„Es tut sich was in Oberzent“

Präsentieren, was Oberzent alles zu bieten hat: Das steckt als Motiv hinter der Oberzent-Expo (OX), die in diesem Jahr zum zweiten Mal in neuer Form anstatt der früheren Gewerbeschau stattfand. 29 Aussteller in der Oberzenthalle verdeutlichen eindrucksvoll die große Angebotsbreite in der neuen Südkreis-Stadt. Dazu noch ein buntes Unterhaltungsangebot mit Musik und Vorträgen: Die Macher freuten sich übers ganze Pferdemarkt-Wochenende über einen regen Andrang. 24 Sponsoren und Unterstützer halfen bei der Realisierung der Veranstaltung.

„Die OX bunt halten und bunt gestalten“ ist laut Alexander Beck eines der Ziele des Orga-Teams. Das sei im zweiten Jahr bestens gelungen, indem weitere Aussteller gewonnen wurden. Diese verdeutlichen die Vielfalt der neuen Stadt und deren Gewerbetreibenden. Das bekräftigte auch Landrat Frank Matiaske in seinem Grußwort, der sich über das breite Angebot freute. Das passe zur zweiten Mal in Folge wachsenden Einwohnerzahl. Ein Zeichen dafür, dass es vorwärts geht.

„Zusammen sind wir stark“, fasst Daniel Pracht vom Orga-Team die Motivation zusammen. Es sei entscheidend, „gemeinsam etwas auf die Bühne zu stellen“. Er sieht in der Expo auch eine gewisse Symbolkraft in der Außenwirkung: „Es tut sich was in Oberzent.“ Der Schreinermeister aus Falken-Gesäß will auch den Stolz über das vermitteln, was die Stadt zu bieten hat. Oberzent soll mit der Leistungskraft seines Gewerbes „als attraktiver Standort präsentiert werden“.

Pracht verbindet damit auch einen Appell gegen das Schlechtreden. „Wir sollten mit gesundem Selbstbewusstsein auftreten“, betont er. Das Ziel der Macher: „Jedes Jahr ein bisschen besser werden.“ Von vornherein sei die Neukonzeption nicht auf ein Jahr beschränkt gewesen. „Sonst hätten wir uns vergangenes Jahr auch nicht so viel Mühe mit dem Standbau gemacht.“ Der Spaßfaktor kommt dazu, „die OX jedes Mal ein bisschen zu optimieren“.

Nachdem sich 2018 die Besucher schon vor Beginn die Nase an der Hallentür platt drückten, öffneten sich die Pforten dieses Mal etwas früher. So waren auch alle rechtzeitig in der Halle, als dort der Fassbieranstich mit Original Beerfelder Felsenkeller-Bier stattfand. „Wir OXen müssen zusammenhalten“, spielte Beck lächelnd auf die vorherige Bierdiskussion an, und deshalb gab es auf der Expo einheimischen Gerstensaft.

Metallbauer Volker Holschuh aus Falken-Gesäß sieht die Mitwirkung an der Gewerbeschau als wichtig für seinen Betrieb an. Denn ansonsten betreibt er nicht so viel Werbung, kann aber über die Teilnahme an Kunden herankommen, „die ich sonst nicht erreichen würde“. Holschuh bezeichnet die OX als „Schaufenster der Oberzent“.

Moritz Schumacher von der Airlenbacher Schreinerei Bellut hat an die Erstauflage gute Erinnerungen. Die bescherte ihm ein großes Projekt in Neckarsulm, das er gerade abschloss. „Wir erreichen Leute über unseren eigentlichen Einzugsbereich hinaus“, freut er sich. Es geht um die Präsenz, ums Gesehen, Wahrgenommen werden – und um damit einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erreichen.

„Beerfelden hat viel zu bieten“, betont Pfarrer Roland Bahre. „Das merkt man an der OX.“ Zum einen gebe es die Tradition mit Pferdemarkt und Tierschau, zum anderen die „Moderne“ in Form der Ausstellung. Dieses Jahr, schmunzelt er, heiße es: „Kirche goes OX.“ Der Sonntags-Gottesdienst fand gestern zum ersten Mal in der Oberzenthalle statt. „Wir wollen neue Wege gehen und näher an den Menschen sein“, sagt Bahre.

