schmunzelnd. Von Jahr zu Jahr wurde die Fangemeinde größer. Inzwischen reisen die Gäste der Band schon aus weit entfernten Regionen hinterher.

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AC/ID ist beim Auftritt im Michelstadter Hüttenwerk pures TNT für die AC/DC-Fans

Wer ist schon Axl Rose, wenn es AC/ID mit „Keule“ gibt? Die AC/DC-Coverband rockt im Hüttenwerk den Saal. Mit geschlossenen Augen steht da die australische Hardrockband in vollem Saft auf der Bühne, brettert Angus Young die Gitarren-Riffs in die Menge, dass es eine wahre Pracht ist. Neben ihm röhrt Brian Johnson oder bei einigen Songs wahlweise der schon verstorbene Bon Scott die alten Hits ins Mikro, dass sich die Fußnägel dabei hochrollen.

Im Gepäck hat die Coverband vor allem die ganz alten Kracher Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre, als AC/DC einen Hit nach dem anderen produzierte, zeitlose Hits schuf, die auch heute im Radio noch hoch und runter laufen. Und nach wie vor auf den Bühnen der Welt angesagt sind, wie die ausverkauften Konzerte mit besagtem Axl Rose im vergangenen Jahr zeigten. Ausverkauft war das Hüttenwerk zwar nicht, aber sehr gut gefüllt.

Denn die Hardrock-Klassiker haben eben ihre große Fangemeinde, die mit den alten Recken von damals mitgealtert ist. Wie auch die fünf alten Jungs auf der Bühne, denen man aber musikalisch in keinster Weise anmerkt, dass an Lebensjahren gar kein so großer Unterschied zu den Vorbildern ist. Je doller, desto doller, könnte man aber in Bezug auf die Spielfreude sagen. Kein Weg ist auf der Bühne für Ralf „Angus“ Keßler zu weit, Sänger Christian „Keule“ Hass schreit sich die Seele aus dem Leib, die Rhythmusgruppe mit Ekki Bock (Gitarre), Stefan Schiemer (Bass) und Jens Gellner (Drums) sorgt für den krachenden, treibenden, knalligen Backgrund-Sound.

„Live Wire“, „Dirty Deeds“ oder „Walk all over you“ sind solche Kracher, die schon zu Beginn des Konzerts dafür sorgen, dass die Besucher voll mitgehen. Und das ist nicht selbstverständlich, denn etliche von ihnen haben augenscheinlich die Band schon Jahrzehnte begleitet. Wie die Musiker wuchsen sie in der Zeit mehr in die Breite als in die Höhe, die Haare wurden lichter, die Bewegungen etwas eckiger. Wenn aber ein „Touch too much“ aus den Boxen dröhnt, mit „Back in Black“ der gleichnamige Albumtitel von 1980 angestimmt wird, gibt es keine Halten mehr.

Die fünf Musiker leben ihre Songs, spielen sie voll aus, geben alles. Da sitzen die fetzigen Riffs bis auf den Punkt, dass es die Originale auch nicht besser hätten machen können. Der eine röhrt die alten Stücke, dass es eine wahre Pracht ist, der andere rennt wie ein Irrwisch von einer Seite der Bühne zur anderen, hat die Bewegungen des Gitarren-Gotts bis ins kleinste Detail drauf, treibt mit seinem Groove alles voran, spielt sich die Finger wund.

Nach der Pause setzt die Band noch einen drauf. Voller Sound mit zwei Gitarren, eine Reibeisenstimme, die das Original vergessen lässt, wummernde Drums, dazu noch das Glockengeläut aus der Hölle zu Beginn: „Hells Bells“ versetzt die Meute in Ekstase. Beim „Bad Boy Boogie“ kann Gitarrist Ralf Keßler mal wieder zeigen, was er drauf hat. Sowohl auf der Gitarre als auch auf den Hüften. Denn zuvor ganz wie Angus mit Anzug, Krawatte, Hemd und kurzem Hosen gekleidet, lässt er das komplette Oberteil unter lautem Johlen fallen und macht danach einen auf sechs Saiten „oben ohne“.

