Straßensanierung zum Schloss verläuft wie geplant

Die Bauarbeiten zur Fahrbahnerneuerung auf der Straße zum Schloss Hirschhorn verlaufen laut Mittelung von Hessen Mobil weiter wie geplant. Die Asphaltschicht ab der Landesstraße L 3119 bis zum Besucherparkplatz wurde bereits fertiggestellt. Derzeit werden noch Arbeiten zum Einbau der Löschwasserzisterne im Bereich des Parkplatzes durchgeführt. In der letzten Woche war die Zisterne mit Wasser befüllt und der Untergrund verfestigt worden. In den kommenden Tagen wird nun die Baugrube aufgefüllt.

Die Löschwasserzisterne verfügt über ein Volumen von 100 m³ und kann damit ab sofort im Brandfall für Löscharbeiten zur Verfügung stehen. Voraussichtlich vom 9. bis 11. Dezember erfolgen dann die Asphaltarbeiten im Bereich des Parkplatzes. Bis etwa 18. Dezember schließen sich Bankett- und Restarbeiten an der Gesamtstrecke an.

Im Rahmen der Bauarbeiten erfolgt auf der Strecke eine Erneuerung und Verstärkung der Asphaltfahrbahn auf einer Gesamtlänge von rund 1,36 Kilometern sowie der Einbau einer Löschwasserzisterne über ein Volumen von 100 m³ im Bereich des Besucherparkplatzes. Der Einbau der Löschwasserzisterne erfolgte zeitweise parallel zur Fahrbahnsanierung.

Zur Sanierung der Fahrbahn wurde zunächst die Fahrbahndecke rund vier Zentimeter tief abgefräst, wurden tiefergehende Schadstellen instandgesetzt sowie Bordanlagen, Bankett und Entwässerung an die künftige Höhe angepasst. Anschließend erfolgt die Verstärkung der Straße durch den Einbau einer 14 Zentimeter starken Asphalttrag- und einer vier Zentimeter starken Asphaltdeckschicht.

Der instandgesetzte Streckenabschnitt beginnt an der Einmündung in die L 3119 (Hainbrunner Straße), verläuft von dort nach Norden, nach einer Kehre weiter nach Süden und endet am Schloss Hirschhorn. Auch die Einmündungen des die Strecke querenden Radweges muss im Zuge der Maßnahme vollgesperrt werden.

Besucher des Schlosses Hirschhorn haben während der Baumaßnahme die Möglichkeit, das Schloss über die Schlossstraße zu Fuß vom Marktplatz (Hauptstraße) aus zu erreichen. Die Wanderwege über den Schlossparkplatz zum Schloss sind weiterhin passierbar. Die Baukosten der gesamten Maßnahme belaufen sich auf rund 592.000 Euro und vom werden Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) getragen.

Foto: Michael Gärtner GmbH/Amiblu Holding GmbH

Erst 2021 geht’s auf dem Schloss wieder los

Schlossbesucher müssen sich noch eineinhalb Jahre gedulden. Nach Mitteilung des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen soll der Hotel- und Gaststättenbetrieb auf Schloss Hirschhorn erst zum Jahresbeginn 2021 wieder starten. Bis dahin soll das Areal trotz der Bauzeit für die Öffentlichkeit so weit möglich erreichbar bleiben. Deshalb steht für Ausflugsgäste auch ein Food-Truck bereit, der von der Pizzeria „Bei Peppe“ betrieben wird. Er ist von Mittwoch bis Sonntag jeweils ab 11 Uhr geöffnet.

Im Inneren von Schloss Hirschhorn haben die Arbeiter schon große Fortschritte gemacht, teilt Projektleiter Hermann Felleisen mit. Jetzt geht es auch an Dach und Fassade richtig los: In wenigen Tagen beginnen die Handwerker mit dem Aufbau des Gerüsts am Schlossgebäude. Dann wird die Dacheindeckung erneuert und die Fassade saniert. Schloss Hirschhorn gehört dem Land Hessen.

Im Inneren sind der Mitteilung zufolge die Heizungsbauarbeiten so gut wie geschafft. Auch alle weiteren Arbeiten im Gebäude sollen nach jetziger Planung voraussichtlich bis Ende dieses Jahres vorüber sein, so Felleisen. „Im Sommer sollen außerdem die Zwingermauern am Parkplatz eingerüstet werden, bevor dort ebenfalls die Handwerker mit der Sanierung beginnen“, blickt er nach vorn.

Im kommenden Jahr stehen dann noch verschiedene Sanierungsmaßnahmen an, etwa am Palas und an der Terrasse. Abschließend ist die Sanierung der Zufahrtsstraße zum Schloss geplant, lautet die Planung des Landesbetriebs. Insgesamt investiert das Land Hessen rund 2,8 Millionen Euro in das Schloss Hirschhorn. Nach jetziger Planung soll der Hotel- und Gaststättenbetrieb mit einer neuen Verpachtung ab Jahresanfang 2021 wieder anlaufen.

 

Info: In diesem Sommer finden im Rahmen der Reihe „Konzerte am Neckar“ insgesamt acht musikalische Termine im Schlosshof statt. Weitere Informationen zu den Schlosshof-Konzerten unter www.konzerte-am-neckar.net/blog. Höhepunkt ist das Schlossfest in Hirschhorn, organisiert von „Bei Peppe“, am 20. und 21. Juli, http://www.bei-peppe-hirschhorn.de

Altstadtfreunde boten zum Tag des offenen Denkmals eine Burgführung auf dem Hirschhorner Schloss an

Am diesjährigen Tag des offenen Denkmals beteiligten sich auch wieder die Freunde der Hirschhorner Altstadt, diesmal mit einer Burgführung. Bei herrlichem Sommerwetter fanden sich über 60 interessierte Teilnehmer ein, um den spannenden und unterhaltsamen Ausführungen von Richard Köhler zu folgen. Sehr erfreulich war die Tatsache, dass neben Hirschhorner Bürgern ebenso etliche Besucher aus den Nachbarstädten und von weiter her der Einladung folgten. Aber auch Feriengäste fanden sich unter den Teilnehmern.

Köhler stellte bei seinen Ausführungen die bauliche Entwicklung der Burg bis hin zu einem repräsentativen Schloss in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Stand zunächst die Wehrhaftigkeit im Vordergrund der Architektur – mit beschaulichen und spartanisch ausgestatteten Wohnbereichen -, änderte sich das im Laufe der Jahrhunderte hin zu mehr Komfort.

Besonders die mehrfache Ummauerung im hinteren Bereich machte die Burg zu einer fast nicht einnehmbaren Festung. Allerdings wurde diese in der Ritterzeit wenig gefordert. Dies war erst im Rahmen der deutschen Revolution der Jahre 1848/49 der Fall, als sich Hanauer Truppen in der Burg verschanzten und gegen die Belagerung der Bundestruppen heftig wehrten.

Aus dieser Zeit stammt auch der Wedekindstein, der an die irrtümliche Erschießung des Leutnants Wedekind erinnert. Das Besondere dabei ist, dass es sich um eine von insgesamt nur drei „Gedenkstätten“ der 1848/49er Revolution in Süddeutschland handelt. Die bekannteste ist sicherlich das Hambacher Schloss.

Nach gut einer Stunde mit sehr interessanten Informationen, die auch für „alte“ Hirschhorner viel Neues beinhalteten, bedankte sich der Vorsitzende Reiner Lange bei Köhler für die Unterstützung an diesem Tage und bei den Zuhörern für ihre Aufmerksamkeit. Dank des „Food-Trucks“ von Peppe konnten viele noch bei einem kleinen Snack und erfrischenden Getränken den Sonntag gemütlich ausklingen lassen. Auch im kommenden Jahr will der Verein am Tag des offenen Denkmals eine Veranstaltung anbieten.

 

Schloss Hirschhorn bleibt trotz Sanierung als Ausflugsziel erhalten

Das Land Hessen saniert Schloss Hirschhorn gerade rundum, damit es auch auf lange Sicht ein attraktives Tourismusziel bleibt, teilt der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen mit. Ein Ausflug lohnt sich auch während der Bauzeit: Das Areal rund um das Schloss bleibt während der Arbeiten für Besucher geöffnet. Der für die Sanierung zuständige Landesbetrieb hat im Zusammenspiel mit der Stadt Hirschhorn dafür gesorgt, dass ein ganz besonderes kulinarisches Angebot auf die Gäste wartet: ein Food-Truck in historischem Gewand, der ab dem kommenden Himmelfahrtswochenende geöffnet sein wird.

