„Undercure“ machen im Hüttenwerk Michelstadt den Originalen alle Ehre

Augen zu und die Illusion ist perfekt. Vorn auf der Bühne des Hüttenwerks steht die britische Pop-/Rock-/Wave-/Gothic-Band „The Cure“ und spielt ihre größten Hits aus 40 Jahren Bandgeschichte. Augen auf – und die Illusion ist noch genau so perfekt. „Undercure“-Frontmann Holger Schwinn hat sich optisch so detailgetreu seinem Idol Robert Smith angenähert, dass höchstens das Alter noch ein Unterschied sein könnte. Musikalisch gibt’s nichts zu meckern: Die Band aus dem Odenwaldkreis bleibt so dicht am Original wie es eben möglich ist.

Das alljährliche Karfreitags-Konzert im Hüttenwerk mit „Undercure“ ist seit zwölf Jahren ein Kult-Event: Man trifft sich in den guten, alten 80ern. 2006 gründete sich die Band und kann seitdem eine stetig wachsende Fanbasis verzeichnen. Die wissen es zum einen zu schätzen, was sie musikalisch geboten bekommen, zum anderen, dass es am Karfreitag eine willkommene Abwechslung zum Feiertags-Einerlei gibt. 260 Gäste zählte man zur Halbzeit an der Kasse, was eine ziemliche Enge im Saal bedeutete – die Michelstädter wissen, was sie an der Band haben.

Schwinn mit seiner hellen Stimme, die schon Richtung Falsett geht, mit seinen toupierten Haaren und dem geschminkten Gesicht gibt den Smith par excellence. Die Bühnenshow mitsamt Ausleuchtung ist völlig auf ihn zugeschnitten. Die fokussierten Bühnenstrahler in Weiß vom Boden, in Rot, Blau oder Gelb von der Decke her tauchen den Frontmann immer wieder ins richtige Licht, das in seiner scharfen Abgrenzung einen sehr stimmigen Rahmen zur Musik schafft.

Wenn auch der Sänger absolut im Fokus steht, ist der beste Shouter nichts ohne die Band im Hintergrund. Für den mal fetten, druckvollen, mal dezenten, getragenen Sound haben sich ein paar Instrumenten-Cracks aus dem Odenwald zusammengefunden, die auch in anderen Bands ihren Dienst tun. Schwarz ist natürlich die dominante Farbe bei der Kleidung, aber zum Glück nicht musikalisch dominierend. Markus Fabian (Gitarre), der seine lange Kutte wegen der Hitze auf der Bühne schnell fallen lässt, ist für die meist funkigen Riffs zuständig, darf aber auch mal solomäßig ran.

Jens Weimar (Bass) und und Heiko Birkenstock (Schlagzeug) halten immer den richtigen Groove und sorgen dafür, dass alles im Takt bleibt. Sie treiben mit ihrem Spiel kräftig die Songs voran und schaffen es, dass „langsame“ Studionummern live doch ein bisschen anders, fetziger klingen. Dirk Weimar (Keyboard) lässt sein Instrument mal sphärenhaft, synthiemäßig oder als Piano klingen – je nachdem welche Schaffensphase „The Cure“ damals hatten.

Über allem thront natürlich Holger Schwinn: schmale Gestalt, schwarze Klamotten, extrem rot geschminkte Lippen, eine Stromschlag-Frisur vom Feinsten. Viele Worte gibt es über die Songs nicht zu machen. Es ist immer wieder überraschend, wie viele Hits die Band geschrieben hat, die man irgendwo alle schon einmal gehört hat und die in Fleisch und Blut übergegangen sind.

„Fascination street“, „Fire in Cairo“, „Pictures of You“, „Boys don’t cry“ oder „Love cats“ sind solche unvergesslichen Stücke aus den vergangenen 40 Jahren, die von der Coverband in der ersten Hälfte wie an einer Perlenkette zelebriert werden. Ohne große Ansage geht’s in die Pause, um danach ähnlich weiterzumachen. Nach „Friday I’m in love“, „Lullalby“ oder „Jumping someone elses train“ ist klar, dass noch nicht Schluss sein würde. „Play for today“ und Seventeen Seconds“ schließen sich als Zugabe an.

Aber auch danach konnte, wer wollte, noch lange weiter feiern. Passend zum Konzert begeht das Original ja in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen unter diesem Namen. Die fünf Musiker von „Undercure“ hatten deshalb ihren Kollegen Sebastian Schimmer von der Band „Oel“ (DJ Schimmi) mitgebracht, um den Abend abzurunden. Im Anschluss gab‘s volles Programm mit 80er-Jahre-Musik im „Disco-Bistro“.

„Undercure“ will nicht nur die Songs der legendären, britischen Wave-Helden originalgetreu covern, nicht nur die Akkorde und Texte wiedergeben, sondern auch bei aller musikalischen Detailtreue den Geist der Songs auferstehen zu lassen und auf das Publikum zu übertragen. Das neue Experiment, die Songs auf Deutsch umzusetzen ist eine spannende Gradwanderung.

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Posted by Thomas Wilken on Saturday, March 31, 2018

 

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