Xenia Mai ist die neue Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinden Mossau und Güttersbach

„Ich habe das Gefühl, das passt menschlich ziemlich gut“, sagt die designierte Pfarrerin von Mossau und Güttersbach, Xenia Mai, über ihre neue Wirkungsstätte. Die 53-Jährige will möglichst zur Jahresmitte vom Vogelsberg in den Odenwald wechseln, wenn dann (hoffentlich) das Pfarrhaus renoviert ist. Damit ist sie auch näher bei ihrer Familie, die in der Nähe von Darmstadt zuhause ist. Sie freut sich über die Rückkehr in die Heimat, wenn sie wieder „wie früher babbeln kann“.

„Ich gehöre wohl zu einer aussterbenden Spezies“, meint die Geistliche über ihren Wunsch, als Pfarrerin auf dem Land tätig zu sein. Mit den Mossautalern sieht sie sich auf einer Wellenlänge: „Die suchten das, was ich ihnen bieten kann.“ Mai spürte die Freude darüber, „dass sich jemand meldet, der aufs Land will“. Sie sagt von sich, nicht die Nähe der Menschen zu scheuen. Sie sei greifbar, natürlich auch angreifbar, aber gerade im ländlichen Raum, wo jeder jeden kennt, als Pfarrerin „das Gesicht der Kirche“.

„Jüngere verstecken sich vielleicht in der Anonymität der Großstadt“, vermutet sie. Was nicht das Ding von Xenia Mai ist. Zwar wertet sie es augenzwinkernd als „durchaus anstrengend, wenn jeder meint, alles über den Gegenüber zu wissen“. Andererseits bedeutet es für sie ein „schönes Miteinander“, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Denn durch den persönlichen Kontakt „weiß dann auch jeder, woran er beim anderen ist“.

Nach ihrem Amtsantritt will sich die Südhessin „erst einmal einen Überblick verschaffen“. Sie möchte erfahren, welche Bedürfnisse die Menschen haben, wie der Glaube gelebt wird, welche Traditionen es gibt, was die Einwohner vielleicht auch nicht aufgeben wollen. „Ich will meine Dörfer kennenlernen“, betont sie. Und dabei auch erfahren, wie die Gläubigen von A nach B kommen. Mit ihrer Erfahrung aus bestimmten Bereichen „höre und schaue ich mir alles an“, um dann zu überlegen, was gemeinsam auf die Beine gestellt werden kann.

„Manchmal sind Umwege ganz gut“, sagt Mai über ihre Arbeit an einer geriatrischen und gerontopsychiatrischen Tagesklinik in Darmstadt. „Davon profitiere ich immer noch.“ Die Gespräche mit den Beteiligten und mit den Ärzten bezeichnet sie als sehr aufschlussreich. Gerade in einer immer älter werdenden Gesellschaft kommt ihr diese Erfahrung, auch in der Krankenhausseelsorge, zugute. Deshalb fühlte sie sich von der Ausschreibung für die Stelle im Mossautal sehr angesprochen, wo jemand „mit Herz für Seniorenarbeit“ gesucht wurde.

Andererseits, erläutert die Geistliche, wuchs sie auch mit dem Kindergottesdienst auf. Der Großvater war im Kirchenvorstand tätig, ihr Konfirmator aus der benachbarten Kirchengemeinde die prägende Figur. „Er hat mir die Kirche nahegebracht, sodass die Tätigkeit Freude und Spaß machte.“ Mai bezeichnet sich als „sehr vertraut“ mit Kinder- und Jugendarbeit, auch wenn diese bedauerlicherweise aufgrund der demografischen Entwicklung nicht mehr so stark nachgefragt sei.

