Sandsteinplatten erschließen das Freigelände

Das Freigelände oberhalb des Parkplatzes am Oberzent-Museum bekommt ein neues Gesicht. Verschiedene Sandsteinexponate, die Feldscheune und der Rennofen sind dort zu finden. Bisher war der mittlere Aufgang etwas mühsam, jetzt sorgen akribisch verlegte Steinplatten dafür, dass sich der vorher zugewucherte Weg wieder ordentlich präsentiert. Die entsprechenden Mittel stellt der Heimat- und Geschichtsverein Oberzent zur Verfügung.

Verwendet wird dafür Odenwälder Sandstein, erläutert die zweite Vorsitzende Inge Groß. Der wurde bei der Firma Baldauf in Falken-Gesäß geordert und durch die Firma Weber verlegt. Da die Platten nur auf einer oberen Seite bearbeitet sind, damit darüber gemäht werden kann, war es eine zeitaufwändige Arbeit, sie ins Wasser zu bringen. Groß zeigt sich aber sehr zufrieden mit dem Erreichten: „Die arbeiten sehr genau“, stellt sie den Handwerkern ein gutes Zeugnis aus. Etwa 60 Quadratmeter werden verlegt.

Das Gelände ist ihren Worten zufolge immer öffentlich zugänglich. Wer schlecht zu Fuß ist, kann den seitlichen Aufgang nutzen. In der Scheune finden sich landwirtschaftliche Geräte aus früheren Zeiten, Pferde- und Kuhgeschirr, Pflüge, alte Wasserleitungen, außerdem Bienenkörbe und Schleudern. Viele Erläuterungstafeln machen Interessierte mit den Exponaten vertraut. Die Arbeit war hart: Zuerst musste das Getreide gemäht werden, mit der Sichel oder mit der Sense. Dabei wurde die Arbeit immer wieder unterbrochen, um die Sense mit dem Wetzstein zu schärfen.

Helfer banden das gemähte Getreide zum Trocknen zu Garben zusammen, ist im Museumsflyer zu lesen. Erst danach wurde es Getreide eingebracht. Erst wurde es mit dem Dreschflegel gedroschen und dann von Spelzen, Spreu und Unkrautsamen gereinigt. Vor 100 Jahren wurden dafür Maschinen entwickelt, die ursprünglich meist über Transmissionsriemen durch eine Dampfmaschine oder einen Göpel angetrieben wurden. Später wurden als Antrieb Elektromotoren eingesetzt.

Der Säulengöpel wurde noch Anfang des 20. Jahrhunderts eingesetzt und trieb landwirtschaftliche Geräte wie Häcksel- und Dreschmaschinen an. In Bewegung versetzte ihn ein im Kreis laufendes Pferd oder ein Ochse. Im 13. Jahrhundert wurden Göpel bereits in Bergwerken genutzt. Messungen an einem Göpel führten zur Einführung der Leistungseinheit PS (Pferdestärke) durch James Watt.

Dazu kommen verschiedene Sandsteinexponate, wie etwa ein Findling vom Marbachstausee, der nicht fürs Himbächel-Viadukt verwendet wurde.  Der Buntsandstein hatte im Odenwald von jeher eine große Bedeutung. Burgen und großen Häuser wurden damit gebaut. Zahlreiche Gebrauchsgegenstände wie Tröge, Brunnenstöcke, Pressen, Dengelstöcke, Grenz- und Stellsteine wurden aus diesem leicht zu bearbeitenden Stein gefertigt. Verschiedene Grenzsteine, mit und ohne Wappen, mit denen man spätestens seit dem 14. Jahrhundert Grenzen zu sichern versuchte, sind zu sehen.

Zu finden sind auch noch eine Kelter von 1864 oder das Sandsteinrad einer Apfelpresse.  Zur Herstellung des Odenwälder Nationalgetränks, des Apfelweins, müssen die Äpfel zunächst zermahlen und anschließend gepresst werden, ist dem Museumsflyer zu entnehmen. Dies geschah, indem man das Obst in einem bogenförmigen Stein- oder Holztrog mit einem darin laufenden Sandstein-Rad zerquetschte. Geführt wurde es mit einem Holzstamm. Oberhalb des Freigeländes befindet sich eine historische Seilerei.

