Die Welt ist klein in Oberzent

Die Familie Foshag aus Rothenberg ist so etwas wie ein Paradebeispiel für den familiären Charakter, die Integrationswirkung der Oberzent-Schule und ihre Bedeutung für die Region: Harry Foshag aus Rothenberg besuchte sie von 1979 bis 85, seine spätere Frau Christiane von 1981 bis 1987. Der ältere Sohn Dominik drückte logischerweise hier auch die Schulbank wie jetzt sein jüngerer Bruder Pascal. Der hatte zum 50. Jubiläum eine tolle Idee.

In der elterlichen Schlosserei wurde nach dem Austüfteln im Kunstunterricht von Maraike Hufer ein Kunstwerk geschaffen, das nun eine Wand am Schulgebäude ziert und am großen Tag feierlich enthüllt wurde. „50 Jahre OZS“ lautete das Thema im Unterricht. Eine Woche vor der Feier hatte Pascal dann die zündende Idee, die Zahlen „1968 – 2018“ zusammen mit dem Kürzel „OZS“ in eine Metall-Installation zu formen. Neben dem Vater half auch der Bruder bei der Realisierung.

„Die Schüler haben überlegt, wie sie die Veranstaltung ‚hypen‘ können“, erläuterte Hufer. Es entstanden außerdem Armbändchen, die Jürgen Nebel von der Initiative „Du musst kämpfen“ gegen eine Spende weitergab. Der Erlös geht an krebskranke Kinder. Daneben betätigten sich die Schüler gärtnerisch. Hinter den Gebäuden wurde mit winterharten Herbstblumen eine „50“ gepflanzt. Das Programm war riesig: Es startete mit der Percussion-Band und einem „Oberzent-Schule olé“. Viele andere Beispiele aus dem Schulalltag schlossen sich an.

„Wir sind die Schule für die Region“, betonte Schulleiter Bernd Siefert die Bedeutung. Ohne sie „hätte es vielleicht die Fusion gar nicht gegeben“, denn seit fünf Jahrzehnten ist sie die erste Möglichkeit für die Kinder aus den verschiedenen Oberzent-Orten, Gleichaltrige kennenzulernen. Verbindende, manchmal sogar ehestiftende Wirkung inklusive. Wie bei Harry Foshag und seiner Christiane.

„Es ist wahnsinnig viel los“, freute sich Siefert nachmittags. Viele Ehemalige, die abends auch in die Alte Turnhalle zum Treffen kamen, schauten bereits früher in den Schulräumen vorbei. Wie Gunter Johe aus Olfen, heute Schulelternbeiratsvorsitzender. Ende der 80er Jahre drückte er die Schulbank – klar, wo. Heute geht seine Tochter auf die … – logisch. Ehemalige finden sich immer noch zurecht, meinte Johe. Von der Grundstruktur her sei vieles gleich geblieben.

„Man kennt sich halt“, sagte er über die Dorfgemeinschaft, die auf Oberzent ausgedehnt auch an der Schule gepflegt wurde. Es ist das Familiäre, Unkomplizierte, es sind kurzen Wege, die Lehrer, die früher selbst Schüler an der OZS waren, die das Besondere ausmachen. „Ich ging mit Bernds Bruder in eine Klasse“, grinst Johe und zeigt zum Schulleiter. Der ist einer von sieben ehemaligen, die heute ihr Wissen an die heutigen Schüler weitergeben. Ein Viertel des Kollegiums. Die Welt ist klein in Oberzent.

Das bemerkte auch Ingo Stechmann vom Staatlichen Schulamt Heppenheim. „Ich habe das Gefühl, ich bin der einzige, der nicht auf diese Schule gegangen und mit keinem verwandt ist“, lachte er bei der akademischen Feier. Fast. „Dein Vater ist früher beim Sauter (einem Beerfeldener Transportunternehmen) Bus gefahren“, kam prompt die Replik von Rainer Sauter. Wie Recht Stechmann aber mit seiner Vermutung hatte, zeigten die anderen Redner. Der Finkenbacher Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer ging logischerweise auf die OZS. „Der war einen Jahrgang unter mir“, so Siefert.

Der Landtagsabgeordnete Rüdiger Holschuh aus Gammelsbach drückte natürlich auch die Schulbank auf der „Heumatte“. Kreisbeigeordneter Oliver Grobeis spielte für den SV Beerfelden Fußball. Eine große Familie. „Das war ein klasse Zusammentreffen mit alten Freunden“, freute sich Siefert über die Ehemaligenfeier. 300 Gäste kamen, die letzten gingen um 3 Uhr morgens. „Tolle Stimmung und gelungene Jubiläums-Feier“, bilanzierte er.