Die letzten sechs Stücke sind so bekannt, dass Sänger „Keule“ nur lakonisch meint: „Die muss ich nicht ansagen, wer die noch nicht gehört hat, muss gehen.“ „The Jack“, „Thunderstruck“ oder „You shook me all night long“ werden auch lauthals mitgesungen. Bei „TNT“ darf das obligatorische „Hoi, hoi, hoi“ nicht fehlen, und über den „Highway to hell“ mit den Teufelshörner bei Ralf-Angus muss man sowieso keine Worte mehr verlieren.

Dass nach „Whole lotta Rosie“, bei dem sich die Band nochmal in einen wahren Rausch mit fetzigen, krachenden Gitarrensoli spielt, nicht wirklich Schluss sein würde, war eigentlich jedem klar. „Stiff upper lip“ aus dem Jahr 2000 ist ja fast so etwas wie ein neuer Song im Repertoire. Denn danach ging es 40 Jahre zurück in der Zeit. „High Voltage“ und „Let there be“ Rock warfen einen Blick in die Anfangszeit der Rocker, als noch Bon Scott am Mikro stand und den Songs seinen ganz eigenen Stempel aufdrückte. Aber irgendwann muss halt einmal Schluss sein – auch wenn das dann erst nach Mitternacht war.

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„Purple Rising“ lässt im Michelstadter Hüttenwerk die Legende Deep Purple perfekt auferstehen

Die Illusion ist schlichtweg perfekt. Satt wummert der Bass von Roger Glover aus den Marshall-Boxen, majestätisch thront die Hammond-Orgel von Jon Lord über den Songs, filigran reiht sich Ritchie Blackmores Gitarrenspiel ein, in schnellem Rhythmus halten die Drums von Ian Paice den Takt, während sich Ian Gillan die Seele aus dem Leib singt und schreit. Mit einem Unterschied: Es standen nicht die Deep Purple von 1972 auf der Bühne des Hüttenwerks, sondern mit „Purple Rising“ eine Coverband, die den alten Herren von heute zeigt, wie die Hits von damals auf der Bühne immer noch frisch und fetzig rüberkommen können – einfach perfekt.

Enthusiastisch, exzessiv, ausufernd, nicht enden wollend, auf den Punkt genau werden die alten Kracher von der fünfköpfigen Band förmlich zelebriert, die Spielfreude kommt in jedem Ton rüber. Die Musiker verausgaben sich total auf der Bühne, geben alles, machen klar, dass sie beim Konzert fünf Heroen des Hardrocks mit jeder Faser huldigen, die so nie mehr zusammen auftreten werden. Die Reminiszenz ist quasi total.

Es stimmt alles, von den Handbewegungen, dem affektierten Gehabe über die Kleidung und den Haaren bis hin zu den diversen Instrumenten. Andreas „Doc“ Kraus imitiert den Meister an den sechs Saiten, Ritchie Blackmore, beinahe schon so perfekt, dass es unheimlich ist. Das Mittelalter-Hemd des Historien-Fans mitsamt den herabhängenden Fransen, zusammen mit der vom Meister himself signierten Stratocaster-Gitarre, ergibt mit den stimmigen Bewegungen und dem virtuosen Spiel ein Gesamtbild, wie es besser nicht sein könnte.

Richtig (unheimlich) authentisch wird es, wenn sich der „Doc“ mit Andreas König an Hammond-Orgel und Keyboards immer wieder die legendären musikalischen Duelle liefert. „Speed King“, „Space Truckin‘“ oder „Black Night“ sind solche Klassiker, die inklusive der eingestreuten Soli überhaupt nicht mehr enden wollen. Eben „Old School“ pur, so wie damals auch die Deep-Purple-Konzerte Anfang und Mitte der 70er Jahre waren.

Wie König den nicht mehr unter uns weilenden Jon Lord gibt, ist ebenfalls ein Hingucker für sich. Seine Hammond-Orgel hat schon 62 Jahre auf dem Buckel und ist bei jedem Aufbau „eine Riesen-Plackerei“, wie Sänger Alexx Stahl scherzt. Aber der Sound! Der ist unvergleichlich und legt quasi sofort den Schalter um – das legendäre Live-Album „Made in Japan“ lässt grüßen. Dazu noch die Leslie-Verstärker, nur wenig jünger als das Instrument. Auch Jon Lords Fingerzeige hat sein Epigone bis ins kleinste Detail drauf.