Amadeus van Lier von der Oreg-Wirtschaftsförderung freut sich über die Verstetigung. Er lobt die Organisatoren, die den „Wow-Effekt der Premiere“ ins zweite Jahr mitnehmen. So kondensiert wie hier gebe es sonst nirgends einen Einblick in die Gewerbewelt von Oberzent. Die erreiche damit einen überregionalen Markt. Der „Work in Progress“, die stetige Weiterentwicklung, sei eine „tolle Leistung“, befindet er. „Wir wollen zeigen, was alles geht“, hebt Thomas Väth hervor, der mit seinem Patent „Flowerpads“ vor Ort ist. Die werden zusammen mit der Integra regional produziert.

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Bieriges beschäftigt Beerfelden: Schmucker ist nicht immer Schmucker

Der Fassbieranstich beim Pferdemarkt wird zwar mit Schmucker-Bier vor sich gehen, aber nicht dem vom Beerfellmer Andreas Schmucker, sondern dem Mossautaler. Bürgermeister Christian Kehrer bestätigte jetzt das, was in der Stadt am Berge schon die Spatzen von den Dächern pfeifen: Festwirt Alfred Groll schenkt in der Reithalle (Prof.-Walter-Hofmann-Halle) den Gerstensaft aus der Nachbarschaft aus.

Nach den Worten des Stadtoberhaupts gab es früher eine 1968 geschlossene Vereinbarung, dass für eine bestimmte Laufzeit auf dem Gailsmarkt nur Beerfeldener Bier ausgeschenkt werden sollte. Hintergrund: Das betreffende Stried-Gelände, das damals an die Stadt verkauft wurde, gehörte der ortsansässigen Schmucker-Familie.

Das galt für alle Veranstaltungen auf dem kompletten Stried-Gelände bis 2003, für den Beerfelder Pferdemarkt bis 2004. „Dieser Vertrag ist jetzt abgelaufen“, betonte Kehrer. Die Bierbezugsverpflichtung sei erloschen. Ein Gerichtsurteil aus den Jahr 2001 habe damals noch bestätigt, dass es zu dieser Zeit noch das Monopol gab, aber später erlosch es dann. Später wurde bereits einmal Erbacher Bier dort ausgeschenkt.

Seitens des Magistrats wurde auf die freie Marktwirtschaft und die Entscheidungsfreiheit des Festwirts verwiesen, welches flüssiges Gold er ausschenkt. Vorgabe war lediglich, dass es aus dem Odenwaldkreis sein soll. Auch aus der Stadtverordnetensammlung kam seinen Worten zufolge das Signal, dass die Auswahl regional sein könne und nicht auf die Stadt beschränkt sein müsse. Wie er erfuhr, soll in der Stadt bereits eine Unterschriftenliste pro Beerfelder Bier kursieren.

Galt früher die Biervorgabe fürs komplette Pferdemarkt-Gelände, so ist sie heute auf die Reithalle beschränkt, informierte er. Was deshalb laut Kehrer heißt, dass auf dem viertägigen Fest „für jeden (Bier-)Geschmack etwas dabei ist“. Denn fürs restliche Gelände gibt es keine Vorgabe. Regional sollte es nach dem Wunsch der Organisatoren sein, aber es kein absolutes Muss.

2018, so Kehrer, geschah der Fassbieranstich noch mit Beerfellmer Bier, bestätigt er. Dieses Jahr wird er mit Mossemer Schmucker geschehen. Grundsätzlich sei die Auswahl aber Sache des Festwirts. „Der ist nicht daran gebunden“, denn der Vertrag von 1968 sei nicht mehr gültig. In der gegenüber liegenden Oberzent-Halle kommen Freunde der städtischen Gerstensafts auf jeden Fall auf ihre Kosten, denn auf der Oberzent-Expo (OX) gibt es Beerfelder Bierspecialitäten aus der Felsenkeller-Brauerei. Andreas Schmucker, im OX-Team mit dabei, betreibt dort seinen eigenen Stand.

