Voll besetzte Tische und ganz tolle Stimmung

Bisher flitzte Michaela Tischler seit Wiederaufnahme der Konzerte im Hüttenwerk Michelstadt immer zwischen den Tischen hin und her, um es den Gästen während der akustischen Auftritte von befreundeten Künstlern so angenehm wie möglich zu machen. Jetzt griff die Frontfrau der Hausband „Another Livetime“ und begehrte Gast- und Hochzeitssängerin selbst zum Mikro und zur akustischen Gitarre. „Voll besetzte Tische und ganz tolle Stimmung“, lautete ihr Fazit nach dem Abend, bei dem der Heidelberger Michael Quast in die Keyboard-Tasten griff.

Quast alias „Amandus“ stellte ein eigenes Stück aus seiner im Herbst rauskommenden CD vor.  „Heavenly Day“ von Patti Griffin und „Believe“ von Amanda Marshall standen ebenso auf der Setliste wie Jazz-Standards. „Dream a litte Dream“ von Mamas and the Papas, dazu ein paar groovige Stücke und „Golden Eye“ Tina Turner rundeten ein schönes gemischtes Programm von ganz ruhig bis fetzig ab.

„Ich singe wahnsinnig gerne und sehe mich als Unterhalterin“, erzählt die Entertainerin. Wenn die Menschen Freude an ihrem Gesang haben, ihr gerne zuschauen und mitmachen, „dann habe ich einen riesigen Spaß“. Als Kind von Barbra Streisand fasziniert, durfte die heute 47-Jährige durch den frühen Start bei der Coverband „Melibokus“ so viele Sängerinnen interpretieren, „dass ich musikalisch selbst auch eher der Mainstream-Musik zugetan war und bin“.

Bruce Springsteen, die Ärzte, alle großen Stars der 80er/90er Jahre wie Tina Turner, Phil Collins, Whitney Houston, Aerosmith oder Journey haben sie beeinflusst. „Heute bin ich noch ein großer Fan von Alicia Keys“, sagt die Sängerin. Vor allem wegen ihrer Stimme, ihrer Message und ihrer Persönlichkeit. Neuere Musiker berühren sie dagegen kaum. Als sie sich 2004 entschied, hauptberuflich freiberufliche Sängerin zu werden, waren Ina Morgan (vor kurzem im Hüttenwerk) und viele weitere Kolleginnen ein Vorbild und Unterstützung.

Gitarre üben, Mini-Job in der Verpackungsfirma, ihre Hunde und seit Mitte Mai die Organisation und Bewirtung der kleinen Konzerte im Hüttenwerk nennt Michi Tischler als Tätigkeit der vergangenen Monate, als überwiegend Stillstand herrschte. Deshalb freut sie sich umso mehr auf die kommenden Hausbandabende mit Another Livetime. „Unsere Gäste warten natürlich sehnsüchtig auf Bounce“, die Bon-Jovi-Coverband. „Eines unserer Konzerthighlights“, weiß sie.

„Ich darf endlich wieder Geld verdienen“, sagt sich die 47-Jährige über das langsam wieder zurückkehrende Business. Es gibt kleine Aufträge bei Hochzeiten auf dem Standesamt oder kleine Gartenpartys. Die Hüttenwerk-Mini-Konzerte bezeichnet sie schmunzelnd als „Beschäftigungstherapie“. Nicht am Wochenende zu Hause sitzen müssen.  Etwas wunderbar Schönes hat sich ihren Worten zufolge daraus entwickelt: „Ich lerne unsere Stammgäste immer besser kennen und wir erfahren eine ganz herzliche Unterstützung.“

Die kommt nicht nur von den Besuchern, sondern auch von den Musikern. Umgedreht freuen sich die über das besondere Erlebnis im Hüttenwerk, das quasi als einzige Location im weiteren Umkreis überhaupt wieder aufgemacht hat und Konzertchen anbietet. „Das berührt mich sehr“, sagt Tischler. „Alles bleibt im Fluss.“

Denn Michaela Tischler hat Ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. „Gesang ist etwas sehr Persönliches“, betont sie. „Ich würde mich gerne mehr selbst auf der Gitarre begleiten und auch mal einen Sektempfang nur mit Gitarre und Gesang spielen“, verrät sie ihre kommenden musikalischen Ziele.

Ohne Großveranstaltungen kann das Hüttenwerk nicht überleben, betont Michi Tischler. Sowohl Veranstaltungstechnik als auch Locations und Musiker sind von vielen Zuschauern abhängig. „Veranstaltungen müssen bald wieder ohne Abstandsregelungen durchgeführt werden dürfen“, lautet deshalb ihre Forderung. „Ohne echte Hilfen vom Staat und ohne Perspektiven, was wann wieder geht, gibt es die Branche bald nicht mehr“, ist ihre große Befürchtung.

