Gemeinsam für „Selinas Traum“

Selinas Traum soll wahr werden. Die blinde Zwölfjährige aus Kailbach möchte gerne Fahrrad fahren. Dafür wird ein spezielles Tandem benötigt. Für die Realisierung ihres Herzenswunsches setzt sich zusammen mit Familie Burth und dem Behindertenclub Odenwald (BCO) der Rotary-Club Erbach-Michelstadt ein. Eigentlich wollte Präsident Roger Frohmuth einen Scheck über 1000 Euro im Rahmen der 45-Jahr-Feier des BCO übereichen. Doch diese, geplant in der Adventszeit, musste wegen der Pandemie ausfallen.

Die Rotarier begleiten seit Jahrzehnten die Arbeit des Behindertenclubs mit seiner Vorsitzenden Elfi Kissinger, erläutert Frohmuth. In Würdigung der wertvollen, ehrenamtlichen Arbeit gab’s jetzt eine Spende über 500 Euro. Zustande kam die Zusammenarbeit über die frühere Vorsitzende Barbara König, deren Mann Rotarier war. Es wurde gemeinsame Ausflüge und Touren durchgeführt.

Pfarrer Frohmuth ließ diese Aktivitäten ein Stück weit wieder aufleben, etwa durch die Mitverantwortung bei der Ausrichtung der Weihnachtsfeier. Er bedauert, dass diese im vergangenen Jahr dann nicht möglich war. Die Rotarier nutzen diese Gelegenheit gerne für eine Schecküberreichung, mit der Dinge ermöglicht werden, die sonst nicht möglich sind. Und dieses Mal sollte eben der Scheck für die Aktion „Selinas Traum“ den Eigentümer wechseln. Das will der Club nachholen, sobald es wieder möglich ist.

„Selina wünscht sich von Herzen ein Tandem für Ausflüge mit der Familie“, weiß der Präsident. Bei der Erfüllung dieses Traums „will unser Club behilflich sein“, ergänzt er. Ein solches Tandem „gibt es nicht von der Stange“, erklärt Frohmuth. Es muss speziell angepasst werden und ist deshalb teurer als ein normales Fahrrad. Er hofft, dass sich bis zum Frühjahr der Traum von Selina verwirklichen lässt. Dann könnte sie bei besserem Wetter losradeln. Probefahren durfte sie schon einmal mit ihrem Vater Matthias.

Eine weitere große Leidenschaft der Zwölfjährigen ist die Musik. Sie spielt bei der Weihnachtsfeier des BCO immer Lieder auf dem Keyboard vor. Das Klavier spielen hat sie sich vor vier Jahren selbst beigebracht, erzählt ihre Mutter Michaela Burth.

Selina leidet unter dem seltenen MLS-Syndrom, schildert ihre Mutter. Deshalb dauerte es auch über ein Jahr, bis die Labore es herausfanden. Die Zwölfjährige geht in Elsenfeld (Main) in die Blindenschule. „Leider gibt es nur diese eine“, bedauert sie. Das Mädchen fährt am Tag fast drei Stunden mit dem Bus, da auch andere Kinder abgeholt und auch wieder nach Hause gebracht werden. Selina steigt in Kailbach als erste ein und als letzte wieder aus, sagt sie.

Die Schule baut gerade in Aschaffenburg neu, erzählt sie. Dann ist ihre Tochter noch länger unterwegs. Aber: „Die Schule ist sehr gut und bietet auch Klavierunterricht.“ Denn Selina spielt so gerne das Instrument. Sie ist sehr musikalisch und singt natürlich auch gerne. Die junge Kailbacherin hat noch eine ältere Schwester, Anastasia. Die 13-Jährige besucht derzeit den Konfirmandenunterricht bei Pfarrer Frohmuth.

Ein Highlight war für das Mädchen der Besuch eines Konzerts des Starpianisten Lang Lang Ende Dezember 2018 in München. „Damit ist ein großer Traum für sie wahr geworden“, freut sich ihre Mutter. Selina durfte sogar mit ihm spielen. Die Zwölfjährige „hört eine Melodie und kann sie sofort nachspielen“, ist Michaela Burth stolz auf diese Fertigkeit. Das Video mit Lang Lang ist auch unter https://youtu.be/en8bKRlansI zu finden.