Info: Der Fassbieranstich findet am Freitag, 12. Juli, um 20 Uhr in der Prof-Walter-Hofmann-Halle statt. Mehr unter http://www.beerfelder-pferdemarkt.de

Damit es beim Handel keinen Händel gibt

Ordnung auf dem Viehmarkt schaffen? Darum ging es Christian Carl August Albrecht im Jahr 1802. Der regierende Graf zu Erbach und Herr zu Breuberg erließ in diesem Jahr eine „Viehmarkts-Ordnung für Beerfelden, Amts Freienstein, auf gnädigsten Befehl durch den Druck bekannt gemacht“. Der geschah aber erst 1806.

Was vor über 200 Jahren in zehn dürre Seiten mit 50 Punkten gepresst wurde und heute noch als Kopie bei der Tourist-Info einsehbar ist, hat heutzutage für den kommenden Pferdemarkt natürlich einen ganz anderen Umfang und wird von der Stadtverwaltung mit viel Vorarbeit gestemmt. Das große Volksfest in Oberzent findet in diesem Jahr vom 12. bis 15. Juli statt.

Die Abschrift wurde vom Heimat- und Geschichtsverein Oberzent zur 200. Wiederkehr des Erlasses 2002 als kleine Broschüre aufgelegt. Kurt Siefert schreibt in seiner Vorbemerkung, dass Beerfelden seit 1328 Stadtrechte hatte. Für den Ort als bedeutender Mittelpunkt einer rein landwirtschaftlich geprägten Region „waren Märkte für Nutztiere naturgemäß von besonderer Bedeutung“.

Deshalb, so Siefert, gab es über die Jahrhundert hinweg auch immer wieder Viehmärkte. Ende des 18. Jahrhunderts herrschten aber unruhige Zeiten. Erst waren die Auswirkungen der Französischen Revolution über Europa hinweggefegt, danach kamen die Napoleonischen Kriege. In dieser Zeiten verloren scheinbar die Märkte an Bedeutung und mussten die Regularien der neuen Gesetzeslage angepasst werden, vermutet er.

Christian Carl August Albrecht regulierte bei dieser Gelegenheit nicht nur den Handel auf den Märkten, sondern gab auch dem Viehhandel verbindliche Regeln. Der Graf war 1802 bereits acht Jahre in Amt und Würden. Seit 1794 hatte er, als Major der Kavallerie in preußischem Dienst, nach diesem Vorbild die Verwaltung der Grafschaft modernisiert und neue Gesetze eingeführt.

„Auch diese neue Viehmarktsordnung trägt deutlich seine Handschrift“, schreibt Siefert. Nachfolger der alten Märkte ist der heutige Pferdemarkt, der 1901 wieder eingeführt wurde und sich jetzt zum 119. Mal jährt. Wer aus dem Amt Freienstein sein „selbst gezogenen Vieh“ auf den Markt trieb, war quasi privilegiert. Denn der Rest musste sich mit „Obrigkeitlichen gesiegelten Gesundheits-Pässen und Attestaten“ versehen.

Der Graf wollte außerdem wissen, was umgesetzt wird, um so einen Teil davon einzukassieren. „Alle sowohl auf den Viehmarktstag als den Tag vorhero in hiesigem Amte geschlossene Viehehändel müssen bei Amte zu Protokoll angezeigt werden, bei Strafe und Verlust der Wehrschaft.“ Ein dem „Kaufprätio“ gemäßes Standgeld und eine Protokolliergebühr sind von beiden Seiten zu entrichten. Wer beim Verkauf leer ausging, musste logischerweise auch nicht bezahlen.

Eine Art Garantie gab’s auch: Die wurde „gewehret“, und zwar bei Rindvieh für vier Wochen und einen Tag, „für die Faulung fallende Krankheit, das schwindelhörnige oder Umgänger, der Kathar oder Kölch, das Blutharnen bei den Kühen, der Krebsbacken“. In den folgenden Absätzen der Marktordnung wird in allen Details behandelt, in welchen Fällen und bis zu welchen Zeiten ein Regress möglich ist und inwieweit der Verkäufer haftbar gemacht werden kann.

