Siebt- und Achtklässler der Oberzent-Schule besuchten den Judenfriedhof

„Ein Friedhof sieht doch ganz anders aus“, meinten die Siebt- und Achtklässler der Oberzent-Schule, als sie auf den jüdischen Friedhof kamen. Der liegt abseits der Stadt an der Sensbacher Straße. Fast alle Schüler hatten keine Ahnung davon, dass es dort eine weitere Begräbnisstätte gibt. Da das Thema Nazi-Deutschland im Lehrplan erst noch ansteht, wussten sie zum Großteil auch noch nichts von den damals an den jüdischen Mitbürgern begangenen Gräueltaten.

Der Unterrichtsgang zum Judenfriedhof in Beerfelden fand im Rahmen des Religionsunterrichts zum Thema Judentum statt. Die katholische Religruppe von Gabriele Maurer und die achte, evangelische Religionsklasse von Schulleiter Bernd Siefert, begleitet von Andreas Weinmann, machten sich dorthin auf den Weg. Die katholischen Schüler erfuhren von Siefert auch, dass beim Bau der katholischen Kirche ein Jude die Hälfte der Kosten trug. Abraham Salomon Rosenthal war in die USA ausgewandert, wurde dort reich, vergaß aber seine alte Heimat nicht.

Das Gelände des jüdischen Friedhofs mit einer Fläche von 840 Quadratmeter auf einem Gesamtgrundstück von 3500 Quadratmetern wurde dem Schulleiter zufolge 1926 von der Stadt Beerfelden an die dortige israelitische Religionsgemeinde verkauft. Zuvor wurden die jüdischen Mitbürger auf dem Judenfriedhof in Michelstadt beigesetzt. Die erste Beisetzung war die des Joseph Oppenheimer am 27. Februar 1927. Bis 1937 wurden dort 13 Mitbürger jüdischen Glaubens begraben.

Schändungen gab es seinen Worten zufolge während der Reichspogromnacht 1938 (Zerstörung der Kapelle, Umwerfen der Grabstein) und 1994 (Umwerfen der Grabsteine). Während des Zweiten Weltkriegs wurden keine Zerstörungen verzeichnet. Nachdem gegen Kriegsende das Grundstück an die Stadt überging, erstattete diese es 1953 an die Jewish Restitution Successor Organization (Jüdische Restitutionsnachfolger-Organisation/JRSO) zurück.

1960 wurde der Landesverband der jüdischen Gemeinden in Hessen Eigentümer des Friedhofsgeländes, so Siefert. Der Friedhof ist inzwischen als religionsgeschichtliches Denkmal in die Liste der denkmalwerten Bausubstanzen aufgenommen. Heutzutage geschieht die Pflege der Anlage durch die Stadt. Der Schulleiter ging auch auf die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung ein. Diese stieg im 19. Jahrhundert stark auf über 150 Seelen an, um dann aber nach der Jahrhundertwende stetig zurückzugehen.

Die Beerfeldener jüdische Gemeinde hatte rund um das Jahr 1900 noch zu wenig Geld für einen eigenen Friedhof. Sie baute aber 1905 am Gartengrundstück des Frauenbadhauses eine Remise für den Leichenwagen an. Es war dann ebenfalls Abraham Salomon Rosenthal, der mit 200.000 Mark aus seiner Stiftung die Verwirklichung ermöglichte. Die Planungen begannen schon 1924, als eine Friedhofsordnung erstellt wurde, verzögerten sich aber unter anderem durch Einsprüche der NSDAP. 1930 wollte man eine Leichenhalle in der Stadt errichten. Doch kam dieses Projekt ebenso wie die Sanierung der Synagoge nicht mehr zur Ausführung.

Mit der Geschichte der jüdischen Religionsgruppe haben sich die Oberzent-Schüler bereits in den vergangenen Jahren häufig beschäftigt. Auf ihren Antrag hin wurden bisher in Beerfelden eine Gedenktafel an der ehemaligen, 1938 zerstörten Synagoge angebracht (2008) und Stolpersteine für die letzten im Jahr 1942 aus Beerfelden deportierten jüdischen Mitbürger verlegt (2012).

