Vorstellung des Oberzent-Grenzänderungsvertrags in der Ober-Hainbrunner Sporthalle: Die Namensdiskussion kann keiner mehr hören

Als der erste das Wort „neuer Stadtname“ in den Mund nimmt, geht bei der Rothenberger Bürgerversammlung zuerst ein Raunen durch die Menge, gefolgt von deutlichen Unmutsäußerungen. Die 175 Besucher in der Ober-Hainbrunner Sporthalle wollten in der überdeutlichen Mehrheit das Thema einfach nicht mehr hören. Stattdessen ging es bei der Vorstellung des Grenzänderungsvertrags eher um die Ärzteversorgung in der Oberzent und um die weitere Zeitschiene.

Unter der Leitung des Gemeindevertreter-Vorsitzenden Dr. Horst Schwinn stellten Kommunalberater Thomas Fiedler und KSO-Fusionsprojektleiter Christian Kehrer nach Sensbachtal und Beerfelden zum dritten Mal die wichtigsten Bestandteile des Grenzänderungsvertrags vor. Fiedler machte deutlich, dass diese „noch nicht in Stein gemeißelt ist“. Bis zum 16. März könnten die Bürger beim Kommunalservice Oberzent noch Eingaben machen, sei es zum Namen oder zu anderen Inhalten.

Allerdings, so Fiedler, müssten bestimmte Punkte auch rechtlichen Erfordernissen Rechnung tragen. Und es gelte die Zeitschiene nicht zu vergessen, damit die Fusion wie im letztjährigen Bürgerentscheid beschlossen am 1. Januar 2018 über die Bühne gehen könne. Er erläuterte, dass es über den Grenzänderungsvertrag oder den neuen Namen „keinen Bürgerentscheid geben wird“. Denn die Thematik sei viel zu diffizil, „um sie nur mit Ja oder Nein zu beantworten“. Wer dagegen sei, müsse den Weg über ein Bürgerbegehren gehen.

Was denn passiert, „wenn in einer Gemeinde mangels Mehrheit der Jahresabschluss 2017 nicht verabschiedet wird“, wollte der Beerfelder Andreas Krauch wissen. „Nichts“, entgegnete Fiedler. Denn das positive Votum sei reine Kosmetik. Eine Ablehnung rein aus politischen Gründen habe keine Auswirkungen. Sollten sich Anhaltspunkte für Fehler ergeben, dann schalte sich sowieso die Kommunalaufsicht ein.

Frank Flachs sprach die Ärzteversorgung an. Ein Walldorfer Ärztehaus wie in der Präsentation als Beispiel zu nehmen, betrachtete er als „ambitioniert“, weil die SAP-Stadt ungleich mehr Geld habe. Er stelle es sich schwierig vor, in einem ehemaligen Bürogebäude in Beerfelden Ärzte ansiedeln zu wollen, meinte Flachs. „Wir streben eine Übergangslösung an, damit ein Anfang gemacht ist“, sagte Christian Kehrer. Man wolle sich darum kümmern, junge Allgemeinmediziner und Fachärzte in die Region zu bekommen. „Nichts zu tun ist auch keine Option“, meinte er unter dem Beifall der Bürger.

Krauch war es danach, der nochmal den kommenden Stadtnamen ansprach. Fiedler entgegnete, dass die „Geschäftsgrundlage“ beim Bürgerentscheid im vergangenen Jahr gewesen sei, dass ein neuer Name anstatt der vier bestehenden her solle. „Niemand ist von Oberzent absolut begeistert“, sagte er. Aber die mittelalterliche Bezeichnung des Gerichtsbezirks sah er als „am kompromissfähigsten“ an. Daneben sei der Begriff „Oberzent“ durch den Fusionsprozess schon zu Bekanntheit gelangt.

Aus der Bürgerrunde kam noch einmal der Vorschlag „Freienstein“, weil die Fusion der vier Orte „eine freie Entscheidung“ gewesen sei. Auch dieser Vorschlag werde Bestandteil der Anhörung sein, der seitens des Fusionsarbeitskreises Ende März anstehe. Danach befassen sich laut Fiedler noch einmal die Kommunalparlamente mit dem Thema. Dort könnten auch Anträge zu anderen Namen kommen. Allerdings „wird es problematisch, wenn es unterschiedliche Meinungen dazu in den vier Kommunen gibt“. Denn alle müssten sich auf eine Bezeichnung einigen.

