Rennfahrer sollen auf gesundes Essen abfahren

Die schnellen Jungs sollen auf gesundes Essen abfahren, ist das „Ziel“ von Valentin Witzgall. Der gelernte Schreiner ist im „zweiten Leben“ Koch und arbeitet für das Bremotion-Rennteam aus Mühlheim/Main als Caterer bei drei GT4-Rennen in diesem Jahr. Bereits vor zwei Jahren war er bei einigen Veranstaltungen dabei und schwelgt noch in Erinnerungen an diese Zeit. Witzgall plant fürs kommende Jahr, dieses Engagement auszudehnen und sein Wissen auch in Kochkursen auf der eigenen, riesigen Terrasse im Almenweg weiterzugeben.

Bremotion-Chef Patrick Brenndörfer kennt der 41-Jährige schon lange: „Wir sind Kindergarten-Kumpel und zusammen Kart gefahren“, lacht er. Leider endete der erste Rennkoch-Anlauf vor zwei Jahren frühzeitig, da der Sponsor absprang, erzählt Witzgall. In diesem Jahr ist er aktuell zeitlich noch sehr stark eingebunden, sodass er vorerst nur drei Mal seine Kochkünste zum Einsatz bringen kann: auf Nürburg-, Hockenheim- und Sachsenring, beginnend Mitte August in der Eifel.

„Das ist wie Camping-Urlaub“, weiß er vom vergangenen Mal, der ihn auch ins belgische Spa führte. Der Koch schmeißt Gaskocher oder Gasgrill am Truck oder im Zelt an, um 20 bis 30 Leute zu verpflegen. Da es keine festen Essenszeiten gibt, „gilt es flexibel zu sein“. Natürlich muss man das mögen, sagt der Falken-Gesäßer, „aber es ist einen Riesenspaß“. Einen besseren Arbeitsplatz, meint er, „kann man nicht haben“.

Im Team wird viel gelacht und Gaudi gemacht. Das Fahrerlager mit den teuren Autos „ist eine ganz andere Welt“, hat der ehemalige Kart-Fahrer festgestellt. Bei den ADAC-GT4-Rennen tummeln sich Rennställe mit Mercedes, McLaren, BMW oder Porsche. „Da geht es um viel Geld“, sagt Witzgall nachdenklich. Das Ganze ist allerdings auch eine riesige Materialschlacht. Doch der Faszination Motorsport kann man sich nur schwer entziehen.

„Einfache, feine Geschichten mit einem gesunden Anstrich“ will er Rennfahrern, Team und Sponsoren schmackhaft machen. Wenn bei Männergesprächen der Benzindampf wabert, darf logischerweise viel gegrilltes Fleisch nicht fehlen, schmunzelt er. Aber ein schnelles Pastagericht oder ein Rumpsteak mit Zitronen-Spaghetti stehen auch auf seiner „Menüliste“. Die brauchen Power, meint er über die Rennteam-Mitarbeiter.

In seiner „Monkey-Kitchen“ will der 41-Jährige im kommenden Jahr Outdoor-Kochkurse anbieten, erzählt er. Es soll verschiedene Kategorien geben: unter anderem einen eher fleischlastigen Kurs für Männer, Afrika-Style oder auch vegetarisch. Witzgall orientiert sich dabei etwas an Jamie Oliver. Einfach, schnell, gut, mit frischen und gesunden Produkten soll es sein. Denn: „Heute wird viel zu schlecht gekocht, obwohl gutes Essen nicht schwierig ist.“ Bewusster essen ist sein Ziel. Kochfans jeden Alters sind willkommen.

„Mit wenig Aufwand viel erreichen“, lautet das Motto für den ersten Männerkochkurs. Sodass es für die Freundin eben nicht nur Nudeln mit Tomatensoße gibt, sondern Gnocchi mit Fenchel, geriebenem Käse, getrockneten Tomaten, Oliven, Pinienkernen und Lauchzwiebeln als frisches Sommergericht. „Das ist in zehn Minuten gezaubert“, macht es laut Witzgall wenig Aufwand.

Sowieso liegt dem passionierten Koch viel daran, „auf die Urkräuter zurückzukommen“, ohne gleich ein Pillchen einzuwerfen. Die Zutaten fürs Essen hat er gleich nebenan hängen: Basilikum, Minze, Petersilie und Rosmarin sind nur einen Handgriff entfernt. Da läuft schon bei der Zubereitung das Wasser im Mund zusammen. Und ebenso lecker schmeckt es dann auch.

Der Affen im Logo, egal ob das jetzt bei der „Wine’n Farmer Edition“, einer kleinen Messe für Lebensmittel-Erzeuger aus Oberzent, ist, oder beim musikalischen Terrassenfestival, kreierte Witzgall mit einem gewissen Hang zur Selbstironie. Denn er wurde aufgrund seiner vielen Arbeit öfters gefragt, „warum ich mich immer zum Affen mache“. Und schon war der Affe Programm.