Die Unsicherheit, wie es mit der bisherigen Pfarrstelle im Vogelsberg weitergehen würde, beförderte dann die Entscheidung, sich wieder in Richtung alter Heimat zu orientieren. „Wann, wenn nicht jetzt mit 53“, meint sie lächelnd. Ab kommenden Jahr hätte der evangelischen Kirchengemeinde Schwarz-Udenhausen nur noch eine halbe Pfarrerstelle zugestanden. Das bisherige Hin und Her „war kein gutes Arbeiten mehr“, sagt Mai. Für eine zweite halbe Stelle wäre sie in einem großen Flächendekanat nur im Auto unterwegs gewesen. „Nicht meine Vorstellung der Arbeit einer Pfarrerin“, betont sie.

Bis Anfang Juli ist Xenia Mai noch an ihrer derzeitigen Wirkungsstätte gebunden. Frühestens könnte sie Mitte Juli loslegen, sagt sie. „Ich würde gerne im Sommer starten“, so die neue Pfarrerin. Denn dann ist noch ein entspannteres Einarbeiten, bevor das Kirchenjahr richtig beginnt. Allerdings stehen noch die Renovierungsarbeiten am Pfarrhaus aus, von denen sie hofft, dass sie rechtzeitig über die Bühne gehen werden.

Xenia Mai (53) ist gebürtig aus Seeheim-Jugenheim (bei Darmstadt) und wuchs bei Pfungstadt auf, wo auch die Familie verwurzelt ist. Nach dem Abitur in Darmstadt studierte sie dort auch Religionspädagogik, danach Theologie in Mainz und Heidelberg. Nach dem Berufsanerkennungsjahr bei der evangelischen Kirchengemeinde Hahn verbrachte sie ihre Vikariatszeit in der Wetterau, in Geiß-Nidda und Bad Salzhausen.

Seit ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr 1985/86 sammelte sie Erfahrungen in kirchlicher Gemeindearbeit. Mai war zehn Jahre Mitglied des Kirchenvorstandes, leitete Kinder- und Jugend- sowie Frauen- und Seniorenkreise, führte Freizeiten im In- und Ausland durch, hielt Konfirmanden- und Religionsunterricht, feierte (Kinder-)Gottesdienste, machte Seelsorge- und Geburtstagsbesuche.

Nach dem zweiten theologischen Examen arbeitete die neue Pfarrerin im Rahmen eines freiwilligen Spezialvikariats als Krankenhauspfarrerin im Elisabethenstift Darmstadt. Dabei lernte Mai die Arbeit der Palliativmedizin, des Hospizdienstes und der Krankenhausseelsorge kennen, übte sich in interdisziplinärer Teamarbeit und sammelte Erfahrung im freien Predigen, vor allem in den Gottesdiensten auf den Demenzstationen. Von 2006 bis 2009 war Xenia Mai Pfarrvikarin in der evangelischen Kirchengemeinde Schwarz-Udenhausen (Vogelsberg), seitdem dort Pfarrerin.

 

Die evangelische Kirchengemeinde Güttersbach umfasst mit Olfen, Hiltersklingen und Hüttenthal 779 Gemeindeglieder, (Unter-/Ober-)Mossau 534.

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Milch-Qualität spielt eine noch größere Rolle

Qualität soll in Zukunft einen noch höheren Stellenwert gegenüber der Quantität bekommen. Die Milchlieferanten der Molkerei Hüttenthal folgten auf der Versammlung einhellig dem Vorschlag der Inhaber-Familie Kohlhage, den bisherigen Mengenzuschlag ab 1. April in den Basispreis mit einfließen lassen. „Damit entfällt zukünftig die Differenzierung über die angelieferte Menge“, erläuterte Britta Kohlhage. Ihr Mann Kurt zeigte sich mit dem zurückliegenden Geschäftsjahr, das einen Zuwachs bei Umsatz und einen schönen Gewinn brachte, sehr zufrieden.

