Ersheimer Brücke: Vollsperrung jetzt doch erst im Herbst

Die rund 160 Meter lange Wehrbrücke über der Schleusenanlage Hirschhorn im Zuge der Kreisstraße K 38 verbindet das westlich gelegene Hirschhorn mit dem östlichen Ersheim auf der gegenüberliegenden Neckarseite. Die Stahlkonstruktion aus den 1930er Jahren weist starke Korrosionsschäden auf und muss daher dringend instandgesetzt werden, teilt die Straßenbehörde Hessen Mobil mit. Der Landkreis Bergstraße als Baulastträger der K 38 hat Hessen Mobil mit der Planung und Durchführung der Brückeninstandsetzung beauftragt.

Derzeit wird durch ein von Hessen Mobil beauftragtes Ingenieurbüro die Ausführungsplanung und Bauablaufplanung für die Instandsetzungsmaßnahme erstellt. Gleichzeitig wird derzeit durch Hessen Mobil ein detailliertes Verkehrskonzept für die Durchführung der notwendigen Bauarbeiten an der Brücke entwickelt und in den kommenden Wochen mit der Stadt Hirschhorn, der Verkehrsbehörde der Landkreise Bergstraße und Rhein-Neckar, der Polizei und den Rettungsdiensten abgestimmt.

Für die Arbeiten an den Hauptträgern der Brücke sind unter anderem aus statischen Gründen jeweils mehrwöchige Vollsperrungen erforderlich, wobei der Fuß- und Radverkehr davon ausgenommen ist, lautet die Info der Behörde. In den Zeiten zwischen den statisch relevanten Arbeiten an den Hauptträgern kann die Fahrbahn jeweils wieder halbseitig für den Verkehr freigegeben werden. Mit den Bauarbeiten soll im Sommer 2021 begonnen werden. Die erste Vollsperrung der Brücke wird voraussichtlich im Herbst 2021 erfolgen (und nicht im Sommer, wie erst kürzlich noch von Hessen Mobil gemeldet wurde). Die Fertigstellung der Bauarbeiten ist für Ende 2022 geplant, heißt es weiter.

Neben der Verbindungsfunktion zwischen den beiden Hirschhorner Stadtteilen dient die Wehrbrücke zur Anbindung des Flusskraftwerks der Neckar AG, als Revisionsweg zu den Wehrpfeilern und als Leitungsbrücke für Wehr- und Kraftwerksbetreiber sowie den verschiedenen Versorgungsunternehmen. Die Wehrbrücke wurde im Zuge der Errichtung der Neckarstaustufe Hirschhorn in den Jahren 1931 bis 1935 als genietete Stahlkonstruktion errichtet und 1979/1980 umgebaut und erweitert.

Die Wehrbrücke setzt sich aus zwei Teilbrücken zusammen, der zweifeldrigen Schleusenbrücke auf der Seite Ersheim und der namensgebenden dreifeldrigen Wehrbrücke auf Hirschhorner Seite. Beide Stahlkonstruktionen besitzen einen offenen Querschnitt aus einem zweistegigen Plattenbalken und einer orthotropen Fahrbahnplatte aus Stahl. Die Wehrbrücke weist laut Hessen Mobil sichtbare Korrosionsschäden an der Überbaukonstruktion und insbesondere eine Spaltkorrosion an den Verstärkungsblechen der Längsträgeruntergurte auf. Hier wölbten sich die Stahllaschen infolge der Volumenvergrößerung des rostenden Stahls auf.

Da die Spaltkorrosion weiter fortschreitet und sich der Druck auf die Verstärkungsbleche weiter erhöht, besteht für die Instandsetzung der Längsträgeruntergurte der Brücke ein dringender Handlungsbedarf. Um die Verkehrssicherheit und die Standsicherheit des Bauwerks dauerhaft zu gewährleisten, ist die geplante Baumaßnahme zwingend erforderlich, so die Mitteilung.

Zur Beseitigung der Spaltkorrosion an den Brückenträgern müssen die Verstärkungsbleche an den Längsträgeruntergurten sowohl in den einzelnen Brückenfeldern als auch über den Innenstützungen ausgebaut und erneuert werden. Dabei müssen je Hautträger mehrere hundert Nieten aus der Stahlkonstruktion gelöst werden. Bevor die Hauptträger zerlegt werden können, muss das jeweilige Brückenfeld und der Hauptträger statisch über eine Hilfskonstruktion auf der Brücke entlastet werden. Hierfür sind aufwendige Auswechsel- und Gerüstbauten erforderlich. Diese Bauarbeiten am teilweise demontierten Hauptträger können aus statischen Gründen nur unter Vollsperrung der Brücke erfolgen, sagt Hessen Mobil.