Projekt „Kirche im Dritten Reich/Judenverfolgung in Beerfelden“

Im kommenden Schuljahr 2019/20 will der Religionskurs 8 der Oberzent-Schule ein Projekt durchführen, für das jetzt Unterstützung bei der Stiftung von Johanna Käpernick-Krämer angefragt wurde. Es heißt „Kirche im Dritten Reich/Judenverfolgung in Beerfelden“. Siefert will mit seiner Reliklasse den Auschwitz-Zeugen Ignaz Golik (97 Jahre) in Wiesbaden besuchen. Am 9. November wird in der dritten und vierten Stunde ein Gedenkgang mit Friedensgebet durchgeführt werden. Eine Gesprächsrunde mit der jüdischen Autorin Lena Gorelik ist für den 11. November terminiert, ein Vortrag von Dr. Dirk Strohmenger über „Nationalsozialismus im Erbacher Landkreis am Beispiel Beerfeldens“ für den 14. November.

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Die Oberzent-Schule ist ihr Denkmal

„Aufpassen! Hinsehen! Anpacken!“: Das ist der Name der Stiftung von Johanna Käpernick-Krämer. Die ehemalige Lehrerin an der Oberzent-Schule rief sie mit dem Verkaufserlös des Hauses ihrer Mutter ins Leben. „Zweck der Stiftung soll es sein, die politische Bildung zu fördern“, betonte sie. Zur Enthüllung einer „Danktafel“ für die Pädagogin und zur Widmung von zwei Ebereschen kam die Schulgemeinde nun auf der Freifläche zusammen.

Schulleiter Bernd Siefert stellte dabei seinen hohen persönlichen Bezug heraus: „Du bist mir in Klasse 5 als meine Deutschlehrerin zum ersten Mal begegnet und hast mich als Persönlichkeit, mein Wirken und sowie meine Verbundenheit zur Oberzent-Schule stark geprägt“, sagte er. Aus einer Lektürearbeit in der sechsten Klasse über die Apartheid in Südafrika habe er mitgenommen, „dass man nicht alles hinnehmen darf und für seine Rechte eintreten muss“.

Käpernick-Krämer war seit 1983 bis zu ihrer Pensionierung 2009 Pädagogische Leiterin und „hat die Oberzent-Schule maßgeblich geprägt“, erläuterte Siefert. Sie ist auch heute noch als Vorsitzende des Fördervereins aktiv und bringt sich tatkräftig ein. Nach dem Tod ihrer Mutter hat sie deren Haus in Darmstadt verkauft und eine Stiftung über 50.000 Euro für die Oberzent-Schule ins Leben gerufen. Davon werden jedes Jahr 4000 Euro zur Verfügung gestellt – in der Erwartung, dass die Antragsteller selbst zehn Prozent der Kosten aufbringen.

Um zu überlegen, welche Projekte gefördert werden können, gab es ein gemeinsames Brainstorming. „Ich habe ihr versprochen, ich baue dir ein Denkmal“, sagte der Schulleiter. Doch das wollte die verdiente Pädagogin nicht, „denn die Oberzent-Schule ist ihr Denkmal“. Um Verbundenheit, Dankbarkeit und großen Respekt zum Ausdruck zu bringen, wurden ihr nun die beiden Ebereschen gewidmet, die der Rotary-Club Michelstadt-Erbach spendete.

Dessen Präsident Jens Ruppert freute sich, „dass wir einen kleinen Beitrag zu dem leisten können, was den Rotariern am Herzen liegt“. Er äußerte seine Anerkennung all derer, die sich bürgerschaftlich engagieren. „Hut ab vor diesen Menschen“, so Ruppert. Einen Baum bezeichnete er als wachsendes Denkmal. Der sei „tief verwurzelt, aber auch flexibel“ und dem stetigen Wechsel der Jahreszeiten ausgesetzt. Ihm wie auch der Stiftung wünschte er „eine reife Frucht und viele Lebensjahre“.

Johanna Käpernik-Krämer wollte etwas unterstützten, „was Jugendliche zusammenbringt und sie gemeinsam etwas tun lässt“, sagte sie. Der Unterricht sei bereits vollgepackt mit vielen Themen wie Drogen- oder Gewaltprävention oder Umgang mit dem Internet. Eventuell kommen aber noch andere Dinge hinzu, die von der Stiftung gefördert werden sollen. Sie wünschte sich, dass sich die Schüler mit Ungerechtigkeit und Krieg auseinandersetzen, Empathie für deren Opfer empfinden und bewahren.

Die ehemalige Lehrerin erläuterte die drei Bausteine des Namens, die sich direkt an Schüler richten. Aufpassen sollen die Jugendlichen, wenn darüber gesprochen wird, „was in unserer Geschichte passiert ist und wozu es geführt hat“. Hinsehen bedeutet ihren Worten zufolge nicht wegzusehen, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Und Anpacken assoziiert sie damit, dass jeder etwas zur Veränderung beitragen kann.