Beide führen den Betrieb inzwischen in dritter Generation. Bereits seit dem Jahr 1900 ist die Molkerei immer an der gleichen Stelle ansässig. Es wurde im Laufe der Zeit lediglich „ständig angebaut“, wie Kurz Kohlhage schmunzelt. Um die Milchpreise stabil zu halten, wurde 2018 nicht die komplette Menge der erfassten 5,7 Millionen Kilo verarbeitet. 800.000 Kilo gingen auf den Milchspotmarkt, erläuterte er.

Die Molkerei zählt aktuell 16 Milchlieferanten (14 für Kühe, zwei für Ziegen), die aus Löhrbach (bei Birkenau) über Kocherbach (bei Wald-Michelbach) und das Kerngebiet Mossautal bis nach Fränkisch-Crumbach kommen. Auch der 119 Jahre alte Betrieb geht mit der Zeit, informierte der Geschäftsführer. Eine neu aufgesetzte Webseite inklusive Social-Media-Auftritt „bringt verstärkte Anfragen übers Kontaktformular“, freute er sich. Dazu kommt ein verjüngtes Logo.

In gewissen Abständen bringt die Molkerei ein neues Produkt auf den Markt. „Der Gewürztaler“, eine Idee von Britta Kohlhage basierend auf einer speziellen Kreation für Miltenberger Bauern, findet eine gute Resonanz. Die Grundlage bildet der Mossautaler Käse, veredelt mit einem Gewürzmantel. Zum Überbacken, für Salat oder auch als Raclette-Käse lässt sich diese Leckerei verwenden.

Kohlhage stellte der Versammlung, zu der die Lieferanten mit der ganzen Familie gekommen waren, auch die Neuerungen und Erfolge vor. Er erwähnte den hessischen Jurypreis für regionale Lebensmitte, die der „cremige Hüttenthaler“ einheimste. Den Zweikomponenten-Becher, der bereits den Kunststoffanteil beim 500-Gramm-Becher um 50 Prozent reduziert, soll es demnächst auch für die 250-Gramm-Variante geben.

Bei der Milchpreisgestaltung waren die Kohlhages etwas in der Vorreiter-Rolle, als sie Milchfett und -eiweiß gleich bewerteten. „Jetzt passt auch die größte deutsche Molkerei DMK die Bezahlung auf 1:1 an“, sagte der Geschäftsführer. In guter Gesellschaft ist der regionale Betrieb ebenfalls bei der Abschaffung des Liefermengenzuschlags. Schwälbchen oder Campina gehen ebenfalls in diese Richtung. „Ein reines Mengenwachstum ist nicht gut“, betonte der Molkereichef.

Es soll zukünftig daneben nur noch „einen Milchpreis Hüttenthal“ geben, der alle Zuschläge enthält. Gentechnikfreie, traditionelle Fütterung, eine glyphosatfreie Landwirtschaft und Weidehaltung sind dafür Voraussetzung. Kohlhage wies darauf hin, dass man bereits vor 21 Jahren mit der Einführung des „Weidepfennigs“ frühzeitig die Weichen hin zu einer traditionellen Form der Milcherzeugung im Odenwald gefördert habe. Kein Landwirt sei weiter als 25 Kilometer entfernt und beherberge eine überschaubare Anzahl von Milchkühen.

Weidehaltung „ist nicht mehr mit Aufwand oder höheren Kosten“ als Stallhaltung verbunden, hob Kohlhage hervor. Im Gegenteil: „Die Tieren bewegen sich mehr und sich gesünder.“ Der Mehraufwand wird durch Einsparungen bei den Stallarbeiten ausgeglichen. Fast alle Hüttenthal-Lieferanten arbeiteten inzwischen in dieser Weise.

Die beiden Geschäftsführer informierten darüber, dass seit vergangenen Herbst die komplette Milcherfassung durch die Transportfirma von Sven Trumpfheller aus Michelstadt geschieht. Seit einem Jahr ist Patrick Hofmann der neue Betriebsleiter, teilten die Kohlhages mit. Er folgte auf den mehr als 30 Jahre tätigen Molkereimeister Helmut Schwöbel. Über die Erweiterung der Direktvermarktung sprach zum Schluss Tochter Annalena.