Ins Gespräch kam noch einmal die Beibehaltung der alten Postleitzahlen. Gerd Menges brachte sie ins Spiel, um das große Gebiet besser zu strukturieren. Theoretisch möglich, sagte Fiedler, man habe aber eine einheitliche vorgeschlagen, um den Neuanfang auch hier zu dokumentieren. Selbst wenn man sie beibehalte, betonte er, „befreit das nicht davon, die Straßennamen zu vereinheitlichen“. Christian Kehrer ergänzte, dass die Bestrebungen dahin gingen, dass bei Eingabe des Namens „Oberzent“ ins Navi ein sinnvoller zentraler Punkt angezeigt werde.

Insgesamt, bilanzierte Gemeindevertreter-Vorsitzender Horst Schwinn zum Schluss der nur halbstündigen Diskussionsrunde unter dem Beifall der Besucher, „wird der Grenzänderungsänderungsvertrag im Großen und Ganzen angenommen“. Nach der Sitzung des Arbeitskreises im Laufe des März stehe Anfang Mai die Verabschiedung des Vertrags durch die vier Kommunalparlamente an. Dann stehe der Fusion am 1. Januar 2018 nichts mehr im Wege.

Info: Die Bürger von Beerfelden, Hesseneck, Rothenberg und Sensbachtal haben im Rahmen der Anhörung die Möglichkeit, Namensvorschläge für die neue Stadt sowie Stellungnahmen zum Grenzänderungsvertrag bis zum 16. März, 18 Uhr, beim gemeinsamen Zweckverband Kommunalservice Oberzent, Projektleitung, z. Hd. Herrn Christian Kehrer, Hauptstraße 32, 64759 Sensbachtal, einzureichen.

 

 

 

Oberzent-Fusion und Namensdiskussion: Der Beteiligungs-Prozess geht weiter wie gehabt

Namensdiskussion, gefühlt die zwanzigste. Dass es in der Stadtverordneten-Versammlung beim FDP-Antrag zwecks Bürgerbefragung zu einer Aussprache kommen würde, war klar. Dass diese allerdings in dieser Form zerfasern würde, war nicht vorhersehbar. Mit einem Ende, das die vorherige Beratung fast schon zur Makulatur machte. Denn das Rund war sich zum Schluss auch mit Blick auf die Uhr einig, dass eigentlich der Inhalt des Antrags bereits aktuell von den Gemeindeverwaltungen durchexerziert wird. Und stimmte nicht mehr darüber ab.

Die FDP hatte beantragt, dass der künftige, mehrheitsfähige Name der neuen Gemeinde im Rahmen einer Bürgerbefragung ermittelt werden soll. Dabei seien alle Vorschläge aus der Bürgerschaft zu berücksichtigen. Fraktionsvorsitzender Frank Leutz begründete dies damit, dass der neue Name ja quasi für Jahrhunderte festgelegt werde. Deshalb solle eine Auswahl nicht nach persönlichen oder Parteipräferenzen erfolgen.

Ursprünglichen hatten die Liberalen einen Bürgerentscheid ins Spiel gebracht. Doch von diesem Ansinnen rückte man wieder ab. Zum einen gebe es nur die wenig sinnvolle Möglichkeit, mit Ja oder Nein abzustimmen, zum anderen würde er den Fusionsprozess verzögern und verkomplizieren. Um eine „faire und bürgernahe Entscheidung“ zu gewährleisten, wünscht sich die FDP das
„Einfangen eines Stimmungsbildes“. Hiermit lasse sich das ganze Meinungsspektrum hinsichtlich der Namensgebung erfassen.

Bürgermeister Gottfried Görig sagte, dass sich der Antrag mit der jetzigen Vorgehensweise des Fusionsarbeitskreises und der Steuerungsgruppe decke. Alle Bürger hätten noch bis 16. März die Möglichkeit, sowohl zum Namen als auch zum Grenzänderungsvertrag Vorschläge, Kritik und Ideen einzubringen. Am 21. März tage dann der Fusionsarbeitskreis, der die Anregungen mit aufnehme und berate. Ihm attestierte KSO-Fusionsprojektleiter Christian Kehrer. In allen Bürgerversammlungen würden jetzt die Stimmen gesammelt „und in den politischen Prozess eingespielt“.

Aus der Runde, etwa von Andrea Heß-Kraus und Rüdiger Holschuh (SPD) wie auch Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) kam die Rückfrage, wie denn das FDP-Verfahren ausgehen bzw. auch funktionieren solle. Eine Frage, die Leutz nicht konkret beantworten konnte. Ihm ging es mehr darum, die Entscheidung an die Bürgerschaft zurückzugeben und innerhalb der Stadtverordneten-Versammlung zu überlegen, wie dies geschehen könne.

