Oberzent-Grundschulen arbeiten schon immer eng zusammen

In den drei kleinen Grundschulen der neuen Stadt Oberzent blickt man gespannt auf die weitere Entwicklung. Die Lernanstalten in Rothenberg, Unter-Sensbach und als kleine Grundschule Hessens die in Gammelsbach gehen jedoch nicht von besonderen Änderungen durch die Fusion aus, da sie Schulen im Eigentum des Odenwaldkreises sind. „Ich erwarte keine größeren Auswirkungen für unsere schulische Arbeit“, sagt deshalb Rothenbergs Leiterin Angela Assmann. „Es wäre prima, wenn die Gründung der neuen Stadt einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung für unsere Region bringen würde“, meint sie.

Als kleine Dorfschule geht es in Rothenberg sehr familiär bei zu. „Wir kennen alle Kinder genau, können individuell auf Stärken und Schwächen eingehen, haben intensiven Elternkontakt“, betont die Rektorin. Daneben sind natürlich die Wege kurz. „Ich bin sehr froh, ein kompetentes, engagiertes Kollegium und eine engagierte Elternschaft zu haben.“ Das mache die Arbeit sehr angenehm. Es gibt zwar aktuell laut Statistik mit 48 Kindern ein historisches Tief bei den Schülerzahlen. Jedoch werden es laut Prognose in den nächsten Jahren nach und nach wieder mehr, so Assmann.

In der „musikalischen Grundschule“ als Landes-Programm wirken die entsprechenden Elemente in alle anderen Fächer und auch in das Schulleben hinein. Es gibt laut Assmann in ganz Hessen etwa 90 Schulen dieses Typs, die miteinander vernetzt sind. Motto sind die „vier M“: „Mehr Musik in mehr Fächern von mehr Lehrkräften zu mehr Gelegenheiten.“ Gleichzeitig finden Kooperationen mit kulturellen Einrichtungen und Musikschulen, aber auch Konzerte und ähnliche Veranstaltungen statt.

„Wir haben natürlich durch den demografischen Wandel weniger Schüler“, sagt ebenso die Leiterin der Sensbachtaler Grundschule, Ellen Koch. Etwa drei Jahre bewegten sich die Zahlen nach unten. „Nun geht es aber wieder nach oben“, freut sie sich. Der örtliche Kindergarten hat derzeit mehr Anmeldungen als Plätze. „Wir haben in jedem Jahr Schüler durch Gestattungsanträge und Zuzug bekommen.“ Denn viele Eltern „schicken bewusst ihre Kinder hierher“, so Koch. Die kleinen Systeme sind für sie im Bildungswesen wahre Schätze und „die gilt es zu bewahren“.

Das Ganztagsangebot ist für die Eltern schon immer kostenlos, nur das Essen muss bezahlt werden, erläutert Ellen Koch. Die Rhythmisierung des Unterrichts sei weiter fortgeschritten. „Jedes Kind ist uns wichtig“, hebt sie hervor. Es werden ihren Worten nach individuelle Förderkonzepte erarbeitet, um den Kindern in ihrem Lernprozess gerecht zu werden und sie zu unterstützen.

Kontinuierlich wird an den Stärken der Schüler gearbeitet – nicht an den Defiziten. „Wir bauen vom ersten Tag an Beziehungen zu den Kindern auf, um ihnen ein verlässlicher Partner in ihrer persönlichen Entwicklung zu sein.“ Seitens der Schulgemeinde gebe es sehr gute Beziehungen zur Verwaltung, zu den Vereinen, zur Kirchengemeinde und natürlich zu den Eltern, „die wir als Bildungspartner verstehen“.

Rückmeldungen von den Eltern, deren Kinder auf weiterführende Schulen (Gymnasium Michelstadt, Gymnasium Eberbach, Oberzent-Schule Beerfelden) gehen, bestätigten, dass sie dort gut ankommen. Die neue große Stadt Oberzent „kann stolz darauf sein, vier gut aufgestellte Schulen zu haben“, so Koch. „Kurze Beine, kurze Wege“ heiße es für die Kleinen – und in jeder Schule gebe es ein tolles konzeptionelles Angebot.

18 Schüler besuchen aktuell die Reinhart-van-Gülpen-Schule in Gammelsbach. Drei Lehrer sind in der kleinsten Grundschule Hessens tätig: Nina Allmann als Leiterin und Lehrerin in Vollzeit sowie zwei Kollegen mit sieben und fünf Stunden. Der Standort Gammelsbach ist laut Allmann nicht in Gefahr, solange die Schülerzahlen stabil sind. Nach aktuellem Kenntnisstand ändert sich an den Schulbezirken nichts und bleiben auch die Schülerprognosen unverändert, sagt sie. „Die Zusammenarbeit zwischen allen Schulen der Oberzent ist unabhängig von der Fusion schon immer sehr eng und intensiv“, hebt die Rektorin hervor.

Zum Grundschul-Quartett in der Oberzent gehört auch die in der Stried Beerfelden als größte der vier Bildungsstätten in der neuen Stadt Oberzent. Um die 200 Schüler aus Beerfelden und Ortsteilen sowie aus Hesseneck, Falken-Gesäß und Etzean werden in zehn Klassen unterrichtet (Stand 2014). Täglich nutzen bis zu 60 Kinder das für die Eltern kostenlose Ganztagesangebot.