Mit „Ritter Friedrich“ in Hirschhorn-Ersheim: Wissenswertes über die Kapelle, den früheren Sandsteinabbau und die Neckarschifffahrt

„Ritter Friedrich“ kennt keine Standesdünkel. Wenn es um die einmaligen Besonderheiten seiner Stadt geht, dann bringt er diese gerne auch dem einfachen Volk nahe, das sonst gerne gegen die Willkürherrschaft von Adel und Klerus wettert: Auf Einladung des DGB-Ortsverbands zeigte Hans-Jürgen Waibel den Interessierten diesmal die geschichtlichen Hirschhorner Zeugnisse links des Neckars, also auf Ersheimer Seite.

Treffpunkt war die bekannte Ersheimer Kapelle, ein gotisches Kleinod und älteste Kirche im Neckartal. Dort begrüßten die stellvertretende Ortsverbands-Vorsitzende Gaby Roncone-Höschel und DGB-Regionssekretär Horst Raupp aus Darmstadt nicht nur Gewerkschaftsmitglieder, sondern auch viele andere Interessierte. 1345 wurde die katholische Friedhofskirche St. Nazarius und Celsus erstmals urkundlich erwähnt, berichtete Waibel. Damit allerdings trotzdem fast 600 Jahre später als das ehemalige Dorf Ersheim, dessen früheste Zeugnisse sich 773 im Lorscher Kodex finden.

Das freskengeschmückte Mittelschiff mit Apostelfries sowie Darstellungen des Königs David und von Propheten stammt laut Waibel aus der Entstehungszeit. Im spätgotischen Chorbau von 1517 sei noch heute ein „reiches Sterngewölbe mit Konsolen und Schlusssteinen, die Stifterwappen tragen“, zu sehen. Leider, so Waibel, seien von der früher reichen Ausstattung der Kirche nur noch wenige Reste erhalten, denn mehr als 300 Jahre war Ersheim als Dorf und somit auch die Kirche aufgegeben.

Eine schöne Anekdote hatte der Stadtführer über den späteren Bundespräsidenten Theodor Heuss parat. Der war von jeher ein „Fan“ des Neckartals sowie von Hirschhorn und kam dort gerne zum Malen hin. Eines Tages war er in der Ersheimer Kapelle so in seine Arbeit vertieft, dass er am Abend dort vom Totengräber eingeschlossen wurde. Zum Glück wurden die Glocken noch mit einem Seil bedient. So konnte Heuss mittels kräftigem Läuten auf sich aufmerksam machen…

Auf dem Weg zum Schiffermast bei der Schleusenbrücke beleuchtete Hans-Jürgen Waibel die Geschichte der früheren Steinbrüche auf Hirschhorner Gemarkung. Allein sechs Stück waren es im kleinen hessischen Landzipfel links des Neckars, in Ersheim. Auch gegenüber, auf der Stadtseite, wurde Sandstein abgebaut, ebenfalls in der Langenthaler und Hainbrunner Straße. Das ging laut Waibel bis 1878 so. Dann wurde die Neckartal-Bahnstrecke gebaut und der Platz fürs Gleisbett gebraucht.

Am imposanten Schiffermast, direkt an der Schleuse gelegen und mit herrlichem Blick auf die Altstadt, ging „Ritter Friedrich“ auf die Anfänge der Neckarschifffahrt und ihre Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte ein. Start war mit der Flößerei, dann wurde ein Podest für Lasten aufs Floß gebaut, wieder danach folgten die Holzschiffe. Die Treidelschifffahrt, bei der ein Kahn von Pferden oder vier Mann neckaraufwärts gezogen wurde, war ein hartes Brot. Noch heute zeugen die alten „Treidelpfade“ links und rechts des Flusses von dieser Arbeit.

Wie auch beim Sandsteinabbau fand diese Art der Lastenbeförderung mit dem Eisenbahnbau Ende der 1870er/Anfang der 1880er Jahre ihr Ende. Sie war nicht mehr lukrativ und wurde – bis zum Bau von Stauwehr, Schleuse und Brücke 1933 – von der Kettenschifffahrt abgelöst. Im Neckar zwischen Mannheim und Heilbronn verlief zu dieser Zeit eine Kette, mittels dieser die Schiffe flussaufwärts gezogen wurden. Mit ein paar allgemeinen Worten zur Hirschhorner Stadtgeschichte entließ Ritter Friedrich seine nun wohlinformierten Untertanen.