Stadtverordneten-Vorsteher Hans-Jürgen Löw (SPD) ergänzte, dass über dem Grenzänderungsvertrag immer noch das Wort Entwurf drüberstehe. Sein Parteikollege Erwin Körber sah wie auch Chris Poffo (FWG) und Andrea Heß-Kraus (SPD) eine Gefahr mit der Zeitschiene, wenn man nun beim Namen wieder von vorn anfange. „Die Namensdiskussion stellt alles in Frage“, sagte Bühler-Kowarsch. Sie wies darauf hin, „dass wir nicht allein in Beerfelden sind“. Es gebe noch die Stadtteile und drei andere Kommunen.

Von Kehrer kam der Vorschlag, den Termin 16. März abzuwarten, dann mit den Vorschlägen und Anregungen in den Arbeitskreis Fusion zu gehen, Tendenzen sowie Vorgaben abzuwägen und danach eventuell über eine Bürgerbefragung nachzudenken. Wobei nicht nur von Poffo in den Raum geworfen wurde, welche formalen Kriterien für diese denn gelten solle. Wann sie repräsentativ sei.

Klare Worte fand Rüdiger Holschuh: „Wir lügen uns doch in die Tasche“, sagte er. Am Ende „wird als Name Oberzent drüberstehen“, denn man müsse sich ja auch mit den anderen drei Gemeinden einigen. Und: „Jeder will doch die Fusion.“ Vielleicht, meinte er selbstkritisch, hätte man die Namensdiskussion doch an den Anfang der Beratungen stellen sollen. Abgestimmt wurde über den FDP-Antrag letztendlich nicht, da sich der Tenor durchsetzte, dass sich das aktuelle Vorgehen mit ihm mehr oder wenig deckt.

Info: Die Bürger von Beerfelden, Hesseneck, Rothenberg und Sensbachtal haben im Rahmen der Anhörung die Möglichkeit, Namensvorschläge für die neue Stadt sowie Stellungnahmen zum Grenzänderungsvertrag bis zum Mittwoch, 16. März, 18 Uhr, beim gemeinsamen Zweckverband Kommunalservice Oberzent, Projektleitung, z. Hd. Herrn Christian Kehrer, Hauptstraße 32, 64759 Sensbachtal, einzureichen.

Besondere Anerkennung für die Arbeit im Vorfeld der Oberzent-Fusion durch Bund der Steuerzahler und Hessischen Städte- und Gemeindebund

Große Freude bei den Vertretern der vier Oberzent-Kommunen. Sie erhielten eine Sonder-Auszeichnung von Bund der Steuerzahler (BdSt) Hessen und Hessischem Städte- und Gemeindebund (HSGB) im Rahmen der Verleihung des sogenannten „Spar-Euro“ an ausgewählte hessische Kommunen. „Das ist eine besondere Anerkennung für unsere Arbeit im Vorfeld der Fusion zum 1. Januar 2018“, freute sich Rothenbergs Bürgermeister Hans Heinz Keursten.

Mit der Auszeichnung von BdST und HSGB werden Städte, Gemeinden oder Landkreise geehrt, die durch wirtschaftliches Verhalten der Verwaltung, die Förderung des Bürger- und Vereins-Engagements oder durch interkommunale Zusammenarbeit positive Beispiele geben. Mit der Auszeichnung sollen nicht nur Dank und Anerkennung ausgedrückt, sondern auch andere Städte, Gemeinden und Landkreise zur Nachahmung ermutigt werden.

Der freiwillige Zusammenschluss von Beerfelden, Hesseneck, Rothenberg und Sensbachtal wurde besonders hervorgehoben. BdSt und HSGB würdigten damit den Vorbildcharakter der ersten freiwilligen Gemeindefusion seit der Gebietsreform in den 1970er Jahren. Durch den Zusammenschluss werde die neue Stadt nicht nur vom Land mit vier Millionen Euro teilentschuldet, sondern erhalte auch zusätzliche finanzielle Mittel aus dem Kommunalen Finanzausgleich, realisiere vielfältige Synergieeffekte und habe somit unter dem Strich deutlich mehr Handlungsspielraum.

Die Bürger, die dem Vorhaben bei Bürgerentscheiden im vergangenen Jahr mit großer Mehrheit zustimmten, profitierten nicht zuletzt von einem besseren Dienstleistungsangebot der Verwaltung bei gleichzeitig weniger stark steigenden Belastungen, heißt es von den beiden Organisationen. Nach aktuellen Stand bringt die Fusion der neuen Stadt im Jahr 933.000 Euro mehr in die Kasse als es die vier eigenständigen Kommunen zusammen gehabt hätten.

Landrat Frank Matiaske würdigte die Anstrengungen in der Oberzent, die weit über den Odenwaldkreis hinausstrahlten und Signalwirkung für andere hessische Kommunen hätten, als Blaupause für künftige Zusammenschlüsse dienen könnten. Hessenecks Bürgermeister Thomas Ihrig hob die Zusammenarbeit auf Augenhöhe hervor, wodurch niemals der Charakter einer Eingemeindung der kleinsten hessischen Gemeinde aufgekommen sei.

