Überparteiliche werden bei der Stadtverordnetenwahl in Oberzent stärkste Fraktion vor der SPD

Die Stadtverordnetenwahl ist ausgezählt und hat zu interessanten Ergebnissen geführt. Die Überparteilichen stellen mit 35 Prozent und 13 Sitzen die mit Abstand stärkste Fraktion. Die SPD, bisher im früheren Beerfelden stark, muss sich mit Platz 2 begnügen. Die FDP kann sich in der neuen Stadt Oberzent wie schon in Beerfelden wieder gut positionieren. Die CDU ist mit neuen Köpfen und frischem Wind im kräftigen Aufwärtstrend. Die Grünen behaupten sich auf der kompletten Gemarkung.

„Hellauf begeistert“ zeigte sich der Spitzenkandidat der Überparteilichen Wählervereinigung Oberzent (ÜWO), Claus Weyrauch, von den 35 Prozent bei der Wahl. „Mit Abstand“ habe man das Ziel erreicht, stärkste Fraktion im neuen Parlament werden zu wollen. Wenn er auch als Bürgermeister-Kandidat mit seinem Ergebnis „frustriert“ war, weil politische Inhalte scheinbar nicht zählten, so sah sich nun bestätigt, „dass die Wähler dies doch für die Gremien durchaus zu schätzen wissen“.

In den kommenden Gesprächen wird die Fraktion „die generelle politische Richtung definieren“, sagte Weyrauch. Dazu zählte er unter anderem die Themen Ortsbeiratsbudget und Präambel der Geschäftsordnung. Ganz wichtig ist es ihm, dass die großen Probleme, „die lange vor sich her geschoben wurden“, angegangen werden. Als wichtigen Meilenstein nannte Weyrauch den Tourismuskonzept-Beschluss in der vergangenen Stadtverordneten-Versammlung, der nun umgesetzt werden soll.

Ein bis zwei Sitze mehr in der neuen Stadtverordneten-Versammlung hätte sich SPD-Spitzenkandidat Thomas Ihrig gewünscht. „30 Prozent der Stimmen wären schön gewesen“, meinte er mit Blick auf das Wahlergebnis von knapp 28. Aber: „Es ist so, wie es ist.“ Die SPD-Themen aus dem Wahlkampf will die neue Fraktion im Parlament mit Nachdruck angehen.

Dazu zählt er Stadtentwicklung und Gesundheitsversorgung („das Thema muss in zwei bis drei Jahren umgesetzt sein“), Vereinsförderrichtlinien und auch die Zusammenarbeit mit den Ortsbeiräten. Definition der Aufgaben und Budget stehen hier für Ihrig an allererster Stelle. Die Ortsbeiräte kommen auch ins Spiel, wenn es um die Repräsentation mancher Dörfer in der neuen Stadt geht, die nicht über die Stadtverordneten-Versammlung vertreten sind. „Die dürfen sich nicht abgehängt fühlen.“

Der Neuauftritt der CDU Oberzent „ist absolut gelungen“, äußerte Spitzenkandidat Oliver von Falkenburg seine Freude über das Ergebnis. Wenn man die Stärke der Partei mit dem Ergebnis fürs frühere Stadtparlament Beerfelden vergleiche, sei es ein enormer Aufwärtstrend. „Wir wollen für die neue Stadt Verantwortung übernehmen“, kündigte er an.

Die Zusammensetzung der künftigen Stadtverordneten-Versammlung bezeichnete er als „erheblichen Kurswechsel“. Die Bürger wollen, dass neue Leute ans Ruder kommen. Die CDU will sich nun für eine bürgerliche Mehrheit zusammen mit ÜWO und FDP einsetzen. „Wir haben durch den aktiven Wahlkampf ein Stück weit CDU-Identität bei der Wählerschaft zurückgewonnen“, betonte er.