Die Bewirtung übernimmt zunächst der Hirschhorner Gastronom Giuseppe Lauria, der die Pizzeria „Bei Peppe“ in der Hauptstraße führt. „Der Food-Truck ist weit mehr als nur eine Übergangslösung während der Sanierung. Mit ihm können wir unseren Gästen während der Bauzeit ein tolles Angebot zur Stärkung und zum Verweilen machen“, erklärte Bürgermeister Oliver Berthold bei der Vorstellung des Food-Trucks. Giuseppe Lauria plant, den Truck bei gutem Wetter täglich von 10 bis 18 Uhr zu öffnen. Der mobile Verpflegungsstand beinhaltet eine komplette Küche und eignet sich für ein breites gastronomisches Angebot: Vom Schnitzel über belegte Brötchen, von kühlen Getränken bis zum heißen Kaffee aus der eingebauten Kaffeemaschine reichen die Möglichkeiten.

Drei Gebäude in Hirschhorn repräsentieren die alte „Macht und Pracht“

„Macht und Pracht“ hieß das Motto beim diesjährigen Tag des offenen Denkmals. Und von beidem gibt es in Hirschhorn mit seiner reichen Geschichte genug. Schloss, Mitteltorturm und Langbein-Museum standen im Mittelpunkt der Aktionen, zu denen der Altstadtverein eingeladen hatte. Während es auf dem Schloss eine Führung gab, war das Museum als ehemaliges großherzogliches hessisches Forstamt mit seiner „Alterthümer- und Naturaliensammlung“ von Carl Langbein ebenso geöffnet wie der Turm, in dem Exponate aus der 50-jährigen Schaffensperiode von Ludwig Schmeisser zu sehen waren.

Der Vorsitzende des Altstadtvereins, Rainer Lange, eröffnete im Langbein-Museum den Aktionstag. Für die musikalische Umrahmung sorgte Richard Köhler an der Gitarre. Es ist laut Lange „eine schöne Tradition“, dass sich der Verein jedes Jahr einbringt. Er bezeichnete es ebenso als „Herausforderung“, immer dem zentralen Motto zu entsprechen. Die Idee hinter „Macht und Pracht“ sei die Demonstration nach außen, aber auch der Schutz nach innen gewesen.

Gerade das Hirschhorner Schloss „repräsentiert das Motto sehr treffend“, meinte Lange. Im Mitteltorturm könne man eine schöpferische Reise durch das Wirken von Schmeisser im vergangenen halben Jahrhundert unternehmen – passend zum dessen 70. Geburtstag in diesem Jahr. Im und um das Museum lasse sich die Pracht des früheren Forstamts in Gebäude und Garten erahnen.

Schmeisser sah das Thema des Tages „für Hirschhorn von herausragender Bedeutung“. Er bezeichnete es als außergewöhnlich, dass der Mitteltorturm als Teil der alten Stadtmauer noch erhalten sei. Dies geschah durch den „Funktionswandel“ von einem Wehr- zum späteren Kirchturm. In dieser Form könnten sich Macht und Pracht auch verschieben, betonte er. Alte Gebäude würden so belebt und lebten weiter.

Es sei für ihre Erhaltung ein großes Engagement nötig, bei den auch Bürger und Vereine gefragt seien, so der Künstler. Denn: „Wenn sie abgerissen werden, sind sie weg.“ In Gebäuden mit großer Ausstrahlung „entdeckt man immer wieder neue Dinge“, sagte Schmeisser. Dem gewohnten Blick müsse man eine neue Erfahrung hinzufügen, betonte er.

Die Idee, den mittelalterlichen Turm als imaginäres Atelier zu gestalten, geschah laut Schmeisser „durch eine lange Beschäftigung mit der Geschichte“. Außerdem befasste er sich mit dem Aussehen und der Konstruktion „dieses faszinierenden Gebäudes“. Bilder und Objekte wurden so positioniert, dass sie einen lebendigen Dialog mit dem Raum bildeten. Die ausgestellten Arbeiten stammten aus verschiedenen Schaffensperioden.

Die zweite Vorsitzende der Langbein-Freunde, Aloisia Sauer, hob die enge Zusammenarbeit der beiden Vereine hervor. So sei es auch möglich gewesen, die frühere Pietà aus der Hauptstraße 40 mit Unterstützung der Altstadtfreunde zu erwerben und ins Museum zu holen. Der Erste Stadtrat Karlheinz Happes dankte für das Engagement der beiden Vereine. Die Stadt übernehme jedes Jahr gerne die Schirmherrschaft für die Teilnahme am Tag des offenen Denkmals.

Timo Bracht im Gespräch: Mit dem Neckarsteig wurde der Wandertourismus in der Region fit gemacht für die nächsten Jahre

Timo Bracht, 40, aus Eberbach, ist seit 1993 aktiver Triathlet. Er hat bereits verschiedentlich mit Erfolg an Iron-Man-Veranstaltungen teilgenommen, mit Siegen in Frankreich und auf Mallorca. Bracht ist Ideengeber des „Neckarsteigs“, eines 127 Kilometer langen Qualitätswanderwegs zwischen Heidelberg und Bad Wimpfen.

Herr Bracht, den Neckarsteig gibt es schon seit einigen Jahren. Welche Zwischenbilanz ziehen Sie?

Timo Bracht: Der Neckarsteig existiert in meinem Kopf schon seit ich ein Kind bin. Damals war ich mit meinem Opa Karl und den anderen Kindern in den Bergen und Tälern des Odenwaldes unterwegs. Wir durften klettern, uns verstecken, Burgprinzessinnen und Ritter spielen und haben so viele Abenteuer direkt vor der Haustüre erlebt. Als mein Opa 2006, im Alter von 102 Jahren, gestorben ist, habe ich mir gedacht, jetzt ist die Zeit gekommen, die Idee in die Tat umzusetzen. Ich hatte von Anbeginn mit dem damaligen Eberbacher Bürgermeister Bernhard Martin, dem Touristiker Tobias Soldner, dem Naturparkzentrum um Manfred Robens und der Tourismus-Gemeinschaft Odenwald Mitstreiter, die meine Idee teilten und mit der Umsetzung begonnen haben. Der Weg dorthin war, wie die Originalstrecke des Neckarsteiges, nie einfach, und weiß Gott kein Sonntagsspaziergang. Es mussten Genehmigungen von zwei Bundesländern, mehreren Landkreisen, Gemeinden und Städten eingeholt werden. Auch meine Idee, von einer touristischen Marke „Neckarsteig“ zu sprechen und diese zu entwickeln, war vielen neu. Aber ich glaube, es war und ist der einzige Weg, um den Wandertourismus fit für die nächsten Jahre zu machen. Der Erfolg gibt mir Recht.

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Was war Ihre Motivation, diesen Weg anzuregen und haben sich Ihre damaligen Ziele heute erfüllt?

Timo Bracht: Der Hauptgrund war sicherlich, die Schönheiten unserer Region mit anderen teilen zu können. Mich hat es in meiner Karriere als Profisportler auf fast alle Kontinente der Erde verschlagen, ich war an den schönsten Plätzen der Welt, sah auf fast 500.000 Kilometern mit dem Rad, zu Fuß und im Wasser so einige schöne Wege. Oft denke ich dann, dass es bei mir daheim genauso schön ist. Das Heidelberger Schloss, die Burgfeste Dilsberg, die Margarethenschlucht oder die Neckarschleife bei Hirschhorn mit einem Weg zu verbinden, der auch noch spektakulär im Gelände liegt, war das Ziel. Von der Churpfalz (Heidelberg) in die Kaiserpfalz (Bad Wimpfen).