Einblicke ins Innenleben eines Industriedenkmals: Beim „Tag des offenen Denkmals“ wurden an der Hirschhorner Schleuse zwei Wehrpfeiler geöffnet

 

„Handwerk, Technik und Industrie“, das Motto des diesjährigen Tags des offenen Denkmals, passe sehr gut zur Hirschhorner Schleusenanlage, meinte Reiner Lange. Der Vorsitzende der Altstadtfreunde ermöglichte es mit seinen Mitstreitern und in Zusammenarbeit mit der Außenstelle Eberbach des Heidelberger Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA), dass an diesem Tag zwei Wehrpfeiler besichtigt werden konnten.

Den ganzen Tag über gab es interessante Vorträge zu den Themen Geschichte des Brücken- und Schleusenbaus, Stromgewinnung in Hirschhorn und Funktionsweise der Schleuse. Außerdem zogen alte Fotos aus den Anfangs- und Entstehungstagen der Schleusenbrücke, entnommen dem Archiv von UIrich Spiegelberg, sowie Konstruktionszeichnungen die Blicke der Interessierten auf sich. Diese waren in großer Zahl zur Eröffnung gekommen.

„Die Hirschhorner Schleuse gilt deutschlandweit als anerkanntes Industriedenkmal“, erläuterte Lange. Technische Errungenschaften und Fortschritte seien nirgends so klar zu sehen wie „in unserer Denkmallandschaft“, sagte Ludwig Schmeisser. Er beleuchtete den Tag des offenen Denkmals als solchen und seine Entstehung. „Innen waren bisher nur wenige“, unterstrich er die Besonderheit der Wehrpfeiler-Öffnung für die Allgemeinheit. „Umso spannender ist es, dieses Neuland zu betreten.“

„Das Bauwerk hat sich hervorragend in die Landschaft eingefügt und ist heute nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken“, meinte Bürgermeister Rainer Sens in seiner Begrüßung. „Weit über die Stadtgrenzen hinaus“ habe die Neckarschleuse eine große Bedeutung. Um das Thema Stromerzeugung in Hirschhorn hatten sich Elmar Hoffmann und Ferdinand Zipp gekümmert. Hoffmann erläuterte in drei Vorträgen am Nachmittag, welche Bewandtnis es damit auf sich hat. Denn fürs Wasserkraftwerk wurden 1933 zwei Kaplan-Turbinen mit senkrechter Welle eingebaut. Über die Funktionsweise der Schleuse informierte ebenfalls mehrmals Uwe Müller, der Leiter des WSA-Außenbezirks Eberbach.

Für den urlaubenden Ulrich Spiegelberg trug Reiner Lange dessen umfangreiche und interessante Recherchen zur Schleusen-Geschichte vor. In Hirschhorn sei eine der wenigen Staustufen entstanden, die anstatt einer reinen Wehrbrücke eine zusätzliche Verbindungsstraße erhielten. „Damit konnte der entstehende Ersheimer Stadtteil mit der 1938 neu errichteten Schule an die Kernstadt angebunden werden.“ Gleichzeitig sei die Neckarbrücke zu einer wichtigen Verbindung in den Kleinen Odenwald mit Schönbrunn geworden.

Doch der Bau war alles andere als unumstritten. In Leserbriefen machten Bürger in den 20er Jahren ihrer Furcht Luft, dass die Romantiklandschaft Neckar durch die Staustufen und die Strommasten zerstört werde. 1925 heißt es: „Das ganze Neckartal von Wimpfen bis Heidelberg verschandelt. Neckargemünd an einem zahmen Kanal. Neckarsteinach mit Schwalbennest trocken gelegt, ein trübliches Rinnsal, scharf abgegrenzt hinter dem Dilsberg. Hirschhorn, der schönste Punkt Deutschlands, soll nicht mehr vom Neckar umsäumt liegen. Die Landschaft ist vernichtet.“

Die Gestaltung der Stauwehre übernahm 1927 der Stuttgarter Architekt Paul Bonatz, der auch den (alten) Stuttgarter Hauptbahnhof entworfen hatte. Der Neckar war laut Spiegelberg einst der „wildeste Fluss“ Deutschlands. „Stark schwankende Wasserstände, Eisgang, eine starke Strömung und Stromschnellen machten ihn unberechenbar.“