Sensbachtals Bürgermeister Egon Scheuermann lobte die überaus konstruktive und faire Mitwirkung der übergeordneten Behörden, gerade an den vorbereitenden Arbeiten für den Grenzänderungsvertrag. Bei der Verleihung in Wiesbaden waren in Vertretung für Bürgermeister Gottfried Görig auch Erster Stadtrat Horst Kowarsch aus Beerfelden und KSO-Fusionsprojektleiter Christian Kehrer zugegen.

Der Spar-Euro wurde insgesamt zum 15. Mal verliehen. In der Jury wirkten Claudia Koch, Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen Hessen, Burkhard Köhler, Präsident des Steuerberaterverbandes Hessen, Joachim Papendick, Vorsitzender des BdSt Hessen, Andreas Pittner, Geschäftsführer der SV-Kommunal GmbH, Karl-Christian Schelzke, Geschäftsführer des HSGB, sowie Claus Spandau, Leiter des Kompetenzzentrums interkommunale Zusammenarbeit, mit.

Bürgerversammlung in Beerfelden: Leichte Ermüdungserscheinungen bei der Oberzent-Namensdiskussion

Und täglich grüßt die Namensdiskussion. Bei der zweiten Runde der Vorstellung des Grenzänderungsvertrags anlässlich der Oberzent-Fusion war es wieder die Bezeichnung für die künftige Stadt, über die sich die Bürger in der Alten Turnhalle die Köpfe heiß redeten. Wobei gewisse Ermüdungserscheinungen deutlich zutage traten und auch explizit geäußert wurden. Tenor: „Ich kann das ganze Thema nicht mehr hören“.

Dass der Name „Oberzent“ fast durchgehend akzeptiert wird, ließ sich am kräftigen Applaus für Beiträge in dieser Richtung ausmachen. Eben als Kompromiss im Sinne eines Zusammenschlusses auf Augenhöhe, bei dem jeder etwas geben muss, andererseits aber auch etwas genommen bekommt. Gegeben wird den vier Gemeinden auf jeden Fall mehr Geld, machten die beiden Moderatoren des Abends gebetsmühlenartig klar.

Nämlich fast eine Million Euro durch die Ersparnis von drei Bürgermeister-Gehältern, mehr Geld aus dem kommunalen Finanzausgleich und die Entschuldungshilfe des Landes in Höhe von vier Millionen Euro über 20 Jahre.  In diesem Zusammenhang, erläuterte Kommunalberater Thomas Fiedler, habe man auch auf die Aufrechnung von kleineren Summen verzichtet, egal ob sie jetzt positiv oder negativ zu Buche schlagen.

Fiedler, der zusammen mit KSO-Projektleiter Christian Kehrer den Grenzänderungsvertrag vorstellte, ging damit auf die Frage aus dem Publikum nach den Kosten für die kostenlose Umstellung von Ausweisen oder Fahrzeugpapieren ein. Diese zu ermitteln, sei unwirtschaftlich, so der Kommunalberater. Genauso wenig wirtschaftlich wie zu klären, welche Kosten man spare, indem jetzt für alle vier Rathäuser geballt das Toilettenpapier geordert werden könne, schmunzelte er.

Der kürzliche Hype um die Beibehaltung von „Beerfelden“ für die fusionierte Stadt schlug sich nicht in der von Stadtverordneten-Vorsteher Hans-Jürgen Löw geleiteten Bürgerversammlung nieder. Lediglich eine hörbare Stimme gab es von Andreas Schmucker. „Ich von Beerfellmer und will es bleiben“, machte er deutlich. Er plädierte deshalb dafür, sowohl den Namen als auch die verschiedenen Postleitzahlen beizubehalten. Dann müssten 6400 Bürger keine Adresse ändern, was entsprechende Erleichterungen bedeute.

Ihm entgegnete Elisabeth Bühler-Kowarsch: „Wir wollen doch zusammenwachsen.“ Warum sollten dann bisheriger Name und alte PLZ weiterbestehen, meinte sie. Oberzent als Bezeichnung für das neue Gebilde sei ein „Überbegriff“. Identität stifte doch letztendlich der Geburts- und Wohnort. Und genau dieser, wurde aus einer anderen Äußerung deutlich, werde im Zuge der Fusion deutlich aufgewertet. Denn er stehe künftig oben auf dem Ortsschild – in fetter Schrift.

