Endlich die Angehörigen wieder sehen

Erika Fischer freut sich. Endlich kann sie ihre Nichte Silvana Schuck aus München wieder sehen. Zwar nicht von Angesicht zu Angesicht in Beerfelden, aber in einer Videoschalte. Die Möglichkeit dazu hat die Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl in Beerfelden jetzt in ihrem Kleinkunstraum eingerichtet. Denn der persönliche Kontakt mit den Angehörigen ist in Corona-Zeiten gar nicht oder nur sehr schwierig möglich.

Auf Initiative von Geschäftsführer Michael Vetter wurde das kleine Studio eingerichtet. „Wir sind sehr glücklich darüber, dass in geeigneten Räumlichkeiten eine gute Atmosphäre für die Bewohner geschaffen werden konnte“, hebt er hervor. Mit Beginn der Coronakrise gibt/gab es ein Besuchsverbot für stationäre Pflegeeinrichtungen in Hessen, um das Virus aus einer Pflegeeinrichtung fern zu halten. In Beerfelden klappte das.

Auch wenn die Videoschaltung den persönlichen Kontakt nicht ersetzen kann, bedeutet sie endlich eine Möglichkeit, nach einer wochenlangen räumlichen Trennung die Menschen wieder etwas näher zu bringen, zeigt sich Vetter sehr zufrieden. Gleich die erste Kontaktaufnahme nach draußen war ein Erfolg. Alle Beteiligten zeigten sich glücklich über den Start. Marianne Blum aus der Sozialen Betreuung ist für das Projekt zuständig und koordiniert es.

Denn bei 100 Bewohnern gibt es viel zu organisieren. Mit den Angehörigen müssen Termine vereinbart werden. Die Technik ist für sie auf Smartphone, IPad oder Laptop in wenigen Schritten einzurichten. Den Umgang mit ihr gilt es den Bewohnern vorab zu vermitteln. Die Angehörigen erscheinen auf einer großen Leinwand gut sichtbar und mit einer besonderen Tonqualität. Der Weg vom Wohnbereich in das Studio wird von der Sozialen Betreuung organisiert. Dazu wurde das Team personell aufgestockt.

Bild: Bewohnerin Erika Fischer (2.v.l.) spricht mit ihrer Nichte Silvana Schuck aus München über eine Videoschaltung. Marianne Blum (li.) ist in der Sozialen Betreuung für das Projekt zuständig. Hinten Heimleiter Michael Vetter und Pflegedienstleiterin Angela Scheil.

Eine besondere Freude für die Senioren

Der Rotary Club Erbach-Michelstadt überreichte (symbolisch) jedem der 100 Bewohner in der Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl in Beerfelden einen Blumenstrauß. Die Rotarier wollten damit den Senioren eine Freude bereiten. Dazu kamen Präsident Uwe Klauer und sein Vorgänger als Präsident sowie Foundation Beauftragter Jens Ruppert und dessen Ehefrau Christiane nach Beerfelden.

Wegen der Corona-Pandemie konnte die Übergabe nicht direkt an die Bewohner erfolgen, da für stationäre Pflegeeinrichtungen im Moment ein Betretungsverbot besteht. Deshalb erhielt Heimleiter Michael Vetter den Blumenschmuck stellvertretend zur Weitergabe. Überreicht wurden weiterhin  Briefe und selbstgebastelte Geschenke für die Senioren, von Kindern der Schule am Treppenweg in Erbach und vom Kindergarten am Campus in Michelstadt gefertigt.

Bei einem Stehempfang im Residenzgarten würdigte Präsident Uwe Klauer auch die Arbeit der Altenpflegekräfte in dieser sehr angespannten Zeit. Diesen Einsatz für die Menschen unter schwierigsten Rahmenbedingungen gelte es ganz besonders wertzuschätzen, betonte er. Vetter berichtete, dass es in der Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl keine Coronavirus-Infizierte gebe. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, sei höchste Disziplin erforderlich, vor allem von den Beschäftigten.

Vetter bedankte sich im Namen der Bewohner beim Rotary Club Erbach-Michelstadt. Er lud die Rotarier zu einem späteren Zeitpunkt in die Kleinkunstbühne der Seniorenresidenz ein, um die Anlage vorzustellen und sich daneben über die Altenpflege in Deutschland auszutauschen. Die Rotarier wollen sich zukünftig ganz konkret auch in der Förderung von Pflegekräften engagieren, so die Aussage von Klauer und Ruppert. Deshalb haben sie Interesse an einem solchen Gespräch, hoben beide hervor.