1904 beschlossen die Regierungen von Baden, Hessen und Württemberg, einen gemeinsamen Entwurf für den Ausbau des Flusses zwischen Heilbronn und Mannheim mittels Stauregelung aufzustellen. Nach Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg wurde das Projekt ab 1921 in die Realität umgesetzt. Aktuell, seit Juli, läuft ein neuerlicher Ausbau: Die Schleusenkammer soll für Großschiffe bis 135 Meter Länge ertüchtigt werden. Nach erfolgter Modernisierung der linken Schleusenkammer soll die bereits 2005/2006 sanierte rechte Kammer nach Oberwasser hin verlängert werden.

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Hochwasser kommt in der Nacht von Samstag auf Sonntag

Update: Aktuell soll der Scheitelpunkt des Hochwasser in Gundelsheim am Sonntagmittag bei etwas mehr als 5 Metern liegen. Damit dürfte es nicht so schlimm werden wie zuerst prognostiziert.

Hirschhorn/Eberbach. Hochwasser droht: Die aktuellen Vorhersagen sagen wegen Schneeschmelze und Regen für die Nacht von Samstag auf Sonntag ein Überfluten der Uferstraße in Hirschhorn und des Neckarlauers in Eberbach voraus. Nach derzeitiger Prognose der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg sollen am Pegel Gundelsheim während des Sonntags in der Spitze knapp 6 Meter erreicht werden. Sollte es tatsächlich dazu kommen, werden laut Hirschhorns Bürgermeister Rainer Sens neben der Uferstraße auch der Chateau-Landon-Platz und das Untergeschoss des Bürgerhauses sowie Anwesen entlang des Alten Wegs betroffen sein. Dazu soll es am Samstagabend starke Windböen aus Südwest mit bis zu 70 km/h geben. Für den Sonntagabend und Montag ist derzeit ein schnelles Abfließen des Wassers vorausgesagt.

Parken auf der Uferstraße und auf dem Chateau-Landon-Platz ist ab sofort verboten, so Sens in seiner Mitteilung. Ab Samstagmittag würden regelmäßig Kontrollen durchgeführt und gegebenenfalls Bußgelder verhängt. Die jeweiligen Parkplätze seien als „nicht hochwassersicher“ ausgewiesen, so dass auch ohne Ankündigung abgeschleppt werden könne. Halterfeststellungen und der Versuch der Warnung vor dem Abschleppen werden Sens zufolge nur noch dann durchgeführt, wenn dies mit verhältnismäßigen Mitteln verbunden sei. Ein Anspruch auf diesen Service bestehe ohnehin nicht.

Im Gegenzug wird laut der Mitteilung das Parken in der Fußgängerzone für Anwohner (und nur für diese) ab Samstagmittag bis Hochwasserende erlaubt. Das gelte aber nicht für Fahrzeuge, die andere gefährdeten. Insbesondere sei die Durchfahrtsbreite für Rettungsfahrzeuge von mindestens drei Metern an jeder Stelle einzuhalten. Auch hier werde ohne Vorwarnung abgeschleppt, sollte dies nötig sein. Die verbotswidrige Einfahrt in die Hauptstraße aus Richtung Norden, von der Schleusenbrücke aus, werde nicht toleriert, so der Bürgermeister weiter. Denn Brücken und Tunnel seien frei befahrbar. Ebenfalls sei die Durchfahrt aus Süden, von der Hauptstraße/Rathaus kommend, in Richtung Ersheim verboten. In die Fußgängerzone dürften nur Anwohner der Altstadt fahren, um ihre Wohnungen zu erreichen.

Wer in die Fußgängerzone fährt, „muss dies in Schrittgeschwindigkeit tun“, teilt Sens mit – auch wenn es sich um eine „erlaubte Einfahrt“ handele. Er appelliert an die die Bürger, nicht die Arbeit der städtischen Mitarbeiter und der Freiwilligen Feuerwehr zu behindern. Wer bei der Hochwasser-Bekämpfung mithelfen wolle, solle sich unbedingt bei der Einsatzleitung melden. „Ich wünsche uns allen, dass es wieder einmal nicht so schlimm kommt wie prognostiziert. Wir Hirschhorner haben schon mehr überstanden, weil wir zusammengehalten haben. So soll es auch 2015 sein“, schließt Bürgermeister Sens. (Archivbilder)

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