Schwüles Gewitterwetter macht die Gäste auf dem Erbacher Mittelaltermarkt schlapp

Jungs spielen Ritter, Mädchen kleiden sich als Prinzessin: Auf einem Mittelaltermarkt werden die Kinderträume schlechthin wahr. Zum zweiten Mal gastierten „Heimdalls Erben“ aus Biebesheim mit ihrem Spektakel auf dem Wiesenmarkt-Gelände. Dieses Mal mit mehr Platz und mehr Ständen, aber weniger Besuchern. Die schwülheiße Gewitterluft am Wochenende schreckte scheinbar einige Ausflügler ab.

Mit Reiter- und Feuershow, mittelalterlicher Musik, orientalischem Tanz, Gaukelei und Spielmannskunst wurden die Besucher unterhalten. Dazu gab es noch reichlich „Fresserey und Sauferey“ aus früheren Zeiten – oder eher eine Annäherung an das, was man früher zu sich genommen haben könnte. Das Angebot war gegenüber dem vergangenen Jahr deutlich ausgeweitet worden, nachdem es 2017 teilweise schon gegen 17/18 Uhr „ausverkauft“ hieß.

Davon war man allerdings bei der zweiten Auflage weit entfernt. Veranstalter Holger Hörstkamp war mit dem Zuspruch am Samstag unzufrieden. Als es gegen Abend dann auch noch anfing zu platschen, war der Tag mehr oder weniger gelaufen. Der Sonntag entschädigte aber noch einmal mit deutlich mehr Besuchern bei den weit über 50 Marktständen und Lagergruppen.

Als „Prinzessinnen-Macher“ waren Doris Hensen und Günther Marks aus Limeshain mit ihrem mobilen Schmuckstand unterwegs. In Katharina Reeg fanden sie eine interessierte Kundin, die zwar nicht mehr im Mädchen-Alter war, die angebotenen Schmuckstücke aber zu schätzen wusste. Zuerst als Besucher von historischen Märkten unterwegs, starteten Hensen und Marks vergangenen Jahr in Büdingen ihre „Marktkarriere“ mit einer Standarte.

Für ihre selbst hergestellten Waren verwenden sie böhmisches Glas und allergiefreies Metall. Erst nur im Umkreis ihres Heimatorts unterwegs, „fragen uns die Veranstalter inzwischen schon an“, freut sich Marks. „Das ist etwas Ausgefallenes, was man sonst nicht findet“, bekommt er immer wieder zu hören. Auch trudeln immer mehr Aufträge für Kronen herein.

Ein „Dinosaurier“ auf den Mittelalter-Märkten ist Alexs Induashvili. Der Georgier ist inzwischen seit 22 Jahren mit der „Feldbeckerey“ unterwegs, bäckt Brot, belegte Fladen oder Rosinenbrötchen. Eigentlich ist der 57-Jährige ja Atomphysiker. Als er aus Tiflis nach Deutschland kam, wurde aber gerade keiner gebraucht, lacht er. Sechs Jahre später kam die Anfrage für eine Verpflichtung in den Schuldienst. Da hatte Alexs, wie ihn alle nur nennen, aber bereits die Luft der Freiheit auf den historischen Veranstaltungen geschnuppert.

Außerdem war er natürlich nicht mehr in der (Physik-)Materie drin, sodass er das Angebot ausschlug. Heute ist er deutschlandweit mit seinem auf historisch getrimmten Bäckerwagen und Feldofen unterwegs und schätzt das ungebundene Leben. Seine Heimat hat er in Wilgertshausen in der Pfalz gefunden. „Da habe ich meine absolute Ruhe“, lacht er. Mobilfunknetz gibt es erst wieder fünf Kilometer weiter.

Auch wenn Heimdall als nordischer Gott dem Team seinen Namen gab, sind seine Erben eigentlich ein ganz traditionelles Familienunternehmen. Mutter Margarethe Hörstkamp sitzt mit ihren 78 Jahren an der Kasse, Vater Hans betreibt trotz seiner 82 den Bratwurststand. Der 54-jährige Holger wiederum steigt bei der Reitershow aufs Pferd und gibt im ewigen Kampf Gut gegen Böse mit Lust den schwarzen Ritter. Ein festes Team von acht Personen schmeißt die komplette Veranstaltung.

Neben etlichen Verkaufsständen mit Fellen, Silberschmuck, Senf, Räucherwerk, Lederwaren, Met, Korbwaren, Fellen oder Gewürzen waren bei den Kindern vor allem die Mitmachangebote beliebt. Auch das Kamelreiten war ein Renner. Für die Erwachsenen gab es vielerlei Handarbeit zu bestaunen: so Lederarbeiten mit Metall, die Herstellung des eigenen Gürtels oder Schmuckkreationen nach eigenen Vorstellungen.

