Der restaurierte Wedekindstein erinnert an die Badische Revolution 1848/49

Die hessische Neckarstadt spielte eine bedeutende Rolle in der Badischen Revolution. Eines der letzten Kapitel der Ereignisse 1848/49 wurde in Hirschhorn geschrieben. Hanauer Turner und Bundestruppen lieferten sich rund ums Schloss Mitte Juni 1849 ein Gefecht. Unglücksrabe war Ludwig Wedekind: Der fiel „Friendly Fire“ zum Opfer, nachdem er wohl nicht schnell genug das Passwort wusste und von den eigenen Leuten erschossen wurde. Ihm zu Ehren wurde 1869 ein Gedenkstein errichtet, den man jetzt, 150 Jahre später, frisch restauriert einweihte.

Mit diesem „Wedekindstein“, am Aufgang vom Kloster kommend aufgestellt, hat es eine ganz besondere Bewandtnis. Er stellt neben dem Hambacher Schloss das einzige bauliche Denkmal zur Erinnerung an die Badische Revolution dar. Entsprechend prominent besetzt war die Riege der Laudatoren, allen voran der CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär Michael Meister. Begrüßt und ins Thema eingeführt hatte Bürgermeister Oliver Berthold.

Es war an diesem Nachmittag viel von Freiheit und der wehrhaften Demokratie die Rede, „die man sich jeden Tag neu erarbeiten muss“ (Meister). Heutzutage müsse man wieder lernen, dass beides nicht auf ewig gesichert sei, sagte er mit Blick auf aufflammende braune Umtriebe. Der MdB zeigte die Parallelen des 1949 verabschiedeten Grundgesetzes mit der Paulskirchen-Verfassung von 1849 auf. Deutschland sei, betonte er, „aufgrund seiner Verfassung in einer guten Verfassung“.

Für die mit organisierenden Hirschhorner Altstadtfreunde gab’s 500 Euro vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, überreicht von Meister an den Vorsitzenden Reiner Lange. Sie hatten gemeinsam mit der Stadt sowie dem Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum im Gedenken an den im vergangenen Jahr verstorbenen Hirschhorner Stadthistoriker Ulrich Spiegelberg das Projekt zu Ende geführt.

Von den Hanauer Turnern waren Archivar Dietrich Arlt und Präsident Rüdiger Arlt vor Ort. Letzterer ließ die Geschichte des 1837 gegründeten „altrechtlichen Vereins“ (a.V.) humorvoll Revue passieren. Neben Christian Lautenschläger war August Schärttner einer der Gründer. Der, so Arlt, „war kein Sportler, sondern Revoluzzer“. Es wird kolportiert, dass Schärttner sogar seinem Weggefährten Karl Marx zu radikal war.

Als Anfang Juni 1849 der Hilferuf von den badischen Freunden kam, zogen in Hanau 300 Kampfeswillige los. Arlt ging auch auf den Pechvogel Wedekind, einen Goldschmied, ein. Er war der zweite Turner, der damals außerhalb des Schlachtfeldes fiel. Nach der Kapitulation flohen viele Hanauer über die Schweizer Grenze. Wer blieb, kam lange Jahre ins Zuchthaus. Auch Arlt fand mahnende Worte: „Viele von denen, die er heute aufwachsen, wissen es nicht mehr wertzuschätzen, wie gut es uns geht.“ Die damalige Aktion bezeichnete er als Grundstein der Demokratie.

Volker Buser würdigte als Vertreter von Landrat Christian Engelhardt das Wirken Spiegelbergs für die Stadt. Die Wiedereinweihung bezeichnete er als großem Moment für Hirschhorn und den Kreis. Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebes Bau und Immobilien, ging kurz auf die laufenden Maßnahmen rund ums und im Schloss ein, die zusammen etwa drei Millionen Euro kosten. Auch in heutigen Zeit, bedauerte er, „wird so mancher von hinten erschossen“. Dieses Mal durch die sozialen Medien: durch solche, von denen es man nicht vermute.