„Besonders liegt mir am Herzen, dass sich die Schüler gegen Gewalt, Krieg, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Neonazismus engagieren“, hob Käpernik-Krämer hervor. Zu Schuljahresbeginn beraten die Klassen oder Gruppen über ein Projekt, das nach positivem Bescheid möglichst noch im selben Schuljahr angegangen werden soll.

Pfarrer Roger Frohmuth freute sich über die Teilnahme seiner Zehner-Religionsklasse. „Ich habe es noch nie erlebt, dass sich Schüler wünschen, am Ende jeder Schulstunde das Vater Unser zu beten“, sagte er. Das folgte nun auch anlässlich der Einweihung. Die 5a unter Leitung von Andreas Weinmann sang „Herr, gib uns Frieden“, ehe im Schülerarbeitsraum Lea Siefert (Klavier) und Leonie Braun (Flöte) unterhielten.

Schriftstellerin Lena Gorelik stellte den Neunt- und Zehntklässlern an der Oberzent-Schule ihr Buch „Mehr Schwarz als Lila“ vor

Den Oberzent-Schülern begegnete Schriftstellerin Lena Gorelik als „sehr authentische, sympathische und entspannte Persönlichkeit“, sagten sie nach der Lesung. Die 38-Jährige stellte der neunten und zehnten Klassenstufe ihr aktuelles Jugendbuch „Mehr Schwarz als Lila“ vor. Einige Schüler hatten bereits im Vorfeld einige weitere Bücher von ihr erstanden und freuten sich auf die Lesung. Die Jugendlichen bekamen einen „sehr interessanten Einblick in das Leben als Autorin“, lautete eine weitere Rückmeldung.

Lena Gorelik wiederum freute sich über die Begrüßung von einzelnen Schülern zu Beginn der Lesung. Sie war sehr angetan von deren Interesse an ihrer Arbeit fühlte sich an der Oberzent-Schule wohl. Den Austausch danach „empfand ich als sehr angenehm, offen und wertschätzend“, so die 1992 nach Deutschland gekommene Autorin.

Die 1981 in Leningrad/Russland geborene Gorelik erzählt in ihrem Roman von einer überforderten Siebzehnjährigen, die der Welt mit Witz und einer Spur notwendigem Stolz gegenübertritt. Wie nebenher wirft die Schriftstellerin Fragen auf – wie kann man Erinnerung vermitteln, wie frei kann man sein? Vor allem aber geht es ums Erwachsenwerden und um die Bilder, „die wir von uns selbst und anderen haben“.

Im Buch konnten sich viele Neunt- und Zehntklässler wiederfinden: Denn Alex trägt lieber Schwarz als Lila, wie schon der Buchtitel suggeriert. Zum Inhalt: Ihr Vater schweigt die meiste Zeit, und ein Papagei soll ihre Mutter ersetzen. Auf der Klassenfahrt nach Polen küsst die Jugendliche von lauter Gefühlen überrannt Paul – am unpassendsten Ort der Welt, in Auschwitz. Jemand fotografiert sie, das Bild geistert durchs Netz, und dann reden alle über Alex und die Jugend von heute, der Papagei entfliegt, und Alex erkennt: „Jetzt ist das Leben da, und zwar mit voller Wucht.“

Dramaturgisch äußerst geschickt werden erinnerungskulturelle Aspekte und moralisches (Fehl-)Verhalten sowie gängige Topoi wie Freundschaft, Liebe, Außenseitertum und Trauerbewältigung miteinander verknüpft, heißt es über das Buch in der Nominierung für den deutschen Jugendliteraturpreis 2018. Gorelik wird „eine an Metaphern reiche Sprache, das virtuose Ausprobieren und Durchbrechen von Sprachkonventionen sowie die intertextuelle Dimension“ attestiert.

Die Lesung wird zum Großteil vom „Leseland Hessen“ finanziert und mit Gabriele Setzer von der Bücherstube in Beerfelden ein Jahr im Voraus geplant. In Absprache mit den anderen Deutschkollegen „haben wir uns für Frau Gorelik entschieden“, berichtete Lehrerin Derya Özdemir. Sie organisierte dann in Zusammenarbeit mit der Bücherstube die Lesung. Gefördert wird das „Leseland“ durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

Lena Gorelik las jeweils eine Stunde aus „Mehr Schwarz als Lila“. In den anderen 30 Minuten entstand nach Eindruck von Özdemir „ein sehr angenehmer Austausch“, bei dem die Schüler sehr viele Fragen zum Autorenleben stellten. Am Bücherstand von Gabriele Setzer gab es die Möglichkeit, einige Werke der Schriftstellerin zu erstehen, um sie dann signieren zu lassen. Die Original-Unterschrift war stark nachgefragt.