DLG-Auszeichnung für „herausragende Milchqualität im Jahr 2018“: Werner Friedrich, Bettina und Markus Koch sowie Ernst Schäfer

Zahlen Molkerei

Milcherfassung 5,7 Millionen Kilo (plus 4,9 Prozent gegenüber 2018)

Milchverarbeitung 4,9 Millionen (plus 2,6 %)

Anzahl Milchlieferanten: 14 mit Kühen, zwei mit Ziegen

Durchschnittliche Anlieferung mit Kuhmilch: ca. 409.000 Kilo

Durchschnittliche Kuhleistung in Deutschland: 7780 Kilo, im Schnitt 52 Kühe pro Lieferant

Umsatz: 4,75 Millionen Euro (plus 1,1 Prozent)

Fest angestellte Mitarbeiter: 22, außerdem vier geringfügig Beschäftigte

Ökumenisches Gebet über die Zukunft der Kirchengemeinden im Mossautal

Es war ein Neuanfang in Form eines Gebets: Beerfeldens evangelischer Pfarrer Roland Bahre, seit einem halben Jahr Vakanzverwalter der Kirchengemeinden Güttersbach und Mossau, stößt in seiner Arbeit immer wieder auf neue Aufgaben und kommt – auch zeitlich – an seine Grenzen. Um nun neue Wege zu gehen und „mehr Gottvertrauen zu wagen“, hatte der Geistliche zu einem ökumenisches Neujahrsgebet über die Zukunft der Kirchengemeinden im Mossautal in die Quellkirche Güttersbach eingeladen.

Das eine oder andere kurzfristige Projekt wie die Erntedanksammlung brachte er zwischenzeitlich auf den Weg. „Für eine nachhaltige Gestaltung fehlt mir aber naturgemäß der lange Atem“, sagt Bahre. Gerade um diesen Atem, den Geist Gottes, „haben wir in diesem Neujahrsgebet gebetet“, erläutert er. Als Vakanzverwalter ist es seine Aufgabe, die Kirchengemeinden pfarramtlich zu betreuen und die Kirchenvorstände zu begleiteten Projekten anzustoßen.

Als Pfarrer, so Bahre, „gebe ich von Herzen das Beste“. Allerdings ist der Weg für die Kirche im Mossautal steinig, stellt er fest. Auch für die Seelsorge hat er kaum Kapazitäten. „Deshalb wurde es Zeit, Gott um seine Hilfe zu bitten, denn die Zukunft der Kirche liegt in seinen Händen“, formuliert der Geistliche den dringenden Handlungsbedarf. „Eine Kirche, in der der Geist Gottes nicht weht, ist ein Museum mit religiöser Kulisse. Eine Kirchengemeinde ohne den Geist Gottes ist schlicht leblos und nichts wert“, betont er.

Der Abend folgte keinem festen liturgischen Programm, schildert der Beerfelder Pfarrer. Es war keine besondere Form vorbereitet, „wir haben uns einfach treiben lassen“. Allen ging es hinterher so, dass sie selbst überrascht waren. Eingeladen waren nämlich Gäste aus der Pfingstgemeinde Michelstadt, die den Gebetsabend mit Lobpreis, Gebeten und Erzählungen über Gott mitgestalteten. So wurde es beinahe zu einem Konzert, „in dem wir gemeinsam beteten, sangen, Gott lobten und um seinen Segen baten“. Es war sehr beschwingte Musik, mit Klavier, Gitarren und Cachonne, die zum Mitsingen und -tanzen einlud.

Der Kontakt zwischen der evangelischen Kirchengemeinde und der Pfingstkirche in Michelstadt kam zustande, weil zwei Mitglieder der Pfingstgemeinde in Unter-Sensbach wohnen und Teil des Bibelkreises sind, den die Protestanten in Hebstahl über die Wintermonate anbieten. So entstand ein guter Kontakt zwischen den beiden Pfingstlern und Bahre, der sie einlud, für die Zukunft der Kirchen im Mossautal mitzubeten. „Eine tolle Fügung“, freut er sich.

