Überwältigendes Ja zur Oberzent-Fusion: „Historischer Abend mit großer Bedeutung für die Zukunft“

Eindeutiger hätte die Abstimmung für die Fortführung des Fusionsprozesses in der Oberzent nicht ablaufen können: Mehr als 80 Prozent der Bürger votierten dafür. Vier Kommunen im südlichsten Teil Hessens schrieben am Sonntag Geschichte: Durch den positiven Ausgang des Bürgerentscheids wird der erste freiwillige Zusammenschluss seit der großen Gemeinde-Reform Anfang der 1970er Jahre angebahnt. In der Oberzent ist man stolz darauf, damit vielleicht als Beispiel und Blaupause für andere Bestrebungen im Bundesland dienen zu können.

In Rothenberg und Sensbachtal 71 Prozent-Ja-Stimmen, in Beerfelden und Hesseneck sogar 88 Prozent. Und das bei einer im Vergleich zum Hessenschnitt sehr hohen Wahlbeteiligung zwischen 60 und 77 Prozent. Kein Wunder, dass die Fusions-Befürworter, zu denen sich auch Landrat Frank Matiaske gesellte, bei der „Wahlparty“ im Beerfelder Rathaus übers ganze Gesicht strahlten.

Bürgermeister Hans Heinz Keursten, in dessen Rothenberg noch am ehesten zahlreiche Kritiker befürchtet worden waren, machte es sehr spannend und stieß erst kurz nach 22 Uhr zur Runde. Aber umso glücklicher. „Das ist ein tolles Wahlergebnis“, meinte er stellvertretend für seine drei Kollegen Gottfried Görig, Thomas Ihrig und Egon Scheuermann. Und das Ganze noch bei einer „Super-Beteiligung“ von über 70 Prozent in Rothenberg. „Darauf lässt es sich aufbauen und anfangen weiterzuarbeiten“, sagte Keursten.

In Rothenberg und Sensbachtal gab es die meisten Nein-Stimmen, vor allem in den Gemeinden, die sich eher Richtung Neckartal als Richtung Odenwaldkreis orientieren. Folgerichtig war Kortelshütte der einzige Ortsteil, in dem es mit 91 zu 88 eine Mehrheit gegen die Fusion gab. In Rothenberg-Ort war der Nein-Anteil auch höher als in Finkenbach oder Ober-Hainbrunn, ergab sich aber trotzdem eine Zwei-Drittel-Mehrheit pro Zusammenschluss.

Ein ähnliches Bild in Sensbachtal. Die Richtung Eberbach tendierenden Hebstahl und Unter-Sensbach sind etwas kritischer gegenüber der Fusion eingestellt als Ober-Sensbach. Kein Thema dagegen sind die Nein-Stimmen in Beerfelden und Hesseneck mit ihrem Ortsteilen: Überall gibt es satte Mehrheiten pro Fusion.

Die Frage beim Bürgerentscheid lautete: „Sind Sie dafür, dass sich die Stadt Beerfelden, die Gemeinde Hesseneck, die Gemeinde Rothenberg und die Gemeinde Sensbachtal zu einer neuen Kommune zusammenschließen?“ In Beerfelden lag die Wahlbeteiligung bei 60,3 Prozent, in Hesseneck bei 77,4 Prozent, in Rothenberg bei 70,4 Prozent und in Sensbachtal bei 65,3 Prozent. Die neue, noch namenlose Stadt hätte dann 10.200 Einwohner. Man verspricht sich vom Zusammenschluss jährliche Vorteile von fast 900.000 Euro.

Einen Superlativ kann die neue Kommune jetzt schon vorweisen: Sie ist mit 165 Quadratkilometern rein nach Fläche die drittgrößte in Hessen nach Frankfurt und Wiesbaden.  Es gibt einen hohen Waldanteil und etwa 20 Stadt- bzw. Ortsteile. Die tatsächliche Fusion dürfte frühestens Anfang 2018 verwirklicht werden können. Zuvor muss noch ein Grenzänderungsvertrag ausgearbeitet werden, der die Details regelt.

Erste Reaktionen nach der Entscheidung zeigten durchweg positive Reaktionen, egal ob es Parteivertreter in den Gemeindeparlamenten oder Bürger von Beerfelden und Rothenberg waren. Elisabeth Bühler-Kowarsch, Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Beerfelder Stadtverordneten-Versammlung, freute sich darüber, „dass die Entscheidung so deutlich ausgefallen ist“. Das zeige, „dass die Menschen in der Oberzent offen sind für Neues und die sich bietenden Chancen nutzen wollen“. Es komme nun darauf an, dieses positive Votum so umzusetzen, dass „die Menschen gut damit leben können“.

„Zwei Jahre der intensiven Vorbereitung wurden überzeugend gewürdigt“, betonte CDU-Fraktionschef Walter Gerbig. „Wir werden den angestoßenen Prozess weiter begleiten.“ Michael Reinhard aus Beerfelden, Kämmerer in Hirschhorn, lobte: „Selten wurde ein demokratischer Prozess derart offen und transparent geführt.“ Deshalb verwundert ihn die hohe Zustimmungsquote nicht. „Es bleibt jedoch abzuwarten, ob sich alle damit verbundenen Hoffnungen erfüllen“, so Reinhard. „Die Chancen dazu stehen jedoch gut“, fügte er an.

Pfarrer Roland Bahre war froh darüber, „dass die Menschen in allen vier Orten für ein solch eindeutiges Ergebnis sorgten“. Der eingeschlagene Weg der Rathauschef, die Bürger mittels umfassender Beteiligung mit ins Boot zu holen, habe sich bewährt. Raimund Keysser sprach von einem „historischen Abend mit großer Bedeutung für die Zukunft“. Seine Bedenken, dass die Abstimmung scheitern könnte, seien nur gering gewesen. Mehr als erfreut war er darüber, „dass die Rothenberger doch so positiv dafür entschieden haben“.

In Rothenberg hoffte Frank Knecht von der Fraktionsgemeinschaft CDU/Bunte Liste „nun auf erfolgreiche Verhandlungen der Bürgermeister im Wiesbadener Finanzministerium, damit bei der Entschuldungshöhe deutlich mehr als die bisher versprochenen drei Millionen Euro herauskommen“. Als eine der „Kernherausforderungen“ bezeichnete Knecht die qualifizierte Besetzung der Ausschüsse zur Erarbeitung des Grenzänderungsvertrages. „Wir sind optimistisch, dass das gelingt.“

Um den ging es auch SPD-Fraktionsvorsitzender Brigitte Heckmann. Man werde sich „der sicher nicht ganz einfachen Aufgabe der Ausarbeitung stellen“. Die Bürger müssten bei der Ausgestaltung von Anfang an mit einbezogen werden. Sie sah es deshalb als vordringliche Aufgabe an, die Öffentlichkeit über die einzelnen Schritte zu informieren. Rainer Maurer, Vorsitzender des gemischten Chors in Finkenbach, freute sich über das „nunmehr klare Bekenntnis auch der Rothenberger zur Fusion“. Es zeige, dass die Bevölkerung „das richtige Gespür für eine tragfähige Zukunft der Oberzent-Region hat“.

Das Ergebnis sei „eine klare und deutliche Ansage der Bürger, wie ihre Zukunft aussehen soll“, betonte Rothenbergs Gemeindebrandinspektor Marco Johe. Nun gelte es für die zukünftigen Kommunalparlamente, „die bis jetzt geleistete, großartige Arbeit zu vollenden“. Das Projekt sei auch deshalb von Erfolg gekrönt gewesen, weil die Bürger jederzeit mit im Boot gewesen seien. Angela Assmann, die Rektorin der Rothenberger Grundschule, war von der eindeutigen Mehrheit im Ort „für eine Fusion überrascht“. Die Informationsveranstaltungen hätten demnach „mögliche Vorbehalte der Bürger ausräumen“ können. „Ich bin froh, dass die Vernunft gesiegt hat“, meinte kurz und knapp Timo Fink, stellvertretender Wehrführer der Kortelshütter Feuerwehr.

Franz Lechner aus der Hinterbach hob auf das eindeutige Wahlergebnis ab. „Die Zusammenlegung unserer Gemeinden muss nichts mit Identitätsverlust zu tun haben“, unterstrich er. „Es liegt an uns alleine, dass das nicht passiert.“ Er hoffe aber, dass die ersparten Kosten wirklich den Gemeinden zugutekämen. Monika Hofmann aus Rothenberg sah „noch einiges an Arbeit auf die Bürgermeister und die Gremien zukommen“. Sie richtete „ein ganz großes Kompliment an die vier Bürgermeister, die mit viel Weitsicht die Wege für eine hoffentlich gute Zukunft gebahnt haben“.

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„Finkenbach ist einzigartig“: Auch in seiner 33. Auflage hat das „Finki-Festival“ nichts von seiner Anziehungskraft verloren

 

Der Regenbogen über Rothenberg macht am Samstagabend kurz vor dem Guru-Guru-Auftritt die Illusion perfekt: Es ist nicht das Jahr 2015, sondern 1968 oder 1969. Einige tausend Hippies und Flower-Power-Fans haben sich in Finkenbach zusammengefunden, dem Woodstock im Odenwald. Vorne auf der Bühne wird Musik aus den späten 60ern oder frühen 70ern gespielt, entweder von den Originalen oder ihren heutigen Epigonen – im positiven Sinn.

Zehn Bands stehen am Freitag und Samstag auf der Bühne im Finkenbachtal, entführen mit ihren Klängen 40 oder 50 Jahre zurück in die Zeit. Die „Oldtimer“ unter den Musikern haben im Laufe der Jahrzehnte noch überhaupt nichts von ihrer Spielfreude verloren, präsentieren sich kreativ wie eh und je. Im Gegenteil: je oller, desto doller, möchte man meinen.

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Guru Guru um Mani Neumaier etwa, als Mitveranstalter und Headliner des „Finki“ sehnlichst erwartet, zeigen gleich mit ihrer ersten Nummer den jungen Bands, was eine Harke ist. Druckvoll, filigran, komplex schallt es so laut aus den Boxen, dass vor der Bühne der Rasen vibriert. Neumaier kokettiert vor dem Auftritt noch mit den verflossenen 47 Jahren seit Bandgründung und der Schnapszahl „33“ – so oft fand bisher das Festival statt.

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Mit geschlossenen Augen könnte aber auch die Auftaktband des Samstags, „Mars Mushrooms“, direkt den 70er Jahren entsprungen sein. Die ausufernden, perfekten Gitarrensoli und leicht psychedelischen Klänge erinnern an die Rockgrößen der damaligen Zeit. Die vier Musiker haben deutlich Spaß an der Sache, auch wenn der Platz zu dieser Zeit noch eher überschaubar gefüllt ist.

