Beide brennen füreinander: Besonderes Tasting in der Schmucker-Brauerei

Eigentlich, schmunzelt Brenner Johannes Gehrig, „stelle ich ja diese Brände und Liköre aus einem Abfallprodukt her“ – aber einem sehr hochwertigen, wie er gleich hinzufügt: dem Alkohol, der bei der Herstellung des alkoholfreien Schmucker-Bieres „abfällt“. Das sogenannte Brüdenkonsendat verwendet Gehrig bei den Odenwälder Feinen Bränden in Litzelbach dafür, um daraus hochprozentige und wohlschmeckende Gaumengenüsse zu kreieren. Diese wurden nun erstmals zusammen mit Schmucker den Interessierten bei einem Tasting in den Brauereiräumen vorgestellt.

Raubacher Jockel und Räuber sowie Bockbierlikör „Walhalla“ und der Odenwälder Blutwurz fanden bei den Besuchern viel Widerhall. Die waren zu Beginn von Tanja Lenz durch die Brauerei geführt worden, ehe es dann zum Probieren ging. Nach den hochprozentigen Leckereien mit etwas mehr Umdrehungen gab es danach auch noch vier Biere von Schmucker zu verkosten: Landbier, Doppelbock dunkel, Bio Hell und Märzen. In der Bewirtung war auch Ute Bernhard mit dabei.

Johannes Gehrig ging zu Beginn auf die Hintergründe ein, wie es zur Zusammenarbeit kam. Angefangen hat alles mit einem Bierlikör. Den hat Gehrig mal kreiert und bei Schmucker gefragt, „ob die an so etwas Interesse haben“. Zuerst war das Jockel-Endprodukt zuerst sehr malzlastig und „geschmacklich noch nicht der Renner“. Der gewiefte Brenner griff dann etwas in die Trickkiste. Er legte den Brand ein Jahr lang in ein ehemaliges Bourbon-Fass aus amerikanischer Weißeiche. Das Endprodukt wurde dann dem Schmucker-Vorstand vorgestellt. „Die waren total begeistert“, freute sich Gehrig. Nur 54 Halbliter-Flaschen gibt es davon. Sind die weg, ist erst einmal Schluss.

Auf 57 Flaschen bringt es der Räuber. Der wurde mehrere Monate in einem italienischen Kastanienfass gelagert. Vorher hatte Gehrig dort mehrere Monate Doppelbockbier drin (würde er das nicht tun, käme die Gerbsäure durch). Dadurch nahm der Brand dessen Geschmack an. Auch ist eher das Malzige zu spüren. „Noch milder“ beschreibt ihn Gehrig mit den 37,5 Prozent im Vergleich zu seiner ersten, 39,2-prozentigen Kreation aus der Schmucker-Zusammenarbeit.

In seinem Erzählfluss wurde der Brenner dann von seiner „Chefin“ Monica Gehrig-Hummel gestoppt. „Babbel net so viel, die Leit hawwe Dorscht“, sagte sie. Während der Verkostung des vollmundigen Raubacher Jockels, bei dem vor dem geistigen Auge nicht die Odenwälder Hügel, sondern die schottischen Highlands auftauchen, erläuterte Gehrig, dass das „Arbeitsmaterial“ mit 80 bis 86 Prozent aus der Brennblase rauskommt.

Ein weiterer Bestandteil des guten Geschmacks ist das Schmucker-Quellwasser mit einem Prozent deutscher Härte. Es wird zum Runtersetzen des Alkohols in den Bränden verwendet, sodass das Produkt mit 60 Prozent ins Fass kommt. Wie eben bei Whisky auch. Zur Degustation wurden Gläser von französischen Winzern verwendet. Die gehen nach oben hin zu „und deshalb kann man den Inhalt sehr gut riechen“, so der Brenner.

Nach den Bränden dann die Liköre, „um den Geschmack nicht zu verfälschen“. Eigentlich, verrät Gehrig, leiten sich deren Eigennamen alle von den Nibelungen her, weil der Grasellenbacher Ortsteil Litzelbach mit zu deren Jagdgebiet gehörte. „Aber die geben nicht genug Namen her“, lachte er. Weshalb man jetzt auf die nordischen Sagen auswich und etwa „Walhalla“ für den Bockbierlikör wählte. Herausgekommen ist ein angenehm nach Bier schmeckender Likör mit 22,3 Prozent und einer kräftigen Malznote.