Eine Lanze für den Namen Freienstein brach Wilhelm Holschuh aus Gammelsbach. Denn während die (Ober-)Zent „nur“ ein Gerichtsbezirk war, dem nicht einmal Rothenberg angehörte, handle es sich bei Freienstein um einen Verwaltungsbezirk des Erbacher Fürstenhauses, in den alle vier Kommunen integriert waren. Seit 1779 auch Rothenberg. Die Fürstenauer Sterne finde man auch noch in den heutigen Ortswappen.

Einigen Plädoyers für Oberzent als bereits bekannte Bezeichnung im Odenwaldkreis standen auch Einwände gegenüber, dass Touristen mit diesem Namen nichts anfangen könnten. Die Replik kam prompt: „Touristen kennen auch Beerfelden nicht.“ Generell, so Kehrer, müsse man jetzt an die Vermarktung des neuen Namens gehen, sobald der Grenzänderungsvertrag im Mai von den Gremien beschlossen worden sei.

Gerade die jüngere Generation verbinde „Oberzent“ mit der gleichnamigen Schule und nicht mit dem Galgen, hieß es als Antwort auf Probleme mit der früheren geschichtlichen Bedeutung. Werner Hildwein wollte allerdings auch festgeschrieben wissen, dass man den Begriff als landschaftliche Bezeichnung wählt. „Viele Gammelsbacher und Hetzbacher können die Diskussion um den Namen Beerfelden nicht nachvollziehen“, wurde ebenfalls in die Runde geworfen.

Wer wird der Staatsbeauftragte nach der Fusion am 1. Januar bis zum Amtsantritt des neuen Bürgermeisters? Aus dem Publikum kamen Bedenken, dass ein jetziger Amtsinhaber, konkret Thomas Ihrig aus Hesseneck, daraus Vorteile für eine spätere Bürgermeister-Kandidatur in der fusionierten Stadt ziehen könnte. Wie Thomas Fiedler sagte, werde man eventuell in der kommenden Zeit „konkretisieren können“, dass dort eine andere Person aufgeführt werde. Denn möglicherweise habe das Regierungspräsidium die gleichen Bedenken. Fiedler machte aber auch deutlich, dass es sich um eine atmosphärische Frage handle, rein formal gebe es keine Hinderungsgründe.

Fiedler und Christian Kehrer verdeutlichten auf Nachfrage, dass die Postleitzahlen nicht unbedingt geändert werden müssten. Eine entsprechende Frage hatte es aus der Bürgerschaft gegeben. Denn dann, so der Einwand, müsse es keine Änderungen von Straßen und Briefköpfen geben. „Wenn Fusion, dann richtig“, meinten die beiden Fachleute aber. Letztendlich dienten klar definierte Straßen ohne Dopplungen in einer Stadt auch der eigenen Sicherheit, wenn Rettungsdienste den Weg finden müssten.

Die Einwohner interessiert vor allem der neue Oberzent-Name: Informationen zum Grenzänderungsvertrag bei der Bürgerversammlung in Sensbachtal

Es ist immer der Name. Gesetzliche Bestimmungen, Formalien, Paragrafen und Wahltermine interessieren bei der Bürgerversammlung im Rathaus-Sitzungssaal mehr oder weniger nur am Rande. Denn als die Diskussion nach der Vorstellung des Grenzänderungsvertrags freigegeben wird, dauert es nicht lange, bis es sich darum dreht, wie die neue fusionierte Stadt heißen soll.

Klar, für Beerfelden sind sie hier im Sensbachtal nicht. Kritiker einer Oberzent-Stadt machen sich jedoch lautstark Luft, sind aber in der klaren Minderheit, wenn man den Beifall für das Plädoyer zugunsten des bereits gesetzten Namens als Anhaltspunkt heranzieht. Geduldig harren die Bürger aus, auch als zum vierten Mal eine ältere Dame von den Vorzögen der Region in Form von Quellen, Brunnen und Wald schwärmt und sich vehement dafür einsetzt, diese in einem neuen Namen zu verewigen.

Souverän führten unter der Sitzungsleitung von Karin Scior der Fusionsprojektleiter beim Kommunal-Service Oberzent, Christian Kehrer, und Kommunalberater Thomas Fiedler durch die verschiedenen Punkte des Grenzänderungsvertrags. Er regelt alles rund um die zum 1. Januar 2018 anstehende Fusion von Beerfelden, Sensbachtal, Rothenberg und Hesseneck, die aber mit diesem Datum noch längst nicht abgeschlossen ist.

Denn die neue Stadtverordnetenversammlung und der neue Bürgermeister werden erst Ende April gewählt. So lange führt ein Staatsbeauftragter die Geschäfte, werden sämtliche vier bisher bestehenden Gemeindevertretungen zu einer zusammengeführt. Auch die Gemeindevorstände bilden vorerst ein Gremium.