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Erst nach 16 Uhr strömen an diesem Tag die Gäste heran, wird es zunehmend voller im Finkenbachtal. Gegen 20 Uhr, als sich der Konzertabend langsam auf seinen Höhepunkt zubewegt, müssen Nachzügler weit außerhalb parken. Schon einen Kilometer vor dem Ort steht die Freiwillige Feuerwehr (die sich übers ganze Wochenende um die „Parkraumbewirtschaftung“ kümmert) und fängt die Autofahrer ab.

Die Camper haben es leichter – und es sind viele von ihnen, die das Tal zwei Tage lang zu einer Zeltstadt machen. Aufgrund des unsicheren Wetters mit einigen Schauern gehört dazu auch eine gehörige Portion Idealismus und Durchhaltevermögen – auch wenn sich die Bodenverhältnisse zum Glück nicht dem Matsch von Wacken annähern.

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Dem Einfallsreichtum in punkto Kleidung sind beim „Finki“ keine Grenzen gesetzt. Schlaghosen und schreiend bunte Hemden kamen sowieso nie aus der Mode, hat man das Gefühl. Die überdimensionalen Brillen schlummern wohl immer ein Jahr lang vor sich hin, bis sie zum Finki wieder aus der Schublade geholt werden. Auch sonst ist alles erlaubt, was auch nur entfernt an die Hoch-Zeit des Krautrocks erinnert.

Für Hans aus Heilbronn ist das Finki ein „Pflichttermin“ unter den jährlichen Konzertbesuchen. „Ich kenne den Mani noch aus den 70er Jahren in Heidelberg“, erzählt er. Von 1980 bis 96 wohnte er dann selbst in Rothenberg und war natürlich immer dabei. Nach dem Wegzug war erstmal 15 Jahre Pause, aber los kam er nie vom Festival. „Finkenbach ist einzigartig“, sagt Hans, der selbst im Eventbereich tätig ist. „Das Ambiente, die Bands, die Atmosphäre, einfach alles.“ Seine Freundin Renate ist das erste Mal dabei, aber gleich vom ganzen Drumherum angetan.

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Auch Michael aus Beerfelden ist ein „Wiederholungstäter“. Er genießt den Besuch. „Das ist alles Musik aus meiner Zeit“, kennt er die in die Jahre gekommenen Musiker noch aus seinen Jugendjahren. „Arthur Brown war einfach der Hammer und allein den Eintritt wert“, ist er absolut begeistert. „Echt Wahnsinn, super Musiker und der Arthur sowas von rüstig mit einer tollen Stimme.“ Die jung gebliebenen alten Fans sind allerdings beileibe nicht allein. Von acht bis 80 tummeln sich an diesem Wochenende alle Altersstufen auf dem Festivalplatz.

„Es war 1976, als ein Fest der Finkenbacher Feuerwehr zu scheitern drohte, weil die Kapelle kurzfristig absagte“, erzählt Armin Löffler vom FC Finkenbachtal die Entstehung. „Spontan boten vier Wahl-Finkenbacher ihre Hilfe an: Mani Neumeier und seine Band Guru Guru.“ Die für ein Feuerwehrfest recht ungewöhnlichen Klänge seien so gut angekommen, dass Mani und Wilhelm Hotz, der inzwischen verstorbene, damalige Feuerwehrhauptmann, fürs nächste Jahr eine Fortsetzung planten. „Das Finkenbach-Festival war geboren.“ Und erhielt im Ort den Namen „Guru-Fescht“.

Als die Besucherzahlen die Grenze von 10.000 überschritten, „drohte das kleine Dorf zu kollabieren“, weiß Löffler. Deshalb sei 1984 das Festival eingestellt worden, um 1988 neu aufzuleben. Seit dieser Zeit ist auch der FC Finkenbachtal mit im Boot und kümmert sich um die Verpflegung. Nach der zweiten Einstellung 2005 „aufgrund von massiven Polizeikontrollen und dementsprechendem Rückgang der Besucherzahlen“ erfolgte das Revival 2008. Seitdem läuft das Festival bis heute.

Insgesamt 350 Helfer aus dem ganzen Ort und den umliegenden Gemeinden sorgen für den reibungslosen Ablauf oder die Infrastruktur. Seien es der FC, die Feuerwehr, aber auch „die Familien, die Kuchen backen und Kartoffeln kochen“, damit die Theken des FC immer für den Ansturm gerüstet sind, so Löffler.

„Die Einmaligkeit dieser Veranstaltung“ und absolut positive Resonanz der Besucher ist laut Löffler die Motivation für alle Beteiligten, jedes Jahr das Festival wieder auf die Beine zu stellen. Nach dem Finki ist dabei schon vor dem Festival: Die Planungen fürs kommende Jahr starten bald. Dazu setzen sich er, der Vorstand des FC, Karl-Heinz Osche, der Booker von Guru Guru, und eben Mani Neumaier zusammen. „Der eigentliche Aufbau des Festivalgeländes erfolgt drei Wochen vor Beginn“, sagt Löffler.

Wen verpflichtet Mani fürs Finki? „Die Bands müssen mir gefallen“, erläutert er, musikalisch hochwertig sein, authentisch. „Keine Coverbands und keine Popsülze“ ist ein weiteres Kriterium. „Oft kenne ich sie persönlich, ich sehe mir Live-Auftritte oder Filme an“, erzählt er. Der besondere Reiz des Finki ist für ihn: „Ich kann echte Kultur machen, jenseits von kommerziellen Absichten.“ Auf dem Festival könne er „Bands featuren, die nicht nach der Hitparade schielen. Das ist für mich wichtiger als mein Geburtstag oder Weihnachten“, macht Mani Neumaier seine Prioritäten deutlich.

Arthur Brown, Ton Steine Scherben oder Ax Genrich standen dieses Jahr ebenfalls auf der Bühne, neben The Quireboys, Hundred Seventy Split, Rob Tognoni, Vibravoid und Fai Baba. Als Überraschung zauberte Holz-Säge-Aktionskünstler Guntram Prochaska mit musikalischer Untermalung von Guru Guru überdimensionale Pilze aus Baumstämmen. Zwei friedliche Tage mit begeisterten Fans sind der schönste Lohn fürs Orga-Team. Das am Tag danach schon wieder genau weiß, dass es nächstes Jahr in bewährter Form weitergehen wird.

Jugendfeuerwehr Hainbrunn wird 40 Jahre alt: XXL-Kicker-Turnier und Handkäsfest am 1. und 2. August

 

Ihr 40-jähriges Bestehen feiert die Jugendfeuerwehr Hainbrunn stilecht am Samstag, 1. und Sonntag, 2. August mit XXL-Kicker-Turnier und Handkäsfest. Am 1. August findet das XXL-Kicker-Turnier statt, bei dem sich verschiedene Jugendfeuerwehren miteinander messen. Um 13 Uhr ist Anstoß im Hainbrunner Stadion am Feuerwehrhaus. Gegen 17 Uhr ist die Siegerehrung geplant. Möglicherweise, so die Organisatoren augenzwinkernd, komme es im Anschluss zu Verkehrsbehinderungen durch spontane Autokorsos und Feierlichkeiten in den Hainbrunner Straßen.

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Am Sonntag findet das traditionelle Handkäsfest statt. Wie der Name schon sagt, gibt es Odenwälder Handkäs mit Musik. Dazu passend kühler Äppelwoi aus dem Bembel. Selbstgemachter Kochkäs mit Bauernbrot und ein Mittagsmenü sind weitere Highlights für den Gaumen. Kalte Getränke zur Erfrischung stehen bereit. Kaffee und Kuchen runden das kulinarische Programm ab. Ab 10.30 Uhr findet der internationale Frühschoppen statt. Die Jugendfeuerwehr Hainbrunn verzichtet bewusst auf steife Feierlichkeiten und möchte lieber ein gemütliches Fest mit der Bevölkerung feiern. Die festliche Beflaggung der Häuser wird gerne gesehen.

1975 wurde die Jugendfeuerwehr in der zwischen Hirschhorn und Rothenberg und damit zwischen dem Kreis Bergstraße und dem Odenwaldkreis geteilten Gemeinde Hainbrunn ins Leben gerufen. Sie sollte den Nachwuchs der Einsatzabteilung sicherstellen – was auch immer wieder gut klappte. Viele Einsatzkräfte und vor allem Wehrausschussmitglieder begannen ihre Feuerwehrkariere in der Jugendabteilung, setzten dann ihre Laufbahn als Betreuer fort und wurden erfolgreich in die Einsatzabteilung übernommen. Feuerwehrtechnische Ausbildung in Praxis und Theorie bildeten einen großen Teil der Ausbildung. Spaß und Vergnügen bei Zeltlagern, Schwimmbad- und Eisbahnbesuch sowie vieles mehr rundeten das Programm ab.

Bergzeitfahren zwischen Hirschhorn und Rothenberg mit dem Mountainbike

Die Region hat eine neue, anspruchsvolle Mountainbike-Strecke zwischen dem Neckartal und den Odenwald-Höhen. Gleichzeitig ist auf ihr auch ein „Bergzeitfahren“ möglich. Die Tour beginnt am Stoppomat-Starthaus in Hirschhorns Hainbrunner Straße und endet im Zielhaus in Rothenberg. Auf 11,3 Kilometern Länge verläuft sie größtenteils über ausgeschilderte Waldwege. Insgesamt 420 Höhenmeter lassen das Herz jedes Mountainbikers höher schlagen.

Wie schon bei der „regulären“ Stoppomat-Strecke, die auf normalen Straßen zum Höhendorf führt, können Mountainbiker auch hier am Start einen Zettel mit Zeitangabe ziehen und am Ziel stempeln lassen, sodass die schnellsten ermittelt werden. Auch wenn zur Eröffnung der MTB-Strecke das Wetter nicht mitspielte, fanden sich einige unverwüstliche Radler ein, um die Tour erstmalig in Angriff zu nehmen.

Zu ihnen zählte auch der Hirschhorner Rechtsanwalt Martin Truschel, auf dessen Initiative hin schon 2008 die erste Stoppomat-Strecke realisiert wurde. „Die Idee basiert auf einem früheren Radrennen“, erläuterte Truschel vor dem Start. Als dann das Stoppomat-Thema aufkam, sei es naheliegend gewesen, sich mit der damaligen Bürgermeisterin Ute Stenger dafür einzusetzen, dass es auch eine Strecke in Hirschhorn gebe.

Truschel, der mittlerweise in Zotzenbach wohnt, setzt beim Weg ins Büro ebenfalls auf das umweltfreundliche und Fitness steigernde Fortbewegungsmittel Rad: „Ich radle jeden Tag die 30 Kilometer nach Hirschhorn“, sagte er. „Den BMW habe ich mittlerweile verkauft“, schmunzelte Truschel. Für ihn ist die Tour zwischen dem Neckar und Rothenberg und weiter nach Beerfelden „die schönste Strecke in der Region“.

„In der vergangenen Saison sind noch einmal deutlich mehr Nutzer hinzugekommen“, meinte Bürgermeister Rainer Sens in seiner Begrüßung. Er hob auch den touristischen Aspekt der Stoppomat-Strecke hervor. Radler, die von der Gegend angetan seien, würden auch für einen zweiten Besuch wiederkommen. Sens wies daneben darauf hin, dass Mountainbiking im Kreis Bergstraße sehr attraktiv sei und auch gerne angenommen werde.