Ich will die Menschen wieder raus bringen, in Bewegung in der Natur. Und endlich haben wir mit dem Neckarsteig eine Marke, mit der die Region auch auf dem nationalen Wandermarkt mehr als bestehen kann. Das war höchste Zeit, die Region hat das Thema Wandern jahrzehntelang stiefmütterlich behandelt. Die Leitidee hat sich mehr als bewährt. Ich nenne dies ein modulares Konzept: Man kann den Weg in kürzere Teilstecken von zehn bis 18 Kilometern einteilen, kommt immer wieder an der Neckartal-S-Bahn vorbei und hat mit dem VRN alle Möglichkeiten zurück oder weiter zu kommen. Und wenn in ein paar Jahrzehnten Kinder von meinen Kindern auf verschlungenen Pfaden unterwegs sind und ein blaues N auf weißem Grund auf einem Baumstamm oder einem Stein entdecken, dann wissen sie, dass ihr Opa die Idee dazu hatte.

Gibt es eine Lieblingsstrecke zwischen Heidelberg und Mosbach, auf der Sie besonders gerne unterwegs sind? Welches ist dort der besondere Reiz?

Timo Bracht: Der Neckarsteig über die Wiesen am Breitenstein oberhalb von Eberbach ist eines meiner Highlights. Am schönsten dort finde ich es, wenn die Esskastanien fallen. Dann komme ich nicht nur mit tollen Erlebnissen heim, sondern auch mit vollen Taschen. Mich reizt auch die Abgeschiedenheit des Weges, die Herausforderung der Streckenführung und trotzdem die Nähe zur Stadt und zum Neckartal. Ich kann also auch mal kurz den Neckarsteig direkt vor der Haustüre genießen.

Allerlei aus Hirschhorn: Karate, Rosengarten, Cello, Artverwandtes, Bach und Beethoven

Karate-Großmeister Tokio Funasako in Hirschhorn

Seinen Frühlingslehrgang hielt der IGKR-Karate-Fachverband in Hirschhorn ab. Unter der Leitung von Sihan Tokio Funasako aus Neckarmühlbach, Inhaber des 9. Dan, nutzten viele Karatekas diese Gelegenheit, um ihre sportlichen Fähigkeiten zu verbessern und auszubauen. Die drei Trainingseinheiten wurden speziell für die einzelnen Alters- und Leistungsklassen eingeteilt und entsprechend die Schulungsinhalte abgestimmt. Unterstützt wurde Funasako von Sonja Ehmendörfer (4. Dan) aus Pforzheim, welche die kleinsten Karatekämpfer in ihrer eigenen Kindereinheit unterrichtete. Gleichzeitig diente dieser Lehrgang der Sichtung neuer Dan-Anwärter. Nach dem Trainingsbetrieb hielten die Mitglieder der Prüferkommission ihre jährliche Fachtagung ab.

Tokio Funasako wurde 1944 in Kagoshima, Japan, geboren und begann im Alter von zwölf Jahren mit dem Karate-Training. In Tokio trainierte er bei Urakawa Yoshihiro Karate der Stilrichtung Goju-Ryu. Bei ihm versäumte er sechs Jahre lang nicht eine Trainingseinheit. Sein Talent und sein Trainingsfleiß führte zu außergewöhnlichen sportlichen Erfolgen. So gewann er 1964, 1965 und 1966 die Stadtmeisterschaft in Tokio. 1967 wurde er in die japanische Nationalmannschaft aufgenommen. Im Mai 1968 kam Funasako nach Deutschland und gründete mehrere Dojos, in denen er eine Vielzahl von Schülern trainierte. 1996 gründete er den IGKR-Verband für traditionelles Goju-Ryu Karate und ist seither als Stilrichtungsreferent die treibende Kraft im Vorstand.

Bis heute unterrichtet Funasako Karate, leitet große Lehrgänge und vermittelt unermüdlich die Werte des Karate Do an seine Schüler. Für seine herausragenden Leistungen um den Karatesport in Deutschland wurde Tokio Funasako im Januar dieses Jahres der 9. Dan (der zweithöchste Meistergrad überhaupt) vom Karateverband Baden-Württemberg verliehen.

Frauentreffen inmitten von Rosen

Beim Treffen der internationalen Frauengruppe herrschte eine fröhliche Atmosphäre. Frauen und Mädchen aus Albanien, gerade vor zwei Tagen als Flüchtlinge in Hirschhorn eingetroffen, gesellten sich zur bunten Runde hinzu. Die Besucherinnen wandelten durch die vielen kreativ angelegten Winkel des Gartens und ließen sich von der Rosenfachfrau Annette vieles erläutern. Die Sonne ließ die Rosen und Blumen im rechten Licht erstrahlen. Nachdem sich die Frauen unter dem riesigen Walnussbaum an dem hübsch dekorierten Tisch niedergelassen hatten, labten sie sich an den leckeren internationalen Speisen. Esma und Aysche fasteten, weil derzeit Ramadan ist. Sie erzählten, dass es ihnen aus tiefer innerer Überzeugung nicht schwerfalle, mit dem Essen bis zum Abend zu warten, wenn mit Einbruch der Nacht das Fastenbrechen beginne. Allerdings seien im Sommer die Fastentage besonders lang. In fröhlicher Runde plauderten die Gäste, tauschten Rezepte aus, erzählten über Reisepläne, sprachen über die Flüchtlingsproblematik und ließen ab und zu die Blicke schweifen über den wunderschönen Rosengarten bis hinauf zum Hirschhorner Schloss.

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Ausstellungseröffnung unter dem Titel „Artverwandt“

Die Kunstpflege Hirschhorn lädt ein zur Eröffnung einer Ausstellung unter dem Titel „Artverwandt“. Sie findet statt am Samstag, 27. Juni, um 19.30 Uhr in der „Galerie am Ganges“, Hauptstraße 22. Gezeigt werden  Arbeiten von Ghomri Wolf-Khosrowi und Udo Tschorn. Wolf-Khosrowi ist professionelle Fotografin. Sie arbeitet zum Teil bewusst mit Unschärfen oder mit Spiegelungen, um dem Betrachter seine eigene Interpretationsmöglichkeit zu lassen. Tschorn arbeitet fast immer in themenbezogenen Serien und ist durch großformatige Siebdrucke bekannt geworden – ein Verfahren, das viele Künstler der amerikanischen Pop Art nutzten. Es gibt eine kurze Einführung und musikalische Umrahmung.

„Cellissima“ zum Start der „Ausklang-Reihe“

Das erste Konzert der neuen Konzert-Reihe „Ausklang“ 2015 in Hirschhorn findet unter dem Titel „Cellissima“ am Mittwoch, 1. Juli, um 20.44 Uhr in der Klosterkirche statt. Auf dem hochkarätigen und sommerlich beschwingten Konzertprogramm der Cellistin Alexandra Netzold stehen Werke ihrer neuen CD. Berühmte Celloliteratur von Fauré, Rachmaninoff, Granados, Tschaikowsky und anderen wird zu hören sein. Weitere Infos unter www.netzold.com. Freiwillige Spenden werden für das musikalische Wirken und für die Erhaltung der Klosterkirche verwendet. Die Reihe wird im Sommer unter dem Motto „Musik und Abendimpuls“ jeweils mittwochs um 20.44 Uhr fortgesetzt. Es treten in Reihenfolge auf: Kerstin Obert, Annemarie Quiring und das Ensemble „Alle Künste“, Gudrun Habig-Kühn, die Musikschule Hirschhorn, Richard Köhler und Ulrich Spiegelberg, Alexander Link und die Jugendkantorei Rothenberg, A. Heilmann und E. Kleiner-Endlich. Am 26. August gibt es Musik aus Irland zu hören. Den Abschluss bildet am 2. September ein Konzert in der evangelischen Kirche Hirschhorn mit dem Jungen Streichquartett.

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Eröffnungskonzert der neuen Konzertreihe „Bach & Beethoven“

Die neue Konzertreihe „Bach & Beethoven“ wird am Samstag, 4. Juli, eröffnet. Gregor Arnsberg spielt ab 17 Uhr dann drei Fugen von Bach aus dem Wohltemperierten Klavier, Bd. 1 (C-Dur, c-moll und Cis-Dur), sowie die 1., 2. und 3. Sonate, op.2 von Beethoven im „Haus des Gesangs“  in der Hauptstraße 40. Mit dieser Aufführung beginnt eine umfassende Konzertreihe, in der neben allen Sonaten von Beethoven auch der ganze Schatz des „Wohltemperierten Klaviers“ zu hören sein wird. Vor dem Konzert wird ein Vortrag durch Atmani, Komponist und Begründer des „Haus des Gesangs“, in die Werke der Komponisten und ihr Wirken einführen.