„Es war eine gelungene solidarische Aktion, die jedem Mitwirkenden Freude bereitete“, sagte Ruppert. Er weiß: Für die Bewohner der Odenwälder Alten- und Pflegeheime und des Rotary Hospizes sind die durch die Corona-Krise notwendigen Besuchsbeschränkungen sehr schmerzhaft und oft frustrierend. „Gerade an Ostern wurde diese Situation von vielen als bedrückend empfunden.“ Zur Isolation nach außen kämen eine zunehmende Absicherung durch Vollschutzkleidung und intensive Desinfektionsmaßnahmen innerhalb der Einrichtungen im Umgang mit den Bewohnern hinzu.

Die Rotarier fühlen sich nicht nur für das Rotary Hospiz in Erbach verantwortlich, sondern möchten auch einen kleinen „Mutmacher-Beitrag“ für die Bewohner der Odenwälder Pflege-und Altenheimen in diesen schwierigen Zeiten leisten, so Klauer. Spontan sagten die Grundschule am Treppenweg in Erbach mit Schulleiterin Isabelle Müller-Hofmann und der Kindergarten am Campus in Michelstadt mit seiner Leiterin Christina Schuller ihre Unterstützung trotz der Ferienzeit zu.

Über 100 Geschenke, Gebasteltes und Geschriebenes kamen so für die Bewohner des Seniorenheims zusammen. Michael Vetter und sein Mitarbeiterteam übergaben später die Geschenke der Schule und des Kindergartens sowie die von den Rotariern gespendeten Blumenbuketts an die 106 Bewohner.

Hausärztliche Gemeinschaftspraxis geplant: Beerfeldener Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl verwirklicht eigene Pläne, um die Versorgung sicherzustellen

Die Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl prescht vor. Denn in die Planungen für ein Ärztehaus in der Oberzent-Stadt kam bisher nicht so recht Bewegung. Und auch die Zwischenlösung Breimer lässt auf sich warten. Bei der Seniorenresidenz macht man nun Nägel mit Köpfen, um die ärztliche Versorgung für über 100 Bewohner auch für die Zukunft sicherzustellen. Der Bebauungsplan für eine hausärztliche Gemeinschaftspraxis ist bereits eingereicht. Geschäftsführer Michael Vetter rechnet mit einer Realisierungszeit von einem Jahr ab Genehmigung. „Wenn die Witterung mitspielt, ist alles Ende kommenden Jahres fertig“, zeigt er sich optimistisch.

Vetter stellte die aktuellen Planungen der Seniorenresidenz, die unter dem Dach der Pflegestiftung Odenwald firmiert, zusammen mit Pflegedienstleiterin Angela Scheil und Gert-Rüdiger von Neindorff von der Stabsstelle bei der Geschäftsführung vor. Auf 550 Quadratmetern ist auch noch Platz für die ambulante Pflege. Das Gebäude wird als Anbau an ein bestehendes ebenerdig errichtet. Wie Vetter deutlich machte, ist die Praxis für alle Bewohner der Oberzent gedacht und öffentlich zugänglich.

Der Geschäftsführer sagte, dass er jetzt handeln musste. Denn seit über fünf Jahren laufen bereits Gespräche über ein Ärztehaus. Damals gab es Hoffnung auf einen Baubeginn Mitte 2013, aber es geschah bis heute nichts. „Ich habe von Anfang gesagt, dass wir selbst tätig werden, wenn sich keine Entwicklung abzeichnet“, betonte er. In der vergangenen Zeit kaufte man einige Flächen rund um das bereits existierende Gebäude hinzu, um die eigenen Pläne verwirklichen zu können.

Eines will er aber ganz klar herausstellen: „Wir haben aus unseren Absichten nie einen Hehl gemacht.“ Auch jetzt informierte Vetter alle Mandatsträger der vier Oberzent-Gemeinden über die Planungen der Seniorenresidenz und ging damit bereits im Sommer in die Beerfelder Gremien. Er hebt hervor, dass es aktuell eine sehr gute Zusammenarbeit mit den bestehenden Hausarztpraxen gibt. Mit den beiden Ärzten sei das Thema ganz offen besprochen worden.