Lena Gorelik emigrierte 1992 mit ihrer russisch-jüdischen Familie nach Deutschland. Sie erhielt ihre Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München. Die Autorin veröffentlicht sowohl belletristische als auch wissenschaftliche Texte und Reiseliteratur. Sie ist Mitglied der Autorenedition Sarabande. In unregelmäßigen Abständen verfasst sie Beiträge für Deutschlandradio Kultur und schreibt über aktuelle politische und gesellschaftliche Themen.

„Leseland Hessen“ ist das größte Literaturfestival des Landes. In über 40 Städten finden jedes Jahr zwischen Ende September und Mitte November etwa 150 Lesungen statt. Zusätzlich zu den öffentlichen Lesungen gibt es nicht-öffentliche Schullesungen. Leseland Hessen fand erstmals 2003 statt und wird seit 2013 vom Hessischen Literaturforum im Mousonturm in Frankfurt durchgeführt, organisiert und koordiniert.

Lernen in der „Wohlfühloase Oberzent-Schule“

Wenn die Oberzent-Schule zur Präsentation der Projektwochen-Ergebnisse und zum Schnuppertag einlädt, dann ist die „Bude“ immer voll. Aber dieses Mal war es „so gut besucht wie selten“, freute sich Schulleiter Bernd Siefert. „Ausverkauft“ vermeldete sogar die Mensa, vom Förderverein mit Unterstützung aus den zehnten Klassen gemanagt. Über 200 Besucher zählten die Lehrer bei den verschiedenen Führungen durch die Gebäude.

Die Kombination von Projektwochen-Abschluss plus Info für die kommenden Fünftklässler zieht: Nicht nur die Eltern der aktuellen Viertklässler kommen mit ihren Sprösslingen vorbei, sondern die Erwachsenen der älteren Schüler wollen auch wissen, was ihre Kinder in der einen Woche so alles gemacht haben. Die Palette der angebotenen Projekte ist nämlich sehr vielfältig: Ski fahren, Theater, Medienwelten, Schach, Brettspiele bauen, Chemie, Sport, Erasmus, Zeichnen, Filme oder Fotoromane sind unter anderem im Angebot.

„Origami“ hatte noch einen anderen Hintergrund als nur etwas zu falten. Die Schüler stellten nämlich den Innenhof der Schule mitsamt Bienenkörben nach. Zusammen mit René Tunn und Tanja Stolp soll einen Bienenprojekt gestartet werden. „Dafür gibt’s auch Zuschüsse“, schmunzelt Bernd Siefert. Als Ziel dahinter steht die Produktion des eigenen Honigs. Mit Pressluftflaschen ging‘s zum Tauchen ins Hallenbad. Das Equipment dafür hatte Konrektor Dirk Konrad mitgebracht, nebenbei Vorsitzender des Tauchsportclubs in Michelstadt.

„In der Projektwoche herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre und es sind tolle Produkte entstanden“, bilanziert der Schulleiter. Von den Besuchern gab es nur positive Rückmeldungen. Die „gute Stimmung“ und das ansprechende äußere Erscheinungsbild der Lernanstalt wurden gelobt. Auf die Eigenwerbung ist die Oberzent-Schule natürlich auch angewiesen. 60 angehende Fünftklässler gibt es dieses Jahr, die man (und ihre Eltern) logischerweise gerne von einem Besuch der OZS überzeugen möchte.

„Wir wollen zeigen, warum die Oberzent-Schule die beste weiterführende Schule ist“, nimmt Siefert in punkto Schulvermarktung gerne einen Superlativ in den Mund. Neben der familiären Atmosphäre gehört dazu seinen Worten nach sicherlich auch die gute Anschlussfähigkeit für weiterführende Schulen. „Bei uns sind die Kinder gut aufgehoben, werden fachlich-methodisch und sozial gut geschult“, hebt er hervor.

„Wir öffnen unsere Schule nach außen“, sagt der Pädagoge. Denn vor zehn Jahren waren es noch 110 Viertklässler, die die Grundschulen der Region abschlossen. Aber die kleinere Schülerzahl hat auch was Gutes. Es gibt quasi die „Wohlfühloase Oberzent“. Siefert macht das auch am geringen Krankenstand fest. „In der vergangenen Woche war kein Lehrer krank“, sagt er. Und das bei immerhin 30 Pädagogen.