Dominik Stotzem am Bass hat eher was vom zappeligen und nie still stehenden Ausnahmekünstler Glenn Hughes als vom ruhigeren Roger Glover. Er ist eindeutig der Partymacher in der Band, animiert das Publikum ein ums andere Mal erfolgreich zum Mitmachen und Mitsingen, ist wie ein Irrwisch auf der Bühne unterwegs und hat einfach den puren Groove im Blut. Schlagzeuger Stefan Deissler als Mann im Hintergrund tritt zwar weniger in Erscheinung, aber dann so richtig. Sein Drum-Solo muss sich hinter dem Original Ian Paice nicht verstecken, er heimst damit begeisterten Applaus ein.

Und schließlich Sänger Alexx Stahl. Der darf sich gleich an vier Vorgängern abarbeiten und macht seine Sache schlichtweg perfekt. Rod Evans stand bei „Hush“ am Mikro, mit dem Deep Purple 1968 die ersten großen Erfolge feierte. Und dann natürlich Ian Gillan vom klassischen Mark II-Line-up, den Stahl mit seinen Tönen in den höchsten Höhen beinahe schon alt aussehen lässt. „Child in Time“ etwa oder „Smoke on the Water“ klingen mit geschlossenen Augen wie vor 45 Jahren.

Doch auch David Coverdales „Mistreated“, bei sich dieser all seine Pein aus dem Leib schreit, oder die Klassiker der Mark III-Besetzung in Form von „Burn“ und „Stormbringer“ hat Stahl einfach drauf. Außerdem, und das ist das i-Tüpfelchen eines sowieso schon außergewöhnlichen Konzerts, die beiden Rainbow-Stücke, das epische majestätische „Stargazer“ und das nicht minder monumentale „Temple oft he King“, bei denen der vor einigen Jahren verstorbene Ronnie James Dio am Mikro stand. Der Jubel der Besucher kennt keine Grenzen, die Band wird enthusiastisch gefeiert.

Kleiner Wermuttropfen zum Schluss: Alexx Stahl hört nach fünfeinhalb Jahren „Purple Rising“ auf, weil er als Frontmann bei „Bonfire“ eingestiegen ist. Das letzte Konzert mit ihm will die Band denn auch nicht enden lassen. Dem Klassiker „Smoke on the Water“ folgt als Zugabe noch ein exzessives „Black Night“ mit eingestreutem „Jesus Christ Superstar“ und „Doctor, Doctor“ von UFO. Und als dann eigentlich das Saallicht schon an ist, bringt die Gruppe als allerletzte Zugabe noch ein selten gehörtes Stück, das nur als B-Seite einer Single erschienen, aber eine der schönsten Balladen überhaupt ist: „When a blind man cries“. Was für ein Abschied!

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„Die Kirche steht nach wie vor mitten im Leben“: Visitation der evangelischen Kirchengemeinde Hirschhorn durch Besuchsgruppe aus Michelstadt

Die Besuchergruppe aus Michelstadt war angetan von dem, was in Hirschhorns evangelischer Kirchengemeinde passiert, wie groß das Interesse aus der Bevölkerung an Kirchenbelangen ist. Die vierköpfige Gästeschar war im Rahmen der Visitationen des evangelischen Dekanats Odenwald, zu dem kirchlich auch das im Kreis Bergstraße gelegene Hirschhorn zählt, zwei Tage am Neckar. Dabei sollten Möglichkeiten und Grenzen kirchlicher Arbeit erkundet werden.

Genau diese Thematik wurde in einem Gedankenaustausch betrachtet, an dem neben zahlreichen Mitgliedern des Hirschhorner Kirchenvorstands auch Personen des öffentlichen Lebens teilnehmen. Darunter der aktuelle Bürgermeister Oliver Berthold, die frühere SPD-Bürgermeisterin Ute Stenger, Apotheker Arnt Heilmann, Vertreter der katholischen Kirche sowie Stadträte und Stadtverordnete der Fraktionen von SPD und Profil.