Die Verantwortung für die Bewohner des Hauses bedeutet seinen Worten zufolge, „vorausschauend zu arbeiten“. Deshalb stelle man sich die Frage: „Was ist in zehn Jahren?“ Dann würde die Lage nicht mehr rosig aussehen. Ohne eine gesicherte hausärztliche Versorgung „wäre die Weiterentwicklung des Hauses Henneböhl in Frage gestellt“, gab es für den Geschäftsführer einen klaren Handlungsauftrag. Denn schon aktuell sind nur noch drei der fünf Hausarztsitze in der Oberzent überhaupt besetzt.

Schon vor zwei Jahren, so Vetter, habe er der Stadt das Vorhaben, danach auch beim Verein Gesundheitsversorgungskooperation vorgestellt. Später sei er von einem interessierten Hausarzt angesprochen worden, der Interesse an einer Ansiedlung Anfang 2019 habe. „Ein Odenwälder, der die Oberzent gut kennt.“ Der Geschäftsführer zeigte sich aber zuversichtlich, dass es im Zuge der Realisierung weitere Interessenten geben wird.

Sehr wichtig für die Ansiedlung ist der Mietpreis. „Wir können uns gut vorstellen, einem Arzt die Existenzgründung zu erleichtern“, betont Vetter deshalb. Die gesamte Infrastruktur sei sowieso schon vorhanden. Weil das Grundstück ebenfalls der Stiftung gehört, ist der Bau „eine überschaubare Investition. Ein Team an Medizinern zusammenzustellen sieht er als Herausforderung an, „der wir uns guten Gewissens stellen können“. Ihm geht es darum, „dass wir optimale Strukturen für die Bevölkerung aufbauen“.

Die Gemeinschaftspraxis, in der vier oder fünf Mediziner (auch in Teilzeit) tätig sein könnten, ist aber nur ein Teil des Ganzen. Denn auf dem Gelände des jetzigen Residenzgartens könnten in einem Neubau 40 bis 50 weitere Pflegeplätze entstehen. „Die Nachfrage ist da“, betont Angela Scheil. Schon heute müsse man Interessenten absagen. „Die Leute wollen hierher“, weil sie sich komplett ebenerdig auf dem gesamten Gelände bewegen könnten. Außerdem gebe es einen großen Bezug zu Natur und Tieren. Auf einem weiteren Teil des Grundstücks wäre noch Platz für 20 bis 30 seniorengerechte Wohnungen. Insgesamt, rechnet Vetter, ließen sich mit diesen Maßnahmen um die 50 neue Arbeitsplätze schaffen.

Pflegestiftung Odenwald: 200 Mitarbeiter; Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl: stationäre Pflege 106 Plätze, ambulante Pflege 110 Patienten, öffentliches Restaurant und Café mit 60 Sitzplätzen, Kleinkunstbühne und Bistro mit 150 Sitzplätzen, 100 Mitarbeiter; Pflegeservice Odenwald: 40 Mitarbeiter (Marketing, Küche, Wäsche, Reinigung)

Das Projekt „Aufeinander zugehen“ von Oberzent-Schule Beerfelden und Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl findet bei Schülern und Senioren viel Anklang

Jung und Alt lernen voneinander, bauen Vorurteile ab, gehen aufeinander zu. Und genauso, „Aufeinander zugehen“, heißt auch das Projekt an der Oberzent-Schule, das diese gemeinsam mit der benachbarten Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl durchführt. Neunt- und Zehntklässler besuchen im Rahmen ihres Ethik- und Religionsunterrichts an einem Tag in der Woche die älteren Menschen und gestalten ihre Zeit zusammen. Für beide Seiten sehr fruchtbar, wie ein Besuch in den drei Gruppen zeigte.

„Es ist schön, dass auf diese Weise Leben reinkommt“, sagte Heimleiter Michael Vetter. Die Schüler seien „sehr engagiert dabei“ und könnten so von den Bewohnern die eine oder andere Geschichte über das Leben in früheren Jahrzehnten erfahren. „Manche Bewohner verpassen keine Freitagsgruppe mit den Jugendlichen“, wusste Pflegedienstleiterin Angela Scheil.