 

Valentin Witzgall (41), stammt aus Darmstadt. Nach der Schreinerlehre zog er mit seiner damaligen Frau an den Niederrhein, konnte aber nicht im erlernten Beruf arbeiten. Stattdessen war er zwei Jahre als Maschinenführer in einer Brauerei tätig, dann als Bofrost-Fahrer. Nach dem Umzug vor 16 Jahren in den Odenwald machte er sein Hobby Kochen zum Beruf. Erst in der früheren „Dorfkatz“ von Falken-Gesäß oder im „Sackbendel“ Beerfelden tätig, arbeitet er seit 13 Jahren im Haus „Feist“ in Wahlen. Witzgall ist darüber hinaus vielfältig kulturell aktiv. Er spielt in der Band „Schlagsaite“ mit, veranstaltet bei sich jährlich das Terrassenfestival und gab in diesem Jahr mit der „Wine’n‘Farmer“ erstmals lokalen Erzeugern ein Podium.

Wohlfühlen in familiärer Atmosphäre beim Terrassenfestival

Aus einem traurigen Anlass heraus wurde ein Festival ins Leben gerufen, das in Oberzent schon längst über den Status eines Geheimtipps hinaus ist: Zum vierten Mal fand in der „Monkeylounge“ bei Valentin Witzgall im Almenweg sein Terrassenfestival statt, das neben den Darmstädter Bands „Mental Reservation“ und „Elephant Messiah“ auch den Lokalmatadoren von „Schlagsaite“ sowie Rebecca Müller und ihrer Band ein Podium bot. Wie es der Name schon sagt, auf der Terrasse mit außen angebauter Bühne.

„Eigentlich habe ich das Fest ins Leben gerufen, nachdem der Vater eines Freundes aus Darmstadt gestorben war“, erinnert sich der von dort stammende Witzgall, bei der Oberzent-Band „Schlagsaite“ Schlagzeugr. „Wir haben uns bei der Beerdigung alle wiedergesehen, obwohl wir mittlerweile über das ganze Land verstreut sind“, erzählt er. Der Hintergrund war sehr traurig, aber das Gefühl, die Grundschul-Freunde alle versammelt zu sehen und es wie „früher“ war, beschreibt er als super.

Das war der Startschuss: „Ich habe mir gedacht, dass ich es zu einem schönen Anlass mache.“ Seit Beginn an dabei: „Mental Reservation“. Die Band bot damals „Wohnzimmer-Konzerte“ an. „Ich habe die Jungs gefragt, ob sie dabei sind, und auf einmal war das erste Terrassenfestival geboren“, lacht der Organisator. Und weil das super ankam, wuchs es in den Folgejahren immer ein wenig. „Ich glaube, die Leute merken einfach, wie wichtig es mir ist und wie viel Liebe ich da rein stecke“, sagt er.

Natürlich „muss“ Vali Witzgall seine Idee gefallen, denn er hat sie ja umgesetzt. Das Feedback der Besucher und Teilnehmer macht ihm jedes Jahr aufs Neue Mut, eine Wiederauflage anzugehen. Denn die Reaktionen sind wohlwollend bis euphorisch. „Absoluten Respekt“ zollen die vier von „Mental Reservation“ dem Festivalmacher, „dass er einen so großartigen Event auf die Beine gestellt hat“. Das zeigt laut der Band mal wieder: „Man muss seine Visionen gelegentlich auch einfach mal umsetzen.“

„Leute, wir können euch sagen, was wir dort alles gesehen und erlebt haben, hat es in dieser Form noch nie für uns gegeben. UN – FASS – BAR“, schreibt „Elephant Messiah“ auf ihrer Facebook-Seite. Die Veranstaltung „wird uns auf jeden Fall auf ewig in Erinnerung bleiben“. Mit Liebe wurde ein toller privater Event aufgezogen, lobt die Darmstädter Gruppe. „Danke, dass wir dabei sein durften.“

Valentin Witzgall findet aus seiner Sicht den Abend „einfach extrem gut, weil ich das Gefühl habe, dass sich die Leute in familiärer Atmosphäre wohlfühlen und noch eine gewisse zwanglose Freiheit wie auf einer Gartenparty mit Freunden herrscht“. Und das, obwohl ein richtiges Programm mit extrem guten Bands geboten wird. Die hätten es normalerweise „bestimmt nicht nötig, für umsonst im tiefsten Odenwald zu spielen“.

Er registriert, dass jedes Jahr Besucher dabei sind, die extra wegen dem Terrassenfestival aus München, Köln, Frankfurt, Stuttgart, Darmstadt oder Mannheim kommen, „weil sie so eine Ungezwungenheit noch auf keinem anderen Fest erlebt haben“. Es kann jeder so sein, wie er will, und es werden keine Fragen gestellt, „was wer erreicht oder welchen Job er hat“, schildert der Organisator. „Das finde ich großartig.“

Als Musiker hat er das Glück, relativ viele gute Bands zu kennen, „die jedes Jahr wieder kommen und gerne bei mir spielen, weil sie sich überraschen lassen wollen“. Als Beispiel nennt er diesmal angebaute Bühne: „Ich hab letztes Mal gesagt, dass ich die nach draußen setze“, schildert er. „Jeder hat gemeint, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank habe“, lacht er. Ergebnis: „Die Besucher waren begeistert.“

„Es passieren immer witzige Dinge“, weiß er. „Ich glaube, das macht es aus.“. Dieses Mal fiel ihm beim Aufräumen so einiges in die Hände: Sonnenbrille, schwarzer Rucksack, schwarze Frauenschuhe Größe 36, schwarze Schildmütze mit der Aufschrift „Hollywood undead“ und ein blauer Herrenschlüpfer neben der Badewanne, postete Valentin Witzgall einen Tag später auf Facebook.