Ein Rennofen wurde vor drei Jahren in Betrieb gesetzt. Dabei handelt es sich um eine Vorrichtung zum Gewinnen von Eisen aus Eisenerz. Der aus Lehm oder Stein errichtete Schachtofen hat eine Höhe von 50 bis 220 Zentimeter. Daneben befand sich oft eine Herdgrube für Schlackenablass, die so genannte Renngrube. Dabei handelt es sich um das älteste Verfahren, um bearbeitbares Stahl herzustellen. In Etzean wurde eine hochmittelalterliche Waldschmiede-Siedlung archäologisch nachgewiesen. Zu dieser Zeit wurden ausschließlich Rennöfen genutzt.

Wechsel an der Spitze des Heimat- und Geschichtsvereins – Schwerpunkt Oberzent-Museum

Der langjährige Vorsitzende Dieter Borck hört nach 16 Jahren auf, aber ein Nachfolger ist bereits gefunden: Beim Heimat- und Geschichtsverein Oberzent ist an der Spitze Kontinuität angesagt, wenn die Mitglieder am Freitag zur Jahreshauptversammlung zusammenkommen. Denn der neue Mann bringt viel kommunalpolitische Erfahrung mit, wirkte er doch in der früheren Stadt an oberster Stelle. Beste Bedingungen für den 31 Jahre alten Verein, sich auch in Zukunft mit Hingabe der Oberzent-Geschichte zu widmen.

Aus dem „Schwarzen Haus“, das der Verein erbte, wurde das Oberzent-Museum. „Schon damals kam der Name der heutigen Stadt vor“, schmunzelt der 78-Jährige im Rückblick. Der frühere Vorsitzende Kurt Siefert und sein Team „arbeiteten heftig“ an der Ausgestaltung. „Er ist mein Vorbild“, sagt der Schöllenbacher Pfarrer in Rente. Die Gründungsmitglieder wurden jedoch langsam älter, die Aktiven weniger, die Arbeit blieb.

„Der Verein stand damals kurz vor der Auflösung“, erinnert sich Borck, als Kurt Siefert 2002 nach 15 Jahren sein Amt zur Verfügung stellte. Borck kam 1998 als Pfarrer in die Oberzent. „Ich fand es maßlos schade aufzuhören“, sagte er damals, fragte den Kirchenvorstand, ob er „nebenher“ ehrenamtlich tätig sein könne und wurde zum Vorsitzenden gewählt. Mit einem neuen Vorstandsteam „wollten wir alles wieder zum Laufen bringen“. Was auch gelang.

Ein neues Konzept ging weg vom Museum hin zur erlebten Geschichte. Wer ins Museum kam, sollte sich so fühlen, als besuchte er das Haus der Großmutter „und die Oma ist gerade auf dem Markt beim Einkaufen“. Also quasi wie im richtigen Leben. Die Vitrinen kamen raus, die Schränke erhielten Glasschiebetüren, damit man den Inhalt sehen konnte. Was nicht zum Konzept passte, wurde an geeignete Stellen weitergegeben. Ein alter Safe steht jetzt im Erbacher Landratsamt, die Wurzelkrippe des Gammelsbacher Holzschnitzers Tikale fand ihren Platz in der dortigen Kirche.

Eine Aktion für die Zukunft, die immer noch läuft, ist die Digitalisierung der Kirchenbücher. Sie wurden in mühevoller Handarbeit in den Computer getippt, erst in Beerfelden, dann in Rothenberg. „Fürs Tippen war ich nie schnell genug“, schmunzelte der ehemalige Pfarrer, „aber ich kann 200 Jahre zurücklesen“. Die Verknüpfungen in der Datenbank „können bei der Ahnensuche helfen“, stellt er den großen Wert heraus. „Ich habe wenig und viel gemacht“, sagt der 78-Jährige über sich. Es ist immer das Team, das einen Verein voranbringt. Der eine hat Ideen, die anderen setzen sich um. All diese Leistungen „gehen nur übers Ehrenamt“, verdeutlicht Borck.

