Neuer Stadtpolizist in Oberzent: Tempo 70 soll die Motorradraser ausbremsen

„Hier lässt sich etwas aufbauen“, ist Nabil El Kadi voll des Lobes über seine neue Tätigkeit als Stadtpolizist in Oberzent. Der 28-Jährige ist seit Jahresbeginn im Ordnungsamt tätig. Die überall zu spürende Aufbruchstimmung und die flachen Hierarchien in einer kleinen Verwaltung sind für ihn das Besondere – auch im Vergleich zu seiner letzten Arbeitsstelle in Maintal. „Da waren wir 15 Leute, wo in Beerfelden zwei tätig sind“, erzählt er. Das Aufgabenspektrum ist riesig – genauso wie die Überraschung, dass nach längerer „rechtsfreier Zeit“ Falschparker plötzlich wieder aufgeschrieben werden.

Die Verkehrsüberwachung erstreckt sich aber nicht nur auf parkende Autos. Wenn der Oberzent-Haushalt durch ist, soll auch ein mobiler Blitzer angeschafft werden. Ein solches Gerät kostet um die 45.000 Euro. El Kadi betont vor dem Hintergrund dieser Summe jedoch, dass die Bürger nicht über den Umweg der Bußgelder den städtischen Haushalt sanieren sollen. Es geht um die Sicherheit im Straßenverkehr. „Damit soll kein Gewinn gemacht werden.“

Die beiden stationären Blitzer in Hetzbach und Gammelsbach werden im Frühjahr reaktiviert, erläutert der Stadtpolizist. Dann wird dort die Asphaltdecke erneuert und kommen die notwendigen Drucksensoren rein, sodass sie wieder scharf geschaltet sind. Wobei El Kadi aber durchblicken lässt, dass er die mobilen Kontrollgeräte für zielführender hält. Denn oft wird vor dem Blitzer abgebremst und danach wieder beschleunigt.

Als Straßenverkehrsbehörde ist der 28-Jährige auch für den Status des Verbindungswegs von Reußenkreuz nach Bullau zuständig, der aktuell in der Diskussion steht. „Wir wollen keine Autofahrer mit berechtigtem Interesse ausschließen“, betont er. Deshalb sind Anliegergenehmigungen auch kostenlos erhältlich. Es geht ihm darum, den überörtlichen Verkehr von diesem Waldweg zu verbannen, weswegen er für die Allgemeinheit gesperrt wurde.

Auf der Motorradraser-Strecke zwischen Beerfelden und Hirschhorn über Rothenberg und Kortelshütte hat die neue Stadt nun bessere Karten als früher. Denn aufgrund der größeren Bevölkerungszahl bekam sie die entsprechenden, zuvor beim Odenwaldkreis liegenden Befugnisse zur Baustellen- und Tempoanordnung übertragen. Die will El Kadi nutzen und versuchen, dort eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 anzuordnen. Er weiß aber, dass dies nicht einfach wird, denn „es ist schwer, außerhalb geschlossener Ortschaften eine Ausnahme von Tempo 100 zu begründen“.

Deshalb ist, so makaber es auch klingt, die Zahl der Unfälle auf der L 3410 maßgebend, um vielleicht ein Tempolimit durchzusetzen. „Wir haben eine Aufstellung gemacht“, so der Stadtpolizist. In Absprache mit dem Odenwaldkreis, der Polizei und Hessen-Mobil verschafft er sich derzeit einen Überblick, „weil es früher bestimmte Dinge einfach nicht gab“ – auch hier bedingt durch die kleinere Stadt.

Der neue Mann im Ordnungsamt ist weiterhin auch zuständig, wenn es Beschwerden darüber gibt, dass Tiere nicht ordnungsgemäß gehalten werden. In dem Fall arbeitet er mit dem Veterinäramt zusammen und versucht eine Klärung zu erreichen. El Kadi muss darüber hinaus tätig werden, wenn der Besitzer eines sogenannten „Kampfhundes“ die höhere Hundesteuer nicht zahlt. Letzte Konsequenz wäre dann der Entzug der Halterlaubnis. „Wir versuchen es immer erst im Guten“, betont er jedoch. „Denn das Tier hat nichts davon, wenn es danach im Tierheim sitzt.“