Pfarrer Joshy und sein evangelischer Amtskollege Reinhold Hoffmann sprachen den Segen. Hoffmann hatte ebenfalls mahnende Worte parat. Er wies, auch wenn es vielleicht komisch klinge, auf das Misstrauen als Grundbestandteil der Demokratie hin. Angesichts vieler „Fake News“ der heutigen Zeit forderte er dazu auf, immer zu hinterfragen und nichts als gegeben hinzunehmen. Für die musikalische Umrahmung sorgte Richard Köhler. Archivar Dr. Rüdiger Lenz sprach später zum Thema „Badische Revolution 1848/1849 und Auswirkungen bis in die heutige Zeit“.

 

 

Die Badische Revolution rund um Hirschhorn

Längs der Neckar-Odenwald-Linie war eine Verteidigungsstellung gegen die heranrückenden Preußen und Bundestruppen aufgebaut worden. Die Hanauer Turnerwehr, verstärkt durch Heilbronner Turner, war dem Hilferuf der badischen Revolutionäre gefolgt. Das strategisch wichtige Hirschhorn wurde am 13. Juni 1849 besetzt. Der „Traum von der Freiheit“ und einem Deutschen Staat scheiterte später an den deutschen Fürsten.

Am Abend des 15. Juni kam es zum Gefecht zwischen mit den von Beerfelden herangerückten Bundestruppen – kurhessische Infanterie und bayerische Jäger, verstärkt durch zwei mecklenburgische Geschütze, insgesamt etwa 2000 Mann. Nach einem Vorpostengefecht mit Kanonenbeschuss an der Schneidmühle erfolgte der Angriff auf die Burg, in der sich die Hanauer verschanzt hatten.

Hilfe wurde den Turnern zuteil durch Freischärler, die von Heddesbach aus herangerückt waren und die Bundestruppen im Rücken angriffen. Nach erfolglosem Sturm auf die Burg entschloss sich Oberst Weiss als Kommandeur der hessisch-bayerischen Truppen zum Rückzug, da er seine Stellung ungeschützt vorfand und umfangreiche Verbände von Freischärlern in der näheren Umgebung vermutete. Die Hanauer Turner wiederum verließen Hirschhorn am Morgen des 16. Juni und zogen sich ins benachbarte Eberbach zurück.

Das Gefecht von Hirschhorn blieb im Rahmen der Revolutionsereignisse eine Episode. Als Achtungserfolg fand es jedoch große Beachtung. 20 Jahre später bekam Wedekind von seinen ehemaligen Kampfgefährten im Rahmen einer Gedenkfeier einen Grabstein gesetzt. Die Gedenkrede hielt der Hanauer Wilhelm Kämmerer als einer derjenigen, die in Hirschhorn gekämpft hatten. Er war erst 1860 wieder aus der Haft freigekommen.

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Versammlung der Hirschhorner Langbein-Freunde: Besucherzahlen des Museums wurden 2016 erneut gesteigert

Von einem ereignis- und erfolgreichen Museumsjahr berichtete der Vorsitzende des Freundeskreises Langbein‘sche Sammlung, Ulrich Spiegelberg, auf der Jahreshauptversammlung. Mit 1240 Besuchern wurden 2016 die Besucherzahlen erneut gesteigert. Dazu trugen auch zunehmend gebuchte Museumsführungen und eine besondere Kostümführung bei. Im vergangenen Jahr wurde der Wochenend-Museumsdienst wieder ehrenamtlich von den Mitgliedern besetzt. Auf eine gute Resonanz stieß laut Spiegelberg fand die Teilnahme am „Lebendigen Neckar“, wo die von Evelyn Christoffers bemalten Figuren Ritter und Edelfrau erstmals zum Einsatz kamen.

Mit der Ausstellung „Hommage an Carl Langbein – eine Ausstellung in der Ausstellung“ setzte Ludwig Schmeisser mit eigenen Arbeiten und Objekten Kontraste zu Exponaten in der Museums-Dauerausstellung. Der „Ausflug in die faszinierende Welt unserer heimischen Schmetterlinge“ mit Bildern von Gisela Mauve folgte. Hierzu gab es auch einen Vortrag sowie einen Vormittag mit Kindern. Die Ausstellung mit dem Photo- und Objektkünstler Günther Wilhelm (Ludwigshafen) fand ebenfalls große Resonanz.

