Beim nächsten Spiel werden die Karten wieder neu gemischt

„Die Quacksalber von Quedlinburg“ heißt das im vergangenen Jahr ausgezeichnete Strategiespiel, das die grauen Zellen am einen Tisch glühen lässt. Nebenan wird ganz konzentriert gewürfelt, damit bei „Mensch ärgere dich nicht“ die richtige Zahl herausspringt. Am dritten Tisch wiederum liegt die Präferenz auf den Kartenspielen. Erst ist es das gute alte Rommé, dann folgt mit „Just One“ eine modernere, diffizilere Ausgabe. Dazu ist der Schrank ist Kellerraum des evangelischen Gemeindehauses prall gefüllt mit einer Vielzahl von Spiel-Varianten, die keine Wünsche offen lassen.

Ob‘s die Karten-Klassiker sind, die bereits von den Großeltern „gekloppt“ wurden, oder die aktuellen Gesellschaftsspiele, bei denen viel Gehirnschmalz eingesetzt werden muss: Auch im Smartphone-Zeitalter hat diese Form der Freizeitbeschäftigung zusammen mit Gleichgesinnten nichts von ihrer Faszination verloren. Das zeigt jeden ersten Freitag im Monat der Spieleabend im evangelischen Gemeindehaus.

Die Idee dazu hatte Stadtjugendpfleger René Tunn, der seit jeher an Gesellschaftsspielen interessiert war. Gesagt, getan: „Zu Beginn testeten wir verschiedene Spiele während des offenen Donnerstags-Treffs“, erinnert sich Tunn. Die Jugendlichen waren von diesen so begeistert, „dass wir uns dazu entschieden, einen monatlich stattfindenden Spieltreff für Jung und Alt in den Wintermonaten zu initiieren“.

„Mindestens zehn Spielinteressierte zwischen elf und 76 Jahren sind pro Veranstaltung da“, freut sich Tunn über die große Resonanz. Außerdem sind noch vier Spieleerklärer dabei, die den Teilnehmern zum einen bei den Grundzügen helfen, zum anderen auch bei Fragen zwischendurch als Ansprechpartner fungieren. Die Veranstaltung bis dato an die 80 Besucher. „Manche kommen einmal pro Spielesaison und andere sind regelmäßig dabei“, hat er festgestellt.

Warum Spielen? „Das eröffnet Lernfelder“, weiß Tunn. Man lernt mit Niederlagen umzugehen und mit anderen Menschen zu kooperieren. „Das Gewinnen sorgt für schöne Erlebnisse“, hat er festgestellt. Eine wichtige Erfahrung ist laut Tunn aber auch, „dass das Verlieren zum Leben dazugehört und schon im nächsten Spiel die Karten neu gemischt werden“. Werte wie Fairness, Respekt, Toleranz und Gleichheit sind genauso wichtig wie Offenheit und der gemeinsame Dialog – egal ob es sich um kooperative Spiele handelt oder man im Wettstreit gegeneinander antritt.

Gesellschaftliche Ereignisse führten Ende 2018 dazu, dass sich eine Gruppe von Spielebloggern zusammentat, um die Wichtigkeit dieser Werte hervorzuheben, erläutert der Stadtjugendpfleger. Innerhalb kürzester Zeit schlossen sich hunderte Spielblogger der Aktion „Spielend für Toleranz“ an. Die Jury des „Spiels des Jahres“ unterstützte sie ebenfalls. „Aktuell steht unser Spieltreff genau unter diesem Motto“, so Tunn. Die Spiel-des-Jahres-Jury sponserte im Dezember den Treff mit einem großzügigen Spielpaket, erzählt er.

Gespielt werden an den Freitagen aktuelle Karten-, Würfel- und Brettspiele wie etwa Looping Louie, Geistesblitz, Klask oder Speed Cups sowie Klassiker wie Dame, Mensch ärgere dich nicht und Rommé. Ob ein kurzes Würfel- oder ein Legespiel oder verschiedene Fungames: „Für jeden ist etwas dabei“, versichert Tunn. Der Einzelne kann aus sich rausgehen, aber auch das Erlebnis in der Gruppe genießen.

Spieleerklärer Tim Koch, ein Mitinitiator des Spieltreffs, ist Jurymitglied beim „Spiel des Jahres“. Durch ihn kommen die Teilnehmer – neben seinem unschätzbaren Wissen auf dem Spielebereich – in den Genuss, jedes Mal Neues ausprobieren zu können, ohne diese Spiele gleich kaufen zu müssen. Er hat beobachtet, dass sich die Spiewle immer weiterentwickeln. „Die sind heute Lichtjahre vom früheren Mensch ärgere dich nicht entfernt.“  Das bei dem Treff am meisten gehörte Geräusch „ist übrigens das Lachen der verschiedenen Teilnehmer“, hat René Tunn beobachtet.

Info: Der nächste Spieleabend findet am Freitag, 5. April, von 18 bis 22 Uhr im Keller des evangelischen Gemeindehauses statt. Mehr Infos bei Stadtjugendpfleger René Tunn unter 06068/7590985.

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