Die Gewährleistung nimmt mindestens die Hälfte der 50 Paragrafen ein. Scheinbar führten Unklarheiten darüber oft zu „Händel“ beim Handel.  Wenn der Beklagte einheimisch ist, dann muss er sofort antanzen, ist er auswärtig, dann wird er per „requisoriales vorcitiret“ herbeizitiert. Erscheint der Betreffende nicht, darf ihn der Käufer bei seiner Obrigkeit „oder auf jedem anderen Markt im Antreffungsfall belangen.“

Info: Der Beerfelder Pferde-, Fohlen- und Zuchtviehmarkt findet vom 12. bis 15. Juli statt. Die Kombination aus Reitsport, Jahrmarkt und einer vielseitigen Tierschau verleiht ihm einen besonderen Status. Weitere Informationen bei der Stadtverwaltung Oberzent unter Telefon 06068/7590900 oder auf http://www.beerfelder-pferdemarkt.de.

Sehr gute Resonanz auf erste Oberzent-Expo lässt Organisatoren Wiederholung planen

Nach der Oberzent-Expo ist vor der nächsten Oberzent-Expo. Die Planungen für die OX 2019, wie die Macher ihr Kind nennen, „haben bereits begonnen“, sagt Daniel Pracht vom Orga-Team. Beim kürzlichen Treffen wurden die Rahmenbedingungen für den Event während des kommenden Pferdemarkts festgezurrt. Denn dass es eine Wiederholung geben würde, stand schon sofort nach Ende der Premiere fest. Die Resonanz war riesig, das Feedback praktisch durchweg positiv.

„Es haben 160 Besucher den Feedbackbogen ausgefüllt“, erläutert Pracht. 93 Prozent hat die Oberzent-Expo sehr gut oder gut gefallen, könnte das Votum nicht besser sein. Neben den aktiven Ausstellern und Teilnehmern gab es zusätzlich noch etwa 30 Sponsoren, die die OX mit einem Geldbetrag unterstützten, erzählt der Macher von der gleichnamigen Schreinerei in Falken-Gesäß. „Insgesamt liegt die Teilnehmerzahl somit bei über 50.“ Handwerk, Handeln, Gastronomie, Gesundheit, Direktvermarkter, Tourismus: Alle Bereiche waren vertreten.

„Wir wollten die bisherige Gewerbeausstellung nicht sterben lassen“, sagte nicht nur Pracht im Vorfeld. Er fand ruckzuck Mitstreiter für das neue Projekt. Das Ziel der Initiatoren: „die neue Stadt verbinden.“ Er sah es als absolut falsches Zeichen an, im Jahr der Fusion eine solche identitätsstiftende Veranstaltung nicht mehr durchzuführen. In der aktuellen Aufbruchsstimmung „musste es weiter geben“, so der Schreinermeister.

Der Erfolg gab den Machern recht: „Es ist alles perfekt gelaufen, es hat alles gleich beim ersten Mal gepasst“, freut er sich. Das ist umso bemerkenswerter, weil das Orga-Team die komplette Veranstaltung ehrenamtlich stemmte. Pracht lobt die „sehr schöne Atmosphäre“ in der Halle. Sämtliche Stände wurden inklusive Tuchabtrennung selbst gebaut. So gab es etwa an zwei Samstagen einen „Näh-Tag“ in Beerfelden.

„Strukturierter und aufgeräumter mit einem einheitlichen Standkonzept“ empfindet Pracht die neue Expo. „Vorher sah jeder Stand anders aus“, meint er. Für kommendes Jahr plant man aufgrund der verschiedenen Anregungen eine bessere Beschilderung der Ausstellenden. Auch will man diesen Mobiliar und Interieur zur Verfügung stellen, um deren Aufwand möglichst gering zu halten.

„Die Aktionsbühne trug viel zur Atmosphäre bei“, ergänzt er. Das ansprechende Programm mit vier Bands und Solokünstlern von Freitag bis Montag stieß auf viel Interesse. „Die Tribüne war fast immer voll“, beobachtete der Mitorganisator. War früher der samstägliche Start um 16 Uhr das höchste der Gefühle, weil vorher zu wenige Besucher gekommen wären, „wurden wir angesprochen, warum wir so spät beginnen“, schmunzelt er. „Es war wesentlich mehr los als in den Vorjahren“, sagt Pracht. Die Erwartungen wurden auf jeden Fall übertroffen.