Was auch Helga Sattler unterstrich: „Es klappt ganz toll mit den Schülern“, unterstrich die Seniorin, Teilnehmerin in der Sportgruppe. „Wir freuen uns immer sehr auf ihren Besuch.“ Wenn den Älteren mal etwas keinen Spaß machen sollte, „dann werden die das schon merken“, schmunzelte sie. Denn, so stellte sie fest, „die Jugendlichen verlassen sich auf unsere Rückmeldung“.

Oftmals seien die Heranwachsenden in einem schwierigen Alter und hätten ihre eigenen Probleme, meinte Scheil. Wovon man aber in der Seniorenresidenz nichts merke: „Ich höre immer wieder von Bewohnern und Betreuungskräften, dass alle sehr freundlich und den Älteren zugewandt sind“, sagte sie. Was Helga Sattler bekräftigte: „Wir werden wie die eigenen Großeltern behandelt“, freute sie sich.

Den Besuch einer Schülergruppe – es ist der dritte im laufenden Schuljahr – „können wir uns gar nicht mehr wegdenken“, unterstrich Scheil. Der Unterricht bekommt laut Oberzent-Schulleiter Bernd Siefert „eine andere Komponente“, wenn er nicht nur theoretisch orientiert sei, sondern die Jugendlichen nach draußen gehen und mit anderen ins Gespräch kommen. Das kommt auch bei den Schülern gut an: „Wir hatten mehr Anfragen als verfügbare Plätze“, sagte Ethik-Lehrerin Juliane Rapp.

Auf Seiten der Seniorenresidenz koordiniert Michaela Maurer das Projekt. Jede Gruppe besteht aus 20 bis 24 Schülern, sagte sie, pro Schuljahr sind es drei Stück. Die anfängliche Skepsis auf beiden Seiten weicht ihrer Beobachtung nach bald einem fast innigen Verhältnis. „Wenn Ferien sind und der etatmäßige Freitag ausfällt, gibt es betrübte Nachfragen der Senioren“, berichtete sie. Denn die rechnen inzwischen fest mit dem Angebot, nachdem zu Beginn des Projekts die Vorbehalte groß waren, „ob die jungen Leute uns verstehen“.

Auf der anderen Seite seien die Jugendlichen traurig, wenn die sechs Wochen vorbei sind – und fragen, ob sie wiederkommen dürfen. „Manche haben eine emotionale Verbindung aufgebaut und wollen ihre Lieblingsomi wieder besuchen“, schmunzelte sie. Denn die frühere Großfamilie unter einem Dach gebe es nicht mehr. Die Großeltern wohnten oft weit entfernt.

Für die „Seele der alten Leutchen“ sei es ganz wichtig, dass sich Jüngere für sie interessieren, so Maurer. Ob es nun Gymnastik von Kopf bis Fuß ist, Memory-Spiele oder Berufe raten sowie Brettspiele oder Gedächtnistraining: Jung und Alt sind in die verschiedenen Aktivitäten vertieft. Das geht dann schon so weit, dass sich die Senioren den Besuch der Angehörigen an einem anderen Tag als dem Freitag wünschten, lächelte Scheil.

Die letztjährigen Berichte der Teilnehmer sorgten nach der Beobachtung von Juliane Rapp dafür, dass sich auch der diesjährige Jahrgang so stark dafür interessierte. „Die haben tolle Erfahrungen gesammelt“, berichtete sie. Von einer „lebenden und lebendigen Schule“ sprach in diesem Zusammenhang Bernd Siefert. Es gab viele positive Rückmeldungen. Umgekehrt genauso: „Ich hätte nie gedacht, dass das ein solcher Renner wird“, so Angela Scheil. Weshalb sich alle einig waren, das Projekt auch im nächsten Schuljahr fortzusetzen.

Wie kommt das Projekt „Aufeinander zugehen“ bei den Schülern an? „Wir machen jeden Freitag verschiedene Spiele“, meint Xenia. Im Umgang mit an Demenz leidenden Senioren kann sie auch Erfahrungen fürs familiäre Umfeld sammeln. Am Anfang, gesteht sie, „war es etwas schwerer, als ich es mir vorgestellt habe“. Im Laufe der verschiedenen Besuche wurde es aber einfacher.