 

Stimmen

Schulleiter Bernd Siefert: „Wir haben die Oberzent zusammengeführt.“

Ex-Schulleiter Bruno Stracke (1981-1998): „Ich bin vor Neid erblasst, was sich in 20 Jahren alles getan hat. Über die OZS-WhatsApp-Gruppe halte ich mich immer auf dem Laufenden.“

Hedi Schulz, Frau von Hans Schulz (Lehrer von 1968-1983 an der OZS), Mutter des ehemaligen Schülers und heutigen Leiters des BSO Michelstadt, Wilfried Schulz: „Mir bleibt immer ein Zitat meines Mannes in Erinnerung. Als es schneite, sagte der Schüler aus dem einen Tal ‚Es schneicht“, der aus dem anderen ‚Es maicht Schnei‘“.

Hartmut Beisel, ehemaliger Schüler bis 1989: „Wenn man im Ort wohnt, ist die Schule immer präsent. Meine beiden Kinder haben sie auch besucht.“

Zum Artikel geht's hier: https://hirschhorner.wordpress.com/2018/09/17/die-welt-ist-klein-in-oberzent/Oberzent-Schule

Posted by Thomas Wilken on Monday, September 17, 2018

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Wertschätzung spielt an der Oberzent-Schule eine ganz große Rolle

Wertschätzung wird an der Oberzent-Schule ganz groß geschrieben. Im Jahr des 50. Jubiläums, das am 14. September groß gefeiert wird, blicken nicht nur heutige und ehemalige Schüler, sondern auch derzeitige und frühere Lehrer mit Dank auf das, was ihnen die Lernanstalt auf der „Heumatte“ fürs Leben mitgab und mitgibt. Ein besonderes Merkmal der Schule ist die Vielzahl ihrer Pädagogen, die früher selbst einmal an gleicher Stelle die Schulbank drückten und jetzt auf der „anderen Seite“ stehen.

„Oberzent ist die erste Stadt, die nach einer Schule benannt worden ist“, schmunzelt Schulleiter Bernd Siefert, seit zwei Jahren im Amt und ebenfalls ehemaliger Schüler. „Wir als Schule leben das gemeinsame Miteinander schon lange“, betont er. Die Leitung „ist für mich eine Herzensangelegenheit“, so der 43-Jährige. Bei allen Überlegungen gilt es seinen Worten zufolge, den Blick auf die Schüler und das Lernen richten. „Abläufe evaluieren, Bewährtes beibehalten, Verbesserungen einbringen, unsere Schule gut aufstellen“: So beschreibt er den Leitfaden des Handelns.

Die Schulbank auf der Heumatte drückte gemeinsam mit Siefert auch Stefanie Brand, heute Leiterin der Schillerschule Viernheim. „Ich habe mich dort immer sehr gut aufgehoben gefühlt“, sagt sie. Quer durch alle Gesellschaftsschichten lerne man gemeinsam. „Dies ist gerade im sozialen Lernen ein enormer Zugewinn und macht fit fürs Leben.“ Beim Wechsel aufs Gymnasium in Michelstadt stellte sie in der elften Klasse fest, dass in einigen A-Kursen das Oberzent-Niveau höher war als die Anforderungen dort. „Das machte den Wechsel für mich sehr leicht“, so Brand.

Sie bedauert, dass es an ihrem heutigen Wohnort Lampertheim leider keine integrierte Gesamtschule gibt. Die Entscheidung am Ende von Klasse 4 für eine Schulform „sehe ich als Nachteil an, da somit sehr frühzeitig Entscheidungen getroffen werden, die nicht für jedes Kind zu diesem Zeitpunkt eindeutig ausfallen können“. An einer IGS seien die Übergänge fließend, führten nicht zu Schulwechseln und „es kommt somit nicht zu Brüchen in Bildungsbiographien“.

„Bereits als Schüler lernte ich den ‚familiären‘ und vertrauensvollen Umgang zwischen Lehrern und Schülern zu schätzen“, sagt auch der ehemalige Schüler Stefan Reinhardt, heute bei der OREG tätig. Die Schulsprecher Tom Jahn und Moritz Ondruch schätzen das freundliche und herzliche Miteinander von Schülern und Lehrern. Sie heben die Offenheit untereinander und daneben die künstlerische Freiheit, die Angebote zur Freizeitgestaltung wie die Kunst- und Zirkus-AG hervor. Dazu gebe es viele Austauschprogramme – und dadurch die Möglichkeiten, die Welt zu bereisen.