Dass es nun eine MTB-Strecke mit einem Stoppomaten gebe, „ist in der Region einmalig“. Damit werde der Odenwald für diese Sportart noch attraktiver, sagte Sens. Er könne die Worte seines Kollegen nur unterstreichen, sagte Rothenbergs Bürgermeister Hans Heinz Keursten. Er habe ja angesichts des Regens kaum geglaubt, „dass hier einer hochfährt“, als er vom Höhenort gen Hirschhorn fuhr, frotzelte Keursten. Wie auch Sens bedankte er sich bei allen Organisatoren.

Auf Hirschhorner Seite war dies federführend Bauamtsleiter Detlef Kermbach. Er hatte sich um die Ausschilderung und die Abklärung mit Hessen Forst gekümmert. Laut Kermbach führt die Route über den Fernradweg R4 zum Zielhaus in Rothenberg. Sie könne auch unter https://www.komoot.de/tour/1386997?ref=wtd-m angesehen und auf das Smartphone geladen werden. Es handle sich um eine mittelschwere Mountainbike-Tour, die zu 86 Prozent über Wege und nur zu 14 Prozent über Straßen führe.

Stephan Schneider, zur Einweihung der ersten Stoppomat-Strecke 2008 Geschäftsführer der Sportregion Rhein-Neckar, gehörte ebenfalls zu den ersten Testern der Mountainbike-Tour. Es sei „toll, wie man all die Jahre am Ball geblieben sei“, sagte er. Aus Spanien war Burkhard Jost am Start, der sich zwischen Valencia und Alicante seit 2010 um die einzige außerdeutsche Stoppomatstrecke kümmert. Ihn zog es danach weiter nach Bensheim zur deutschen Radsport-Meisterschaft. Wie auch Jürgen Hilberath, den Geschäftsführer des BASF Triathlon-Cups Rhein-Neckar.

Stellvertretend für alle Engagierten übergab Schneider ein Trikot an Kermbach – in Erinnerung daran, dass man mit den Stoppomat-Strecken in der Metropolregion bei „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet worden sei. Bei sich langsam aufklarenden Himmel machte sich Radler-Schar anschließend auf den Weg Richtung Rothenberg.

Info: http://www.stoppomat.de

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Kommunaler Finanzausgleich: Die Hoffnung auf eine Änderung zum Besseren schwindet

Kommunalpolitiker aus dem ganzen Kreis zeigten am Mittwoch Flagge bei der öffentlichen Anhörung zum Gesetzentwurf der Landesregierung in Bezug auf den Kommunalen Finanzausgleich (KFA). Allerdings ist die Hoffnung unter ihnen eher verhalten, dass sich am Gesetz vor der Verabschiedung noch etwas ändern wird. „Nicht viel inhaltliches Neuland“, machte Wald-Michelbachs Bürgermeister Joachim Kunkel aus. Neckarsteinachs Herold Pfeifer formulierte es sarkastisch: „Wir waren halt mal da.“

Immerhin: Der Kreis Bergstraße stellte bestimmt ein Drittel der Besucher aus ganz Hessen, die der kommunalen Ebene zuzuordnen sind. Allein aus Wald-Michelbach waren noch der Erste Beigeordnete Peter Bihn und CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Doetsch dabei, aus Fürth Bürgermeister Volker Oehlenschläger, aus Grasellenbach Markus Röth und vom hessischen Neckartal noch sein Kollege Rainer Sens aus Hirschhorn.

Bergstraße und Ried zeigten ebenfalls Flagge mit Landrat Matthias Wilkes und Finanzdezernent Matthias Schimpf sowie Bürgermeister und städtischen Beigeordneten. „Die Botschaft hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“, lässt sich die Reaktion der Zuschauer auf die Äußerungen von Landesregierung und Regierungsfraktionen beschreiben. Mit mehr oder weniger geballter Faust in der Tasche wurden die durch die KFA-Neuordnung eintretenden „Verbesserungen“ zur Kenntnis genommen, die nach Ansicht der Betroffenen aber so gar nicht eintreffen werden.

Ende Juli soll der Landtag das neue Gesetz, welches ab dem 1. Januar 2016 gelten soll, beschließen. Während der Anhörung hatten die kommunalen Verbände (Städte- und Gemeindebund, Landkreis-, Städtetag) die Möglichkeit, ihre Einschätzung vorzutragen. Des Weiteren gaben Gutachter der Verbände und der Landesregierung Stellungnahmen ab und konnten von den Landtagsabgeordneten befragt werden. Für die Bergstraße sprachen Landrat Wilkes und der in der Stadt Bensheim für Finanzen zuständige Stadtrat Adil Oyan.

Nahezu alle Stellungnahmen gingen in die gleiche Richtung: Das vorgelegte Gesetz werde dem Grundsatz „Wer bestellt, bezahlt“ auch für die Zukunft nicht gerecht, die Städte und Gemeinden würden nicht ausreichend finanziert. Sie müssten entweder ihre Leistungen einschränken oder weitere Steuererhöhungen vornehmen, wenn es nicht zu Änderungen komme, fasste Viernheim Bürgermeister Matthias Baaß die Stimmung unter seinen Kollegen zusammen.

Landrat Wilkes verdeutlichte an einem Beispiel die Problematik: Das Land habe den Landkreisen auferlegt, die Kosten der Schülerbeförderung komplett zu übernehmen. Das führe dazu, dass vielen Schülern zum Beispiel im Odenwald ein komplettes Monatsticket für 50 Euro zu zahlen sei. Gerne würde er dafür einen Eigenbeitrag der Eltern verlangen, dies habe die Landesregierung (damals noch Rot-Rot-Grün) aber verboten, die neue Regierung habe es nicht geändert.

In die Bedarfsermittlung, welche jetzt Grundlage für den neuen Finanzausgleich sei, seien diese 50 Euro, die der Landkreis pro Monat und Schüler zu zahlen habe, aber nicht komplett eingeflossen. Wilkes: „Wir werden verpflichtet, 100 Prozent zu zahlen, dürfen keinen Beitrag erheben, bekommen aber nicht 100 Prozent erstattet. Zur Belohnung werden wir dann noch der Unwirtschaftlichkeit bezichtigt. Das ist Unfug.“

Bürgermeister Kunkel machte deutlich, dass die Odenwald-Gemeinden von einer Neuregelung aufgrund ihrer ländlichen Lage noch mehr betroffen seien als die Städte in der Ebene. Er monierte die „zweifelhafte Berechnung“ des Finanzbedarfs der Kommunen, da sie nicht miteinander zu vergleichen seien. „Wir fühlen uns vom Land allein gelassen“, gab Kunkel die Stimmung nicht nur der Überwald-Bürgermeister wieder.

„Der große Wurf nach mehr Gerechtigkeit fehlt“, sagte der Wald-Michelbacher Bürgermeister. Auch wenn die Debatte sachlich gewesen sei, könne er nicht beurteilen, ob Kritik und Zweifel in den Köpfen der Abgeordneten von CDU und Grünen angekommen sei. „Ich weiß nicht, ob sich noch groß was ändert“. Was er sehr bedauere, denn er hätte sich gewünscht, „dass solche weitreichenden Entscheidungen in vertrauensvoller Zusammenarbeit getroffen werden“. Und nicht den Weg über Gerichte gehen müssten.

Sein Neckarsteinacher Kollege Pfeifer könnte sich vorstellen, dass bis zur Verabschiedung „noch was in Richtung Kommunen geht“. Denn Städte- und Gemeindebund würden auf jeden Fall nochmal die Diskussion über den KFA anstoßen. Ansonsten hörte er in der Diskussion „Altbekanntes“. Bei einigen Abgeordneten vermisste er darüber hinaus die Kenntnis darüber, „wie eine Gemeinde funktioniert“.

Hochzeit hinter Sichtschutzzäunen: Toni Kroos gibt Freundin Jessica das Ja-Wort

Helle Aufregung in der beschaulichen Vierburgenstadt und Ausnahmezustand auf dem „Hohen Darsberg“: Fußball-Weltmeister Toni Kroos heiratet heute um 15 Uhr unseren Informationen zufolge seine langjährige Freundin Jessica Farber auf der abgeschiedenen „Hochzeitslocation“ im idyllischen Odenwald. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit, denn rund um das 25 Hektar große Gelände waren Sichtschutzzäune gezogen.

Die Trauung nimmt der Hirschhorner Bürgermeister Rainer Sens vor. Denn die Nachbarstadt ist Sitz des Standesamtsbezirks Hessisches Neckartal und Sens dessen Leiter. Deshalb wusste auch sein Neckarsteinacher Kollege Herold Pfeifer im Vorfeld nichts von dem Großereignis, das auf seiner Gemarkung stattfand, sagte er auf Nachfrage.

Der „Hohe Darsberg“ ist eine der beliebtesten Locations für Paare, die sich im Neckartal trauen wollen. Im vergangenen Jahr schritten die Standesamten dort 29 Mal „zur Tat“ – ganz abgesehen von den vielen Hochzeitsfeiern, die dort außerdem stattfinden. Die „Hochzeitslocation in Heidelberg“ – auch wenn das geografisch nicht ganz stimmt, Heidelberg ist 15 Kilometer entfernt – wirbt mit ihrer Lage: 440 Meter über dem Meeresspiegel, fernab des Alltagstrubels und umgeben von Wiesen und Wald. In den 18 Jahren, seitdem der „Hohe Darsberg“ in Besitz der Familie Frey ist, hätten dort bereits über 1700 exklusive Hochzeiten stattgefunden, heißt es.

Von der Kreisstraße Neckarsteinach-Darsberg aus war kein Durchkommen zum zwei Kilometer entfernten Hochzeitsort. Schon an der Abzweigung standen zwei furchteinflößende Security-Männer, die keinen durchließen. Auch nicht Bürgermeister Herold Pfeifer, der sich erst den Weg „freireden“ musste. Im Wald wurde ebenfalls kontrolliert, damit sich kein Neugieriger zum Großereignis durchschlagen konnte. Dass es für die Sperrungen irgendwelche Genehmigungen gab, ist Pfeifer nicht bekannt. Zumindest nicht von ihm. Auch die örtliche Polizei sei nicht informiert gewesen.

Hohe Sichtschutzzäune ums Anwesen tun ein übriges, damit das Hochzeitspaar und mögliche illustre Gäste unter sich bleiben. Platz wäre auf jeden Fall: Der „Hohe Darsberg“ bietet Übernachtungsmöglichkeiten für bis zu 100 Personen. Die Spekulationen reichten von befreundeten Nationalmannschaftskollegen bis zu „deutschlandweiten bekannten Musikgruppen“, wie die hiesige Presse meldet. Die letzten Gäste sollen Berichten zufolge erst am Sonntagabend wieder abreisen.

