Der Wegwerfgesellschaft entgegentreten: Verein Generation Oberzent startete Repair-Café

„Wir sind mit dem Beginn unseres Projekts Repair-Café sehr zufrieden“, freute sich der Vorsitzende des Vereins Generation Oberzent, Erik Kadesch. Bei dem von Gabi Weber organisierten Treffen wurden stolze 13 Aufträge entgegengenommen. „Fast allen konnte geholfen werden“, so Kadesch im Rückblick. Sieben Fachleute standen im evangelischen Gemeindehaus für die Hilfesuchenden parat. Es wurden unter anderem ein Laptop, eine mechanische Schreibmaschine, ein Wasserkocher oder ein CD-Spieler repariert.

Brigitte Zimmermann aus Beerfelden fand das Angebot sehr gut, sagte sie. Hinter der Aktion steckt der Gedanke „Reparieren statt wegwerfen“. Sie will auf jeden Fall wieder kommen, betonte die Besucherin. Zimmermann half neben Gabi Weber mit, Freiwillige aus Oberzent mit seinen Stadtteilen zu finden, die die Reparaturaufgaben übernehmen. Die Bereiche Elektro, Holz, Nähen und Computer wurden damit vorrangig abgedeckt.

Insgesamt waren über 30 Personen im Gemeindehaus, wobei einige ohne Gegenstände kamen und dort ihren Samstagnachmittag-Kaffee tranken, beobachtete Kadesch. Der Verein begrüßte Besucher aus der Oberzent, aber sogar auch aus Brombachtal und Erbach. Was die Breitenwirkung dieser Idee verdeutlicht. Der gespendete Kuchen der evangelischen Frauenhilfe wurde sehr gerne probiert. „Die Stimmung war sehr gut“, meinte er. Der Verein plant auf jeden Fall eine Fortsetzung des Repair-Cafés in der Oberzent. Es soll etwa drei bis vier Mal jährlich stattfinden.

Den Initiatoren geht es darum, der Wegwerfgesellschaft entgegenzutreten und Ressourcen nicht zu verschwenden. Außerdem soll das Zusammensein in Oberzent gepflegt werden, weshalb auch Bürger gerne willkommen waren, die einfach nur ihn Gesellschaft ihren Kaffee trinken wollten. Wie Weber sagte, bekam sie begeisterte Rückmeldungen aus der Einwohnerschaft, dass dieses Projekt in Angriff genommen wurde. Ähnliche Initiativen gibt es bereits in Hirschhorn und Reichelsheim. Eventuell, erläuterte sie, könnte man auch einen Workshop anbieten, um quasi „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu geben.

Wie Kadesch ergänzte, war das Repair-Café eines der angeregten Themen bei der Gründungsfeier des Vereins. „Wir halten es für eine sehr gute Idee“, betonte er. Bis es allerdings an den Start gehen konnte, war eine versicherungstechnische Abklärung notwendig. Weber wies darauf hin, dass die Reparierenden keine Garantie für ihre Arbeit übernehmen. Zu Beginn galt es deshalb auch einen kleinen Fragebogen auszufüllen. Hinter allem steht der Gedanke, in der neuen Stadt miteinander in Kontakt zu kommen.

Thomas Glaser hat bereits in Bensheim einschlägige Erfahrungen gesammelt. Er weiß, dass oft mit einfachen Mitteln geholfen werden kann. Bei einem alten Kofferradio mussten nur die Kontakte geschmiert werden, dann lief es wieder. Oder: „Aus zwei kaputten baugleichen Ikea-Lampen haben wir eine funktionierende gemacht“, schmunzelte er. In Bensheim „wurde der Andrang immer größer“, stellte er fest – je besser die Mundpropaganda wirkte. Glaser war gleich in seinem Element, als es galt, einen Entlüfter wieder instand zu setzen.

Markengeräte, die ein paar Jahre auf dem Buckel haben, sind nach seinen Erfahrungen besser zu reparieren als neuere Elektrogeräte. „Da kommt man teilweise gar nicht mehr richtig dran“, schildert er. Der Fachmann hat einen Tipp für Käufer: Wenn ein Hersteller Ersatzteile anbietet, dann funktioniert auch das Wiederaufarbeiten besser. Saeco, Bosch oder Miele nennt er als Beispiele. Bei Discountern erhältliche Produkte seien leider „oft nur für den einmaligen Gebrauch hergestellt“.

Bei Stefan Roßbach waren die Ratsuchenden richtig, wenn es um alles rund um den Haushalt ging. „Ich mache bei mir im Haus alles selbst“, sagte der gelernte Holzbildhauer. So traut er es sich auch zu, einen Stuhl zu reparieren. Generell machen ihm diese handwerklichen Arbeiten Spaß. „Lieber etwas mit einem geringen Aufwand wieder herstellen, als es in den Müll zu werfen“, betonte er.

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