Den Tante-Emma-Laden auf dem Dorf gibt’s noch

Ein Dorfladen in der heutigen Discounter-Zeit? Der kann durchaus überleben, wie sich am Beispiel der früheren Bäckerei Münch in Kailbach zeigt. Die wird seit 25 Jahren von der Bäckerei Münkel/Burkardt aus Schloßau betrieben und bietet den Bürgern aus dem ehemaligen Hesseneck plus dem benachbarten Friedrichsdorf neben den Backwaren auch eine Grundversorgung für den täglichen Bedarf mitsamt einer Postfiliale. Damit das Konzept funktioniert, braucht es aber eine ganze Reihe von ineinander greifenden Zahnrädern, erläutert Herbert Münkel.

Da sind zuerst einmal die guten Seelen des Geschäfts: Birgit Krahl, Martina Jahn und Patricia Grabe. Die kommen aus Kailbach, Schöllenbach und Hohberg und kennen jeden ihrer Kunden persönlich. Oft existieren persönliche Beziehungen zu den Einkaufenden. Dann gibt es mit Münkel einen Unternehmer, der nicht nur gewinnorientiert denkt. Ihm geht es auch darum, „den ländlichen Raum zu stärken“, betont er. Denn im Odenwald „brauchen wir den Tälerstolz“, meint er.

Auf die zwölf Quadratmeter Ladenfläche umgerechnet, „habe ich hier einen höheren Umsatz als in den anderen Filialen“, schmunzelt er. Dazu kommen die bezahlbare Pacht und überschaubare Energiekosten – für ihn alles Punkte, die einen Weiterbetrieb trotz langsam weniger werdenden älteren Kunden gesichert erscheinen lassen. „Wir kommen an die jungen Leute nicht so richtig ran“, ergänzt Birgit Krahl. Sie stellt allerdings vermehrt fest, dass junge Familien zuziehen, die dann wiederum den Laden frequentieren.

Mit den auf vier Stunden am Tag begrenzten Öffnungszeiten und den drei 450-Euro-Kräften lässt sich das Geschäft wirtschaftlich betreiben, erläutert Münkel. Denn obendrauf kommen noch Folgeaufträge, wenn etwa örtliche Feste und Jubiläumsabende beliefert werden. Dazu wird für die Kailbacher Filiale kein Extrabrot gebacken, sondern der dortige Bedarf läuft quasi in der normalen Produktion nebenher mit. Zweimal am Tag, um 6 und 8.30 Uhr, werden die frischen Waren aus Schloßau angeliefert.

Auch auf dem Land hat der Trend zur Vollwertkosten Einzug gehalten. Urkorn oder Chia-Samen heißen neben dem Odenwälder Bauern- oder Schwarzwälder Landbrot die angesagten Sorten. Zeitungen, Marmeladen, Nudeln, Honig, Zucker, Essig, Öl, Bohnen, Wurst oder Nutella: Für den Grundbestand an Lebensmitteln ist gesorgt. Wie auch mit Müllbeuteln, Toilettenpapier und Reinigungsmitteln für weitere notwendige Dinge im Haushalt.

Zulauf gibt es auch durch die Postagentur. Wer eine Briefmarke braucht, nimmt auch ein Brötchen oder ein paar Lebensmittel mit. Münkel ist stolz auf „das kleine, aber breite Sortiment“, das alles abdeckt, „was die Leute im Supermarkt vergessen haben“. Denn ein Ladenstandort im ländlichen Raum ist generell schwierig zu betrieben, weil die Kunden angesichts der dünnen Besiedelung fehlen.

Ein kleines Schwätzchen beim Einkauf hier, der Austausch über die Familie dort: Es geht sehr familiär zu. Man kennt sich, man vertraut sich. Ältere Kunden legen auch einfach den Geldbeutel auf die Theke und sagen, „nimm dir das Passende raus“, lacht Krahl. „Der Laden liegt uns am Herzen“, ergänzt ihre Kollegin. Die drei organisieren alles selbst, was den Chef freut, weil er dann weniger Arbeit hat. Dadurch ist eine Öffnung das ganze Jahr über garantiert. „Das Umfeld stimmt, deshalb funktioniert es“, hebt Münkel hervor.

Da alle drei Mitarbeiterinnen aus der Nähe kommen, „gibt es auch die Verbindung mit den örtlichen Vereinen“, sagt Martina Jahn. Die werden vom Betrieb unterstützt und revanchieren sich dann, indem sie sich bei Festen beliefern lassen. Zu den Kunden kommen noch Wanderer, Ausflügler, Nutzer der Krähberg-Strecke, Bus- und Lkw-Fahrer, zählt Krahl auf. Eine runde Sache.

 

Info: Bäckerei Münkel in den früheren Münch-Räumen, Kailbach, Siegfriedstraße 8, Öffnungszeiten Montag bis Freitag 6.15 bis 10.15 Uhr, Samstag 6.30 bis 10.30 Uhr. Mehr unter http://www.baeckerei-muenkel.de

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