Was auch die ebenfalls 15-jährige Mattea betont: „Man muss Geduld haben und darf nicht locker lassen“, sagt sie. Ihre anfänglichen Bedenken legten sich. „Die älteren Menschen sind nett und offen“, beobachtet sie. Sie fassten nach und nach Vertrauen und erinnerten sich auch immer wieder an Geschichten von früher. Wie rührend sich die Neuntklässler um die Senioren kümmerten, zeigten sie auch am Ende der Gruppenstunde, als sie diese mit ihren Gehhilfen und Rollatoren fürsorglich zum Fahrstuhl begleiteten.

 

Vortrag in der Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl Beerfelden: Pflegestärkungsgesetz II bringt viele Verbesserungen

Mit dem Pflegestärkungsgesetz II kommen am dem 1. Januar große Veränderungen auf Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zu. Am wichtigsten dabei ist, dass dem Punkt Alltagsbewältigung nun ein großer Stellenwert zugewiesen und die Diagnose Demenz mit in die Bewertung aufgenommen wird. Außerdem werden aus drei Pflegestufen fünf Pflegegrade. Welch hoher Informationsbedarf zu diesem Thema herrscht, wurde bei den Info-Veranstaltungen in der Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl deutlich.

Geschäftsführer Michael Vetter und Pflegedienstleiterin Angela Scheil informierten in der Kleinkunstbühne des Gebäudes über die zahlreichen, durchaus positiven Veränderungen, die sich mit dem Jahreswechsel ergeben. Dass sie mit dem Angebot einen Nerv getroffen hatten, zeigte sich an der großen Resonanz: Der Saal war mit jeweils über 120 Interessierten an zwei Tagen voll besetzt. Einmal richtete sich der Vortrag an Interessierte von außerhalb, das andere Mal an die Bewohner und ihre Angehörigen.

Eine ganz wichtige Info hatte Scheil parat: Alle, die bereits jetzt einer Pflegestufe zugeordnet sind, „müssen nichts unternehmen“. Denn die Umstufung in die ab 2017 geltenden Pflegegrade geschehe automatisch. In den nächsten Wochen komme Post von der Krankenkasse. Es gebe keinen erneuten Besuch des Medizinischen Dienstes (MDK), um eine Neueinstufung vorzunehmen.

Sie machte auf Nachfrage aber auch deutlich, dass eine Änderung der Pflegestufe bis zum Jahresende nur noch in ganz gravierenden Fällen vorgenommen werde. Denn die Kassen nehmen die Neueinstufung nach eigenen Angaben sehr großzügig vor. In den kommenden zwei Monaten gelte eine Art Übergangszeit, sodass sie nicht im Detail zu sagen wusste, ob bei einem Antrag in der kommenden Zeit noch die alten oder schon die neuen Regelungen angewendet werden.

Vetter hob hervor, dass „kein Land der Welt“ ein solch umfassendes Pflegeangebot biete wie Deutschland. Die Gesetzesänderung sei in die Wege geleitet worden, weil die Demenz in der seit 1995 geltenden Pflegeversicherung „nicht ausreichend berücksichtigt wurde“. Die Kluft zwischen der Grundpflege und der für dieses Krankheitsbild notwendigen Versorgung habe „zu heftigen Diskussionen geführt“. Kosmetische Veränderungen hätten nicht wirklich etwas verändert.

Um die bisherige Vorgabe „ambulante vor stationäre Pflege“ zu verwirklichen, hätten die entsprechenden Anreize gefehlt.  Jetzt jedoch, so Vetter, werden „massiv Entgelte erhöht“, damit die Menschen so lange wie möglich zuhause bleiben und dort gepflegt werden könnten. Das sei „ein großer Durchbruch“, wertete der Geschäftsführer die Gesetzesänderungen als Schritt nach vorn.

„Die Menschen werden nun ganzheitlich betrachtet“, erläuterte er. Statt bisher von benötigten Minuten zur Betreuung und erbrachten Pflegeleistungen auszugehen, gebe es nun eine Konzentration „auf die vorhandenen Fähigkeiten des Pflegebedürftigen“. Was auch Scheil unterstrich: „Der Mensch mit seiner Selbstständigkeit und seinen Ressourcen steht im Mittelpunkt.“

Die Begutachtung durch den medizinischen Dienst erfolgt nach den Worten der Pflegedienstleiterin im kommenden Jahr nach einem neuen Schema. Davon betroffen seien aber nur diejenigen, die erstmals Besuch vom medizinischen Dienst erhielten, alle anderen würden umgestuft. In Zukunft werde nach sechs Modulen begutachtet, jeweils mit internem Punktesystem und unterschiedlicher prozentualer Wertung.

