Michelstädter Musikfestival „Nightgroove“: Gegroovt wurde nur im Trockenen

13 Mal Musik in zwölf Locations: Fertig ist der 15. „Nightgroove“, das Michelstädter Musikfestival. Dieses Mal aber unter ungünstigen äußeren Vorzeichen. Beständiger kalter Nieselregen machte den Weg vom einen zum anderen Lokal ungemütlich. Kein Wunder, dass sich deshalb die Besucher mehr in den Cafés und Gaststätten drängten statt auch ein bisschen draußen zu verweilen. Das Wetter dürfte auch so manchen potenziellen Gast abgeschreckt haben. Gefühlt war am Abend nicht besonders viel los in der Innenstadt: wenig Leute auf den Straßen, die von Ort zu Ort hetzten, Parkplätze in der Nähe gab‘s en masse.

Von Rhythm’n‘Blues, Rock und Rock’n‘Roll bis hin zu Funk, Soul, Folk und karibischen Klängen reicht die Palette. Die volle Dröhnung gibt’s im Café Leyhausen. Die Heilbronner Band „Croco“ rund um die charismatische Sängerin Sabine Stipovic hat die Rockknaller der letzten Jahrzehnte im Gepäck. „I was made für loving you“ von Kiss oder „Crazy“ von Ozzy Osbourne durch eine Frau interpretiert – das hat was. Vor allem, wenn die Frontfrau eine solch wandlungsfähige Stimme wie die Croco-Shouterin hat.

„Mercedes Benz“ von Janis Joplin in der aufgepeppten Rockversion mit einem furiosen Ende stellt fast das Original in den Schatten. „All right now“ von Free kommt so druckvoll durchs Café, dass der Bass die Hosenbeine trocken schleudert. Drangvolle Enge herrscht in den Räumen, laufend wollen neue Gäste rein, die von draußen den wuchtigen Rock hören. Nur: Irgendwann ist Ende, manche müssen mit den nassen Plätzen vorlieb nehmen.

Typisch irische Pub-Atmosphäre im O’Reilly’s. „Amarank“ mit ihrem Irish und Celtic Folk passen dort rein wie die Faust aufs Auge. Die Luft ist dick, warm und rauchgeschwängert, das Guinness fließt in Strömen. Auch hier gilt: Wer es ein Stück weit bis zur Bühne geschafft hat, kann sich glücklich schätzen. Fiddle, Cajon, Tinwhistle, Gitarre, Mandoline und Bodhran sind die Instrumente der drei aus Hanau, die damit gefühlvoll auf die Grüne Insel Irland entführen und auch Ausflüge nach Schottland machen.

Das „Monkeyman Band Trio“ aus dem bayrisch-fränkischen Raum lebt seinen Mix aus Funk, Soul, Groove und Rock in vollen Zügen aus. Marcus Schniedermeier, Peter Wirth und Michel Hauck zaubern einen Soundteppich ins Café Atelier, den manche Bands in der doppelten Besetzung nicht hinkriegen. Ein wenig abseits vom Marktplatz, geht’s hier gemütlich ohne Gedränge, aber umso intensiver zu.

Das Trio zelebriert seine Musik mit jeder Faser, verausgabt sich, improvisiert ständig, spielt sich die Bälle zu. Kein Wunder, dass die Gäste richtig abgehen. Gitarren-, Schlagzeug- und Keyboard-Soli machen die Stücke zum echten Live-Erlebnis. „Listen to the music“ von den Doobie Brothers ist etwa ein solcher Song – oder „Mustang Sally“ von Wilson Pickett. Mit dreistimmigem Gesang und klassischem Hammondorgel-Sound machen sie das Café zur großen Bühne.

Die pfälzische „Gentle Groove Agency“ im Gewölbekeller des Altdeutschen Hofs kommt da ein bisschen weichgespülter, ohne viel Ecken und Kanten, daher. Die Vier haben Rock- und Pop-Perlen der letzten fünf Jahrzehnte im Gepäck. „Free me“ von Uriah Heep ist ein solcher Klassiker, aber auch Coldplay, Bryan Adams oder der „Easy Lover“ von Philip Bailey und Phil Collins werden powervoll gespielt.

Zwei Mann ohne Verstärkung: Dass sich damit bestens bekannte Rocksongs rüberbringen lassen, zeigen „Anplagged“ im Grünen Baum. Zwei Gitarren und zwei Stimmen präsentierten, gut geräuchert, ohne Stöpsel rein akustisch Songs von AC/DC, Guns’n‘Roses, Metallica, Mr. Big, Nirvana, Pink Floyd, The Eagles, U2 oder Whitesnake.

Auch ohne viel Schnickschnack, allerdings verstärkt, gehen die „Jungletones“ in Franzis Weinerei zu Werke. Auf engsten Raum entfesselt das Trio ein Soundgewitter an Rockabilly, Rock’n’Roll, Blues und Surf. Frontmann Guido Kolb lässt sich nicht davon beeindrucken, dass vor ihm kein Platz ist: Couch, Stühle, Tische werden für ihn zum Auftrittsort, als er Chuck Berrys „Carol“ zelebriert. Dazu nur Gitarre, Gesang, Kontrabass und ein Minimal-Schlagzeug. Das reicht, um die Bude zu rocken und die Gäste in ihren Sesseln wackeln zu lassen.

Weitere teilnehmende Bands: Die Nachtigallen, Gipsy Voices, Clapton Experience, Jam Slam, Die Gallier, Café con Leche und Rockingham. Abschluss mit DJ Sound Sonic.

Mehr Bilder hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1648615335182609.1073742026.100001024761983&type=1&l=9337738361

Advertisements