„Außer Konkurrenz“ hatten die Gehrigs noch den Kaffeelikör „Götterdämmerung“ im Gepäck. Espressocafé aus einer kleinen Mannheimer Rösterei sowie Karamellzucker plus den Schmucker-Bieralkohol verwendet Gehrig für das süffige Getränk mit seinen 21 Prozent Alkohol. „Einzigartig, was du da herstellst“, lautete eine Reaktion aus Besucherkreisen. Die Produkte und die Zusammenarbeit wurden sehr positiv aufgenommen. Der Brenner nahm auch gleich einen Brenn-Auftrag mit nach Hause.

Die vier Brände und Liköre von „Odenwälder Feine Brände“, die in Zusammenarbeit mit der Brauerei hergestellt werden, haben als Grundbestandteil jeweils den Alkohol des Weizenbock- und Pilsbieres, der diesem bei Schmucker mittels Vakuumkondensation entzogen wird. Das sogenannte Brüdenkondensat hat zwischen acht und elf Prozent Alkohol. Malz und Hopfen dominieren den Geruch. Gebrannt (gereinigt) wird das Produkt in eineinhalb bis zwei Stunden.

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Mit dem Schmucker-Bier lässt sich vortrefflich ein süffiger Brand brennen

Wenn Brauerei auf Brennerei trifft, dann ist das Ergebnis mehr als süffig. Vor einem Jahr unternahm Johannes Gehrig von den „Odenwälder Feinen Bränden“ aus dem Grasellenbacher Ortsteil Litzelbach einen ersten Testlauf mit dem Alkohol des alkoholfreien Bieres, das dem Gerstensaft bei der Schmucker-Brauerei in Mossautal entzogen wird. Das Ergebnis hieß „Raubacher Jockel“ und ist ein milder 40-Prozent-Brand mit spürbarem Whisky-Touch, weil er einem Bourbon-Fass aus amerikanischer Weißeiche gelagert wird. Jetzt hat der passionierte Brenner Gehrig nachgelegt und vier weitere Produkte in Zusammenarbeit mit Schmucker aufgelegt, die beim Tasting am 2. Oktober verkostet werden können.

Vier Schmucker-Biere sowie zwei Brände und zwei Liköre, die auf dem Alkohol der Biere beruhen, dürfen verkostet werden. Das dunkle Doppelbock-Bier findet bei der „Walhalla“-Kreation von Gehrig Verwendung. Dahinter verbirgt sich ein Bockbierlikör. „Das Bier ist etwas malzlastiger und kräftiger“, betont er. „Zehn bis zwölf Versuche habe ich gebraucht, bis das Mischungsverhältnis stimmte“, erläutert der Brenner. Herausgekommen ist ein angenehm nach Bier schmeckender Likör mit 22,3 Prozent und einer kräftigen Malznote. „Das geht Richtung „Bayrisch Bockmalz“, erläutert der Litzelbacher.

Blutwurz, Räuber und Jockel, jeweils mit dem Zusatz „Odenwälder“, sowie der Cafélikör „Götterdämmerung“ haben als Grundbestandteil jeweils den Alkohol des Weizenbock- und Pilsbieres, der diesem bei Schmucker mittels Vakuumkondensation entzogen wird. Das sogenannte Brüdenkondensat hat zwischen acht und elf Prozent. Malz und Hopfen dominieren den Geruch. Gebrannt (gereinigt) wird das Produkt in eineinhalb bis zwei Stunden.

Für die Kreation des „Odenwälder Blutwurzes“ werden die Wurzeln der gelb blühenden Pflanze gesäubert, getrocknet und in Alkohol eingelegt. Sie sorgen dann für Farbe und Geschmack. Damit das Endergebnis durch die Wurzel nicht zu bitter schmeckt, „gebe ich noch Holunderblütensirup dazu“, so Gehrig. Damit kommt der Blutwurz trotz seiner 34 bis 38 Prozent „recht mild“ rüber. Und auch an: „Der geht wie blöd“, freut sich der Brenner über die sehr gute Resonanz nicht nur bei Privatleuten, sondern auch in der Gastronomie von Odenwald und Bergstraße.

Der „Odenwälder Räuber“ wird in einem Kastanienfass gelagert. Dadurch nimmt er im Gegensatz zum Jockel-Brand dessen Geschmack an. Auch ist eher das Malzige zu spüren. „Noch milder“ beschreibt ihn Gehrig mit den 37,5 Prozent im Vergleich zu seiner ersten, 39,2-prozentigen Kreation aus der Schmucker-Zusammenarbeit.