Als vielseitiger Pianist wirkt Gregor Arnsberg in mehreren interessanten Musikprojekten mit. Neben seiner Konzerttätigkeit (etwa toujour Mozart Festival in Salzburg, Amerikatage an der Ruhr) arbeitete er immer wieder intensiv zusammen mit verschiedenen Komponisten wie Dafydd Llywellyn und Friedrich Scholz. Arnsberg gründete 1989 die „Forstenrieder Musiktage“ und ist Mitglied des Münchner Pianistenclubs. Ein Schwerpunkt seines Repertoires sind auch die russischen Meister wie Skrjabin, Rachmaninoff oder Mussorgskij.

Die Hirschhorner Konzertreihe gestaltet Arnsberg im Wechsel gemeinsam mit der herausragenden russischen Pianistin, Komponistin und Dirigentin Nina Aristova. Sie schloss ihr Studium am Tschaikovsky-Konservatorium Moskau mit höchster Auszeichnung ab. Am 10. Oktober wird diese außergewöhnliche Künstlerin mit der 5. Symphonie und den 32 Variationen Beethovens ein Konzert geben, auf das man sich jetzt schon freuen kann. Zu diesem besonderen und virtuosen musikalischen Ereignis und der Eröffnung der Konzertreihe am 4. Juli lädt der Verein Orphideum alle Freunde der Musik ein. Das Konzert beginnt um 17 Uhr; der Einführungsvortrag findet um 15 Uhr statt. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.

Auf dem Neckarsteig die schönsten Seiten des hessischen Neckartals kennenlernen

Der Neckarsteig, ein zertifizierter „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ auf 126,4 Kilometern zwischen Heidelberg und Bad Wimpfen, wurde von der Zeitschrift „Wandermagazin“ für die Wahl „Deutschlands schönster Wanderweg 2015“ nominiert. Eine Jury aus Wanderexperten wählte in den Kategorien Touren und Routen Wege aus und stellt sie zur Wahl. In diesem Jahr sind fünf Weitwanderwege (Kategorie Routen) nominiert, darunter auch der Neckarsteig.

Nun sind alle Neckarsteig- und Wanderfans aufgerufen, mit ihrer Stimme dem besonderen badischen und hessischen Wanderweg aufs Siegertreppchen zu verhelfen. Eine Abstimmung unter http://www.wandermagazin.de/wahlbuero ist bis zum 30. Juni möglich. Die Route, die die meisten Stimmen erhält, bekommt auf der Wandermesse „TourNatur“ am 5. September in Düsseldorf den begehrten Titel überreicht. Ebenfalls ausgezeichnet werden die Plätze 2 und 3.

Ein Teil der Neckarsteig-Strecke verläuft auch auf hessischem Gebiet über die Gemarkungen von Hirschhorn und Neckarsteinach. Wanderer kommen hierbei sowohl in den Genuss der historischen Altstädte mit ihrem mittelalterlichen Häusern als auch der Burgen und Schlösser im hessischen Neckartal. Ganz zu schweigen von den herrlichen Blicken auf den Fluss und die ihn umgebende Landschaft, die sich an diversen Stellen eröffnen.

Ideengeber für den Neckarsteig war der Triathlet und Ironman Timo Bracht aus Eberbach. Schon in seiner Kindheit streifte er durch die Wälder und Wiesen im Neckartal und Odenwald – und noch heute ist hier sein Trainingsgebiet. Bracht ist ein Sportler von Weltformat, und dies wäre nicht möglich ohne die Motivation, die er immer wieder aus seinen Ressourcen schöpfen kann. „Eine höhere Ebene meiner Leistung erreiche ich nur, wenn ich in mich hineinsehe, Dinge tue, die ich vorher nie für möglich gehalten hätte“, sagt er, „die Motivation steckt in mir, ich muss sie nur wecken.“

Auf einer Mehrtageswanderung am Neckarsteig können sich Gäste diese Botschaft zu Eigen machen und ihre inneren Potenziale erforschen: „Entdecke den Fluss, finde dich selbst …“ Gleichwohl ist der Neckarsteig keine Plattform für Leistungssportler, sondern dient dem ganz „normalen“ Wanderer zum Genießen. Auch Timo Bracht weiß: „Wohlfühlen hat viel mit der Landschaft zu tun.“

Auf der kompletten Strecke finden sich Rastplätze, Wanderermobiliar und Wanderparkplätze. Mobilität ist durch die Anbindung an die S-Bahn mit ihren zahlreichen Stationen entlang des Flusses und die Fahrgastschiffe auf dem Neckar gegeben. Somit gibt es individuelle Möglichkeiten für Mehrtageswanderungen, Tagestouren oder Spaziergänge.

Der Reichtum an landschaftlichen und kulturgeschichtlichen Attraktionen auf der gesamten Wanderstrecke ist einzigartig: Burgen, Altstädte, Flussschleifen, Wald und Wiesen, Schluchten und Felswände und vieles mehr. Somit wird ein hoher Erlebniswert für Kultur- und Naturbegeisterte geboten. Viele Highlights auch für Wanderungen mit Kindern sind vorhanden. Allerdings sollte man unbedingt an festes Schuhwerk denken, da der Steig kein Spazierweg ist.

Zwischen Hirschhorn und Neckarsteinach gibt es seit diesem Jahr eine neue Streckenführung: Aus der Altstadt Hirschhorns heraus folgt man der Markierung steil bergauf durch das Wohngebiet, bis der Neckarsteig über einen schmalen Pfad in den Wald hinein führt. Folgt man dem Forstweg weiter, hat man einen wunderschönen Blick durch den Mischwald auf das Schloss Hirschhorn, das auf dem gegenüber liegenden Hügel sanft eingebettet liegt.

Vorbei geht es am Freischärlergrab, das auf die Badische Revolution 1848/49 zurückgeht, weiter hinauf zum Roten Bild. Dieses steht an der Grenze des ehemaligen Klosters Schönau zu Hirschhorn. Es gibt zwei Sagen, die sich um das Rote Bild ranken: Eine Frau gebar als Folge eines Ehebruchs Vierlinge. Diese verbarg sie in einem Korb, um sie an den Neckar zu tragen und zu ertränken. Beim Bildstock wurde sie von einem Förster gestellt, der die Kinder rettete. Die Frau wurde hier später zu Tode geschleift. Oder: Ein ungetreuer Vormund hat sich am Roten Bild erhängt und geht heute noch dort um.

Durch herrlichen Mischwald geht die Wanderung weiter am Schaubild vorbei. Dieses diente als schützendes Heilszeichen im Wald und lag an früheren Kirchpfaden zum Kloster und Pfarrort Schönau. An verschiedenen Rastbänken kann man eine Pause einlegen, bis es zum Aussichtspunkt Goetheblick geht, der mit einem Wegzeichen angekündigt wird. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick ins Neckartal.

Folgt man dem schmalen serpentinenartigen Wanderpfad durch den Wald bergab, trifft man als letztes Highlight auf die Neckarsteinacher Hinterburg, die um 1100 erbaut wurde. 1344 war die Burg wahrscheinlich bereits verfallen, wurde jedoch wieder aufgebaut. Die Etappe endet in der historischen Altstadt von Neckarsteinach.

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Mit den Geo-Spielen digital in die Hirschhorner Stadtgeschichte eintauchen

„Eine Stadt fordert Sie heraus. Nehmen Sie die Herausforderung an? Dann mögen die Spiele beginnen“, heißt es geheimnisvoll auf dem mit Stadtbild, einem blutrünstigen Ritter und einer Detektivfigur illustrierten Flyer zu den „Geo-Spielen Hirschhorn“. Mit ihnen wagt sich die hessische Neckartalstadt auf touristisches Neuland. Denn eine solche „digitale Schnitzeljagd“ gibt es laut Initiator Rolf van den Berg in der Metropolregion bisher noch nicht.