Die Besuchsgruppe aus dem Odenwaldkreis wurde von Pfarrer Jost Mager angeführt, der seit 1994 in Michelstadt wirkt. Als alteingesessener Odenwälder „kenne ich Hirschhorn seit frühester Jugend“, sagte er – auch wenn er die Visitation vor Ort als solche hinterfragte. Gunter Miksch war als Gemeindeglied dabei, um einen Blick „von außen“ auf das kirchliche Leben zu werfen. Dr. Michael Trumpfheller ist seit 2009 im Kirchenvorstand aktiv, Volker Backöfer ist Kirchenvorsteher seit 1997 und zuständig fürs operative Geschäft.

Hirschhorns evangelischer Pfarrer Jörg Awischus sprach in seinen einleitenden Worten von der Kirche als einem „Ort der Bedeutung“, die man aber durch den eigenen „Tunnelblick“ vielleicht gar nicht richtig einschätzen könne. Denn die Relevanz von Kirche lasse spürbar nach, ihre Bedeutung sei nicht mehr so klar definierbar, „nicht mehr so selbstverständlich“, so der Geistliche. Allerdings ist für ihn ganz klar: „Wir brauchen die Kirche als Institution nach wie vor.“

Sowohl der Hirschhorner als auch der Michelstadter Pfarrer waren sich in der Einschätzung einig, dass die Verbindung von Tradition und Moderne schwierig ist. „Wir suchen die Quadratur des Kreises“, so Awischus. Mager sah die große Diskrepanz zwischen dem Anspruch einer Volkskirche und den zielgruppenorientierten Gottesdiensten, „die attraktiver sein müssen“. Auch solle man in der Kinder- und Jugendarbeit Zeichen setzen.

„Wir müssen uns gesellschaftspolitisch auf jeden Fall äußern“, ging Mager auf die Diskussion. „Als Christen dürfen wir nicht wegschauen, wenn auf der Welt Ungerechtigkeiten passieren“, meinte er. „Ich bin nicht Jesus“, sagte der Pfarrer mit Augenzwinkern. Er schaffe es nicht, die Gleichnisse aus der Bibel auf die heutige Zeit zu übertragen. Es gelte im allgemeinen Schrumpfungsprozess der Kirchen eine Antwort zu finden, die Entwicklung vielleicht auch als Chance zu betrachten. Denn: „Das Konzept der christlichen Werte wird ja positiv gesehen“, betonte er. „Jesus hat auch mit ganz wenigen Leuten angefangen.“

Ute Stenger sprach von den positiven Wirkungen, die Kirchenarbeit haben könne, wenn die an das Gotteshaus gerichteten Themen aufgenommen würden. Für Gert Heiß reicht das Vorhandene nicht aus, „um Kirche am Leben zu erhalten“. Das Angebot müsse möglicherweise besser werden. Reinhard Mauve kritisierte, „die Welt brennt, aber die Kirche merkt es nicht“. In den Gottesdiensten geht es ihm zu realitätsfern zu.

Was Mauve den Widerspruch von anderen Teilnehmern einbrachte, dass sie genau deshalb in den Gottesdienst kämen, weil dort Ruhe vor dem bunten und hektischen Treiben draußen herrsche, eine Wohlfühl- und Besinnungsatmosphäre. Profil-Vertreterin Andrea Weber wiederum betonte, dass die Gottesdienst-Erfahrungen subjektiv seien. „Ich nehme immer etwas mit“, sagte sie.

Bürgermeister Berthold sah in der Aufgabe der Kirche etwas „für die Seele“ zu tun, was Halt und Stärke geben solle. Sie habe in der Vergangenheit dazu beigetragen, „dass die westliche Welt eine bessere geworden ist“. Die christlichen Grundwerte seien allgemeingültig. „Ist es da so schlimm“, fragte Berthold, „wenn weniger Menschen in den Gottesdienst kommen?“

Mit seiner Vorvorgängerin Ute Stenger war er sich einig, dass die Rituale nicht mehr zeitgemäß seien. „Mehr Freude und Feiern“ wünschten sich beide mit Blick auf die Gottesdienst-Gestaltung. Apotheker Heilmann forderte, die Kirche solle sich „gesellschaftlich äußern, aber nicht einmischen“. Stadtrat Jan-Paul Adler sah sie als Gegengewicht zu den negativen Nachrichten, mit denen man sonst berieselt werde.