Für Lehrerin Conny Frank, die gerade auf vier Jahrzehnte in ihrem Beruf zurückblickte, gab es viele Gründe, als Düsseldorferin der OZS „auf dem Land“ treu zu bleiben: gute Luft, hervorragende, inspirierende Stimmung im Kollegium, familiäre Atmosphäre in der Schüler- und Lehrerschaft, wertschätzender und vor allem humorvoller Umgang miteinander, beschreibt sie ihre Eindrücke. „Mein Herz schlägt für die Oberzent-Schule“, so Frank. Das „Top-System“ sei offen und durchlässig. Jeder Schüler habe die Chance, sich in Ruhe so zu entwickeln, dass ihm alle Schulabschlüsse offen stehen. „Soziales Miteinander und Engagement prägen den Schulalltag.“

„Die Oberzent-Schule begleitet mein Leben seit 1981“, erzählt Sekretärin Gabi Neff. Generationen von Kindern aufwachsen zu sehen, sie zu unterstützen und für sie da zu sein, sei eine tolle Aufgabe. „Mein Mann und ich sowie die Kinder haben die OZS besucht“, sagt sie. Eine Schule für alle, „in der man sich wohl fühlt, gerne hingeht und die einfach in die Oberzent passt und gehört“.

Wilfried Schulz, heute Leiter des BSO in Michelstadt, ist der Oberzent-Schule seit seiner Jugend eng verbunden. Er gehörte nämlich zum ersten Jahrgang, sein Vater wirkte dort lange als Lehrer. Schulz durfte damals einen „historischen Schritt in der hessischen Bildungsreform miterleben“. Was heute eine Selbstverständlichkeit sei, dass eine breite Schicht von Schülern aufs Gymnasium geht, „war zuvor gerade im ländlichen Raum nicht vorstellbar“. Erst die OZS habe dieses Bildungsangebot ermöglicht.

„Die Oberzent-Schule war ein sehr wichtiger Teil unseres Lebens. Wir waren engagiert an der Entwicklung beteiligt“, betonen die ehemalige Lehrerin Ingrid Malsy (von Beginn an mit an Bord) und die früher pädagogische Leiterin Johanna Käpernick-Krämer (seit 1971). „Es war eine Zeit des Aufbruchs. Wir waren ein junges Kollegium, für das Schule mehr war als nur ein Job“, sagen sie rückblickend.

Auch der jetzige Oberstudienrat Klaus Seeh war Schüler der Oberzent-Schule. Als er 1969/70 als Fünftklässler begann, „kam ich von der Grundschule Gammelsbach“. Es war für ihn eine große Umstellung und „alles sehr beeindruckend“. Er fand die Oberzent-Schule sehr modern und fortschrittlich. „Aber auch unsere neuen Lehrer haben uns sehr beeindruckt.“ Mit Ingrid Malsy „hatten wir eine tolle Klassenlehrerin. Sie war mir stets ein Vorbild, was mich sicher bei meiner Berufswahl auch beeinflusst hat.“

Als heutiger Lehrer an der Schule „erlebe ich hautnah, was sich alles geändert hat“, so Seeh. Es gebe viel mehr gekurste Fächer, Deutsch, Physik, Chemie kamen dazu. Berufsorientierung, Schulsozialarbeit, Inklusion und Vernetzung mit anderen Schulen seien neue Herausforderungen. Ebenso die demografische Entwicklung: „Waren wir zu meiner Zeit teilweise sechszügig, so haben wir heute zweizügige Jahrgänge.“ Schule müsse heutzutage wesentlich mehr Aufgaben für die Gesellschaft übernehmen als noch vor 50 Jahren.

Info: Das Jubiläum 50 Jahre Oberzent-Schule wird am Freitag, 14. September, groß gefeiert. Um 13.30 Uhr geht es mit dem Schulfest los. „Oberzent-Schule erleben, Vergangenes entdecken und Neues kennenlernen“, heißt es auf dem Schulgelände bis 15.30 Uhr. Eine akademische Feier schließt sich um 16 Uhr an. Ein Treffen und der Austausch mit alten Weggefährten stehen dann ab 18 Uhr in der Alten Turnhalle Beerfelden an, wenn als Umrahmung Musikalisches aus fünf Jahrzehnten Schule geboten wird.

 

Zum Bild: Die Da-Vinci-Brücke wird an der Oberzent-Schule auch zum Teambuilding und zur Klassenfindung genutzt. Es sind 26 gleich geartete Holzstücke, die zusammengefügt werden müssen, wie es hier gerade die Fünfer-Religionsklasse von Bernd Siefert tut.