Fünf Spiele in verschiedenen Schwierigkeitsstufen und mit unterschiedlichen Themen erwarten die Teams ab mindestens drei Teilnehmern. Wobei das Konzept eher darauf ausgerichtet ist, dass große Gruppen einige Mannschaften bilden und gegeneinander antreten. „Egal, ob drei, 20, 60 oder 350 Personen“, heißt es. Da geht’s mit Mark Twain, der 1878 bei seinem „Bummel durch Europa“ durch Hirschhorn kam, durch die Stadt. Kann man mit dem „City-Trail“ die Geheimnisse der alten Gemäuer erforschen.

An anderer Stelle wird beim „Fluch des Goldes“ das Auf und Ab des Rittergeschlechts derer von Hirschhorn lebendig. Oder ist ein „Mord im Neckartal“ aufzuklären, der 1870 den Kriminalkommissar der kurhessischen Kriminalpolizei, Arno Müller, beschäftigte. Bei schlechtem Wetter geht’s auf die Spuren von Carl Langbein in dessen Museum, das vor kurzem durch den Kreis als „regionales Kulturerbe“ ausgezeichnet wurde.

Je nach Handlungsrahmen begegnen die Spieler unterschiedlichen Persönlichkeiten und Orten, die die Geschichte der Stadt und ihre Entwicklung geprägt haben, und begeben sich so – je nach Vorliebe – auf eine faszinierende Schatzsuche oder eine packende Schnitzeljagd. Grundstück der Ausrüstung sind ein Samsung-Tablet mit LTE Funk 4G, eine Code-Tabelle für den Geheimcode, ein Klemmbrett mit Stift und Notizpapier sowie eine Sicherheitsweste für Gruppenleiter. Dann kann es losgehen. Das Team wird per GPS von Aufgabe zu Aufgabe geführt.

Mit den Geo-Spielen werden die Stadt und ihre Einwohner zur lebendigen historischen Kulisse. Hirschhorn mit seinen Gassen und Fachwerkhäusern, mit seiner Burg und der imposanten Stadtmauer wird so zum interaktiven Parcours, der die Gäste mit spannenden Aufgaben auffordert, seine Geheimnisse zu lüften. Es gilt Botschaften zu entziffern, Hinweise zu deuten, knifflige Rätsel zu lösen. Und mit Cleverness und allen Spürsinnen der richtigen Fährte folgen.

Wie kam man am Neckar auf die Idee für die Geo-Spiele? „Wir haben schöne Wachstumszahlen bei Übernachtung und Tourismus“, erläutert van den Berg, gleichzeitig Gesellschafter der Altstadt plus GmbH. Diese wiederum hat sich die touristische Weiterentwicklung Hirschhorns auf die Fahnen geschrieben. Eine Umfrage unter den Gästen habe ergeben, dass diese sich ein breiteres Angebot wünschten. Tenor: „Eine schöne Stadt, aber nach zwei Stunden haben wir uns alles angeschaut“. Ziel sei es, die Gäste länger im hessischen Neckartal zu halten.

Und auch die jüngere Generation in den Ort zu holen. Denn die, weiß van den Berg, fühle sich vom Ensembledreiklang „Fachwerk-Altstadt, Schloss und Kloster“ nur bedingt angesprochen. „So wie wir es spielen, gibt es die Sache bisher nicht“, sagt er. Mit dem interaktiven Outdoor-Spiel „wollen wir die Leute wegholen von Playstations und iPads“, betont der Ideengeber. Mit den Geo-Spielen lasse sich Hirschhorn in einer Form kennenlernen, „wie man es mit dem Stadtführer in der Hand nie erleben kann“.

„Wir wollen größere Gruppen an den Neckar holen“, ist van den Berg wichtig. Er schielt konkret auch auf solche Gäste, die den Oden- und Überwald mit seinen Attraktionen schon ein bisschen kennen. Aber eben die bekannten Touristenpunkte Solardraisine, Sommerrodelbahn oder Kletterwald bei Wald-Michelbach bereits abgeklappert haben und in der Region nach Freizeitvergnügen suchen, die noch nicht zum Standardprogramm gehören.

Viel Lob gab es von den ersten Testgängern. „Das hätte ich sonst nie in zwei Stunden über Hirschhorn herausgefunden“, lautete der Tenor. Auch der Gruppencharakter wurde betont: „Allein wäre ich nie auf die richtige Lösung gekommen.“ Ebenso wie der Aspekt des „Draußenseins“: eben die Stadt mit allen Sinnen erleben. Last but not least das gute Gefühl, mit der Teilnahme etwas ganz direkt für den Ort getan zu haben, weil die Teilnahmegebühren dem Ort zugutekommen.

Denn der Gewinn aus den Geo-Spielen fließt in die Stadt zurück: Eine historische Altstadt „ist ein Gesamtkunstwerk, das gepflegt sein will“, sagt van den Berg. Der Zahn der Zeit nage unaufhörlich an den alten Schätzen, an alten Fassaden, an Wappen, an der Stadtmauer. „Es ist unser Anliegen, dem Verfall und der Erosion entgegenzuwirken.“ Dafür engagiere sich der Verein Freunde der Altstadt Hirschhorn. Der Ertrag aus jedem Spiel werde nach Abzug der Kosten dem Verein zur Verfügung gestellt.

Der wiederum wird laut van den Berg diese Mittel in einem Sanierungsfonds sammeln und als Eigenkapitalhilfe zur Gebäudesanierung für Eigentümer von historischen Gebäuden verwenden. Früher habe man von staatlicher Seite Sanierungskapital erhalten können, „aber dieser Topf ist leer“, erläutert er. Mit dem jetzigen Grundstock von beispielsweise 10.000 Euro, zur Verfügung gestellt von den Altstadtfreunden, könnten Privatleute bei ihrer Bank das Zehnfache der Summe finanzieren.

Info: Tourist-Information Hirschhorn, Telefon 06272/1742.

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Per Helikopter geht es den Bäumen an den Kragen

Den ganzen Tag über richteten sich heute die Augen der Hirschhorner nach oben. Denn ständiges Hubschrauberbrummen beeinträchtigte die Unterhaltung auf der Straße je nach Windrichtung massiv. Die Deutsche Bahn führte per Helikoptereinsatz in Abstimmung mit Hessen Forst eine Verkehrssicherungsmaßnahme unmittelbar am Stöckbergweg durch. Zwischen Schloss und Feuerberg, unweit der Freileitungstrasse, wurden nicht mehr verkehrssichere Bäume oberhalb der Neckartallinie Heidelberg-Heilbronn beseitigt.

Einige hatten schon eine starke Neigung, berichtet Gudrun Kranhold vom Forstamt Beerfelden, bei anderen war bereits das Wurzelwerk zu sehen. „Sie drohten auf die Bahnlinie zu stürzen“, sagt sie. Bei den Fällarbeiten werde bei laufendem Bahnbetrieb mit Sicherungsankern gearbeitet. Die wiederum mussten von den Arbeitern zuerst an den Bäumen befestigt werden, damit diese nach Fällung nicht den Hang hinunter rutschten. „Wir haben an dieser Stelle ein richtigen Steilhang“, so Kranhold.

Wann allerdings der seit einigen Jahren gesperrte Stöckbergweg selbst wieder „offiziell“ begehbar sein wird, wusste sie noch nicht zu sagen. Die entsprechende Vereinbarung von Stadt Hirschhorn und Hessen Forst sei noch nicht unterzeichnet. Derzeit lägen Änderungswünsche der Stadt bei der Forstzentrale in Kassel auf dem Tisch, so der Leiter des Forstamts Beerfelden, Norbert Sasse. Es gehe vor allem um Haftungs- und Zuständigkeitsfragen, ergänze Kranhold.

Als Beispiel: Wenn sich aus dem oberen, schon Jahrzehnte nicht mehr bewirtschafteten Waldbereich ein Baum Richtung Weg neige, wer müsse sich dann darum kümmern. Wer sei in der Haftung, wer müsse bei Vorliegen einer Gefahr die Beseitigung bezahlen. Laut Kranhold wichtige Punkte, die vor einer offiziellen Eröffnung geregelt werden müssten.