Der Raubacher Jockel war nicht nur ein Odenwälder Original, sondern sehr den Freuden des Lebens zugetan und trank gern einen über den Durst. Deshalb passt der Namen für einen besonderen Brand zu seinen Ehren wie die Faust aufs Auge. Der leichte Whiskytouch verleiht dem Tropfen einen ganz eigenen, milden, aber vollmundigen Geschmack. Das weiche Schmucker-Quellwasser tut sein Übriges.

Das Quintett wird komplettiert durch den Caféliqueur „Götterdämmerung“. Espressocafé aus einer kleinen Mannheimer Rösterei sowie Karamellzucker plus den Schmucker-Bieralkohol verwendet Gehrig für das süffige Getränk mit seinen 21 Prozent Alkohol. Das Malzaroma passt hervorragend zum Geschmack der Kaffeebohnen, betont er. „Was für Schleckermäuler“, lacht der Brenner. Davon scheint es einige zu geben, denn der Tropfen kommt gut an.

„Alles was neu ist, ist für mich ein Anreiz“, hebt er hervor. „Ich habe Spaß am Experimentieren.“ Als Quereinsteiger ist er keinen Traditionen verhaftet und brennt deshalb, was er will. „Ich kann mich austoben wie verrückt.“ Johannes Gehrig testet Anregungen gerne aus. Geht nicht gibt‘s bei ihm nicht. Eine neue Idee kann dabei auch schon einmal aus einer „Spinnerei“ heraus entstehen. Wer‘s fest statt flüssig mag: Es gibt auch ein Gelee aus Rosébock, dem rötlichen Bockbier von Schmucker. „Das steht dann eine Stunde auf dem Herd, da ist dann kaum noch Alkohol drin“, lacht Monica Gehrig-Himmel.

Info: Taste the Spirit of Craft: Brauerei trifft Brennerei, Dienstag, 2. Oktober 2018, 17 Uhr, Privatbrauerei Schmucker Mossautal, verbindliche Anmeldung bis zum 19. September auf www.schmucker-bier.de unter Brauerei-Führungen oder telefonisch unter 06061/702-78.

OWK Affolterbach wanderte durch malerische Schneelandschaften im Hinterbachtal

Eine naturkundliche Tageswanderung, die aufgrund der Wetterlage zu einer Tour durch die herrliche Winterlandschaft des Hinterbachtals wurde, bot der Odenwaldklub Affolterbach dieser Tage an. Historischer Widder, Raubacher-Jockel-Weg und Forsthaus „Saubuche“ waren Ziele der zwölf Kilometer langen Strecke, die mittags im Gasthaus „Raubacher Höhe“ ihren Abschluss fand. Es gab eine sehr positive Resonanz der Teilnehmer, die sich von den naturkundlichen Erläuterungen und der herrliche Umgebung angetan zeigten.

Da einige potenzielle Mitwanderer die morgendliche Fahrt durch den Odenwald über teils rutschige Straßen gescheut hatten, war die Gruppe überschaubar. Doch der Tenor war einhellig: Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst. Wanderführer war Peter Assig, Naturschutzwart des OWK Affolterbach und Vorstandsmitglied des Naturschutzbundes in Fränkisch-Crumbach. Er zeigte den Teilnehmern den historischen Widder im Hinterbachtal, eine Wasserpumpe aus dem Jahr 1925.

Ein hydraulischer Widder, Stoßheber, Staudruck-Wasserheber oder Wasserwidder, ist eine wassergetriebene, intermittierend arbeitende Pumpe. Der Widder nutzt den Druckstoß oder Staudruck-Effekt, um einen Teil des Wassers, mit dem die Pumpe angetrieben wird, auf ein höheres Niveau zu heben. Er eignet sich besonders für Pumpaufgaben in der Nähe von Fließgewässern mit zum Betrieb ausreichendem Gefälle.

Für Landwirtschaft, Berghütten und Ferienhäuser, die in der Nähe von fließenden Gewässern liegen, werden zur Wasserversorgung gerne Widder benutzt. Meist handelt es sich um Anwesen in abgelegenen Gegenden, die weder an die öffentliche Wasserversorgung noch an das öffentliche Stromnetz angeschlossen sind (was früher in der Hinterbach und Raubach der Fall war).