Mit der Ausstellung „Hirschhorn zu Carl Langbeins Zeit“ mit Stichen, Aquarellen und einigen Gemälden sowie der Weihnachtsausstellung mit Erzgebirge-Volkskunst aus dem Fundus von Rolf Belzner ging eine gute Saison zu Ende. „Bergbau im Odenwald“ war daneben das Thema einer Exkursion. Das Museumsjahr war auch dem 200-jährigen Geburtstag von Carl Langbein gewidmet. So gab es an dessen Geburtstag eine kleine Gedenkfeier, musikalisch umrahmt durch Frauke Bodinus, mit anschließendem gemütlichen Beisammensein im Ersheimer Hof.

Die Entwicklung des Langbein-Museums, das als Beispiel für Gestaltung und Betrieb eines kleineren Museum angesehen wird, wird vom hessischen Museumsverband aufmerksam beobachtet. So war man auch zu einem der drei Vorträge am Hessischen Museumsverbandstag geladen, in der als besonders bewertete Projekte vorgestellt werden sollten.

Ein Kompliment kam vom Vorsitzenden des Hessischen Städtebundes, Karl-Christian Schelzke, der am nächsten Tag das präsentierte Langbeinmuseum besuchte, um zu sehen, ob alles so stimmte wie gesagt. Er kam, sah und es war so. Dafür gab es von ihm nicht nur ein großes Lob, sondern auch eine kleine Nasenskulptur, um die leere Vitrine zwischen Elefantenohr und Auge Gottes zu füllen. 2016 nahm das Museum wieder an den Hirschhorner Ferienspielen mit einem Besuch im Steinbruch teil. Wie auch die früheren Beiträge war diese Veranstaltung gleich ausgebucht.

Leider konnte das zweite Projekt für Kinder zum Thema „Räuber“, gestaltet vom jungen Museumsteam, aufgrund zu geringer Anmeldung nicht durchgeführt werden. Ohne das große ehrenamtliche Engagement der Mitglieder wäre das Jahr 2016 nicht so erfolgreich verlaufen, sagte Spiegelberg, wofür er allen Beteiligten danke. Einen besonderen Dank sprach er dem langjährigen zweiten Vorsitzenden Peter Rossmann aus, der aus gesundheitlichen Gründen sein Amt abgab.

Es kam zur Neuwahl des Vorstandes. (Wieder-)Gewählt wurden Ulrich Spiegelberg, Aloisia Sauer (zweite Vorsitzende), Jürgen Waibel (Schatzmeister), Monika Hofmann (Schriftführerin) sowie weiterhin Evelyn Christoffers, Sandra Fink, Anna Lena Gummel, Roswitha Rossmann, Andrea Weber, Wilfried Geyer, Peter Rossmann und Wolfgang Schuler. Neben Anregungen für den Museumsbetrieb wurden auch kommende Ausstellungen besprochen.

Es sei immer wieder schön, so Spiegelberg, wenn die Museumsarbeit durch Spenden unterstützt werde. So sei im Laufe der Zeit eine beachtliche Anzahl schöner Exponate zusammengekommen. Ein „Spenderfest“ – eine Ausstellung mit gespendeten Exponaten – soll dies würdigen. Neben einer Kunstausstellung gibt es abschließend, passend auch zum Reformationsjubiläum, die Ausstellung 125 Jahre evangelische Kirche Hirschhorn (sie wurde 1892 geweiht). Neben der Teilnahme am Lebendigen Neckar, am Weihnachtsmarkt und dem Adventskaffee sind auch eine geologische Exkursion sowie ein Ausflug nach Heppenheim mit Stadtführung und Besuch des Sparkassenmuseums geplant.

Geschichtlicher Rückblick: Hirschhorn und Neckarsteinach gingen früher erst einmal getrennte Wege

„Ein Rückblick kann auch ein Ausblick sein“, meinte Ulrich Spiegelberg einleitend zu seinem Vortrag über die früheren Berührungspunkte zwischen Hirschhorn und Neckarsteinach, den er beim Neujahrsempfang der Vierburgenstadt im Bürgerhaus hielt. Herrschaftlich, sagte der Vorsitzende der Hirschhorner Langbein-Freunde und versierte Hobby-Geschichtsforscher, seien beide Städte trotz der Nachbarschaft erst einmal getrennte Wege gegangen. Das habe an der jeweiligen Zuständigkeit der Kloster Worms und Lorsch gelegen.