Der Stöckbergweg führt als Hangweg vom Schloss aus malerisch entlang der Neckarscheife und des Feuerbergs oberhalb des Neckars bei Bedarf bis nach Igelsbach. Zwischendurch eröffnen sich herrliche Blicke ins Tal und auf die Doppelschleife des Flusses. Eigentlich ist der Weg somit ein touristisches Aushängeschild, war die vergangenen Jahre aber wegen Gefahr für die Wanderer „geschlossen“.

Von Michael Gerst, Leiter der Landesbetriebsleitung Hessen-Forst, stammt die Ende vergangenen Jahres in der Stavo wiedergegebene Auffassung, dass das Begehen des Weges gemäß neuem Waldgesetz auf eigene Gefahr wieder erlaubt werden sollte. Das Regierungspräsidium Darmstadt müsse nach der Vereinbarung zwischen Stadt und Forst die Sperrung aufheben und entsprechende Schilder „Begehen auf eigene Gefahr“ gut sichtbar aufstellen. Außerdem müssten einige Stellen entschärft werden, teilweise durch Hessen-Forst, teilweise durch die Stadt

An 48 von 52 Wochenenden kann geheiratet werden

Die Diskussion in der Februar-Stadtverordnetenversammlung über eine „gescheiterte Heirat“ am Brückentag 15. Mai hatte hohe Wellen geschlagen (wir berichteten). Die Verwaltung sah sich von der CDU massiven Angriffen ausgesetzt, dass in Hirschhorn nicht möglich sei, was in umliegenden Städten funktioniere. Neben allgemeinem Unverständnis wurde dies vor allem mit Blick auf die Außenwirkung als imageschädlich für die Neckarstadt gewertet.

Zum Hintergrund: Ein Brautpaar wollte sich in Hirschhorn am genannten Tag vermählen. An Brückentagen ist das im Standesamtsbezirk hessisches Neckartal allerdings nicht möglich, weil dies in einer Arbeitsvereinbarung mit den als Standesbeamten tätigen städtischen Angestellten so vereinbart ist – um einen Ausgleich für die Tätigkeit an Samstagen zu schaffen. Im Nachklapp hierzu nannte Bürgermeister Rainer Sens in der jetzigen Sitzung nun einige Zahlen.

Das Serviceniveau für Trauungen im Standesamtsbezirk hessisches Neckartal sei sehr hoch, betonte er. 2014 und 2015 könne man in Hirschhorn und Neckarsteinach an mindestens 43 von 52 Wochenenden heiraten. Er selbst mache an fünf weiteren Wochenenden von seinem Ermessensspielraum Gebrauch, „wenn wichtige Gründe für eine Trauung an einem dieser Wochenenden dargelegt werden“. Damit könnten sich Brautpaare an bis zu 48 von 52 Wochenenden im Jahr vermählen lassen.

Sens hatte auch Vergleichszahlen aus der Umgebung dabei: In Heidelberg könne man an 22 Samstagen im Jahr getraut werden, in Neckargemünd an 20 und in Eberbach an 15 Samstagen. 92 Hochzeiten gab es 2014 im hessischen Neckartal. Am begehrtesten waren Schloss Hirschhorn und Hoher Darsberg mit je 29 Hochzeiten, gefolgt von Rathaus Hirschhorn (15), Rathaus Neckarsteinach (10) und Mittelburg (9).

Die viel zahlreicheren Möglichkeiten im hessischen Neckartal würden „möglich durch das über die dienstrechtliche und tarifliche Pflicht weit hinausgehende Engagement der Kollegen, für das ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bedanke“, sagte der Bürgermeister. Er wertete den in der vorhergehenden Sitzung erweckten Eindruck, dass fünf Standesbeamte keinen bürgerfreundlichen Service bieten würden, als „völlig unzutreffend“.

Sens wies darauf hin, „dass wir zwar fünf Bedienstete haben, die als Standesbeamte Trauungen durchführen können, aber für das Standesamt selbst nicht einmal eine ganze Stelle zur Verfügung steht“. Es sei „sicher bedauerlich“, dass ausgerechnet am 15.5.15 eine Trauung wegen dienstlicher Abwesenheit des Bürgermeisters nicht möglich gewesen sei, meinte er. Man sei jedoch froh darüber, dass „das Paar das Glück hatte, einen der seltenen Termine in Eberbach zu erhalten“. Es sei doch schön, so der Rathauschef, „wenn sich die Angebote der Kommunen so ergänzen“.

Paare dürfen sich ab April auf dem Schiff trauen

Heiraten im hessischen Neckartal ist beliebt. Die traumhafte Kulisse von Neckar, grünen Hügeln und malerischen Schlössern zieht viele Heiratswillige von auswärts hierher. Von den 92 Trauungen im vergangenen Jahr kamen 65 Paare, also zwei Drittel, aus anderen Regionen. Ab diesem Jahr möchten die beiden hessischen Neckarstädte mit einem ganz besonderen Angebot weitere Heiratswillige in die Region holen: Es darf in Hirschhorn auf einem Neckarschiff – mit Schloss und Altstadt im Hintergrund – der Bund fürs Leben geschlossen werden.

Der Standesamtsbezirk Hessisches Neckartal entstand Anfang 2004 durch die Zusammenlegung der Standesämter Hirschhorn und Neckarsteinach. Zusätzlich zu den Trauzimmern in den beiden Rathäusern wurden Trauungen bisher auf Schloss Hirschhorn, der Mittelburg in Neckarsteinach und dem Hohen Darsberg abgehalten. Fünf städtische Angestellte haben die „Lizenz zum Trauen“. Am begehrtesten waren 2014 Schloss Hirschhorn und Hoher Darsberg mit je 29 Hochzeiten, gefolgt von Rathaus Hirschhorn (15), Rathaus Neckarsteinach (10) und Mittelburg (9).

Mit der Schiffshochzeit hat Hirschhorn ab diesem Jahr laut Bürgermeister Rainer Sens ein Alleinstellungsmerkmal. In der Metropolregion gebe es diese Möglichkeit für den schönsten Tag im Leben bisher nicht (in anderen Teilen von Deutschland natürlich schon). In Hirschhorn arbeitet man dafür mit zwei Anbietern zusammen: der Eberbacher Personenschifffahrt (EPS) von Familie Kappes und der Weißen Flotte in Heidelberg. Mit beiden gebe es gleichlautende Vereinbarungen. Während EPS eher das beschauliche, gemütliche Format in einem Größenrahmen von maximal 150 Gästen abdeckt, kann auf einem Schiff der Weißen Flotte auch eine Großhochzeit mit mehreren hundert Personen über die Bühne gehen.

Allerdings nicht in voller Fahrt: Die standesamtliche Trauung darf ausschließlich am Schiffsanleger in Hirschhorn und nicht während der Fahrt stattfinden. Grund ist das Hausrecht: Das muss dem jeweiligen Standesbeamten obliegen, was es nur am Ufer bzw. vertäut tut. Denn dort kann er es sich vom Kapitän übertragen lassen. Auf dem Fluss hätte der Kapitän das Sagen – und das widerspräche den Bestimmungen.

Wie kam man in Hirschhorn auf diese besondere Idee? Bürgermeister Sens erzählt, dass es zu Beginn seiner Amtszeit mal eine solche Anfrage gegeben habe, die sich allerdings zerschlug. Daraus habe man aber dann das entsprechende Konzept entwickelt und sei zuerst auf die Familie Kappes zugegangen. Denn ein Standesamt müsse inzwischen nicht mehr als solches gekennzeichnet sein. Eine Heirat könne auch in „Außenstellen“ stattfinden. Hintergedanke sei daneben, dass bei Bedarf und Wunsch die Hirschhorner Gastronomie zur Verpflegung im wahrsten Sinne des Wortes „mit an Bord“ geholt werden könne. Also laut Sens praktizierte lokale Wirtschaftsförderung durch Ausübung einer hoheitlichen Aufgabe. Bei der Weißen Flotte wäre das Catering schon an Bord vertreten.

