Jeder gespendete Cent geht aus dem Odenwald an die Erdbebenopfer in Nepal

Das Erdbeben 2015 in Nepal hat ihr Leben umgekrempelt: Steffi Selic aus dem Oberzent-Stadtteil Olfen war zu dieser Zeit gerade in dem Land unterwegs und bekam die Auswirkungen hautnah mit. Die 31-Jährige wollte zu dieser Zeit promovieren und hatte bereits ein Stipendium in der Tasche. „Ich habe alles an den Nagel gehängt“, erzählt sie. Und verschrieb sich der Hilfe für die Ärmsten der Armen. Inzwischen reiste Selic schon drei Mal in das südasiatische Land.

Mitte März ist sie wieder dort und trifft vor Ort auf ihre Schwester Julia, die vorher in Indien Urlaub macht. Im Gepäck: knapp 10.000 Euro, die beide über ihr „Namaste Nepal Project“ gesammelt haben. Beide bleiben dann bis Ende April in der Region. Danach ruft in Deutschland wieder die Arbeit, ist der Jahresurlaub aufgezehrt.

Im Dorf Sagradanda, gelegen im Bezirk Solukhumbu abseits der Touristenströme, setzen sich die beiden für die Neuerrichtung eines beim Erdbeben völlig zerstörten Grundschul-Gebäudes ein. Dieser Distrikt liegt im Mount-Everest-Gebiet, allerdings nicht an einer der bekannten Wanderrouten. Es gibt in dem Ort sechs Klassen, die in drei Gebäuden unterrichtet werden. Es handelt sich um eine Primary School (Grundschule), die die frühkindliche Förderung und die Klassen 1 bis 5 umfasst. Nach der 5. Klasse gehen die Schüler in die Secondary School, die eine Stunde vom Dorf entfernt ist.

Alle wurden sie 2015 dem Erdboden gleich gemacht. „Zwei Gebäude wurden zum Großteil wieder errichtet“, berichtet Steffi Selic. Die Dächer müssen noch erneuert und beide Häuser mit Zement verputzt werden. Das dritte Gebäude wird komplett neu gebaut. Alles wird erdbebensicher nach strengen Vorgaben gebaut. Namaste Nepal unterstützt den Bau des dritten Schulhauses mit drei Klassenräumen, für das das meiste Geld benötigt wird (insgesamt 18.000 von 27.000 Euro).

In Sagradanda gibt es 44 Haushalte mit etwa 250 Bewohnern. Ein Großteil ist in der Landwirtschaft tätig. Die Menschen sind „sehr offen und neugierig“, hat sie beobachtet. Die tiefe Dankbarkeit war für die Geschwister „sehr bewegend“. Ihnen geht es darum, in die Bildung der Kinder zu investieren, damit diese ihr Leben später selbst in die Hand nehmen können.

Von den gespendeten 10.000 Euro „haben wir einen Großteil der benötigten Baumaterialien finanziert“, erzählt die Olfenerin. 5000 Euro wurde bereits überwiesen. So konnten die Arbeiter mit dem Fällen und Trocknen von Holz vor dem Monsun beginnen und das Fundament für das Gebäude errichten. Wenn sich ein weiterer Unterstützer für das Projekt in Sagardanda findet, fließt das übrige Geld in ein weiteres Schulprojekt in einem anderen Dorf. „Dort ist bisher kaum Hilfe angekommen“, weiß sie.

Mit 2000 oder 3000 Euro „lässt sich als erste Unterstützung schon viel bewegen“. Selics Wunsch ist es, sich auf zwei oder drei Schulen in der Region festzulegen, diese jedes Jahr zu besuchen und dann zu schauen, wo weitere Unterstützung notwendig ist. Die Unterstützung für das private Projekt der beiden Schwestern ist so gut wie noch nie, freut sie sich. „Das hat mich sehr berührt.“ Vor allem in der letzten Zeit kamen immer mehr Spenden nicht mehr nur aus dem Bekanntenkreis, sondern auch aus der weiteren Region.