Wie Fiedler sagte, habe die Oberzent mit dem Grenzänderungsvertrag „in Hessen absolutes Neuland“ betreten. Die Gespräche mit den Behörden seien durch „ein großes Wohlwollen“ geprägt gewesen. „Jeder brachte seine Kompetenzen ein.“ Für Fiedler sehr schöne Erfahrungen, „die alles andere als selbstverständlich sind“. Er machte darauf aufmerksam, dass die Bürger noch bis zum 16. März in den jeweiligen Rathäusern ihre Stellungnahmen zum Vertrag abgeben könnten.

„Ein Bürgerentscheid ist nicht vorgesehen“, machte der Kommunalberater deutlich. Weder über den Grenzänderungsvertrag noch über den neuen Stadtnamen. Denn lediglich ein „Ja“ oder „Nein“ würde dem komplexen Thema bei Weiten nicht gerecht. Beratungen in den Gremien seien dagegen viel detaillierter möglich. Mit dieser Vorgehensweise versuche man den richtigen Weg zu finden zwischen intelligenter Demokratie – und dem Bürgerentscheid vor einem Jahr über die Fusion an sich – sowie repräsentativer Demokratie, indem jetzt das Vertragswerk in den Parlamenten besprochen und entschieden werde.

Und dann der Name: Fiedler wies darauf hin, dass letztendlich der Innenminister das letzte Wort habe. Man könne nur Vorschläge unterbreiten. Er sagte, dass „Oberzent“ sicher ein Kompromiss sei, „der für manche mehr, für andere weniger vorstellbar ist“. Aber letztendlich „bleibt doch Beerfelden Beerfelden“, wenn auch als Stadtteil. Im Gegenteil: Sämtliche bisherigen Ortsteilnamen bleiben erhalten und fänden sich ganz oben auf dem Ortschild wieder. Ganz klar seine Aussage: „Ein bestehender Name ist nicht möglich.“

Unterstützung erhielt er dabei auch aus dem Publikum. Da wurde von einem Fusionsnamen als „Schall und Rauch“ geredet, denn letztendlich identifizierten sich die Bürger doch über ihren eigenen Wohnort. „Hauptsache oben steht Sensbach, was sich darunter befindet, ist mir schnurzpiepegal“, brachte es eine Einheimische auf den Punkt. Auch Fiedler wies darauf hin, dass man die Fusion ja nicht wegen einem besonderen Namen mache, sondern weil dadurch pro Jahr knapp eine Million Euro mehr im Säckel der dann neuen Stadt landet.

Kehrer verdeutlichte, dass bereits etliche Institutionen der Region die Oberzent im Namen führten. „Jeder hier weiß, was damit gemeint ist.“ Dafür gab es auch Bestätigung von den Bürgern. Aufgebracht wurde noch der Name Freienstein, aber letztendlich stieß dieser Vorschlag auf keine Resonanz. Bis dato sind es knapp 100 Namensvorschläge, die bei der Steuerungsgruppe vorliegen.

Aus dem Publikum kam die Frage nach dem gemeinsamen Ortsbeirat für alle drei bisherigen Sensbachtaler Ortsteile. Ob man sich nicht etwas vergebe, wenn nicht Hebstahl sowie Unter- und Ober-Sensbach jeweils einen eigenen stellten? Christian Kehrer machte deutlich, dass das gemeinsame Gremium nicht auf Dauer bestehen müsse. Bereits 2021, bei der nächsten regulären Kommunalwahlrunde, könne man davon abweichen, wenn das gewollt sei.

Der KSO-Projektleiter sagte aber auch, dass die vorgeschriebene Sitzzahl – in diesem Fall sieben – immer erfüllt werden müsse. „Mit sechs Personen gibt es keinen Ortsbeirat.“ Wenn man dann noch zusätzlich Stadtverordnete und Magistratsmitglieder hin zu zähle, seien das über zehn Personen, die sich ehrenamtlich einbringen müssten, ergänze Fiedler.

In diesem Zusammenhang wies Bürgermeister Egon Scheuermann darauf hin, dass die jetzige Gemeindevertretung nur sechs Mitglieder habe, weil es nicht mehr Bewerber gab. „Wir wollten auf Nummer sicher gehen, damit wir überhaupt einen Ortsbeirat zustande bringen“, betonte er mit Blick auf das gemeinsame Gremium aller drei Orte.