Was auch zur Zufriedenheit der Aussteller betrug. „Bis auf einen sind alle nächstes Jahr wieder dabei.“ Dazu gibt es bereits einige Neuanmeldungen. „Wer noch mitmachen will, sollte sich sputen“, warnt Pracht bereits vor, dass demnächst die Plätze vergeben sein könnten. Auch wenn alle etwas enger zusammenrücken werden, ist die verfügbare Fläche begrenzt.

Das Orga-Team hat sich für 2019 weiterhin vorgenommen, die Werbung über den Odenwaldkreis hinaus zu streuen. Gleichzeitig soll verdeutlicht werden, „dass die OX ein Teil des Pferdemarktes ist“. Das Programm in der Halle soll auch im Außenbereich „besser kommuniziert werden“. Um im Gespräch zu bleiben, plant man außerdem, ganzjährig Infos auf Facebook einzustellen. Die Aktionen auf der Showbühne werden wohl eine Stunde später beginnen. „Um 18 Uhr war das noch zu laut“, so der Schreinermeister.

Die Expo ist laut Pracht aber ein Teil des großen Ganzen. Denn den Machern geht es weiter gedacht darum, „wie man die Gewerbetreibenden in Oberzent zusammenführt“. Das soll dann zu Kooperationen untereinander, aber auch mit dem Gewerbeverein und dem Tourismusbüro führen, um die neue Stadt voranzubringen.

Anmeldungen auf www.oberzent-expo.de. Die unregelmäßigen Treffen des Orga-Teams finden nach Fasching wieder wöchentlich statt. Mehr Infos bei Daniel Pracht unter Telefon 06068-1524.

Neue Oberzent Expo zeigt beim Pferdemarkt in Beerfelden große Leistungskraft des Gewerbes

Neue Stadt, neue Gewerbeausstellung: Beim Pferdemarkt findet an vier Tagen erstmals die „Oberzent Expo“ statt. Die bisherige Aussteller-Gemeinschaft löste sich zum Ende des vergangenen Jahres auf. „Wir können die Gewerbeausstellung nicht sterben lassen“, sagte nicht nur Daniel Pracht von der gleichnamigen Schreinerei, die bereits seit Anfang an dabei ist. Er fand ruckzuck Mitstreiter. Das Orga-Team besteht aktuell aus neun Personen.

Das Ziel der Initiatoren: „Wir wollen die neue Stadt verbinden“, so Pracht. Er sieht es als absolut falsches Zeichen an, nach der Fusion eine solche identitätsstiftende Veranstaltung nicht mehr durchzuführen. In der aktuellen Aufbruchsstimmung „muss es weiter geben“, so der Schreinermeister. An seiner Seite waren sofort Andreas Schmucker und Annette Holschuh. „Wir haben dann gleich die Oberzenthalle für den bisherigen Zeitraum reserviert.“

Das erste Treffen stieß sofort auf viele Resonanz. 20 bis 25 Interessierte folgten der Einladung in den „Schwanen“. Die große Mundpropaganda sorgte dafür, dass keine Überzeugungsarbeit geleistet werden musste. Nach der Bestandsaufnahme bildete sich aus diesem Kreis das Orga-Team. „Seitdem treffen wir uns jeden Donnerstag.“ Bei diesen Zusammenkünften wurde ein „komplett neues Programm aus dem Boden gestampft“. Es soll keine Verkaufsausstellung sein, sondern eine Leistungsschau – deshalb der Name „Expo“.

Den Veranstaltern geht es darum, die Leistungsfähigkeit der Oberzent-Betriebe zu verdeutlichen. „Viele wissen gar nicht, wie viele tolle Unternehmen es hier gibt.“ Das Orga-Team will daneben auch ein neues Bewusstsein für die Schaffenskraft der hiesigen Firmen erzeugen. „Nicht mehr Gegen-, sondern Miteinander“ muss das Ziel sein. Denn gemeinsam, in Netzwerken, kann man Projekte anstoßen und wirksamer nach außen auftreten. „Es profitieren alle davon“, so Pracht.