„Wir haben fürs Museum nie Eintritt genommen“, erläutert der Pfarrer i.R. Ein gutes Konzept: „Die Leute waren so begeistert, dass sie kräftig spendeten.“ Wenn die Grundschüler zu Gast waren, erzählten die Kinder so lebhaft davon zuhause, dass sie Eltern und Großeltern dazu animierten, selbst einmal vorbeizuschauen. Gerade in Beerfelden sieht er aber noch Nachholbedarf. „Die meisten Gäste sind Auswärtige“, beobachtete der Vorsitzende.

Rennfeuer, alte Seilerei, Feldscheune, Wechselausstellungen, alter Backofen: Auf den Nachfolger und sein Team warten einige Aufgaben. „Der muss dann in die Zukunft blicken“, sagt sein Vorgänger. „Die bisherigen können nicht mehr so wie sie wollen.“ Eine neue Mannschaft muss neue Akzente setzen. Einen davon wünscht sich Borck schon seit Langem: die Würdigung der Funde des Lehrer Werner Hardes in Etzean. „Das gehört einfach hierher, das ist ein Alleinstellungsmerkmal“, hebt er hervor.

In den vergangenen 16 Jahren „wurde mehr gemacht als wir zu Beginn absehen konnten“, sagt er. „Wir haben Dinge realisiert, an die man damals noch gar nicht dachte.“ Seinem Nachfolger hinterlässt Borck, wie er es selbst einschätzt, „ein bestelltes Museum“. Allerdings ist der Verein mit seinen Anstrengungen „noch lange nicht am Ende“. Viel Arbeit für den „Neuen“. Aber die ist der schon aus seinem letzten „Job“ gewöhnt.

Info: Die Jahreshauptversammlung des Heimat- und Geschichtsvereins Oberzent findet am Freitag, 21. September, um 19 Uhr im Lesesaal des Bürgerhauses in Beerfelden statt.

Nachgebaute Verhüttungsanlage für Eisenerz auf dem neuen Freigelände des Beerfelder Oberzent-Museums

Es war ein gutes Stück Arbeit, bei dem viele helfende Hände zusammenwirkten. Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen: Das Freigelände hinter dem Museum der Oberzent wurde jetzt für die Öffentlichkeit freigegeben. Hier sind nun geologische Exponate aus dem Buntsandstein des Odenwaldes, vom Rohmaterial aus dem Steinbruch bis zu den Nutzungsmöglichkeiten, zu besichtigen. Besondere Attraktion war am Eröffnungstag eine nachgebaute Verhüttungsanlage für Eisenerz, wie sie in früheren Jahrhunderten im Odenwald gang und gäbe war.

„Es hat lange gedauert, um alles zu bekommen“, sagte der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, Dieter Borck. Der Bauhof habe immer geholfen, „wenn schweres Gerät notwendig war“, dankte er. Dazu mussten auch das Gelände und die Feldscheune hergerichtet werden. Wie Borck sagte, „ist das noch nicht das Ende“. Der Vorsitzende hob die zahlreichen Unterstützer aus dem Verein hervor, stellvertretend Inge Groß und Karl Kaden, die viele Stunden opferten.

„Es war ein langer Weg vom Rennofen bei Etzean bis zum Hammerwerk in Schöllenbach“, sagte Borck. Er wies darauf hin, dass die Eisenverhüttung für Kahlschlag in den Wäldern sorgte. „Wenn alles gefällt war, mussten die Leute weiterziehen.“ Der Vereinsvorsitzende zeichnete die Bedeutung des Eisens in der Menschheitsgeschichte von den Anfängen bis heute nach. „Vom Erz bis zum Eisen war es ein langer Weg“, betonte er.

„Die Ideen kamen alle vom Heimat- und Geschichtsverein“, lobte Bürgermeister Gottfried Görig. Der Bauhof habe die benötigte „Manpower“ zur Verfügung gestellt. Er freute sich über das Engagement der Mitglieder, die das Museum „fast ohne finanzielle Mittel der Stadt“ auf die Beine stellten. Als weiteres Highlight sei der Nachbau einer Seilerei geplant. Borck ergänzte mit Blick auf die Oberzent-Fusion, dass man im Kreis den anderen schnell klarmachen werde, „dass es hier ein Kleinod gibt“, sagte er schmunzelnd.