Mehr zu Michaela Tischler unter http://www.michaela-tischler.de

Mit zwei klassischen Gitarren wurde von „Millennium“ in Michelstadt die Hütte gerockt

Was für eine große Party, die so gar nicht geplant war. Es kam wie so bei einer Musik-Session oft unverhofft. Und was daraus dann entsteht, ist umso besser. Hinter „Millennium“ verbergen sich die beiden Gitarren-Cracks Andreas Singer und Rainer Müller aus Rimbach und Fürth, die bei ihren Auftritten mit Gastsänger(inne)n zusammenarbeiten. Im Hüttenwerk waren das jetzt Michi Tischler und Bluesrock-Röhre Fritz Strößinger von den legendären Bergsträßer „Starfuckers“. Flugs gesellten sich von der Hausband noch Axel Imhof am Bass und Thomas Klein (Percussion) hinzu.

Das Sextett lieferte eine spontan improvisierte Show ab, die einfach nur Laune machte. Die einzelnen Songs entwickelten eine ungeahnte Dynamik. Auch wenn mal was schief ging, weil diese Besetzung noch nie zusammengespielt hatte, wurde das einfach weggelacht. Die Zuschauer waren genauso begeistert wie die Musiker von dem, was da ad-hoc auf den Instrumenten und mit Stimmen gezaubert wurde. Viel länger als geplant „musste“ die Band auf der Bühne stehen.

Irgendwann ist dann doch mal Schluss. Aber Fritz Strößinger sorgte für einen, den man nicht so schnell vergisst. „Hymn“ von Barclay James Harvest haut er in einer Form ins Mikro, dass es eine Pracht ist. Dazu noch die beiden akustischen Gitarren im Hintergrund, klassisch mit spanischen Anklängen gespielt. Das alles gibt einen Soundteppich, den man mal gehört haben muss um zu wissen, wie der Song unverstärkt von einem altgedienten Rocker geröhrt wird. Das Lied wird in der Begeisterung und Spiellaune fast zur Endlos-Schleife, in der Strößinger ein ums andere Mal im Zusammenwirken mit den Saitenkünstlern den monumentalen Touch des Welthits rüberbringt.

Schon „In the air tonight“ von Phil Collins als Abschluss des regulären Sets hatte klar gemacht, dass die Musiker nicht ohne eine Zugabe davonkommen würden. Auch hier dominierte Strößinger mit seiner markanten Stimme, während Andreas Singer ein filigranes Solo zauberte. Diese geballte Spielfreude zusammen mit unbändigem Spaß riss einfach mit. Ihrer Vorliebe für Disco-Musik frönte Michi Tischler dann mit einem „Hot Stuff“ von Donna Summer, das voll abging.

Sie hatte bereits bei „Let it rain“ von Amanda Marshall gleich nach der Pause eindrucksvoll gezeigt, was sie stimmlich drauf hat. Das „Amazing” von George Michael oder auch „One“ von U2 in der Version mit Mary J. Blidge (also Michi Tischler) waren weitere Stücke, in denen sich die beiden Sänger die Bälle zuwarfen. Das soulige Duett lebte durch die Improvisation. Was wären diese Songs aber ohne die Gitarrenklänge. Erst im Hintergrund, wurde bei den Soli die Kunst der beiden Könner auf den sechs Saiten deutlich.

Der warme Klang ihrer Instrumente bildete das Fundament und die stilistische Basis der Formation. Mit vollen Einsatz: „Ich hab‘ mir die Finger blutig gespielt“, lachte Andreas Singer nach dem dreistündigen Auftritt. Zum Wohl der Zuschauer. Die bekamen ein „Billie Jean” von Michael Jackson zu hören, das sie so noch nicht kannten. Oder wer kann schon von sich behaupten, das „Jump“ von Van Halen mit zwei akustischen Gitarren zu kennen.

Fritz Strößinger gab dem Song mit seinen rauen Rockattitüden ein ganz anderes Aussehen als David Lee Roth. Andreas Singer und Rainer Müller dann noch vereint als Eddie van Halen – das hatte nmicht nur was, sondern ganz viel. Das „Horse without a name“ von America oder „Maneater“ von Hall & Oates waren weitere Stücke, die einfach nur Laune machten. Dazu noch Akteure auf der Bühne, die miteinander können, über sich und die anderen lachen und aus dem Nichts einen Song zaubern.

„Burning down the house” der Talking heads, „Eye of the Tiger” von Survivor, „Run to you“ von Bryan Adams  oder „Junimond“ von Rio Reiser sind neben vielen anderen Songs Titel, die in dieser ungewöhnlichen Version einfach ins Ohr gehen und dort haften bleiben. Ein Abend genau nach dem Geschmack von Singer & Müller, die gerne der Improvisation freien Lauf geben. „Akustisch ist alles echt, authentisch“, betont der Gitarrist Singer.

Info: www.millennium-band.de

Zum Bericht geht's hier:…

Posted by Thomas Wilken on Saturday, December 2, 2017