Die sind immer voll dabei, wenn es um die die Erarbeitung der Themen für die Projektwoche geht. Die Schüler können aus dann aus dem Angebot je nach eigenem Geschmack auswählen. Das Schulleitungsteam leistet laut Siefert in dieser Richtung „herausragende Arbeit“: Dirk Konrad, Heidi Domack, die Stufenleiterin für die Klassen fünf bis zehn, und Klaus Seeh, der Koordinator für die Übergänge ans Gymnasium, hängen sich mit den Kollegen voll rein.

Der Schulleiter spricht mit Blick auf die vielen Aktivitäten von einem gewissen Alleinstellungsmerkmal der OZS. Das Angebot kommt auch bei den Schülern gut an, beobachtet Lehrerin Angela Jöst. Die waren mit einem solchen Feuereifer bei der Sache, dass im Chemieversuch sogar der Feueralarm losging. Den zweiten Test der Brandmeldeanlage während der Herstellung gebrannter Mandeln konnte man gerade noch vermeiden, schmunzelt sie.

Traditioneller Abschluss des Tags ist immer die Präsentation des Zirkusworkshops, bei dem Ralf „Jeremy“ Breitinger die Fünf- bis Zehntklässler anleitet. Die AG findet seit langer Zeit immer einmal wöchentlich statt. Dieses Mal wurde in der Sporthalle jongliert und balanciert, was das Zeug hielt. Kleine und etwas größere Artisten freuten sich über den Applaus des Publikums.

Info: Beim Frühlingskonzert der Oberzent-Schule besteht am Sonntag, 31. März, 11 Uhr, das nächste Mal Gelegenheit, die Lernanstalt in Augenschein zu nehmen. Es spielt die Fachschaft Musik von Volker Reichelt.

Oberzent-Hallenbad ist jeden ersten Sonntag im Monat für alle offen

Es darf geplantscht werden: Jeden ersten Sonntag im Monat ist zukünftig das Hallenbad der Oberzent-Schule für die Öffentlichkeit zugänglich. Zwischen 10 und 13 Uhr kommen alle Wasserratten auf ihre Kosten. Beim jetzigen Start wurde deutlich, dass dieses Angebot noch etwas besser publik gemacht werden muss. Denn eigentlich war es ein oft geäußerter Wunsch aus der Bevölkerung, dass nicht nur Schulen oder Vereine dort baden dürfen, sondern alle schwimmfreudigen Bürger. Übrigens nicht nur aus Oberzent, jeder ist willkommen.

„Es gab immer wieder Anfragen, das Bad für die Allgemeinheit zu öffnen“, bestätigt Oberzent-Schulleiter Bernd Siefert. Bisher wird das Becken auch von den Grundschulen der neuen Stadt, der Eugen-Bachmann-Schule Wald-Michelbach sowie verschiedenen Gruppen genutzt. Über die Stadtverwaltung regelte man die dreistündige Öffnungszeit, so Siefert. „Mitglieder der Sportfachschaft übernehmen wechselnd die Aufsicht“, erläutert er. Die müssen dann einen Rettungsschwimmschein vorweisen.

„Wir schauen, wie es sich entwickelt“, kündigt Bernd Siefert an. Geplant ist vorerst der erste Sonntag im Monat, jedoch außerhalb der hessischen Ferienzeiten. Der Eintritt kostet zwei Euro, Kinder bis 14 Jahre sind frei. Dem Schulleiter geht es darum, einen Anreiz zum Schwimm-Besuch in einer Zeit zu schaffen, wenn immer weniger Kinder schwimmen können. Durch den Hubboden kann die Wassertiefe bis zu 1,80 Meter variiert werden. „Das ist ideal, um Schwimmen zu lernen“, betont er.

Für Fortgeschrittene wird der Boden herabgelassen, sodass sie in Ruhe ihre Bahnen ziehen können. Für Nichtschwimmer wird er angehoben, so dass niemand Angst vor dem Ertrinken haben muss. Diese Konstruktionsart unterstützt auch die Energiebilanz der Bäder, weil man unter anderem die Luftfeuchtigkeit kontrollieren kann.