Die frühere Erwähnung Hirschhorns mit Ersheim im Jahr 773 sei auf die Bestrebungen der Lorscher zurückzuführen, ihren Herrschaftsbereich auszudehnen. Richteten sich diese Richtung Igelsbach oder Unter-Schönmattenwag, so nahmen die Steinacher Ritter später Heddesbach ins Blickfeld. Eine mögliche erste Verbindung der beiden Geschlechter machte Speigelberg durch einen Johann aus, der in beiden Stammbäumen auftauche.

Apropos Namen: Spiegelberg notierte amüsiert das inflationäre Vorkommen von Konrad und Bligger in Neckarsteinach, das eine Zuordnung oftmals schwierig mache. Die Hirschhorner hätten durch geschickte Heiratspolitik versucht, ihren Herrschaftsbereich auszudehnen, erläuterte er. Aber: „Die Steinacher Töchter waren nicht interessant. Die hatten wohl zu wenig Geld“, meinte der Fachmann.

Andersrum wiederum funktionierte es: Gegen Ende des Mittelalters heirateten Hirschhorner Töchter Landschaden von Neckarsteinach. Was aber auch nicht mehr viel brachte: Beide Geschlechter starben im 16. und 17. Jahrhundert aus. Auf der Mittelburg seien die Hirschhorner besitzmäßig immer vertreten gewesen, erklärte er. Dies komme auch durch ein Wappen in einem Neckarsteinacher Kirchenfenster zum Ausdruck. Erst durch den Tausch mit Brombach 1536 habe sich dies erledigt.

Der Bau der Hirschhorner Stadtmauer wurde nach dem am 10. September 1391 erteilten Befestigungsrecht durch eine Getränkesteuer finanziert. „Man kann auch sagen, dass sich die Hirschhorner ihre Stadtmauer quasi ersoffen haben“, sagte er lächelnd. In Neckarsteinach hätten diese Prozesse alle etwas später eingesetzt. Erschwerend sei die geteilte Herrschaft über den Ort von Worms und Pfalzgraf hinzugekommen.

Spiegelberg führte an, dass es auch in der Kirchengeschichte der beiden Städte so manche Parallele gebe. Neckarsteinach sei Zufluchtskirche für die evangelischen Christen Hirschhorns gewesen, während von den Hirschhorner Karmelitern dort die katholische Gemeinde wieder aufgebaut worden sei. Interessanterweise hätten sich 2015 die beiden katholischen Gemeinden zu einer im hessischen Neckartal zusammengeschlossen.

„Fünf Monate lange gehörte eine Hälfte Neckarsteinachs schon einmal zu Baden“, machte er aktuelle Anklänge zu Länderwechsel-Bestrebungen aus. Allerdings war dies Ende 1802/1803, im Zuge der Neugliederung durch Napoleon. Durch Gebietstausch fiel dann ganz Neckarsteinach an Hessen. Und heute? Von Errungenschaften im hessischen Neckartal in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wie Forstamt, Landratsamt oder Amtsgericht sei nichts mehr geblieben, sagte Spiegelberg.

Er plädierte in diesem Zusammenhang für eine weitere Zusammenarbeit der beiden Städte im südlichsten Zipfel Hessens. Nur so kann Spiegelberg zufolge die zukünftigen Aufgaben gelöst werden. Ein Ort allein sei dafür zu klein.

Das Geburtstagskind Carl Langbein wurde im Hirschhorner Museum aus drei Blickwinkeln betrachtet

„Dreierlei Blick“ nannte sich die Soiree, zu der die Langbein-Freunde jetzt ins Museum eingeladen hatten. Dreierlei deshalb, weil mit Ludwig Schmeisser, Uli Spiegelberg und Günther Wilhelm drei Künstler ihre ganz persönliche Verbindung zu Carl Langbein verdeutlichten, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 200. Mal jährt. Die Exponate seiner jahrzehntelangen Sammlertätigkeit werden vom Freundeskreis gehegt und gepflegt.