Laut dem Bürgermeister gibt es kaum zeitliche Einschränkungen für den Heiratstermin: 2015 sei eine Trauung an 49 von 52 Wochenenden möglich, lediglich nicht an Ostern, Weihnachten und an einem Wochenende Mitte Mai. Während die Standesbeamten des hessischen Neckartals 2014 schon Hochzeiten an 43 Freitagnachmittagen oder Samstagen ermöglichten, stehe er, Sens, jetzt bei Anfrage an den anderen Terminen zur Verfügung. Denn im Mai 2014 hat auch der Hirschhorner Bürgermeister die entsprechende „Ausbildung“ als Standesbeamter erfolgreich absolviert. Zum Vergleich: 2014 konnten Brautpaare sich in Neckargemünd nur an 20 Samstagen, in Eberbach an 15 und in Heidelberg an 22 Samstagen im Jahr das Ja-Wort geben.

Schnellentschlossene müssen aber noch ein bisschen warten: Die Heirats-Saison auf dem Schiff beginnt erst am 3. April und dauert bis 31. Oktober. Zu den in Hessen etatmäßigen 90 Euro Gebühren für eine Rathaus-Hochzeit kommen bei „besonderer Location“ noch einmal 150 Euro Mehraufwand dazu – wie auch auf dem Schloss Hirschhorn oder in Neckarsteinach auf der Mittelburg. Allerdings müssen die Brautpaare das Schiff zusätzlich exklusiv gegen Miete chartern, denn andere Gäste außer die selbst eingeladenen dürfen sich bei der Zeremonie nicht an Bord aufhalten.

Laut Martina Kappes wurde sie in Eberbach schon öfters von Brautpaaren nach Schiffstrauungen gefragt. Bisher sei dies im Badischen nicht möglich gewesen. Sie rechnet ab dem Frühjahr  auf jeden Fall mit Interesse fürs Hirschhorner Angebot. Auf dem neuen Schiff, das gerade auf dem Weg nach Eberbach ist, gebe es einen komplett offenen Gastraum im Unterdeck. Kappes verspricht eine sehr stilvolle Einrichtung mit blauen Möbeln und Blumen. Nach der Trauung ist natürlich nicht gleich Schluss: Gerne macht die Familie Kappes ein Angebot zum Weiterfeiern an Bord.

Infos hier auf der Hirschhorner Homepage oder bei der Eberbacher Personenschifffahrt Kappes

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Wo schon Mark Twain der Eule in die Augen schaute

Hirschhorn. Wir schreiben das Jahr 1878. Eine amerikanische Reisegruppe ist per Floß flussabwärts von Heilbronn nach Heidelberg unterwegs. Mit an Bord: Samuel Longhorne Clemens, besser bekannt als Mark Twain, Schöpfer von Huck Finn und Tom Saywer. Kurz vor Hirschhorn zwingt ein heftiges Sommerunwetter das kleine Grüppchen an Land. Patschnass klingelt es eine Stunde vor Mitternacht in Hirschhorn an der Tür des Gasthauses „Zum Naturalisten“. Es öffnet griesgrämig und verschlafen der Herr des Hauses, Carl Langbein. Und schafft sich damit unbewusst ein literarisches Denkmal. Denn Mark Twain erwähnt in seinem Buch „A Tramp Abroad“, auf Deutsch „Ein Bummel durch Europa“, zum ersten Mal die Langbein’sche „Naturalien- und Althertümer-Sammlung“.

Genau die, die jetzt vom Kreis Bergstraße als „regionales Kulturerbe“ ausgezeichnet wurde. Ausgewählt wurde das Langbein-Museum im alten Forsthaus durch die Arbeitsgemeinschaft Bergsträßer Heimat- und Geschichtsvereine, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den kulturellen Reichtum der Region zu erhalten. Aus Anlass der Preisverleihung hatte das Museum nun außer der Reihe geöffnet – eine gute Idee, denn viele Besucher wollten sich selbst ein Bild der Sammlung machen.

Über 100 waren es, sogar aus Heidelberg, die auf Entdeckungsreise durch Langbeins Schatzkammer gingen. Zusätzlich steigerte der rührige Museumsverein an diesem Tag auf einen Schlag seine Mitgliederzahl um zehn Prozent. Ein schöner Erfolg für die ehrenamtlich Tätigen, die schon viele Stunden im Dienst an der Sache leisteten. Führungen durch den Vereinsvorsitzenden Ulrich Spiegelberg verschafften den Gästen einen Überblick über Langbeins unbändige Sammelwut im Laufe seines Lebens. Doch er war nicht nur Sammler und Gastwirt, sondern zeichnete, restaurierte, fertigte Museumsstücke an und präparierte Tiere.

Womit sich wieder der Bogen zu Mark Twain spannt. Denn Langbein hatte die Angewohnheit, auch die Gästezimmer mit seinen Exponaten zu bestücken, weil alle anderen Räume bereits voll waren. So musste der Schriftsteller seines mit einer großen, weißen, ausgestopften Eule teilen. Die ist auch heute noch im Museum in ihrem Glaskasten zu bewundern. Ein weiterer Mitreisender tat kam ein Auge zu, weil er sich die ganze Nacht von einer großen Katze auf dem Regal belauert fühlte.

Carl Langbein (1816-1881) sammelte alles, was ihm wertvoll, kunstvoll, besonders gearbeitet, geschichts- oder denkwürdig erschien. Bücher, alte Urkunden, Waffen, Handwerksgegenstände, Muscheln, Mineralien. Neben alten Möbeln, Gemälden oder Heiligenfiguren ist auch ein altes Damenmieder zu finden. Besonders wertvoll sind die Kunstgegenstände und die Zeugnisse zur Stadtgeschichte aus dem ehemaligen Karmeliterkloster und dem Schloss.

Der „Naturalist“, wie Langbein sich selbst nannte, trug zwar gerne alles Mögliche zusammen, aber ordnen war seine Sache nicht. So wirkte die Sammlung wie eine große „Wunderkammer“, in der es zahlreiche Dinge zu entdecken gab. Diese oder auch die damaligen „Naturalienkabinette“ waren Ideenpate für die neue Museumskonzeption.

Der heutige Besucher kann – wie einst Mark Twain durch Europa – durch die Ausstellung „bummeln“ und eigene Wege und Verknüpfungen finden. Die Geschichten dahinter vermittelt ein Audioguide. Mal kommt dort ein Museumsdirektor zu Wort, mal plaudert Langbeins Schwester und Erbin Ida aus ihrem „Nähkästchen“,  berichtet Mark Twain von seinen Abenteuern oder sind die „Hirschhornienser“ zu hören. Dazu gibt es Texte, die von Hirschhorner Kindern für Kinder gesprochen wurden.

Info: Das Langbein-Museum ist bis April unter der Woche während der Öffnungszeiten der Tourist-Info zu besichtigen, danach auch Samstag und Sonntag. Mehr auf http://www.hirschhorn.de/tourismus/

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Langbein-Museum: Der Arbeitskreis ist „restlos begeistert“

Das Langbein-Museum in der hessischen Neckarstadt darf sich nun „regionales Kulturerbe“ nennen. Die entsprechende Urkunde brachte der Kreisbeigeordnete Matthias Schimpf aus Heppenheim mit nach Hirschhorn. Er überreichte sie beim gestrigen Neujahrsempfang zusammen mit der Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Bergsträßer Heimat- und Geschichtsvereine, Heidi Adam. Vergangenes Jahr hatte die Lindenfelser Postkutsche diese damals zum ersten Mal verliehene Auszeichnung erhalten, nachdem sich Schimpf zufolge der „Arbeitskreis regionales Kulturerbe“ im Mai 2013 gegründet hatte.

Dessen Ziel sei es, einerseits eher unbekannte Kulturobjekte im Kreis Bergstraße zu bewahren, andererseits aber auch bekannter zu machen. Was an „geschichtlichen Fetzen“ in den verschiedenen Heimatmuseen schlummere, solle das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Anhand der Mitgliedernamen verdeutlichte Matthias Schimpf, dass es sich um ein Gremium „mit viel Sachverstand“ handle. Mit der Übergabe der Urkunde verband er auch seinen Dank an alle, „die sich um das Museum kümmern“.