Größtes Gewicht dabei hat die Fähigkeit zur Selbstversorgung, die der jetzigen Grundpflege entspricht. Sie wird mit 40 Prozent eingerechnet. Die Behandlungspflege, die Scheil zufolge „bisher keine Rolle spielte“, wird nun mit 20 Prozent gewichtet. Mobilität, kognitive-kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und Gestaltung des Alltagslebens sind weitere Kriterien. Gerade Letzteres „spielte bisher keine Rolle“, hob sie die Verbesserung hervor. Die Pflegedienstleiterin illustrierte die verschiedenen Module zum besseren Verstehen mit diversen Beispielen. Die „eingeschränkte Alltagskompetenz“ finde nun ihre Berücksichtigung in allen sechs Modulen.

Hilfsmittel, die bisher über den Arzt verschrieben werden mussten, werden nun automatisch verordnete, betonte Scheil. Wenn der medizinische Dienst bei einem Besuch erkenne, dass ein Mensch etwa mit Rollator oder einem speziellen Bett selbständiger sein könnte, dann werde es im Bericht vermerkt. Die Krankenkasse veranlasse dann die Lieferung von sich aus.

„Es kommt kein Gutachter“, meinte die Pflegedienstleiterin zur Umgruppierung. Grundsätzlich gelte: Von jeder Pflegestufe geht es einen Schritt nach oben in den nächsthöheren Pflegegrad, also beispielsweise 2 auf 3. Habe jemand zusätzlich eingeschränkte Alltagskompetenzen, dann werde er zwei Schritte höher eingestuft, also 2 auf 4. „Wer jetzt in einer Pflegestufe ist, für den herrscht Bestandsschutz“, betonte sie.

Der MDK „wird noch viele Erfahrungen sammeln müssen“, meinte Vetter ergänzend.  Begutachtungen würden in Zukunft viel mehr Zeit in Anspruch nehmen. „Es werden mehr Menschen die Möglichkeit haben, Pflegeleistungen zu beziehen“, verdeutlichte er. „Die Leistung wird eindeutig aufgewertet.“

Die ganze Familie wurde beim Oktoberfest der Beerfelder Seniorenresidenz prächtig unterhalten

Besser hätte das Oktoberfest im Seniorenzentrum Hedwig Henneböhl nicht laufen können: Bei herrlichem Wetter, das eher an Sommer denn an Ende September erinnerte, saßen die Gäste dicht gedrängt auf den Sitzgelegenheiten im weitläufigen Außenbereich. Das Programm hielt jede Menge Animation für Jung und Alt bereit. Die Gammelsbacher Blaskapelle machte zum Frühschoppen den Anfang und unterhielt die Gäste mit ihrem volkstümlichen Weisen über die Mittagszeit bestens.

Geschäftsführer Michael Vetter freute sich über den steten Betrieb den ganzen Tag über. „Bestimmt sind das wieder über 1000 Besucher“, meinte er mit Blick in die Menge. So viele zählte man im vergangenen Jahr auch, als Kinderstar Volker Rosin zu Gast war. Diesmal unterhielt Daniel Kallauch auf der Bühne seine begeisterten Fans und animierte sie ein ums andere Mal zum Mitmachen. Doch nicht nur für die Animation waren die Gäste aus dem ganzen Odenwaldkreis gekommen, sondern auch um sich die Seniorenresidenz anzuschauen.

Für Vetter erfüllt sich damit bestens der Anspruch des Hauses, es für die ganze Familie mit Kindern und Enkeln zu öffnen. Derzeit sei man mit 99 Bewohnern voll belegt „und wir haben eine Riesennachfrage“. Was für ihn heißt, „dass wir in der Region angekommen sind“. Die Residenz wird seinen Worten zufolge „als Ort der Begegnung angesehen“. Denn es sei eher ungewöhnlich, dass ein Pflegeheim für eine Veranstaltung besucht werde. Der große Erfolg lässt ihn schon jetzt in die Planung des kommenden Jahres angehen – wieder mit einem besonderen Gast, verspricht er.