Genauso gerne angenommen wie die Erläuterungen im Innern wurde auch der Abschluss draußen unter dem Lindenbaum. Richard Köhler an der Gitarre und Ulrich Spiegelberg auf dem Klavier versüßten als „Hirschhorner Vielharmoniker“ den lauen Sommerabend mit einigen Stücken aus der Biedermeier-Zeit. Eine offizielle Feierstunde zu Langbeins Geburtstag ist am 6. September im Ersheimer Hof geplant.

Spiegelberg charakterisierte den „Naturalisten“ Langbein als jemanden, dessen handwerkliches Talent sich schon früh gezeigt habe. Er machte dies an den ausgestellten Engelabgüssen fest. Als Lebenswerk des Jubilars kennzeichnete der Vorsitzende aber die 300 präparierten Tiere, darunter zahlreiche Vögel. Mark Twain wusste auf seinem Bummel durch Europa während der Übernachtung im Gasthaus davon ein Lied zu singen, als ihn die ganze Nacht eine Eule anstarrte.

Auch Schmeisser wies auf die Vielseitigkeit der Sammlung gerade mit Blick auf die Tiere hin. Daneben war Langbein aber auch schon „touristisch“ tätig, indem er ein Hinweisschild zu seiner – nicht realisierten Fantasieburg – entwarf. Auch zeichnerisch war der Naturalisten-Wirt beschlagen, machte Spiegelberg deutlich, was in den Tuschezeichnungen oder dem Entwurf des Familiengrabs zum Ausdruck komme.

Werke des Ludwigshafener Fotokünstlers Günther Wilhelm sind derzeit in der „regulären“ Ausstellung im Langbein-Museum zu sehen. Dieser betrachtete das Hirschhorner Original mehr oder weniger als einen Bruder im Geiste, als leidenschaftlicher Sammler, Künstler und Handwerker in einem ähnlichen Metier tätig wie der heute lebende Wilhelm. Bis zum 24. August sind unter dem Titel „Alt Process Photographie und Projektkunst – aus der Entwicklungs- und Asservatenkammer“ Wilhelm Werke zu sehen.

Mit seinem Werk hebt sich Wilhelm eindrucksvoll aus der breiten Gegenwartsfotografie heraus, vor allem durch seine Cyanotypien und Gummidrucke oder mit seinen mittels Lochkamera entstandenen Lichtbildern. Dank Beherrschung früherer, heute fast vergessener fotografischer Entwicklungstechniken aus der Pionierzeit gelingen ihm atmosphärisch dichte Abbildungen mit einer individuellen außergewöhnlichen Sicht auf die Welt unserer Gegenwart.

Info: Die Ausstellung ist bis 24. August im Erdgeschoss des Museums Hirschhorn, Alleeweg 2, zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr und Sonntag 15 bis 17 Uhr

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„Die Hirschhorner haben sich ihre Stadtmauer quasi ersoffen“

„Ein Rückblick kann auch ein Ausblick sein“, meinte Ulrich Spiegelberg einleitend zu seinem Vortrag über die früheren Berührungspunkte zwischen Hirschhorn und Neckarsteinach im Rahmen des Neujahrsempfangs. Herrschaftlich, sagte der Vorsitzende der Langbein-Freunde, seien beide Städte trotz der Nachbarschaft erst einmal getrennte Wege gegangen. Das habe an der jeweiligen Zuständigkeit der Kloster Worms, Speyer und Lorsch gelegen.

Die frühere Erwähnung Hirschhorns mit Ersheim im Jahr 773 sei auf die Bestrebungen der Lorscher zurückzuführen, ihren Herrschaftsbereich auszudehnen. Richteten sich diese Richtung Igelsbach oder Unter-Schönmattenwag, so blickten die Steinacher Ritter später gen Heddesbach. Eine mögliche erste Verbindung der beiden Geschlechter machte er durch einen Johann aus, der in beiden Stammbäumen auftauche.