Das geschieht in Hirschhorn vor allem ehrenamtlich durch den Museumsverein. Weswegen Schimpf besonders hervorhob, dass ohne dieses ehrenamtliche Engagement die Langbein-Sammlung „gar nicht erhalten und auf diese Weise präsentiert werden könne“. Für den Verein zeigte sich Vorsitzender Dr. Ulrich Spiegelberg mehr als erfreut über die prominente Auszeichnung, die er zusammen mit Bürgermeister Rainer Sens und dem stellvertretenden Stadtverordneten-Vorsteher Martin Hölz entgegen nahm.

„Damit nichts vom Reichtum unserer Region verloren geht“: Mit diesem Motto habe sich der Arbeitskreis regionales Kulturerbe gegründet, verdeutlichte Heidi Adam. Sie ging detailliert auf das Museum und seinen Namensgeber, Carl Langbein, ein. Vor ein paar Monaten hätten sich die Mitglieder des Arbeitskreises das Museum von Dr. Spiegelberg präsentieren lassen und waren „restlos begeistert“.

Carl Langbein (1816-81) habe sich selbst als „Naturalist“ bezeichnet. So nannte er ab 1854 auch das in diesem Jahr erworbene Gasthaus, an dessen Stelle heute Rathaus und Bürgerhaus stehen. Heidi Adam bezeichnete Langbein als „Odenwälder Weltbürger“. Denn dieser kam aufgrund seines Berufs als Kaufmann für einen Menschen seiner Tage viel herum, besuchte unter anderem die Weltausstellung 1851 in London. Langbein habe sich früh zum Ziel gesetzt, „das, was vielleicht in späterer Zeit verloren gehen könnte, zu bewahren“.

Heidi Adam zufolge war Langbein an vielen Dingen interessiert: Gemälde, Möbel, Bücher, alte Urkunden, Waffen, Handwerksgegenstände, Muscheln, Mineralien. Leidenschaftlich gern präparierte er Tiere. Davon konnte ein bekannter amerikanischer Schriftsteller ein Lied singen bzw. eine Geschichte schreiben: Mark Twain, der den Aufenthalt in Hirschhorn nach einer Neckar-Floßfahrt in seinem „Bummel durch Europa“ thematisiert. Twain konnte kaum einschlafen, weil ihn die gläsernen Augen einer großen ausgestopften weißen Eule „beobachteten“.

Ohne Langbein, ist Heidi Adam sicher, gäbe es heute in Hirschhorn nicht so viele Zeugnisse der städtischen Geschichte. „Er hat vieles aus Kloster und Schloss in Sicherheit gebracht.“ Da Carl Langbein „das Sammeln, aber nicht das Ordnen“ liebte, sah der Haushalt wohl aus „wie eine Wunderkammer“ – Untertitel der Sammlung im alten Forsthaus, wo sie seit 1985 untergebracht ist.

Dazwischen liegt laut der Arbeitskreis-Vorsitzenden eine wechselvolle Geschichte: Nach dem Tod Langbeins gingen seine Schätze an Schwester Ida über, die sie später dem Land Hessen vermachte. Das brachte sie im Rittersaal des Hirschhorner Schlosses unter. Nach dessen Umwandlung zum Hotel 1959 sei mit ihnen aber sehr lieblos umgegangen worden. Erst der Rückkauf durch die Stadt 1967, die Gründung des Museumsvereins 1981 und der Umzug ins alte Forsthaus neben dem Rathaus hauchte Langbeins Vermächtnis neues Leben ein.

Heidi Adam lobte in höchsten Tönen das neue Museumskonzept, „das ich ganz zauberhaft finde“. Jeder Raum habe sein eigenes Motto. Einzigartig sei, dass die Gäste per Audioguide virtuell von den Stimmen der Menschen durchs Museum begleitet würden, die dort vertreten sind. Übrigens: Die Lindenfelser Postkutsche fand im Nachklapp zur Auszeichnung Mitte 2014 als Motiv den Weg auf eine Sonderbriefmarke der Post. Das wäre doch auch fürs Hirschhorner Museum eine schöne weitere Ehrung?

Info: Aus Anlass der Auszeichnung hat das Langbein-Museum (Alleeweg 2, 69434 Hirschhorn) am Sonntag, 1. Februar, von 11 bis 17 Uhr außer der Reihe geöffnet. Um 14 Uhr gibt es eine Führung für Klein und Groß, um 15 Uhr eine Rätselreise im Museum, um 16 Uhr eine Führung durch Carl Langbeins Reich.

 

Zum Bild: Das Langbeinmuseum-Museum in Hirschhorn ist „regionales Kulturerbe“. Unser Bild zeigt bei Übergabe der Urkunde v.l. den stellvertretenden Stadtverordneten-Vorsteher Martin Hölz, Kreisbeigeordneten Matthias Schimpf, Bürgermeister Rainer Sens, Museumsverein-Vorsitzenden Dr. Ulrich Spiegelberg und Heidi Adam.

Kein Feuerwerk in der Altstadt und am Schloss

Hirschhorn. Silvesterfeuerwerke sind immer ein Augenschmaus. Allerdings lassen sie sich am besten dann genießen, wenn durch sie keine Gefahr für Leib und Leben ausgeht. Neben den besonders lustigen Zeitgenossen, die meinen, Feuerwerkskörper mitten in Menschenansammlungen abschießen oder dort hochgehen lassen zu müssen, gibt es eine nicht zu unterschätzende Brandgefahr gerade in historischen Altstädten. Auch Hirschhorn ist davon betroffen und hat bereits vor einiger Zeit darauf mit Verboten für bestimmte Bereich der Altstadt reagiert.

Silvesterfeuerwerke sind in der unmittelbaren Nähe von Fachwerkhäusern als besonders brandgefährdeten Gebäuden generell kraft Gesetz verboten, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Im Hinblick auf den brandgefährdeten Altstadtbereich sowie Klosterkirche und Ersheimer Kapelle hat der Magistrat deshalb eine sogenannte „Verbotsverfügung“ beschlossen. Damit sollen diese Kulturgüter geschützt werden. Verboten ist ein Feuerwerk in unmittelbarer Nähe von Fachwerkhäusern: so auf und vom Schloss Hirschhorn und im gesamten Bereich der Burganlage einschließlich Klosterkirche, innerhalb des gesamten Altstadtbereichs vom Beginn der Fußgängerzone Hauptstraße 16/19 bis zur Hauptstraße 94 einschließlich aller Seitengassen sowie auf der Uferstraße ab der Wehrbrücke bis zur Grabengasse 3. Außerdem darf im Abstand von 50 Metern rund um  Ersheimer Kapelle und Friedhofsanlage im Bereich Ersheimer Straße 10 bis 18, Lorscher Straße 1 bis 9, Starkenburger Straße 1 bis 7 und Töpferweg 3 bis 6 nicht geknallt werden. Verstöße stellen laut Stadtverwaltung eine Ordnungswidrigkeit dar. Entsprechende Kontrollen würden durchgeführt und falls nötig Verfahren eingeleitet.

Außer den Silvesterfeuerwerken am Jahreswechsel würden auch Feuerwerke bei Geburtstagen, Hochzeiten oder Jubiläen von Privatpersonen grundsätzlich und ganzjährig nicht genehmigt, so die Mitteilung. Feuerwerke durch professionelle Sachverständige, die einen Sachkundenachweis nach dem Sprengstoffgesetz und einen Auftrag von Privatpersonen haben, würden im Einzelfall geprüft und nur dann genehmigt, sofern keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu befürchten seien.

Folgende Ratschläge sollen laut Stadt beim Abbrennen von Feuerwerkskörpern beachtet werden:  Sie gehören nicht in Kinderhand; Knallkörper, Raketen und dergleichen dürfen nur im Freien verwendet werden; angezündete Feuerwerkskörper müssen sofort weggeworfen werden; Raketen dürfen nur senkrecht abgefeuert werden, für den Abschuss ist ein sicherer Standplatz (z.B. leere Flaschen oder Flaschenkisten) notwendig; es muss auf die Flugrichtung geachtet und nicht auf Dächer, Vordächer und geöffnete Fenster gezielt werden; mit Feuerwerkskörpern niemals auf Menschen zielen oder werfen; auf brennbare Gegenstände in der Umgebung achten; wenn möglich Löschmittel bereitstellen.