Brezn, Weißwurst, Original-Oktoberfestbier, bayrischer Apfel- und Zwiebelkuchen oder Schwarzwälder-Kirsch-Torte: Von den entsprechenden Spezialitäten fehlte nichts. Die bedienenden Henneböhl-Mitarbeiter in Krachlederner oder Dirndl taten ein Übriges, dass zusammen mit einem weiß-blauen Himmel das Flair absolut stimmte.

Strohballenburg, Torwandschießen, Bastelecke und Kinderschminken hielten die Kleinen die ganze Zeit auf Achse. Und natürlich Daniel Kallauch, der mit seinen eingängigen Kindersongs und seiner Puppe Willibald eine begeisterte Fanschar hatte. Mit Mundharmonika, Gitarre und kindgerechten Texten brachte er auch die eine oder andere Botschaft rüber („Jeder Mensch ist einzigartig“).

In Kallauchs Programm „Ganz schön stark“ sind jede Menge Spaß und Unterhaltung garantiert. Der gebürtige Bremer, dessen Markenzeichen rote Schuhe und rote Brille sind, will Lebensfreude vermitteln. Unterstützt wird er dabei von Wolfgang Zerbin am Keyboard und eben Spaßvogel Willibald, der das ausspricht, was andere nur denken. Kallauch, auch aus dem Kinderkanal bekannt, absolvierte bereits über 2500 Bühnenauftritte.

Bei der Begrüßung mit Angela Scheil, Leiterin der Stationären Pflege, und Annegret Hoffmann von der Frühberatungsstelle des Odenwaldkreises gab Vetter seiner Freude über den sehr guten Besuch Ausdruck. Hoffmann stellte die Frühförderstelle vor und wies auf diese als Veranstalter der Kindershow mit Kallauch hin. Daneben zeigten die „Power Kids“ aus Hiltersklingen bei einem Tanz ihr Können. Lange saßen die Gäste noch in der Sonne zusammen und genossen die Gastfreundschaft des Teams aus der Seniorenresidenz.

 

Schule früher und heute: Neunt- und Zehntklässler der Oberzent-Schule begleiten sechs Wochen lang Bewohner der Seniorenresidenz „Hedwig Henneböhl“

Geht es um den früheren und jetzigen Schulalltag, finden Jung und Alt schnell zueinander. „Ihr habt heute ganz andere Freiheiten als wir“, meint eine Bewohnerin der Seniorenresidenz „Hedwig Henneböhl“ zu den Neunt- und Zehntklässlern der Oberzent-Schule. Um aber hinterher zu schieben: „Ihr müsst aber auch viel mehr lernen als wir.“ Rechnen, Lesen, Schreiben – „und Abschreiben“ seien früher ihre Fächer gewesen, sagt die Seniorin schmunzelnd.

Und prompt ist das Eis gebrochen zwischen den 14- und 15-Jährigen und der (Ur-)Großeltern-Generation, die sich an diesem Morgen zum gemeinsamen Basteln versammelt hat. Es ist schon die zweite Schüler-Gruppe aus der gegenüber liegenden Oberzent-Schule, die jetzt sechs Wochen lang während des Religionsunterrichts diverse Aktivitäten mit den älteren Menschen durchführt. Die erste Resonanz war auf beiden Seiten sehr groß, weiß Lehrerin Gabriele Maurer, von der auch die Initiative ausging.

Nicht nur, dass in der Schule für das Projekt „Aufeinander zugehen“ gleich drei Gruppen gebildet werden mussten – die Senioren möchten ihre jugendlichen Begleiter nach der gemeinsamen Zeit nicht mehr missen. „Die älteren Menschen freuen sich riesig, wenn die jungen Leute da sind“, betonen Pflegedienstleiterin Angela Scheil und ihre Stellvertreterin Beate Busch-Flemming. Was die Angesprochenen unisono bestätigen. Auf die Frage „Hat es euch Spaß gemacht“ schallt ein vielstimmiges „Ja“ zurück.