Apropos Namen: Spiegelberg notierte amüsiert das inflationäre Vorkommen von Konrad und Bligger in Neckarsteinach, das eine Zuordnung oftmals schwierig mache. Die Hirschhorner hätten durch geschickte Heiratspolitik versucht, ihren Herrschaftsbereich auszudehnen, erläuterte er. Aber: „Die Steinacher Töchter waren nicht interessant. Die hatten wohl zu wenig Geld“, meinte der Fachmann unter dem Schmunzeln der Zuhörer.

Andersrum wiederum funktionierte es: Gegen Ende des Mittelalters heirateten Hirschhorner Töchter Landschaden von Neckarsteinach. Was aber auch nicht mehr viel brachte: Beide Geschlechter starben im 17. Jahrhundert aus. Auf der Mittelburg seien die Hirschhorner besitzmäßig immer vertreten gewesen, erklärte er. Dies komme auch durch ein Wappen in einem Neckarsteinacher Kirchenfenster zum Ausdruck. Erst durch den Tausch mit Brombach 1536 habe sich dies erledigt.

Mit Blick auf 625 Jahre Stadtrechte sagte Spiegelberg, dass der Bau der Stadtmauer nach dem am 10. September 1391 erteilten Befestigungsrecht durch eine Getränkesteuer finanziert worden sei. „Man kann auch sagen, dass sich die Hirschhorner ihre Stadtmauer quasi ersoffen haben“, sagte er lächelnd. In Neckarsteinach hätten diese Prozesse alle etwas später eingesetzt. Erschwerend sei die geteilte Herrschaft über den Ort von Worms und Kurpfalz hinzugekommen.

Spiegelberg führte an, dass es auch in der Kirchengeschichte der beiden Städte so manche Parallele gebe. Neckarsteinach sei Zufluchtskirche für die evangelischen Christen Hirschhorns gewesen, während von den Hirschhorner Karmelitern im 18. Jahrhundert die katholische Gemeinde wieder aufgebaut worden sei. Interessanterweise hätten sich erst kürzlich die beiden katholischen Gemeinden zu einer im hessischen Neckartal zusammengeschlossen.

„Fünf Monate lange gehörte die Hälfte Neckarsteinachs schon einmal zu Baden“, machte er weitere aktuelle Anklänge aus. Allerdings war dies Ende 1802/1803, im Zuge der Neugliederung durch Napoleon. Durch Gebietstausch fiel dann ganz Neckarsteinach an Hessen. Und heute? Von Errungenschaften im hessischen Neckartal in der Zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wie Forstamt, Landratsamt oder Amtsgericht sei nichts mehr geblieben, sagte Spiegelberg.

Der Wunsch nach „Offenheit und Transparenz“ beim Hirschhorner Neujahrsempfang

Das Wort „Abwahl-Antrag“ wurde beim Hirschhorner Neujahrsempfang zwar zu keiner Zeit offen ausgesprochen. Doch es schwebte den ganzen Abend über dem evangelischen Gemeindesaal und spiegelte sich in den Äußerungen der Redner wider, die es durch die Blume des Öfteren reflektierten. Abseits der aktuellen Pfade bewegte sich Uli Spiegelberg in seinem Vortrag über die historischen Berührungspunkte zwischen Hirschhorn und Neckarsteinach (ein extra Bericht dazu folgt). Für die musikalische Umrahmung sorgte die Katholische Kirchenmusik.

Eigentlich sollte der Neujahrsempfang den Auftakt für das Festjahr „625 Jahre Stadtrechte“ und „200 Jahre Carl Langbein“ bilden. Doch die Jubiläen traten durch die kommunalpolitischen Streitigkeiten ein wenig in den Hintergrund. Ein Veranstaltungsflyer für 2016 erschien rechtzeitig und liegt nun an den üblichen Stellen wie etwa der Tourist-Info aus. Wie an einer Perlenkette reihen sich das ganze Jahr über diverse Events aneinander – mit Schwerpunkt auf der ersten Septemberhälfte (6.9. Geburtstag Langbein und 10.9. Verleihung Befestigungsrechte).