Vom Parkplatz Hinterbachtal an der Kreisstraße 37 zwischen Ober-Ochönmattenwag und Finkenbach, östlich der Raubacher Höhe, ging es über den Raubacher-Jockel-Weg durchs Tal zu verschiedenen Biotopen. Vorbei am Forsthaus „Saubuche“ grüßte auf der Strecke das Konterfei des Odenwälder Originals auf verschiedenen Hinweistafeln. Sie erzählten amüsante Geschichten über den bekanntesten Sohn des Dorfes.

Seltene Gräser, Wiesenpflanzen, Wiesenvögel und Amphibien haben im Hinterbachtal ihren Schutzraum gefunden, zusammen mit einem malerischen kleinen Weiher, dessen Oberfläche zu Eis geworden war. Mit einem Schlenker an Olfen entlang und dem Gasthaus Spälterwald ging’s hinauf Richtung Höhe und ins andere Tal hinüber.

Das Naturschutzgebiet „Dürr-Ellenbacher Tal“ mit dem ehemaligen Forsthaus ist ein besonderes Juwel. Hier gibt es auch den ersten deutschen Waldlehrpfad. Normalerweise lassen Birken, Ginster, Wolfsmilch und Günsel einen leicht sumpfigen Boden erkennen, was aber durch den Schnee nicht wahrnehmbar war. Über die Raubacher Höhe führte die Straße dann zum gleichnamigen Gasthaus zurück.

Info: Weitere Touren in der näheren Region bietet der Odenwaldklub Affolterbach übers Jahr hinweg regelmäßig an. Mehr unter http://www.owk-affolterbach.de

Raubach gedenkt auf dem Friedhof seines bekanntesten Sohns: des „Raubacher Jockels“

Auf dem kleinen Friedhof des Rothenberger Weilers wurde des berühmtesten Sohns gedacht: Hier liegt der „Raubacher Jockel“ Jakob Ihrig begraben, am 5. Mai vor 150 Jahren geboren und vor 75 Jahren in seinem Heimatdorf verstorben. Pfarrer Reinhold Hoffmann ließ dort das Leben des Jockels Revue passieren. Heimatliedersänger Jürgen Poth als „Guggugg“ trug einige Stücke in Mundart vor.

Bürgermeister Hans Heinz Keursten zitierte aus der im neuen Büchlein von Horst Schnur und Rolf Reutter abgedruckten Grabrede von Pfarrer Orth vom 26. Oktober 1941. Der habe vor einer großen Trauergemeinde die allgemeine Wertschätzung der Menschen zum Ausdruck gebracht: „Ich habe ihn leider nicht kennen lernen dürfen, den guten Raubacher Jockel, von dem der ganze hintere Odenwald irgendein humorvolles Stückchen zu erzählen weiß“, sagte der damalige Pfarrer am Grab.

„Und doch wollte ich versuchen, aus dem Gehörten ein Lebensbild zu zeichnen von dem frohen Waldarbeiter und Köhler, von dem kundigen Uhrmacher, von dem lustigen Musikanten, der euch die heiteren Stunden verschönte und der dann auch wieder der Dorfgemeinschaft in ernsten Stunden als treuer Totengräber diente. Diesen seltenen Menschen, der in Freud und Leid ein immer fröhlich Herz bewahrte und den ihr in so einem Beweis von echter Dorfgemeinschaft und christlicher Nächstenliebe versorgt habt. Wollte ich versuchen, ein Lebensbild des Verstorbenen zu zeichnen, ihr würdet mit vollem Recht empfinden, ein Fremder versucht uns zu sagen, was wir alles selbst doch so viel besser wissen“, trug Keursten weiter Orths Worte vor.

Beeindruckend sei ein Artikel von Gustav Siefert, einem Schwager des Schreinermeisters Eugen Siefert aus Finkenbach, zum 70. Geburtstag des „Raubacher Joggel“ gewesen. Dieser sei jetzt zum ersten Mal in der Broschüre veröffentlicht. „Wenn er uns sieht, wird seine Freude bestimmt groß sein“, meinte Keursten mit Blick auf den Besuch am Grab.