Toni Kroos und seine Freundin Jessica Farber sind schon seit 2008 zusammen. Vor knapp zwei Jahren kam ihr Sohn Leon zur Welt. Die 27-Jährige kommt aus Speyer und kennt sich deshalb in der Kurpfalz aus. Der 25-jährige Kroos wurde 2014 mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Weltmeister. Geboren wurde er in Greifswald, spielte in Deutschland bei Leverkusen und Bayern München. Vergangenes Jahr wechselte er zu Real Madrid.

Seit 2010 ist er Nationalspieler. Beim heutigen Spiel gegen Gibralter ist Kroos entschuldigt. Er müsse „geschont“ werden, heißt es. Auch Manuel Neuer und Thomas Müller fehlen. Die kennt Kroos noch aus seiner Zeit bei Bayern München. Wer weiß, ob die nicht auch auf dem Hohen Darsberg sind….         (Bild: Homepage Stadt Hirschhorn)

Kehrt der Wolf nach 150 Jahren wieder in den Odenwald zurück?

Eine angebliche Wolfssichtung zwischen Beerfelden und Gammelsbach bewegt die Netzgemeinde. Nachdem ein entsprechender Post bei Facebook auftauchte, entspann sich gestern in kürzester Zeit eine rege Diskussion über das Ob. So ganz unwahrscheinlich wäre eine Sichtung nicht – wenn es sich nicht am wahrscheinlichsten um einen ausgebüxten Hund handeln dürfte.

Aber Ronny Kolb, der stellvertretende Leiter des Forstamts Beerfelden, kann sich durchaus vorstellen, dass Meister Isegrim in absehbarer Zeit wieder im Odenwald heimisch werden könnte. Und von Beerfelden aus wäre es für einen jungen Rüden auf der Suche nach einem eigenen Revier nur ein Katzensprung in den Überwald.

Kolbs Worten zufolge wurde Ende April bei Frankfurt ein Wolf überfahren, der eindeutig einem Gartower Rudel aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg im Osten Niedersachsens zugeordnet werden konnte. Die Tiere könnten in kürzester Zeit weite Strecken bewältigen, sagt Kolb. Gerade junge Rüden „wandern relativ schnell“, mehrere Kilometer pro Nacht, um neue Reviere zu erforschen. Weitere Sichtungen im Westerwald oder bei Kassel belegten dies.

Im Odenwald würde eine Wiederansiedlung nach ziemlich genau 150 Jahren eine Rückkehr des einst weit verbreiteten Tieres bedeuten. Denn 1866 war der letzte Wolf des Odenwalds bei Wagenschwend (zwischen Eberbach und Mudau) aufgescheucht und dann in der „Wolfsschlucht“ bei Zwingenberg (Baden) nahe Eberbach erschossen worden. Wie Kolb sagt, „ist der Wolf in Deutschland ganz deutlich auf dem Vormarsch und breitet sich stark aus“.

Auf der Strecke vom Osten oder Norden Deutschlands, wo es bereits Populationen gibt, nach Süden lauern Kolb zufolge allerdings hohe Barrieren in Form von Autobahnen, Eisenbahnstrecken oder Flüssen. Was auch dem Tier bei Frankfurt zum Verhängnis wurde, der auf der A 661 zwischen Oberursel und Offenbach überfahren wurde. „Es muss schon viel zusammenkommen, damit der Wolf in unserer Region ankommt“, so Kolb.

Sollte es Meister Isegrim aber in den Süden Hessens schaffen, „dann dürfte er sich hier sehr wohlfühlen“, meint Kolb. Denn der Odenwald wäre für ihn aufgrund des Waldreichtums jeden Fall eine Region, die sich für eine Besiedlung eigne. Ronny Kolb hofft, sollte es einmal so weit kommen, auf einen sachlichen Umgang damit – ohne die weit verbreiteten Vorurteile. (Bild: IFAW)

„Kulturentwicklung planen und nicht dem Zufall überlassen“

Unter „ganz anderen Vorzeichen“ als die anderen finde die siebte Überwälder Business-Lounge statt, versprach ZKÜ-Geschäftsführer Sebastian Schröder bei der Eröffnung. Und er hatte Recht, stand doch diesmal der weiche „Standortfaktor“ Kultur im Mittelpunkt. Allerdings, und das kristallisierte sich in der Veranstaltung heraus, ist dieser nicht losgelöst von anderen Bestrebungen zu betrachten, die Menschen im ländlichen Raum, im Überwald, zu halten, den Wegzug in die größeren Städte zu verhindern oder sogar Zuzug zu fördern. Eingeladen hatte die ZKÜ Gewerbetreibende, Kommunalpolitiker, Verwaltungsmitarbeiter und interessierte Bürger ins katholische Pfarr- und Jugendheim Ober-Abtsteinach.

Neben Schröder ging auch Abtsteinachs Bürgermeister Rolf Reinhard in seiner Begrüßung auf das Thema ein. Zwei Referate gab es vom ehemaligen Neckarsteinacher Bürgermeister Eberhard Petri (zuvor zehn Jahre stellvertretender Kulturamtsleiter in Mannheim) und Jürgen Flügge vom Hof-Theater-Tromm. Karl Berbner vom Fastnachtsverein OKACLU beleuchte das kulturelle Angebot aus örtlicher Sicht. Der 16-jährige Julius Hintenlang sorgte mit zwei Stücken auf dem Piano für musikalische Unterhaltung.

„Wir sind auf Zuzug angewiesen, sonst kann die Gemeinde auf Dauer nicht überleben“, betonte Bürgermeister Reinhard. Die Ausweisung eines neuen Gewerbegebiets sei nur ein Baustein. Es sei wichtig, „neben der Wirtschaft auch Kultur als Standortfaktor anzubieten“. Der Bevölkerung müsse etwas geboten werden, „damit die Leute gerne hier wohnen und hier bleiben“, betonte Reinhard. Auch gelte es, die örtlichen Kulturschaffenden in der Gemeinde zu halten, damit es weiterhin Angebote gibt.

Mit dem Thema Kulturförderung betrete die ZKÜ eher Neuland, sagte Geschäftsführer Schröder. Jedoch sei es „in anderen Regionen selbstverständlich, dass die Kultur ein Standortfaktor ist“. Es gelte zu bestimmen, wie sich das Thema nach innen und außen einsetzen lasse, so Schröder. „Wir laufen nicht auf RTL, sondern eher auf Arte“, meinte er schmunzelnd mit Blick auf die Angebote. Den ersten Referenten Eberhard Petri stellte Schröder als jemanden vor, der die Kultur sowohl aus Sicht einer Großstadt als auch von einer kleinen Kommune her kenne.

Dieser machte deutlich, dass mit dem Begriff Kultur sowohl „im Alltag wie auch im wissenschaftlichen Bereich sehr inflationär umgegangen“ werde. „Wichtig ist es, immer dann, wenn von Kultur gesprochen wird, darauf zu achten, was der Gesprächspartner gerade meint“, sagte er.

Aus Petris Erfahrung heraus ist es wesentlich für die Kultur als Standortfaktor, „dass ein lebendiges Kulturleben die Einwohner, und vor allem die Jugendlichen unter ihnen, zum eigenen Tun animiert“. Die Erfahrungen beim Erlernen eines Instruments seien gerade bei Jugendlichen bleibend, prägten den einzelnen, formten ihn in seiner persönlichen Entwicklung. Die Innenwirkung in die Gemeinde, in das dortige Leben, „erfolgt ganz automatisch“.

Zur Kultur gehört laut Petri auch die aktive Beschäftigung „mit unseren Traditionen und unserer Geschichte“. Sie seien „ein riesiger Schatz, den es zu heben gilt“, den man sich erwerben und erarbeiten müsse. Doch das gehe nicht so einfach museal-statisch, sondern in einer lebendigen, das eigene Tun anregenden Art und Weise. Das Angebot der Geopark-Ranger, auch der Vor-Ort-Begleiter, wertete er in diesem Zusammenhang als „für unsere Region enorm wichtig“.

Natürlich ließen sich Großstadt-Angebote wie Kammermusik-Reihen auf ländlichere Kommunen überstülpen. Doch wirklich glaubhaft und überzeugend sind für Eberhard Petri Kultur-Angebote dann, „wenn sie einen Bezug zum Ort haben oder idealerweise dort verwurzelt sind“. Als Beispiele nannte er die Karnevalsveranstaltungen des OKACLU, die Studio-Bühne von Matthias Dörsam in Fürth und das überregional wahrgenommene Angebot des „Hof-Theaters-Tromm“.

Junge Künstler sollten sich ihrer Wurzeln erinnern und später in regelmäßigen Abständen Konzerte in ihrem Heimatort machen, regte er an – auch so lasse sich Kultur in einer kleine Gemeinde bringen. Der ehemalige Bürgermeister erwähnte als Beispiel die Neckarsteinacher Sopranistin Lena Haselmann, die auf großen Bühnen in Berlin auftrete, aber einmal im Jahr ein Konzert in ihrer Heimatstadt gestalte – zu dem wiederum mindestens die Hälfte der Besucher von auswärts komme.

Wenn es gelinge, eine lebendige Kulturszene zu verbinden mit einem Kulturangebot, das sich in Inhalt, Form, Präsentation und Location unterscheide, „dann strahlt der Überwald weit über die eigene Region hinaus, wird Anziehungspunkt für Ansiedlungswillige und vor allem für Besucher“, ist sich Petri sicher.

Für die Auflockerung zwischen den Vorträgen sorgte Karl Berbner, gleichzeitig auch Geopark-Vor-Ort-Begleiter. Die Ausbildung hierfür hätten er und seine Kolleg(inn)en gemacht, „weil wir uns hier heimisch fühlen und den Gästen den schönen Odenwald näherbringen wollen“. Mit Blick auf das örtliche Vereinsleben meinte er, „die Jugend muss sehen, dass was läuft, das sie auch interessiert“. So könne man sie erfolgreich in die örtlichen Vereine integrieren. Diese, bezogen auf Abtsteinach, stellte er im Anschluss kurz vor.

„Kulturentwicklung muss man denken und planen und nicht dem Zufall überlassen“, forderte Theaterwissenschaftler Jürgen Flügge vom Trommer Hoftheater. Es gelte den Ist-Zustand und den Stellenwert zu bestimmen. Wichtig ist für ihn „eine wesentlich bessere Vernetzung“. Gleichzeitig sollten vorhandene Angebote besser propagiert werden. Seiner Ansicht nach sollten aus dem Überwald heraus auch Angebote mit einer überregionalen Bedeutung gemacht werden. Jedoch: „Ohne eine Verbindung zu den Menschen in der Region funktioniert Kultur nicht“, betonte Flügge. „Verbündete“ sind laut seinen Worten wichtig, egal ob aus Politik oder Wirtschaft.