„Die Kirche stapelt tief“: Karl Schölch als stellvertretender Vorsitzender der katholischen Pfarrgruppe Neckartal forderte dazu auf, „Gutes zu tun und darüber auch zu reden“. Die Kirche sei das „Kompetenzzentrum für soziale Belange“, trage dies aber zu wenig nach außen. Awischus ergänzte, der Kirchenvorstand arbeite an einer Profilierung in gewissen Punkten, weil man einfach nicht mehr alle Erwartungen abdecken könne.

Trumpfheller bezeichnet es als „spannend zu sehen“, wie viele zu der Gesprächsrunde gekommen waren. Dies belege das nach wie vor vorhandene Interesse an der kirchlichen Arbeit. Und zeige ihm, dass die Kirche „nach wie vor mitten im Leben steht“. In Michelstadt bewegten ganz ähnliche Fragen, meinte er.

Backöfer würdigte, dass eine kleine Stadt wie Hirschhorn „so viel engagierte Leute hat“. Die Resonanz sei „eine Perle für sich“, spielte er auf den Beinamen der Stadt als „Perle des Neckartals“ an. Ob in Michelstadt so viele Menschen an einem Samstagmittag zum Gedankenaustausch zusammengekommen wären, „weiß ich nicht“.

Singer und Songwriter Bobby Stöcker ist mit seinem Solo-Programm zu Gast im Hüttenwerk Michelstadt

Jeden Freitag um 19 Uhr öffnet das Hüttenwerk-Bistro in Michelstadt bei coolen Drinks, kleinen Snacks und freiem Eintritt. Die Musik beginnt gegen 20 Uhr. Es treten regionale und überregionale Bands sowie Solokünstler auf – mit eigener Musik und mit Covers. Am Freitag, 27. Januar, ist Singer und Songwriter Bobby Stöcker erstmals mit seinem Solo-Programm zu Gast. Er trat gerade am vergangenen Wochenende mit „Coversnake“, der Whitesnake-Coverband. im Hüttenwerk auf. Stöckers große Leidenschaft ist bzw. war schon immer die Musik. Im Alter von fünf Jahren nahm er die ersten Klavierstunden und mit zwölf Jahren wechselte er zur Gitarre. Mit 16 Jahren gründete er seine erste Band und schrieb bereits seine ersten Songs. Seitdem ist er ununterbrochen im Musikbusiness tätig, stand bereits mit Größen wie Bobby Kimball (Sänger von Toto) auf der Bühne, spielte Leadgitarre beim Musical Tommy von THE WHO und schrieb Songs für Künstler wie Melanie Thornton (La Bouche). Im Hüttenwerk tritt er nicht wie sonst mit großer Band auf, sondern reduziert diesmal alles auf ein Minimum, seine Akustik-Gitarre und seine Stimme. Dabei präsentiert er größtenteils Songs, die er sonst nicht mit seinen Bands spielt, die ihn aber persönlich berühren und durch die Jahre musikalisch geprägt haben. Diese erklingen teils völlig umarrangiert, in neuem Sound-Gewand, unplugged und mit einem gehörigen Schuss Lagerfeuer-Atmosphäre.

Auferstehung einer Rocklegende: „Coversnake“ bringen perfekt die Songs von David Coverdale und „Whitesnake“ rüber

Das war der absolute Knaller: Wer vor der Zugabe noch gemeint hatte, besser geht nicht mehr, den belehrten zwei weitere Songs von „Coversnake“ mehr als eines Besseren. Die Whitesnake-Epigonen, die der Soloband des ehemaligen Deep-Purple-Shouters huldigten, hatten bereits zuvor eineinhalb Stunden lang dessen Wirken im Hüttenwerk perfekt inszeniert und die größten Perlen aus dem 40-jährigen Bestehen zelebriert. Da saßen die Töne, gab es krachende Soli, eindrucksvolle Rocker-Posen, 70er-Jahre-Look und klassische 80er-Jahre-Hardrock-Frisuren zu sehen.

Und dann die Zugabe: Schon als die ersten Töne von „Mistreated“ erklingen, kennt die Begeisterung keine Grenzen mehr. Sänger David Readman gibt alles, geht an seine höchsten Ton-Grenzen, kann das ganze Volumen seiner klangvollen Stimme ausschöpfen. Es ist, wie wenn die Zeit vor 43 Jahren stehengeblieben wäre, als das legendäre Deep-Purple-Album „Burn“ mit der Mark III-Besetzung herauskam, auf dem auch dieser Song mit Coverdale am Mikro zu finden ist.