Patut der Gaukler vermochte Klein und Groß mit seinen Jonglage-Kunststücken zu bannen. Bei der Musik-Gruppe „Heidenlärm“ war natürlich der Name Programm. Die Spielleute „Maleficius“ kamen ganz klassisch mit Dudelsack, Gitarre und Nickelharpa rüber, während die Tribal Dance Tanzgruppe „Sharzad“ für orientalisches Flair sorgte. Chandra und Shanti waren für die tänzerischen und Feuer-Elemente zuständig.

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Posted by Thomas Wilken on Thursday, June 14, 2018

 

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Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS) gastiert am 26. und 27. August in Speyer

Das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS) gastiert erneut in Speyer. Am Wochenende des 26. und 27. August macht das mit bis zu 3000 Mitwirkenden größte reisende Mittelalter-Kulturfestival der Welt Halt im Domgarten. Auf der weitläufigen Veranstaltungsfläche erleben die Besucher die tollkühnen Recken der Fechtkampfgruppe Fictum, die ihre brachiale Kampfkunst mit Schwertern, Äxten und Morgensternen vorführen, während die Ritter hoch zu Ross ihre Fertigkeiten mit Wurfspieß, Schwert und Lanze demonstrieren. Für die Rittershow wurden die aus zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen bekannten Stuntreiter von filmpferde.com verpflichtet.

Auf drei Livemusikbühnen präsentiert das MPS führende Bands der Mittelalter- und Folkszene: Saltatio Mortis, Versengold, Cultus Ferox, Cuélebre, MacCabe & Kanaka, Cesair, Nachtgeschrei, Rapalje, Saor Patrol und die Cobblestones. Für die jüngsten Gäste treten an der Kinderbühne der Zauberer Orlando von Godenhaven und der Kiepenkasper auf. Beliebt bei Jung und Alt ist auch der Falkner Achim mit seiner Greifvogelshow, der Medicus Dr. Bombastus mit seinem Gehilfen Leonardo, der Barrenkai, der Kraftjongleur Bagatelli, „Der Tod“ und der Bettler „Hässlicher Hans“.

Alle Gäste sind dazu eingeladen, in Gewandungen gleich welcher Epoche zu erscheinen. Einmal an jedem Tag werden die drei bestgewandeten Besucher vom anwesenden Publikum gekürt und von Bruder Rectus mit Gold überschüttet. Tausende Sitzplätze unter Sonnensegeln und an den Bühnen und Arenen laden zum Rasten und Entspannen ein. Zahlreiche Tavernen, Kaffeestände und Garküchen sorgen dafür, dass niemand hungern und dürsten muss. Der Sonntag ist Familientag – alle Gäste unter 16 Jahren und ab 66 Jahren zahlen keinen Eintritt. Öffnungszeiten sind: Samstag von 11 bis 24 Uhr, Sonntag von 11 bis 19.30 Uhr. Spielpläne und weitere Infos auf www.spectaculum.de

 

MPS – Mittelalterlich Phantasie Spectaculum

– Seit 1994 unterwegs

– Tour durch 21 Spielorte

– bis zu 3000 Mitwirkende, mehr als 2500 Tonnen Ausrüstung

– drei große Musikbühnen, Kinderbühne, Gaukler, Zauberer, Stelzentheater

– mehrmals täglich Ritterturniere auf zwei Kampfplätzen

– die angesagtesten Bands der Mittelalter- und Folkszene

– Bruchenballturnier

– Workshops: Tanzen, Dudelsack, Drehleier

 

 

Dunkles Zeitalter als bunte Erlebniswelt: „Heimdalls Erben“ veranstalteten am Erbacher Wiesenmarktgelände ein „mittelalterliches Spektakel“

Faszination Mittelalter. Das eigentlich dunkle Zeitalter kommt heutzutage als bunte Erlebniswelt rüber, die nach wie vor das gemeine Volk zu begeistern vermag. Der Odenwald ist bis auf wenige Veranstaltungen in dieser Hinsicht noch „Terra incognita“. Auch in Erbach ist der letzte Versuch, einen historischen Markt am Wiesenmarkt-Gelände zu etablieren, schon zehn Jahre her. Wenn man das Beiwerk des Bauernmarkts mal außen vor lässt.

Beste Voraussetzungen also für „Heimdalls Erben“ aus Biebesheim, einen neuen Versuch zu wagen. Mit Reiter- und Feuershow, mittelalterlicher Musik, orientalischem Tanz, Gaukelei und Spielmannskunst wurden die Besucher zwei Tage lang bei herrlichem Wetter bestens unterhalten. Dazu gab es noch reichlich „Fresserey und Sauferey“ aus früheren Zeiten – oder eher eine Annäherung an das, was man früher zu sich genommen haben könnte.

Veranstalter Holger Hörstkamp war mit dem Zuspruch bei der Auftaktveranstaltung recht zufrieden. Samstagnachmittag herrschte vor allem im Gastro-Bereich vor der Bühne immer ein stetes Kommen und Gehen, wenn sich auch die Reihen gegen Abend merklich lichteten. Der Sommer-Sonntag sorgte aber noch einmal für einen schönen Ansturm auf das Gelände mit seinen 50 Marktständen und Lagergruppen.