Natürlich koste Kultur immer auch Geld, weiß Jürgen Flügge. Doch der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Späth habe das Wort von der „Umwegrentabilität“ geprägt. Will heißen: Es entstünden Synergieeffekte, durch mehr Besucher von Veranstaltungen komme an anderen Stellen wieder Geld in den Überwald, so im Bereich Tourismus oder Gastronomie. „Bei Kultur muss man übers Geld reden dürfen“, so Flügge. Es gebe viele Stellen, wo man Fördermittel beantragen könne. Jedoch müsse immer die Kommune mit im Boot sein, auch wenn sich dies in Zeiten knapper Kassen schwierig gestalte. Der Theatermacher propagierte die Idee eines „Sponsorenpools“, in den potenzielle Geldgeber einzahlten. So müsse man nicht an allen möglichen Stellen vorstellig werden.

„Wir müssen eine Vision haben, wo die ganze Region miteinander hingehen kann“, meinte er. Am Beispiel Überwälder Heimatfest machte Flügge einige Vorschläge, wie es seiner Meinung nach attraktiver gestaltet werden könnte. Die reichten von italienischen Straßentheatern über Treffen von Volkstanzgruppen bis hin zu besonderen Ausstellungen im Heimatmuseum.

Neckarsteinachs Betriebe präsentieren sich bei den Frühlingstagen aufs Beste

Bei herrlichem Frühlingswetter wurden heute die 14. Neckarsteinacher Frühlingstage im Gewerbegebiet auf dem Gelände der Firma Hach eröffnet. Bürgermeister Herold Pfeifer begrüßte dazu viel Polit-Prominenz, so den CDU-Bundestagsabgeordneten und Staatssekretär im Finanzministerium, Dr. Michael Meister, sowie die Landtagsabgeordneten Peter Stephan (CDU) und Gerald Kummer (SPD), der gleichzeitig morgen um das Amt des Landrats im Kreis Bergstraße kandidiert. Aber auch aus der Stadt waren zahlreiche Gäste erschienen, etwa die verschiedenen Kommunalpolitiker und Vertreter des Magistrats sowie Vierburgenkönigin Kathrin I. und Burgfräulein Sophia I.

Getreu dem Motto „Tradition – Moderne – Zukunft“ zeigen die Betriebe die Vielfalt ihrer Angebote. Die Gewerbetreibenden stellen sich an diesen beiden Tagen mit ihren Ideen, ihrem Können und ihren Waren aus dem technischen und handwerklichen Bereich sowie dem Handel vor. Immer mehr ortsansässige Betriebe nutzten inzwischen diese Gelegenheit zur Präsentation, so Pfeifer. Die Gewerbeschau sei „ein Spiegelbild des Gewerbevereins und damit seiner Mitgliedsbetriebe“. Mit sehr viel Fleiß und Engagement sei es auch in diesem Jahr wieder gelungen, „eine eindrucksvolle Visitenkarte abzugeben“. An Siegfried Beisel und Stefan Hach vom Gewerbeverein ging sein Dank für die Organisation. Vorsitzender Christof Hardt betonte seine Freude, mit dieser Schau etwas Gutes für Neckarsteinach und die Region zu tun.

Betriebe und auch der Handel zeigten, dass man mit frischen Ideen sowie Fleiß und Mut auch in der heutigen Zeit optimistisch in die Zukunft blicken kann, so Hardt in seinem Grußwort. Besonders zu erwähnen sei die zeitgerechte energetische Beratung in den entsprechenden Firmen. Von Dachausbau und Heizung über Einbruchsicherung bis Gartenbau, Fahrzeugtechnik und Freizeitgestaltung reiche die Palette.

Die Gewerbeschau solle möglichst vielen Menschen verdeutlichen, „dass es sich lohnt, nach Neckarsteinach zu kommen“ so Dr. Meister. Es sei schön, einen solchen Zusammenhalt im Ort zu beobachten, mit dem jedes Jahr diese Veranstaltung auf die Beine gestellt werden könne. Sie sei „ein Schaufenster nach außen“. Er könne jeden Besucher nur dazu animieren, „die vorhandenen Angebote anzunehmen“. Vierburgenkönigin Kathrin erklärte nach ihrem Grußwort die Frühlingstage für eröffnet. Ein Rundgang zu den verschiedenen Betrieben mit angeregten Gesprächen schloss sich an. Bei der Firma Engelhardt überreichte Christof Hardt ein Präsent an Inhaber Thorsten Leitgib für 20-jährige Unternehmenstätigkeit.

Bei der Freiwilligen Feuerwehr Neckarsteinach findet am morgigen Sonntag, 19.4., ein Tag der offenen Tür statt, wobei man Interessantes über das neue Staffellöschfahrzeug erfahren kann. Der Tag startet um 11 Uhr mit einem Frühschoppen-Konzert der Musikfreunde Neckarsteinach, die auf dem Bauhof-Gelände zur Unterhaltung aufspielen, die Gewerbeschau ist dann bis 18 Uhr offen. In der Innenstadt haben daneben einige Geschäfte von 12 bis 17 Uhr geöffnet.HandhHH

Das Gewerbegebiet lädt dann den ganzen Tag über zu einem Bummel durch die angeschlossenen Betriebe mit einem reichhaltigen Rahmenprogramm ein. Es finden viele Informationsveranstaltungen statt. Außerdem erwarten die Gäste für die Kleinen ein Karussell, Bimmelbahn, Segways, Tauchvorführung beim Wasser- und Schifffahrtsamt, Turnerbund mit Kinderprogramm, diverse Verkostungsstände, Süßigkeiten, Eis und vieles mehr. „Räbigers Flohmarkt“ (nur sonntags) wird bei vielen das Interesse am Stöbern wecken.

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Landrats-Stichwahl am 19. April: „Wer nicht wählen geht, hat schon verloren“ – Wahlaufrufe der Politiker

Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen. Unserer Bitte an die Bürgermeister im Kreis Bergstraße, doch für die Landrats-Stichwahl am 19. April einen Wahlaufruf zu formulieren, kamen trotz Erinnerungsemail nur ganze vier von 22 nach. Also ein Rücklauf, der noch unter der Beteiligung des ersten Wahlgangs mit 30 Prozent liegt. Von den Politikern auf Landes- und Bundesebene war die Anzahl der Antworten erfreulich hoch.

Ein Landrat hat in vielen Bereichen direkt mit dem Bürger etwas zu tun (wir berichteten), so dass der Einfluss des Wählers auf die Person an der Spitze der Kreisverwaltung mehr als Sinn macht. Ganz davon abgesehen, dass das demokratische Grundrecht Wahl nicht hoch genug geschätzt werden sollte. Deshalb rufen auch alle Funktionsträger dazu auf, am 19. April unbedingt vom Wahlrecht Gebraucht zu machen.

Rainer Sens, Bürgermeister der Stadt Hirschhorn: Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, am kommenden Sonntag haben wir wieder das große Vorrecht wählen zu dürfen. Viele Generationen vor uns haben um das Recht gekämpft, über die politische Führung mitbestimmen zu dürfen. Milliarden von Mitmenschen beneiden uns heute noch um dieses Recht. Trotzdem haben wir teilweise eine erschreckend geringe Wahlbeteiligung. Angesichts dieser Tatsache möchte ich drei Bitten an Sie richten: Hören Sie bitte nicht auf Leute, die sagen, dass wählen nichts bringen würde. Das ist Unsinn, denn jede Stimme zählt gleich viel. Also bringt Ihre Stimme auch genau so viel, wie jede andere. Wahlverweigerung nutzt nur den Extremen, den politisch oder religiös Radikalen. Jede nicht abgegebene Stimme ist eine genau für die Leute, die nur Entmutigung predigen, aber keine Alternative haben.

Auch wenn es dieses Mal scheinbar „nur“ um die Wahl des Landrats geht, ist diese Wahl nicht unwichtig. Es treten zwei gleich respektable Kandidaten zur Stichwahl an, aber sie haben deutlich gemacht, dass sie unterschiedliche Schwerpunkte setzen wollen. In Publikationen und auf Websites können Sie sich informieren, Ihre Meinung bilden und wählen. Und noch eine dritte Bitte: Ihre Stimme ist auch ein Signal nach Wiesbaden und Berlin, denn dort in den Hauptstädten wird sorgfältig registriert, wie im Kreis Bergstraße abgestimmt wird. Glauben Sie also nicht, dass die Wahl schon entschieden sei – egal in welcher Richtung. Die Wirkung einer Wahl geht weit über das eigentliche Ergebnis hinaus, weil sich die Parteien die Ergebnisse in jedem einzelnen Wahlbezirk genau ansehen. Deshalb gehen Sie bitte am Sonntag wählen oder machen Sie – wie ich urlaubsbedingt – von der Briefwahl Gebrauch. „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“ heißt es in Artikel 20 des Grundgesetzes, und weiter: „Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen … ausgeübt.“ Aber eben nur, wenn wir sie auch wirklich ausüben.

Herold Pfeifer, Bürgermeister von Neckarsteinach: Liebe Neckarsteinacher, lassen Sie es mich ganz direkt und geradeheraus sagen – so wie Sie mich kennen: Ich bin enttäuscht. Sehr enttäuscht darüber, dass die Wahlbeteiligung in unserer schönen Stadt bei der Landratswahl im Kreis Bergstraße nur 28 Prozent betragen hat. Freie, gleiche, geheime, unmittelbare und allgemeine Wahlen sind direkte Prozesse zur Beteiligung von Bürgern. Das demokratische Recht, auf diesem Weg Einfluss auf die Politik auszuüben, ist keineswegs selbstverständlich, wie der Blick auf viele andere Länder in der Welt zeigt. Es ist ein Privileg, das Sie nicht hoch genug schätzen sollten. Lange und schwere politische Auseinandersetzungen ebneten in der Bundesrepublik Deutschland den Weg zu unserem demokratischen politischen System, wie wir es seit 1949 kennen. Und hoffentlich nach wie vor schätzen. Auch wenn ich manchmal meine Zweifel daran habe, ob es nicht schon viel zu selbstverständlich geworden ist. Es ist für mich nur ein schwacher Trost, dass in Neckarsteinach immer noch sieben Prozent mehr Bürger an die Urnen gingen als in unserer hessischen Nachbarstadt.

Landauf, landab ächzen Städte und Gemeinden unter der Aufgabenlast, die ihnen vom Land Hessen übertragen wurde und wird. Ohne dabei die dafür notwendigen finanziellen Mittel zu erhalten. Im Gegenteil: Das Land möchte die Kommunen weiter gängeln und ihnen noch mehr Gelder vorenthalten. Besonders perfide: Verwaltung und Stadtverordnetenversammlung werden quasi von oben herab gezwungen, die örtlichen Steuern zu erheben. Steuern, die Ihnen, den Bürgern, besonders im Geldbeutel wehtun. Sie haben es in der Hand, ob das so weitergehen soll. Denn am 19. April wird es die Stichwahl um das Amt des Landrats im Kreis Bergstraße zwischen Gerald Kummer (SPD) und Christian Engelhardt (CDU) geben. Wer nicht wählen geht, hat schon verloren. Machen Sie von Ihrem demokratischen Grundrecht Gebrauch, für das Ihre Vorväter jahrzehntelang gestritten haben. Gehen Sie wählen, stimmen Sie ab! Zum Wohle unserer Stadt und ihrer Bürger.

