Hüttenwerk wird mit der Seán Treacy Band zum großen irischen Pub

Er ist der Klischee-Ire par excellence: Grünes Hemd, leicht verwuscheltes, schulterlanges Haar, vom irischen Wind zerzaust, verschmitztes Sonnyboy-Lächeln und ein charmantes, singendes Deutsch, versetzt mit englischen Brocken und ein paar weggelachten Wortdrehern: Seán Treacy hat beim irischen Abend im Hüttenwerk leichtes Spiel, das Publikum für sich einzunehmen. Aber nicht nur mit seiner Erscheinung, sondern auch mit der Musik, die er beim Wohnzimmerkonzert mit seiner Band in die gute Stube zaubert.

Gemütliche Bestuhlung, Knabbereien auf dem Tisch, Kerzenschein, Guinness und irische Whiskeys: Das Ambiente stimmt und wird so stark nachgefragt, dass mehr Besucher an die Abendkasse kommen als Plätze vorhanden sind. Kein Wunder, denn von der Premiere mit den „Damen“ dürfte sich der Erfolg herumgesprochen haben. Vorn steht keine Band, die die Lautstärke-Regler bis ultimo aufreißt, sondern die Musik kommt, zum Gutteil akustisch, angenehm ruhig abgemischt aus den Lautsprechern.

Wenn dann mit der Karlsruher Seán Treacy Band vier Musiker aufspielen, die ihr Handwerk verstehen, hinterlässt das einen nachhaltigen Eindruck. Neben dem Bandgründer sind Stefan Buchholz (Cajon), Andreas Bock (Gitarre) und Claus Bubik (Bass) mit dabei. Letzterer dürfte dabei für ein Hallo sorgen, denn er ist ein Urgestein der regionalen Musikszene, der schon mit all ihren Größen zusammengespielt hat.

Irische Balladen, nur von Treacy auf der akustischen Gitarre vorgetragen, fetzige Pub-Songs, Covers bekannter Rock- und Pop-Stücke von dortigen Bands, dazu noch ein paar eigene Stücke aus dem Fundus: Das war eine Song-Zusammenstellung, von einer bestens aufgelegten Band inklusive Pause fast drei Stunden lang auf hohem musikalischem Niveau präsentiert, das einfach nur Laune machte.

Der irische Karlsruher oder Karlsruher Ire hat genau die richtige Stimme für die verrauchten Pub-Stücke. À la Bob Dylan begleitet er sich dabei auch auf der Mundharmonika, steuert filigrane Töne von der akustischen Gitarre bei und hat zu den einzelnen Liedern immer die eine oder andere Geschichte parat. Etwa der Klassiker „Wild Rover“, aus dem „Klaus & Klaus“ vor ein paar Jahrzehnten „An der Nordseeküste“ machten. Sofort wird aus voller Kehle mitgesungen – zum Glück die englische Version.

Mit Stefan Buchholz und Claus Bubik hat der Bandchef zwei Mitspieler im Gepäck, die ihren Heidenspaß beim Auftritt haben. Ständig werden Grimassen geschnitten, wird hinter dem Rücken des „Chefs“ gefeixt und wird er ab und zu auf die Schippe genommen. Die gute Laune ist mit Händen zu greifen, die beiden sind voll drin in ihrer Musik.

Ob es nun „I don’t like Mondays“ von den Boomtown Rats ist, „Dancing in the Moonlight“ von Thin Lizzy oder U2s „I still havent’t found“: Die Band findet immer den richtigen Groove, den richtigen Ton, lässt die Stimmung bei einem ruhigen Stück wie dem „It’s a long way from Claire“ nicht zu sehr in den Keller wandern, sondern hängt gleich einen Gassenhauer wie „Galway Girl“ dran, das mit dem Film „P.S.: Ich liebe dich“ bekannt wurde.

Seán Treacys Bargespräche im Hüttenwerk-Wohnzimmer sind eine Show für sich: Die einzig wahre Liebe kann für einen Iren – klar – nur der Alkohol sein, lacht er über ein Liebeslied. Oder der Pub-Besuch, bei dem man als Fremder kommt und – zwei Tage später – als Freund geht. Die Anfahrt mit dem Quartett vom Neckartal auf der B 45 in den Odenwald muss ein Erlebnis gewesen sein. „Gammelhausen, Günterfürst“ ist Buchholz im Gedächtnis. Und Treacy natürlich „Beer“-felden, bis er bemerkt, dass nicht die englische Schreibweise gemeint ist.

„Sunday, Bloody Sunday“ und „Whiskey in the Jar“ mit einem schönen Solo von Andreas Bock leiten über zur Liebeserklärung an Schottland, „Caledonia”. Dass mit dem Herzschmerz-Song nicht Schluss sein würde, ist klar. Am liebsten hätten die Gäste noch – ganz irisch – in den nächsten Tag weitergefeiert. Das können sie aber bald, denn die Band wird demnächst zwei Mal in Beerfelden auftreten.

Info: Die Seán Treacy Band spielt beim Pferdemarkt Beerfelden am Sonntagabend, 14. Juli, ab etwa 19 Uhr bei der Oberzent-Expo. Bei der Beerfelder Musiknacht am Samstag, 26. Oktober, ist sie ebenfalls mit dabei.

Werbeanzeigen