Förderverein der Oberzent-Schule wird 25 Jahre alt

Der Förderverein der Oberzent-Schule feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Es sind zwei Veranstaltungen zum Vereinsjubiläum geplant, berichtete die Vorsitzende Johanna Käpernick-Krämer. Zum einen wird es eine Präsentation für Lehrer und Eltern unter dem Titel „Das Lernen lernen“ geben. Einladungen gehen an alle Grundschulen, die dortigen Eltern und auch die Eltern der Oberzent-Schüler. Auch benachbarte Lernanstalten wie Erbach, Eberbach, Michelstadt, Wald-Michelbach und Hirschhorn sollen eingeladen werden.

Zum anderen soll es eine kleine Feier zum 25-jährigen Bestehen des Fördervereins geben, für die alle Gründungs- und ehemalige Vorstandsmitglieder (zusammen 35 Personen) auf der Einladungsliste stehen. Geplant ist, sie um 15 Uhr während des Drachenfestes am 28. Oktober zu ehren. Laut Käpernick-Krämer ist neben der Einladung zu Kaffee und Kuchen auch eine Info durch sie über die Arbeit des Schulvereins vorgesehen. Um 11 Uhr soll in der Mensa noch einmal das Musical aufgeführt werden. Danach beginnt das Fest im Außenbereich.

In ihrem Bericht über das vergangene Schuljahr berichtete die Vorsitzende, dass der Verein vielfältig aktiv war. So übernahm er beim Auftritt von Walter Renneisen die Bewirtung in der Alten Turnhalle, war im Februar in der Schule beim Schnuppertag für die Grundschüler und deren Eltern zur Bewirtung eingeteilt und übernahm diese auch bei der Musicalaufführung im Juni. Beim Pferdemarkt wurde das Schul-Musical noch einmal gezeigt. Bei diesem Anlass hatte der Verein das neues Roll-up und den Flyer dabei.

Käpernick-Krämer war bei der Abschlussfeier in der Alten Turnhalle und bei der Begrüßung der neuen Fünftklässler dabei. Jedes Kind bekam wieder ein Geodreieck mit dem Flyer und einem kleinen Brief. Sie bemühe sich, zu allen öffentlichen Veranstaltungen der Schule wie Frühlingskonzert, Begrüßungsfest und The-Mu-Ku zu gehen, „wenn ich den Termin weiß“, sagte die Vorsitzende.

Klaus Kaaden berichtete im Anschluss über die Mitgliederzahl. Ein- und Austritte halten sich in etwa die Waage. Der Verein zählt derzeit etwa 200 Mitglieder. Die Einnahmen bestehen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und dem Kreis-Zuschuss für die Mittagsbetreuung. Ausgaben sind vor allem Personalkosten für die Mittagsbetreuung, Zuschüsse zu schulischen Unternehmungen und Finanzierung von Aktionen wie Drogenprävention oder Berufseignungstests.

Ingrid Schenkel prüfte mit Bruno Stracke die von Klaus Kaaden geführte Kasse. Sie bescheinigte ihm eine korrekte Kassenführung. Die Versammlung entlastete auf Antrag im Anschluss den Vorstand einstimmig. Bei den Neuwahlen wurde Johanna Käpernick-Krämer als Vorsitzende bestätigt. Ein Stellvertreter konnte nicht gefunden werden. Rechner bleibt Klaus Kaaden, Schriftführer wird Dirk Konrad. Beisitzer sind Kerstin Röglin, Claudia Roth und Alexander Brendel, zweite Kassenprüferin wird Marion Neff. Alle Wahlen erfolgten einstimmig.

Oberzent-Schule mit Modellcharakter in Hessen

„Die Gesamtschule hat Modellcharakter für ganz Hessen“, hieß es Anfang 1977 in einer örtlichen Tageszeitung. Da gab es die Oberzent-Schule auf der „Heumatte“ bereits seit fast zehn Jahren, als integrierte Gesamtschule (IGS) existierte sie seit 1970. 924 Schüler aus der gesamten Oberzent besuchten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in 32 Klassen die Lernanstalt. Eine Delegation von Schulamt und Regierungspräsidium besuchte damals die Schule und ließ sich über das Erreichte informieren, denn in der Oberzent entstand 1970 eine der ersten Schulen dieser Art in Hessen.

In Beerfelden waren die Verantwortlichen stolz über ihr Wirken. Ende der 60er Jahre erreichten nur 20 Prozent der Schüler einen mittleren Bildungsabschluss. Mitte der 70er Jahre waren es bereits 56 Prozent. „Der planmäßige Unterricht an der Gesamtschule wird fast zu 100 Prozent erfüllt“, erläuterte der damalige Direktor Karl Lebert. Dazu waren auch alle Stellen besetzt.