Matthias Wilkes, Landrat des Kreises Bergstraße: Bei einer Wahlbeteiligung von knapp 30 Prozent konnte im ersten Wahlgang kein neuer Landrat für den Kreis Bergstraße bestimmt werden. Am kommenden Sonntag (19.) sind die Bürgerinnen und Bürger des Kreises aufgerufen, ihren Landrat in einer Stichwahl zu bestimmen. Das Amt des Landrats ist sicherlich, anders als andere politische Ämter, für den Bürger oft weniger „greifbar“ und von daher ist die Motivation ganz sicher, wenn man landesweit schaut, weniger ausgeprägt zur Landratswahl seine Stimme abzugeben. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen selbst die Kandidaten mehr fordern und diese sich auch fordern ließen. Ich würde mich am Ende sehr freuen, wenn die Wählerinnen und Wähler erkennen wie wichtig eine unabhängige und für die Interessen des Landkreises arbeitende Persönlichkeit im Sinne ihrer eigenen Lebensbedingungen vor Ort ist und deswegen zur Wahl gehen. Je höher die Beteiligung bei der Wahl, desto höher ist auch die Legitimation und der Rückenwind für den neuen Landrat aber auch gleichzeitig die Verpflichtung gegenüber den Wählerinnen und Wählern.

 Norbert Schmitt, SPD-MdL Kreis Bergstraße West:  Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wer sich über kurz oder lang nicht darüber ärgern will, dass im Kreis Bergstraße Entscheidungen getroffen werden, mit denen er nicht einverstanden ist, sollte seine Einflussmöglichkeiten nutzen. Die beste ist, mit seiner Stimme die Person zu bestimmen, die an der Spitze des Kreises stehen wird. Deshalb: Beteiligen Sie sich am 19. April an der Wahl des Landrats.

Karin Hartmann, SPD-MdL Kreis Bergstraße Ost, stellvertretende Kreistagsvorsitzende: Am kommenden Sonntag, dem 19. April sind Sie aufgerufen, bei der Stichwahl den künftigen Bergsträßer Landrat zu wählen. Erfreulich ist, dass der Landratswahlkampf bisher fair und sachlich verlaufen ist und dass auf konstruktive Art und Weise viele inhaltliche Themen erörtert wurden. Weniger erfreulich war jedoch die niedrige Wahlbeteiligung beim ersten Wahltermin. Das Wahlrecht ist eine tragende Säule unserer Demokratie. Deshalb möchte ich Sie bitten, von diesem Wahlrecht Gebrauch zu machen und am kommenden Sonntag einen Landrat zu wählen, der sich verantwortungsbewusst, sachlich und ohne Rücksicht auf parteipolitische Vorgaben von „höheren“ Ebenen für die Interessen des Kreises Bergstraße und seiner Städte und Gemeinden einsetzt.

Dr. Michael Meister, MdB, und Vorsitzender der Bergsträßer CDU: Ich bitte Sie, bei der Landratsstichwahl im Landkreis Bergstraße am 19. April 2015 von Ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Demokratie lebt davon, dass Menschen ihre Möglichkeit der politischen Beteiligung ausschöpfen und zur Wahl gehen. Alle Demokraten sollten das Ziel haben, dass die Wahlbeteiligung wieder steigt und die politische Mitwirkung gestärkt wird.

 Alexander Bauer, CDU-MdL Kreis Bergstraße West, innenpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion: Wenn Sie nicht wählen, entscheiden andere! Zur Wahl zu gehen ist nicht nur unser gutes Recht als Bürger, um das unsere Vorfahren lange ringen mussten. Auch heute kämpfen in vielen anderen Ländern die Menschen unter hohem Einsatz für die Möglichkeit, in freien, gleichen und geheimen Wahlen politisch mitzubestimmen. Demokratie funktioniert nicht ohne Wählerinnen und Wähler. Wenn Ihnen die Zukunft nicht egal ist, gehen Sie wählen!

Peter Stephan, CDU-MdL Kreis Bergstraße Ost: Wählen gehen ist Bürgerrecht. 33,51% Wahlbeteiligung gab es bei der Landratswahl 2003. Und 30,01% Wahlbeteiligung waren es am 22.März 2015 beim ersten Wahlgang der Landratswahl 2015. Gemeinsam mit der Europawahl 2009 gingen 42% der Wahlberechtigten an die Urne. Parlamentswahlen für Bundestag, Landtag, Kreistag oder Gemeindeparlament weisen immer eine stärkere Wahlbeteiligung auf. Warum? Es ist ein vornehmes Recht der Bürgerinnen und Bürger, in der Entscheidungs-Wahl am 19. April 2015 diejenige Persönlichkeit zu bestimmen, die in den kommenden 6 Jahren als Landrat an der Spitze der Kreisverwaltung stehen wird. Ich bitte daher alle Wahlberechtigten, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Gerald Kummer, SPD-MdL und -Landratskandidat; Marius Schmidt für den Vorstand der Vorstand der Jusos Bergstraße: Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf. Das sagt der Volksmund. Ganz so dramatisch wollen wir es nicht fassen, aber Wahlrecht bedeutet auch Wahlpflicht. Der Landrat ist zuständig für rund 1100 Mitarbeitern in der Kreisverwaltung. Egal ob sie morgens in den Bus in die Nachbarstadt einsteigen, ihr Kind in der Schule einen neuen Klassenraum beziehen kann oder ihr Sportverein eine Halle für das abendliche Training nutzt: Überall steckt der Kreis dahinter. Und die Leitlinien dessen Politik legt der Landrat fest. Zudem ist er erster Repräsentant der Bürgerinnen und Bürger unseres Landkreises. Dies alles sollte ihnen nicht egal sein. Denn Sie sehen: Kommunalpolitik betrifft auch Sie. Also nutzen Sie Ihren direkten Einfluss, stärken sie unser demokratisches System und gehen Sie am 19. April zur Stichwahl um das Amt des Landrates. Denn nur, wer von einer Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger gewählt ist, kann den Anspruch erheben, für den Kreis Politik zu machen.

Christian Engelhardt, CDU-Landratskandidat und Direktor des hessischen Landkreistags: Für viele Deutsche ist Demokratie gewöhnlich. Demokratie ist jedoch keine Selbstverständlichkeit. Das Recht wählen zu gehen bedeutet, ein Recht darauf zu haben mitzubestimmen. Ich glaube, dass jeder Mensch ein maßgebliches Interesse daran haben sollte, wie die Zukunft seiner Heimat gestaltet wird. In anderen Ländern auf der Welt kämpfen die Menschen für Demokratie und das Recht auf Mitbestimmung. Wir haben dieses Recht. Daher meine Aufforderung an die Bürgerinnen und Bürger des Kreises Bergstraße: Machen Sie von Ihrem Stimmrecht Gebrauch!

Rolf Richter, Bürgermeister der Stadt Bensheim: Sie haben die Wahl – bitte machen Sie deshalb von Ihrem Wahlrecht Gebrauch! Demokratie braucht Beteiligung und der Kreis Bergstraße braucht einen Landrat, der von möglichst vielen Menschen gewählt wird. Am 19. April haben Sie bei der Stichwahl die Möglichkeit, mit Ihrer Stimme Einfluss auf politische Entscheidungen im Kreis Bergstraße zu nehmen! Nutzen Sie Ihre Chance, weil nur diejenigen vertreten werden, die auch wählen gehen. Zur Wahl zu gehen bedeutet mitzubestimmen.

Bürgermeister Rolf Reinhard, Abtsteinach: Ein hohes Gut wahren! Wählen gehen ist keine Pflicht – wählen gehen ist ein Recht! Am 22. März 2015 hat im Kreis Bergstraße die Direktwahl zum Landrat stattgefunden. Lediglich 30,03 Prozent der Wählerinnen und Wähler haben von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. In Abtsteinach waren es 26,9 %, in unserer Nachbargemeinde sage und schreibe sogar nur 16,7 %. Das ist ein erschreckendes Alarmsignal! Denn das Desinteresse an dieser Wahl ist kein Einzelfall – wenn auch in seiner Deutlichkeit überraschend. Es wurden bereits die ersten Stimmen laut, die eine Abschaffung der Direktwahl des Landrates in den Raum stellen. Angesichts dieser Zahlen fast schon verständlich. Hier steht – und das muss sich jeder verdeutlichen – nichts Geringeres auf dem Spiel als die Demokratie, für die viele unserer Vorfahren gekämpft und dabei ihr Leben verloren haben. Die Demokratie kann nur dann funktionieren, wenn Sie – die Bürgerinnen und Bürger – ihr Wahlrecht als das hohe Gut erkennen, das es tatsächlich ist! Am 19. April 2015 ist die Stichwahl für unseren Landrat. Nutzen Sie Ihre Chance – gehen Sie wählen – auch Ihre Stimme zählt!

Für den Linken-Kreisverband Bergstraße: Vorsitzender Dr. Bruno Schwarz und ehem. Landratskandidat Dirk Hennrich: Wichtig ist: die Bürger zu mobilisieren und über die Folgen ihrer Abstimmverweigerung kritisch aufzuklären. Zu behaupten, es ändere sich durch eine einzelne Wählerstimme in der Politlandschaft nichts, oder dass man Personen nicht wählen könne, die einem wenig bis gar nicht bekannt seien, sei als Ausrede dürftig. Jede Stimme zählt und trägt zu klaren und deutlichen Entscheidungen bei. Gerade heute ist es ein Leichtes, sich über Kandidaten zu informieren – wenn man nur will. Wer nicht wählt, unterstützt ein System, das Politikverdrossenheit schürt. Auch mit dem Argument nicht wählen zu gehen, dass „alle dasselbe machen“, ist falsch. Denn eine starke Opposition ist für die Kontrolle der Regierung wichtig und stärke damit die Demokratie.

Kreispolitik ist nicht so weit vom Bürger entfernt wie viele denken

„Was macht ein Landrat eigentlich für mich als Bürger?“ Eine spontane Antwort auf diese Frage fällt selbst politisch Interessierten nicht sofort ein. Nach ein paar Sekunden des Überlegens kommen dann die Gedankenblitze wie Schulangelegenheiten, Gesundheits- und Veterinärwesen, Abfallwirtschaft oder Soziales. Aber doch eher abstrakt, weswegen wir beim Landratsamt nachfragten, wo genau der Kreis Bergstraße „seine Finger im Spiel“ hat und wo somit ein neuer Landrat gestaltend wirken kann. Und weshalb es mehr als Sinn macht, am 19. April zur Stichwahl zur gehen und mitzubestimmen, wer dem Kreis für die nächsten sechs Jahr als Landrat vorsteht.