Die Art der Pfingstgemeinde, Gott zu loben und ihn in die Kirche einzuladen, ist für evangelische Christen gewöhnungsbedürftig, weiß der Pfarrer. Deshalb war es eine ungewöhnliche Veranstaltung in einem evangelischen Gotteshaus, „aber ein tolles Erlebnis für alle“, stellt er fest. „Und mir persönlich sehr wichtig.“ Es waren etwa 50 Besucher dabei: Außer Gemeindegliedern vor allem Mitglieder der Pfingstgemeinde, aber auch Konfessionslose und Katholiken. „Viele junge, sehr engagierte Christen“, hebt er hervor.

Die Resonanz war sehr positiv. Melanie Kredel aus Ober-Mossau meinte: „Ich hatte sehr viel Spaß und hätte gerne mitgetanzt. Gerade dass so viele junge Leute dabei waren, fand ich toll. Ich war hin und weg.“ Christiane Spatz, ebenfalls aus Ober-Mossau, betonte: „Ich nehme etwas mit heim. Die gute Stimmung und die Begeisterung: Da wurde Glauben lebendig.“ Gisela Emig aus Unter-Mossau ergänzte: „Ich hatte das Gefühl, Gott ganz nah zu sein.“ Auch einige Tage später bekam sie noch Gänsehaut. Auch die Gäste der Pfingstgemeinde waren sehr angetan. Alle waren sich einig, dass dies der Beginn von gemeinsamen Veranstaltungen sein wird.

Die Kirchenvorstände von Güttersbach und Mossau sowie Pfarrer Bahre waren am vergangenen Wochenende auf einer Klausurtagung, um unter professioneller Anleitung zweier Gemeindeberater/Supervisoren die Vergangenheit aufzuarbeiten und zu schauen, „wie wir die Zukunft der Kirchengemeinden gestalten können“. Aktuell ist noch kein neuer Pfarrer in Sicht.

Zu den Kirchengemeinden Güttersbach und (Unter-/Ober-)Mossau gehören auch Olfen, Hiltersklingen und Hüttenthal. Die erneute Vakanz seit dem Weggang von Pfarrerin Julia Fricke an Pfingsten 2018 ist laut Roland Bahre für alle eine Herausforderung: für das Gemeindebüro, für den Kirchenvorstand und die Ehrenamtlichen, für die Eltern der Konfirmanden, die ihre Kinder nach Beerfelden fahren müssen, aber auch für den Vakanzpfarrer Bahre, der seit Mitte 2018 hier tätig ist.

(Foto: Bernhard Bergmann)

Windkraftgegner sehen sich im Aufwind

Den Windpark-Planern bläst aktuell der Wind ins Gesicht. Von Bürgerinitiativen im gesamten Odenwald werden inzwischen an den verschiedenen Standorten die prognostizierten Windgeschwindigkeiten und damit auch Renditeerwartungen stark in Zweifel gezogen. Die sogenannten Sodar-Messungen (Sound/Sonic Detecting And Ranging, ein akustisches indirektes Fernmessverfahren) seien viel zu ungenau, bemängeln sie.

In diese Kerbe schlägt auch die Bürgerinitiative (BI) Greiner Eck, die sich gegen den Windpark mit fünf Rotoren auf dem gleichnamigen Höhenzug zwischen Neckarsteinach, Hirschhorn, Heddesbach und Schönau-Altneudorf wendet. Sie rät den Grundstückseigentümern eindringlich, die Zeit bis zum möglichen Rodungsbeginn im Spätjahr zu nutzen, um sich mit Nachdruck für sogenannte „Mastmessungen“ einsetzen. Diese ergäben ein viel genaueres Bild der tatsächlichen Geschwindigkeit, da sie in der gleichen Höhe wie die der späteren Rotoren vorgenommen werde, schreiben Rainer Hofmann und Peter Weimar aus dem Vorstandsteam.