In einer Doppelfunktion war Jochen Babist dabei. Zum einen als Mitarbeiter des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald, zum anderen als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Altbergbau Odenwald. Von dieser arbeiteten auch Mathias Schott, Greg Kirby und Elmar Bussmann mit. Sie hatten eine mittelalterliche Verhüttungsanlage für Eisenerz nachgebaut. Hintergrund ist die durch Werner Hardes in den 50er bis 60er Jahren nachgewiesene Waldschmiede-Siedlung in Etzean, die Erz von verschiedenen Abbauorten verarbeitete.

Ursprünglich für die Wegscheide hinter Mossautal geplant, zog man mit dem Projekt wegen des dortigen Windradbaus um nach Beerfelden. „Wir zeigen die Arbeitsschritte vom rohen Erz bis zum verhütteten Eisen“, sagte Babist. Interessanterweise habe man beim Ausheben der Arbeitsgrube mit Eisenerz umschlossenen Sandstein gefunden. Babist verdeutlichte die sehr arbeitsintensive Arbeit, mit der vor ein paar hundert Jahren das Eisen gewonnen wurde.

Letztendlich ist der Rennofen ein Perpetuum mobile, das so lange läuft, wie das Kohlenmonoxid genug Material zum Reagieren findet. An einem Tag werden für den Betrieb um die 40 bis 50 Kilo Holzkohle benötigt. Die Anfänge dieses Handwerks lassen sich laut Babist bis in Frühmittelalter zurückverfolgen. So sei ein Rennofen bei Weschnitz in der damaligen Mark Heppenheim belegt.

Um das 14. und 15. Jahrhundert erfolgte seinen Worten nach die Entwicklung zu stationären Floßöfen, die aber noch mehr Holz benötigten. Doch „Wald ist endlich“. Die damals vorherrschende Niederwaldwirtschaft hatte entsprechende Folgen für die Landschaft, hob er den Raubbau an der Natur hervor.

Babist erläuterte, dass bei der Produktion immer darauf geachtet werden musste, dass nicht das brüchige Gusseisen entstand. Andererseits landete das reine Eisen auch zu einem Drittel in der Schlacke. Solche kleinen Experimente wie das jetzige „sind immer sehr wertvoll“, betonte er. Denn die damalige Handwerkskunst sei nicht mehr überliefert. Die Installation soll nach dem Experiment witterungsgeschützt bestehen bleiben, um den Versuch in unregelmäßigen Abständen zu wiederholen und den Besuchern einen Einblick in die alte Hüttentechnik zu geben.

Der Begriff „Rennofen“ leitet sich vom „Rinnen“ der Schlacke ab – den Reststoffen des Nebengesteins, das bei der Verhüttung abgetrennt wird. Nach dem ersten Erhitzen auf dem „Röstbett“, bei dem Wasser aus dem Erz ausgetrieben wird, wird das Erz klein geschlagen („gepocht“), mit Holzkohle in den Ofen eingefüllt und entzündet. Durch das Verbrennen der Holzkohle entsteht Kohlenmonoxid-Gas, das in der Lage ist, das Eisen aus seiner Verbindung mit Sauerstoff freizusetzen. Das Eisen sammelt sich als Feststoff in der „Luppe“, während das Restgestein als Schmelze aus dem Ofen abgestochen wird und dann ausrinnt. Im Gegensatz zu den Ofenformen des Spätmittelalters und der Neuzeit wurden im Rennofen-Verfahren nur Temperaturen um 1200 Grad erreicht, sodass das Eisen nicht flüssig vorlag. Der entscheidende Vorteil der Methode allerdings war, dass die „Luppe“ direkt schmiedbares Eisen mit dem richtigen Kohlenstoff-Gehalt enthielt, während das spröde, kohlenstoffreiche Gusseisen erst in einem weiteren Arbeitsschritt „gefrischt“ werden musste.