Nicolas, Clara und Sascha mit ihrem Vater Dirk Boyens aus Beerfelden konnten kaum genug bekommen und wollten sogar länger bleiben. Kein Wunder bei karibischen Wassertemperaturen von 29 Grad, während draußen noch der Schnee lag. Auch Vivien mit ihrem Dad aus Rothenberg nutzte gerne das Angebot. Als Siefert gerade dabei war, den Hubboden hochzufahren, kam Daniel Pracht aus Falken-Gesäß noch vorbei und „bewaffnete“ sich mit Schwimmnudel und Luftmatratze. Auch Bälle und Tauchringe stehen zur Verfügung.

Der Odenwaldkreis ließ sich vor vier Jahren den Neubau des Hallenbads eine erkleckliche Summe kosten. Insgesamt wurden 2,3 Millionen Euro investiert, 650.000 Euro davon steuerte das Land bei. Das alte, aus den Anfangsjahren der Oberzent-Schule in den 1970er Jahren stammende Bad war in einem solch schlechten – auch technischen – Zustand, dass der Kreis von einer Sanierung absah. Der Neubau entstand an genau der gleichen Stelle mit denselben Beckenmaßen: acht Mal 16,67 Meter. Damit ergeben drei Bahnen genau die Länge einer Wettkampfbahn von 50 Meter.

Neu gebaut wurden Umkleiden und Duschen für Damen und Herren sowie Menschen mit Behinderung. Der Zugang zum Becken selbst ist barrierefrei möglich. Die Biomasseheizanlage stellt die Versorgung der Schwimmhalle, der Sporthalle, der Mensa sowie weiteren Teilen des Schulgebäudes sicher. Eine moderne Lüftungsanlage sorgt trotz hoher Luftfeuchtigkeit problemlos für eine gute Luftzirkulation. Ein Großteil der Arbeiten (über 80 Prozent) wurde damals von im Odenwald ansässigen Firmen ausgeführt.

Info: Das Hallenbad in der Oberzent-Schule ist wieder an den Sonntagen 3. März, 7. April und 5. Mai geöffnet, jeweils von 10 bis 13 Uhr. Eintrittspreis für alle ab 14 Jahren: zwei Euro.

1500 Euro von der Oberzent-Schule für die Kinderkrebshilfe „Du musst kämpfen“

Dass an eine Schule gespendet wird, kommt immer mal wieder vor. Dass aber eine Schule für einen sozialen Zweck spendet, dürfte eher die Ausnahme sein. Im Nachklapp zum 50-jährigen Bestehen der Oberzent-Schule gab es nun eine Zuwendung über 1500 Euro für die gemeinnützige GmbH „Du musst kämpfen“. Die Initiative unterstützt damit – wie auch mit vielen weiteren Spenden – die Kinderkrebsstation an der Uniklinik Frankfurt.

Marlon Werrmann, Luca Jungblut und Marco Bartmann aus dem Zehner-Kunstkurs von Mareike Hufer hatten angeregt, zum 50. Jubiläum Freundschaftsbändchen anfertigen zu lassen. Im Gespräch von Schulleiter Bernd Siefert mit Jürgen Nebel, der schon seit ein paar Jahren im Odenwaldkreis für die Belange der Initiative trommelt, wurde dann die Idee geboren, daraus eine Spendenaktion zu machen.

In drei Wochen wurde die Aktion gestemmt. Auf der einen Seite des Bändchens ist „Du musst kämpfen“ zu lesen, auf der anderen „50 Jahre Oberzent-Schule“. Nebel ist mit dem Infostand an den Wochenenden immer wieder in der Region vertreten, um für die gute Sache zu trommeln. Vor kurzem war es bei einem Handballturnier in Oberzent, demnächst wird er in Amorbach zu finden sein. Seit 2016 „habe ich bereits 20.000 Euro durch die Bändchen gesammelt“, erzählte er.

Geschäftsführer Martin Heimes erläuterte der Fünfer-Religionsklasse mit Lehrer Andreas Weinmann und dem stellvertretenden Schulleiter Dirk Konrad Hintergrund und der Ziele der gGmbH, die von seinem 2016 verstorbenen Sohn Jonathan „Johnny“ gegründet worden war. Der, als Kind ein gutes Tennisspieler, erkrankte schon mit 14 Jahren an einem bösartigen Gehirntumor. Es dauerte über ein Jahr, bis er danach wieder auf den Beinen war. Nach Fachabi und FSJ kam der Krebs aber wieder zurück. Im Rücken hatten sich Metastasten gebildet, weshalb Jonathan dann auf den Rollstuhl angewiesen war.