Die Idee eines horizontalen Schulsystems, in dem Haupt- und Realschule nebst Gymnasium nebeneinander existieren, hat seine Anfänge Ende der 60er Jahre. Mit ihm wollten die Initiatoren „vom Schulkindergarten bis zum Abitur die Ausbildung systematisch fördern“. Bildung könne nicht allein „auf die Heranzüchtung von Arbeitskräften“ beschränkt bleiben, sondern sollte die Menschen in die Lage versetzen, „ihr eigenes Leben selbstbewusst zu führen“. Deshalb wollte man im Zuge des Aufbruchs durch die 68er-Bewegung weg vom „starren und auf Auslese ausgelegten Prinzip der vertikalen Schularten“.

Der „Antrag auf Zulassung eines Schulversuchs mit integrierter Sekundarstufe ab dem siebten Schuljahr“, erstellt im Juni 1970 und bewilligt im Spätjahr, geht detailliert auf die soziostrukturellen Begebenheiten in der Oberzent ein. Er liefert den argumentativen Hintergrund für die Errichtung der integrierten Gesamtschule ab dem 1. August 1970.

Bezug genommen wird auf die schulische Situation Anfang der 1960er Jahre, als nur 18 Prozent der Grundschul-Kinder auf weiterführende Schulen wechselten, obwohl nach Ansicht der Lehrer 42 Prozent des Jahrgangs geeignet gewesen wären. Diesem Aspekt wurde 1968 durch die Gründung der Mittelpunktschule Rechnung getragen, die eine Hauptschule mit Förderstufe, ein Gymnasium für die Klassen 7 bis 10 und eine Sonderschule umfasste.

Der Beginn des Schuljahrs 1970/71 wurde als beste Gelegenheit gesehen, „die Schulverhältnisse in diesem Raum (Oberzent) so zu verbessern, dass allen Kindern optimale Bildungsverhältnisse angeboten werden können“. Denn im ländlichen Gebiet war für die Initiatoren des Projekts der gesellschaftspolitischen Forderung nach Durchsetzung einer echten Chancengleichheit „in besonders ausgeprägtem Maß“ dringend nachzukommen.

Bezug genommen wird auf die sozioökonomischen und -kulturellen Bedingungen: „Das Gebiet der Oberzent ist wirtschaftlich überwiegend agrarisch geprägt“, heißt es. Kleine und mittlere Industriebetriebe sind nur in Beerfelden vorhanden. Die Anstrengungen zur Verbesserung der Infrastruktur liefen, aber wegen der ungünstigen Verkehrslage und der relativ dünnen Besiedlung „kann für die nächste Zeit nur mit kleinen Fortschritten gerechnet werden“.

Zum Schuljahresbeginn 1968/69 war für die fünften Klassen die Förderstufe eingeführt worden, von 240 Schülern besucht. Im folgenden Schuljahr kamen noch einmal 180 Kinder dazu. „Die Gesichtspunkte der Koedukation, des Zusammenlebens konfessionell verschiedener Gruppen, der sozialen Streuung, der unterschiedlichen Begabung und Leistung „wurden weitgehend beachtet“, so der Antrag. Deshalb hätten die elf Klassen „annähernd gleiche Ausgangschancen“. Das Ziel, alle Kinder zu fördern, „kann als erreicht angesehen werden“, so das positive Fazit.

Der Erfolg des Kernunterrichts in der IGS wird herausgestellt, weil er dabei hilft, die soziale Integration zu verwirklichen. Damit wird die Fähigkeit der Schüler gefördert, in einer Gruppe zu arbeiten, die Kommunikation vorangetrieben und die Akzeptanz der Unterrichtsbeiträge aller gefördert. „Der Kernunterricht wirkt sich positiv auf die soziale Interaktion von Schülern verschiedener sozialer Schichten aus“, so die Erkenntnis. Lediglich zu große Klassen behinderten dieses Ziel (5. Schuljahr 36, 6. Schuljahr 39 Kinder).

Meilensteine in der Entwicklung der Oberzent-Schule

1968 Bau der Schulgebäude und Turnhalle „Auf der Heumatte“

1969 „Schulzentrum Oberzent – Volks- und Realschule Beerfelden“, 5. Klassen kommen aus den umliegenden Volksschulen in die Förderstufe