Laut TÜV Süd sei eine korrekte Windmessung mittels Messmast und idealerweise in Höhe der späteren Nabenhöhe der Windenergieanlage (WEA) durchzuführen, so die BI. Besonders bei Hügellandschaften und in Waldgebieten sei die Sodar-Messung nicht oder nur ergänzend geeignet, betonen Hofmann und Weimar. Dennoch sei sie am Greiner Eck zur Anwendung gekommen und habe eine Windhöffigkeit von bis zu sieben Metern/Sekunde ergeben – eigentlich ein sehr guter Wert.

„Jedoch beträgt die mittlere Jahreswindgeschwindigkeit am Greiner Eck in 140 Metern Höhe nur 5,4 Meter/Sekunde“, so die BI-Vertreter. Dies hätten Windprofilauswertungen, basierend auf Messdaten der letzten 20 Jahre, ergeben, teilt die Bürgerinitiative mit. Ein wirtschaftlicher Betrieb der Windkraftanlage sei damit nicht möglich, erklärt die BI unter Verweis auf die entsprechenden Berechnungsgrundlagen der Investoren.

Die Frage, ob nun der Wert der Planer oder der von der BI angegebene Jahresdurchschnittswert korrekt sei, „kann nur mit einer technisch gesicherten Mastmessung beantwortet werden“. Bürgerinitiativen aus Lautertal und Birkenau hätten diese an ihren Standorten durchgeführt. Dabei habe sich gezeigt, dass die vom Planungsbüro mittels Sodar ermittelten Windgeschwindigkeiten „bei weitem nicht erreicht wurden“. In Birkenau lag der BI zufolge die mittlere Windgeschwindigkeit mittels Mastmessung bei lediglich 3,7 m/s, in Lautertal mit Sodar bis 6,2 m/s, per Messmast 4,45 m/s. „Beide Projekte in Birkenau und Lautertal wurden übrigens daraufhin gestoppt“, heißt es.

Folgt man den Ausführungen der beiden BI-Vorstände, dann läuft es auch am Geisberg-Projekt auf Gemarkung Mossautal (Odenwaldkreis) nicht rund. Es wurde von derselben Planerfirma umgesetzt, die jetzt auch das Greiner Eck betreut. Sowohl die Stadt Erbach als auch die Gemeinde Mossautal lehnten demnach die von den Betreibern, den Stadtwerken Viernheim und Bad Vilbel, angebotene Beteiligung ab. Im Falle Mossautals mit der Begründung „unkalkulierbares Risiko“. Die fürs erste Jahr (2014) prognostizierten 25 Millionen Kilowattstunden wurden nur zu drei Viertel erreicht, was seitens der Betreiber auf die Anlauf- und Probephase zurückgeführt wurde, heißt es. Den gemeindlichen Gremien reichten diese Erklärungen aber nicht. Sie klinkten sich aus.

Speisen die Windenergieanlagen ausreichend Strom in das Netz ein, um aus den für 20 Jahre garantierten EEG-Subventionen die Finanzierungs- und Unterhaltskosten zu decken, hätten  die Grundstückseigentümer im laufenden Betrieb nichts zu befürchten, so die BI-Vertreter. Das Risiko der kommunalen bzw. privaten Haftung sei dann überschaubar, wenn in der Betriebsphase kein Insolvenzrisiko besteht. Vor dem Hintergrund der Messungen in Birkenau und Lautertal wie auch der Zahlen von der WEA Geisberg „raten wir dringend“ zu einer Mastmessung, teilt die BI mit. Noch sei Zeit, „die Wirtschaftlichkeit vom Planungsbüro gesichert nachweisen zu lassen“, meinen Hofmann und Weimar.

(Bild: Geisberg-Windpark Mossautal, Foto Joe Biermann)