Die Grünen sind mit ihrem Ergebnis zufrieden, sagte Spitzenkandidatin Elisabeth Bühler-Kowarsch. Dies vor dem Hintergrund, „dass wir bisher hauptsächlich in der Kernstadt Beerfelden vertreten waren“. Es handle sich um ein Ergebnis, auf dem man aufbauen und die Aktivitäten in den anderen Stadtteilen ausbauen könne. „Die neue Fraktion wird kritisch und konstruktiv im Parlament arbeiten und eigene Akzente setzen“, kündigte sie an.

Erfreulich sei, dass die Wähler die hervorragende Präsentation von Bürgermeisterkandidat Thomas Väth bei der Stadtverordnetenwahl honoriert hätten und er mit Abstand die meisten Grünen-Stimmen auf der Liste erhielt. Man werde noch diskutieren, ob es eine Empfehlung für die Bürgermeister-Stichwahl gebe.

Das Wahlergebnis zur Stadtverordnetenversammlung freut die FDP Fraktion sehr. „Wir schauen positiv auf die uns erwartenden Aufgaben“, so Spitzenkandidat Frank Leutz. Breiter aufgestellt habe man verstanden, „dass es nicht nur um das Thema Windkraft gehen darf“, sondern die Themen Gesundheit und Wirtschaft von der Bevölkerung gewünscht auch zu den Schwerpunkten zählen müssen. Dieser Wunsch der Bürger ist durch das Wahlergebnis deutlich geworden und „dieser Herausforderung wollen wir uns auch gerne und mit voller Motivation stellen“. Sein persönliches Ergebnis „übertrifft alle Erwartungen“, wofür er sehr dankbar sei, sagte Leutz. (Foto: bei der Auszählung)

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Claus Weyrauch geht für die ÜWO ins Bürgermeister-Rennen der Stadt Oberzent

Claus Weyrauch ist der Bürgermeister-Kandidat der Überparteilichen Wählergemeinschaft Oberzent (ÜWO) für die Wahl zum neuen Stadtoberhaupt am 29. April. Der Rothenberger Mittelstandsberater sitzt seit April 2016 für die WGR im Kommunalparlament und gehört dem ÜWO-Vorstand an. Seit 1990 wohnt der aus Güttersbach stammende im Höhendorf, wohin er der Liebe wegen zog.

„Ich war einer der ersten in der ÜWO, der für einen eigenen Bürgermeister-Kandidaten plädierte“, erläutert Weyrauch. In einer Mitgliederbefragung wurde er dann auf den Schild gehoben. Frei nach dem Motto: „Wer es anregt, muss es auch machen“, lacht er. Weyrauch sieht eine „sehr große Chance“, in der Oberzent etwas zu bewegen, zu entwickeln und zu gestalten. „Ohne die Fusion wäre das nicht möglich gewesen.“

Auf die Überschrift in der Machbarkeitsstudie, „gestalten und nicht verwalten“, bezieht sich der Kandidat auch in seiner Handlungsmaxime. „Ich will mir diesen Slogan als Maßstab setzen“, betont er. Die Problemstellungen in der neuen Stadt sieht er bei verschiedenen Punkten: Gesundheitsversorgung, Tourismus, Straßenerneuerung und generell die Stärkung des ländlichen Raums nennt er als dringendste Themen.

Weyrauch ist die Einbindung der Bürger in den Entscheidungsprozess sehr wichtig. Deshalb ist es für ihn ein guter Gedanke, die Position der Ortsbeiräte zu verstärken. Er findet den Gedanken gut, diesen Gremien ein eigenes Budget zu geben. Allerdings sollten auch politisch nicht interessierte Bürger zur Mitwirkung in den Ortschaften gewonnen werden.

Der ÜWO-Kandidat sieht es als Herausforderung an, „den demographischen Wandeln zu meistern“. Wenn sich der Odenwald gut verkauft, durch die bezahlbaren Grundstücke quasi zur Wohngemeinde für junge Familien wird, deren Arbeit durch das Home Office immer mehr in den eigenen vier Wänden geschehen kann – dann kann auch die Oberzent optimistisch nach vorn schauen. Allerdings „müssen wir aufpassen, dass wir uns diese Vision nicht durch die Windräder zerschießen“, warnt er.