Für die Expo vom 6. bis 9. Juli gibt es ein komplett neues Standkonzept. „Wir bauen in Gemeinschaftsarbeit Messestände“, erläutert er. Die Oberzenthalle soll gegenüber den Vorjahren ein völlig neues Aussehen bekommen. Auch kleine Betriebe können teilnehmen und über die Hallenmiete einen Messestand erhalten. Vom Einmannbetrieb bis hin zur Firma mit mehr als 100 Mitarbeitern ist alles vertreten.

Auf über 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche „wollen wir die Vielfältigkeit aus Handel, Industrie, Gewerbe, Versicherungen, Gesundheitsberufen und Direktvermarktern präsentieren“, erklärten die Vertreter des Orga-Teams. Ihnen liegt der gegenseitige Austausch von Betrieben und Dienstleistern sehr am Herzen. Es soll nicht jeder für sich allein werkeln und sein eigenes Süppchen kochen, sagt er. „Wenn wir etwas bewegen wollen, müssen wir zusammenarbeiten.“ In diesem Sinne entsteht auch der Pavillon im Zusammenwirken von Schreiner, Pflasterer und Metallbauer.

„Es gibt eine sechs auf sechs Meter große Showbühne mit täglichem Programm“, kündigt die Initiatoren an. Auch die Kleinkunst soll wieder zu ihrem Recht kommen. Die Bühne ist aber ebenfalls dafür gedacht, dass sich Unternehmen mit ihren Events präsentieren können. Das mittlere Tribünenteil wird ausgefahren, um auf diese Weise Sitzplätze zu schaffen.

Öffnungszeiten Oberzent-Expo in der Oberzenthalle Beerfelden während des Pferdemarkts: Freitag, 6. Juli, 18 bis 22 Uhr, Samstag, 7. Juli, 16 bis 22 Uhr, Sonntag, 8., und Montag, 9. Juli, jeweils 10 bis 22 Uhr. Mehr Infos bei Daniel Pracht unter Telefon 06068-1524.

Bewährtes Konzept auch für den 116. Beerfelder Pferdemarkt

Vom 8. bis 11. Juli findet mit dem Beerfelder Pferdemarkt wieder das traditionsreichste Volksfest der Stadt am Berge statt. Verena Schäfer stellte der Stadtverordneten-Versammlung auf deren Sitzung den geplanten Ablauf, die Programmpunkte und die Kosten vor. „Alles wie immer“, lautete mehr oder weniger ihr Fazit – bis auf das Kleinkunstzelt. Das steht in diesem Jahr auf der Kippe – man wolle aber noch eine Lösung finden, um diese Attraktion beibehalten zu können.

Bürgermeister Gottfried Görig sagte, der städtische Zuschuss für die Gesamtveranstaltung habe sich 2015 etwa auf Höhe des Vorjahres bewegt. Fast 80.000 Euro Ausgaben kamen zusammen, dazu noch einmal 10.000 Euro als Lohnkosten für den Bauhof. Die größten Posten sind laut Görig Werbung (knapp 10.000 Euro), Tierschau (15.000 Euro), Kleinkunstzelt (4000), Feuerwehr (4400), Sicherheits- und Hilfsdienste (6000) sowie Reitturnier (5500). Die Einnahmen resultieren vor allem aus den Standgebühren mit 40.000 Euro. Unterm Strich bleibe ein durch die Stadt zu tragendes Defizit von etwa 26.000 Euro.

Zum Thema Kleinkunstzelt ergänzte Görig, dass derzeit Gespräche mit einem Interessenten liefen. Es sei schwierig, aufgrund des begrenzten Budgets für alle vier Tage Künstler zu verpflichten, die gegen relativ geringe Gage spielten. Auch habe sich gezeigt, dass sich die Umgebung für diese Art von Darbietungen zunehmend schwierig gestalte: „Es ist immer sehr laut“, so der Bürgermeister. Verena Schäfer erläuterte, dass es keine Programmgestaltung durch die Stadt geben werde, jedoch auch „ohne Programmgestaltung keine Bewirtung“.

Sie führte weiter aus, dass man mit Alfred Groll aus Michelstadt wieder den bewährten Hallenwirt mit im Boot habe. Das vorläufige Programm sehe den Start am Freitag, 8. Juli, mit dem nachmittäglichen Kinderspielnachmittag und der abendlichen offiziellen Eröffnung des 116. Beerfelder Pferdemarktes im Festzelt vor. Man sei mit dem Hessischen Rundfunk in Gesprächen, der Interesse an der Durchführung einer Discoparty habe, so Schäfer.