„Wir haben ein sehr positives Feedback“, freut sich auch die 28-jährige Julia Selic. Sie führt das darauf zurück, „dass das Geld ohne Abzüge im Land ankommt und alles sehr transparent abläuft“. Wer 10 Euro gibt, „kann sicher sein, dass 10 Euro in Nepal für den Schul-Wiederaufbau verwendet werden“. Denn Flug, Transport und Unterkunft zahlen die beiden selbst. Die benötigten Materialien „kaufen wir vor Ort“, sagt Steffi Selic. Damit bleiben das Geld und auch die Wertschöpfung vor Ort.

Nach der Erdbeben-Erfahrung 2015 krempelte Steffi Selic ihr Leben um. Eigentlich im sozialen Sektor tätig, macht sie parallel eine Ausbildung als Trekking-Reiseleiterin. Ihr Ziel: „Ich will in Nepal Trekking-Reisen anbieten“. Mit dem Erlös möchte die 31-Jährige dann wieder soziale Projekte unterstützen. Ihr Traum ist es, Reisenden das unverfälschte, ursprüngliche Nepal nahezubringen, „das noch nicht vom Tourismus überlaufen ist“. Parallel lernt sie auch die Landessprache an der Uni Heidelberg.

Bankverbindung Namaste Nepal Project

Stefanie Selic, Stichwort: Namaste Nepal Project, IBAN DE35509514690011203621, Sparkasse Starkenburg

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Windkraft-Planungen auf zwei Gebieten der neuen Stadt Oberzent

Nach wie vor schwebt das von vielen so empfundene Damoklesschwert Windkraft über einigen Stellen der neuen Stadt Oberzent. Interims-Bürgermeister Egon Scheuermann gab auf der Sitzung des vorläufigen Haupt- und Finanzausschusses im Gemeindezentrum Unter-Sensbach einen Sachstandsbericht zum Thema. Es sind aktuell zwei Gebiete, auf denen Bestrebungen von Firmen laufen, dort Windenergieanlagen zu errichten: Finkenberg und Katzenwinkel.

Beim Finkenberg-Gebiet, das sich von Finkenbach auf der Hügelkuppe oberhalb von Falken-Gesäß hinüber Richtung Olfen zieht, gab es laut Scheuermann vor einigen Jahren einen Vertrag mit der Energiegenossenschaft Odenwald zur Windkraftnutzung. Dieser sei von der Enercon übernommen worden und noch gültig. Bei genauerem Hinsehen habe man den Passus entdeckt, dass der Vertrag gekündigt werden kann. Und zwar dann, wenn drei Jahre nach Abschluss keine Genehmigung für die Windräder vorliegt.

Die Bestrebungen laufen seitens der Firma weiter, erläuterte Scheuermann. Demnächst stehe ein Gesprächstermin von Verwaltung und Magistrat mit Enercon an. „Es gibt noch keine konkrete Planung“, betonte er. Das Unternehmen strebe ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz in 2019 vor. Beim Finkenberg handelt es sich um ein um ein 189 Hektar großes Vorranggebiet für Windkraft, das sowohl Teil des entsprechenden Odenwaldkreis-Teilflächennutzungsplans (der aber vom Regierungspräsidium abgelehnt wurde) als auch des in Aufstellung befindlichen Regionalplans ist.

Für den „Katzenwinkel“ bei Etzean liegt Scheuermann zufolge ein Gestattungsantrag der Firma Juwi vor, die dort bereits Windmessungen vornahm und sich auch vom Willen der damaligen Stadt Beerfelden, an dieser Stelle keine Windenergie haben zu wollen, nicht beirren ließ. Unter anderem wurde bei den Bedenken darauf verwiesen, dass die Rotoren direkt in Sichtlinie des berühmten Galgens seien. Juwi klagte erfolgreich gegen den Beerfeldener Versuch, dort weitere Untersuchungen abzuwehren.

Der Gestattungsantrag „wird in der kommenden Magistratssitzung behandelt“, so der Staatsbeauftragte. Scheuermann wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Stadtverordnetenversammlung diesem Projekt bereits ihre Zustimmung verweigert habe. In der vergangenen Sitzung hatte die FDP das Thema aufgebracht und in zwei Anträgen moniert, dass hier Handlungsbedarf besteht.