In den ersten zehn Wochen im neuen Job „habe ich überwiegend positive Erfahrungen gemacht“, blickt El Kadi zurück. Natürlich gab es auch einige Anrufe, „dass die Leute nicht mit kostenpflichtigen Verwarnungen einverstanden waren“, meint er. Der Stadtpolizist macht jedoch klar: „Wer falsch parkt, weiß es oftmals, dass er es macht.“ Außerdem, betont er, „hat noch kein Bürger 15 Strafzettel erhalten“. Diese kolportierte Zahl sei falsch. Im Januar stellte er 60 Knöllchen aus, im Februar 70. „Das hatte ich in Frankfurt an einem Tag“, ist für ihn diese Zahl „nicht die Welt“.

Info: Nabil El Kadi, 28, ist in Erbach aufgewachsen, arbeitete zuletzt im Landkreis Darmstadt-Dieburg, bei der Frankfurter Verkehrsüberwachung und der Ordnungspolizei in Maintal. Für Anregungen und Fragen der Bürger ist er unter E-Mail ordnungsamt@stadt-oberzent.de zu erreichen.

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Drei rauschten mit über 100 durch Airlenbach

Die Einwohner hatten es schon immer vermutet, jetzt haben sie es Schwarz auf Weiß. Im Stadtteil wird gerast, was das Gaspedal hergibt. Im Rahmen einer „versteckten“ Geschwindigkeitsmessung, die allerdings die Fahrzeughalter nicht erfasste (und damit keine direkten Konsequenzen für diese hat), stellte Stadtpolizist Nabil el Kadi fest, dass 35 Prozent aller fahrbaren Untersätze im Ort zu schnell unterwegs waren. „Für die Stadtpolizei ist hier in der Zukunft ganz klar ein Handlungsbedarf“, betonte er. Mit weiteren Messungen in Form von mobilen Blitzern „ist zu rechnen“, sagte der Mann aus dem Oberzent-Ordnungsamt.

In den zwei Wochen, in den das Geschwindigkeitszählgerät in Airlenbach hing, befuhren täglich im Schnitt 1200 Fahrzeuge Airlenbach, erläuterte El Kadi. „Das macht im Jahr fast eine halbe Millionen Fahrzeugbewegungen.“ In der Ortsdurchfahrt der L 3120 gelten 50 km/h. Würde hier eine Geschwindigkeitsmessung stattfinden, müssten unter Einbeziehung der Toleranz acht Prozent der Fahrerzeuglenker eine Geldbuße zahlen und „einige sogar Ihren Führerschein abgeben“, ergab seine Auswertung.

Spitzenreiter waren drei Autofahrer, die mit 113, 109 und 102 Stundenkilometern durch den Ort bretterten. Zwei davon abends kurz vor 21 Uhr, einer nach Mitternacht. „Wer meint, dass das wieder Motorradfahrer waren, der täuscht sich“, sagte der Stadtpolizist. Bei allen drei handelte es sich um Pkw. Er wird das Messgerät nun an einer anderen Stelle anbringen, die El Kadi natürlich nicht preisgeben will, wie er schmunzelnd meinte.

Das eingesetzte Gerät kostete um die 2000 Euro, erläuterte er. „Eine sehr gute Investition“, wie El Kadi betonte. Denn die beiden kleinen weißen Kästen werden einfach an einer Verkehrszeichen-Stange befestigt und sind für Durchfahrende so gut wie nicht zu erkennen. „So bekomme ich verlässliche Daten, wie schnell wirklich gefahren wird“, hob er hervor. Es lassen sich klare Aussagen treffen. Denn Blitzer werden viel stärker wahrgenommen, wodurch dann doch etliche langsamer fahren als zuvor.

Laut dem Stadtpolizisten kann das Gerät neben der Geschwindigkeit auch die Art des Fahrzeugs erkennen, da es dessen Länge feststellt. Er sieht den Einsatz „als eine besondere Art der Präventivarbeit“. Denn bedingt durch die große Ausdehnung der Stadt Oberzent und ihm als einzigen dafür zuständigen Mitarbeiter „kann ich nicht überall sein“. Deshalb ist es für El Kadi eine große Hilfe zu wissen, wo tatsächlich Handlungsbedarf in Form von Kontrollen besteht, weil viele zu schnell fahren. Wie eben in Airlenbach.