1970 Integrierte Gesamtschule (IGS)

1971 „Gesamtschule des Landkreises Erbach“, Neubau des Hallenbads

1974 Neubau des C-Baus

1982 Neubau der Pausenhalle, Musikräume, Schülerarbeitsräume (SAR), Lehrerzimmer

1983 Neuer Name „Oberzent-Schule“

2006 Sanierung und Erweiterung alter Gebäude zur Mensa

2009 Bushaltestellen werden neu angelegt, Erweiterung des Lehrerzimmers

2014 Neubau des Hallenbads

Die Planungen für eine „Bezirksschule Oberzent“ begannen bereits vor 65 Jahren

Viele ehemalige Pennäler werden erstaunt schauen: Seit 50 Jahren gibt es schon ihre ehemalige Schule. „Bin ich wirklich so alt?“, mögen sich viele fragen. Sie sind es. Die Oberzent-Schule auf der „Heumatte“ prägte schon Generationen von Kindern aus der neuen Stadt Oberzent, die früher aus den selbständigen Beerfelden, Rothenberg, Sensbachtal und Hesseneck kamen – und vor der Gebietsreform aus noch mehr Kommunen im südlichen Odenwaldkreis. Fünf Jahrzehnte: Das will gefeiert werden. Am 14. September darf, wer will, den ganzen Tag dafür einplanen.

50 Jahre täuschen aber darüber hinweg, dass die ersten Planungen für eine „Bezirksschule Oberzent“, mit der der Name der fusionierten Stadt lange vor ihrer Gründung vorweggenommen wurde, bereits vor 65 Jahren starteten. Im Jahr 1953/54 werden in alten Zeitungsartikeln erstmals solche Überlegungen genannt. Damals hatte sich die hessische Landesregierung auf die Fahnen geschrieben, die schulischen Verhältnisse auf dem Land „wesentlich zu verbessern“.

1961 kam das Projekt durch das Bestreben des Odenwaldkreises wieder ins Rollen. Der hatte zwei Mittelpunktschulen in Höchst und Sandbach auf den Weg gebracht und wollte nun auch im Bereich Beerfelden eine Bezirksschule für die Oberzent errichten. Bis zum vierten Schuljahr sollten die Kinder möglichst am Wohnort die Grundschule besuchen und dann nach Beerfelden wechseln. Damit der Weg dorthin einfacher wurde, übernahm das Land die Transportkosten. Die Schüler wurden mit dem Omnibus abgeholt und wieder nach Hause gefahren.

Immer wieder ist die Rede davon, dass den Kindern „die Tore für eine bessere Zukunft“ offen stehen sollen, indem sie eine bessere Schulbildung erhalten. Volksschule, Mittelpunktzug und Höhere Schule waren im neuen Schulzentrum angedacht. Zwei Förderklassen ab dem fünften Schuljahr sollten sie in die verschiedenen Schultypen hineinwachsen lassen. „Eine Schule, in der alle Kinder die gleichen Startmöglichkeiten haben, eine Schule aber auch, in der jedes Talent zum Durchbruch kommen kann“, wollten die Gründungsväter, durchdrungen von hehren Idealen, schaffen. Träger sollte der Schulzweckverband „Oberzent“ sein.

Nachdem sich das Gremium mit 14 Gemeinden konstituiert hatte und die Grundstücke mit einer Fläche von 2,2 Hektar zur Verfügung standen, ging es Ende 1964 an den Architektenwettbewerb. Der erste Spatenstich ging dann ziemlich genau 53 Jahre vor dem heutigen Jubiläumsfest, am 16. September 1965, über die Bühne. Der damalige Beerfeldener Bürgermeister Hermann Ackermann nannte diesen „einen historischen Augenblick“.

Von den damaligen Schülerzahlen können heutige Schulleiter nur leise träumen. Rund 800 Kinder aus Beerfelden, Airlenbach, Falken-Gesäß, Gammelsbach, Finkenbach, Güttersbach, Hebstahl, Ober- und Unter-Sensbach, Olfen, Hetzbach, Raubach, Rothenberg und Etzean sollten die Schule besuchen, lautete die Prognose. Für den Realschulzug waren 140 Schüler vorgesehen. Auch beim Raumprogramm gab es andere Dimensionen: Von 17 Normal- und vier Großklassen war die Rede. Dazu kamen noch Räume für die selbstständige Sonderschule.

So viel Gebäude kostet Geld: Die Baukosten wurden auf 5,2 Millionen Mark beziffert, wozu unter anderem das Land 3,8 Millionen und der Kreis 150.000 Mark zusteuerten. 570.000 Mark kostete die Inneneinrichtung, die unter anderem mit einer Landesbeihilfe von 396.000 Mark und einem Kreiszuschuss von 25.000 Mark bestritten wurde.

Die Inbetriebnahme, zuerst für 1967, dann im Februar 1968 vorgesehen, erfolgte schließlich Anfang März 1968. „Aus den 18 Verbandsgemeinden der Oberzent besuchen zur Zeit 690 Schüler diese neue Schule“, hieß es. Erste Schulleiter waren Rektor Heinrich Berger und Studiendirektor Willi Allmann. Anfang Juni gab es eine große Feierstunde. Bei der Einweihung zeigten sich die Beteiligten froh über die „glückliche Lösung“, dass Haupt-, Real- und Sonderschule nebst Gymnasium unter einem Dach die Weiterentwicklung zur Gesamtschule ermöglichten – was dann 1970 erfolgen sollte.

