Beim Finki greifen die Zahnräder bewährt ineinander

Aus allen Ecken und Enden der Republik strömen sie zum „Finki“. Jedes Fortbewegungsmittel scheint recht zu sein, um das „Woodstock des Odenwalds“ nicht zu verpassen: der „normale“ Kleinwagen, der SUV mit Wohnwagenanhänger, der VW-Bus, wohl ebenso alt wie das Festival, oder der umfunktionierte Transporter. Schnell füllt sich gestern ab Mittag der Zeltplatz in der Talaue. Entspannt geht’s an den Aufbau: Das ist bei schwülheißen 30 Grad auch besser so.

Auf dem Festivalgelände bereiten die Standbetreiber alles für die Kassenöffnung vor. Hier wird noch ein Kleid umgehängt, dort das Schmuckstück besser drapiert oder die Buddha-Figur gut sichtbar an eine Zeltecke gestellt. Achim Tischler aus Michelstadt, der mit seiner Firma zum zweiten Mal die komplette Veranstaltungstechnik managt, hat bereits alle Stagepläne der Bands vorliegen und kann an den Scheinwerfer-Test gehen. „Es läuft gut“, rechnet er mit keiner Verzögerung.

Mittendrin derjenige, ohne den es das Finki-Festival oder „Guru-Feschd“, wie die Einheimischen sagen, gar nicht geben würde: Mani Neumeier. Er lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen – doch, von einem: wild auf dem Gelände herumtollenden Hunden. Da wird er energisch und meint Richtung Besitzer: „Das geht gar nicht.“ Die Vorbereitung lief wie üblich am Schnürchen, denn das Finki findet ja bereits um 37. Mal statt. Also alles eingespielt bis ins Effeff.

Welcher Auftritt ihn am Wochenende am meisten freut? „Natürlich der von Guru Guru“, lacht er lausbübisch. Die Headliner sind heute um 21 Uhr zu sehen. „Wir haben die Songs bisschen umgestellt“, kündigt er an. Dazu gibt’s zwei der neuen Stücke mit „Digital Analog“ und „Magic Tree“ zu hören. „Das Spielen macht total Spaß“, betont er. Den besten Auftritt hatte die Band im chinesischen Shenzen. „Die kannten alle unsere Songs“, ist er baff. In einem Jahr „sind wir 50 Mal aufgetreten“, listet er auf. „Dadurch sind wir ganz gut eingespielt“, schmunzelt Neumeier.

Das Mastermind hinter dem Ganzen freut sich über die Dissidenten (heute, 23 Uhr), die für den verhinderten Arthur Brown einsprangen. „Schade, dass er nicht dabei ist“, hätte er gerne wieder den Weggefährten aus alten Zeiten begrüßt. Gespannt ist Neumeier auf „Adesa“ (17 Uhr) und „Lazuli“ (19 Uhr), die er bisher nur über Live-Videos kannte und daraufhin verpflichtete.

„Live weiß man halt, was Sache ist“, hat er seine guten Erfahrungen. Eine CD dagegen sagt gar nichts aus. Den heutigen Opener „Sirkus“ kennt Neumeier bereits von der aktuellen Tour. „Da hatten wir die mal als Vorband“, erzählt er. „Die waren so gut, dass ich sie eingeladen habe.“ Und so sind die Weltmusiker als Erste dran.

Die begehrten Stoffbändchen als Andenken wird es in diesem Jahr leider nicht geben, bedauert der Guru-Guru-Chef. „Die hätten vor vier Tagen ankommen müssen.“ Taten sie aber nicht, obwohl sie der Hersteller losgeschickt hatte. Jetzt müssen es Papierbändchen tun. Wenn das diesjährige Finki läuft, denken die Verantwortlichen bereits ans kommende Jahr. Der Vorverkauf für 2020 startete gestern.

Lederwaren, Hüte, Hemden, Kleider, Korbwaren, Schmuck, Tücher:  Es sind die bewährten Standbetreiber aus dem vergangenen Jahr, die wieder eingeladen wurden, erzählt der stellvertretende Vorsitzende des FC Finkenbachtal, Armin Löffler. Auch wenn er die vergangenen Tage mehr auf dem Gelände als zuhause zubrachte, sieht er sehr entspannt aus. Mit mehr als drei Jahrzehnten Erfahrung in der Finki-Orga kann ihn nur noch wenig schocken.

„Der Vorverkauf lief sehr gut“, freut er sich für den Verein, der sich um alles außer der Musik kümmert. Heute wird es aber auf jeden Fall noch Karten an der Abendkasse geben, schätzt Löffler. Wie immer wird das Regionale hochgehalten: Steak und Wurst kommen von der Rothenberger Metzgerei Beisel und Jehle, die Brötchen werden frisch gleich nebenan bei Mareikes Backshop gebacken. Für die nachmittäglichen Kuchen zeichnen die Finkenbacher Hausfrauen verantwortlich, die ein riesiges Büffet zaubern.

Der nächtliche Regen kann keinen schocken. Denn Leo Lyons, Überbleibsel der legendären Ten Years After, fasziniert gestern Abend mit seiner neuen Band Hundred Seventy Split und dem erdigen Bluesrock. Da kommen sie von weither, um den spielfreudigen Woodstock-Veteranen nochmal im Woodstock des Odenwalds zu sehen.

Info: Einlass fürs „Finki“ in Oberzent-Finkenbach an der Straße nach Beerfelden ist am heutigen Samstag um 13 Uhr. Den Abschluss macht Naidoo-Gitarrist Alex Auer mit deinen „Detroit Blackbirds“ um 1 Uhr in der Nacht auf Sonntag. Mehr unter www.finki-fesival.de