Das Fahrradfahren lernte Selina in der Schule, da es dort ein Spezialrad gibt. Die Familie wünscht sich, erläutert ihre Mutter, zusammen mit ihr Ausflüge zu machen. Sonst ist das nur getrennt möglich. „Mein Mann und Anastasia fahren und Selina und ich bleiben zu Hause.“ Michaela Burth stellte schon oft einen Antrag bei der Krankenkasse, der jedes Mal wegen Selinas Blindheit abgelehnt wurde. „Das Tandem wurde auch immer abgelehnt“, ärgert sie sich. Ein erneuter Versuch vor kurzem wurde ebenfalls abschlägig beschieden.

Die aktuelle Spendenaktion wurde von einer Freundin der Familie, Natascha Gippert, ins Leben gerufen. „Sie hat Selina lieb und möchte, dass es ihr gut geht“, ist die Mutter dankbar. Denn das ist derzeit nicht der Fall, da das Mädchen wegen ihrer Blindheit Adipositas hat. „Das weiß auch die Krankenkasse“, ärgert sich Burth – aber ändert nicht ihre Entscheidung.

Im Sommer kann Selina wenigstens draußen Trampolin springen, was sie auch sehr gut macht. „Wir haben auch ein kleines für drinnen“, erzählt ihre Mutter. Aber davon alleine verbrennt der Körper ja nicht genügend Fett. „Wir sind sehr in Sorge“, schildert sie die Situation. Im Moment ist die Zwölfjährige zuhause. „Darüber bin ich auch froh“, betont Michaela Burth. Denn das Mädchen hat kein gutes Immunsystem – und bei einem Schulbesuch „hätte ich noch mehr Angst“.

Wie Rotary-Präsident Frohmuth zusätzlich ausführt, läuft die Arbeit des Clubs auch während der Pandemie weiter. Es gibt regelmäßige Treffen per Videokonferenz. Aktuell wird die Vergabe des Förderpreis-Stipendiums geplant, erzählt er. Damit wird im Juni, zum Ende des rotarischen Jahres, der beste Abiturient des Odenwaldkreises ausgezeichnet.

Dotiert ist der Preis mit 10.000 Euro. Diese Summe wird von einer Stiftung zur Verfügung gestellt, so Frohmuth. Es geht beim Gewinn nicht nur um die Note, sondern auch um das gesellschaftliche Engagement und die Sozialkompetenz, erklärt.

Der Behindertenclub Odenwald freut sich über weitere Unterstützer von „Selinas Traum“. Kontakt über die Vorsitzende Elfi Kissinger, Telefon 06061-96500, E-Mail elfi.kissinger@web.de

Viel Andrang beim „Ad(e)vent“ auf dem Eberbacher Lindenplatz

Ein großer grüner Weihnachtswald wartete beim „Ad(e)vent“ von Lions-Club und Rotary Club Eberbach auf die Besucher des Lindenplatzes. Ein Wald, der sich aber über Mittag trotz des schlechten Wetters schnell leerte: Schon am frühen Nachmittag hatten sich die zum Verkauf stehenden, frisch eingeschlagenen heimischen Christbäume merklich gelichtet und es musste sich sputen, wer noch ein Exemplar erwerben wollte. Der Erlös kam den Mitwirkenden zugute.

Zwölf Gruppen und Vereine sorgten den ganzen Tag über für buntes Programm. Nach der Eröffnung durch den evangelischen Kindergarten Regenbogen mit Weihnachtsliedern wurden durch die Kinder zwei Bäume geschmückt – wie später auch vom Arche-Noah-Kindergarten. Der Männerchor des Gesangvereins Liederkranz Eberbach sang, die Klasse 4a der Dr.-Weiß-Grundschule spielte danach Lieder und Szenen aus dem Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“.

Dem MGV Concordia Neckarwimmersbach folgten die Sängerlust Rockenau und der Gemischte Chor Lindach sowie die katholischen Kindergartenkinder. Es schlossen sich an: der evangelische Posaunenchor mit alten und neuen Advents- und Weihnachtsliedern (Bild), die Klasse 7 der Realschule Eberbach, die katholische Pfarrkapelle, der Chor „Right Now“, der evangelische Kindergarten Arche Noah, der Frauenchor Igelsbach sowie Chor und der Theater AG der Steige-Grundschule.

Die Rotarier am Essens- und Getränkestand hatten während des ganzen Tages viel zu: Bratwürste, Flammkuchen, Waffeln, Glühwein und Getränke fanden zahlreiche Abnehmer, der Stand war immer gut umlagert. Der gesamte Reinerlös soll den beteiligten Schulen, Kapellen, Singgruppen und Kindergärten zugutekommen.

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