Rothenberger Sauna-Gigolo heizt den Damen ein

Drei Mal eine ausverkaufte Sporthalle mit je 250 Plätzen, Zuschauer, die sich vor Lachen biegen, eine Truppe, der die Spielfreude förmlich anzumerken ist, und ein Stück, das den Darstellern viel Platz zur Selbstentfaltung gibt: „Der Sauna-Gigolo“, von der Rothenberger Theatergruppe an drei Tagen aufgeführt, entpuppte sich für Oberzent und die angrenzenden Orte als Straßenfeger erster Güte.

Unter der Regie von Marina Weinthäter können sich die Schauspieler in ihren Rollen so richtig ausleben, sodass sich geneigte Zuschauer manchmal fragen dürften, welches nun die richtige Persönlichkeit des Bekannten oder Verwandten ist. Elf verschiedene Charaktere gibt es auf der Bühne zu sehen, einer exzentrischer als der andere. Wie es das Stück so will, bahnt sich die Handlung der Komödie langsam ihren Weg, um dann über einen turbulenten zweiten Akt in ein Schlussfinale einzubiegen, in dem es drunter und drüber geht – überraschende Auflösung inklusive.

Wenn Gabi Braner, Susanne Weyrauch und Tanja Schmidt als die drei Damen von der Sauna loslegen, springt schnell die Schamesröte ins Gesicht. Wort- und detailreich lästern sie über ihre Mitmenschen ab, aber wehe, ihnen wird etwas Schlechtes nachgesagt. Es ist eine wahre Pracht, der exzessiven Tratscherei der Drei, die sie mit allen Einzelheiten und derben Kommentaren ausschmücken, zuzuhören. Besonders Gabi Braner gibt der Xanthippe Theresa Thomalla viele Facetten.

Dass die drei Kratzbürsten aber auch ganz geschmeidig können, zeigt sich mit dem Auftauchen von Masseur Sandro, der mit Muskelshirt und Komplimenten die Damen zu bezirzen weiß. Eine Massagestunde mit Kundin Ursel „Uschel“ Hubschmidt (Tanja Schmidt), bei der den vor der Kabine lauschenden anderen beiden die Ohren vor Zweideutigkeiten nur so glühen, und fertig ist der mit allen Tricks und Kniffen ausgetragene hinterlistige Wettstreit um die Gunst des vorgeblichen Massage-Hengstes.

Saunameisterin Rita ist auf das Gebaren ihres Kollegen eifersüchtig. Elisa Köhler, wie Janis „Sandro“ Heckmann erst im zweiten Jahr bei der Theatergruppe dabei, spinnt hinterlistig ihre Fäden, bestellt alle drei verhassten Tratschtanten auf den gleichen Termin, informiert dazu noch die Männer, damit alles in einem ganz großen Chaos ausartet.

Dann der Auftritt der gefühlt gehörnten Männer. Dominik Seip knallt die Gags raus, dass es eine wahre Pracht ist. Benjamin Götz als befreundeter Arzt gibt den bedächtigen der Runde, Achim Bartmann den polternden. Und schließlich Harry Foshag. Wie er als tumber Gerhard von nichts eine Ahnung hat, alles dumm-dämlich wörtlich nimmt, ist eine Schau für sich. Es reicht schon, dass er zum Sprechen ansetzt, mit den Augen rollt, nach Worten ringt, dass er die ersten Lacher bekommt.

Auftritt Janik Uhrig als persönlicher Kosmetiker von Theresa Thomalla. In Glitzer-Fummel mit hautenger Hose gekleidet, farbenprächtig geschminkt, ist sofort klar, woher der Wind weht. Wortgewandt macht er seiner Kundin gleich klar, dass sowieso Hopfen und Malz verloren ist. Mit den giftigen Sprüchen steht „Jerome“ den Damen nichts in punkto Einfallsreichtum nach, wenn es darum geht, die Unzulänglichkeiten der Mitmenschen schamlos an den Tag zu bringen.

Weil keine der anderen was gönnt, eskaliert die Situation im zweiten Akt. Alle wollen sie Sandro für sich allein. Lisbeth sticht Ursels Schwimmhilfen an, die mischt Theresa ein allergieauslösendes Mittel in die Gesichtscreme, diese wiederum sorgt dafür, dass Lisbeth unter der Sonnenbank zum Grillhähnchen wird. Mit dem Erfolg, dass dann drei klagende Weiber von der Bühne gehen und die Zuschauer in Erwartung eines dritten Sets zurücklassen, in dem alles eigentlich nur noch schlimmer werden kann.

Tut es auch: Männer in Frauenkleidern, die ihre Frauen nicht an Sandro verlieren wollen, Giftspritze Rita, eine ohnmächtige Saunabesitzerin (Ulrike Beisel), geifernde Damen, ein K.O.-geschlagener Arzt, ein eingesperrter Masseur: Die Eskalation kennt keine Grenzen. Die Auflösung ist ebenso einfach wie bestechend und hinterlässt alle sprachlos: Sandro ist Schorsch aus Kortelshütte, der mit Jerome alias Karl-Heinz früher ein Paar war, diesen aber für den Praktikanten aus Heikes Haarstudios verließ – dem Verflossenen aber immer noch nachtrauert. Hätte man wissen können. Ein Kuss und rauschender Beifall schließt das Stück.