 

 

 

In Falken-Gesäß und Leonardshof: Bei der Hausnummernsortierung gibt es Kraut und Rüben

Die Hausnummern-Sortierung im Leonardshof oder die Häuserzuordnung zu Straßen in Falken-Gesäß sind eine wahre Pracht. Da gibt es an einer Stelle die Nummern 14 bis 16, ganz woanders dann die 10, gefolgt von der 34. Ein Haus an der Unteren Ortsstraße ist aber von der Hausnummer her der Oberen zugeordnet. Ganz zu schweigen von Straßenbezeichnungen, die teilweise verschlungen und nicht nachvollziehbar sind.

Wie Christian Kehrer vom Kommunalservice Oberzent und Bürgermeister Gottfried Görig auf der Ortsbeiratssitzung erläuterten, besteht im Rahmen der Fusion zum 1. Januar die einmalige Gelegenheit, solche über die Jahrzehnte und Jahrhunderte wild gewucherten Straßen und Hausnummern zu entwirren und Ordnung zu schaffen.

Kehrer sagte, dass es in Falken-Gesäß im Gegensatz zu anderen Orten keine Namensdopplungen gebe. Jedoch könnte man Häuser anderen Straßen zuordnen oder sogar für bestimmte Abzweigungen neue Straßennamen schaffen. Als Beispiel führte er sein eigenes Beispiel aus Finkenbach an. Dort stehen vier Häuser in einem Stichweg der Wetterbergstraße. Die Anwohner beschlossen nun, aus diesem „Am Wetterberg“ zu machen.

Eine „katastrophale Nummerierung“ gebe es im Leonardshof. Vor allem mit Blick auf die Rettungsdienste, aber auch wegen Brief- und Paketzustellung, sei es ratsam, hier Ordnung zu schaffen. Das Thema werde derzeit in der Verwaltung aufgearbeitet. Wobei es letztendlich an den Bürgern selbst liege, dieses in die Wege zu leiten. Allerdings habe die Stadt im Rahmen der Gefahrenabwehr eine Zwangsmöglichkeit. „Jetzt sind Änderungen möglich“, betonte Kehrer. Über das Für und Wider gab es anschließend eine angeregte Diskussion.

Ortsvorsteher Manuel Schwinn wies auf das Chaos rund ums Schulhaus mit der unklaren Zuordnungen bei Unterer und Oberer Ortsstraße hin. Aber auch der Postweg ist ein potenzieller Kandidat. Hier könnte es Sinn machen, ein paar Häuser der „Raudelle“ zuzuordnen. An anderen Stellen machte Kehrer deutlich, dass das eine oder andere Gebäude in einer anderen Straße besser aufgehoben wäre, weil logischer.

Aus der interessierten Bürgerrunde wurde daneben mit Blick auf den Namen Oberzent darauf hingewiesen, dass es schon seit Jahrzehnten eine Schule und eine Halle mit dieser Bezeichnung gebe. Und inzwischen 16 Vereine und Institutionen, die den mittelalterlichen Gerichtsbezirk aufgenommen hätten, so Kehrer. Die losgetretene „unsägliche“ Namens-Diskussion verglich Ortschaftsrätin Bernhild Hofherr mit den gerufenen Geistern aus Goethes Zauberlehrling.

Aktuell sei gerade eine Homepage für die neue, fusionierte Stadt in Vorbereitung, erläuterte der KSO-Projektleiter. „Wir müssen es jetzt in Angriff nehmen, einen neuen Namen richtig publik zu machen.“ Denn ab dem 1. Januar 2018 werde man nicht nur in Hessen, „sondern bundesweit als jüngste Stadt Deutschlands Beachtung finden“. Laut Kehrer sollte man nicht Vergangenem hinterher rennen, „sondern in die Zukunft blicken“.

Bürgermeister Görig ergänzte, dass sich auch nach der Gebietsreform Anfang der 70er Jahre die Identifikation mit dem Heimatort nicht änderte. „Ein Airlenbacher blieb ein Airlenbacher“, meinte er. Das sei jetzt nicht anders. Vielmehr sei der Dachname Oberzent „im Odenwaldkreis ein Begriff“. Von den bisherigen, weiteren Vorschlägen habe ihn keiner überzeugt.

Oberzent-Fusion: Beerfelder Stadtteile wie Falken-Gesäß sind dann nicht mehr „eingemeindet“

Die Oberzent-Fusion beschäftigt die Bürger. Ortsbeiratssitzungen in den Beerfelden Stadtteilen sind seit Wochen gut besucht, der Entwurf des Grenzänderungsvertrags wird hinterfragt, über den neuen Namen und andere Umstellungen gesprochen. So wie jetzt auch bei der Zusammenkunft in Falken-Gesäß, zu der ins Dorfgemeinschaftshaus über 30 Bürger kamen. Diese beteiligten sich rege an der Aussprache über dieses Thema. Tenor: Der neue Name „Oberzent“ wird für gut befunden und akzeptiert.