Als Hausherr begrüßte Pfarrer Jörg Awischus die Gäste – und redete ihnen mit mahnenden Worten ins Gewissen. Man stehe „unter dem Eindruck einer politischen Krise“, sagte er. Es gelte, die Positionen aufzuweichen und aufeinander zuzugehen. „Es steht etwas auf dem Spiel“, so Awischus. Er wünsche sich „Offenheit und Transparenz“, betonte der Pfarrer. Nur ein Gespräch über Grenzen hinweg „kann Verhärtungen auflösen“. Die Lösung „liegt in der Mitte“ forderte er, von Maximalpositionen abzuweichen.

„In einer Zeit, die sich eher als Unzeit zeigt“, begrüßte der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Martin Hölz die Anwesenden, allen voran den Kreisbeigeordneten Volker Buser. Schon 2015 sei nicht frei von Krisen gewesen, blickte er über den Hirschhorner Tellerrand hinaus. 2016 habe auf der Welt „nicht weniger unruhig begonnen“.

Alle hätten die Möglichkeit der Teilhabe, was auch durch das dankenswerte vielfältige ehrenamtliche Engagement in der Stadt zum Ausdruck komme. Aus Polarisierung werde Positionierung, meinte Hölz – mit der Gefahr, dass daraus eine Spaltung werde. Er äußerte sich jedoch zuversichtlich, dass man nach einer Phase der Auseinander-Setzung auch wieder zu einer „der Zusammen-Setzung“ kommen könne.

Bürgermeister Rainer Sens spannte in seiner Ansprache einen weiten Bogen. Seinen Ausführungen zufolge „war Deutschland in den letzten 1200 Jahren stets auch ein Migrationsland“. Die Herausforderung der Flüchtlingsintegration könne man mit denen leisten, die hier seien, sagte er. Was ihm aber Sorge mache, „ist die organisatorische Herausforderung“. Wer besser vorbereitet sein wolle, dürfe im öffentlichen Sektor nicht nur kürzen.

Die bisherige lokale Strategie der Unterbringung von Flüchtlingen „ist voll aufgegangen“, sagte der Rathauschef. „Nicht, dass es überhaupt keine Probleme gäbe“, denn die Flüchtlinge seien so vielfältig wie die normale Einwohnerschaft. Er kündigte an, dass bis Ende März bis zu 37 neue Personen nach Hirschhorn kämen. „Das zu organisieren ist nicht mit dem kleinen Finger erledigt.“

Sens ging daneben auf die Schnelllebigkeit im Internet-Zeitalter und den Wettbewerb um die beste Quote in den Medien ein. Schlechte Nachrichten und Gerüchte verbreiteten sich ohne Blick auf ihre Qualität rasend schnell. Die Sorgfältigkeit bleibe dabei auf der Strecke. Doch „es hilft nichts, da müssen wir durch“.

Das Land Hessen saniere seinen Haushalt nach wie vor auf Kosten der Kommunen, führte das Stadtoberhaupt aus. Und die könnten nichts anders, „als an ihre Bürger weiterzugeben“. Dieser Frust darüber könne jedoch nicht dazu führen, „Sündenböcke zu suchen“. Die meisten fatalen Entscheidungen, die heute den städtischen Haushalt belasteten, „sind 20 Jahre und älter“.

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Nach einem ereignisreichen Jahr folgt für die Hirschhorner Langbein-Freunde ein noch aktiveres

Hinter dem Hirschhorner Freundeskreis Langbein‘sche Sammlung liegt ein ereignisreiches und erfolgreiches Jahr. Und in diesem werden die Aktivitäten nicht weniger, wies Vorsitzender Ulrich Spiegelberg auf die beiden Jubiläen „625 Jahre Stadtrechte“ und „200. Geburtstag Carl Langbein“ hin. Von 50 Mitgliedern im Jahr 2014 sei deren Zahl auf jetzt 64 angewachsen. Parallel stieg die Zahl der Museumsbesucher im gleichen Zeitraum von 600 auf 918.