Info: Das Jubiläum 50 Jahre Oberzehnt-Schule wird am Freitag, 14. September, groß gefeiert. Um 13.30 Uhr geht es mit dem Schulfest los. „Oberzent-Schule erleben, Vergangenes entdecken und Neues kennenlernen“, heißt es auf dem Schulgelände bis 15.30 Uhr. Eine akademische Feier schließt sich um 16 Uhr an. Ein Treffen und der Austausch mit alten Weggefährten stehen dann ab 18 Uhr in der Alten Turnhalle Beerfelden an, wenn als Umrahmung Musikalisches aus fünf Jahrzehnten Schule geboten wird.

Conny Frank wurde an der Oberzent-Schule für 40 Jahre im öffentlichen Dienst geehrt

„Ich komme auch aus einem Dorf, aus Düsseldorf“, lacht Conny Frank mit Blick auf die dünn besiedelte Odenwald-Landschaft. Aus dem Rheinland verschlug es die 64-jährige schon früh in die Oberzent (damals noch Name der Region und nicht der Stadt). Fast 39 Jahre ist sie inzwischen Lehrerin an der Oberzent-Schule und damit die dienstälteste Kollegin von Schulleiter Bernd Siefert. Insgesamt sind es jetzt 40 Jahre im öffentlichen Dienst, was die Überreichung einer Urkunde durch ihn im Rahmen einer kleinen Feierstunde bedeutete.

Die Jubilarin studierte an der Justus-Liebig-Universität Gießen, ehe sie in Lorsch an der Werner-von-Siemens-Schule ihre erste Arbeitsstelle als Referendarin antrat. Der Wechsel an die OZS in Beerfelden „war schon ein kleiner Kulturschock“, schmunzelt sie im Rückblick. „Zu meiner eigenen Überraschung“, ergänzt sie augenzwinkernd, lernte sie Stadt, Schule und Menschen schnell lieben. Und die Ourewäller Sprache kennen. Beste Voraussetzungen, um in fast vier Jahrzehnten der integrierten Gesamtschule mitsamt Jugendlichen ihren Stempel in den Fächern Kunst und Französisch aufzudrücken.

Conny Frank begründete das Theater-Kunst-Musik-Festival (The-Ku-Mu) mit, rief das Erasmus-Projekt ins Leben, kümmert sich um den Genf-Austausch („der geht übrigens weiter“, ruft sie freudig durch den Hörer) und organisiert seit zehn Jahren die Paris-Exkursion unter dem Motto „Vier Museen in 24 Stunden“. Die Lehrerin begründete daneben das Glücksseminar, um Lebensfreude und Glücklichsein mit anderen zu teilen. Schließlich ist die neurolinguistische Programmierung (NLP) ein Steckenpferd der engagierten Pädagogin.

Mit einer durchgängig positiven Grundeinstellung gesegnet, handelt Conny Frank unter dem Motto „Das kriegen wir schon hin“. Für sie ist da Glas immer halb voll. Oder, um mit der Rheinländerin zu sprechen: „Et kütt wie et kütt.“ Ihr Erfolgsgeheimnis: „Die Menschen so akzeptieren wie sie sind.“ Eine gute Portion rheinländischer Humor und Gelassenheit tun das Übrige dazu, dass sie stets gut gelaunt durchs Leben geht. Für ist es im Arbeitsalltag ein Highlight, wenn der Unterricht den Schülern großen Spaß macht, abwechslungsreich ist und sie in guter Stimmung lernen.

Die Schüler ihrer ersten Klasse an der OZS „sind inzwischen gerade 50 geworden“, blickt Conny Frank auf die lange Zeit in Beerfelden zurück. Ein heutiger Lehrerkollege an der Oberzent-Schule war früher ihr Schüler, weiß sie. „Der sang für mich damals ‚17 Jahr, blondes Haar‘“, lacht sie. Die Kinder kamen von ihrem Unterricht so happy nach Hause, dass eine Mutter ihren Sohn in Verdacht hatte, in die Lehrerin verliebt zu sein, grinst die 64-Jährige.