 

Advertisements

Rothenberg hat wieder eine „musikalische Grundschule“: Zertifizierungsfeier mit dem Christoph-Spendel-Christmas-Jazz-Trio

Die vielfältige Vorarbeit hat sich gelohnt: Die Rothenberger Grundschule erhielt nach 2010 erneut das Zertifikat als „musikalische Grundschule“. Mit einer – natürlich von Musik umrahmten – Feier wurde die Übergabe durch Stefanie Werle-Wittmann von Staatlichen Schulamt Heppenheim an Rektorin Angela Assmann begangen. Das „Christoph-Spendel-Christmas-Jazz-Trio“ aus Frankfurt war zu diesem Anlass in den Odenwald gereist und lud Schüler sowie Eltern und Lehrer zum Mitsingen bekannter weihnachtlicher Stücke ein.

„Ihr habt toll gezeigt, was ihr für eine Schule seid“, lobte die Schulamts-Vertreterin. Sie begrüßte die vielen Kinder „als das Allerwichtigste“ einer Lehreinrichtung und zeigte sich von der dargebotenen Musik beeindruckt. Die sei quasi fächerübergreifend: Mathe komme bei den verschiedenen Taktarten zum Tragen, Deutsch wiederum bei den eingestreuten Gedichten.

Die Schule präsentiere sich sowieso schon musikalisch, sagte Werle-Wittmann. Zur Zertifizierung „gehört noch etwas mehr dazu“. Hier kämen „die super engagierten Lehrer“ ins Spiel, aber auch die komplette Schulgemeinde mit Eltern, Verwandten, Freunden und Bekannten. Sie bezeichnete Rothenberg deshalb auch als „musikalisches Dorf“. „Die Zertifizierung ist nicht einfach“, betonte die Grundschuldezernentin. Rektorin Assmann habe, um die Urkunde für Rothenberg wieder erhalten zu können, die Arbeit aus einem Schuljahr präsentiert – mit Erfolg, wie sich zeigte.

Bürgermeister Hans Heinz Keursten hob hervor, wie wichtig die Verzahnung von Kindertagesstätte und Grundschule sei. Deshalb habe er, schmunzelte der Rathauschef, auch die Kita-Kinder „zur Veranstaltung mitgebracht“. Quasi als „Nachwuchs“ für die musikalische Grundschule. Er wies auf die acht muszierenden Vereine in der Gesamtgemeinde hin, die ebenfalls über Nachwuchs dankbar seien.

Rektorin Assmann hatte in der Begrüßung ihrer Freude darüber Ausdruck verliehen, dass Rothenberg fünf Jahre nach der ersten Zertifizierung nun die Wiederholung geschafft habe. In einer „musikalischen Grundschule“ gehe es darum, dass Musik in den Unterricht aller Fächer hineinwirke sowie „zum Lernprinzip und Gestaltungselement im gesamten Schulalltag wird“. Mehr Lehrkräfte sollten zu mehr Gelegenheiten in mehr Fächern mehr Schüler erreichen. „Musik ist quasi der Motor und das Medium für einen ganzheitlichen Schulentwicklungsprozess“, sagte Assmann.

An musikalischen Grundschulen entsteht ihren Worten zufolge so eine neue Lehr- und Lernkultur, „dies sich ganz besonders für inklusive Schulen eignet“. Gleichzeitig sei eine Anpassung an die unterschiedlichen Bedingungen in den Schulen vor Ort gewährleistet. 2012 sei das Projekt der Bertelsmann-Stiftung und des Hessischen Kultusministeriums mit dem ECHO-Klassik Award ausgezeichnet worden, erläuterte Assmann. Das Konzept sei so organisiert, „dass die Nachhaltigkeit gewährleistet ist“.

Unter dem Motto „Eine Reise ins Winter-Wonderland“ entführte zwischendurch das „Christoph-Spendel-Christmas-Jazz-Trio“ die Grundschüler in die Welt des Jazz. Christoph Spendel, Piano, Claudio Zanghieri, Bass, und Jens Biehl, Schlagzeug, spielten bekannte deutsche und internationale Weihnachtslieder in einer Jazzversion. Die drei Musiker aus Frankfurt schufen dabei ein Feuerwerk aus Rhythmen und Klang, gespickt mit Improvisationen und auf höchstem Niveau.

Christoph Spendel verstand es, die jungen Zuhörer mit seiner lockeren und ungezwungenen Art zu unterhalten, zu begeistern, sie zum Mitsingen zu animieren, zum Klatschen, Schnipsen und Summen. Seine kindgerechten Erklärungen sorgten dafür, dass es den Schülern nie langweilig wurde. „Morgen kommt der Weihnachtsmann“, „Let it snow“ oder ein begeistert aufgenommenes „Tell it on the mountain“ ließen die eineinhalb Stunden wie im Flug vergehen. Natürlich zeigten die Kinder zwischendurch mit ihren eigenen verschiedenen Liedern eindrucksvoll, warum Rothenberg wieder eine „musikalische Grundschule“ hat.

IMG_1201 IMG_1192IMG_1188IMG_1194IMG_1196