Christian Kehrer, Fusions-Projektleiter beim Kommunalservice Oberzent, war ebenso wie Bürgermeister Gottfried Görig zu der von Ortsvorsteher Manuel Schwinn geleiteten Sitzung gekommen. Kehrer stellte den Entwurf des Grenzänderungsvertrag vor und machte Werbung für die am 7. März stattfindende Bürgerversammlung zu diesem Thema in der Alten Turnhalle Beerfelden. „Am 6. März vergangenen Jahres haben sich die Bürger für die Fusion entschieden, das Thema ist durch“, betonte er.

Die Bürger hätten mit ihrem positiven Votum den Auftrag erteilt, diesen Grenzänderungsvertrag zu erarbeiten, machte er deutlich. Auch wenn im Entwurf der Name „Oberzent“ stehe, „haben die Einwohner dabei das letzte Wort“, rief er zu konstruktiven Namensvorschlägen auf. Die bisherigen Beerfelder Stadtrechte würden von der neuen Stadt übernommen, hätten aber nicht mehr die Bedeutung wie in früheren Zeiten. Eher „ein Titel ohne Mittel“, schmunzelte er.

Kehrer ging noch einmal auf den damaligen Bürgerentscheid ein. Wäre damals der Name „Beerfelden“ für die neue Stadt gesetzt worden, hätte das in den Augen der umliegenden Gemeinden eine Eingemeindung bedeutet und keine Fusion auf Augenhöhe. Er war sicher, dass unter diesen Vorzeichen die Rothenberger, Hessenecker und Sensbachtaler nicht (mehrheitlich) dafür gestimmt hätten. „Ich auch nicht“, meinte der Finkenbacher.

Aus den Vorstellungen des Grenzänderungsvertrags in den anderen Beerfelder Ortsteilen wusste er, dass der neue Name Oberzent kaum ein Thema ist. Wichtiger ist den Stadtteilbürgern eine Aussage, die auch in Falken-Gesäß deutlich wurde: „Wir sind dann nicht mehr nach Beerfelden eingemeindet.“ Die Ortsteile bekämen ihre alte Identität zurück. Wie übrigens die Kernstadt auch, so Kehrer.

Als ein „ganz spezifisches Thema“ bezeichnete er die Wappenkunde. Im 23. Entwurf kam man schließlich zur jetzigen Fassung. Kehrer erläuterte, wie sich Steuerungsgruppe und Heraldiker in ihren Vorstellungen langsam einander annäherten. So wies der Wappenkundler aufgrund des geschichtlichen Bezugs der Oberzent auf den Galgen als prägende Stätte hin. Was man aber im Arbeitskreis als unpassend für eine moderne, der Zukunft zugewandte Stadt empfunden habe.

Auch die bayrische weiß-blaue Raute wegen der Verleihung der Stadtrechte durch König Ludwig und Bezüge auf den Bischof von Worms wurden wieder verworfen. „Die Tendenz ging dann Richtung Allianzwappen“, so Kehrer. Erst in Kreuzform, dann in Schrägstellung. Dabei stellte sich auch die Frage, wie die bisherigen insgesamt acht Sterne aus den vier Wappen untergebracht werden könnten. Das Erbacher Grafenwappen sei nun durch die Farbe Rot-Weiß und zwei Sterne vertreten.

„Man kann nicht von jedem alles nehmen“, betonte der Projektleiter das „gemeinsame“ Wappen. Wenn man etwa die drei Sterne von Beerfelden mit unterbringen wolle, „wird der Bär kleiner“, beantwortete er eine Frage. „Name und Wappen sind emotional“, wusste Kehrer. Das hessische Staatsarchiv habe zur aktuellen Wappens-Fassung bereits sein Okay gegeben. Auch aus der Bürger-Runde kamen keine negativen Äußerungen. Eher die Feststellung, dass ja auch Rothenberg seinen Adler habe aufgeben müssen – eben ein Geben und Nehmen.

KSO-Mitarbeiter Christian Kehrer zeigte beispielhaft ein Ortsschild, wie es bei einer Festlegung auf den Namen „Oberzent“ aussehen könnte. Er wies darauf hin, dass im Zuge einer gleichberechtigten Fusion alle Bürger Veränderungen herbeiführen müssten. Von Stadtseite her gebe es ein großes Maß an Unterstützung. So erfolgten etwa Änderungen in Personalausweis und Fahrzeugschein kostenlos. Auch stehe man mit anderen Behörden in Kontakt, um einen möglichst reibungslosen Übergang zu schaffen. Seitens der Post sei gewährleistet, dass Briefe und Pakete mit der alten Anschrift noch über Jahre hinaus zugestellt würden.