„Kreispolitik ist längst nicht so weit vom Bürger entfernt wie viele denken“, sagt der Kreisbeigeordnete Matthias Schimpf. Seit 2006 seien 72 Investitionsmaßnahmen mit einem Volumen von 170 Millionen Euro in den kreiseigenen Schulen umgesetzt worden (in Hessen sind die Kreise Schulträger und nicht wie in Baden-Württemberg die Städte und Gemeinde). 852 Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen seitdem werden auf knapp 60 Millionen Euro beziffert, 222 Maßnahmen aus dem Sonderinvestitionsprogramm auf fast 50 Millionen.

7,345 Millionen Euro lässt sich der Kreis die Schülerbeförderung in diesem Jahr kosten. Darunter fallen 6300 Schülerjahreskarten und 1625 sogenannte Schülerverkehrsleistungen (bei denen der Anspruch besteht, die Schüler aber eine andere als die nächstgelegene Schule besuchen). Auch Schulausstattung und -entwicklungsplanung fallen in die Kompetenz des Landrats. Dazu zählen als Stichworte der familienfreundliche Kreis Bergstraße und das neue Projekt „Pakt für den Nachmittag“. Damit konnten laut Schimpf „flächendeckende verlässliche Betreuungsangebote bis 17 Uhr umgesetzt und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf Rechnung getragen werden“.

Ein neuer Landrat wird auch im Bereich Soziales Akzente setzen können. Denn wie sich im Wahlkampf gezeigt hat, gibt es durchaus andere Ideen, wie die Arbeit des kommunalen Jobcenters „Neue Wege“ aussehen könnte. Im Bereich Soziales kümmert man sich beim Kreis ums Arbeitslosengeld II, um Grundsicherung, Hilfe zum Lebensunterhalt und Wohngeld. So sind für den Februar etwa über 2000 Fälle von existenzsichernden Leistungen dokumentiert. Die Statistik führt daneben kreisweit 3549 Bezieher von ALG 2.

Hilfe zur Pflege gab es in 639 Fällen, 180 Mal Eingliederungshilfe für behinderte Menschen und in 1148 Fällen Wohngeld. Daneben kümmert sich der Kreis um die Kostenübernahme von Kindergartengebühren für sozial Bedürftige, Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende, Familien- und Jugendhilfe sowie Beratungs- und Therapieangebote für Eltern, Kinder und Jugendliche im Bereich Sucht und Erziehung.

Zuständig sind der Kreis Bergstraße und damit sein Landrat auch für Unterbringung, Betreuung und Integration von Asylbewerbern und die Abwicklung von deren Asylverfahren. Zurzeit seien in 65 Unterkünften im gesamten Kreisgebiet etwa 1600 Personen untergebracht. Es handelt sich um ca. 1600 Personen. Für dieses Jahr ist gegenüber 2014 mit einer erhöhten Zuweisung zu rechnen.

Im Bereich Bauen und Umwelt sind es die Themen Baugenehmigungen, Immissionsschutz/Schornsteinfegerwesen, Wasser- und Naturschutz sowie Denkmalschutz, die in die Kompetenz eines Landrats fallen. Im Gesundheits- und Veterinärwesen geht es um Lebensmittel- und Fleischkontrolle, Tierschutz, Artenschutz, Infektions- und Umwelthygiene, schulärztlichen Dienst sowie Impf- und Aidsberatung.

Neben dem Kfz-Zulassungswesen ist auch die Erteilung von Waffen- und Jagdscheinen beim Kreis Bergstraße angesiedelt: So wurden im vergangenen Jahr 1452 Waffen- und 456 Jagdscheine erteilt sowie 29 Fischerprüfungen abgenommen. Es gab 942 Regelüberprüfungen von Inhabern jagd- oder waffenrechtlicher Erlaubnisse. 41 Personen wurden zur Heilpraktikerprüfung zugelassen, 44 Maklererlaubnisse erteilt.

In punkto Regionalplanung und Landwirtschaft vertritt die Kreisverwaltung den Landkreis in überörtlichen Planungsangelegenheiten (ICE, S-Bahn, Ausweisung von Flächen für Gewerbe und Einzelhandel). Über die Homepage www.kreis-bergstrasse.de können über 350 Dienstleistungen abgerufen werden.

An Ostern soll der Winter vertrieben und verbrannt werden

Ostern ist das höchste christliche Fest im Kirchenjahr. Wie viele andere Feierlichkeiten im Christentum „hat auch Ostern einen weit vorchristlichen Ursprung“, erzählt Heimatkundler Horst Mühlfeld. Für uns hat der Heimatforscher in verschiedenen Büchern geblättert und interessante Details über die „Osterbräuche im Odenwald“ zusammengestellt.

Bis sich die christliche Glaubenslehre dem Osterfest annahm, bestand Sinn und Zweck der Feier etwa in germanischer Zeit darin, den Übergang vom Winter in den Frühling zu feiern, sagt Mühlfeld. „Der Winter wurde vertrieben und das Leben in der Natur erwachte.“ Deren Wiederbelebung nach einer langen, entbehrungsreichen und harten Jahreszeit sollte gebührend bejubelt werden. „Die ersten Blumen brechen aus der Erde, die Luft verbreite einen eigentümlichen frühlingshaften Geruch.“

Um den Winter zu vertreiben, zu verbrennen oder auszutragen, wurden laut dem Heimatkundler aus Stroh und Lumpen Puppen hergestellt, die unter Singen durch das Dorf getragen und anschließend verbrannt wurden. Mit Peitschenknallen sollte der Winter verscheucht werden und der Sommer Einzug halten. Junge Burschen und Mädchen sprangen über das Osterfeuer, brennende Räder wurden einen Abhang hinunter gerollt.

Das Osterfeuer sei das Symbol der Reinigung, werde aber auch als Mittelpunkt des Lebens, der Fruchtbarkeit und des Wachstums der Ernte angesehen, erläutert er. Es werde in der Nacht zum Ostersonntag im Dorf entzündet und oft von einem Priester geweiht. Mittels der Osterkerze oder einer Fackel trage man das geweihte Feuer in jeden Haushalt und entzünde mit ihm den heimischen Herd. Das solle die bösen Geister davon abhalten, Unglück und Krankheiten zu verbreiten, so die Ausführungen von Horst Mühlfeld.

Zur Ostermythologie gehört seinen Worten zufolge auch das Schöpfen von Quellwasser aus einem bestimmten Brunnen noch vor Sonnenaufgang am Ostermorgen. Das Wasser solle Heilwirkung besitzen, die Handlung dürfe nur von unverheirateten Frauen vorgenommen werden. „Sie dürfen während der Zeremonie nicht sprechen und nicht lachen, sonst verfliegt die Wirkung des Wassers. Es wird zu Babbelwasser“, zeigt er den Bezug von alten Bräuchen zu noch heute gängigen Redewendungen auf.

Schon seit Jahren wird in Hirschhorn der Brunnen auf dem Marktplatz durch die Kolpingsfamilie festlich geschmückt. Auch dieses Jahr wieder haben sich die Mitglieder viel Mühe gegeben und den Marktbrunnen übers Osterfest mit viel Liebe zum Detail dekoriert.

Ein weiterer Osterbrauch ist nach Mühlfeld das Zubereiten des Osterlammes. Diesen Ritus führe man auf das jüdische Passahfest zurück, wo tatsächlich ein Lamm Gott geopfert werde. „Das Osterlamm in unseren Breiten ist ein Ostergebäck und hat nur eine symbolische Bedeutung.“ Es sei ein sogenanntes „Gebildbrot“, das auch in anderen Formen wie Vögel, Sonne oder Hasen gebacken werden könne.

Osterhase und Osternest mit Osterei sind laut dem Heimatforscher ebenfalls überlieferte Bräuche. Der Hase und das Ei seien schon in der ägyptischen Mythologie Symbole der Fruchtbarkeit gewesen „und wurden an die unterschiedlichen Kulturen weitergereicht“. Bereits im 1. Jahrhundert n.Chr. hätten sich die Menschen gegenseitig Eier als Geschenke überreicht. Im 4. Jahrhundert kamen die ersten farbigen Eier auf, wobei die Farbe Rot dominierte. Ab dem 16. Jahrhundert habe sich der Osterbrauch immer weiter entwickelt, bis die Eigestaltung zu einer wahren Kunst geworden sei, so Mühlfeld. „Viele dieser Techniken wurden bis in die heutige Zeit überliefert und erfreuen sich weiter großer Beliebtheit.“

Die Ostergeschenke würden etwa seit dem 17. Jahrhundert nicht persönlich überreicht, sondern im Garten versteckt. Warum aber bringe sie gerade der Osterhase und lege sie in ein dafür vorgesehenes Osternest, greift Mühlfeld eine immer wieder gestellte Frage auf. Erklärung: „Die Osterzeit fällt in die erste Paarungszeit des wild lebenden Hasen nach dem Winter.“ Der Hase wiederum „ist ein Symbol für die Fruchtbarkeit und das Ei das Symbol für erwachendes Leben“. In diesem Zusammenhang gesehen falle es nicht schwer, „die Behauptung aufzustellen, dass der Hase die Ostereier bringt“.

Ostern sei ein beweglicher Feiertag und werde nach dem Mondkalender festgelegt, erklärt Mühlfeld. Der Ostersonntag falle immer auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond zwischen dem 22. März und dem 25. April eines Jahres. „Dieser Zeitrahmen wurde auf dem päpstlichen Konzil von Nicäa 325 n.Chr. festgelegt und hat sich bis heute nicht verändert.“

Die Kirche biete den Gläubigen an Ostern eine Form des Feierns an. Aber die Menschen selbst hätten im Laufe von Jahrhunderten bestimmte Traditionen entwickelt, wie sie sich das Osterfest vorstellen und entsprechend feiern möchten. Das Osterbrauchtum wiederum dürfe nicht für sich alleine betrachtet werden. „Die Bräuche im Winter gehen fließend in die Sommerbräuche über“. Denn in vergangener Zeit gab es laut dem Heimatforscher „nur zwei Jahreszeiten, nämlich die Sommerzeit und die Winterzeit“. Allzu viel hat sich wettermäßig allerdings heutzutage auch nicht daran geändert, wie der Blick aus dem Fenster aufs Osterwetter zeigt.

Rothenberger Lärmfeuer trotzte Wind und Nieselregen

Schlechtes Wetter kann die Rothenberger nicht schrecken. In Scharen kamen sie gestern Abend ab 18 Uhr zum Feuerwehrhaus, um dort in geselliger Runde zusammenzusitzen und später das imposante Lärmfeuer auf dem Höhenrücken anzuschauen. Das brannte trotz eines steifen Westwindes und leichtem Nieselregen im Nu lichterloh (viele zusätzliche Bilder und zahlreiche Videos weiter unten auf dieser Seite). Das Lärmfeuer wurde auf der Hirschhorner Höhe, die sich von Beerfelden bis zum 300 Meter tiefer gelegenen Hirschhorn erstreckt, auf 470 Meter Höhe von der Feuerwehr bei Einbruch der Dunkelheit entzündet. Der Flammenschein war weithin zu sehen. Veranstalter war die Jugendfeuerwehr Rothenberg, mit tatkräftiger Unterstützung der Einsatzabteilung.