Ob in vorhandener Literatur, Überlieferung oder durch Zeitzeugen, wie Georg Sauter aus der Raubach, „wird der Jakob Ihrig als liebenswerter, lustiger und ehrlicher Mensch beschrieben“, so Keursten. Er habe in einer Zeit der Entbehrung gelebt, in der aber Jakob Ihrig den Menschen in der Region mit seiner Musik viel Freude bereitet habe. Sein „hämisches Verhalten“, gerne der Obrigkeit gegenüber, habe dazu beigetragen, „dass seine Geschichten bis heute noch viel Freude bereiten, wenn man sie hört oder liest“.

Manche Aussage, der Jockel sei ein „Tagdieb“ gewesen, sehen die Verfasser der Broschüre ganz anders, hob Keursten hervor. Auch Sauter, der als Kind und Jugendlicher Jakob Ihrig noch persönlich kennengelernt hatte, wandte sich gegen diese Gerüchte. Diese machten ihn wütend, bekundete er-. Jakob Ihrig sei eine absolut ehrliche Haut gewesen. „Der Jockel hat lieber noch 50 Pfennig dazugelegt als eine Mark weggenommen“, habe seine Großmutter gesagt. Die pflegte ein gutes Verhältnis zum Jockel.

Sauter erwähnte, dass sich die Raubacher Dorfgemeinschaft in seinen letzten Lebensjahren liebevoll um den bekanntesten Sohn der Raubach kümmerte. Nicht nur, dass er reihum von den Familien verpflegt wurde – als er krankheitsbedingt nicht mehr schlucken konnte, wurde eigens die nahrhafte „Jockel-Suppe“ kreiert, die sich als Begriff bis heute erhalten habe.

Pfarrer Hoffmann ging in seinen Worten auf die Gründung des Ortes Raubach ein. Die Besiedlung sei ursprünglich über sieben Familien erfolgt, die in ihren Heimatorten als Nachgeborene kein Land mehr bekommen hätten. Er erwähnte hinaus die starke und verschworene Raubacher Dorfgemeinschaft, die auch in der Betreuung des Jockels in seinen späten Jahren zum Ausdruck gekommen sei.

Der Raubacher Jockel ist auch noch 150 Jahre nach seiner Geburt im Gedächtnis der Menschen lebendig geblieben

Auf den Tag genau jährte sich am 5. Mai der 150. Geburtstag eines Odenwälder Originals: des Raubacher Jockels. Ihm haben der ehemalige Landrat Horst Schnur aus Olfen und der Finkenbacher Rolf Reutter ein Büchlein gewidmet, das in einer Feierstunde im ehemaligen Schulhaus vorgestellt wurde. „Wir wollen nicht nur erzählen“, betonte Horst Schnur. Sondern es sei ihm und Reutter darum gegangen, „historische Belegstellen zu finden“. Er sei sehr gespannt auf die Reaktionen zum Buch.

Inzwischen habe es bereits durch noch lebende Zeitzeugen weitere Informationen gegeben, „die wir in eine zweite Auflage einfließen lassen“, so Schnur schmunzelnd. Als ärmlicher, aber lebensfroher Tagelöhner aus dem Rand der Gesellschaft sei der Jockel im Gedächtnis der Menschen der Region lebendiger geblieben als viele Prominente hoch zu Pferd. Er wusste einiges vom hintersinnigen Humor des Originals zu berichten.

In seinen Betrachtungen ging der ehemalige Landrat auch auf die Raubacher Schule ein, die der Jockel besuchte. Die sei nicht immer gleichmäßig besetzt gewesen und diente auch der Strafversetzung von Lehrern. Andererseits sei interessant, „dass ein kleines Dorf wie die Raubach immer eine Schule hatte“. Das hatte seinen Worten auch damit zu tun, dass bei den dortigen Familien viele Pflegekinder Unterkunft gefunden hätten.

Nach den Worten von Schnur erlebte Jakob Ihrig viele Umbrüche. Erst das Kaiserreich mit Bismarck, dann den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, die Nationalsozialisten und in seinem Lebensabend den Zweiten Weltkrieg. Seine ersten Lebens-Jahrzehnte seien bestimmt gewesen durch „die arme Zeit“ mit häufiger Auswanderung der Landbevölkerung. Obwohl ein „ganz kleines Dörfchen“, sei die Raubach nicht von der Außenwelt abgeschnitten gewesen und habe sich dynamisch entwickelt, sagte der Autor.