„Klein, aber fein“, nannte Hörstkamp den Erstling im Odenwald. In der Rheinebene veranstaltet er in der Regel um einiges größere Mittelaltermärkte. „Viel mehr Platz war eben nicht“, schmunzelte er mit Blick aufs Gelände. Nach Erbach kam der 53-Jährige Ende des vergangenen Jahres auch eher zufällig auf einen Tipp hin. Die Gespräche mit der Stadt verliefen gut, man war sich schnell einig und innerhalb von wenigen Monaten wurde der historische Markt aus dem Boden gestampft. Als Idee nimmt Hörstkamp mit, bei einer Wiederholung die Hallen mit einzubinden.

Auch wenn Heimdall als nordischer Gott dem Team seinen Namen gab, sind seine Erben eigentlich ein ganz traditionelles Familienunternehmen. Mutter Margarethe Hörstkamp sitzt an der Kasse, Vater Hans hilft trotz seiner 80 Jahre noch kräftig beim Aufbau mit und betreibt den Bratwurststand. Holger Hörstkamp wiederum steigt bei der Reitershow aufs Pferd und gibt im ewigen Kampf Gut gegen Böse mit Lust den schwarzen Ritter. Freundin Silke Müller schließlich zeigt als „Shanti“ orientalischen Bauchtanz.

Die Faszination für Hörstkamp ist es auch nach zwölf Jahren Veranstaltungsorganisation immer noch, „den Markt vom Papier in der Realität umzusetzen“. Manchmal sei es „wie ein großer Kindergarten, alle unter einen Hut zu bringen“, lacht er. Genehmigungen, Verträge, kurzfristige Absagen, Künstlerbuchungen, Absprachen vor Ort und vieles mehr sind aufwendig. „Es macht mir aber immer noch sehr viel Spaß“, betont er.

Tavaras heißt der Spielmann, der auf der Nyckelharpa für die eher ruhigen Töne sorgte. Rau, laut, derb dagegen die Spielleute von „Veytstanz“ auf der Bühne, deren Dudelsäcke schon eine ganz andere Durchdringung hatten. Allerlei mit Feuer hatte „Micha Feuerfresser“ in petto, der sich aber auch in vielfältiger Gaukelei versuchte. Orientalische Einflüsse brachte das Duo „Nojom At-Shary“ in die Veranstaltung ein.

Neben etlichen Verkaufsständen mit Fellen, Silberschmuck, Räucherwerk oder Gewürzen waren bei den Kindern vor allem die Mitmachangebote beliebt. Ob sie nun mit Erdfarben malen durften, sich im Bogen schießen versuchten, selbst Seife herstellten oder beim Schmied die eigenen Hufeisen formten: Immer bildete sich schnell eine Traube. Auch das Kamelreiten war ein Renner. Auch für die Erwachsenen gab es vielerlei Handarbeit zu bestaunen: so Lederarbeiten mit Metall, die Herstellung des eigenen Gürtels oder Schmuckkreationen nach eigenen Vorstellungen.

Großer Anziehungspunkt ist natürlich immer die Reitershow, wo Hörstkamp als schwarzer Ritter in schwarzer Metallrüstung bei den Temperaturen des Wochenendes heftig ins Schwitzen kam. Und dazu auch noch als Ger von Falkenstein immer der Böse sein musste, während sein Gegenpart Giso von Ebersbach die Lorbeeren als Retter der französischen Jungfrau einheimste.

Eigentlich hat Holger Hörstkamp ja einen ganz traditionellen Beruf gelernt. Er war früher als Kommissionierer in einem Lager tätig. „Irgendwann hatte ich keine Lust mehr“, erzählt er, schmiss hin, machte sich selbstständig und sattelte um auf Mittelalter. Ganz im Wortsinn: Denn seine ersten Sporen im Bereich „Living History“ verdiente er sich vor 15 Jahren auf der Ronneburg, wo er bei der dortigen Reitershow mitwirkte. Vor zwölf Jahren starteten dann die eigenen historischen Märkte rund um seinen Wohnort Biebesheim. Die zogen inzwischen Kreise bis nach Wiesbaden oder Losheim am See.

Daneben ist Hörstkamp mit seinen Reitershows aber weiterhin in ganz Deutschland und im angrenzenden Ausland präsent. Nicht nur im Bereich Mittelalter. Wikinger, Normannen, Hunnen: Viele Völker und Epochen werden abgedeckt. „In Holland haben wir auch schon einmal eine van-Helsing-Show gemacht“, schmunzelt er.

Info: Das nächste mittelalterliche Spektakel von „Heimdalls Erben“ findet am 6. und 7. Mai in Lampertheim nahe der Biedensand-Bäder statt. Öffnungszeiten: Samstag 11 bis 23 Uhr, Sonntag 11 bis 19 Uhr. Weitere Infos: http://www.heimdalls-erben.de

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