„Mit der Veranstaltung und auch dem Publikumszuspruch sind wir sehr zufrieden“, berichtet Jan Joe von der Jugendfeuerwehr. „Wir hätten nicht gedacht, dass bei dem doch eher schlechteren Wetter so viele Gäste kommen.“ Der Stimmung habe der kurz vor der Feuershow stärker einsetzende Regen nicht geschadet. „Bis fast Mitternacht saßen immer noch zahlreiche Gäste im Feuerwehrhaus.“

Das Lärmfeuer findet in Rothenberg seit 2011 statt. In den Jahren zuvor habe man immer ein Fastnachtsfeuer veranstaltet, „das wir aber aufgrund rückläufigen Zuspruchs nicht mehr durchführten“, so Johe. Nach einem Frühlingsfeuer 2010 stieß man im Jahr darauf auf die Odenwald weiten Lärmfeuer „und beteiligen uns seitdem jedes Jahr an diesen“. Mit Erfolg.

Gegen 19.15 Uhr gab es im Vorfeld eine Fackelwanderung für Kinder, die bei den Kleinen für viel Freude sorgte. Fürs leibliche Wohl sorgte die Jugendfeuerwehr mit zünftigen Speisen aus dem Kessel und vom Grill sowie mit heißen und kalten Getränken. Eine spektakuläre Feuershow von Jeremy lockte später alle noch einmal vom gemütlichen Inneren des Feuerwehrgerätehauses nach draußen. Der Beerfeldener Artist und Jongleur sorgte ein um andere Mal für spontanen Jubel im Publikum, sei es durch Feuerjonglagen, -diabolos, -Handstand-Acts oder Feuerseil-Illusionen. Auch der immer stärker werdende Regen und der ungemütliche Wind konnten ihm nichts anhaben.

Das Lärmfeuer hat ein lange Tradition: In früheren Zeiten war es ein nützliches Instrument, um schnell über große Entfernungen vor Gefahr etwa im Falle eines Angriffs warnen zu können. „Lärm“ kommt vom französischen „all‘armes“, was „zu den Waffen“ bedeutet. Im Odenwald sollen Lärmfeuer schon von den Römern gezündet worden sein. Zur Warnung vor dem Feind, der aus dem Westen drohte, haben die Römer während der Zeit der germanischen Provinz (1.-4. Jahrhundert nach Christus) aller Wahrscheinlichkeit nach eine bemannte Signalkette vom Rhein bis zum Limes unterhalten.

Der Limes verläuft im östlichen Odenwald, er zieht sich von der Wetterau über den Main bei Obernburg und über den Höhenzug von Lützelbach im Norden bis Schloßau im Süden und weiter Richtung Bad Wimpfen. Er war jedoch nur von ca. 110 bis 160 n.Chr. besetzt und wurde dann weiter nach Osten verlegt.

Die einzelnen Veranstaltungsorte der Lärmfeuers, 30 an der Zahl, erstrecken sich über ein Gebiet von etwa 8000 Quadratkilometern vom Rhein bis ins Herz des Odenwaldes und bilden dadurch die „weltgrößte Open-Air-Veranstaltung“. Heute flammen die Feuer nur noch zum Spaß auf, und das nicht nur entlang der historisch belegten Signallinien der Römer. Mit dem Lärmfeuer-Projekt wird der Versuch unternommen, eine historische Kommunikationsmethode vor dem Vergessen zu bewahren.

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Am Samstag lodert in Rothenberg wieder das Lärmfeuer

Auf den Höhenzügen des Odenwaldes lodern am Samstag, 28. März, wieder die Lärmfeuer. Die einzelnen Veranstaltungsorte, 30 an der Zahl, erstrecken sich über ein Gebiet von etwa 8000 Quadratkilometern vom Rhein bis ins Herz des Odenwaldes und bilden dadurch die „weltgrößte Open-Air-Veranstaltung“. Ein Feuer brennt auch in Rothenberg in unmittelbarer Nähe des Feuerwehrgerätehauses.

Rothenberg, im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald gelegen, befindet sich auf der Hirschhorner Höhe. Diese erstreckt sich von Beerfelden bis zum 300 Meter tiefer gelegenen Hirschhorn im Neckartal. Sie ist überwiegend bewaldet, doch lässt die Höhensiedlung Rothenberg Ausblicke über die prächtige Landschaft des Odenwaldes zu. Auf einer Höhe von 470 Metern beim Gerätehaus entzündet die Freiwillige Feuerwehr Rothenberg das Lärmfeuer bei Einbruch der Dunkelheit. Von dort aus wird der Flammenschein weit zu sehen sein.

Gegen 19.15 Uhr gibt es eine Fackelwanderung für Kinder. Auch eine spektakuläre Feuershow wird es ab etwa 20.45 Uhr wieder geben. Beginn der Veranstaltung ist um 18 Uhr. Für das leibliche Wohl sorgt die Jugendfeuerwehr Rothenberg im Feuerwehrgerätehaus mit zünftigen Speisen aus dem Kessel und vom Grill sowie mit heißen und kalten Getränken.

Das Lärmfeuer hat ein lange Tradition: In früheren Zeiten war es ein nützliches Instrument, um schnell über große Entfernungen vor Gefahr etwa im Falle eines Angriffs warnen zu können: „Lärm“ kommt vom französischen „all‘armes“, was „zu den Waffen“ bedeutet. Im Odenwald sollen Lärmfeuer schon von den Römern gezündet worden sein. Zur Warnung vor dem Feind, der aus dem Westen drohte, haben die Römer während der Zeit der germanischen Provinz (1.-4. Jahrhundert nach Christus) aller Wahrscheinlichkeit nach eine bemannte Signalkette vom Rhein bis zum Limes unterhalten.

Der Limes verläuft im östlichen Odenwald, er zieht sich von der Wetterau über den Main bei Obernburg und über den Höhenzug von Lützelbach im Norden bis Schloßau im Süden und weiter Richtung Bad Wimpfen. Er war jedoch nur von ca. 110 bis 160 n.Chr. besetzt und wurde dann weiter nach Osten verlegt.

Heute flammen die Feuer nur noch zum Spaß auf, und das nicht nur entlang der historisch belegten Signallinien der Römer. Mit dem Lärmfeuer-Projekt wird der Versuch unternommen, eine historische Kommunikationsmethode vor dem Vergessen zu bewahren. Lärmfeuer in der näheren Umgebung gibt es am Samstag auch in Heiligkreuzsteinach-Hilsenhain, Michelstadt-Vielbrunn und Weiten-Gesäß, Mörlenbach Weiher Klein-Breitenbach und Vöckelsbach, Wald-Michelbach-Gadern und Mackenheimer Höhe.

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Lärmfeuer-Plakat

Open-Air-Kultursommer mit Comedy, Rock-Pop und Klassik

Der Sommer 2015 wird heiß. Brandheiß. Auf jeden Fall kulturell. Denn drei Tage lang, vom 17. bis 19. Juli, gibt es auf der großen Bühne des Hirschhorner Chateau-Landon-Platzes ein Programm, das Seinesgleichen sucht. Ob Comedy, Rock, Pop, Soul oder Klassik: Fans aller kulturellen Spielarten kommen beim „Hirschhorner Open-Air-Kultursommer“ voll auf ihre Kosten. Veranstalter ist die Altstadt plus GmbH mit Hilfe zahlreicher Sponsoren, präsentiert wird das Event von Radio Regenbogen.

Den Auftakt macht am Freitag, 17. Juli, um 20 Uhr Kabarettist Detlev Schönauer. Mit ihm lässt sich „Fröhlich altern in Jacques Bistro“. Das Bistro hat in Hirschhorn stolze 400 Sitzplätze. Schönauer stellt sein neues Programm, „Oma ist jetzt bei Facebook“, vor. Altwerden ist Neuland oder „Lieber alt werden, als alt sein“, sagt der quirlige Theken-Philosoph Jacques. Er weiß, wovon er spricht, hat er doch selbst weniger Leben vor als hinter sich, kann sich aber trösten: „Früher war man in meinem Alter längst tot!“ Auf in Jacques‘ Bistro zu einem herzerfrischenden, hintergründigen, schreiend komischen Programm für Jung und Alt. Im Vorverkauf kosten die Karten 19,50 Euro, an der Abendkasse 22 Euro.

Der Samstag, 18. Juli, steht ganz im Zeichen der Musik. Ab 19 Uhr heißt es: „CCReturn meets Sales Gosses“. Sales Gosses um die beiden Hirschhorner Christian Minuth und Sylvie Méron-Minuth spielen französische Rock- und Popmusik zum Tanzen, Zuhören und Träumen. Verbindungsglied zu „CCReturn“ ist Schlagzeuger „Heavy Holly“, der in beiden Formationen aktiv ist. CCReturn haben es sich aus Leidenschaft zur Aufgabe gemacht, die unvergessenen Zeiten von Creedence Clearwater Revival wiederaufleben zu lassen. In neuem Glanz – und doch authentisch – präsentiert die Band die Hits von John Fogerty und CCR. Beide Bands treten abwechselnd auf, nur einer muss immer spielen: Heavy Holly.

Nach einem kurzen Bühnenumbau geht es um 21.15 Uhr weiter mit „Boogie Wonderland“. Die elf Profi-Musiker aus Mannheim bezeichnen sich selbst als deutschlandweit einzige Earth, Wind & Fire-Coverband. Sie tauchen mit ihrem Publikum tief in das gewaltige Werk der Gruppe ein und versprechen eine einzigartige Show aus Sound, Licht, Choreografie, Showoutfits und Bühnenanimation. Für das leibliche Wohl sorgen die Hirschhorner Feuerwehr und das Team der DLRG-Gruppe Hirschhorn. Es gibt insgesamt 600 Stehplätze vor der Bühne und Sitzgelegenheiten in der Nähe der Gastronomie. Im Vorverkauf kosten die Karten 18,50 Euro, an der Abendkasse 20 Euro.

Am Sonntag, 19. Juli, wird der Open-Air-Kultursommer um 11 Uhr durch eine klassische Matinee vom Feinsten abgerundet und abgeschlossen: Die Starkenburg Philharmoniker sind zu Gast am Neckar. Das Programm in Hirschhorn unter der Leitung von Günther Stegmüller heißt „Highlights aus Oper und Operette“. Mit dabei sind renommierte Gesangssolisten und die Moderatorin Dagmar Weber. Das seit 2003 existierende Ensemble besteht aus bis zu 50 Mitgliedern, die aus allen Teilen der Region stammen. Es ist für 400 Gäste bestuhlt. Im Vorverkauf kosten die Karten 22,50 Euro, an der Tageskasse 25 Euro. Der offizielle Vorverkauf startet am 30. März.

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