Das geht sogar so weit, erzählt Scheil, dass die Senioren auf die Schüler etwa beim Englisch-Unterricht nicht mehr verzichten möchten. Sie berichtet ein einem älteren Bewohner, der morgens extra deswegen in den Betreuungsraum kam. Als er hörte, dass die erste Schülergruppe nach sechs Wochen Projekt nicht mehr dabei sei, habe er auf wieder kehrt gemacht, berichtet sie.

Und wie empfanden die Schüler die Zeit ab November? „Ich bin da eher schüchtern rangegangen“, sagt Isabell. Es sei schön zu sehen gewesen, „wie die Älteren mitmachen“. Dadurch entstand laut ihrer Beobachtung „immer mehr Vertrauen“. Die Schüler hätten sich mit den Senioren gut unterhalten können, beobachtete Beate Busch-Flemming. Johanna ergänzte, dass der von den Jugendlichen erarbeitete Englischkurs gut besucht wurde. Auch das gemeinsame Puzzeln funktionierte bestens.

„Je offener wir waren, desto mehr kam auch zurück“, meinte Max. „Wir können viel voneinander lernen, wenn wir respektvoll miteinander umgehen.“ Ein respektvolles Miteinander schaffe gegenseitiges Vertrauen. „So unterschiedlich sind die Generationen eigentlich gar nicht“, nahm er aus dem Projekt mit. Im täglichen Leben gingen die Jugendlichen nach dieser Erfahrung ganz anders mit älteren Menschen um.

„Die Senioren gaben den Schülern sehr gute Noten“, lächelte Angela Scheil. Etwa als diese mit ihnen Lieder einstudierten und sich darunter auch mal ein modernes Stück befand. Ihr fiel der „gefühlvolle Umgang“ der Jugendlichen mit demenziell Erkrankten auf. „Wir haben viele Erfahrungen gesammelt“, betonten die drei Schüler, „es hat viel Spaß gemacht“.

Laut reden, deutlich sprechen, öfter hingehen, zuhören, mit Freude dabei und motiviert sein oder Mut haben, auf Menschen zuzugehen: Die abgefragten Erlebnisse der Neunt- und Zehntklässler sind fast durchgehend positiv. Wenn auch die anfängliche Unsicherheit betont wurde, so klappte es nach und nach immer besser. „Ich habe tolle Erfahrungen gesammelt“, so eine Jugendliche stellvertretend.

Diesen Entwicklungsprozess stellte auch Schulleiterin Bernhild Hofherr fest. Aus anfänglicher Scheu und einer gewissen Distanz sei schnell ein Vertrauensverhältnis entstanden. „Aus pädagogischer Sicht ist das Projekt eine ganz sehr wichtige Sache“, betonte sie. Darüber hinaus äußerte sie ihre Freude, „dass es Bestand hat und keine Eintagsfliege ist“. Auch nachfolgende Jahrgänge hätten die Chance „auf den Kontakt zwischen den Generationen“.

Der Schülerbesuch habe die Seniorenresidenz „sehr lebendig gemacht“, beobachtete „Hedwig Henneböhl“-Geschäftsführer Michael Vetter. Er passe zur eigenen Haus-Philosophie, wonach die älteren Menschen als ein Teil der Gesellschaft betrachtet würden. „Sie nehmen nach wie vor aktiv am Leben teil.“ Dazu gehöre, dass sich das Wohn- und Pflegeheim mit Veranstaltungen zur Stadt hin öffne. „Angehörige, Kinder, Enkel sollen gerne und oft zu Besuch kommen“, wünschte er sich.

„Die Senioren sehnen sich nach einer Fortsetzung“, betonten nicht nur Vetter, sondern auch Scheil und Busch-Flemming. „Wohlfühlen ist auch ein Credo der Oberzent-Schule“, sagte Hofherr. Gemeinsames Kegeln, Malen, Singen, Puzzeln gehe nun mit einer anderen Gruppe weiter. Und damit sicher ein Lernen abseits des Unterrichts. Etwa, dass „alle Menschen gleich viel wert sind“, dass auch Ältere mit Einschränkungen „Freude und Spaß am Leben haben“. Oder der Spaß am Lernen des älteren Gegenübers. „Mit einem komischen Gefühl habe ich angefangen und mit einem guten aufgehört“, so das Fazit nicht nur eines Jugendlichen.