Mit geschlossenen Augen bearbeitet statt Bobby Stöcker Ritchie Blackmore filigran die Gitarre, arbeitet sich statt Jürgen Lucas Ian Paice am Schlagzeug ab und zupft statt Jochen Schnur Roger Glover den Bass. Der Song wird exzessiv in allen Facetten vor den begeisterten Fans ausgebreitet. Die gehen voll mit, tanzen ab, die Generation 50+, die mit Whitesnake gealtert ist, entdeckt beim Tanzen plötzlich die Fitness vergangener Jahre wieder. Nur ein paar mehr hätten ins Hüttenwerk zu dieser perfekten Hommage an eine Rocklegende gepasst.

Einer geht noch – zum Glück. Wie würden es „Coversnake“ wohl schaffen, nach diesem Klassiker noch einen draufsetzen. Ganz einfach: mit einem der bekanntesten Hardrock-Stücke überhaupt. „Burn“ rockt die Halle, dass es jetzt auch bei den allerletzten in den Gliedern zuckt. Virtuose Gitarrenriffs, dazu noch in Erinnerung an den schon verstorbenen Jon Lord ein Hammond-Orgel-Solo par excellence von Axel Balke – die Illusion war so perfekt, dass es schon unheimlich war.

Getreu dem Motto, man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, war danach wirklich Schluss. „Coversnake“ hatte mit „alter“ Musik gezeigt, wie man die Leute hinterm Ofen hervorlockt, mit handgemachten Songs begeistert und mit exzessiver Spielfreude den Klassikern neues Leben einhaucht. Dabei immer mit genug Respekt vor dem Original.

David Coverdale steht natürlich nicht nur für die Deep-Purple-Kracher. Auch mit „Whitesnake“ hat er Musikgeschichte geschrieben und etliche Hits produziert. Dankbarerweise konzentriert sich die Coverband mehr auf die frühen Jahre Ende der 70er bis Ende der 80er, als die weiße Schlange noch mehr Bluesrock-orientiert war als später. Der Klassiker „Live in the Heart of the City“, 1980 als Doppel-Album erschienen, bietet ein Stück weit Orientierungsrichtlinie.

„Walking in the Shadow of the Blues“, „Fool for your Loving“ oder „Ready an’ Willing” hat die Coverband daraus im Gepäck. Martin Ulrich an der zweiten Gitarre und Bobby Stöcker spielen sich gerade bei letzterem Stück wie Micky Moody und Bernie Marsden die Klänge zu, dass es eine wahre Pracht ist. David Readman hat die Posen und Animation von Coverdale bis ins Letzte perfekt drauf, die zweideutigen Anspielungen mit dem Mikro-Ständer inklusive.

„Ain’t no live in the Heart of the City“ in seiner alten, bluesigen Version ist mit dem Stöcker-Solo auf der halbakustischen Gibson Les Paul einfach eine Wucht. Und spätestens als danach die ersten Klänge des wohl bekanntesten Whitesnake-Stücks aus vergangenen Tagen, „Here I go again“, erklingen, gibt es kein Halten mehr.

Langsam, aber sicher wusste auch David Readman, was er mit seiner Stimme anfangen sollte. Am Anfang wollte er noch zu sehr Coverdale 1:1 nachahmen, was sich manchmal etwas gequetscht anhörte. Aber mit zunehmenden Set setzte er einfach auf sich selbst. Was eindeutig die beste Wahl war. Denn was der Shouter danach ablieferte, war erste Sahne, kam druck- und machtvoll, saalfüllend, volltönend bis in die höchsten Höhen rüber.

„Cyring in the rain“, „Give me all your love“, „Slide it in“ oder „Still of the Night“ aus der erfolgreichsten Bandphase Mitte der 80er Jahre machen dann den Sack zu. Stöcker darf einmal mehr zeigen, dass er mit John Sykes das Spiel eines weiteren Whitesnake-Gitarristen perfekt drauf hat. Jürgen Lucas knallt dem Saal ein Schlagzeug-Solo um die Ohren, das einem Ian Paice aus den Anfangs-Bandjahren zur Ehre gereichen würde.

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