Laut der Verwaltungsmitarbeiterin soll es am Samstag, 9. Juli, nach dem Familiennachmittag abends einen Auftritt der Coverband „Xtreme“ geben. Am Sonntag sind im Festzelt ein Frühschoppen mit der Blaskapelle Gammelsbach und später Unterhaltung durch die RodenSteiner vorgesehen. Der Montag steht im Zeichen des Frühschoppens mit der Feuerwehrkapelle Beerfelden.

Fürs Programm in der Festhalle und entsprechende Werbemaßnahmen sind Schäfer zufolge etwa 4000 Euro städtischer Zuschuss eingeplant. 4500 Euro sind es fürs Feuerwerk, das von der Airlenbacher Firma artAtistica organisiert wird. Jeweils um die 3500 Euro kosten die Bereitstellung der Toilettenwagen und der OREG-Sonderverkehr anlässlich des Pferdemarkts. Sanitäts- und Sicherheitsdienst schlagen mit zusammen 4500 Euro zu Buche.

Verena Schäfer konnte bei der Zusammensetzung des Zentralplatzes bereits jetzt vermelden, dass unter den Ausstellern viele altbekannte Gesichter seien. Das Apfelweinzelt mit Biergarten werde von den TV-Handballern betrieben, der Cocktailstand von Jennifer Gabelmann, Familie Lanser ist mit dem  Almhütten-Imbiss präsent, dazu kommen der Fischimbiss von Sascha Roie und der Weinausschank des SV Beerfelden. An Fahrgeschäften für Groß und Klein erwähnte Schäfer den Kettenflieger, das Rundfahrgeschäft „Starlight“ sowie die Kinderfahrgeschäfte „Magic World“ und „Convoy Star“.

Der Pferdemarkt stellt seit 115 Jahren rund um das zweite Juli-Wochenende das Jahres-Highlight im südlichen Odenwald dar. Für die einen bedeutet er Spaß und Party bei den vielen Attraktionen wie Konzerten, Festzelten und Fahrgeschäften, für die anderen steht der traditionelle Markt mit seinen Verkaufsständen, dem Viehauftrieb am Montag und den Reitturnieren im Vordergrund.

Rund um den Hauptplatz in der Stried ist die „Partyzone“, wo besonders junge Leute alles finden, was man zu einem gelungenen Abend braucht: Musik, coole Fahrgeschäfte und Zelte mit einem großen Angebot an Getränken und Snacks. In der großen Markthalle kommen sowohl Fans der Tanz- als auch der Volksmusik auf ihre Kosten. Hier trifft man sich auch am Montag-Morgen, dem Tag des Viehauftriebs, zum Frühschoppen, wobei viele Firmen die Gelegenheit nutzen, sich hier zu geselliger Runde zusammenzutun.

Ein weiterer Ruhepol im quirligen Festbetrieb ist die Gewerbeschau in der Oberzenthalle, wo man sich vom umfangreichen Leistungsspektrum der heimischen Betriebe überzeugen kann. Wer sich besonders für Vierbeiner interessiert, für den ist der Besuch des Beerfelder Pferdemarktes sowieso ein „Muss“: Von Freitag bis Sonntag gibt es Reit- und Springturniere bis zur Klasse S mit vielen Profireitern, aber auch mit Wettbewerben für junge Talente.

Der Pferdemarkt-Montag steht dann ganz im Zeichen der größten Zuchtviehschau Hessens, die Kernstück und Namensgeber für das Volksfest ist. Die bunte Schar von Kühen, Pferden, Schafen und Ziegen stellt sich den Bewertungen eines Richterkollegiums. Diese bilden immer noch einen wichtigen Gradmesser für die Zuchterfolge der Züchter. Zusammen mit ebenfalls präsentierten Arten wie Schweinen und Alpakas sowie Kleintieren tummeln sich über 400 Tiere auf dem Marktgelände.

Info: http://www.beerfelder-pferdemarkt.de

P1040084 - Kopie P1020816 - Kopie Metzkeil ca. 1955 - Kopie Viehgasse (Hirschhorner Straße) 1919 - Kopie