In seinem Jahresbericht streifte Spiegelberg die wichtigsten Aktivitäten 2015. Darunter waren die Auszeichnung des Langbein-Museums als „Regionales Kulturerbe“ durch den Arbeitskreis der Heimat- und Geschichtsvereine des Kreises Bergstraße, der Vortrag über „Die Geschichte der Hirschhorner Steinbrüche“ von Hans Klinge oder der Erwerb der Pietà zusammen mit dem Altstadtverein.

Drei große Ausstellungen kennzeichneten das Vereinsjahr: mit den Werken von Akela Möhren, Evelyn Christoffers und Arthurs Krauss sowie der Schönauer Kunstwerker. Im Juni beteiligte sich der Freundeskreis am Aktionstag „Lebendiger Neckar“ mit einem Infostand. Der Vereinsausflug führte zum Weltkulturerbe Römischer Limes in Neckarburken und Osterburken. Im Juli und August beteiligte man sich an drei Ferienspielaktionstagen. Alle entstandenen Werke der Kinder wurden bei der Adventsausstellung öffentlich gezeigt.

Ende November hatte das Langbeinmuseum „hohen Besuch“. Der Vorstand des hessischen Museumsverbandes führte seine Jahrestagung in Hirschhorn durch. Beim Adventskaffee verlebten viele Gäste einen gemütlichen Nachmittag. Vereinsmitglied Rolf Belzner präsentierte eine Adventsausstellung besonderer Art. Seiffener Miniaturen und Volkskunst aus dem Erzgebirge lockten die großen und kleinen Besucher an.

Verschiedene Tiere der Ausstellung wurden, auch dank großzügiger Spender, vollständig restauriert und sind wieder ausgestellt. Ebenfalls erhielt der Verein einige Sachspenden wie einen Grenzstein, verschiedene Textilien, Stiche und einen Hühnerhabicht. Der Abguss des Felsbildes Waldbrudershütte hat jetzt seinen Platz im Museum gefunden. Im Geopark-Raum präsentiert er sich als weiteres Objekt. Allein 154 Besucher zählte man am vierten Adventswochenende während des Hirschhorner Weihnachtsmarktes.

In seinem Kassenbericht listete Jürgen Waibel die Einnahmen und Ausgaben auf. Letztere waren durch zahlreiche Anschaffungen höher als sonst. Nach wie vor präsentiert sich der Kassenbestand aber im Plus. Waibel wurde von Ilona Dörr eine sehr korrekte Kassenführung bescheinigt. Nach seiner und der Entlastung des Vorstands ging es um einen Ausblick auf 2016. Neben den Teilnahmen am Lebendigen Neckar und am Weihnachtsmarkt steht das Doppeljubiläum im Vordergrund.

Zum 625. Stadt-Jubiläum finden einige Ausstellungen statt: Vom 23. April bis 31. Mai gibt es einen Ausflug in die faszinierende Welt der heimischen Schmetterlinge mit einem Vortrag von Gisela Mauve. Vom 2. Juli bis 24. August stehen die Werke des Ludwigshafener Foto-Künstlers Günter Wilhelm (mit einem Vortrag im Herbst) im Mittelpunkt. Vom 3. September bis 11. November gibt es zum Thema 625 Jahre Stadtrechte verschiedene Objekte zu sehen.

Den Frühling und Sommer über wird Carl Langbein gehuldigt: Ab dem 18. März bis 29. Juli findet „eine Ausstellung in der Ausstellung“ statt. Zum Gedenktag seines Geburtstages am 6. September will man ihn am Denkmal auf dem Friedhof ehren und im Ersheimer Hof den Tag ausklingen lassen. Tag des offenen Denkmals am 11. September und Adventskaffee am 27. November runden die Aktivitäten ab.

Zwei Marketingkonzepte sollen umgesetzt werden, berichtete Schriftführerin Monika Hofmann: eines unter dem Titel „Geschichte(n) gemeinsam erleben“, ein anderes zur kommunikativen Jahresplanung 2016. In beiden geht es um eine Verbesserung und Optimierung des Bekanntheitsgrades des Langbein-Museums, mit dem Ziel, seine Wirtschaftlichkeit langfristig zu verbessern und zu gewährleisten. Zum Abschluss wurden noch verschiedene Ideen und Anregungen diskutiert, das Museum noch attraktiver zu machen.

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