Conny Frank hofft, vielen Schülergenerationen die Liebe zur Kunst und zur französischen Sprache weitergegeben zu haben. Wie stark die Verbundenheit mit diesen ist, zeigte sich nach ihrem Schulterbruch Anfang des Jahres. „Da kamen Kollegen und Schüler fast täglich bei mir vorbei“, freut sie sich. Von Zuhause aus managte sie noch den Genf-Austausch. Wie überhaupt „eine große Liebe zu dem, was ich tue“, aus ihren Worten spricht. „Ich mache lauter Dinge, die ich schön finde.“

 

Standing Ovations fürs Oberzent-Schulmusical

„Das Beste, was wir an der Schule jemals gesehen haben“: Die Rückmeldungen der Zuschauer für das selbst geschriebene Musical an der Oberzent-Schule waren euphorisch. „Alle Erwartungen wurden übertroffen“, bestätigte auch Andreas Weinmann, der zusammen mit Max Schulz die Schulband-AG im vergangenen Schuljahr begleitete. Das Speisen- und Getränkeangebot des Fördervereins war quasi ausverkauft. „Rundum gelungen“, lautete der Tenor. „Mein stressiger Schulalltag“ hieß das Musical, in dem es um ein gleichaltriges Geschwisterpaar ging, das verschiedener nicht sein könnte.

Die erste Aufführung in der Schulaula wurde von etwa 80 Gästen besucht. Kinder und Jugendliche bauten die Bühnendeko dafür selbst. Besonders tat sich dabei Fünftklässler Jannik Eichmann hervor, der Technik und Lichterorgel im Alleingang installierte. „Jeder Mensch kann sich zu jedem Zeitpunkt seines Lebens dafür entscheiden, fortan anders zu leben als bisher“, führte Schulleiter Bernd Siefert mit einem Zitat von Gerald Hüther ins Stück ein.

Zum Inhalt: Die Geschwister Tiffany und Julia sind eigentlich zerstritten und gehen sich aus dem Weg. Tiffany gehört nicht gerade zu den besten Schülern, ist jedoch durch ihr Auftreten auf dem Schulhof und in der Klasse in aller Munde. Julia ist eher die klassische Streberin. Eine entscheidende Mathe-Arbeit ändert gegen Ende des Musicals alles. Tiffany kommt mit einer schlechten Note nach Hause und das hat seine Konsequenzen. Zum Ende hin versöhnen sich die beiden Mädchen. Sie merken, dass sie miteinander besser auskommen, als wenn sie im Streit liegen und gegeneinander arbeiten. Also quasi wie im wirklichen Leben.

Stehende Ovationen waren der verdiente Lohn für die Arbeit in der Schulband-AG. Teilweise zwei Mal in der Woche trafen sich die Jugendlichen während des Schuljahrs zur Probe. Die Texte wurden selbst geschrieben, die Lieder geprobt, die Kulissen gebaut. „So ein Tag, er geht nie vorbei“, hieß es in der verdienten Zugabe. Im Original lautet der Bon-Jovi-Titel „It’s my life“. Auch andere bekannte Songs fanden umgearbeitet Eingang: so „Mamma Mia“ von Abba oder „Boulevard of broken Dreams“ von Green Day. Die Schüler hatten die Texte individuell so umgeschrieben, dass sie zum Lauf der Geschichte beitrugen.

An Instrumenten war alles zu hören, was eine Band zu bieten hat: Klavier, Bass, E-Gitarre, Schlagzeug und Gesang. Leonie Edelmann sang die Tiffany, Sarah Siebert die Julia. Dazu kam ein kleiner Background-Chor mit drei Mädchen (Carolin Siebert, Selina Geiß und Clarissa Nettuschil). Den strengen Vater mimte bravourös Leon Ullrich, als Frauenschwarm agierte Justin Ruf, Erzählerin war Rebekka Michel. Es handelte sich um das erste Musical dieser Art an der Oberzent-Schule, in dem sich die Schüler die Handlung selbst erarbeiten. Kleine Schauspieleinlagen kamen hinzu.

Schüler und Eltern fanden sich in bestimmten Szenen und Geschichten aus dem Schulalltag wieder, denn die Handlung war aus dem Leben gegriffen. Die Versöhnung der beiden Streithähne bezeichnete Weinmann schauspielerisch als „Highlight“, denn sie war als Rollenspiel improvisiert. Seine Hoffnung ist, dass die AG im kommenden Jahr „Nachwuchs“ bekommt. Denn vier bisherige Akteure verließen mit Ende des Schuljahres die OZS. Er zollte den Schülern ein Riesenlob: „Die Schule kann sich glücklich schätzen über diese Mitwirkenden.“

Info: Eine weitere Aufführung findet am Montag, 9. Juli, um 16 Uhr beim Pferdemarkt während der Oberzent-Expo in der Gewerbehalle statt. Im kommenden Schuljahr ist ein Termin für die Oberzent-Grundschulen geplant.

Auf dem Bild am Tisch v.l.: Leonie Edelmann, Sarah Siebert, Rebekka Michel und Leon Ullrich.