Ernsttaler Bier für die durstigen Schöllen- und Kailbacher

Lokalgeschichte zieht: Der Gastraum des „Grünen Baums“ platzte aus allen Nähten, als Thomas Müller vom Verein Örtliche Geschichte Schloßau/Waldauerbach zu einer historischen Reise in die Vergangenheit einlud. Er entführte die Zuhörer in den nahe gelegenen kleinen Weiler Ernsttal (früher Neubrunn) nahe dem Dreiländereck Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Der Hobby- Historiker untermalte sein Referat mit etwa 250 alten Bildern und hatte die passenden Sagen, Geschichten und Anekdoten parat.

„Halb Ernsttal ist hier“, nahm Müller schmunzelnd Bezug darauf, dass der Weiler heutzutage noch sieben Einwohner (gegenüber früher 70) hat, von denen drei nach Hesselbach gekommen waren. Über die Jahre hinweg hat der 50-Jährige an die 6000 alte Bilder eingescannt, davon 1500 Postkarten, berichtete er. Gerade von Ernsttal gibt es etliche davon, weil es eine Poststation hatte. Früher, weiß er, führte nur die Straße von Schloßau nach Breitenbach durch den Ort, von der es auch eine Abzweigung nach Amorbach gab. „Die Kreuzung existiert noch heute“, erläutert er.

Wäre der Krähbergtunnel zwischen Hetzbach und Schöllenbach vielleicht nicht gebaut worden, wenn es mit einer Bahnstrecke zwischen Amorbach und Eberbach geklappt hätte? Denn um 1880 herum war die Tunnelplanung für die Main-Neckar-Verbindung unterm Bergmassiv an dieser Stelle in groben Zügen schon fertig, als Fürst Ernst zu Leiningen sie torpedierte, erläuterte der Hobby-Historiker.

Bei Kailbach wäre die Bahn wieder ans Tageslicht gekommen und hätte danach an Friedrichsdorf und Gaimühle entlang den gleichen Verlauf wie die jetzige Odenwaldbahn genommen. Doch der Fürst wollte keine Dampflokomotiven in der Nähe seines Tierparks vorbeifahren sehen, erklärte Müller. Außerdem war Schloss Waldleiningen gerade fertiggestellt und sollte ebenfalls nicht eingenebelt werden. Das Land Hessen verwirklichte in dieser Zeit die Main-Neckar-Verbindung über die Erbacher Schiene. In deren Verlauf entstand dann auch mit dem Krähbergtunnel die längste einspurige Röhre Deutschland mit 3100 Metern.

In früheren Jahren erwies sich das Fürstenhaus als sehr geschäftstüchtig, wenn es um die Vermarktung seines Gerstensaftes ging, informierte Müller. So entstand in Ernsttal ums Jahr 1840/41 das Gasthaus zur Post mit einer Pferdewechselstation, im gleichen Zeitraum wurde auch der bisherige Pfad zwischen dem Weiler und der Wegscheide an der Seitzenbuche ausgebaut. Denn dieser Sattel verbindet auch heute noch Itter- und Gabelbachtal und bildet quasi das Eingangstor zum früheren Hesseneck und den Ausläufern des badischen Eberbachs.

Der Fürst zu Leiningen hatte nämlich zuerst überlegt, eine Brauerei in der Main-Gegend zu bauen, so Müller. Da gab es aber zu viel Konkurrenz. Da scheinbar die Bevölkerung in Richtung Kail- und Schöllenbach sowie im Badischen biermäßig unterversorgt war, orientierte er sich in diese Richtung. In Ernsttal entstanden daneben auch ein Rentamt, wo der Zehnte eingetrieben wurde, die Ökonomie des Fürstenhauses sowie die Zuchtstation.

Das dunkle Ernsttaler Bier wurde dort bis 1923 gebraut. Die Weltwirtschaftskrise bedeutete das Ende der Brauerei und damit auch der Siedlung. Es gab keine Arbeit mehr, die Menschen zogen nach und nach weg, da sie in dieser Gegend auch keinen Landbesitz mehr hatten.

In einem ersten Teil hatte der Referent über die Entwicklung des Dorfnamens von Nuwenbrunnen über Neubrunn bis Ernstt(h)al gesprochen. Er informierte über die Dorfgröße sowie Schwankungen der Bevölkerungszahlen im Vergleich zu den Nachbardörfern. Er zeigte außerdem spannend die Zeit des Zweiten Weltkrieges auf, als zehn – später gefallene – Soldaten das Dorf verteidigen wollten. Der Hobby-Historiker berichtete zudem vom „Jahr ohne Sommer“ aufgrund eines Vulkanausbruches in Indonesien. Dies führte zu Missernten ab 1816, durch die die Bevölkerung verarmte und ab 1830 viele Gehöfte an die Standesherrschaft Leiningen verkaufen musste. Es folgten die Agrarunruhen  1848.