„Johnny hat das angenommen und das Leben positiv gesehen“, so sein Vater. Er machte es sich zur Aufgabe, für die Kinderkrebsstation an der Uniklinik Frankfurt Geld zu sammeln. Durch die Kontakte in die Sport- und Tennisszene (Andrea Petkovic war eine Jugendfreundin) stieß er auf die Aktion des ehemaligen Radprofis Lance Armstrong. Der hatte mit Silikonbändchen eine erfolgreiche Spendenaktion angestoßen.

„Wir haben dann überlegt, was wir draufschreiben“, erzählte Martin Heimes den Schülern. Eine SMS von Johnnys Freund Johann brachte die zündende Idee: „Du musst kämpfen – es ist noch nichts verloren“, schrieb dieser. Den ersten Teil der Nachricht übernahm die Initiative fürs Bändchen. Bekannt wurde der Slogan bundesweit durch das Relegationsspiel der Darmstädter Lilien in Bielefeld vor vier Jahren, als diese unter diesem Motto antraten, erläuterte Heimes. Ein fußballbegeisterter Oberzent-Schüler hatte die Partie sogar damals im Fernsehen angeschaut.

Der Geschäftsführer freute sich, dass durch die Unterstützung auch aus dem Profisport-Bereich seit 2013 stolze 1,4 Millionen Euro gesammelt werden konnten. Zwei Projekte werden aktuell unterstützt: Zum einen will man gemeinsam mit dem Verein „Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt“ die unterstützende Sporttherapie für krebskranke Kinder an der Uniklinik weiter ausbauen. „Die ist bisher keine Krankenkassenleistung“, bedauerte Heimes.

Zum anderen erfährt die psychosoziale Beratung für sterbende Kinder und deren Angehörige Unterstützung. Sie wurde in einem Modellprojekt gemeinsam mit dem Kinderhospiz Bärenherz Wiesbaden eingerichtet. Diese Beraterstelle dient als Ergänzung zur Arbeit des Kinder-Palliativ-Teams Südhessen, das seit 2012 im Regierungsbezirk Darmstadt schwerstkranke und sterbende Kinder und Jugendliche in ihren Familien und Einrichtungen versorgt.

Dirk Konrad freute sich über „die tolle Aktion“ beim Schuljubiläum. Sie erbrachte etwas mehr als 1100 Euro, die von der Firma Bechtold auf 1500 Euro aufgestockt wurden. Martin Heimes hatte für die Schulbibliothek die Biografie seines Sohnes, „Comebacks – Mein Leben“, mitgebracht.

Info: http://www.dumusstkaempfen.de

Erasmus-Programm an der Oberzent-Schule: Völkerverständigung über den Kochtopf hinweg

Fröhliches Stimmengewirr dringt in verschiedenen Sprachen aus der Lehrküche der Oberzent-Schule (OZS). Jugendliche aus gleich fünf Nationen haben sich an diesem Tag im Rahmen des Erasmus-Programms zusammengefunden, um unter dem Oberbegriff „Kiss the cook“ eine Rückbesinnung zum Essensgenuss, weg von Fast Food und Medienüberflutung, zu gestalten. Unter Anleitung von Marco und Sascha Denninger vom „Grünen Baum“ in Gammelsbach brutzelten und kochten die Schüler, was das Zeug hielt.

Auf OZS-Seite hatte das Team um Conny Frank, Derya Özdemir und Felix Sasse die Vorarbeiten für das neue Erasmus-Programm getätigt. Nachdem im August die Zusage gekommen war, musste alles ganz schnell gehen. Ein volles Wochenprogramm wurde für die 40 teilnehmenden Schüler und zwölf Lehrer gestrickt, das unter anderem Heidelberg und Frankfurt auf dem Plan hatte, aber eben auch die gemeinsame Kochaktion mit dem Motto „European open table für open m-eat-tings“.

Die Jugendlichen sollen „das Kochen wertschätzen“, betonte Frank, wissen, wie die Speisen zubereitet werden „und nicht ständig am Handy rumhängen“. Mit diesem Projekt „sind wir neu im (von der EU geförderten) Erasmus-Programm“, freute sich die Lehrerin. Das Konzept dafür erstellte das Koordinationsteam selbst. Sie zeigte sich glücklich, dass es auch für die teilnehmenden Partnerschulen aus Italien, Irland, Portugal und Polend genehmigt wurde.