Für Weyrauch können die Zukunftsaufgaben nicht nur in einer größeren gemeinsamen Stadt, sondern auch nur in einem kommunen- und kreisübergreifenden Zusammenarbeiten gelöst werden. „Es darf nicht nur jeder für sich allein arbeiten“, betont er – siehe Windkraft. Auch beim ÖPNV ist ein ganzheitlicher Ansatz notwendig. Das sind zum einen die Verbindungen ins Neckartal zur dortigen S-Bahn, zum anderen der Bahnhof Hetzbach als zentrale Anbindung in den Erbacher und Darmstädter Raum. In diesem Zusammenhang nennt er auch die Unterstützung von „Garantiert Mobil“ und die Verbesserung von VIAS-Angeboten für Berufspendler.

Vom Haltepunkt aus gibt es derzeit eine zweistündliche Verbindung an den Bikepark. Wenn dieser zusammen mit der Sensbacher Höhe als neues touristisches Highlight entstehen sollte, dann sind häufigere Verbindungen natürlich sinnvoll. Ein weiteres Anliegen ist dem Kandidaten die Sitzungskultur in der neuen Stadtverordneten-Versammlung. Hier wünscht er sich eine Betonung der Sacharbeit für die eigene Kommune weg von politisch motivierten Manövern.

„Es gibt in diesem Umbruchprozess jede Menge Baustellen zu beackern“, so Weyrauch. Trotzdem ist es ihm wichtig, das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. „Mein Hauptziel ist ein attraktives, familienfreundliches und lebenswertes Wohnumfeld“, betont er: die Heimat für alle Oberzentler und die, die es werden wollen, zu schaffen und zu bewahren.

Neben der Erhaltung und Verbesserung der technischen Infrastruktur geht es dem Kandidaten auch um die sozialen Grundlagen der neuen Stadt. Flexible Kindergärten oder Vereinsförderung sind seine Stichworte. Arbeits- und Einkaufsmöglichkeiten schaffen, Wirtschaftsförderung, Leerstände vermarkten, Ansiedlungsanreize schaffen, Stadt- und Dorfentwicklungskonzepte stehen ebenfalls auf seiner Agenda. Weyrauch will „den Erholungsfaktor Natur schützen und bewusst machen“. Die Verwaltung soll seiner Vorstellung nach allen Bürgern ein kompetenter und freundlicher Dienstleister sein.

Claus Weyrauch (50) ist verheiratet mit Susanne Weyrauch und hat zwei Töchter (20/17). Seit 1990 wohnt er in Rothenberg, wo er für die WGR in der Gemeindevertretung sitzt. Er ist als Berater für Mittelstands-Unternehmen tätig. Seine Ausbildung zum Diplom-Betriebswirt machte er bei der Volksbank Odenwald. Nach eine Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter und Controller war er drei Jahre im Angestelltenverhältnis, ehe er sich 2003 selbständig machte. Zwischenzeitlich arbeitete er als Dozent in der Erwachsenenbildung und ist derzeit noch im Prüfungsausschuss für IHK-Wirtschaftsfachwirte tätig.

Mit dem 50-jährigen ÜWO-Mann Claus Weyrauch aus Rothenberg ist der Kandidaten-Reigen der politischen Parteien und Gruppierungen für die Bürgermeisterwahl in Oberzent am 29. April 2018 fast perfekt. Für die SPD tritt der Hessenecker Bürgermeister Thomas Ihrig an. Die CDU Oberzent schickt Oliver von Falkenburg (Unter-Sensbach) ins Rennen. Für die Grünen geht Thomas Väth (Gebhardshütte) an den Start. Lediglich die FDP hat (noch) keinen Kandidaten genannt.