Darsteller: Gabi Braner (Theresa Thomalla), Susanne Weyrauch (Lisbeth Melzer), Tanja Schmidt (Ursel Hubschmidt), Elisa Köhler (Rita Raffke), Ulrike Beisel (Roswitha Algengrün), Janis Heckmann (Sandro Kern), Dominik Seip (Wolfgang Hubschmidt), Achim Bartmann (Kasimir Thomalla), Harry Foshag (Gerhard Melzer), Benjamin Götz (Dr. Justus Möbius), Janik Uhrig (Jerome Quast), Maske Team Salon „Haareszeiten“ und Susanne Weyrauch, Regie Marina Weinthäter

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Lachen und Saunieren mit der Rothenberger Theatergruppe

Es ist fast wie im richtigen Leben, lacht Susanne Weyrauch. Die Personen aus dem lustigen Dreiakter „Der Sauna-Gigolo“ hatte jeder schon einmal vor der Nase: biestige Frauen, die sich nichts gönnen, dumm-dreiste, begriffsstutzige und dazu noch eifersüchtige Männer. Beste Voraussetzungen für viele Lacher in den drei Vorstellungen der Theatergruppe (RTG) am 10.,16. und 17. November in der Rothenberger Sporthalle.

Für viel Situationskomik, bei der die Laienschauspieler ihr komödiantisches Talent voll ausleben können, ist gesorgt. Drei Freundinnen in der Damen-Sauna himmeln den Masseur an, jede will ihn für sich, ihren Männern wiederum passt das gar nicht. Das führt zu Eifersüchteleien. Verwechslungen, Verwicklungen, Verwandlungen bestimmen die Aufführung. Schon bei den Proben hatten die Akteure sichtlich Spaß.

„Wenn wir wissen, wie viele mitmachen, bestellen wir uns mehrere Stücke zur Auswahl“, erläutert die RTG-Vorsitzende. Was allen am besten gefällt, kommt dann in die Endauswahl. „Dieses Stück war am lustigsten, deshalb haben wir es genommen.“ Jeder Schauspieler darf sich seine Rolle wünschen. In der Regel bekommt er sie. „Es gab bisher nie Streit darüber“, lächelt sie.

Die Fronten sind eh klar: Auf der einen Seite die streitlustigen Frauen, auf der anderen die etwas naiven, einfach strukturierten Männer, witzelt Weyrauch. Ein Grummeln in tiefer Stimmlage auf der anderen Seite des Tisches zeugt als Reaktion von einer gewissen Resignation. Bei der RTG ist klar: Wer nicht über sich selbst lachen kann, ist fehl am Platz.

Ende August begannen die Proben. Jetzt geht’s in die Vollen. Der Bühnenbau startet am 2. November. Entstehen wird ein Wellnesstempel: „Die Männer bauen, die Frauen schmücken aus“, heißt die Arbeitsteilung. „Zum Glück haben wir viele talentierte Handwerker“, sagt Weyrauch. Dann können die Aktiven eine Woche lang jeden Tag auf 14 Meter Aktionsfläche proben, wo bisher im Feuerwehrraum nur fünf Meter zur Verfügung stehen.

Die RTG-Aktiven freuen sich dieses Mal, mit Harry Foshag, Ulrike Beisel und Achim Bartmann ein paar Rückkehrer begrüßen zu können. „So viele waren noch nie auf der Bühne“, rechnet die Vorsitzende nach. In der diesjährigen Produktion wirken elf Akteure mit, drei mehr als 2017. „Die Zuschauer dürfen nach den drei Akten gerne sitzen bleiben“, betont Weyrauch. Denn die eingeschworene Theatertruppe freut sich auf viele Gäste, die nach dem offiziellen Ende „im vierten Akt mitfeiern“.

Wenn Ulrike Beisel sieht, wie sich die Zuschauer jedes Jahr aufs neue Stück freuen, „gibt das Auftrieb“, sagt sie. Schon bei den Proben „ist es total lustig“, hat sie festgestellt. Für Susanne Weyrauch sind die Lacher und der Applaus des Publikums der schönste Lohn für die stressigen Proben, die in der Woche vor der Premiere täglich stattfinden. Und danach „ist leider alles ganz schnell wieder vorbei“. Harry Foshag findet es „deutlich schöner“, auf der Bühne zu stehen als im Zuschauerraum zu sitzen.

„Obwohl anstrengend und aufregend“, macht die Regiearbeit seit 26 Jahren Marina Weinthäter jedes Mal aufs Neue Spaß. „Ich mache mich inzwischen nicht mehr verrückt“, betont sie. Kurz vor knapp wird es dann meistens doch bisschen hektischer, „weil der Text sitzen muss“, schaut sie ihre Pappenheimer zwinkernd an. Was diese gleich zum Anlass nehmen, über die mangelnde Textkenntnis des einen oder anderen herzuziehen.

Acht Theaterbegeisterte gründeten vor 34 Jahren die Theatergruppe. Drei davon sind heute noch dabei, weiß Weyrauch. Aktuell besteht die Truppe aus 22 Mitgliedern im Alter zwischen 24 und 61 Jahren. 22 Mal fanden RTG-Aufführungen im Gasthaus Adler statt, ehe man dann 2009 in die Sporthalle zog. 2013 hieß es dort letztmals „Allein unter Kühen“, ehe die Truppe wegen des Umbaus drei Jahre pausieren musste. „Rabatz auf dem Campingplatz“ bildete im vergangenen Jahr den mehr als erfolgreichen Neustart in der renovierten Halle.

Info: „Der Sauna-Gigolo“, eine Komödie in drei Akten von Andreas Wening, wird von der Rothenberger Theatergruppe am Samstag, 10., Freitag, 16., und Samstag, 17. November, in der Sporthalle aufgeführt. Beginn ist um 20 Uhr, Einlass um 18.30 Uhr.