Im 13. Erasmus-Jahr „konnten wir auf bestehende Kontakte zurückgreifen“, so Frank. Neu dabei ist lediglich die Schule aus Cremona (Italien), alle anderen waren bereits in den Vorjahren irgendwann einmal mit dabei. Joanna Weglowska, Englischlehrerin an der polnischen Schule in Elblag, „ist sogar schon das siebte Mal bei uns“, schmunzelte die Französisch-Lehrerin in Oberzent. Aus Alter Dochao kommen die Portugiesen, aus Dublin die Iren.

Bei beiden Denninger-Köche, selbst ehemalige Oberzent-Schüler, waren sofort mit im Boot, als sie vom Orga-Team angesprochen wurden. „Das ist für uns alle ein Gewinn“, meinte Sascha. Bruder Marco scherzte, „ich war früher noch nie im Lehrerzimmer“, und lobte die „nicht alltäglichen Begegnungen“. Schulleiter Bernd Siefert wies auf die positive Grundstimmung hin. „In der gegenwärtigen politischen Situation ist es wichtig, dass wir ein Zeichen setzen“: dass sich die Jugendlichen der Nationen gegenüber aufgeschlossen sind.

Die Iren freuten sich über das viele Grün und die sanften Hügel, die ihnen aus ihrer Heimat bekannt sind. Als positiv vermerkten sie, „dass es nicht vier Mal am Tag unterschiedliche Regenarten gibt“. Kommen die irischen Schüler aus der Großstadt, so gibt es laut Conny Frank nicht nur durch das ländliche Oberzent einen Austausch von Stadt und Land. Auch die portugiesische Schule liegt abseits der Metropolen.

Joanna Weglowska lobte das Gleichgewicht zwischen Kochen und Kultur. Das Erasmus-Treffen sah sie als „tolle Gelegenheit“ für die Schüler, in einem internationalen Umfeld zusammen zu kochen und dann das selbst Hergestellte gemeinsam zu genießen. Alles immer unter dem „Slow-Food-Aspekt“, der auf diese Weise den Jugendlichen nähergebracht wird.

„Es war eine super Stimmung mit jeder Menge Power, Motivation und Kreativität“, bilanzierte Conny Frank. Das kam besonders bei der Party am letzten Tag zum Ausdruck: DJ Leo Volk legte auf, Erasmus-Schüler kreierten mit großer Begeisterung in international gemischten Teams neue Rezepte für Fingerfood, es wurde getanzt und gelacht. „Es ist aus fünf Ländern ein Team entstanden.“

 

Stimmen

Die 15-jährige Ilayda freute sich, eine Austauschschülerin kennenzulernen. „Da entstehen Freundschaften für später.“ Im Gespräch mit Iona aus Irland kann sie ihre Englischkenntnisse verbessern. „Ich habe in den wenigen Tagen schon was gelernt.“ Dazu lernten die Mädchen voneinander Tänze, die die gemeinsam aufführten.

Mit dem 17-jährigen Milosz aus Polen „habe ich mich sofort verstanden“, sagte Leonard (15). Die ganze Jungen-Gruppe setzte sich zusammen an den Tisch und unterhielt sich. Ihn fasziniert das „sehr offene Projekt“, bei dem es keine Grenzen zwischen den Nationalitäten gibt.

Molly Allman, 16, Lucy Geoghegan, 15, beide aus Irland: „Wir haben beide eine Menge neuer Freunde gefunden. Wir lieben Deutschland und seine liebenswerten Einwohner.“

Karol, Miłosz, Michał, Karolina und Zuza (polnische Schüler): „Wir lernten die einheimische Küche kennen und konnten unser Englisch aufbessern.“ Der Aufenthalt in Deutschland im Rahmen des Erasmus-Programms „war einfach klasse“.

Marta, 16, Italien: Als „eher schüchternes Mädchen“, das sich mit Fremdsprachen schwer tut, fand sie trotzdem Wege, sich mit dem Gasteltern zu verständigen, die wiederum kein Englisch sprachen. „Die Oberzent-Schule ist ein toller Ort, um neue Freunde kennenzulernen.“

Lehrerin Fiona Kelly, Irland: „Der Besuch war eine super Gelegenheit, andere Kulturen über das Thema Lebensmittel und Fitness kennenzulernen.“ Sie freut sich schon auf den Gegenbesuch auf der grünen Insel im kommenden März.

Isabella Zeli, Donata Ardigò, Lehrerinnen aus Italien: „Die ganze Schulgemeinde zeigte sich dem Erasmus-Projekt gegenüber sehr aufgeschlossen.“ Beide sahen das Treffen als einen Höhepunkt der internationalen Begegnungen an.