Unter den Anekdoten, die Schnur zum Besten gab, war auch die aus dem Jahr 1912. Da erschien der Jockel wie auch der Hauptmann von Köpenick 1911 in Uniform auf einer Postkarte, was die Obrigkeit auf den Plan rief. Geschehen wohl aus Übermut an einem Kerwemontag, früher der höchste dörfliche Feiertag überhaupt. Aber geschickt wie die Raubacher waren, wurden die Postkarten einfach vernichtet und es gab keinen Beweis mehr…

Erwähnung findet im Büchlein auch die enge Verbindung von Jakob Ihrig nach Olfen. Nicht nur, dass seine Mutter aus dem Weiler stammte, auch viele seiner befreundeten Musikanten waren in dem heutigen Beerfeldener Stadtteil zu Hause. Namentliche Nachweise gebe es zwar keine mehr, so Schnur, aber die Spitznamen plus die Instrumente seien noch erhalten.

Die Raubacher Dachkammer, in der der Jockel seine letzten Lebensjahre verbrachte, sei voll mit Uhren gewesen, wusste Schnur zu berichten. „Einen Kleiderschrank gab es nicht, sondern nur Nägel.“ Er sei von den Familien des Dorfs versorgt worden und bekam „eine stattliche Beerdigung“ – woraus der Autor schloss, „dass der Jockel ein anerkannter Mann war“. Noch heute lebe im Gedächtnis der Bevölkerung fort.

Rolf Reutter ergänzte noch zwei Geschichten: Eine davon drehte sich darum, wie Jakob Ihrig in der Finkenbacher Wirtschaft von Reutters Eltern immer wieder seine Ziehharmonika versetzen musste, weil die Einnahmen aus dem Musizieren nicht für die Begleichung der Rechnung reichten. Aber sie dann doch immer wieder vom Wirt ausgeliehen bekam, um bei der Kerwe aufs Neue auftreten zu können….

Die Broschüre enthält zudem Informationen zur Gründung des Dorfes Raubach im Jahre 1749, Erinnerungen an viele Odenwälder Originale und eine unveröffentlichte Schilderung des Zeitzeugen Gustav Siefert aus dem Jahre 1936. Die Autoren verzichten auch nicht auf die Beschreibung der Rolle des Raubacher Jockels in vielfältigen literarischen Veröffentlichungen und Theaterstücken.

 

„Der Raubacher Jockel“: Lebensgeschichte eines Odenwälder Originals von Horst Schnur von Rolf Reutter

Aus Anlass des 150. Geburtstags des im Odenwald weithin bekannten Originals haben die Heimatschriftsteller Horst Schnur und Dr. Rolf Reutter eine Broschüre über Leben und Wirken des bekanntesten Sohns der Gemeinde verfasst. Im Sterberegister der evangelischen Pfarrei Beerfelden findet sich hinter seinem Namen die Bezeichnung „Original des hinteren Odenwaldes, Musikant, Köhler, Uhrmacher, Totengräber“. Sein unstetes Leben erzählen Schnur und Reutter mit zahlreichen Begebenheiten und Anekdoten lebendig.

Der Text begleitet den Raubacher Jockel mit seiner Familiengeschichte durch den Wandel der Zeit bis zu seinem Lebensende in der Dachkammer und der Versorgung durch die Dorfgemeinschaft mit der heute noch vielfach bekannten „Jockel-Suppe“. Die Lebensgeschichte des Jakob Ihrig, der am 5. Mai 1866 geboren und am 24. Oktober 1941 im Alter von 75 Jahren gestorben ist, wird auf 73 Seiten mit zahlreichen Bildern illustriert. Das Büchlein ist mit zahlreichen Quellenangaben und Literaturhinweisen versehen. Es ist im Buchhandel und in den Touristikstellen zum Preis von 4,90 Euro erhältlich.

Der südliche Odenwald gedenkt am 5. Mai des Raubacher Jockels an seinem 150. Geburtstag

Eines der bekanntesten Originale des Odenwaldes würde am 5. Mai seinen 150. Geburtstag feiern: der „Raubacher Jockel“ Jakob Ihrig. Er ist auf beiden Seiten des Raubacher Hügelrückens, in Oberzent und Überwald, gleichermaßen bekannt. Sein Heimat- und Begräbnisort, der Rothenberger Weiler Raubach, gedenkt des Jockels an zwei Tagen. Am Donnerstag, 5. Mai, wird bei einer Feierstunde ein kleines Büchlein vorgestellt, am Freitag, 6. Mai, folgt das „Jockelsfest“ zu seinen Ehren.