Thomas Müller (50) beschäftigt sich seit 25 Jahren hobbymäßig mit der Geschichte seiner Odenwaldregion im Dreiländereck. Hauptberuflich ist er in Amorbach im Qualitätsmanagement tätig. „Die Geschichte ist ein schöner Ausgleich zu meiner Arbeit“, sagt er. Der 50-Jährige ist gerne in der Natur unterwegs und „will wissen, wie es früher hier ausgesehen hat“. 2002 wurde der Heimatverein Örtliche Geschichte Schloßau/Waldauerbach gegründet, dessen Vorsitzender Müller vier Jahre lang war. Derzeit ist er dessen Schriftführer und Archivar.

Die vielen besonderen Details im Rückblick auf vergangenen Jahrhunderte sind für ihn die Motivation, sich damit zu beschäftigen. Er möchte die Historie für folgende Generation bewahren und die Erinnerung daran wach halten: „Damit die Leute wissen, wie es früher hier zuging.“ Der Verein besitzt ein großes Archiv, unter anderem aus dem Bestand eines verstorbenen Historikers, der 50 Jahre lang Wissenswertes aus seiner Heimat sammelte.

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Hochzeit hinter Sichtschutzzäunen: Toni Kroos gibt Freundin Jessica das Ja-Wort

Helle Aufregung in der beschaulichen Vierburgenstadt und Ausnahmezustand auf dem „Hohen Darsberg“: Fußball-Weltmeister Toni Kroos heiratet heute um 15 Uhr unseren Informationen zufolge seine langjährige Freundin Jessica Farber auf der abgeschiedenen „Hochzeitslocation“ im idyllischen Odenwald. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit, denn rund um das 25 Hektar große Gelände waren Sichtschutzzäune gezogen.

Die Trauung nimmt der Hirschhorner Bürgermeister Rainer Sens vor. Denn die Nachbarstadt ist Sitz des Standesamtsbezirks Hessisches Neckartal und Sens dessen Leiter. Deshalb wusste auch sein Neckarsteinacher Kollege Herold Pfeifer im Vorfeld nichts von dem Großereignis, das auf seiner Gemarkung stattfand, sagte er auf Nachfrage.

Der „Hohe Darsberg“ ist eine der beliebtesten Locations für Paare, die sich im Neckartal trauen wollen. Im vergangenen Jahr schritten die Standesamten dort 29 Mal „zur Tat“ – ganz abgesehen von den vielen Hochzeitsfeiern, die dort außerdem stattfinden. Die „Hochzeitslocation in Heidelberg“ – auch wenn das geografisch nicht ganz stimmt, Heidelberg ist 15 Kilometer entfernt – wirbt mit ihrer Lage: 440 Meter über dem Meeresspiegel, fernab des Alltagstrubels und umgeben von Wiesen und Wald. In den 18 Jahren, seitdem der „Hohe Darsberg“ in Besitz der Familie Frey ist, hätten dort bereits über 1700 exklusive Hochzeiten stattgefunden, heißt es.

Von der Kreisstraße Neckarsteinach-Darsberg aus war kein Durchkommen zum zwei Kilometer entfernten Hochzeitsort. Schon an der Abzweigung standen zwei furchteinflößende Security-Männer, die keinen durchließen. Auch nicht Bürgermeister Herold Pfeifer, der sich erst den Weg „freireden“ musste. Im Wald wurde ebenfalls kontrolliert, damit sich kein Neugieriger zum Großereignis durchschlagen konnte. Dass es für die Sperrungen irgendwelche Genehmigungen gab, ist Pfeifer nicht bekannt. Zumindest nicht von ihm. Auch die örtliche Polizei sei nicht informiert gewesen.

Hohe Sichtschutzzäune ums Anwesen tun ein übriges, damit das Hochzeitspaar und mögliche illustre Gäste unter sich bleiben. Platz wäre auf jeden Fall: Der „Hohe Darsberg“ bietet Übernachtungsmöglichkeiten für bis zu 100 Personen. Die Spekulationen reichten von befreundeten Nationalmannschaftskollegen bis zu „deutschlandweiten bekannten Musikgruppen“, wie die hiesige Presse meldet. Die letzten Gäste sollen Berichten zufolge erst am Sonntagabend wieder abreisen.

Toni Kroos und seine Freundin Jessica Farber sind schon seit 2008 zusammen. Vor knapp zwei Jahren kam ihr Sohn Leon zur Welt. Die 27-Jährige kommt aus Speyer und kennt sich deshalb in der Kurpfalz aus. Der 25-jährige Kroos wurde 2014 mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Weltmeister. Geboren wurde er in Greifswald, spielte in Deutschland bei Leverkusen und Bayern München. Vergangenes Jahr wechselte er zu Real Madrid.

Seit 2010 ist er Nationalspieler. Beim heutigen Spiel gegen Gibralter ist Kroos entschuldigt. Er müsse „geschont“ werden, heißt es. Auch Manuel Neuer und Thomas Müller fehlen. Die kennt Kroos noch aus seiner Zeit bei Bayern München. Wer weiß, ob die nicht auch auf dem Hohen Darsberg sind….         (Bild: Homepage Stadt Hirschhorn)