Aus Anlass des 150. Geburtstags des im Odenwald weithin bekannten Originals haben die Heimatschriftsteller, der ehemalige Landrat Horst Schnur und Dr. Rolf Reutter, eine Broschüre verfasst. Die Lebensgeschichte des Jakob Ihrig, der am 5. Mai 1866 geboren und am 24. Oktober 1941 im Alter von 75 Jahren gestorben ist, wird auf 73 Seiten mit zahlreichen Bildern illustriert.

Im Sterberegister der evangelischen Pfarrei Beerfelden findet sich hinter seinem Namen die Bezeichnung „Original des hinteren Odenwaldes, Musikant, Köhler, Uhrmacher, Totengräber“.Sein unstetes Leben erzählen Schnur und Reutter mit zahlreichen Begebenheiten und Anekdoten lebendig. Als ärmlicher, aber lebensfroher Tagelöhner aus dem Rand der Gesellschaft ist er im Gedächtnis der Menschen der Region lebendiger geblieben als viele Prominente hoch zu Pferd. Der Text begleitet den Raubacher Jockel mit seiner Familiengeschichte durch den Wandel der Zeit bis zu seinem Lebensende in der Dachkammer und der Versorgung durch die Dorfgemeinschaft mit der heute noch vielfach bekannten „Jockel-Suppe“.

Die Broschüre enthält zudem Informationen zur Gründung des Dorfes Raubach im Jahre 1749, Erinnerungen an viele Odenwälder Originale und eine unveröffentlichte Schilderung des Zeitzeugen Gustav Siefert aus dem Jahre 1936. Die Autoren verzichten auch nicht auf die Beschreibung der Rolle des Raubacher Jockels in vielfältigen literarischen Veröffentlichungen und Theaterstücken.

Zum offiziellen Teil treffen sich die Jockel-Freunde auf Einladung der Gemeinde am Donnerstag, 5. Mai, um 15 Uhr im ehemaligen Schulhaus, wo bereits ein Museum das Gedenken an Jakob Ihrig wachhält. In der Schule werden Horst Schnur und Rolf Reutter ihr Buch vorstellen. Im Anschluss trifft man sich am Gedenkstein auf dem Friedhof, wo Pfarrer Reinhold Hoffmann das Leben von Jakob Ihrig Revue passieren lässt. Jürgen Poth, auch unter dem Namen „Guggugg“ bekannt, trägt Lieder in Mundart vor.

Das tut er auch noch einmal drei Tage später im Hoftheater auf der Tromm: Der Mundart-Liedermacher lässt dann am Sonntag, 8. Mai, den Werdegang des Musikanten, Gemeindedieners und Totengräbers in seiner dörflichen Umgebung „tief im Odenwald“ musikalisch vorbeiziehen.

Zum Dorffest anlässlich des 150. Geburtstags des Raubacher Jockels wird in der Raubach am Freitag, 6. Mai, ein Festzelt gestellt. Los geht’s um 12 Uhr, wenn die Küche öffnet. Ab 13 Uhr gibt’s Unterhaltungsmusik mit Harald Walz, ab 17 Uhr Musik und Geschichten über das Odenwälder Original, wieder „gsunge un verzählt vum Guggugg“ Poth. Karten fürs Konzert im Vorverkauf unter Telefon 06068/2183. Veranstalter sind Gemeinde Rothenberg und Interessengemeinschaft Raubacher Jockel.

In Wald-Michelbach führen zu Ehren des dort mit einem Denkmal verewigten Jockels die Sommerspiele Überwald noch einmal ihr Erfolgsstück aus dem vergangenen Jahr auf. „Der Raubacher Jockel – ein Singspiel“ heißt es am Freitag, 6. Mai, und Samstag, 7. Mai, jeweils 20 Uhr in der Rudi-Wünzer-Halle. Kartenvorverkauf: Gemeinde Wald-Michelbach, Telefon 06207-9470; Kurverwaltung Grasellenbach, Telefon 06207-2554.

Info: Das Büchlein von Horst Schnur und Rolf Reutter im Format DIN A5 hat 73 Seiten und ist reich bebildert mit zahlreichen Quellenangaben und Literaturhinweisen. Es ist im Buchhandel und in den Touristikstellen zum Preis von 4,90 Euro erhältlich.